(geboren 1544); — 1599: der englische Staatsmann Oliver Cromwell in Huntington geboren (gestorben 1656); — 1874: der italienische Physiker Guglielmo Marconi in Grifsone bei Bologna geboren.
Bestellung von Achtengrün für den l.Mai.
Am 1. Mai sollen Fenster. Türen und alle öffentlichen Lokale und Gasthäuser mit frischem Grün geschmückt werden. Es werden geliefert Fichtenreifer in Wellen und Bäume in beschränkter Anzahl.
Die Bestellungen dazu sind bis Samstag, 2 7. April, 12 Uhr, bei der Stadtverwaltung abzugeben, damit diese ordnungsgemäß erledigt werden können. Die Stadtverwaltung sorgt dafür, daß das bestellte Grün auch an die Besteller ausgehändigt wird.
Schmelz, Kreispropagandaleiter.
Rechtzeitige Anforderungen von Schmuckreisig zum 1. Mai.
An Volksfeiertagen, besonders am Nationalen Feiertag des deutschen Volkes, 1. Mai, werden von der Bevölkerung oft so spät Anforderungen auf Lieferung von Schmuckreisig an die Forstverwal- tungen gestellt, denen diese in Anbetracht der Kürze der Zeit nicht entsprechen können. Es können dadurch Schädigungen im Forst entstehen, da die zu beobachtende Sorgfalt nicht angewendet werden kann. Die Bevölkerung wird darauf aufmerksam gemacht, daß nur rechtzeitige Anforderungen von Schmuckreisig berücksichtigt werden können. Weiterhin wird die Bevölkerung gebeten, diese Anforderungen auf das notwendigste Maß zu beschränken, um den Wald, der allgemeines Volksgut sein soll und an dessen Schönheit alle Volksgenossen Freude haben sollen, zu erhalten. Insbesondere dürfen keinesfalls Verunstaltungen des Waldbildes durch eigenmächtige Eingriffe erfolgen.
Deutsche Arbeitsfront.
Kreiswaltung Gießen.
Die Schulung der Kreisschule der DAF. am Samstag, 27. April, im Hotel „Hindenburg" fällt wegen der Vorbereitung zum 1. Mai aus. Nächster Schulungstermin wird noch bekanntgegeben.
Kreiswaltung der DAF.
Aus parteiamtlichenBekanntmachungen
In der Ortsgruppe Gießen-Nord findet am heutigen Donnerstag, 20.15 Uhr, Schulungsabend für die Zellen 6 und 7, am morgigen Freitag, 20.15 Uhr, Schulungsabend für die Zellen 4 und 5 im „Aquarium" statt.
Die Deutsche Arbeitsfront.
NS-Gemeinschast „Ärafi durch Freude".
Oie große Festveranstaltung zum Auftakt des 1. Mai am Dienstag, 30. April, 20 Uhr, in der
V o l k s h a l l e
„Die 9. Symphonie"
von Ludwig van Beethoven.
Leitung: Professor Temesvary.
Mitwirkende: Das Gießener Stadttheaterorchester, die Wehrmachtkapelle, verstärkt durch Mitglieder des Orchesteroereins und der SA.-Kapelle Gießen sowie sämtliche Gießener Gesangvereine und andere Gemeinschaften.
Die Solopartien liegen in den Händen folgender berühmter Solisten: Ria Ginster, Frankfurt am Main (Sopran), Henny Schmitt, Frankfurt am Main (Alt), Willi Lorscheider, Frankfurt am Main (Tenor), Wilhelm S t r i e n z, Berlin, (Baß).
Der Eintrittspreis ist für alle Volksgenossen auf allen Plätzen 70 Pf. im Vorverkauf und 1 Mark an der Abendkasse.
Karten sind im Vorverkauf zu haben: bei sämtlichen KdF.-Warten in den Betrieben; bei den OG. der DAF.; bei der NS.-Frauenschaft; „Oberhessische Tageszeitung"; Müsikhaus Challier; Frau Huntemann.
Letzte Klavierprobe der „9. Symphonie".
Freitag, 26. April, 20.15 Uhr, großer Hörsaal, letzte Klavierprobe für den gesamten Chor.
