Ur. 97 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Kreitag. 26. April (935
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den Dichtern wird es dann nicht fehlen.
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ander abrechnen, so steht alles „Soll" alles „Haben" auf unserer Seite. Nur an Frankreich zu fordern, was es uns lich entrissen. Frankreich dagegen hat
auf seiner, wir haben widerrecht- nichts von
Dänisches Militär bekommt BsiammzuZage.
Man kann bekanntlich jedes Lebewesen bei reichlicher und vielseitigster Ernährung elend zugrunde gehen lassen, man braucht ihm nur den Reis geschält, das Mehl zu fein ausgemahlen, das Gemüse allzu lange gekocht zu geben. Die Vitamine, ohne die der Körper nicht existieren kann, werden dann zerstört und das Uebrige, mag es noch so delikat zubereitet sein, kann ihn nicht vor Skorbut, Beriberi und den anderen zerstörenden Krankheiten bewahren, die immer als Folge von Vitaminmangel auftreten. — Dieses weiß die Wissenschaft seit der Entdeckung jener seltsamen „Lebensstoffe", viel hat sie inzwischen durch die Arbeiten, vor allem deutscher Chemiker, über Art, chemische Zusammensetzung und Vorkommen einzelner Vitamine hinzugelernt. Immer noch scheinen wir aber mit der Erkenntnis
uns zu fordern, nicht ein Dorf, nicht einen Baum. Der Rhein ist, wie Arndt kurz und gut gesagt hat, Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze." lieber Napoleon I. urteilt er: „Napoleon war eine vorübergehende Erscheinung, Frankreich blieb. Mit Frankreich hatten wir es schon vor Jahrhunderten zu tun, mit ihm werden wir noch in Jahrhunderten
llchkeit, mit der diese gewandten jungen Männer Honig aus jeder Blüte zu saugen wissen, ist vom beruflichen Standpunkt gesehen höchster Anerkennung wert. Mit diesem Interview ist man in die große mandschurische Welt eingeführt, denn sie begleiten den fremden Besucher von Station zu Station, von Stadt zu Stadt. Da will man z. B. von Harbin nach Hsinking fahren ... „Halloh! Sir!" schreit der japanische Polizist an der Sperre, „jur Passport!" Schon hat er ihn geschnappt und drückt einen Stempel hinein. Dreimal wird dann auf der kurzen Strecke — es sind nur ein paar Hundert Kilometer — der Paß von Rot, Weiß und Gelb kontrolliert, mit wehenden Fragebogen kommt der Wirt im Hsindkinger Bahnhofshotel einem entgegengestürzt. Und wieder bescheinigt man, daß man aus Niederpimpelhausen, Bezirk Mitteldimpflingen, Kreis Oberdingsda in Dschörmany kommt. Das steht dann am nächsten Tage wieder in der Zeitung. Und zwar gleich in doppelter Aufmachung: einmal, daß Mister I Chardin verlassen hat, und zum andern, daß er in
das Verweilen in der Psychologie der handelnden oder betroffenen Personen. Die Novelle trägt Begebenheiten vor, und nicht Gedanken und Betrachtungen über solche. Sie nimmt sie ferner ernst, weil sie wirklich sind, oder doch als wirklich gedacht sind, und eben das sollte in der Leserschaft von heute eine neue Liebe zu ihr erwecken. Auch der echte Roman verschweigt ja die tragische Beschaffenheit dieser Welt keineswegs, wenn anders er den Ehrennamen der Dichtung verdient. Aber da gibt es doch Verweilen und Ruhen und heiteres Aufatmen und auch alles das Liebliche und die Spannen des Glycks, die nicht weniger wahr, und dieses Leben oft erst überhaupt erträglich machen. Die Novelle aber, in einem Gefäß von der edelsten Prägung, reicht uns den Auszug aller Kräfte dieses Lebens, auch der tödlichen, wie in einem einzigen Trunk.
