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Große Bauernkundgebung in Wetzlar

einzelnen S)auptanteuungen |tan, Abschluß der winterlichen Propagi einmal jedem die Bedeutung der Er

irzeugungsschlacht

tum gerettet hat.

Am Vormittag fanden die Sondertagungen der einzelnen Hauptabteilungen statt, in denen zum Abschluß der winterlichen Propagandaarbeit noch

gemeinschaft ist es, unter Verwertung der in der Woche des deutschen Buches" gewonnenen prak­tischen Erfahrunaen diese Zusammenarbeit in plan­mäßiger Weise fortzuführen und auszubauen. Die Anschrift lautet: Reichsarbeitsgemeinschaft für Deut­sche Buchwerbung, Berlin W 8, Mohrenstraße 65.

Deutsche

Maschinenschreib-Meisterschast 1935.

Eines der wichtigsten Ereignisse des Deutschen Stenographentages 1935 in Frankfurt a. M. wird die Austragung der Deutschen Meisterschaft im Maschinenschreiben sein. Zum erstenmal werden die Maschinenscyreiber in Deutschland ihr Können un­ter Beweis stellen. In Amerika wird das Maschi­nenwettschreiben seit Jahrzehnten gepflegt. Schon 1906 wurde dort die erste Maschinenschreib-Meister- schäft ausgetragen. Zur Zeit hält George Hoß- f i e l d , ein Deutsch-Amerikaner, mit einer Leistung von 135 Wörtern in der Minute 775 Netto-An­schlägen die Meisterschaft im Maschinenschrei­ben. In Deutschland werden nun in Zukunft regel­mäßig Leistungsschreiben zur Ermittelung des deut­schen Meisters im Maschinenschreiben abgehalten werden. Das Maschinenschreiben, das oft noch ver­kannt wird, soll in das yelle Licht der Oefsentlich- keit gerückt und ebenso wie die Kurzschrift zu einem Volksgut gemacht werden. Wie wichtig das ist, geht aus den Veröffentlichungen der Arbeitsämter im ganzen Reich hervor, die besagen, daß ein Mangel an tüchtigen Stenographen und Maschinenschret-

bern besteht. Die Meisterschaft wird unter folgen­den Bedingungen ausgetragen: Teilnahmeberech­tigt sind alle deutschen Maschinenschreiber ohne Rücksicht auf ihre Zugehörigkeit ,tur Deutschen Ste­nographenschaft, allerdings nur Zehnfingerschreiber. Die Schreibmaschinen sind von den Teilnehmern selbst zu stellen. Alle Marken sind zugelassen. Das Schreiben wird in drei Gruppen durchgeführt: An­fänger (Mindestforderung 180 Anschläge je Mi­nute), Praktiker (Mindestforderung 240), Meister­schreiber (Mindestanschläge 300). Für die beste Ar­beit in der letzten Gruppe wird der TitelDeut­scher Meister im Maschinenschreiben 1935" verliehen. Die genauen Teilnahmebedingungen sind durch alle Ortsgruppen der Deutschen Stenographenschaft er­hältlich.

Evangelium und Aottsium in Spanien

In der Stadtkirche fand gestern abend ein Licht- bibdervortrag statt, der sehr gut besucht war. Nach einem Orgelvorsviel und dem gemeinsam gesunge­nen LiedeAch bleib mit deiner Gnade" hielt Pfar­rer Becker eine kurze Ansprache, in der er die zahlreichen Teilnehmer begrüßte, insbesondere den Redner willkommen hieß.

Dann sprach Pfarrer Theodor F l i e d n e r (Ma­drid) über das ThemaEvangelium und Volkstum in Spanien". Er stellte feinen Ausführungen das Gleichnis vom Weizenkorn voraus und wies darauf hin, wie gerade dieses Gleichnis für die evangelische Arbeit in Spanien zutreffe. In Spanien sei dieses Leben durch Sterben" in lang-r, schmerzlicher Ge-

gezeigt wurde.

