Aus aller Wett.
Wirbelsturm über Thüringen. — Vier Gehöfte vernichtet.
Ostthüringen wurde am Mittwochnachmittag von einem Wirbelsturm heimgesucht, unter dem vor allem der etwa 40 Einwohner zählende Ort Birkigt schwer zu leiden hatte. Bon den fünf Gehöften des Ortes find vier vollkommen dem Erdboden gleichgemacht. Die Häuser sind bis auf die Grundmauern zusammengebrochen. Einrichtungsgegenstände und landwirtschaftliche Maschinen liegen weit zerstreut herum. Wie durch ein Wunder sind Verluste an Menschenleben nicht zu beklagen. Augenzeugen berichten, daß aus einer schwarzen Gewitterwolke unter ungeheurem Donnerrollen eine Windhose niederging und innerhalb weniger Minuten alles verwüstete. Noch ehe die Einwohner wußten, was eigentlich vor sich ging, war das Unglück geschehen. Die oberen Stockwerke der Häuser wurden glatt abrasiert und von dem Sturm viele Meter weit fortgetragen. Eine Hundehütte, in der mehrere Hunde Schutz gesucht hatten, flog über ein hohes Dach. Auch die benachbarten Dörfer sind von dem Unwetter in Mitleidenschaft gezogen worden, wenn auch nicht in dem Ausmaße, wie Birkigt. Der Schaden ist noch nicht abzusehen.
41 Stunden unter Schneemafsen begraben.
Zu Ostern wurden zwei Touristen namens T o l s ch n i g g und Eduard A m a u t a l e r aus Bischofshofen auf dem Großvenediger in den Hohen Tauern von einer Lawine erfaßt. Die beiden Skifahrer hatten noch die Geistesgegenwart, ihre Skier durch die über ihnen lagernden Schneemassen zu stoßen. Teilnehmer einer militärischen Uebung bemerkten zwei Tage später die herausragenden Skispitzen, gruben nach und konnten die beiden Verschütteten bewußtlos aber noch lebend bergen. Die Verunglückten hatten 41 Stunden unter den Schneemassen gelegen und dabei schwere Er- frierungen erlitten. Sie sind aber außer Lebensgefahr.
Lawinenunglück bei Oberstdorf. — Zwei Tote.
In der Nähe der Spielmannsau bei dem bayerischen Luftkurort Oberstdorf ereignete sich ein schweres Lawinenunglück. Auf dem Rückweg vom Heuholen begaben sich vier Arbeiter, da sie Durst hatten, in einen am Weg liegenden Tobel. Beim Wasserschöpfen hörten sie das Donnern einer Lawine. Alle vier wurden von den Schneemassen verschüttet. Einer der Arbeiter konnte sich selbst befreien und holte Hilfe. Nach halbstündiger Arbeit konnte noch ein Verschütteter geborgen werden. Inzwischen hatten sich auch eine Rettungsmannschaft und Sanitäter an der Unglücksstelle eingefunden, die die Suche aufnahmen. Aber erst am Abend gelang es, die beiden Verschütteten vier Meter tief unter den Schneemassen aufzufinden. Der Tod war bei beiden durch Ersticken eingetreten.
Bergsturz in Tirol.
Die durch das Wetter der letzten Tage hervorgerufene starke Schneeschmelze hat in verschiedenen Teilen Tirols zu schweren Murbrüchen geführt. Dom Sonnwendjoch ging ein gewaltiger Bergsturz nieder, durch den im Gemeindegebiet von Münster ein Bauernhaus, ein Sägewerk und zwei Mühlen verschüttet wurden. Da die Gebäude schon vorher geräumt worden waren, sind keine Menschenopfer zu beklagen. Außerordentlich groß sind die durch den Bergsturz angerichteten Flurschäden.
Der wanderni>e„Tahelwurili".