Wer eine Novelle Heinrich von Kleists lieft, des unerreichten Meisters dieser Form unter uns Deutschen. der fühlt sich mit unausweichlicher Gewalt in die Mitte seines eigenen Wesens und Lebens gezogen — und spiele sie in Chile oder in San Domingo. Er sieht, auf wenigen Blättern, den Tod in das Leben verschlungen, Unschuld in Schuld verstrickt und die Schuld sich auf Erden röchen. Daher geht von dieser Form, nach derjenigen des Dramas auf der Bühne, die allerunmittelbarste Erschütterung auf den Menschen aus, und es sollte nicht ausbleiben, daß eine Nation, die nach dem neuen Drama begehrt, ficfi auch der neuen Novelle wieder mit allgemeinerer Liebe zuwendet.
Hsinking eingetroffen ist. Wo sofort nach Erscheinen der beiden Notizen wieder der Sturm der lokalen Reporter beginnt, die unbedingt wissen wollen, was Deutschland über Mandschukuo denkt, ob Deutschland Mandschukuo anerkennen wird und was Mister Hitler macht. — „Schweigen ist Gold." Also produziert man es, verbeugt sich durch Handauflegen auf die Knie so tief wie es der „Embon- point" gestattet, um dann am nächsten Morgen wiederum in den Zeitungen in konzentrierter Form ZU lesen, daß man schon wieder in die Klasse der „Mauernweiler" eingerüeft ist.
Belästigung? Störung des Reiseverkehrs? Keine Spur! Ich finde diesen Betrieb ganz amüsant! Man lernt Leute kennen und schwimmt im Strome der Zeit. Es gibt allerdings auch Menschen . . . z. B. Kaufleute ... die anders darüber denken. Diese Nörgler haben natürlich noch immer nicht begriffen, daß nicht die Wirtschaft, sondern die Politik das Schicksal ist . . . wenigstens in Mandschukuo . . .
auf diesem Forschungsgebiet am Anfang zu stehen; wenigstens mußte man diesen Eindruck in einem Vortrag gewinnen, den der dänische Landesgewerbe- arzt Dr. Gudjonsson vor der Berliner Medizinischen Gesellschaft über sein umfangreichen Forschungen hielt. Es scheint, als ob die Vitamine noch eine ganz andere Nolle in der zukünftigen Ernährungswissenschaft spielen werden, wie sie' wohl auch für die Geschichte der Völker, besonders aber für die Entwicklung der nordischen Nasse eine ganz raschende Bedeutung gehabt haben.
sondern von dem „anderen Moltke", dem Manne des tiefen Gemüts, des zarten Empfindens und der feinsten Beobachtung.
Im „Daheim" hat er im Jahre 1866 eine Selbstbiographie gegeben, aus der einige Sätze mitgeteilt feien: „Schon im zwölften Lebensjahre wurde ich mit einem älteren Bruder nach Kopenhaaen in die Landkadetten-Akademie gebracht. Ohne Verwandte und Bekannte brachten wir dort eine recht freudlose Kindheit zu, die Behandlung war streng, selbst hart und wir gewöhnten uns früh an Entbehrungen aller Art. Dankbar erinnere ich mich der einzigen Familie, die uns. liebreich aufnahm. Der General Hegermann-Lindencrone besaß einen hübschen Landsitz nahe der Stadt, welcher der Tummelplatz unserer Knabenspiele an Sonntagen wurde, mit drei Söhnen des Hauses, welche sich später in der dänischen Armee hervorgetan haben. Der Verkehr mit den edlen, feingebildeten Mitgliedern dieser Familie hat wohltätig auf meine ganze Entwicklung gewirkt. Als Offizier und mit guten Zeugnissen und Empfehlungen versehen, kam ich 1822 nach Berlin und trat nach besonderer Prüfung als jüngster Sekondeleut- nant zu Frankfurt an der Oder in das 8. Jnfante- rie-Negiment ein. Damals kommandierte General von der Marwitz die 4. Kavallerie-Brigade, dessen Gemahlin eine geborene Gräfin Moltke war. Ich fand in diesem Hause wohlwollende Aufnahme. Der alte General gab dem jungen Leutnant eines Tages eine Höfiichkeitslehre, die er nie wieder vergessen hat. Aufgefordert abzulegen, wollte ich den Degen ohne weiteres in die Ecke stellen, als ein: „Im Vorzimmer, wenn ich bitten darf," mich rektifizierte. Ausnahmweise früh gelangte ich zum Besuche der Kriegsschule in Berlin. Das Vermögen meiner Eltern war durch die Kriege und eine Reihe von Unglücksfällen verloren gegangen, ich war ohne alle Zulage und mußte mich sehr einschränken."
