Ausgabe 
26.3.1935
 
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Die deutsch-englische Aussprache wird fortgesetzt

ttr 72 Mes Blati 185. Jahrgang vlmrtag. 26. März 1955

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Berlin, 25. März (DRB.) Der Führer und Reichskanzler empfing heule vormittag den britischen Außenminister Sir John Simon und Mr. Anthony Lden im Beisein des Reichsauhen- Ministers Freiherrn von Reurath und des britischen Botschafters Sir Eric p Hipps. Be­sprechungen fanden statt sowohl am Vormittag als auch am Rachmiltag über einige der Fragen, die in dem englisch-französischen Lommunique vom 3. Fe­bruar erwähnt worden sind. Die Besprechungen werden im Laufe des morgigen Vormittag wie­der ausgenommen werden. An den Bespre­chungen nahm der Sonderbeauftragte für Ab- rüstunsfragen, Herr von Ribbentrop, teil.

*

Als in der vergangenen Woche der Reichsaußen- Minister von Neurath auf die Frage des englischen Botschafters, ob der Entschluß der Reichsregierung zur Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht die Voraussetzungen der Einladung an Eng­land zu einer mündlichen Aussprache in Berlin verändert habe, ohne Schwanken und Vorbehalt antwortete, daß dies nicht der Fall fei und daß die Reichsregierung nach wie vor auf diese Aussprache größten Wert lege, wurde diese Hal­tung in der ganzen deutschen Oeffentlichkeit mit all­gemeiner Zustimmung begrüßt. Der patriotische Stolz und die Freude über den raschen Entschluß, die deutsche Wehrhoheit wieder herzustellen, hat im deutschen Volke, dem man sonst nachsagt, daß es in der Politik das Gefühl gerne vor die Vernunft jetzt, die Erkenntnis nicht überwuchert, daß das große Ziel der deutschen Außenpolitik in der Herstellung einer friedlichen Der- ständigung mit den andern großen europäischen Völkern und in einer dauer­haften Befestigung des europäischen Friedens liegt. Es ist das unbestreitbare Verdienst der englischen Politik, daß sie diesen friedlichen und verständigen Zug entgegen gewissen Strömungen Geltung ver­schafft hat, die aus der Verkündung des deutschen Heeresgesetzes einen dramatischen Aktschluß der bis­herigen Verständigungsversuche und den Beginn einer neuen gefährlichen Rivalitätenpolitik machen wollten. Die englischen G ä st e , die am Sonn­tagnachmittag in Berlin eintrajen, sind deswegen von ganz Deutschland mit einer stillen, gespannten Achtung empfangen worden, in der sich am besten die Bedeutung widerspiegelt, die man ihrem Be­suche zuschreibt und die zugleich eine volle Würdi­gung der Schwierigkeit der von England über­nommenen Vermittlerrolle enthält.

Mit ebenso großer Ruhe und Klarheit sieht Deutschland den nun im Gange befindlichen Ber­liner Verhandlungen und ihren Ergeb­nissen entgegen. Es ist nicht wahr, was aus­ländische Stimmen der deutschen Politik unterlegt haben, daß sie das Ziel verfolgt, England von seinen bisherigen Freunden zu tren­nen und so auf Grund einer neuen Machtkonstella­tion eigensüchtige und gefährliche Ziele zu verfol­gen. Niemand in Deutschland, weder die verant­wortlichen Leiter seiner Politik, noch der Mann auf der Straße, jagen einer solchen Illusion nach. Das Einzige, was wir von England erwarten und was uns auch im englischen Interesse zu liegen scheint, ist, daß man uns anhört, unsere Ziele und ihre Berechtigung kennenlernt und daß man bereit ist, sie mit den praktischen Aufgaben einer neuen euro­päischen Solidarität in Uebereinstimmung zu bringen. Daß man von einer solchen noch sehr weit entfernt ist, wissen die Staatsmänner, die sich jetzt in Berlin an einen Tisch gesetzt haben, sehr ge­nau, und weiß auch jeder Deutsche. Niemand er­wartet deswegen in Deutschland von der Berliner Aussprache eine letzte und vollständige Klärung und Lösung aller Fragen, eine wolkenlose Aufhellung oder gar eine deutsch-englische Verständigung im Gegensatz zu den andern beteiligten Mächten. Die Erklärungen des englischen Außenministers Sir John Simon, daß er in Berlin keine plötz­lichen Ergebnisse erwarte, wird in Deutsch­land als eine völlig nüchterne und richtige Kenn­zeichnung der Lage und Aufgabe betrachte, aber das von ihm verkündete ZielFriede auf ErdenundguterWilleunterdenMen- f ch e n" wird von jedem Deutschen ohne jeden an­dern Vorbehalt, als den natürlichen und notwen­digen der nationalen Ehre und Gleichberechtigung als das eigene empfunden und begrüßt.

