aus.
An die Bevölkerung!
Oie Hitlerjugend braucht eine Bücherei?
technischen Nutzeffekt."
TlS.-Gemeinschafi „Kraft durch Freude".
3u dem großen Varieteabend des Schumann- theaters am 6. April in der Festhalle in Gießen sind Karten im Vorverkauf zu haben bei sämtlichen Orts- und Betriebswarten der NS.-Gemeinfchaft „Kraft durch Freude", bei der Kreisdienststelle, Schanzenstraße "18, Zimmer 10, Musikhaus Chal- lier und Geschäftsstelle der Ortsgruppe Gießen-Nord der NSDAP., Walltorstraße 16.
An unseren drei Großveranstaltungen tm April (Schumanntheater, Saarsängerkonzert und Neunte Sinfonie) können sämtliche Volksgenossen teilnehmen.
Entlassungsfeier der Oeffentlichen Handelslehranstalt.
Von der Oeffentlichen Handelslehranstalt Gießen wird uns berichtet. , t
Die Abschlußfeier für die abgehenden Schuler vereinte die große Schulgemeinde im Festraum der Oeffentlichen Handelslehranstalt. Zwischen den Fahnen des Reiches hob sich das Bild des Führer ab. Lorbeerbäume und Blumen schmückten das Rednerpult.
Der erste Teil der Feier galt dem verstorbenen Gauleiter, dem Führer der deutschen Erzieher, Hans S ch e m m . Mit einem Larghetto von Händel, das durch die Schülerinnen Seim und K r e n z i e n mit Harmonium und Violine vorgetragen wurde, nahm die Feier ihren Anfang. Hierauf las Gertrud Schneider Worte über Hans Schemm.
Das Sarabande von Bach leitete über zu einer Ansprache des Schülers Walter Roemer. Dieser ließ mit wenigen Worten die geleistete Arbeit des Jahres an den geistigen Augen vorüberziehen. Er betonte, daß in seinen langen Schuljahren die Zeit in der Oeffentlichen Handelslehranstalt die schönste seines Lebens war, da hier zwischen Lehrern und Schülern ein kameradschaftliches Verhältnis besteht, wie man es sich besser nicht wünschen kann. Mit dem Gelöbnis dauernder Verbundenheit und Worten des Dankes schloß er seine Rede.
Hierauf trug Steinmüller das Gedicht vor „Fester bindet den Helm". Das gemeinsame Lied
„Siehst du im Osten das Morgenrot" wurde durch das Gedicht abgelöst „Wer brechen die Ketten".
Hierauf ergriff der Leiter der Anstalt, Dr. habil. Kruse das Wort. Er wies darauf hin, daß mit dem heutigen Tage eine Gemeinschaft auseinandergeht, die zwei Jahre lang bestanden hat. Dre Lehrer der Anstalt haben ihre Tätigkeit nicht im.Stundengeben gesehen, sondern im Mitleben mit den Schülern und Schülerinnen. Daher ist dieser Tag des Abschiednehmens auch mit einem wehmütigen Zug belastet. Im Laufe seiner Rede ging er auf die wichtigsten Ereignisse des Schuljahres em. Auf allen Gebieten ist im vergangenen Jahre em we- entlicher Fortschritt und ein erfreulicher Auf- chwung festzustellen gewesen. Die Stadtverwaltung und die Industrie- und Handelskammer haben auch das ihrige dazu beigetragen, um die Schule weiter zu fördern und zu entwickeln. Zum Schluffe ging er auf das Bildungsziel der wirtschaftlichen Fachschulen ein, die gerade im nationalsozialistischen Staat eine besonders wichtige Aufgabe zu erfüllen haben. Mit Worten der Ermahnung an die abgehenden Schüler, die im Leben ihr Höchstes leisten sollen, schloß er die Ansprache.
Sodann ergriff der Präsident der Industrie- und Handelskammer, Dr. Pauly, das Wort. Er hob hervor, daß die Industrie- und Handelskammer stolz auf die Leistung der Schule sei und daß sie in das Lehrerkollegium und den Leiter der Anstalt vollstes Vertrauen setze. Den ins Leben tretenden Schülern gab er den Rat, nach den Lehrjahren nicht sitzen zu bleiben. Erst nachdem der junge Mensch über den Kreis seiner Heimat hinausgekommen ist, wird er die notwendige Erfahrung haben, um sei
den Kreis Gießen Kratz. Die Feststellung der Prüfungsergebnisse ist noch im Gange.