In den Jahren 1836 bis 1839 weilte Moltke in der Türkei; viel zu wenig bekannt sind seine Briefe und Reiseschilderungen aus jener Zeit. Auch sonst schriftstellerte er fleißig. Im Jahrgang 1840 der ..Deutschen Vierteljahresschrift" erschien Moltkes
Aufsatz „Die westliche Grenzfrage". Da lesen wir: „Wenn Deutschland und Frankreich " '
Dr. Gudjonsson hat sich nicht mit ____
experimenten und theoretischen Untersuchungen begnügt, sondern in großangelegter Weise auch die Wirkung besonderer Ditaminzufuhr auf den Menschen erforscht. Etwa 1000 Personen erhielten ein Jahr bzw. ein halbes Jahr lang unter ständiger Kontrolle eine tägliche Sonderportion Vitamin in Form von Spinatin. Die eine Gruppe der Versuchs- pirfonen bestand aus Arbeitern, die zweite aus Soldaten, die dritte aus Schulkindern. Der Erfolg war in jedem Fall verblüffend; Appetit und Wohlbefinden hoben sich bei allen. Erkältungskrankheiten traten seltener auf; bei den Arbeitern war der bessere Gesundheitszustand besonders auffällig. Sehr interessant ist ferner die Tatsache, daß infolge der Vitaminzugaben die Dicken ab- und die
den Schulkindern wurden zwar keine Leistungssteigerung, aber ein gutes Allgemeinbefinden festgestellt. Außerdem nahm bei Kindern unter zehn Jahren das Nägelwachstum zu, bei Kindern über Zehn Jahren und bei Erwachsenen blieb es geringer. — Der günstige Erfolg dieser Versuche führte dahin, daß nunmehr das gesamte dänische Heer und ebenso auch die Schulkinder täglich eine besondere Vitaminportion bekommen.
Das Raisel der Frühzahrsmüdk'gkeii.
Vitamine sind flüchtige, leicht zerstörbare Stoffe. In Konserven halten sie sich nicht und den Winter überdauern sie ebenfalls nicht gut. Im Frühjahr fehlen sie darum merklich. Unbewußt hat schon jeder unter diesem Mangel gelitten, wenn er sich an einem warmen Frühlingstage beim ersten Spaziergang unnatürlich müde fühlte, oder wenn im Büro die gewohnte Arbeit nicht vom Fleck gehen wollte. Erst heute weiß man, daß die „Frühjahrsmüdigkeit", die mit den ersten frischen Gemüsen manchmal schon wie fortgeweht ist, nichts weiter als Vitaminmangel ist. — Aber auch die Anfälligkeit gegen Infektionskrankheiten hängt damit zusammen. An 30 000 Tierversuchen hat Dr. Gudjonsson den Beweis erbracht, daß bei vitaminarmer Ernährung der Organismus den Infektionen keinen Widerstand zu bieten vermag. Die starke Verbreitung von Grippe und anderen Massenkrankheiten im Frühjahr hat sicher die gleiche Ursache.
Mit dem Viehfuiier muß die Reform beginnen.
Die Versuche Dr. Gudjonssons beweisen, daß das dänische Volk in seiner normalen Nahrung zu wenig Vitamine erhält und was für Dänemark' mit seiner hochentwickelten landwirtschaftlichen Kultur richtig ist, gilt zweifellos für die meisten anderen Kulturstaaten. Da man den unbeständigen Charakter und die leichte Zerstörbarkeit der Vitamme kennt, kann man sich leicht ausmalen, wieviel von ihnen bei der üblichen Art der Zubereitung in der modernen Küche übrig bleibt. In dänischen Krankenhäusern gibt es ein sehr beliebtes Gericht, das aus Butter, Mehl, Ei und verschiedenen Gemüsen besteht, jedes der Bestandteile ist stark vitaminhaltig. Wie Dr. Gudjonsson festgestellt hat. Zeigt das fertige Gericht nach der dreifachen Prozedur des Röstens, Dämpfens und Backens keine Spur dieser lebenswichtigen Stoffe mehr. Aehn-
Oer andere MEe.