Am Nachmittag bildete die K u n d g e b u n g auf dem Domplatz den Höhepunkt des Tages. Nach An­kunft des Gauleiters und des Landesbauernführers, die von der Menge freudig begrüßt wurden, er­öffnete Kreisleiter Haus die öffentliche Kund­gebung. Nach einem Sprechchor der HI. nahmen Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger und Lan­desbauernführer Dr. Wagner die Ehrung ver­dienter Landarbeiter der Kreisbauernschaft Hessen- Nassau Nord-Ost vor. Dann ergriff

der Gauleiter

das Wort. Er betonte, daß auf dieser Kundgebung der Stolz des Bauern auf seine Trbeit zum Aus? druck komme. Er wies auf die Unterdrückung des Bauerntums in der Epoche des. Liberalismus hin, die schließlich zu nichts anderen als dem völligen Untergang des gesamten Bauerntums hätte führen müssen. Das würde aber, so erklärte der Gauleiter, auch den Untergang für das gesamte Volk bedeutet haben, dessen Bestand nur in dem Bauerntum ver­ankert ist. Der Gauleiter wies auf die Kräfte hin, die seit Jahrzehnten, fa fast seit einem Jahrhun­dert auf die Zerschlagung des deutschen Bauern­standes hinarbeiten; damit sollte bann auch Deutsch­land überhaupt getroffen werden. Dem Angriff, der in der Zeit um 1870 erfolgte, sei schon Bismarck entgegengetreten. Bereits damals sei es die Ab­sicht gewesen, Nahrungsmittel in großen Mengen aus fremden Ländern einzuführen und damit die Arbeit der deutschen Scholle zu verdrängen. Der Gauleiter wandte sich bann weiter u. a. den Der-

Wetzlar, 25. März. (Lpb.) Hier hatte sich am gestrigen Sonntag auf dem fahnengeschmückten Domplatz eine vieltausendköpfige Menschenmenge zu ber nationalsozialistischen Bauernkundgebung der Gauleitung und der Landesbauernschaft eingefun- den. Viele Bauern waren aus den Dörfern an der Lahn und der Dill herbeigeeilt. Jeder wußte, daß dieser Tag vom Geiste unseres Führers Adolf H i t- ler beseelt sein würde, der das deutsche Bauern-

hältnissen der Nachkriegszeit zu, in dem das Sy­stem-Deutschland" versuchte, unsere Landwirtschaft zu rationalisieren. Auch das sei ein Kampf gewe- sen, der sich genau so gegen das deutsche Bauern­tum richtete, wie die geschilderten Bestrebungen der Vorzeit. Aus den Worten des Gauleiters erklang weiter die Rettung des deutsckenBauern- t u m s nach der Machtübernahme Adolf Hitlers. Er ging auf die Errichtung des Reicksnähr- standes ein und wies auf die Auswirkungen der getroffenen Maßnahmen hin. Dann wandte er sich dem R e i ch s e r b h o f g e f e tz zu und erklärte da­bei u. a., daß allein schon die eine Tatsache, daß nunmehr wieder bäuerliches Recht des Bauern selbst gesprochen werde, von ungeheurer Bedeutung und Tragweite sei. Er ging weiter auf die Rasse- frage ein und wies auf die Zusammenhänge der Einführung der allaemeinen Wehrpflicht zum deut­schen bäuerlichen Mann hin. Zum Schluß feiner Ausführungen wandte sich der Gauleiter den Pro­blemen der Erzeugungsschlacht zu, deren großes Ziel die Versorgung des deutschen Volkes mit seinem notwendigsten Lebensbedarst aus eigener Scholle und somit die Erringung der unabhängigen Ernährungs- grundlage Deutschlands sei. Der Führer habe Deutschland frei und unabhängig gemacht, an dem deutschen Bauern hinge es nun, in der Erzeugungs­schlacht an dieser großen Aufgabe mitzuorboiten.

Stürmischer Beifall dankte dem Gauleiter für seine Worte, in denen er dem Bauerntum von Oberlahn, Dillenburg, Biedenkopf und Wetzlar einen Ansporn zur Zusammenfassung aller Kräfte in dem nun beginnenden friedlichen Kampf der Scholle für das Volk gegeben hatte. Den eindrucksvollen Worten des Gauleiters fügte

der Landesbauernführer

nur kurz noch die Aufforderung an die Bauern an, jeder Bauer solle jetzt an die Arbeit gehen und eine Pflicht tun, um die Nahrungsfreiheit des deut- chen Volkes zur Sicherung feines Bestandes zu chaffen. Unseren Herrgott müsse jeder Bauer um gut Wetter bitten für Deutschland, um unseres Vol­kes notwendigste Güter schaffen zu können.