Um 18.30 Uhr wurde die Freiwillige Samtats- kolonne Gießen unverhofft durch den Landes-Kolonnenführer alarmiert. Um 18.40 Uhr standen von der Kolonne 2 Aerzte, 30 Mann und 4 Samtatskrast- roeigen bereit. Um 19 Uhr waren weitere 24 Mann und 4 Helferinnen auf dem Alarmplatz am Kolonnendepot zur Stelle, so daß innerhalb von 30 Mi- nuten 2 Aerzte, 12 Führer, 54 Mann 4 tzelferin- nen und 4 Sanitätskraftwagen bereitstanden, darunter 4 Leute aus Wieseck. Der Landeskolonnenführer besichtigte die Kolonne und deren Rettungseinrichtungen und sprach sich lobend über die Schlagfertigkeit der Sanitätskolonne Gießen
Die Jugend des neuen Staates weiß, was Dichtung ist. Dichtung, das sind für uns jene Werke, die aus einem tiefen Glauben heraus geschaffen wurden, in denen die Seelenkräfte unserer Rasse und unseres Volkstums lebendig werden. Dichtung ist für uns keine Flucht aus der Wirklichkeit. So wie die Jugend politisch ist, so wendet sie sich auch dem politischen Buche zu. Gerade hier ist es schwer, die Grenze zu ziehen zwischen der „Jugendliteratur" und der „Erwachsenenliteratur". Ja, bei manchen Büchern gibt es diese Grenze gar nicht. Auf diese Bücher kommt es an.
Wlr wollen uns darum auch mit jenen im weitesten Sinne politischen Büchern beschäftigen, die nicht ausgesprochen für die Jugend geschrieben find, die uns aber etwas angehen, weil in ihnen die Kräfte lebendig werden, die die Gegenwart formen.
Die deutsche Jugend umfaßt drei Entwicklungsstufen, die ganz verschiedene seelische und geistige Bedürfnisse haben. Das Kleinvolk entspricht dem Märchenalter,, für das Wirklichkeit und Vorstellung auf einer Ebene liegen. Aus paradiesischen Märchenwelten wechselt es schroff hinüber in Wirklichkeiten seiner nächsten Umgebung, um ebenso rasch zurückzuschweifen in die Gefilde oes Märchenwaldes, des gläsernen Berges und des Zauberreiches von 1001 Nacht. Das Volks- und Dichtermärchen, die märchenhafte Volkssage,,die Umweltschilderung, sind seine literarischen Bezirke. Mit dem Heldenmärchen, dem exotischen Volksmärchen aus 1001 Nacht, betritt es bereits den Boden des Jungvolks. Dieses gehört dem Abenteueralter an. Der Robinson, jede Abenteuererzählung, stillen seinen Drang in die Weite; Heldensage, Ballade, Forscherfahrt und Kriegserzählung erfüllen seine Bewunderung des Heldentums und der großen Tat, wecken aufkeimen-
Der nächste Lichtbilder-Vortrag findet am Donners* * tag, 28. März, statt. Bergingenieur Kurt Herde- m e r t e n , ein Teilnehmer der Grönland-Expedition von Professor Wegener, spricht an Hand zahlreicher Lichtbilder von einzigartiger Schönheit und Großartigkeit über das Thema „Mit Professor Wegener im Grönlandeis". Mit der Ansetzung dieses interessanten Forschungs- und Expeditionsberichtes will die Vortrags-Vereinigung nicht nur die dringende Forderung „Forschung tut not" zu einem tiefen und überzeugenen Erlebnis machen, sondern auch den deutschen Forscher, der sein Leben für seine Aufgabe und sein Volk einsetzt, ehren und ihm Dank bekunden. (Siehe heutige Anzeige!)
