Einzelbild herunterladen

Dienstag, 26. My 1935

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 72 Zweiter Blatt

Preußen

dem das

Oie Goldgrube.

Von Olf Weddy-Poenicke.

kleinen hübschen Städtchen mitten im Wilden Westen liegt.

Das Wunder des Lebens."

Rundgang durch die neue große Ausstellung in Berlin.

Von unserem Berliner $. K.-Berichterstatter.

Kreis Wetzlar.

* W e tz l a r, 25. März. Von dem L a n d r a t s - amt wird uns folgendes mitgeteilt: Nach einer Polizoioerordnung (Feld- und Forstschutz) ist das Abbrennen von Bodendecken auf Wiesen, Feldrainen, Oedland, in Korbweidenkulturen, an Hängen und Wildhecken sowie von Rohr und Schilf in der Zeit vom 15. März bis 30. September jeden Jahres ver­boten. Nur in den Fällen, wo das Abbrennen von Bodendecken zur landwirtschaftlichen Nutzung der Fläche oder zur Schädlingsbekämpfung nachweislich notwendig ist und nicht vorher erfolgen konnte, kann der Landrat ausnahmsweise die Genehmigung auch nach dem 15. März 1935 erteilen. Die Gendarmerie­beamten und Polizeibeamten sind angewiesen, jede Uebertretung unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. Auf Grund der Verordnung zum Schutze der Felder und Gärten gegen fremde Tauben ordnete der Landrat an, daß die Tauben in der Zeit vom 25. März bis 25. April derart zu halten sind, daß sie die bestellten Felder und Gärten nicht aufsuchen können.

+ Launsbach, 25. März. Auf Veranlassung der Landesbauernschaft Hessen-Nassau wurde hier durch den Obst- und Gartenbauverein ein Wühl- mausfangkursus abgehalten, zu dem sich 40 Interessenten aus den umliegenden Ortschaften ein­gefunden hatten. Wühlmausfänger Georg Wei­tz e n b a ch e r aus Kiefersfelden in Oberbayern wies einleitend auf die großen Schäden hin, die durch die Wühlmaus dem Obstbau zugesügt werden. Die Nachkommenschaft eines einzigen weiblichen Tieres belaufe sich innerhalb eines Jahres auf 300 Stück. Im Abstand von 6 zu 6 Wochen werden 8 bis 12 Junge in kunstlose Nester unter den Wur­zelkronen der Obstbäume geworfen, die schon selbst in drei Monaten vermehrungsfähig sind. Mit Hilfe eines eigens hergerichteten Stechgerätes wurde das Stellen der vom Kursusloiter erfundenen Wühlmaus­fallen vorgeführt, dabei wurden die Unterscheidungs­

Diese allerliebste Geschichte spielte sich in »inen hübschen Städtchen Rivertown ab,

Sauerstoff wird dem Blut durch die Lunge zuge­führt. Auch dieses Organ ist ein Schwerarbeiter. Stündlich atmen wir 32 Kubikmeter Luft ein. Diese Menge wird durch eine menschliche Figur anschau­lich gemacht, die klein und winzig erscheinend in einem 32 Kubikmeter großen Drahtkafig steht. Ein riesiges ausgespanntes Drahtnetz macht uns die 100 Quadratmeter betragende atmende Lungenoberfläche klar. . r

Gleich fangen alle Besucher tiefer zu atmen an, und zwar mit dem Zwerchfell, versteht sich, und durch die Nase, denn wir lernen, daß dies und warum dies die gesündeste Atmung ist.

Warum essen wir dre Suppe zuerst?

Warum fangen wir eigentlich unser Mittagessen nicht mit dem Braten an? Der würde uns schwer im Magen liegen und noch längere Zeit zur Verdauung in Anspruch nehmen. Die Suppe, eine leicht verdauliche Speise, soll die Magendrüsen zur Arbeit anregen. Aber nun nehmen Sitz bitte nicht an, daß der Magen grobe Arbeit tut. Im Gegen­teil die mechanische Tätigkeit überläßt er den Zäh­nen; er selber gibt sich nur mit chemischer Arbeit ab. Da wird also ein Salzhering von den Magen­säften aufgelöst und tüchtig mit ihnen vermengt und endlich nach Jünf Stunden in den Dünndarm ab­geschoben.