Vortrag zur Einführung in die „Neunte".
Am Freitag, 26. April, 20 Uhr, hält Professor Pemesvary im großen Hörsaal der Universität einen Einführungsvortrag über die „9. Symphonie" von Beethoven. Der Eintritt ist für jedermann frei.
Die „9. Symphonie" ist wohl das volkstümlichste Werk Beethovens. Wenn Professor Temesvary trotzdem einen Einführungsvortrag hält, so nur deshalb, um auf besondere Feinheiten des Werkes aufmerksam zu machen. Wir verweisen nochmals auf diesen Vortrag.
Wissenschaft
im Dienst für das deutsche Volk.
Am Donnerstag, 25. April, findet in der Universität der zweite Vortrag in der Vortragsreihe „Wissenschaft im Dienst für das deutsche Volk" statt. Es spricht Prof. H a e n ch e n über das Thema:
„Der Glaube der Ahnen in unserer Zeil".
Herr Prof. H a e n ch e n schreibt dazu: „Der Glaube der Ahnen in unserer Zeit — darin liegen zwei Fragen: einmal: was hat die Wissenschaft heute vom Glauben unserer Ahnen zu sagen?, und zum anderen: was bedeutet dieser Glaube für unsere Zeit? Auf beide Fragen will der Vortrag Antwort geben. Während man früher vielfach meinte, die Religion der alten Germanen sei nur ein Glaube an die Mächte des Naturlebens gewesen, wie er sich bei allen primitiven Völkern zeigt, hat die moderne Religionsforschung erkannt, welche Tiefe der Lebensauffassung und welche Größe der Weltanschauung in den Gestalten der alten Götterwelt lebendig war. Die sittlichen Forderungen aber, die der alte germanische Glaube unseren Ahnen stellte, sind heute nicht belanglos geworden, sondern haben in den „mythischen Gestalten" des Kämpfers, des Bauern und des Arbeiters einen neuen Ausdruck gefunden."
Arbeitskameraden aus allen Betrieben! Besucht die Vortragsreihe „Wissenschaft im Dienst für das deutsche Volk", die .von den Professoren unserer Universität unentgeltlich für alle Volksgenossen gehalten werden. Diejenigen, die den ersten Vortrag von Prof. D u k e n gehört haben, werden bestimmt auch die weiteren Vorträge besuchen, dessen sind wir sicher. Wir bitten sie aber auch, im Kreise ihrer Kameraden für den Besuch der Vortragsreihe zu werben.
* heidelbergfahrl.
Alle Teilnehmer an der Heidelbergfahrt haben Anschluß zu dem Zug. Aus allen Ortschaften kommen Anschlußzüge. Wir machen alle diejenigen darauf aufmerksam, die bis jetzt die Teilnehmergebühr noch nicht bezahlt haben, umgehend einzuzahlen. Gleichzeitig machen wir die Orte Krofdorf-Gleiberg, Wißmar, Atzbach und Launsbach, sowie Wetzlar auf umgehende Einzahlung der Beträge aufmerksam.
Der 1. Mai.
Der 1. Mai ist der Tag der deutschen Arbeit. Deshalb wird am 1. Mai die D A F. - Mütze und der dunkelblaue Anzug die Uniform des Tages sein. Die einschlägigen Geschäfte haben sich darauf eingestellt, allen Anforderungen gerecht zu werden. Wie wir hören, ist die Nachfrage nach den DAF.-Anzügen jetzt schon besonders stark.
Die „Gießener Schwaben".
Oer Muttertag 1935.
Wie der Reichsstatthalter in Hessen — Landes-; regierung Abteilung II — mitteilt, wird auch in t diesem Jahre das deutsche Volk durch den Muttertag wiederum seinem Bekenntnis zur deutschen Mutter und zu deutschem Familien- und Volksleben Ausdruck verleihen. „Ich erwarte", so lseißt es in der Anordnung, „daß die Schulen in würdigen Feiern (am 11. Mai) die Jugend anhalten zu ihrer Pflicht der Dankbarkeit ihren Müttern gegenüber, und daß der Arbeitsgemeinschaft für den Reichsmütterdienst recht viele nützliche Gaben überreicht werden können/'
Der Reichs- und preußische Minister für Wisfen- schaft, Erziehung und Volksbildung hat für sämtliche Schulen des Reiches die nachstehende Verfügung erlassen:
Sonntag, 12. Mai d. I., wird das deutsche Volk wiederum seinen „Muttertag" feiern und in würdigen Familienfeiern seinem Bekenntnis zur deutschen Mutter und zu deutschem Familien- und Volksleben Ausdruck leihen.