Den Berliner Besprechungen sind am vergange­nen Samstag solche in Paris zwischen franzö­sischen, italienischen und englischen Staatsmännern vorausgegangen. Es ist dort der englischen Mah­nung zur Besonnenheit und zu einer verantwor­tungsbewußten Erschöpfung aller Möglichkeiten einer Verständigung gelungen, eine zeitmäßige Reihenfolge der in Aussicht genommenen weite­ren Konferenzen durchzusetzen, die Europa, wenigstens vorläufig, vor übereilten, aus der Hitze der Empfindlichkeit oder aus der Intrige geborenen Entschlüssen bewahrt. So wird die von Frankreich und Italien geforderte Konferenz von Stresa unter dem Vorsitz des tatendurstigen Mussolini erst am 11. April stattfinden, also nicht unmittelbar nach dem Berliner Besuch, wie man das in Paris und Rom gewünscht hat, sondern erst, wenn Herr Eden die Berliner Informationen durch seine Reise nach Warschau und Moskau er­gänzt haben wird. Demgemäß ist auch die Ein­berufung des Völkerbundsrats, bei dem Frankreich seine Klage gegen Deutschland an» honaig gemacht hat, erst auf den 15. April vor­gesehen.

Die englische Vermittlungsaktion hat sich somit Zeit und Raum für ihre Betätigung und Auswir­kung zu verschaffen gewußt. Daß diese Ruhe und Bejonnenheit nicht allen Konzepten gerecht wird, beweist ein Telegramm des russischen Außenkomnns- sars Litwinow an seinen französischen Kollegen Laval, in dem dieser erneut und dringend nach Moskau eingeladen wird. Es wird ein bedeutungsvolles Symptom für die Beurteilung der wirklichen Absichten der französischen Politik sein, ob sie diesem Lockruf des Friedensstörers Folge leistet oder der englischen Vermittlungspolitik freies Spiel gibt. Ein Teil der französischen Oeffentlichkeit hat größte Bedenken vor den Konsequenzen dieses Besuches. Verschiedene Pariser Blätter warnen vor einem russisch-französischen Militärbündnis. Der be­kannte Publizist George Suarez geht sogar so weit, Frankreichs Bundesgenossen, Rußland und Italien, als wenig vertrauenerweckend hinzustellen

und von der Sowjetunion zu erklären, daß sie ein Spiel übelster Art mit Frankreich treibe und es in einen Krieg hineinhetzen wolle, um die französischen K o m m u n i st e n zur Revolution aufzuputschen. Wir überschätzen diese Aeußerung eines einzelnen mutigen Mannes gewiß nicht. Die sich um die Tradition Europas verantwortlich wis­senden französischen Politiker werden sich in einer ruhigen Stunde doch noch die Frage vorlegen, ob sich Frankreichvon einem halbasiatischen Land ins Schlepptau nehmen lassen werde, das für die alten Kulturvölker nur eine Barbarei darstelle?" Das ist der dunkle Hintergrund des deutsch-englischen Ge­sprächs in Berlin. Der Sinn dieses Gespräches bleibt, Europa vor einer Katastrophe zu bewahren, die es nicht mehr überleben würde. Wir glauben fest, daß die Vermeidung dieser Katastrophe möglich ist und sind von jeher bereit, das Unserige dazu zu tun.