Das schaukelnde Ohr.

In riesenhaften Ausmaßen bewegt sich auf einem Gestell ein menschliches Ohr hin und her, an dem der komplizierte Gehörsapparat freigelegt ist. So sehen wir, wie im Labyrinth bei den Bewe­gungen der Ohrmuschel das Gehörwasser auf und nieder steigt und dem Menschen das Gleichge­wichtsgefühl vermittelt.

Warum finden wir gerade bet den Kindern ver­hältnismäßig viel Leckermäulchen und Feinschmecker? Weil bei ihnen die Geschmacksknospen noch gleichmäßig auf der Zunge verteilt sind, während der erwachsene Mensch auf der linken Zungenhälfte mehr als auf der rechten besitzt.

Tausend Fragen aus dem täglichen Leden wer­den hier angeschnitten und beantwortet. Kunstvolle Modelle und durchsichtige Präparate, Schaubilder und Statistiken wirken aufklärend und anregend. Nicht auf Vollkommenheit kam es bei dem Aufbau der Ausstellung an, sondern auf Vielseitig­keit und Anschaulichkeit des Dargestellten.

Der Lebensiurm.

Der Mensch in der Gemeinschaft, das Wunder des Lebens entwickelt am Werden und Vergehen des Volkes das ist das Thema des zweiten Teiles der Ausstellung. Sinnbild von Leben und Tod ist der Glockenturm, dessen porzellanenes Glockenspiel alle fünf Minuten neun Schläge tut: wieder sind neun Kinder in Deutschland geboren worden. Hell und heiter klingen Kinderlieber durch den Raum. Aber im Turm gibt es auch ein großes Stundenglas, unaufhörlich rieselt der Sand, und wenn es sich nach fünf Minuten umdreht, dann sind sieden Deutsche gestorben. In ewig gleich blei­bendem Rhythmus gehen Leben und Tod nebeneinander her, aber das Leben triumphiert.

Träger des Lebens.

Merkmale zwischen Maulwurfs- und Wühlmaus« gangen an Ort und Stelle klargelegt und Anwei­sung über die Art und die Verwendung des Köders gegeben. Bereits nach einer guten halben Stunde waren von fünf gestellten Fallen zwei fängig ge­worden. Der durchschlagende Erfolg führt zu einer Sammelbestellung der vorzüglich bewährten Falle. Nachmittags wurde ein neuer Lehrgang durchge­führt, an dem neben der obersten Schulklasse auch noch eine größere Zahl Freunde des Obst- und Gartenbaues von hier und aus der Umgegend teil­nahmen.

^Waldgirmes, 25. März. Die N u tz h o l z - Versteigerung in unserem Gemeindewald hatte viele fremde Käufer herbeigeführt. Es kosteten Eichenstammholz durchschnittlich 80 Mark pro Fest­meter. Das höchste Gebot für einen Festmeter war 159 Mark, für einen Stamm 426 Mark. Je zwei Eichen-Raummeter in Rollen, 2 Meter lang, tarnen 15 bis 20 Mark. Buchenschnittstämme 5. bis 6. Kl., 35 bis 40 Mark; 2 bis 4. Kl. 25 bis 30 Mark; Fichtenstämme bester Sorte 32 bis 38 Mk., niedere Klassen 18 bis 28 Mk. Stangen: 1. Kl. 0,80 bis 1,00 Mark; 2. Kl. 0,80 bis 1,20 Mk.; 3. Kl. 0,60 bis 1,00 Mark. Kiefernstämme: Kl. 3a bis 4a 38 bis 43 Mk., Kl. 2a und 2b 26 bis 35 Mark. Die Versteigerung konnte durch die Menge des Holzes bei Tage im Walde nicht beendet werden. Sie fand am späten Abend in der Weimerschen Gastwirtschaft bei immer steigerndem Gebot ihren Abschluß.