Pflicht eines zukunftwilligen Staates ist es, feine Jugend anzuhalten, die Mütter unseres Volkes zu ehren und in Dankbarkeit ihnen zu dienen.
So ordne ich an:
1. Am Samstag, 11. Mai, findet im Festsaal sämtlicher deutscher Schulen nach der vierten Schulstunde eine Schulfeier zu Ehren der deutschen Mutter und der deutschen Familie statt. Im Mittelpunkt der Feier steht eine Ansprache; Gemeinschaftslieder und gut vorbereitete Darbietungen von Schülern (Schülerinnen) der verschiedenen Altersstufen geben der Veranstaltung den Charakter einer Ge- meinschaftsseier. Ab 11 Uhr fällt der Staatsjugend- tag aus.
2. Im Nadelarbeitsunterricht (Werkunterricht) sämtlicher Klassen werden im Verlaufe der nächsten Wochen Gebrauchsgegenstände, unter anderem Wäsche und Kleidungsstücke (Wertarbeiten) zugunsten armer Mütter und Kinder hergestellt. Der Reichsmütterdienst bittet die Schülerinnen, vorzugsweise Säuglingsausstattungen (Windeln, Erstlingshemdchen und Hemdchen für Kinder von 2 bis 12 Monaten) anzufertigen. Die Gaben sollen vorzugsweise den deutschen Notstandsgebieten zugeteilt werden.
Abzuliefern sind die Arbeiten bis zum 12. Mai an die „Arbeitsgemeinschaft für den Reichsmütterdienst" zu Händen der ortszuständigen NS.-Frauen- schaft.
Borsicht mit der Frühjahrs-Lorchel!
Die Gesellschaft für Pilzkunde, Darmstadt, Hessische Landesstelle für Pilz- und Hausschwamm-Beratung, schreibt uns:
Die'Früylingszeit ist gekommen. Morcheln, Lorcheln, Becherlinge erscheinen. Die Lorchel — vielfach fälschlich Morchel benannt — tritt in den Frühlingsmonaten (März bis Juni) besonders in sandigen Kiefernwäldern truppweise, oft in großer Zahl auf. Der hohle, weißliche Stiel ist mitunter ganz im Boden eingefenkt, so daß nur der braune Hut mit seiner wulstig-faltigen Oberfläche aus der Nadelstreu hervorschaut. Durch ihre braune Schutzfarbe wird die Lorchel oft übersehen.
Nock nicht genügend bekannt ist es, daß die Frühlings-Lorchel (Helvella esculenta) als Giftpilz sehr verhängnisvoll werden kann. Sie hat auch in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Todesfällen und schweren Vergiftungen verursacht. Wie schon vor 100 Jahren bekannt war, bleibt der Genuß der Lorchel meist (nicht immer!) ohne schädliche Folgen, wenn die Brühe der genügend (mindestens fünf Minuten) gekochten Pilze vor dem Genuß weggeschüttet wird. Sorgfältig (ungefähr zwei Wochen) getrocknete Lorcheln sollen gewöhnlich auch ohne diese Vorsichtsmaßregel bekömmlich sein.
Von manchen Menschen wird die Lorchel auch mit dem Kochwasser vertragen. Zuweilen tritt erst eine Erkrankung ein, wenn eine zweite Lorchelmahlzeit in kurzem Zwischenraum nach der ersten stattfand. Auf jeden Fall bleiben in bezug auf die Giftigkeit der Lorchel noch mancherlei Rätsel zu lösen.
Am besten ist jeglicher Genuß der Frühlingslorchel zu meiden.