feite, vorausgesetzt, daß England auf die Vergleichs- lösungen eingehe, die Sir John Simon aus Berlin mitbringe. Das, was im Gange fei, könne Frank­reich seine Bündnisse und seine Freund, schäften kosten. Der Chef einer verbündeten Regierung habe in Paris bereits zu verstehen ge­geben, daß es ihm schwer fallen würde, einen außenpolitischen Kurswechsel zu vermeiden, wenn Frankreich immer wieder versage.

Ere Nouvelle" ist überzeugt, daß Laval auf seiner Reise nach Moskau den Ostpakt unter­zeichnen werde. Nach Ansicht des Blattes würde Frankreich dadurch der Organisierung des Friedens den festesten und wirksamsten Beitrag bringen. DerTemps" schreibt, es gebe nur eins, um Deutsch­land zu ernstem Nachdenken zu zwingen, das wäre, es vor die Alternative zu stellen, zwischen internationaler Zusammenarbeit und der wirtschaftlichen sowie der politischen Isolierung zu wählen. Man müsse sich mit Recht.fragen, ob die Methode Mussolinis, die darin bestehe, sich bei Verhandlungen auf eine effektive Macht zu stützen, nicht die geeignetste sei, um nützliche und dauerhafte Ergebnisse zu erzielen.

Britische Blätterflimmen.

London, 26. März. (DNB. Funkspruch.) Daily Telegraph" faat, Zweck der Berliner Besprechungen sei nicht, die Ansichten der britischen Regierung mit denen Hitlers in Uebereinstimmung zu bringen, sondern festzustellen, ob die Ansichten beider Länder nicht irgendeine gemeinsame Grundlage hätten, die durch einen vernünfti- gen Gedankenaustausch erweitert werden könne. Die' guten Wünsche, die in der deutschen Presse ausgedrückt worden seien, hätten einige praktisch? Unterstützung durch die Versicherung gefunden, daß Deutschland noch immer zur Unterzeich­nung einer Abrüstungskonvention bereit fei. Allerdings würde diese Versicherung willkommener sein, wenn sie nicht durch Vorbehalte bezüglich der besonderen Bedürfnisse jedes Landes begleitet wären. In ähnlicher Weise begrüßtDaily Telegraph" die Andeutung, daß Deutschland bereit sei, im Falle der Anerkennung völliger Gleichberechtigung in den Völker­bund zurückzukehren. Auch daß Deutschland hinsichtlich des Luftpaktes einer Zusammen­arbeit nicht völlig abgeneigt sei, müsse dankbar an­erkannt werden. Die Aussichten des Donau- paktes schienen etwas besser zu sein, doch sei die Lage hinsichtlich Osteuropas alles andere als hoffnungsvoll. Beide Pakte aber feien unent- behrlich für ein wertvolles Ergebnis der westeuro­päischen Verhandlungen. Die britische Politik richte sich gegen Bedrohungen des europäischen Friedens an jeder Front.