*♦ Wiederauftreten von Frau Schubert-Jüngling. Aus dem Stadttheaterburo wird uns geschrieben: In der morgigen Aufführung wird Frau Schubert-Jüngling nach ihrer langen und ernstlichen Erkrankung in gewohnter Frische erstmalig ihre Bühnentätigkeit wieder voll aufnehmen, nachdem sie bereits am Heldengedenksonntag in der kleinen Episodenrolle von Graffs „Heimkehr des Matthias Bruck" eingesprungen ist. Frau Schubert-Jüngling spielt in Björnsons Lustspiel „Die Neuvermählten" die Frau Amtmann und in Ludwig Thomas Lustspiel „Gelähmte Schwingen" die Sophie Summerer.
^Unfälle. Der 17jähnige Helmut M ö l l, Jhe- ringstraße 7, erlitt beim Sport einen Bruch des rechten Vorderarmes und mußte zur Behandlung in die Klinik gebracht werden. — Der hiesige Schlosser Ernst R a u, 22 Jahre alt, erlitt bei einem Verkehrsunfall an der Ecke Ludwigstraße-Liebigstraße eine schwere Verletzung des linken Fußes und Mußte in ärztliche Behandlung gebracht werden.
nen Mann voll und ganz stehen zu können.
Anschließend sprach der Leiter des Amtes für Berufserziehung in der Deutschen Arbeitsfront, Herr M e r t e s. Er unterstrich die Bedeutung des Leistungsprinzips im neuen Staat und die Verpflichtung des einzelnen, das Höchstmöglichste zu vollbringen. Keiner hat Anspruch auf Arbeit, sondern jeder ist verpflichtet, dort zu leisten, wo er das Höchste vollbringen kann.
Mit einem weiteren Gedichtvortrag und einem Schlußwort des Leiters der Anstalt nahm die Feier ihren Fortgang. Es wurde gemeinsam das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied gesungen und mit einem Sieg-Heil auf den Führer die Feierstunde beendet.
Gesund durch Eiereffen.
In Deutschland werden je Kopf der Bevölkerung im Jahr nur 129 Eier gegessen. In England sind es 143, in Holland 200, in Belgien 213, in Amerika 267, in Neuseeland gar 300 und in Kanada hat jeder Einwohner jeden Tag des Jahres sein Ei auf dem Tisch. Wie vorteilhaft - ist aber auch der häufige Eiergenuß! Entgegen allerlei alten Ammenmärchen ist das Ei ein geradezu ideales Nahrungsmittel, das alle die Stoffe enthält, die sonst bei einer einseitigen Ernährung dem Menschen fehlen könnten. Es fehlt dem Ei im Gegensatz zu den meisten Nahrungsmitteln so gut wie jeder unverdauliche Ballast. Weil es so hochwertig, wird es am besten mit ballastreichen Stoffen, wie Brot, Gebäck, u. dgl. zusammen gegessen. Dadurch werden dem Darm die nötigen Mengen gegeben, die ihn zur Arbeit anregen. Ein hartgekochtes Ei verleiht ein größeres Gefühl der Sättigung, ist aber keineswegs schwer verdaulich. Dotter wird Roh und gekocht vorzüglich vertragen, auch von kleinen Kindern! Rohes Eiweiß wird dagegen schlechter ausgenutzt, da es für die Verdauungssäfte schwer angreifbar ist. Durch Erhitzen oder Schaumschlagen werden diese Mängel aber restlos beseitigt. Die Hauptsache sind jedoch frische Eier. Die Gewähr, wirklich vollfrische Eier zu bekommen, hat man, wenn man deutschgestempelte Eier kauft, die im Laden das Schild „Q 1, Vollfrische Eier" tragen. Der Kaufmann selbst verbürgt sich damit für die Güte der Ware, er kann das mit gutem Gewissen. Alle Eier, die einen unkontrollierten Weg zum Verbraucher zurücklegen, Eier mit zu geringem Gewicht, zu alte Eier, angebrütete Eier, die es bald in Men
den Führerehrgeiz. Sachbücher in Erlebnisform aus Geschichte, Erdkunde, Naturwissenschaft und Technik nähren sein starkes Streben zur Erfassung der Sachwelt. Schwank und Schwanksage, die Groteske jeder Art, entspricht der Neigung dieser Stufe zur Uebertreibung, zum Humor, zur handfesten Belustigung. Die Zeit der körperlichen und geistigen Reife schaut in sich, sucht im inneren Kampf die Kluft vom Ich zum Du, zur Welt, zu Gott, zur Gemeinschaft, zum Staat, zum anderen Geschlecht, zu überbrücken. Diese Zeit liebt kämpferische Auseinandersetzung, sucht jeder Problematik mit unerbittlicher Entschiedenheit auf den Grund zu kommen. Die Literatur ist ihr Ausdruck des Lebens, Lebensgestaltung, Auseinandersetzung mit Beruf und Gemeinschaft, Volk und Staat, Gott und Universum. Zu den literarischen Bezirken der vorhergehenden Stufen tritt ihr Lyrik und Dramatik, Weltanschauungsdichtung, Soziales und Politisches; in der Naturwissenschaft steht ihr die Biologie, Menschen- und Rassenkunde, Erbbiologie und Gesundheitslehre im Vordergründe. In der Zeit der Reife führt die Literaturpflege unmittelbar in die große Literatur hinein. An den Pforten des Jünglingsalters steht Schiller, der große Idealist, an den Pforten des Mannesalters der große Lebens- künstler Goethe.