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In der Nähe von Bayerisch-Zell im Wendelsteingebiet ist der etwa 1600 Meter hohe Berg Tatzelwurm seit Ostermontag in unaufhaltsamer Bewegung. Weit über eine Million Kubikmeter Erde haben sich schon abgelöst. Die Geschwindigkeit des wandernden Berges beträgt etwa vier Meter in der Stunde. — Unser Bild zeigt das berühmte
Scherl-Bildmaterndienst
Gasthaus „Zum feurigen Tatzelwurm", in dessen Nähe der Bergrutsch vor sich geht. Seit Mittwoch bewegten sich die Erdmassen wesentlich langsamer vorwärts, doch dürsten neuerdings etwa fünf Tagewerke Weideland abgerutscht sein. Durch einen ausgiebigen Gewitterregen ist die Lage eher noch bedrohlicher geworden.
Blitzschlag in einen Erfurter Kirchturm.
Bei einem schweren Gewitter, das sich in einer der vergangenen Nächte über der Stadt Erfurt entlud, schlug ein Blitz in den Glockenturm der Augustiner-Kirche. Ein Blitzableiter fing den Blitz auf und lenkte ihn ab. Trotzdem sind in dem alten Turm erhebliche Zerstörungen angerichtet worden. Die Steinbalustrade, die den achteckigen, figurenreichen Glockenturm umgibt, wurde zerstört und stürzte auf das Kirchendach, das an mehreren Stellen durchschlagen wurde. Auf dem Boden des Kirchenschiffes wie auch außerhalb des Gebäudes, häuften sich die Trümmer. Noch immer drohen einzelne Teile abzustürzen. Die wertvollsten Teile der Kirche sind glücklicherweise verschont geblieben. Die Augustiner-Kirche gehört zu dem Komplex des ehemaligen Augustiner-Klosters, in das Martin Luther als Mönch eintrat.
Erdstöße, Gewitter und Schneefall in Norditalien.
In der ganzen Provinz Brescia wurden am Mittwochmorgen einige leichte E r d st ö ß e verzeichnet, die jedoch keinen Schaden anrichteten. In ganz Norditalien sind schwere Gewitter mit H a g e l s ch l a g niedergegangen, die einen beträchtlichen Temperaturrückgang im Gefolge hatten. Auf den Bergen und in den oberen Tälern südlick des Monte-Rosa-Gebiets ist erneut Schnee gefallen.
Erdbebenkatastrophe in Iran fordert Hunderte von Todesopfern.
Ein schweres Erdbebenunglück in der Provinz Mazanderan in Iran wird aus Teheran gemeldet. Die Zahl der Toten soll bereits 550 überschritten haben und unter den Trümmern der
zerstörten Städte und Dörfer noch Hunderte von Opfern begraben sein. In der Provinzhauptstadt Sari sowie in drei anderen Orten hätten die Erdstöße ganze Straßenzüge in ein Trümmerfeld verwandelt. Unter Leitung des Wohlfahrtsministeriums wurde eine Hilfsexpedition ausgerüstet, die Nahrungsmittel, Kleider und Verbandstoffe in das Unglücksgebiet bringen soll.
Drei Mädchen beim Rudern auf dem Rhein ertrunken.
Bei Köln kenterte auf dem Rhein in der Nähe des Poller - Fischerhauses auf der reckten Rheinseite ein mit fünf Mädchen besetztes Ruderooot des Ruderklubs „Germania". Zwei Mädchen konnten sich an btm umgeschlagenen Fahrzeug festklammern. Sie wurden von einem herbeieilenden Fährboot gerettet. Drei Mädchen ertranken. Ihre Leichen wurden noch nicht gefunden. Man nimmt an, daß das Ruderboot von der starken Strömung gegen die Buhne getrieben wurde, wo es umschlug.
Voolsunglück auf einem indischen Fluh. — Sechs Frauen ertrunken.
Auf dem Chambal-Fluß im indischen Fürstentum Gwalior schlug ein mit 13 Personen besetztes Boot in der Mitte des Flusses um Sechs Frauen ertranken, die übrigen Insassen konnten gerettet werden.
Notlandung des Afrikafliegers Karl Schwabe.
Der deutsche Afrikaflieger Karl Schwabe geriet über der nubischen Wüste in einen sehr heftigen S a n d st u r m, so daß er landen mußte. Nachdem der Flieger die Stadt Chartum passiert hatte, traf er weiter südlich zwischen Chartum und Juba die
erste große Elefantenherde in der Nähe des Nilstromes, der zur Zeit weite Flächen des Ufer« landes überflutet hat. In Juba wird Schwabe zu« nächst eine Pause einlegen, um sich auf Großwildjagd zu begeben.