Dom Pilzmarkt sollte em Pilz, der schon, so viele
Im Rahmen des Begrüßungsabends zur Stu - denten-Historiker-Tagung, die während der Osterfeiertage in unserer Stadt abgehalten wurde (wir berichteten bereits ausführlich darüber), sprach Landgerichtsrat Dr. Schneider (Mainz) über das Thema „Die Gießener Schwarzen". Der Vortrag, dem wir u. a. folgendes entnehmen, {ei hiermit nachgetragen.
„Die burfchenschaftliche Bewegung setzt auf der Gießener Hochschule bereits im Jahre 1814 ein. Die aus dem Felde zurückkehrenden Studenten schlossen sich nach dem Vorbilde der „Deutschen Gesellschaften" zu einer Deutschen Lesegesellschaft zur Erreichung vaterländisch-wissenschaftlicher Zwecke am 17. November 1814 zusammen. Innere Gegensätze führten im Januar 1815 zur Spaltung und alsbaldigen Aufhebung der Gesellschaft. Anfang Juni 1815 schlossen sich die Anhänger der Vaterländischen Reformpartei zur „Germania" zusammen; nach ihrer altdeutschen Tracht erhielten sie bald die Bezeichnung der Schwarzen, die ihnen bis zu ihrem endgültigen Verschwinden blieb. Ihr Führer wurde bald nach ihrer Gründung der hervorragend begabte Karl Fallen, der Kraft der Ueberlegenheit seiner Persönlichkeit in körperlicher und geistiger Hinsicht der Vereinigung seinen Stempel aufdrückte, so daß sein Jdeenkreis auch der der Schwarzen wurde.
Im Wintersemester 1815/16 wandelte sich die Germania in den Deutschen Bildungs- und Freundschaftsverein um. Fortgesetzte Streitigkeiten mit den Landmannschaften, deren Komment die Schwarzen nicht anerkannten, führten zu zahlreichen Duellen und zur Auflösung des Vereins. Trotzdem hielten feine Mitglieder, deren Zahl während des Bestehens des Vereins nie über 20 betrug, zusammen und nahmen bei den Bestrebungen im Jahre 1816, die gesamte Studentenschaft zu einigen, einen hervorragenden Platz ein. Die Einigung scheiterte am Widerstand der Korps, trotzdem gründeten die Schwarzen mit ihren Anhängern im Dezember 1816 eine Christlich-Teutsche Burschenschaft, die die Korps am 20. Januar 1817 in Verruf steckte. In der Folge erfolgten zahlreiche Denunziationen der sog. Ehrenspiegelburschenschaft durch die Korps, weshalb eine Untersuchung diesmal gegen beide Parteien eingeleitet wurde und zur Auflösung aller Verbindungen führte. Auf dem Wartburgfest am 18. Oktober 1817 waren beide Parteien vertreten. Unter dem Eindruck der dort herrschenden Begeisterung sand eine Versöhnung der feindlichen Parteien statt. Sie hatte jedoch keine Folgen für die Verhältnisse in Gießen. Es kam zu einem scharfen Briefwechsel zwischen Jena und den Schwarzen, in dessen Verfolg sogar Forderungen fielen. Zwar wurden sie nicht ausgetragen, aber die Schwarzen blieben doch der am 13. August 1818 begründeten Allgemeinen Burschenschaft Germania fern. Erst nach dem Wegfall des unversöhnlichen Karl Fallen, anfangs 1819, sand eine Aussöhnung statt, die Schwarzen traten zum größten Teil der Germania bei. Bald entstanden wieder Streitigkeiten, die Attentate von.Sand und Löning riefen die Regierung auf den Plan, es folgten die Karlsbader Beschlüsse, und am 3. November 1819 löste sich die Burschenschaft auf. Damit war auch der engere Verband der Schwarzen gesprengt, die übrigens noch im Laufe des Jahres 1819 neue Mitglieder in ihren Bund ausgenommen hatten.