Die Literaturpflege in der HI. verfolgt keine Lehrzwecke. Dadurch unterscheidet sie sich scharf von der literarischen Unterweisung der Schule. In her Literaturpflege soll die Jugend geistig und feelifd) wachsen, sie soll die geistigen Grundlagen der Volksgemeinschaft erfassen und erkennen, daß die tiefsten Urgründe der geistigen Volksgemeinschaft im gestalt teten Vätererbe beschlossen liegen. Daher braucht die Hitlerjugend ein wohlgeordnetes Büchereiwesen. In ihre Büchereien sollen alle Bücher, die eine Entwicklungsstufe geistig und seelisch fördern können, in ausreichender Anzahl vorhanden sein, sei es zum stillen Schmökern, zum Vorlesen am La-
aen geben wird, sblche, die beim Kochen platzen, bleiben ungestempelt.
Liebe Hausfrau! Mit gutem Gewissen können Sie deutschgestempelte Eier kaufen und auf den Tisch bringen.
Daten für den 25. Ntärz.
1801: der Dichter Friedrich Frhr. v. Hardenberg (Novalis) in Weißenfels gestorben (1772 geboren); — 1907: der Chirurg Ernst v. Bergmann in Wiesbaden gestorben (1836 geboren).
Daten für den 26. März.
1794: der Maler Julius Schnorr v. Carolsfeld in Leipzig geboren (1872 gestorben); — 1827: Ludwig van Beethoven in Wien gestorben (1770 geboren); — 1851: der Schriftsteller Julius Langbehn in Hadersleben, Nordschleswig, geboren (1907 gestorben); — 1888: Elsa Brandstrom in St. Petersburg, schwedische Delegierte des Roten Kreuzes, „Der Engel von Sibirien" (1915 bis 1920) geboren; — 1890: der Schriftsteller Franz Schauwecker in Hamburg geboren.
Vornotizen.
— Tageskalender für Montag: Deutsche Arbeitsfront, Fachruppe Eisen und Metall: 20.30 Uhr monatliche Zusammenkunft der Fachgruppen Eisen- und Metallindustrie im Ortsgruppenheim, Lonystraße 18. — Ortsgruppe Gießen-Nord: 20.15 Uhr im Aquarium Mitgliederversammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße „Hochzeit am Wolfgangsee". — Stadtkirche 20 Uhr Vortrag „Evangelium und Volkstum in Spanien". — Cafe Ebel 15.30 und 17.30 Uhr Wasch-Vorführungen, 20 Uhr Sonder-Vorführung. —
— Die Vortrags-Vereinigung (Goethe- bund und Kaufmännischer Verein) teilt uns mit:
Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen.
Bezirk Oberhefsen.