Äon Or. Ludwig Roth.
Dieser Mann war, als er berufen wurde, etwas für die Unsterblichkeit zu tun, bereits 65 Jahre alt! Er kam vom Schreibtisch, aus der Einsamkeit des Arbeitszimmers. Wenige kannten ihn; niemand beachtete ihn. Noch am Morgen des 3. Juli 1866 — des Tages von Königgrätz — erwiderte der General von M anstein, als Moltke diesem Divisions-Kommandeur unmittelbar einen Befehl zukommen und erläutern ließ: „Das ist alles sehr richtig, aber wer ist der General von Moltke? Acht- undvierziq Stunden später fragte niemand mehr! Da buchstabierten den wundersamen Namen die Schulkinder in den entlegensten Dörfern!
Seit dem Tage von Sedan war der schlichte, einfache Soldat der gefeiertste Kriegsmann Europas. Aber nicht von dem unbesiegbaren Feldherrn, dem großen Strategen Moltke will ich heute erzählen.
Ernährung und Leistung.
Aufsehenerregende Untersuchungen eines dänischen Gelehrten.
. Äon Dr. L. Lkbrrt.
Japaner tun das Gleiche und lassen sich zur Sicherheit jedesmal noch eine Visitenkarte dazu geben. (Der Verschleiß an solchen Karten ist m der Mandschurei ein ganz enormer!) Dann kommen wieder die roten Russen und machen das Gleiche wie ihre gelben Kollegen — man hat beinahe das Gefühl, als sei jeder eifersüchtig auf den andern und jeder müsse irgendwie seine Existenzberechtigung nachweisen. Die Pässe einzufam- rneln und zu behalten, das Recht haben natürlich nur die Japaner, und mit der unendlichen Höflichkeit, die die Söhne des Landes der aufgehenden Sonne auszeichnet, geben sie mit bewegten Worten ihrer unendlichen Traurigkeit darüber Ausdruck, dem Reisenden leider die Mühe machen zu müssen, diese Pässe an der Endstation selber bei der Bahnyofskommandantur wieder abholen zu wollen, zu lassen, zu müssen, zu bitten.
Zwar hat man bisher schon vier Fragebogen — alle untereinander gleich — ausgefüllt, aber auf der Bahnhofskommandantur der Zielstation bekommt man den 5. in gleicher Aufmachung wie die vorherigen nochmals vorgelegt. Wieder bekommt man einen Stempel, wieder gibt man eine Visitenkarte ab und dann erst kann man sich aufatmend — im Busen die bedrückte Frage wälzend: „Was hast du eigentlich ausgefressen?" — in den ersten besten Wagen werfen, um ins erste beste Hotel zu fahren. Aber auch dort kommt mit wehendem Fragebogen einem bereits der Herr Hausdiener entaegengestürzt. Und in halbem Trance-Zustand bescheinigt man zum 6. Male, daß man der Sohn des Herrn Paul ist, daß man aus Niederpimpelhausen, Bezirk Mitteldimps- lingen, Kreis Oberdingsda in Dschörmany zu Hause ist, und daß man solange in Mandschukuo bleiben will, bis — nun bis einen die Banditen „kidnappen". So lautet nämlich der Terminus technicus...