Die Kundgebung wurde mit dreifachem Sieg- Heil auf unseren großen Führer Adolf Hitler und dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes geschlossen.

kräste in der deutschen Wirtschaft zu gewährleisten und zur Bekämpfung der Schwarzarbeiter und Be­rufsfremden wird durch das Gesetz vom 25. 2. 1935 ab 1. April d. I. das Arbeitsbuch eingeführt, und zwar für alle arbeitenden Volksgenossen. Alle Ar­beitnehmer dürfen danach nur noch dann beschäf­tigt werden, wenn sie im Besitz eines ordnungs­mäßig ausgestellten Arbeitsbuches sind. Zu diesem Gesetz werden in Kürze Ausführungsbestimmungen erlassen, welche näheres über den Kreis der Per­sonen, für die Arbeitsbücher auszustellen sind, und den Zeitpunkt der Ausstellung enthalten. Bis jetzt liegen jedoch weder bei den Arbeitsämtern, noch bei der Deutschen Arbeitsfront nähere Angaben darüber vor, so daß Anfragen zwecklos sind. Die Arbeitsbücher werden zu gegebener Zeit von den Arbeitsämtern ausgestellt, und sobald die diesbe­züglichen Anweisungen vorliegen, bas Nötige be­kanntgegeben.

Sitzung des Kreistages Gießen.

Am morgigen Mittwoch', 10 Uhr beginnend, fin­det im Sitzungssaale des Regierungsgebäudes zu Gießen, Landgraf-Philipp-Platz, die diesjährige ordentliche Sitzung des Kreistages des Kreises Gie­ßen statt. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Prüfung und Begutachtung der Rechnung der Kreiskasse und des Verwaltungsberichts des Kreis­ausschusses für das Rechnungsjahr 1933. Hierauf folgt die Beratung des Voranschlags des Kreises Gießen für bas Rechnungsjahr 1935 unb in Ver­bindung bannt bie Beschlußfassung über bie Aus- schlagssätze für bie Kreisumlagen unb bie Kreis- fonbergebäubefteuer für bas Rechnungsjahr 1935. An britter Stelle steht eine Vorlage über bie Schaf­fung einer zweiten etatsmäßigen Sekretärftelle bei dem Kreisfürsorgeamt. Anschließend als Punkt 4 Verschiedenes.

Einrichtung einer Poststelle in Hausen (Kreis Gießen).

Vom 1. April ab wird bie bisherige Post- unb Telegraphenhilfsstelle Hausen in eine Poststelle um­gewandelt Die Poststelle hat die Eigenschaft einer Postanstalt im Sinne des § 1 des Reichspostgesetzes, b. h. bas Recht ber Beförderung von Briefen von unb nach Hausen gegen Bezahlung hat allein bie Post. Die Poststelle ist zur Annahme unb Ausgabe von Postsenbungen aller Art und von Telegram­men, sowie zur Vermittlung von Ferngesprä­chen befugt. Ferner werden Bestellungen auf die durch die Post zu beziehenden Zeitungen angenom­men und die Heeres-, Invaliden-, Unfall- usw. Ren­ten für alle in Hausen wohnenden Rentenempfän­ger bei der Poststelle ausgezahlt. Die Poststelle führt die amtliche Bezeichnung .^Hausen, Kreis Gießen". Mit Rücksicht darauf, daß es in Deutsch­land 91 Gemeinden mit dem NamenHausen" gibt, ist es wichtig, baß bet allen Postsenbungen nach bem in Rebe stehenden Hausen bie richtige Bezeich­nungKreis Gießen" angegeben wirb.

Neichsarbeitsgemeinschast für Deutsche Buchwerbung.

Die Reichsschrifttumskammer hat in Verbinbung mit bem Werberat ber beutschen Wirtschaft, bem Reichsausschuß für volkswirtschaftliche Aufklärung, bem Börsenverein ber beutschen Buchhänbler, bem Bunb reichsdeutscher Buchhändler, der Reichsschrift­tumsstelle beim Reichsministerium für Volksauf­klärung und Propaganda und der Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums eine Reichs­arbeitsgemeinschaft für Deutsche Buchwerbung ge­gründet, deren Leitung in den Händen des Vize­präsidenten der Reichsschrifttumskammer, Dr. Heinz W i s m a n n liegt.