Kreis Biedenkopf.

§ Gladenbach, 25. März. Der hiesige Bade« verein hielt im Hotel Blankenstein seine General­versammlung ab. Vereinsführer M a h n k e er­stattete den Jahresbericht, aus dem hervorging, daß die Badeanstalt auch im vergangenen Jahre einen Aufschwung verzeichnen konnte. 5450 Besucher hatten die Badeanstalt benutzt. Die Einnahmen beliefen sich auf 717 Mark. Durch Wohlfahrtserwerbslose

Das Leben siegt auch in den Geburtenkurven, die das Statistische Reichsamt in der HalleTrä­ger des Lebens" ausgestellt hat. Noch im Jahre 1932 fielen auf 1000 Einwohner 14,7 Ge­burten, während die Dergleichszahl bis zum Ende 1934 auf 18 angestiegen ist. Träger des Lebens ist die Familie, ist in besonderem Sinne die Mutter, die es zu schützen, der es zu helfen gilt. So hat denn das große HilfswerkMutter u n d

Kind" einen großen Teil dieses Raumes mit Be­schlag belegt. Der Besucher hat zum erstenmal die Möglichkeit, die verschiedenen Mittel und Wege so übersichtlich kennenzulernen, die der Not der deut­schen Familie steuern sollen. Hier werden Wohn­lauben ausgebessert und Wohnungsumzüge ins Werk gesetzt, Mutter und Kind werden durch Wäsche und Kleidung unterstützt. Die Erziehungsarbeit des Deutschen Frauenwerks, die Tätigkeit des weib­lichen Arbeitsdienstes und des Landjahres gehören ebenso zum ThemaMutter und Kind" wie der vorbildlich eingerichtete Kindergarten, der die staatliche Arbeit gleich in der Praxis vorfuhrt.

Nicht Gesundheitsfürsorge - sondern Gesundheitsführung!

DieErhaltung d e s L e b e n s" , der eine weitere Halle gewidmet ist, fängt bei der Erb- und Rassenpflege an, die schon in den Schulen an die jungen Menschen herangebracht wird. Die Gefahren eines erbkranken Nachwuchses werden in Bildern und Zahlen gezeigt, und auf die hohen Blutswerte, die deutsche Größe und Kultur in Verggngenheit und Gegenwart geschaffen haben, wird hingewiesen.

Die Pioniere des Gesundheitsschutzes, denen es niemals um den einzelnen Kranken, sondern immer um die Volksgemeinschaft als Ganzes gegangen ist, treten an, angefangen von Paracelsus, dem ersten Arzt der Deutschen, bis zu Robert Koch. Die frühere Gesundheitsfürsorge ist von der Ge­sundheitsführung abgelöst worden, denn im Vordergrund der sozialen Aufgaben des Staates steht nicht mehr die Pflege der kranken und asozia­len Elemente, sondern die Betreuung der Gesunden und Erbhochwertigen. Das Kleinkind wird durch richtige Ernährung und Pflege gesund erhalten, der Jugendliche lernt in den

Schert Euch zum Teufel!"

Also schön dreihundert Dollar."

Dann wurde der Kauf abgeschlossen. Bobby Black­berry strich gleichmütig das Geld ein, und der Fremde bekam eine Besitzurkunde.

Von siebzehn bis neunzehn Uhr verkaufte Bobby Blackberry den Claim sechzehnmal zu je dreihundert Dollar. Machte zusammen viertausendachthunden Dollar. Er wollte gerade gehen, als der siebzehnte Käufer kam. Das war ein junger Mann mit einem verschlagenen Gesicht.

Hallo, Alter! Taugt dieser Claim etwas?

,',Das geht Euch einen Dreck an, Grünschnabel!"

Oho, begrüßt man so in Rivertown die Frem­den? Ich will den Claim kaufen. Aber ich lege keinen Wert darauf, übers Ohr gehauen zu werden, ver­standen?"