Todesfälle zur Folge hatte, ganz ausgeschlossen werden, wie das in Oesterreich schon der Fall ist.
lieber alle sicheren Erfahrungen beim Lorchelgenuß, insbesondere über Lorchelvergiftungen, erbitten wir (mit Unterstützung durch das Reichsgesundheitsamt) Mitteilung an die Medizinische Fachkommission der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde (Dr. med. Welsmann, Pelkum bei Hamm/Westfalen) ober an das Mykologische Institut der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde in Darmstadt (Hessische Landesstelle für Pilz- und Hausschwamm-Beratung).
Der Einfluß der Follenschen Reformideen auf die deutsche Burschenschaft war ein ganz gewaltiger. Sie haben eigentlich erst aus dem vorher ziemlich rohen Zusammenschluß aller Studenten das gemacht, was man unter Burschenschaft versteht. Vor allem hat die Aufstellung eines neuen Ehrengerichts mit der Trennung in innere und äußere Ehre, die vorher rohen Duellsitten aufs gründlichste reformiert; seins Ansichten sind im wesentlichen noch heute gültig. Seine ganzen Anschauungen gingen vom Religiösen aus. Er schloß zuerst Juden und Ausländer aus der Deutschen Burschenschaft aus und vermochte den christlich-deutschen Gedanken in der Deutschen Burschenschaft im Jahre 1818 restlos durchzusetzen. Sein und der Schwarzen politisches Bekenntnis gegründet auf den Haß gegen alle Fremdländerei, ging von der Romantik aus. Die ursprünglich Gemäßigten, auf Wilhelm Snell zurückzuführenden politischen Ideen, über die Einrichtung des Deutschen Reiches radikalisierten sich im Laufe ihrer Tätigkeit fortwährend. Bestimmend hierfür war, einmal die in Hessen ganz besonders schlimmen wirtschaftlichen Verhältnisse, das Versagen der Regierungen in der Einlösung ihres Versprechens nach Verfassung, der Wegfall des mäßigenden Einflusses von Gottlieb Welker und schließlich die Abkehr Preußens von seiner um 1814 erfolgten verfassungsfreundlichen Politik. Während man anfänglich für konstitutionelle Monarchie schwärmte, zeigt der Verfassungsentwurf von 1817/18 schon erhebliche republikanische Einschläge und wurde von Karl Folien später noch weiter im Sinne der republikanischen Idee verschärft. Die Gießener Schwarzen sind hervorragend beteiligt an der Adressenbewcgung der Jahre 1817/18 und an der Aufwiegelung der Bauernschaft im Jahre 1818. Auch die Poesie aus ihrem Kreise, die anfänglich einen rein vaterländisch-sittlichen Charakter trug, wird allmählich zur blutrünstigen Dichtung mit der unverhüllten Aufforderung zum Fürstenmord. Ob alle diese Ergüsse wirklich so ernst gemeint waren, muß bezweifelt werden, denn wir sehen anderseits, daß man die Erreichung seiner Ziele durch Beschäftigung mit dem Staatsrecht ins Auge faßte und daß man eine Religiosität bewies durch gemeinsames Abendmahl, durch Beschäftigung mit der Bibel und durch Propagierung des Gedankens einer Nationalkirche, daß man schwerlich an die Verwirklichung der Ideen durch die Tat glauben kann. So sind auch die Taten von Sand und Löning ohne Mitwisserschaft der Schwarzen begangen worden und sie haben den größeren Teil von ihnen, der gemäßigte Ansichten' vertrat, von Fallen und seinem Anhang getrennt. Diese bewahrten insbesondere auch den berüchtigten „Grundsatz", der in Wahrheit ja auch nur in der Theorie bestand.
Immerhin müssen wir anerkennen, daß die Tätigkeit der Schwarzen, mag sie auch in vielem übertrieben gewesen sein, befruchtend auf das Studentenleben gewirkt hat und ein wesentliches Verdienst an der Milderung bzw. Beseitigung roher Duellsitten und an der Erweckung vaterländischen Geistes gehabt hat. Ihr Ideal war, einen Burschenstaat zu begründen, der ein Vorbild des deutschen Einheitsstaates werden sollte. Durch Verkennung ihrer vaterländisch sittlichen Ideen haben die Regierungen die Jugend zum Radikalismus getrieben, der sich bald westlerifchen Ideen zuwandte und im Frankfurter Wachensturm 1833 ein blutiges Ende fand."