Während berWoche bes beutschen Buches" hat bie Reichsschrifttumskammer erstmalig mit Hilfe unb Unterstützung aller am Schrifttum interessierten Organisationen, Stänbe.unb Berufsgruppen für bas beutsche Buch geworben. Der Erfolg hat ben Wert biefer umfassenden Zusammenarbeit unter Beweis gestellt. Aufgabe ber neu gegründeten Reichsarbeits­

schichte des Evangeliums bewiesen. Es sei eine weitverbreitete, aber irrtümliche Meinung, daß Spanien ein unbedingt katholisches Land lei. Fer­ner glaube man, daß Evangelium und Volkstum in Spanien sich gegenseitig ausschlössen. Demgegenüber sei zu sagen, daß sich beide fast erforderten.

In seinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich ber Redner mit der Geschichte des Evangeliums in Spanien, schilderte Sevilla als die Heimatstadt des Evangeliums in diesem Lande unb im Einzel­nen ben Kampf ber Männer, von denen das Evan­gelium allen Widerständen zum Trotz verbreitet wurde. Von Castolore de Re nga, dem spanischen Luther, sei die Bibel in die spanische Sprache über­setzt und seitdem immer wieder in Spanien ver­trieben worden, wenn auch viele Einwohner des Landes keine Möglichkeit hatten, die Bibel zu lesen, sondern darauf angewiesen gewesen seien, sich bie Bibel vorlesen zu lassen. Der Redner sprach von ben Verfolgungen ber evangelischen Christen unter Karl V. unb Philipp II., von einer Opferstätte, auf der fünfmal Bekenner des evangelischen Ehristen- tums auf bem Scheiterhaufen ihr Leben aus­hauchten. ..

Weitere interessante Einzelheiten übet ben Kamps ber Verfechter bes evangelischen Glaubens hörte man aus bem 19. Jahrhunbert. Jene, bie um die Mitte bes 19. Jahrhunberts bas Evangelium in Spanien wieder erweckten, seien keine Ausländer, sondern Spanier gewesen. Die evangelischen Ge­meinden aber konnten sich gegen bie mächtige katho­lische Kirche nicht halten, fonbern beburften ber Hilfe. Deutschland habe geholfen. Bald nachdem Pfarrer Fritz F l i e b n e r nach Spanien gekom­men sei, habe bas Arbeitsfelb erweitert werben können. Es seien Schulen in vielen Orten gegründet worben, in benen bie Jugend viel zu lernen Ge­legenheit hatte. Die evangelishen Schulen seien zu wahrhaften Segensströmen für das Land gewor­den. Gleichzeitig habe sich die Notwendigkeit ber Heranbildung evangelischer Pfarrer herausgestellt. Allen Widerständen zum Trotz sei auch eine ent« sprechende Stätte geschaffen worben. Heute er­freuten sich die Träger des evangelischen Lebens in Spanien alles Vertrauens in Dörfern unb Städten. Mancher evangelische Lehrer sei zum Dorfrichter geworben. Das spanische Volk bringe in vielen Ge> meinben große Opfer, um ben evangelischen Geist­lichen halten zu können. Zum Schluß schilderte bet Rebner ben rounberbaren Sieg bes Evangeliums in einem kleinen weltabgeschiebenen spanischen Bergborfe. Der Vortrag, der durch zahlreiche Licht­bilder veranschaulicht unb vertieft würbe, wurde von ben zahlreichen Zuhörern mit großer Auf­merksamkeit verfolgt.

In einer kurzen Schlußansprache sprach Propst K n o b t bem Redner ben Dank aus für ben Blich den er in diese Welt gestattete, betonte, daß diesem Werke unsere Taten, unsere Liebe und unsere

Ein alter Brauch:

Am Samstag mittag

kommt eise kräftige Suppe als Haupt« gericht auf den Tisch, z. B.änort Erbsen mit Speck" odermit Schinken" (beide Sorten nur 20 Minuten Koch« zeit)! Geben Sie in diese Suppe einige geröstete Brotwürfel ober ein Baar Würstchen oder ein gekochtes kleinge* schnittenesSchweinsohr:Das schmeckt und sättigt! 1 Knorr Suppenwürfel» 2 reichliche Teller nur 10 Pfennig.

