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Hr.275 Drittes Blatt
(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Montag, 25. November 1935
Cme denkwürdigeFeier OerGießenerEA.
Vereidigung der au- der SI. in die SA. überführten jungen Kameraden.
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Tri?nhfrpnrh?r «u ®cJQ,ne,lcn ^5^9^ und des nationalsozialistischen Freiheitskampfes: im Vorder, gründ rechts mit erhobener Hand grüßend, Standartenführer Lutter; angetreten hinter dem ^eld- Zeichen der Standarte die aus der HI. in die SA. überführten jungen Kameraden (Aufnahme: Photo-Pfaff.)
Im Gießener Stadttheater beging am gestrigen Sonntagoormittag die Gießener SA. eine eindrucksvolle Feierstunde, die allen Teilnehmern lange in Erinnerung bleiben wird. Im Mittelpunkt des feierlichen Geschehens stand die Vereidigung id e r H I. des Kreises Gießen, die nach ^Vollendung des 18.Lebensjahres in die Reihen Der SA. überführt worden ist.
Der Saal des Theaters war mit den Fahnen des Dritten Reiches festlich geschmückt. Auf der Bühne Rvaren hinter dem Feldzeichen der Standarte und fflankiert von zwei Sturmfahnen und Fahnen der 8)I. die jungen Kameraden in mehreren Gliedern Dngetreten. Der Feier wohnten mit den Gießener E-A.-Männern, die das Parkett und die Ränge des Theaters bis zum letzten Platz füllten, als Ehrengäste u. a. der Führer der Brigade 147 Oberhessen, Oberführer Schmidt, als Vertreter der Kreisleitung der NSDAP, und der Deutschen Arbeits- 'ront Pg. Herm. Wagner, ferner SS.-Standar- >enführer Jakober, Oberbürgermeister Ritter, weitere Vertreter der Partei, des Arbeitsdienstes, wwie als Vertreter der Wehrmacht der Dioifions- l'ommandeur Generalleutnant Lüdke bei.
Der Musikzug der Standarte 116 unter Leitung )«cs Musikzugführers Herrmann eröffnete die Feierstunde mit der eindrucksvollen Feiermusik von Zauer „9. November 1923".
Sodann meldete der Standarten-Adjutant, Ober- l'urmbannführer Münker, die zur Vereidigung cngetretenen jungen Kameraden aus der HI. dem Standartenführer Lutter. Nach der Meldung lichtete
Standartenführer Lutter
!ie nachstehende Ansprache an die jungen Kamera- !sn und an alle übrigen Teilnehmer dieser Weihe- snmde:
„Deutsche Männer! SA.-Kameraden! Hitler- smngen! Wir sind hier zu ernster Feierstunde zu- summengekommen, um den Nachwuchs der SA. Qis der Hitler-Jugend zu übernehmen und zu ver- ildigen. Heute am Totenfest wollen wir zuerst aller
Kameraden in Feldgrau und im Braunhemd gedenken, die sterben mußten, auf daß Deutschland lebe.
Wir gedenken ihrer in stolzer Trauer und schwören ihnen, ihr Werk forlzuführen, bis wir aufgebaul haben ein freies Deutsches Reich im Sinne unseres Führers."
Während sich auf Befehl des Standartenführers die Standarte und die Fahnen zum Gedenken an die Gefallenen senkten, die Versammelten sich von den Sitzen erhoben und die Musik leise das Lied vom guten Kameraden spielte, waren die Gedanken den in die Ewigkeit eingegangenen Kameraden gewidmet.
Nach dem Wiederaufnehmen der Standarte und der Fahnen sagte Standartenführer Lutter weiter: „Nach dem Willen des Führers soll der Nachwuchs für die SA. nur noch aus der HI. entnommen werden. Der Werdegang des deutschen Kämpfers geht bann so vor sich, daß der deutsche Junge vom Jungvolk in die HI. und dann mit vollendetem 18. Lebensjahre in die SA. oder SS. eintritt und nach Ableistung seiner Arbeits- und Militär- dlenstzeit wieder zur SA. zurückkehrt. Der Führer hat ausdrücklich erklärt, daß der Wiedereintritt in die SA. nach vollendetem Wehrdienst ein freiwilliger bleiben soll, da nur die aktiven Kämpfer für die Bewegung Aufnahme in der SA. finden sollen.