Sachverständige und Justizbehörde.
Die Justizpressestelle Frankfurt a. M. teilt mit: Durch die Verordnung zur einheitlichen Regelung der Gerichtsverfassung vom 20. März 1935 sind die in den Ländern erlassenen Vorschriften, nach denen Sachverständige für gerichtliche Angelegenheiten im allgemeinen vereidigt werden können, aufgehoben. Soweit Sachverständige, wie dies in Preußen der Fall ist, allgemein vereidigt worden sind, verliert die Vereidigung mit Ablauf des 30. April
1935 ihre Wirkung. Der Reichsjustizminister hat daher angeordnet, daß die über die allgemein vereidigten Sachverständigen geführten Verzeichnisse zu schließen und die in ihnen eingetragenen Per. fonen mit Wirkung vom 1. Mai 1935 ab zu löschen sind. Die von der Löschung betroffenen Sachverständigen werden hiervon benachrichtigt mit dem Hinweis, daß die Bezeichnung als gerichtlicher ober gerichtlich bestellter ober gerichtlich be- eibigter Sachverständiger vom 1. Mai 1935 ab nicht mehr geführt werben barf. Die Stellung ber öffentlich bestellten Sachverständigen, wie z. B. der Gerichtsärzte, Kreisärzte und sonstige öffentlich bestellte Sachverständige wird durch obige Bestimmung nicht berührt.
Oie Ehrenkreuze des Weltkrieges.
Bekanntlich ist die Frist für die Einreichung der Anträge auf Verleihung der Ehrenkreuze für Frontkämpfer, Kriegsteilnehmer, Kriegerwitwen und Kriegereltern des Weltkrieges am 31. März abgelaufen. Bis zu jenem Schlußtage waren aus der Stadt Gießen bei der hier zuständigen Polizeidirektion rund 3400 Anträge von Frontkämpfern, rund 900 Anträge von Kriegsteilnehmern, 230 Anträge von Kriegerwitwen und 220 Anträge von Kriegereltern auf Verleihung der Ehrenkreuze ein- gereicht worden. Bisher wurden an Ehrenkreuzen verliehen: rund 2900 an Frontkämpfer, 640 an Kriegsteilnehmer, 131 an Kriegerwitwen und 161 an Kriegereltern. Die jetzt noch fehlenden Verleihungen der Ehrenkreuze erfolgen, sobald hier weitere Ehrenkreuze eingetroffen sind. Etwa 300 Anträge, die in den vorgenannten Zahlen mitenthalten sind, unterliegen zur Zeit noch der Nachprüfung beim Zentralnachweisamt in Berlin.
Gautagung des AerzteverbandeS
für phyfikal. und diät. Behandlung (Naturheillehre) E. V.» Gau Reffen-JlaffatL
Am 28. April, 9.30 Uhr, findet die erste Gautagung des Verbandes im „Kölner Hof" in Frankfurt a. M. statt. Alle Aerzte und Zahnärzte können dqran teilnehmen.
Der Verband hat in den letzten Jahren einen sehr erfreulichen Aufschwung genommen. Viele Aerzte sind bereits dem Rufe des Führers ber Aerzteschaft nach einem Zusammenarbeiten mit ben Aerzten biologischer Heilrichtungen gefolgt, so baß der Verband nunmehr imstande ist, Tagungen in einzelnen Gauen abhalten zu können. Diese Tagungen sollen insbesonders dem Aufbau und Ausbau der wissenschaftlichen Naturheillehre dienen und sollen deren Gedankengut den Aerzten sämtlicher anderer Heilricktungen erschließen.
Auf dieser ersten Tagung werden eine Reihe bedeutsamer Vorträge gehalten werden über 1. Na- , turärztliches Denken und Handeln, 2. Grundgedanken der naturärztl. Ernährungslehre, 3. Chrom Bein- und Fußleiden. I. A.: Dr. W. Malech.
Oie Preisaufgaben der Universität für 1935/36.