„Uff"! denkt man dann erleichtert, wenn der chinesische Boy einen mit jener selbstverständlichen Höflichkeit, die ein Zeichen uralter Kultur ist, in die zuständigen Appartements geleitet hat — — „uff! Nun hat die Fragerei hoffentlich bald ein Ende!" — Mit nichten, Geliebte! Jetzt beginnt sie erst recht! Denn genau 24 Stunden später setzt der Sturm der Reporter ein! In der Mandschurei ist nämlich jeder Fremde, ganz gleich ob es sich um einen Interessenten für Soja-Bohnen ober um den Note-Kreuz-Delegierten, den Herzog von Coburg-Gotha handelt, ein „Mauernweiler". Und als solcher muß er--daher wohl auch die vielen Fragebogen!--ein Interview g^ben! Die
erste Frage ist immer die: „Was denkt Deutschland über die Mandschurei?" Die zweite: „Wird Deutschland die Mandschurei anerkennen?" und drittens: „Wot meks Mister Hitler?" Das heißt auf Deutsch — — (ein Englisch wird hier gesproch-n. ... Kinder, ich sage Euch!)--also das heißt
„Was macht Herr Hitler?" — — Nun, was soll man auf diese Fragen antworten? Die M->hr- mhl aller Zeitungen — — soweit sie unter indischem Einfluß stehen oder der rot- ober weiß-russisch angestrichen sind — stehen Deutschlanb im Wesentlichen ablehnenb gegenüber. Man kann also gar nichts antworten, benn erfahrungsgemäß sucht jeber mandschurische Schriftleiter einen Kronzeugen für seine private Deutschland-Theorie, und wenn er sich dabei auf einen „prominenten Mauernweiler" berufen kann--um fo besser!
Mit der Gewandtheit eines Seiltänzers, gehandicapt durch die entwaffnende Höflichkeit der Reporter, windet man sich durch mittels Lobreden auf! bie fabelhafte Ordnung in der Mandschurei —: Ich sage Ihnen, bear Sir, am meisten haben mir Ihre Fragebogen imponiert, die müßte man in Deutschland eigentlich auch einführen, natürlich nur für Ausländer, um ihnen bas Reisen zu erleichtern ... ja und im übrigen, was ich noch sagen wollte: in Dschörmany ist alles ohl reiht ... sehr gefreut — Auf Wiedersehen!"
Am nächsten Tage steht dann die ganze Geschichte in sechs verschiedenen Fassungen in den sechs lokalen Tageszeitungen; und die Geschick-
Heiterer Reiseführer für Mandschukuo.
Äon unserem HT.-Berichierstatier.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) M u k d e n, März 1935.
In Berlin — oder sagen wir mal in Deutschland — ist das Reisen für einen Ausländer verhältnismäßig einfach: „man" kauft sich ein Billett, steigt in den fahrplanmäßigen Zug — nehmen wir an von Berlin nach München — sitzt feine acht oder neun Stunden ab und ist dann vorschriftsmäßig „da". Dann geht besagter „man" ins erste beste Hotel, läßt vom Hauswart seinen Namen aufschreiben, der Zimmerschlüssel wird ausgehändigt, und der Fall ist ausgestanden.
So einfach ist das Reisen in der Mandschurei — heute Mandschukuo genannt — natürlich nicht, denn der Europäer fällt dort genau so auf, wie in Europa ein Asiat. Und jeder Eingeborene, angefangen vom Minister bis herab zum letzten uniformierten Ordnungshüter, legt sich beim Anblick eines Weißen die Frage vor: „Was will der Mann bei uns? Was sucht er hier? Und: Warum ist er nicht zu Hause geblieben?" — All diese Fragen müssen natürlich beantwortet werden, und zu diesem Zweck hat man in der Mandschurei den auch daheim Dicht unbekannten „Fragebogen" eingeführt, ein Papier, das den Europäer auf Schritt und Tritt begleitet und das z. B. viel, viel wichtiger als eine reguläre Fahrkarte ist.
Zum ersten Male macht man die Bekanntschaft dieses Fragebogens beim Betreten der Mandschurei, wo man ihn auf d e r G r e n z st a t i o n Mand- schult gleich in drei Ausfertigungen aus- füll.en muß. Mit Ausnahme des Konfirmations- Tages und des Verlobungsdatums muß jede Frage beantwortet werden, die im Leben eines normalen Mitteleuropäers eine Rolle spielt! Sogar die genaue Heimatadresse wird verlangt, ganz gleich ob man aus Kötzschenbroda oder Dummsdorf kommt. Mit Schikane, Neugier oder Stumpfsinn hat das natürlich nichts zu tun, ... die höflichen Japaner find von einer unerhörten Korrektheit. Ich nehme an, daß alle diese Angaben nur gefordert werden, um „im Falle eines Falles" die Angehörigen des also ausgefragten Reisenden benachrichtigen zu können, falls diesem in der Mandschurei eines Tages irgendetwas Menschliches zustoßen sollte. Menschlich insofern, als die Eisenbahn-Banditen — — Doch ich irre ab! Alles der Reihe nach! Zur Sache selbst möchte ich nur bemerken, daß mit Vorliebe die „big men", d i e „dicken" Leute, geraubt werden, weil die Hungusen diese Körperbeschaffenheit eigenartigerweise in Beziehung zum Umfang des Portemonnaies zu setzen pflegen. Neulich habe sie z. B. die wohlbeleibte Gesellschafterin einer Amerikanerin gemaust und den eigentlichen, aber spindeldürren „Goldfisch" schwimmen lassen ...