Daily Mail" erhebt Einspruch gegen den Gedanken des Abschlusses irgendeines Paktes zwischen der britischen Regierung und Moskau und erklärt, eine Einkreisungspolitik, die von mancher Seite befürwortet werde, würde Euro­pa keine Sicherheit geben. Das Blatt erinnert an den Siebenjährigen Krieg, wo eine Koa­lition von Mächten gegen Preußen zu Felde zog, ohne ihr Ziel zu erreichen, und sagt, es sei gut, daran zu denken, daß das Deutschland von 1935 von demselben Geist erfüllt sei, wie das Preußen von 1756, und daß die Deutschen, wenn sie heute auf dieselbe Probe gestellt werden wür- den dieselbe Widerstandskraft ent- wickeln würden.Evening News" nennt den Oftpakt die unbekannte Größe der Ber­liner Konferenz. Es fei nur zu verständlich, wenn sich Deutschland jedem Abkommen widersetze, das von dem guten Willen Sowjetrußlands abhänge. Das einzige vernünftige Ziel, das zur Zeit erreicht werden könne, sei ein Dreibund zwischen Frankreich, Großbritannien und Deutschland, denn diese drei Länder hätten keine entgegengesetzten Interessen.Warum sollen die Aussichten einer gütlichen Verständigung durch ein Hineinziehen Sowjetrußlands oder irgend eines anderen Oststaates verdorben werden? Deutschlands Beziehungen zu seinen östlichen Nachbarn sind seine Angelegenheiten.

Oer polnische Botschafter beim Reichsaußenminister.

Berlin, 25. März. (DNB.) Der polnische Bot- schafter L i p s k i hat am Samstag, 23. März, den Reichsaußenminister Frhrn. v Neurath aufge­sucht, um mit ihm die gegenwärtige internationale Lage zu besprechen, wie sie sich auf Grund der letzten Ereignisse entwickelt hat. Die in der Aus- la'ndpresse aufgetauchte Behauptung eines P ro­te ft e s der polnischen Regierung gegen das Reichs­gesetz vom 16. März ist völlig unzutreffend. Schuschnigg fordertGleichberechtigung für Oesterreich.

Wien, 26. März. (DNB.) Bundeskanzler Dr. Schuschnigg hielt bei einem Bezirksappell der Vaterländischen Front" eine Rede, in der er die Gleichberechtigung für Oesterre ich forderte und dabei sagte: Diese Stunde fällt in eine Zeit, in der d i e Welt mit topannung geladen ist. Es ist wahrhaft furchtbar, zu sehen, daß kein Menschenalter vergangen ist, seit dem großen Erleben jener Generation, der die Mehrzabl von uns, die wir heute in dieser Massenversamm­lung beisammen sind, angehörten, und schon wieder geht die bange Frage durch die Welt und beim- ruhigt in Europa in allen Sprachen die Gemüter: Krieg oder Frieden. Aus diesem Grunde ist es eine S e l b st v e r st ä n d l i ch k e i t, die be­reits in der großen Wett ihr Echo gefunden hat, daß auch unser Oe st erreich die Gleichbe- rechtigung aller Völker für sich for­dert und für sich durchsetzt.

Aach der ersten Besprechung in Berlin.

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Montag fand in der Reichskanzlei die erste Besprechung der englischen Minister mit dem Führer und dem Reichsaußenminister statt. Unser Bild zeigt die englischen Gäste beim Verlassen der Reichskanzlei. Don links Sir John Simon, Obergruppenführer Bruckner, Lordsiogelbewahrer E de n, Reichs- außenminister Freiherrn von Neurath und Sir Eric P h r p p s, den englischen Botschafter in

Nandin fordert Selbstvertrauen und Disziplin

Sine Wahlrede des Ministerpräsidenten.

Paris, 26. März. (DNB.) Ministerpräsident Fl and in hielt bei der Einweihung des neuen Rathauses in Vincelles eine Rundfunkansprache, in der er u. a. ausführte: Die Gemeindewahlen werden in sechs Wochen stattfinden. Wenn die Worte des Regierungschefs im Lande einigen Kre­dit haben, so würde ich gern unterstreichen, daß die politischen Kämpfe noch nie so un­angebracht gewesen sind wie heute.