SA.-Kameraden, besonders ihr jungen Kameraden, habt ja auch miterlebt, wie die SA. in der Kampfzeit ihre Schuldigkeit getan und nach der Machtübernahme sofort sich dem Staat zur Verfügung gestellt hat.
Gewiß waren die Kampfjahre schwer und gc- fährlzch und der Dienst am Staate verantwortungsvoll, aber die Aufgabe, die der Führer nach vollzogener Umformung der SA. gegeben hat, ist so schwer, daß nur die besten Kampfer der Bewegung sie zu lösen vermögen. 521.- IHann fein, heißt heute nicht mehr und nicht weniger, als sich vollkommen mit all seinem
Können und Sein dem deutschen Volke zu opfern.
Es gibt für den SA.-Mann nichts anderes mehr, als Dienst am Volk und an der Bewegung. Ob der SA.-Mann im Dienst oder im Beruf, zu Hause oder auf der Straße, im Dienstanzug oder in bürgerlicher Kleidung ist, stets muß er eingedenk sein, daß er der Träger der Bewegung ist. Es ist eine Aufgabe, die von ihrem Träger verlangt, seine eigenen Belange vollkommen auszuschalten und nur noch seiner großen, heiligen Pflicht, Glaubensträger und Glaubensbringer zu fein, zu leben.
Wir alten SA.-Wanner sind alle früher anderswie eingestellt gewesen und haben uns zum Nationalsozialismus erst durchkämpfen müssen, während ihr, meine jungen Kameraden von der HI.» die geborenen Nationalsozialisten seid und daher als Kämpfer für das große Ziel von vornherein schon berufen seid.
Ihr werdet in der SA. vieles anderes vorfinden als in der HI., eins aber ist das gleiche: der unerschütterliche Glaube an den Führer und sein Werk, die Kameradschaft, die Volksgemeinschaft, ohne die ein so großes Ziel, wie wir es uns gesteckt haben, nicht erreicht werden kann. SA.- Geist, geboren aus dem Frontsoldatentum, vereint mit eurer unbelasteten nationalsozialistischen Weltanschauung, sollen euch befähigen, das große Werk, zu dem ihr euch verpflichtet habt, durchzuführen. Wenn ihr nun zu uns kommt mit heißem Herzen und guten Vorsätzen, so will ich euch sagen: Es gehört zu dem großen Werk ein ganzer Mann dazu: Ihr kommt als junge Männer zu uns und sollt in der SA. zu echten Männern erzogen werden. Ich heiße euch in unseren Reihen willkommen und schreite nun zur Vereidigung.
Der Standartenführer verlas nunmehr, während die jungen Kameraden stillstanden und die Versammelten sich erhoben hatten, die nachstehende Vereidigungsformel:
„Ich gelobe meinem Führer Adolf Hitler Treue. Ich verspreche. Adolf Hitler und den von ihm bestellten, mir bekannten oder durch ihre Abzeichen erkennbaren Vorgesetzten Achtung und Gehorsam und verpflichte mich, alle Befehle unverdrossen und gewissenhaft zu vollziehen, da ich weiß, daß
meine Führer nichts Ungesetzliches von mir fordern.
Standarten und Sturmfahnen sollen mir heilig sein; ich werde sie niemals verlassen, vielmehr sie stets mutig verteidigen.
Ich gelobe, mich allezeit als tapferer und treuer Kämpfer im Dienste der nationalsozialistischen Bewegung zu erweisen und immer so zu benehmen, wie es einem ehrliebenden SA.-Mann geziemt."