Also: der „Fragebogen"! Hat man ihn beim Betreten der Mandschurei dreimal.pusgeUi2t, dann ist der erste Teil der Zeremonie vollendet. Jetzt muß man lediglich dem lokalen Grenzkonsul nochmals bescheinigen, daß man weiß Gott und wahrhaftig aus Niederpichpelhausen, Bezirk Mitteldimps- lingen, Kreis Oberdingsda in Dschörmany stammt, worauf man nicht weniger als acht ungeheuer dekorativ wirkende Stempel in den Paß gedrückt bekommt und sich nun frei und ungehindert — soweit eben die Berufsbanditen, gegen die Japan einen energischen Kampf kämpft — damit einverstanden find, in ganz Mandschukuo bewegen kann. Das heißt — auch das ist natürlich nur cum grano salis zu verstehen: im Zuge selbst jagt nämlich eine Kontrolle b i e andere! Japanische Polizei ober Feldgendarmerie kontrolliert bie mitreisenden japanischen Soldaten — ganz in der Ordnung! Sowjetrussen — denen die Bahn auch noch „mit"gehört — kontrollieren die Pässe der Fremden und tragen „Nam und Art" in dicke Bücher ein.
» zu tun haben." Als er im Jahre 1840 diese Wo^ts ■ über den ersten Napoleon schrieb, konnte er nicht ahnen, daß er selbst von der Vorsehung dazu bc» - rufen fein würde, dreißig Jahre später bas Kai- t fertum bes brüten Napoleon zu vernichten!
) Bitter klingt uns aus biefer Schrift vom Jahre ! 1840 ein Wort entgegen, das die Summe seiner ■ geschichtlichen Erfahrung enthält: „Es ist ein hartes • Los, in Deutschland Patriot zu fein, denn man wird : vergessen." Erst mit 41 Jahren fjat sich Moltke ver- • lobt, er war fast 26 Jahre älter als seine Braut : Marie Burt. Nach einjähriger Brautzeit wurde : am 20. April 1842 die Hochzeit gefeiert. Die Briefe : Moltkes an seine Braut und Gattin gehören, wie ; die Bismarcks, zu den schönsten Besitztümern des . deutschen Volkes. In glücklichster, leider kinderloser Ehe blieben die beiden Gatten 26 Jahre lang ver-
: bundcn Am Weihnachtsabend des Jahres 1868 stand Moltke am Sterbebett feine geliebten Frau, die nur ein Alter von 42 Jahren erreicht hat. Immer wieder beschäftigte er sich mit dem allzufrühen Verlust der geliebten Lebensgefährtin. Seine Frau und er waren mit dem amerikanischen Gesandten V.ancroft eng befreundet. Ihm sagte er nach innigen Worten der Liebe und der Bewunderung für die Verstorbene: „Ich muß jetzt gerade denken, ob es nicht eine Gnade Gottes ist, daß er sie mir jetzt genommen hat. Sehen Sie, nach meiner Meinung ist ein Krieg mit Frankreich unausbleiblich, was immer der Vorwand sein wird. Gesetzt den Fall, wir unterliegen — das würde sie nie überlebt haben, Der Gram um ihres Landes Schmach würde ihr Herz gebrochen haben. Nein, nein, das würde noch schwerer zu tragen gewesen fein!"
Und dieser Krieg kam. Am 18. Juli 1870 schreibt er: „Der ruchlose Abenteurer von Voulogne hetzt zwei Völker aufeinander, um seine dynastischen Interessen, wenn möglich, zu retten. Nie ist ein Krieg gerechter geführt worden, als dieser von unterer Seite, und so hoffen wir auf Gottes Beistand. Aber seine Wege sind nicht unsere Wege, und in der Weltentwicklung führt er auch durch verlorene Feldzüge zum Ziel."