Schert Euch zum Teufel!' ..

Der junge Mann schüttelte den Kopf.Mich schüch­tert Ihr nicht ein! Laßt die Kanone stecken! Ich will kaufen." , ,

Für dreihundert Dollar habt Ihr ihn ...

Dreihundert Dollar? Daß ich nicht lache! Ohne Garantien? Ueberhaupt, könnt Ihr Euch ausweisen, daß Ihr der rechtmäßige Besitzer dieses Claims seid? Oder daß er Euch noch gehört?"

Unverschämter Bursche! Was bildest du dir em? Du könntest mein Sohn sein!"

Und du könntest mein Vater sein, alter Gauner, darum beherrsche ich mich!" v .

Bobby Blackberry griff nach der Pistole und schrie aufgebracht: , m

So wahr ich Bobby Blackberry heiße! Das wird mir zu bunt! Ich verkaufe nicht! Und wenn Ihr nicht gleich machte, daß Ihr weiterkommt, bann knallt es!"

Bobby Blackberry heißt Ihr?" stammelte der Fremde,mein Name ist Billy Blackberry!"

Aus Nebraska?"

Aus Nebraska!"

Dann bist du mein Sohn?"

Und du mein Vater!"

Alle Achtung!", schnaufte Bobby Blackberry und war ganz gerührt,was bist du groß geworden! Zwölf Jahre haben wir uns nicht mehr gesehen!"

Und beinahe hätten wir auf uns geschossen!" lachte Billy Blackberry.

Und gerissen bist du wie dein Vater!" Bobby Blackberry nickte anerkennend.Sechzehn Leute haben vor dir diesen Claim gekauft anstands­los und jeder hat dreihundert Dollar in bar be®Dbbn Blackberry schmunzelte.Nun komm!", sagte er, setzte seinen Hut auf, steckte seinen Revolver

Jugendoerbänden seinen Körper stählen, und der Berufstätige holt sich beim Arbeitsschutz und bei den zahlreichen staatlichen und städtischen Sera- tungsstellen Auskunft.

Das Deutsche Rote Kreuz und der SA.« Sanitäterdienst führen praktische Hebungen vor. Bei der Erhaltung des Lebens spielen die Wohnverhältnisse und die Ernährung des Volkes eine entscheidende Rolle. Gartenanlagen und Sied­lungshäuser führen Beispiele gesunden Wohnens vor Augen. An die Frauen besonders richten sich die Vorschläge zur Bereitung zweckmäßiger, aus­reichender und einwandfreier Nahrung.

Pantoffeltierchen riesengroß.

Ein Blick durchs Mikroskop auf die wim­melnde Welt eines Wassertropfens haben gewiß schon viele getan, aber durch das Okular konnte eben nur eine Person sehen, und die Erklärung zu den wunderbaren Vorgängen mußte man sich selber machen. In dem runden dunklen Raum des Mikrovivariums können bis zu 300 Men­schen auf einmal die Wunderwelt im Wäs­se r tr o p f e n das Ur-Wunder des Lebens anstaunen und gleichzeitig aus fachmännischem Munde eine Erklärung hören. Riesenhaft vergrö- ßert erscheinen auf der Wand, unmittelbar vom Mikroskop übertragen, die Kleinlebewesen, die Ein­zelligen: die geschwinden Pantoffeltierchen, die zier- lichen Glockentierchen, die Diatomeen und Algen huschen über unser Blickfeld, vermehren sich durch Zellteilung und fressen sich gegenseitig auf alles vor unseren Augen.

Hier stehen wir am Ursprungdes Lebens, und nachdenklich machen wir uns klar, daß das Leben selbst immer ein Wunder für uns bleiben wird, auch wenn wir seine Gesetze, seine Dynamik und seinen Rhythmus ergründet haben und noch ergründen werden.

Kunst und Wissenschaft.

Der Internationale Filmkongreh Berlin 1935.