Wenn Frankreich Vertrauen in sich selbst hätte, würde über die Hälfte der Gefahren, von denen es sich bedroht fühlt, von selbst aus­geschaltet sein. Wollen wir Vertrauen in un­sere Stärke haben! Sie ist viel größer, als Sie sich durch die Brille eines gewissen Pessimismus vorstellen, der nicht immer auf reine Vaterlands­liebe zurückzuführen ist. Sorge bereitet mir, daß das Ausland unser eigenes Schlechtmachen ernst nehmen könnte. Glauben Sie, daß der Krieg uns aufgezwungen worden wäre, wenn wir im Jahre 1913 und 1914 nicht das Beispiel entfesselter politischer Lei­denschaften und tiefer Entzweiung unter uns gegeben hätten? Glauben Sie, daß vor 1870 die heftige Propaganda gegen das damalige Regime die Invasion und die Niederlage nicht vor­bereitet hätten? Wollen wir uns also in Acht neh­men im Hinblick auf die Jahre 1935 und 1936! Schon vor zehn Jahren hat Mussolini erklärt, daß sie die entscheidenden Jahre für d e n Frieden darstellen. Also wollen wir um des Vaterlandes willen nicht den Schein einer hilflosen Mannschaft auf einem trei­benden Schiff geben. Wenn die Republik den Krieg 1914 hat ertragen müssen, so ist sie wenig­stes siegreich aus ihm hervorgegangen, und heute wie gestern hat sie verstanden, eine ganze Reihe von Freunden und Bundesgenossen um sich zu scharen, deren Zahl mein hervorragender Mitarbeiter Laval glücklicher- und nützlicherweise vermehrt. Indem er ihre Zusammenarbeit ent- wickelt, weiß er, daß sie mit uns den Frieden Euro­pas garantieren.

Gewiß ist nicht alles in unseren Einrichtungen

vollkommen. Aber es trifft nicht zu, daß alles schlecht ist, und daß folglich ein Wechsel des Re­gimes erforderlich ist. Hüten Sie sich vor dem Geist des Schlechtmachens und der Disziplinlosigkeit. Um aufzubauen, muß man Vertrauen in die Zukunft haben und verstehen, das vorhandene Material zu verwenden. Welches Volk gibt uns im übrigen eine gleiche Lehre der Vaterlandsliebe als das Volk, bas in dem Glauben, in seiner Integrität bedroht zu jein, mit Hingabe seine Rote Armee feiert und mit gerechtem Stolz immer mehr Mil­liarden für seine Landesverteidigung opfert? Die Jugend hat weder ihren Glauben an die Tugend der Vaterlandsliebe, noch an die Mis­sion der Republik verloren. Die Jugend hat keine Lehren von denjenigen anzunehmen, die die Ar­beitslosigkeit und den Krieg als ein unvermeidliches Hebel geduldet haben. Die ungläubigen Demagogen und Gewinnler sollen schweigen, vorwärts morgen für die Republik und Frankreich!

flertwW in Paris.

Paris, 26. Mörz. (DNB.-Funkspruch.) Die deutsch-englischen Besprechungen in Berlin stehen im Vordergrund der Betrachtungen der Pariser Blätter, die nicht ohne Gehässigkeiten die verschie­densten Mutmaßungen über den angeblichen Inhalt der Besprechungen zwischen dem Reichskanzler, Sir John Simon und Eden anstellen. DasEcho de Paris" kritisiert heftig die Außenpolitik Lavals, die durch die Einführung der Wehrpflicht in Deutsch­land, die englische Note und die schwächliche Aeuße­rung' der französischen Regierung geschaffene diplo­matische Lage sei übel. Hitler sei gegenwärtig über­zeugt, er könne ungestraft vieles wagen. Bedauer­lich sei die Verschiebung der Lavalreise nach Moskau auf Ende April. Vor der Stresa-Konferenz würde dievollendete französisch-russische Tatsache" dervollendeten deut­schen Tatsache" entsprochen haben. Nach Stresa werde der französische Außenminister gewisiermaßen zu wählen haben zwischen Rußland und der Kleinen Entente einerseits und England anderer-