2ün nächsten Dienstag, 26. März, abends 8 Uhr, findet im unteren Saale im Cafe Ebel in Gießen, Burggraben, eine Bezirksversammlung des BNSDJ. statt, in welcher der Landesbauernführer Pg. Dr. Wagner über das Thema: „Blut und Boden" sprechen wird. Die Teilnahme an dieser Versammlung ist sämtlichen Mitgliedern des Bezirks Ober- Hessen des BNSDJ. zur unbedingten Pflicht gemacht.
Deutsche Arbeitsfront.
Amt für Berufsfragen.
Fachgruppe Eisen und Metall.
Am Montag, 25. März, 20.30 Uhr, monatliche Zusammenkunft der Fachgruppe Eisen- und Metallindustrie. Tagungslokal: Ortsgruppenheim des Amtes für Berufserziehung in der DAF., Gießen, Lonysttaße 18. Es spricht Maschinenbaulehrer Paul T i e l m a n n , Gießen, über: „Der Kampf um den
Oie Zfflandstöchter ■ und ihre Freier.
Vornan von J. Schneider ^oerstl
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
13 Fortsetzung Nachdruck verboten! -
Ellen Panys bekam am Samstag ein kurz gehaltenes Telegramm, in dem James Pick sie bat, ihm eine Unterredung zu gewähren. Der Treffpunkt sollte ein kleines Cafe in den Anlagen der Ausstellung sein.
Sie hatte ihn schon auf mysteriöse Weise verschollen geglaubt und nun diese Nachricht. Eigentlich war sie wütend über ihn, aber ihre Neugier überwog.
Als er ihr dann, ernst, fahl im Gesicht, entgegentrat, zeigte sie sich doch als das Mädchen, das den Mann seiner Liebe nicht einfach fallen läßt. „Wo hast du denn gesteckt?" fragte sie nicht unfreundlich. „Du verschwindest ganz einfach, setzt Hotel und Polizei in Bewegung und tauchst nun plötzlich wieder auf, als ob es das Selbstverständlichste van der Welt wäre! Was ist denn eigentlich las gewesen?"
„Ich war auf der Flucht."
„Vor wem?" frage sie in wachsendem Staunen.
„Dar dir, Ellen."
Es berührte ihn fast peinlüh, daß sie sofort begriff. Ihr Gesicht war plötzUch ganz farblos und der große Mund verzerrt. „Schändlich! Du bist ein gemeiner Mensch!" stieß sie hervor.
„Nein, Ellen. Aber ein armer Mensch. Als ich dir in Sektstimmung mein Wort gab, habe ich eine andere verraten, der ich mich schon versprochen hatte. Und nun bin ich zu dir gekommen, um dich zu bitten, daß du mich wieder freigibst."
„Nein!"
„So sehr liebst du mich?" fragte er, und suchte habet nicht in ihren Augen, sondern in den grünen Wipfeln der Bäume, die tanzende Schatten über die kleinen Tische warfen. „Für dich bin ich doch nur etwas Vorübergehendes, Ellen. Der anderen aber bedeute ich alles: Alles, Ellen, denn sie ist Vollwaise!" Die Amerikanerin brauchte nicht zu wissen, daß Margot noch Geschwister und Verwandte hatte. Bei einer Frau kam es immer darauf an, daß man an ihre Großmut appellierte. Sic mußte das Bewußtsein auskosten dürfen, die Gebende zu sein.
James Pick kam sich in dieser Minute wie ein Bettler vor. Er hatte das gleiche Gefühl wie damals, als er an den Freitischen zu Mittag saß. Es würgte ihn in der Kehle.
„Bedeute ich dir so viel?" forschte er nach einer Weile und bereute sogleich seine Worte, denn ihr
Schweigen wirkte derart lähmend auf ihn, daß er alle Hoffnung über Bord warf.
Endlich sagte Ellen in einem gemacht gleichgültigen Tonfall, den nur das Vibrieren ihrer Nasenflügel Lügen strafte: „Ist sie hübsch?"
„Leidlich!" — (Vergib mir, Margot, bat er im stillen.)
„Reich?"
„Im Gegenteil, ganz arm."
Ellen Panys verzog den Mund. „Nicht hübsch! Nicht reich! Manchmal seid ihr Männer geradezu rätselhaft!"
James nickte, als verstehe er selbst nicht, wie er dazugekommen, Margots Verlobter zu werden ...