Der Internationale Filmkongreß Berlin 1935, der unter der Schirmherrschaft des Reichsministers Dr. Goebbels steht, wird den bisher vorliegenden Anmeldungen etwa 800 aus­ländische und 600 deutsche Gäste Ende April in Berlin vereinigen. Bisher haben die Theaterbesitzer­organisationen aus zehn fremden Staaten ihre Be­teiligung zugesagt, nämlich Belgien, Bulgarien, Eng­land, Ungarn, Frankreich, Oesterreich, Schweden, die Schweiz, Spanien, die Tschechoslowakei. Zum ersten« mal entsenden auch die französischen Derleiherorgani- sationen eine starke Vertretung. Das Programm ist jetzt in seinen Einzelheiten festgelegt. Ansprachen halten Reichsminister Dr. Goebbels, der Präsi­dent der Rsichsfilmkammer Dr. Scheuermann und ausländische Abordnungsführer. Mit der Teil­nahme der Abordnungsführer an der offiziellen Feier der Verleihung des Staatspreises in der Staatsoper Unter den Linden findet der Kongreß seinen Abschluß. Den Kongreßmitgliedern wird bann noch weiter Gelegenheit zu billigen Gesellschaft^ reifen durch Deutschland geboten, bei denen u a. auch ein Befuch der zweitgrößten deutschen Film­stadt, Münchens, in Aussicht genommen ist.

Eine Bekanntmachung des Reichsdramaturgen.

Der Reichsdramaturg Dr. Rainer Schlösser gibt bekannt: Der Reichsdramaturg ist nach den bis­her gemachten Erfahrungen zu der Ueberzeugung ge- kommen, daß alle wertvollen Erscheinun­gen des dramatischen Schrifttums be­reits von den Derlägen und Bühnenbetrieben auf­gegriffen werden. Er hält daher eine nochmalige Ueberprüfung für überflüssig und ersucht die deut­schen Bühnenschriftsteller, ihm Manuskripte nur über ihre Vertriebsan st alten bzw. in besonderen Ausnahmefällen, nach vorheriger schrift­licher Anfrage, zur Ueberprüfung einzureichen.

Der Rückgang des Frauenstudiums.

Die Hochschulstatistik im Wintersemester 1933/34 zeigt im Frauen st udium im Vergleich zll 1932/33 einen Rückgang von 22,09 vH. für Medizin, 25,07 v. H. für Zahnheilkunde, 15,09 o. ft. für Pharmazie, 47,96 v. H. für Rechtswissenschaft, 17 96 v H für Philosophie und Pädagogik, 35,2 v H für Volkswirtschaft, 40,83 v. H. für Betriebs­wirtschaftslehre, 52,50 v. H. für Physik, 53,24 v. H. für Chemie und 58,33 v. H. für Geographie.

ein und schlug Billy auf die Schulter.Komm, mein Junge! Und laß uns ein bißchen laufen! Da hinten kommt nämlich Miller das ist der Mann, dem der Claim hier wirklich gehört."

Zeitschriften.