Großfeuer in Dublin. — Taufende von Losen der berühmten Sweepsiake-Lollerie vernichtet.
Das Plaza-Ball-Gebäude in Dublin, in dem die Ziehungen der berühmten irischen Sweepstake-Lot- terie stattfinden, wurde durch ein Großfeuer vollkommen zerstört. Nur mit größter Mühe gelang es den Feuerwehren, die angrenzenden Gebäude vor der Vernichtung zu retten. Die große Lotterietrommel und Tausende von Losen gingen in Flammen auf. Die nächste Ziehung Der irischen Sweepstake-Lotterie, die als eine der größten Lotterien der Welt gilt, wird infolge der Brandkatastrophe wahrscheinlich um einen Monat aufgeschoben werden. Man glaubt, daß das Feuer auf Brand- st i f t u n g zurückzuführen ist. Der Derttieb von Losen dieser irischen Lotterie ist in England aus politischen Gründen seit geraumer Zeit verboten. In früheren Jahren flössen regelmäßig große Summen aus England nach Dublin, eine Tatsache, daß die für die irische Zahlungsbilanz eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Das Verbot wurde von der englischen Regierung im Verlauf des englischirischen Wirtschaftskrieges erlassen. Trotzdem werden auch heute noch auf ungesetzlichem Wege Tausende von Losen des Irish Sweepstake in England verkauft.
Grobe Fahrlässigkeit fordert ein Todesopfer.
In Gwosdzian (Kreis Oppeln) ereignete sich infolge grober Fahrlässigkeit ein schwerer Unglücksfall. Der Siedler G a w r o n hatte einen ihm gehörenden Holzstapel zum Schutz geoen Diebe mit einem Draht umspannt und diesen Dann mit der elektrischen Leitung verbunden. Die beiden 9 und 12 Jahre alten Söhne des Nachbarn P r a d e l l a kamen beim Spielen mit dem Draht in Berührung. Der neunjährige Junge wurde auf der Stelle g e • tötet, sein zwölfjähriger Bruder blieb am Draht hängen. Zum Glück wurde er alsbald von seinem Vater befreit, der den Vorfall bemerkt hatte. Der zwölfjährige Sohn hat eine schwere Lähmung erlitten. Gawron wurde festgenommen und in das Oppelner Gerichtsgefängnis eingeliefert.
Max Reinhardts Steuerschulden.
Wegen einer Steuerschuld von 280 000 Mark hat die deutsche Finanzbehörde im Wege des zwischenstaatlichen Rechtshilfeverkehrs die Sicherstellung von österreichischen Sachwerten des Prof. Max Reinhardt betrieben, und zwar des Schlosses Leopoldskron bei Salzburg, das Reinhardt 1919 erworben hat, und das kürzlich in freiem Verkauf um eine Million Schilling ausgeboten wurde. Reinhardt, der früher das Deutsche Theater in Berlin und dann auch die Salzburger Festspiele leitete, schuldet aber auch beträchtliche Summen österreichischer Steuern, die Vorrang genießen. Es wurde deshalb eine amtliche Schätzung des gesamten Schloßanwesens vorgenommen, das einen Wert von 350 00 Schilling ergab. Hierbei konnte dis Inneneinrichtung mit wertvollen Bildern, Antiquitäten und einer großen Bibliothek nicht in Betracht gezogen werden, da diese Gegenstände von Reinhardt bereits um 100 000 Schilling verkauft worden sind. Mit Rücksicht auf den geringen Schätzwert, Durch den die Steuerschulden nicht im entferntesten gedeckt werden, sowie darauf, daß unter den heutigen Verhältnissen kaum ein Käufer für das in seiner Unterhaltung ungemein kostspielige Schloß zu finden sein wird, dürfte es kaum zu einer Versteigerung kommen.
ERNTEN 30 BIS 32 ♦ MUSTERCIGARETTEN + MISCHUNGSNUMMER R6 o/M
Durch die Fermentation werden die Tabakblätter von allen nachteiligen Eiweißstoffen, Chlorophyll-Resten und sonstigen Stickstoffsubstanzen befreit und restlos geklärtl
Bild-Schema im Durchleuchtungsapparat
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