Die Vereidigten leisteten den Schwur mit den Worten: „Ich gelobe es!" Sodann wurde das Feldzeichen der Standarte durch die Reihen der Vereidigten getragen, die das Tuch der Standarte berührten und damit ihren Schwur bekräftigen. Hierauf sagte Standartenführer Lutter:
Ihr habt den Schwur geleistet und seid damit SA.-Wänner geworden, deren ganzes Leben nur noch dem Führer und dem deutschen Volke gehört. Zeigt euch würdig eurer gefallenen Kameraden, seid selbstlos und freut
3n dieser Stunde grüßen wir unseren Führer, den Mann, dem wir alles zu verdanken haben, der Deutschland aus Schande und Not wieder emporgehoben hat, mit dem Rufe Sieg. Heil! Brausend erklang der dreimalige Ruf als Gruß und Treuegelöbnis an den Führer, anschließend wurden die vier Verse des Horst-Wessel- Liedes gesungen. Damit fand die feierliche Vereidi- gung ihren Abschluß.
Nunmehr bereitete der Musikzug der Standarte unter der ausgezeichneten Leitung des Musikzug- fuhrers Herrmann den Teilnehmern der Feierstunde einen erlesenen Kunstgenuß durch das wundervolle Spiel des Adagio aus der Sonate path£- tique von Beethoven. Es konnte kein erhebenderes Bindeglied geben zwischen der Vereidigung und dem zweiten Teile der Stunde, als gerade diese weihevolle Musik Beethovens, der eine'dramatische Szene aus der Dichtung „Schach dem Zaren" von Müller-Scheld, gespielt von Mitgliedern des Stadttheaters, folgte. Die hervorragende Darbietung und der packende Inhalt dieser Szene zwischen dem Freiherrn vom Stein und dem damaligen russischen Zaren zur Zeit des Feldzuges Napoleons in Rußland machte auf die Zuschauer einen tiefen Eindruck. Nach diesem Abschluß der Feierstunde rückten die Stürme geschlossen ab.
Aus her provinzialhaupistahi.
Es weihnachiet.
Ach nein, wird mancher ausrufen, jetzt schon? Jetzt soll es schon Weihnachten? Ist ja doch noch ein ?aar Wochen bis dahin! Jetzt brauche ich den Kopf ür andere Dinge, nicht für Weihnachten.
Einen Augenblick, bitte! Es weihnachiet nicht erst seit gestern und heute, es weihnachiet schon seit geraumer Zeit. Es wurde eigentlich schon geweih- nachtet, als wir über die Augusthitze stöhnten. Um jene Zeit schon saßen die Glasbläser in Schlesien und im Schwarzwald an ihren Arbeitstischen und töhnten noch viel mehr über die Hitze, denn zu der Sonnenglut kam für sie noch die Hitze des schmelzenden Glases, und das summiert sich dann zu einer ganz unangenehmen Temperatur.
Im Hochsommer marschierten bereits auch die Holzhändler mit den Reoierförstern durch die deutschen Tannenforste und deckten sich mit Weihnachtsbäumen ein, die dann erst ein paar Wochen vor dem Christfest gefällt und in die Städte geschafft werden. Zu vielen Tausenden wurden die kommenden Christbäume auf diese Weise „gezeichnet", zum Tode verurteilt, um in deutschen Familien als Weih- nachtssymbol zu dienen.
Zweifelt man noch, daß es schon feit erheblicher Weile weihnachiet? Man gehe auch einmal in die Spielwarengeschäfte und erkundige sich, wie es mit Den Weihnachtsartikeln ist. Ueberall wird man zur Antwort bekommen, daß man sich schon mit allem
versehen kann, was Kinderherz erfreut und ein Erwachsenengemüt rührt. Die Puppen stehen zu Tausenden in Reih und Glied, in allen Arten, Größen und Ausfertigungen, tonnenweise warten die Zinnsoldaten, an denen die deutschen Jungen letzt wieder soviel Freude finden, in Gesellschafts- spielen aller Art gibt es eine wahrhaft sinnverwir- «nbe Auswahl, und das mechanische und technische Spielzeug aller Art ist nicht minder vielfältig.