Schon seit 5 0 Q a b c e n i

J&WMi Suppen - gute Suppen!

Oie Zfflandstöchter und ihre Freier.

Vornan von J. Gchneider-Foerstl

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

14. Fortsetzung Nachdruck verboten!

Eben über diesenSalzofen" führe der Weg zur Karrer-Alrn. Ob sie dort Skilaufen wolle?

Das nicht", erklärte Klaudine,aber ein Ver­wandter befindet sich dort, unb Tante möchte gern wissen, wie man ihm Nachricht zukommen lassen könnte."

Vierlänber meinte, wenn nicht alles eingeschneit wäre, käme wohl ab unb zu ber Briefträger bis in bie unteren Höfe. Auf bie Karrer-Alm aber kaum. Sie sollte bie Abresse etwa so fassen: Karrer-Alm Post Bruck an ber Mur, Steiermark. Wie es ber gnädigen Frau gehe? Hoffentlich gut. Er würbe morgen selber wieber nachsehen kommen.

Henriette würbe sehr kleinmütig.Selbst wenn ich gefunb wäre", meinte sie,würbe es lachhaft sein, wenn ich zu Niels fahren wollte. Was sollte ich benn bort oben im Gebirge anfangen? Wie benn überhaupt hinaufkommen? Ich kann mir doch nicht Skier an bie Beine schnallen! Unb bann in der Hütte ich weiß zwar nicht, wie es in solchen Hütten aussieht, aber ich vermag es mir so un­gefähr vorzustellen, ich kenne sie von Erzählungen unb Abbilbungen her. Ich bitte bich, Klaubine, sag' boch etwas! Bob hat gar nicht bebacht, nach was er verlangte."

Soll ich reifen, Henriette?" Klaudine schrak zu­sammen, so heftig hatte die Stiefmutter nach ihrer Hand gegriffen.

,,3a, Klaudine! Ja! Das wäre ein Vorschlag. Reise du, bitte. Gott, was du für ein kluges Mäd­chen bist! Mir selbst wäre diese Lösung nie einge­fallen. Du reist also. Du hast doch nicht etwa Angst? Nein, ich meine", erklärte sie, als Klaudine lächelte,Angst vor Niels."

Oh! Warum sollte ich Angst vor ihm haben? Ich kenne ihn ja gar nicht. Und er mich ebenso­wenig. Er braucht daher auch gar nicht zu wissen, wer zu ihm kommt, unb baß es jemanb von uns ist, ber seinetwegen nach ber Karrer-Hütte fährt. Ich komme einfach ganz zufällig. Es werben doch sicher mehr Touristen ben Weg borthin nehmen. Unb bann bleibe ich eben solange es notroenbig ist."

Ausgezeichnet!" meinte Henriette.Ich bemun- bere bich, Klaubine. Wirst bu in zwei Tagen fertig fein können?"

Womit?" fragte Klaubine erstaunt. Sie war in Gedanken schon auf bem Weg zur Karrer-Hütte ge­wesen.

Mit bem Packen, den Vorbereitungen/

Klaubine mußte im stillen lächeln.Ich nehme natürlich nur soviel mit, als in einem Rucksack Platz hat. Ein bißchen Wäsche, ein Kleib zum Wechseln unb bie notroenbigften Kleinigkeiten. Das genügt vollkommen, unb ich bin komplett. Nur meine Skier brauchen vielleicht eine neue Binbung."

Du nimmst natürlich aus ber Kasse soviel bu benötigst."

In Klaubines Gesicht glühte ein tiefes Rot auf. Auch um bas Reifegelb mühte ich bich bitten, Henriette."

Das ist boch selbstverstänblichl" Sie zog bas Mäbchen zu sich herab unb küßte es herzlich.Tust bu's gerne? Ich meine, ob es bir nicht ein allzu großes Opfer ist, zu Niels zu fahren'."

Es ist mir kein Opfer", geftanb Klaubine ehr­lich.Unb wenn bein Sohn nicht bort krank liegen würbe, könnte ich mich sogar freuen. Ich bin schon so lange nicht mehr gereift."

Frau Henriette strich freunblich über bie Hanb ihrer ältesten Stieftochter unb lächelte.Das holen wir alles nach. Jetzt schickst bu sofort ben Kutscher nach ber Stabt um eine Binbung für beine Schnee­schuhe. Willst bu nicht überhaupt lieber ganz neue haben?"