Moltkes Briese, Schriften und Tagebücher zeigen uns den „anderen Moltke", nicht den Meister der Strategie, sondern den gefühlvollen, feinsinnigen Menschen! Sein Taktgefühl, sein zartsinniges Emv- finben, hat am schönsten in seinem so wenig bekannten Wort Ausdruck gefunden: „Die wahre Höflichkeit und der feinste Weltton ist die angeborene Freundlichkeit eines wohlwollenden Herzens." Es ist eine wunderbare Fügung, daß die drei großen Paladine unseres alten Kaisers: Bismarck. Roon und Moltke, so tief innerlich empfindende Männer gewesen sind, Meister der Sprache und der Feder, I roie sie selten einem Volke geschenkt werden!
lieber dis Novelle.
Äon Alverdes.
Die Novelle ist noch immer bei den Verlegern, den Buchhändlern und her großen Menge des bücherlcsenben unb bücherkaufenden Publikums wenig beliebt. Ja, es besteht sogar immer noch eine allgemeine Abneigung gegen diese Form. Wenn wir uns aber noch einmal kurz über den Begriff der Novelle verständigen, so werden wir zugleich auch die Gründe dieser Abneigung erkennen. Sie hängen mit dem allgemeinen Charakter der Epoche zusammen, an deren Ende wir stehen.
Die Novelle nämlich forbert; kurz gesagt, den Bericht über eine neue, bas heißt zugleich eine außerorbentliche Begebenheit unter Menschen in Dichterischer, bas heißt also, auf bas Wesentliche bedachter Sprache. Dies unterscheidet sie von dem bloßen Neuigkeitsbericht der Zeitungen etwa, der sich auf die knappe Mitteilung des Tatsächlichen beschränkt. Die Forderung ferner, daß sich ihre Begebenheiten in der Welt des Wirklichen, ohne das Walten von Wundern, himmlischen oder teuflischen Mächten zutragen müssen, grenzt sie gegen die verwandte Form der Sage, der Legende und des Märchens ab. Es kann bei einer solchen Form nicht ausbleiben, daß sie sehr häufig, ja in der Regel einen Inhalt von erregender, erschütternder, wohl auch zunächst bestürzender Art umfaßt. Denn abgesehen von der seltenen, köstlichen Form der echten humoristischen Novelle, als deren Meister wir Gottfried Keller verehren, hat es ja die hier geforderte außergewöhnliche Begebenheit unter Menschen, die schicksalswendende also in der Regel an sich, baß sie den Zuhörer ganz unausweichlich an die letzten fragen des irdischen Daseins heranführt.
Das sind aber Fragen, vor denen gerade der Mensch der nun endenden Epoche so gerne die Ohren verschloß. Er wollte es mit seiner lieber» schätzung des bloßen Verstandes nicht wahr haben, daß diese Welt, nach Kleists Wort, eine gebrechliche Einrichtung sei, und daß wir Wahres von ihr weder wissen noch dichten können, wenn wir das unvorhergesehene Walten großer ober boch unerklärbarer Schicksalsmächte leugnen. Mit biefen aber auf ber einen, unb mit ber unausweichlichen Gebundenheit des Menschen an seine Menschenwelt auf der an- ■ ■eren, das heißt an seine Wesensart unb an feinen Smnb, seine Familie etwa, sein Volk, seinen Glauben ober auch fein ihm eigentümliches Gefühl von Recht ober Sitte, hat es die Novelle zu tun.
Es versteht sich, daß bei dem knappen, gedrängten und auf einen einzigen großartigen Schwung bedachten Vortrag kein Raum bleibt für breitere
f ‘'bering d-- nur Gegenständlichen oder auch für
Schlanken zunahmen. Das Vitamin reguliert also offenbar das Körpergewicht und bringt es auf den normalen Stand. Die „Vitaminmann- fchaft" der Soldaten zeichnete sich besonders beim Sport durch größere Leistungsfähigkeit aus. Bei