Es weihnachtet auch bereits in allen Kinder- ftuben. Der November ist bald zu Ende, die Tage werden immer kürzer und der Aufenthalt im Freien mirb immer ungemütlicher. Moran denkt jetzt ein Kmderherz? Es denkt an die nahende Weihnachts- zeit mit ihren Wundern, ihrem Glück und ihrem Glanz Weihnachten ist die Zeit der Wünsche, die in Erfüllung gehen sollen, Weihnachten ist die Zeit der Geschenke von allen Seiten, daneben ist die Weihnachtszeit noch von einem eigenartigen Geheimnis umgeben, denn es sind nicht nur die Geschenke, die den Zauber dieser letzten Dezembertage ausmachen, da ist auch der Weihnachtsbaum selber, den man nicht müde wird, immer wieder anzu- blicken mit seinen Lichtern und seinem glitzernden Schmuck. Schön ist es, wenn ein Kind auch die Bedeutung des Weihnachtsfestes kennt, wenn es mit dem Symbol des immergrünen Baumes schon bestimmte Vorstellungen verbindet.
Jetzt beginnt daher die Zeit, die Kinder auf das Ehrlstfest vorzubereiten, ihnen von feinem Ursprung
Oie rasche Heirat.
Von Friedrich Schnack.
Als Napoleon Bonaparte, damals noch Konsul, si.ne Expedition nach St. Domingo in Aussicht mhm, wollte er dem Gatten feiner Lieblings- L'wester Pauline, Genera! Leclerc, das Kommando dir Expedition übertragen. Dieser aber bat ihn, die ifm zugedachte Ehre lieber einem andern zuzu- tc*nben, da er nämlich im Sinn fyabe, seine einzige, cum erwachsene Schwester, welche noch im Pen- ü;nat weilte, zu sich zu nehmen und möglichst bald r verheiraten, damit ihr ein Schutz für das Leben sichert sei, ehe er sich selbst von neuem dem un- gewissen Soldatengeschick aussetze.
„Das ist kein Hindernis", sägte der Konsul, „wir »k-heiraten sie morgen. Die Sache ist erledigt. Achten Sie sich darauf ein, übermorgen abzumar- idieren. Morgen abend soll Ihre Schwester vertratet sein. Ich weiß im Augenblick nicht mit wem, v!^' dürfen sich aber darauf verlassen, daß ich ihr De gute Partie ausfindig mache."
■v21ber..." stammelte Leclerc.
'.Kein Aber! Ich habe deutlich gesprochen und dmsche keine weiteren Bemerkungen!"
Oer General, an die tyrannische Manier seines Botroagers gewöhnt, verließ wortlos das Zimmer.
Linige Minuten später trat General Davoust bei 'eii Konsul ein und sagte, er bitte um ein paar 2cqe Urlaub, da er sich verheiraten wolle.
Mit Fräulein Leclerc?" unterbrach ihn der Kon- dl „Das ist eine passende Partie für Sie."
-Nicht doch, mein General! Meine Braut ist die -Atwe des Herrn von R ..."
^Sie werden sich sogleich mit Fräulein Leclerc |ie$eiraten", sagte Napoleon mit Nachdruck.
I Oavoust wurde dunkelrot. „Frau von R. hat Wem Wort", entgegnete er lebhaft. „Wir lieben ininder, und nichts wird mich dazu bringen, auf f -zu verzichten."
.Nichts als mein Wille!" erwiderte der Konsul liitTbittlid). „Sie werden sich sofort nach St. Ger- tram verfügen und sich Ihrer Braut vorstellen. Ti n Schwager wird Sie begleiten und Fräulein 2iriee Leclerc heute Abend hierher nach Paris bringen. Inzwischen haben Sie Zeit, Ihre Braut- gjooenfe auszuwählen. Die Mitgift und Ausstat- hi । der jungen Dame ist meine Sache. Ich werde |f r sorgen, daß die nötigen Formalitäten abge- firi werden. Morgen findet die Vermählung statt.
haben gehört und werden gehorchen!"
rit dem letzten Wort klingelte Bonaparte und biichl der eintretenden Ordonnanz, General Lec- Itß herbeizurufen. Als dieser erschien, rief er Hm
entgegen: „Nun — hatte ich recht! Hier steht der Bräutigam Ihrer Schwester". Und er wies auf den betäubt dastehenden, keines Wortes mächtigen Offizier. „Begleiten Sie ihn sofort", fügte Napoleon hinzu, „nach St. Germain und lassen Sie mich nichts mehr von der Sache wissen, bis alles in Ordnung ist. Einzelheiten find mir zuwider."