Im Märzheft derZeitwende" (Wichern- Verlag, Berlin-Spandau) stellt Walter Schönfelder die Frage:Wer ist schuld, daß die moderne Welt­wirtschaft so völlig versagt hat?" Seine Antwort bringt in die Tiefe: Der Geist des Aufklärungs­zeitalters, die Aufrichtung der Selbstherrlichkeit der menschlichen Vernunft löste alle Lebensgebiete aus jener gottgebundenen Ganzheit, an der sowohl das Mittelalter wie die Reformation festgehalten haben, machte sie selbständig und führte sie so in einen anarchischen Widerstreit, in dem sich schließlich die Wirtschaft, statt dem Menschen zu dienen, zur Be­herrscherin seines ganzen Lebens aufschwingen konnte. Der Amerikanismus wie der Bolschewis­mus sind gleicherweise Kinder dieser von Gott ge­lösten, mechanischen, die wirtschaftliche Zweckmäßig­keit zum obersten Maßstab erhebende Weltauf- ja jung. Rettung kann nur einorganischer Sozia­lismus" bringen, der die Wirtschaft wieder sinnvoll in das Ganze der von Gott gesetzten Weltordnung eingliedert,der Glaube an Gottes Wirken überall, jelbst auf einem Gebiet, das dem Rekiaiösen so fern zu liegen scheint wie die Wirtschaft'. Diese An­schauung wird durch die Geschichte unseres Volkes in vollem Umfang bestätigt. Eindringlich und tem­peramentvoll weift Heinrich Schmid-Kugelbach im Leitaufsatz des gleichen Heftes darauf hin, welch eine gewaltige LeistungDeutschlands Wiederauf­bau nach dem Dreißigjährigen Krieg" gewesen ist. Vielleicht war es die größte Tat unserer Geschichte, als dieses Geschlecht auf den Trümmern ein neues Leben aufbaute. Die einzige Kraft, die es im Zu­sammenbruch aller irdischen Güter dazu befähigte, war der Glaube an das Wort Gottes, der alle Stürme überdauert, ja sich gerade in den Schrecken des Krieges als letzter Halt bewährt hatte. Unsere Generation; die sich wiederum nach einem furcht­baren Zusammenbruch anschickt, ein neues Reich aufzurichten, tut gut daran sich zu vergegenwärti­gen was den Vätern die tiefste Kraft zum Wieder- aufbau geschenkt hat. Welch ein festes Bollwerk die Glaubenshaltung Luthers etwa gegen das Auf- flammen des kommunistischen Aufstandes bildet, der auch zur Reformationszeit das Gefüge des Reiches schwer bedrohte, zeigt in höchst anschau­licher dramatischer Schilderung Rudolf Thiels packender Essay überMartin Luther und die Bauern".

,Es bewundern die Menschen das rau- i sehende Meer, die fließenden Gewässer und s den Anblick des Himmels und vergessen über < allem Bewundern der Dinge dos Wunder, ! das sie selber sind." Augustinus.

Es ist wahr, immer wieder geht der Mensch von sich fort, erforscht die Wunder der Natur, schafft selber Wunderwerke und vergißt dabei, daß erst sein eigener wunderbarer Bau, das geheimnisvolle Zu­sammenwirken seiner Organe ihn dazu befähigen, zu forschen und zu schaffen. Der Mensch als h ö ch st e Organisationsform der Natur, der Mensch als Voraussetzung aller kulturellen und zi­vilisatorischen Güter, der Mensch schließlich nicht als Einzelwesen, sondern innerhalb der großen Gemein­schaft, innerhalb des Volkes ist der Gegenstand die­ser gewaltigen Ausstellung. In lebendig st er Schau wird die wundervolle Organisation des menschlichen Körpers dargestellt, werden Aufbau, Dynamik und Lebensgesetze des Menschen gegen­ständlich.

der gläserne Mensch.

Ein Zauberwerk der Modelltechnik so steht in einem halbdunklen Raum der durchsichtige M e n s ch vor uns, den wir wahrhaftig auf Herz und Nieren prüfen können. In natürlicher Anordnung liegen die Organe unter der gläsernen Haut und leuchten nacheinander in hellem Lichte auf, wäh­rend gleichzeitig von einem unsichtbaren Sprecher Erläuterungen gegeben werden. Hand aufs Herz: Haben wir wirklich so genau gewußt, w i e wir inwendig aussehen? Oder haben wir nicht manchmal die Milz ober die Nieren an einer falschen Stelle gesucht? Jetzt ist kein Zweifel mehr möglich, deutlicher als im Röntgenbild, plastisch und farbig stellen sich uns die Organe dar.

Vier Schienbeine tragen 80 Menschen-

Ist schon dieses plastische und farbige Schaubild überwältigend, so stehen wir vollends bewundernd und beglückt vor den Darstellungen, die uns die Lehre des Lebens" deutlich machen. Hier erleben wir auf dasErlebnis" wird der aller­größte Wert gelegt wie die einzelnen Organe miteinander arbeiten, wie sinnreich Knochen, Mus­keln und Sehnen, Adern und Nerven Zusammen­wirken und in diesem gemeinsamen Wirken erst das schafjen, was wir Leben nennen.