Das wollte Klaubine nicht. Die alten waren ihr vertrauter.

*

Luzie horchte erstaunt auf bas, was bie Schwe­ster zu berichten wußte.Warum habt Ihr benn nicht mich geschickt?" fragte sie ein bißchen gekränkt. Ich wäre auch einmal so gern 'rausgekommen. Ich bin noch nirgenbs gewesen. Ich weiß auch gar nichts mit Henriette anzufangen. Dann muß sie sich eben eine Pflegerin nehmen, wenn bu gehst."

Pfui!" versetzte Klaubine unb faßte Luzies wi° berftrebenben Arm. Unb als bie Kleine unbeherrscht zu schluchzen begann, zog sie sie neben sich auf ben Diwan unb stellte ihr vor, baß es eine Schanbe wäre, bie Pflege ber zweiten Mutter jemanb Frem- ben zu überlassen.Wo wir boch ausschließlich von ihrem Gelbe leben, Luzie. Wo jeher Pfennig, ber für Haslbach ausgegeben wirb, von ihrem Vermö­gen stammt. Unb Fritz ftubiert auf ihre Kosten. Wir hätten schon längst von Haus unb Hof gemußt, wenn sie uns bie Hypotheken fünbigte. Sie be­kommt nicht einmal Zinsen bafür. Um Dank­barkeit zu zeigen, gehe ich nun auf bie Karrer- Hütte. Wir können doch nicht immer nur nehmen! Wir müssen boch auch etwas bafür geben. Wenig­stens im Rahmen bes Möglichen. Ich pflege ihren Stiefsohn unb bu pflegst sie, bannt sie wenigstens unseren ehrlichen Willen sieht."

Aber auf ber Karrer-Hütte wär's schöner!" meine Luzie.

Klaubine hatte Mühe, nicht ungebulbig zu wer­ben.Was wäre benn bort schöner, Kleines? Wie denkst bu bir benn bas? Eingeschneit in ber Ein­samkeit, Niels Pöttmes in irgenbeiner verrußten Kammer und mit einem mürrischen Alten, der

kocht unb seine Geißen melkt, wenn er überhaupt welche hat."

Aber bie vielen Touristen, bie ba hinkommen!"

Das bürsten nur wenige sein", kühlte Klaubine Luzies Phantasie ab.Außerbem kannst bu mit betnen sechzehn Jahren noch keinen Mann pflegen."

Aber bu bafür!" kam es trotzig zurück.

Schon eher", meinte Klaubine lächelnb.Unb bann Luzie gönn mir die Reise boch! Seit Mar­got sich mit James Pick so ohne allen Aschieb da- vongeschlichen hat, kann ich mich nicht mehr zu- rechtfinben. Vielleicht komme ich rascher wieder ins Gleichgewicht, wenn ich für eine Zeit fortgehe."

Luzies Antwort bestaub aus einem halben Dutzenb Küssen. Alles sollte so sein, wie bie Klaubi es wollte. Unb zu kümmern brauche bie Schwester sich überhaupt um nichts. Sie würbe schon nach bem Rechten sehen. Unb bie anberen seien ja auch noch ba: Die Ranne in ber Küche, bie beiben Stu­benmädchen, ber Kutscher unb ber Verwalter. Eigentlich viel zu viel!" meinte sie, schon wieber lachend.

Am Nachmittag packte Klaubine ihren Rucksack. Am Abenb brachte ber Kutscher bie neue Bin­bung. Am anberen Morgen reifte sie ab.

Frau Henriette bestaub barauf, Klaubine vom Fenster aus noch einen Gruß zuzuwinken. Luzie begleitete bie Schwester bis zur Station.

Währenb ber Heimfahrt brückte sie bas Gesicht tief in ben Pelz ihres Mantelkragens. Peter, ber alte Kutscher, sollte nicht sehen, baß sie meinte. Aber als er bann seine Hanb verstohlen zu ihr herüberschob, schluchzte sie unbeherrscht auf.

Glaubst bu, baß man bas aushält, Peter?"

Alles hält man aus", meinte er stoisch.Unb sie kommt ja wieber, bas Fräulein Klaubine. Wär' schlimm, wenn sie nimmer käme."