„Warum ist sie nicht selbst zu mir gekommen?" fragte Ellen weiter. „Das wäre doch das Nächstliegende gewesen, mir zu sagen, daß sie dein Wort hat."
„Sie schwieg aus Schonung für mich."
War es nun recht ober nicht recht, daß er das gesagt hatte? Jedenfalls stürzte ihn Ellens Gesichts- ausdruck in tausend Zweifel. Er war im Begriff, zusammenzuklappen. Die letzten Tage hatten mehr an seinen Nerven gezehrt als gut war. Nun ging es ganz einfach nicht länger. Haß gegen das Mädchen, das ihn so zwecklos quälte, stieg in ihm auf.
Es war ein Glück, daß Ellen Panys in diesem Augenblick zu sprechen begann. „Die Leute werden sich den Mund zerreißen, wenn ich eine Anzeige aufgebe, daß ich meine Verlobung mit dir gelöst habe. Man wird wissen wollen, warum."
„Du wirst es barmherzig machen", sprach er teilnahmslos. Er konnte nicht mehr! Jetzt, wo die Erfüllung fo nahe war, drohte er zu versagen.
„Was wollen wir also der Oeffentlichkeit mitteilen?"
James schüttelte nur den Kopf. Er wußte es nicht. Er wußte nur das eine, daß er vollkommen in Ellen Panys Hand war. Sie konnte ihn verderben, feine ganze Zukunft vernichten, ihm „drüben" jede Möglichkeit eines weiteren Empvrstieges ein für allemal unterbinden.
Er sah sich schon als Artist in Murrays Zirkus und Margot im Trikot eines Girls, alltäglich den Augen eines tausendköpfigen Publikums preisgegeben ... Dem gegenüber stand der Verlauf seines Lebens, wenn er sich in Amerika Sieg um Sieg holte.
Mechanisch folgten seine Augen den Bewegungen Ellen Panys, die jetzt einen Bleistift aus dem Täschchen nahm und ein Blatt aus ihrem Notizblock riß. „Schreib, was die Presse von unserer Entlobung wissen soll."
James schrieb:
„Ich habe meine Verlobung mit James Pick 1 gelöst, auf Grund der Erkenntnis, daß er nicht 1 der Mann ist, der zu mir paßt."
Ellen las, schüttelte den Kopf und strich das Ge- - schriebene durch. „Das glaubt kein Mensch! Du bist - ein schlechter Schauspieler, James. Aber eben des
halb, weil du keiner Falschheit fähig bist, will ich dir helfen. Und sie schrieb:
„Ich habe meine Verlobung mit James Pick gelöst, weil ich mich durch eine Zusage gebunden fühle, die ich bereits vor Jahren einem Jugendfreunde gegeben habe."
„Das wird man glauben!" meinte sie.
Diesmal wartete James Pick nicht ab, was sein Hirn ihm riet. Er folgte nur seinem Herzen, lSgte das Gesicht auf Ellens Hände und fühlte, wie sie ihm über das Haar strich, während sie lächelnd sagte: „Du bist doch ein guter Schauspieler, James. Die Leute gucken schon zu uns herüber. Man wird in den Blättern noch dazuschreiben, wie schwer dir der Verzicht geworden ist."
Als er aber aufsah, verstummte ihr Spott, denn in seinen Augen standen Tränen.
*
Klaudine fiel eine große Last von der Seele, als Margot ihr mitteilte, daß sie innerhalb von vier Wochen Hochzeit mit James Pick machen würde.
Luzie behauptete zwar, die Ehe würde ja doch nicht lange halten, aber Klaudine war anderer Meinung.
„Er wird verhungern neben ihr", meinte Luzie sachlich. „Sie kann ja 'nicht einmal einen Gulasch machen!"
„Dann lernt sie's eben", war Klaudines Antwort.
„Du kannst es ja auch nicht, Kleines. Oder?"
„Aber sonst kann ich allerhand!" triumphierte Luzie auf. „Margot aber kann gar nichts. Zeig einmal her", sagte sie rasch versöhnt, als das Mädchen einen Brief hereinbrachte, und Klaudine Bobs Handschrift erkannte. „Ist er für Henriette?"