Die beiden in gleichem Maße betretenen Gene- rafe gehorchten. So gewaltig war schon damals die Stellung und der persönliche Einfluß Napoleons, daß keiner dieser Männer den Mut zum Widerstand fand.
Tags darauf wurde wirklich diese befohlene Ehe geschlossen, deren unschuldiges Opfer, die reizende Aimee, am meisten darunter leiden sollte Ihre Zeitgenossen schildern sie als sehr schön und von unvergleichlicher Sanftheit des Charakters. Jahre hindurch konnte der von Natur rauhe Davoust ihr nicht vergeben, daß er gezwungen war, feine Häus- Uchkeit mit ihr zu teilen. Ihre Güte, die ausdauernde Freundlichkeit aber, womit sie fein unliebenswürdiges Betragen erwiderte, gewannen endlich den Sieg. Von der Stunde an, da Davoust feiner Frau Gerechtigkeit widerfahren ließ, befaß sie auch fein Zutrauen und feine Zuneigung, so daß die auf höheren Befehl nur gezwungen ge chlossene Ehe doch noch eine sehr glückliche wurde.
Oer Escorial und die „graue Spinne".
Don ©r. Frih Zeffel, Madrid.
Eine Stunde Bahnfahrt von Madrid entfernt befindet sich der Escorial, der sprechende Zeuge einer vergangenen glanzvollen Zeit. Der schlichte und doch erhebende Geist seines Schöpfers spricht aus ihm und ermöglicht es, uns die Regierungszeit des von den Spaniern verehrten und durch seine großzügig geleitete Weltpolitik weit über die Grenzen seines Heimatlandes bekannten König P h j J lipp II. (1556 bis 1598) vor Augen zu führen. Er war der Sohn Karls V. (1519 bis 1556), dessen Regierung nur Unglück über Deutschland gebracht hatte, da unter ihm durch die unselige Politik der Habsburger Deutschland, das mit Spanien verbunden war, zu einem Nebenland herabgesunken war. Philipp erbte nur Spanien und die Niederlande. In seine Regierungszeit fällt jener heldenmütige Freiheitskampf der Niederlande, der mit der Selbständigkeit der nördlichen Niederlande endigte.
Auf einem feiner Feldzüge zerstörte die Artillerie Philipps II. im Jahre 1557 in der Stadt St. Quentin eine Kirche, dis dem heiligen Laurentius,
einem römischen Soldaten und Märtyrer spanischer Abstammung, geweiht war. Dies geschah am Na- menstag des Heiligen, für den Philipp seit seiner Jugend eine große Verehrung gehabt hatte. Der spanische König gelobte für diesen Sieg und den heiligen Laurentius ein Kloster zu erbauen; es sollte zugleich eine ländliche Residenz und ein Mausoleum für die königliche Familie fein. Zwei Jahre suchte man nach einem geeigneten Platz, bis man ihn fünfzig Kilometer von Madrid am Fuße der Sierra Guardarrama fand. 1559 berief Philipp als Baumeister Juan Battista de Toledo, der in Neapel und Rom die Baukunst studiert hatte. Er starb jedoch bald nach der Grundsteinlegung. Die- stlben Fähigkeiten belaß fein Nachfolger Juan de Nerrera. Dieser hatte in Brüssel die Baukunst gelernt. Er hatte die Feldzüge Karls V. mitgemacht und diesen in seinen beiden letzten Lebensjahren in das Kloster San Puste begleitet.
Am 13. September 1584. also nach 25 Jahren Bauzeit, wurde der Schlußstein gelegt. Der Anteil des Königs an dem Kloster war sehr groß. Nicht nur, daß er den Gedanken zu diesem Kloster sein eigen nennen konnte, er überwachte auch den Bau bis zum letzten Tage. Er arbeitete die Pläne durch und traf entscheidende Anordnungen. Er berief nach sorgfältiger Auswahl Künstler aus dem In- und Auslande, um dem Ganzen ein einzigartiges Gepräge zu geben.