Das hatte Luzie bis jetzt noch gar nicht in Be­tracht gezogen. Furcht- unb frostburchschauert kuschelte sie sich enger an ben Alten.

Niels Pöttmes lag auf ber harten Matratze in Varthelmes' Kammer unb fühlte in ber Gegeub ber Herzgrube etwas noch nie Gekanntes, noch nie Gefühltes: Ein Drücken, Ziehen, Zufammen- preffen, bas sich nur mit bem BegriffAngsi" er­klären ließ.

Noch nie in feinem Leben hatte er Angst gehabt. Nur verspürte er sie. Unb wußte nicht warum.

Dös kimmt grab von bem bamisch'n Wetter", meinte Barthelmes, ber mit einem Blechlöffel bie Milch in ber Tasse umrührte.Dös kenn' i scho: Da wirb 's an auf amol ganz anberft. Davonlaufen möcht' ma! UeberaH sieht ma was, dos auf an specht (lauert). Grab' als ob ma sich allweil bucken müaßt, weil in der nächft'n Minut'n a Schlag obakimmt."

Die ganze Nacht hat es gesungen draußen", sagte Niels.

Ja !Net?" sekundierte Barthelmes Verständnis- voll.Wia wann aner auf aner Harpfen (Harfej klimpern tuat. A grab a so. Aber wia i sag': Es is nix! A Sorg ohne Nam'. Aengst'n, ohne bah ma weiß, vor wos. Aber bös geht all' ßeufn gleich: Wann ber Föhn kimmt, schlag'n b Bauern 's Kreuz. D' Bäuerinnen fangen z' Rumor'n an. Koa Mensch kann eah'n mehr was recht rnach'n. Die Dearbln san wia verhext. Unbs Viech erst! Derfst es glauben, Herr Pöttmes ba fyab i scho biamol a Stuck zehn Küah z' höchst vom Grat obag'holt. San halt gewissermoß'n a Frauen« zimmer, be Küah. Unb be Frauenzimmer, benen tuat ers am bessern an, ber Föhn. 3$ jetzt bie Milli no net kalt g'nua?"

Niels wollte sich ein wenig aufrichten unb ver« zog ben Munb.

Bleib'ns nur liegn", mahnte Barthelmes unb hielt ihm bie Tasse an bie Lippen.Is zürn trinf'n? Hätt'ns a Stück! Zucker nei woll'n? 5 mags net mit an Zucker."

Niels mochte sie auch lieber ohne.

Mit ber geleerten Tasse stapfte ber Alte nach ber Wohnstube zurück unb legte zwei schwere Buchenklötze in ben ohnedies hitzesprühenden Ofen. Die Kammer, in der Pöttmes lag, verspürte sonst nichts von der Wärme. Dann trat er noch ein« mal unter die Tür, nickte dem Kranken, der mil offenen" Augen dalag, zu und ging vor bie Hütts, um Holz zu fügen.

Der kreifchenbe, immer gleiche Ton brang Niels herein unb vermehrte besten Melancholie. Warum lag er benn eigentlich hier? Unb nicht in bem schönen, neuen Krankenhaus, von bem ber Primararzt, ber seinen Fuß schiente, erzählt hatte? Damals wäre es mit bem Talabwärts bringen noch ein leichtes gewesen. Jetzt ging er nicht mehr.

Die Wänbe ber Hütte schienen nicht ganz dickt zu sein, benn er fühlte immer einen feinen, W ten Strom an Hüften unb Schultern hinziehen. Die Decke war rauh unb kratzte unangenehm. Der Blechlöffel flößte ihm immer noch Ekel ein, ob« wohl ihn ber Barthelmes ganz neu von ber Stadt heraufgeholt hatte. Warum er keinen silbernen kauft habe? hatte er ben Alten gefragt, ba er ihm ja reichlich Gelb mitgegeben hatte, unb nicht* als einen entrüsteten Blick zur Antwort betonr men ob solcher Derschwenbungssucht.

Die Karrer-Hütte hatte wahrscheinlich noch n» einen Silberlöffel gesehen.

Wann'st b' Augen zuamachst, Herr Pöttmes schmeckt's akkurat a so, wie mit an fülbernen."

Aber man konnte boch nicht immer bie Augen zumachen, wenn man.

(Fortsetzung folgt l)

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