Don ber Pressestelle der Universität Gießen wirb uns mitgeteilt:
Aus bem Zinsertrag ber Osann-Beulwitz- Stiftung ber Universität Gießen werben Reise st ipenbien für Studierenbe und andere wissenschaftlich gebildete Bewerber aller Fakultäten vergeben. Die Bewerber müssen eine von ber Pflegschaft ausgeschriebene Aufgabe bearbeitet unb dafür ben Preis erhalten haben.
Die Preisaufgaben für bas Jahr 1 9 35/3 6 finb folgenbe:
I. Für Studierende, bie im Jahre 1935 ober im Winter 1935/36 minbeftens ein Semester an ber Universität Gießen immatrikuliert finb:
Aus dem Gebiet ber Theologischen F a - k u 11 ä t: Ort unb Bedeutung ber Anthropologie im Bereich ber theologischen Wissenschaft.
Aus bem Gebiet ber I u r i st i s ch e n Fakultät: Die Bebeutung ber fides im älteren römischen Recht.
Aus bem Gebiet ber Medizinischen F a - k u 11 ä t: 1. Die Collapsbereitschaft bei zu Operie- renben soll auf Grund der Histaminempfindlichkeit geprüft werden. 2. Ist das vielgestaltige Bild der Diphtherieerkrankung aus bem Vorkommen von verschiedenen Erscheinungsformen bes Diphtherie- bazillus zu erklären.
Aus bem Gebiet ber Veterinärmedizinischen Fakultät: Differenzierung ber bei ber Coccibiose ber Hühner beteiligten Eimeria-Arten.
Aus bem Gebiet ber Philosophischen F a - kultät: 1. Die Theorie ber Erbcharakterologie soll mit experimental- unb verhaltenspsychologischen Methoben an einer kinberreichen Familie nachgewiesen werben. 2. Die Bebeutung ber Elephantine- Papyri für bie Geschichte des alten Orients. 3. Ein experimenteller Beitrag zur Ermittlung ber Anregungswahrscheinlichkeit weicher charakteristischer Röntgenstrahlen. 4. Die Bedeutung ber Rheinfrage im Zusammenhang von Waffenstillstand unb Waf- fenstillstandsverhandlungen 1918/19.
II. Für anbere wissenschaftlich gebt!» bete Bewerber unb zwar:
1. Dozenten ber Universität Gießen, soweit sie nicht orbentliche ober planmäßige außerorbentliche Professoren finb, bie wissenschaftlichen Beamten ber Universitäts-Bibliothek, bie Assisten - ten ber Universität, soweit sie nicht Stubierenbe finb, bie Lektoren und R e - petenten;
2. frühere Studierende der Universität Gießen:
Aus bem Gebiet ber Theologischen F a - kultät: Die Frage ber natürlichen Gotteserkenntnis bei Luther.
Aus bem Gebiet ber Mebizinischen F a - kultät: Die Pathogenese gynäkologischer Blutungen.
Aus bem Gebiet ber Deterinärmedizini- schen Fakultät: Ursachen, Verbreitung unb wirtschaftliche Bebeutung ber Unfruchtbarkeit des Rinbes in ben Kreisen Wetzlar unb Gießen.
Aus dem Gebiet der Philosophischen Fakultät: Unter welchen biologischen Voraussetzungen ist eine Impfung von Sojabohnen mit Knöll- chenbakterien erforderlich?
Voraussetzung für bie Bewerbung unter II. ist, baß bie zu 1. Genannten minbeftens im Jahr 1935 ober im Wintersemester 1935/36 an der Universität un Amte stehen, für bie zu 2. Genannten, baß sie chre Stubien zu einem erheblichen Teil an ber Universität Gießen gemacht haben.
Die Preisarbeiten müssen in deutscher Sprache geschrieben sein unb bürfen nur einen Verfasser haben. Die Arbeiten finb nach Wahl ber Verfasser entweber unter Nennung bes Verfassers ober in ber für bie Bewerbung um bie staatlichen Preis-, arbeiten üblichen Form vor dem .15. Mai 1936 ’ beim Universitäts-Sekretariat einzureichen. Frühere Studierende haben dabei den Nachweis zu liefern,