Das gewaltige Gebäude, das ein Rechteck von zweihundertsechs Meter Länge und hunderteinundsechzig Meter Breite bildet, ist im Stil der italienischen Hochrenaissance erbaut. Jede Verzierung lehnte Philipp ab. Das Kloster sollte nur durch seine gewaltigen Flächen wirken, die nur durch eine Anzahl kleiner Fenster unterbrochen werden. So gleicht der Escorial eher einer Festung oder einem großen Gefängnis als einem Kloster und einer Residenz. §ür diesen majestätischen Bau verwendete man den weißlich-grauen Granit von Peralejos, so daß er gleichsam organisch aus dem Gestein des Guadarrama-Gebirges hervorwuchs. Das Innere sollte in feiner Eigenart und feinem Wert etwas Besonderes darstellen. So ließ der kunstverständige König durch feine Gesandten an allen italienischen Höfen nach bedeutenden Meistern forschen. Die bekanntesten Maler, die an dieser Stätte wirkten, waren Z u c a r r o, Eambiaso und Tibaldi. Unter den Spaniern ragt Navarrete hervor.
Wenn sich auch einige Stimmen ablehnend über dieses Bauwerk geäußert haben und Philipp den Dorwurf machen, daß er durch seine Vorschriften die Schaffenskraft der Künstler gelähmt habe, so übt der Escorial durch die landschaftliche Umgebung, aus der dieses gewaltige Massiv imponierend hervorragt,
doch einen eigenartigen Reiz aus. Er ist der versteinerte Wille jenes Königs, der in den letzten Jahr- zehnten feine Residenzen in Madrid und im Es- SP^ial nicfjt mehr verließ und von hier mit feinem Scharfblick und durch fein kluges Gefandtenfystem bie politischen Fäden der Welt in der Hand hatte, bis nach ihm die spanische Großmacht von England in der beherrschenden Stellung abgelöst wurde.
Da König Philipp sehr gottesfürchtig war, nahm er fast an jeder Messe in der Klosterkirche teil. Mit einer bewundernswerten Genauigkeit überwachte er die Ausgaben und sorgte für die ständige Verschönerung des Inneren. Als er im Sommer 1598 sein
"af)en fühlte, wollte er im Escorial sterben und befahl daher, ihn trotz feiner schweren Krankheit und gegen den Willen feiner Aerzte, dorthin 3U tragen. Eine Fahrt im Wagen war wegen der großen Erschütterungen nicht möglich. So brauchte man sechs Tage für diese verhältnismäßig kurze Strecke. Sein Schlafgemach war so gelegen, daß er in feinen letzten Tagen, als er nicht mehr zur Messe gehen konnte, von seinem Bett aus durch ein Fen- [ter auf die Pracht des Hochaltars schauen und so, im Gebet um sein Seelenheil ringend, den feierlichen Handlungen des Priesters Zusehen konnte. Am 13. November 1598, vierzehn Sabre nach der Voll- entlang des Klosters, schloß der König seine Augen.
Aber der Escorial wird noch lange der steinerne Zeuge dieses religiös empfindenden Königs, den die zeitgenössischen Politiker die „graue Spinne" nannten, sein, und von Generation zu Generation stehen die Spanier staunend vor seinem Grabmal und dem der übrigen spanischen Könige in dem Bewußtsein, daß sie in diesem monumentalen Bau ein unersetzliches Kleinod hüten.
Heiße Liebe.
Der italienische Maler Ubaldo Oppi war in feiner Jünglingszeit mit einer jungen, sehr romantisch veranlagten Dame in Florenz befreundet. Eines schonen Abends saßen die beiden auf der Terrasse des Hotels „Aurora" in Fiefole und sahen in das in wundervollem Samtblau versunkene Tal hinunter. Das Mädchen fragte:
„Liebst du mich, Ubaldo?"
„Das weißt du doch, Marietta."
„Würdest du für mich ins Wasser springen, um mich zu retten?"
„Ja."
Würdest du für mich durchs Feuer gehen, um mich zu retten?
„Liebes Kind", erwiderte Oppi bedächtig, „was du brauchst ist nicht ein Maler. Was du brauchst, ist em Matrose oder em Feuerwehrmann."