„Ja."
„Immer nur für sie!" maulte Luzie. „Soll ich ihn ihr hinauftragen?"
Klaudine hielt ihn zwischen den Fingern fest und wehrte Luzie ab, die nach ihm greifen wollte. „Ich bringe ihn ihr selbst."
„Und sagst mir dann, was er geschrieben hat, ja?"
„Wenn ich ihn zu lesen bekomme, gern."
Frau Henriette lag seit einer Woche an einer schweren Grippe zu Bett und empfand es ungemein wohltuend, daß sich die Töchter in so liebenswürdiger Weise in ihre Pflege teilten. Zwar fiel ihr Luzie durch ihr helles Organ und das Sprunghafte ihres Wesens ein wenig auf die Nerven, aber dafür war Klaudines Gegenwart um fo beruhigender.
Als Klaudine ihr Bobs Brief brachte, sagte sie bittend: „Willst du ihn mir nicht vorlesen? Meine Augen sind noch so müde."
Die Stieftocher schlitzte ihn auf und sah überrascht auf die wenigen Zeilen, die der Vogen enthielt.
„Liede Mama!
Bitte fahre sofort zu Niels. Du harfft mir die Bitte nicht abschlagen. Auch darfst Du die Reise
nicht verschieben. Seine Sekretärin liegt hier im Lazarett an einer Bauchfellentzündung. Seinem Diener und dem Chauffeur hat er Urlaub gegeben. Ich weiß die Adresse der beiden nicht. Auch nicht, wo ich sie im Augenblick suchen soll. Bitte, liebe Mama, reise sofort. Ich bin ganz außer mir vor Angst. Du wirst es begreifen, wenn Du anliegenden Zettel liest.
Ich grüße und küsse Dich in Verehrung
Dein Dich liebender B o b*
Der Zettel, den Klaudine aus dem Briefumschlag zog, lautete:
„Mein lieber Bob!"
Liege hier mit gebrochenem Bein von dösen Rückenschmerzen gequält. Sorge Dich nicht, wenn Du längere Zeit nichts mehr von mir zu hören bekommst. Sobald ich wieder auf den Füßen bin, besuche ich Dich.
Immer Dein Niels."
Darunter stand mit ungeübter, fehlerhafter Bauernschrift:
„Es stet net gutt um den Hern. Er hat Hitzen und friren.
Barthelmes — Karrer-Hütte."
Henriette sah ratlos in Klaudines ernstes Gesicht „Was machen wir da? — Karrer-Hütte? Wo ist denn das? — Was hat denn Niels dort überhaupt zu suchen? Und wie konnte er sich den Fuß brechen? Niels war doch nie Bergsteiger gewesen."
Klaudine wußte natürlich weder über das eine noch das andere Bescheid. Für sie blieb nur die Tatsache, daß Henriettes Stiefsohn verunglückt war und daß dieser Barthelmes wahrscheinlich der einzige sein dürfte, der ihm Hilfe angedeihen ließ.
„Karrer-Hütte", wiederholte Henriette hartnäckige „Wenn ich nur wüßte, wo die liegt. Es war sehr leichtsinnig von Niels, keine nähere Adresse anzugeben. Vielleicht hat er es auch mit Absicht getan, damit niemand weiß, wo er ist. Man muß es' schon selbst herauszubringen suchen. Ruf' doch bitte bei Doktor Vierländer an. Der ist Alpinist. Vielleicht weiß er, wo diese Hütte liegt/'
Der Hausarzt meldete sich. „Karrer-Hütte? — Warten Sie mal einen Augenblick, Fräulein Ist' land."
Der Augenblick dauerte ziemlich lange. Aber dafür bekam Klaudine auch genauen Bescheid: Die Karrer-Hütte, ja — ob sie den Grundl-See wisse? Klaudine hatte keine Ahnung, wo der lag. Man mußte sich sagen lassen, daß es in der Steiermark war. Dort wäre auch der „Salzofen", von dem Klaudine wiederum nichts wußte und aufgeklärt wurde, daß es sich um eine große, vor noch nicht allzu langer Zeit erforschte Höhle handle.
(Fortsetzung folgt!)