Das Knochengerüst des Körpers: jeder einzelne Knochen ein Schwerarbeiter und Lastträger, denn vier Schienenbeine können, entsprechend unter einer Tischplatte angebracht, 80 Menschen tragen. Jeder Knochen ordnet sich aber gleichzeitig in eine Knochengruppe ein, die mit Hilfe von Muskeln und Sehnen und Nerven zum genialen 21r = beitsinftrument wird: die Hand zum Beispiel besteht aus 29 verschiedenen Knochen und Knöcheln und aus nicht weniger als 38 Muskeln.

Oas Herz, der Motor des Lebens.

Unermüdlich pocht das künstliche Herz und pumpt das Blut in weniger als einer Minute durch den ganzen Körper. Täglich kreisen 10 000 Liter Blut durch unseren Organismus. Die Leistun ad e s Herzens beträgt in 24 Stunden 19 000 Meter­kilogramm. Wir könnten mit dieser Zahl nichts anfangen, wenn sie nicht bildlich übertragen würde: die gleiche Kraftleistung ist imstande, zwei Personen auf den 130 Meter hohen Funkturm zu befördern! Da bekommt man wirklich allmählich vor seiner

In der Kneipe von Rivertown, die sich bescheiden Palasthotel nennt, hängt ein großes Schild über der Theke:Es wird gebeten, nicht auf den Klavier­spieler zu schießen der Mann tut sein Bestes!", und auch sonst geht es hier außerordentlich gemüt­lich zu. Bei der letzten Aufführung vonWilhelm Tell" zum Beispiel herrschte eine geradezu fabel­hafte Stimmung, und als Geßler gar dem Vater Tell befahl, dem Sohn einen Apfel vom Kopf zu schießen, wurden zwanzig Revolver gezückt, und zwanzig Cowboys schossen dem Knaben den Apfel vom Kopf, bevor überhaupt Tell noch dazu kam, die Armbrust zu spannen. Bei Winnetou! Das war ein Abend zum Schießen!

So lebte man in Rivertown, in dem es noch ver­gnügter wurde, als -man erfuhr, daß zwei Kilo­meter vor der Stadt neue Goldfunde gemacht wor­den waren.

*

Bobby Blackberry stand vor einem Claim das ist ein abgestecktes Stück eines Goldfeldes, rauchte eine selbstgedrehte Zigarette und warf ab und zu einen Blick auf die Menschenmenge, die langsam an ihm vorüberzog. Niemandem wäre es früher eingqauen, das Städtchen Rivertown zu besuchen, doch jetzt kamen die Leute in Scharen, weil jeder hoffte, mor­gen schon ein reicher Mann zu sein. Oder spätestens übermorgen!

Bobby Blackberry war der ruhigste von all diesen lärmenden, aufgeregt hastenden Menschen, die nur eins fürchteten: zu spät zu kommen. Er sah so aus, ah ginge ihn die ganze Geschichte gar nichts an und lehnte lässig an einem Pfahl, der ein großes Schild trug:Dieser Claim hat in der letzten Woche den größten Ertrag gebracht!"

Von Zeit zu Zeit blieb jemand vor ihm stehen, beguckte sich das Schild und trat näher.

Dieser Claim ist wohl gut, was?" Könnt Ihr nicht lejen?7,

Sicher, sicher! Aber ich meine, man müßte doch gewisse Garantien"

Habe ich Euch gesagt, daß Ihr kaufen sollt?" Das nicht, aber ich möchte gern kaufen." ,Zch verkaufe nicht."

Hundert Dollar!" Dreihundert Dollar!" Unmoglichl Zweihundert Dollars*

eigenen Kraft Respekt.

Träger des Sauerstoffes sind die roten Blut­körperchen, von denen der Mensch in 1 Kubik­millimeter Blut fünfzigmal mehr besitzt, als er Haare auf dem Kopf hat. Die Oberfläche dieser Blutkörperchen beträgt 3200 Quadratmeter. Der