Ausgabe 
25.3.1935
 
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Mussolini ordnet die Einberufung der Iahresttaffe 1911 an.

Llnser Wille zum Frieden verfügt über etliche Millionen Gtahlbajonette.

Rom, 23. März. (DNB.) Der italienische Re­gierungschef hat in seiner Eigenschaft als Minister der italienischen Wehrmacht die schriftliche Einbe­rufung der ganzen Jahresklasse 1911 angeordnet. Die Einberufung wird in der amtlichen Mitteilung als Vorsichtsmaßregel bezeich­net. Anläßlich des 16. Jahrestages der Gründung der faschistischen Kampfbünde, der in ganz Italien seit Jahren als Feiertag begangen wird, hielt Mus­solini eine Ansprache, in der er ausführte: Bei der Gründung der faschistischen Kampfbünde waren wir eine verschwindende Minderheit, heute sind wir eine unabsehbare Masse. In der undurchsichtigen und unsicheren politischen Gegenwart bietet Italien der Welt das Schauspiel wunderbarer Ruhe. Heute ist Italien' nach Gei st und Rüstungen er­starkt. Kein Ereignis wird uns unvorbereitet sinden. Diese Tatsache ermöglicht es uns, trotzig der nach st en Aufgabe einer nicht gerade fernliegenden Zukunft ins Auge zu schauen. Die Zukunft wird unser sein. Ihr könnt in euren Herzen diese völlige Sicherheit haben und sie zu einer Waffe unbeugsamen Willens machen. Wir sind zu jeder Aufgabe bereit, die uns das Schicksal stellt, auch, wenn es nötig sein muß, über alle Hindernisse hinweg, die sich uns in den Weg stellen sollten. Unser Wille zum Frieden und zur Zusammen­arbeit in Europa verfügt auch über etliche Millionen Stahl bajonette. Morgen schon sind wir bereit zu zeigen, welcher Geist und welcher Mut das herrliche Italien des Faschismus unter dem Zeichen des Liktorenbündels beseelt."

In kurzen Kommentaren wird die Einberufung der Jahresklasse in Zusammenhang gebracht mit der Unsicherheit der gegenwärtigen inter­nationalen Lage, die, wie Giornale d'Jtalia schreibt, von der italienischen Regierung mit voll­kommener Ruhe und mit Gleichmut betrachtet werde,

in der sie aber auch für jeden Fall 3 u r 23e r = teidigung der italienischen Belange bereit sein will. Uebereinstimmend hatten die Abendblätter in ihren Kommentaren zunächst davon gesprochen, daß zur Zeit drei Klassen mit rund 600 000 Mann unter Waffen stunden. Diese Angabe wurde dann in einer späteren Aus­gabe des halbamtlichen Giornale d'Jtalia folgender­maßen berichtigt:Zur Zeit stehen rund 160000 Mann unter Waffen. Anfang April treten die neuen Rekruten der Jahresklasse 1914 mit 2 40 000 Mann in Dienst. Die Einberu- suna der Jahresklasse 1911 wird insgesamt zu einem weiteren Effektiobestand von 160 000 Mann führen. In der ersten Hälfte des April wird also das italienische über mehr als 560 000 Mann verfügen. *

Die Maßnahmen erregen Aufsehen in London. Die Einberufung der ganzen Jahres­klasse 1911 und Mussolinis Erklärung über den auf einige Millionen Stahlbajonette gegründeten Frieden wurden alsdrastischer Schritt" am Vor­abend der beginnenden internationalen Verhand­lungen bezeichnet. Es wird hervorgehoben, daß die italienische Maßnahme die Stärke des italienischen Heeres auf 660 000 Mann bringt.

Oer Völkerbundsrat

tritt am 15. April zusammen.

Ankara, 24. März. (DNB.) Laut Mitteilung der Anatolischen Telegraphenagentur hat der derzei­tige Ratspräsident Tewfik Rüschtü Aras dem Genfer Generalsekretatviat seine Ent- i scheidung mitgeteilt, den Völkerbundsrat auf den 1 5. A p r i l e i n z u b e r u f e n, also n a ch der Kon­ferenz von Strefa und den anderen geplanten Be-

I sprechungen.

Neue Bestimmungen für die Gchülerauslese an den höheren Schulen

Ein Erlaß des Beichöerziehungsministers.

Deutschlands Kampf um Erhaltung des Lebensstandards.

WirsschastSpolitischer Vortrag des Reichsbankpräsidenten Or. Schacht vor dem preußischen Staatsrat.

Berlin, 23. März. (DNB.) Reichserziehungs­minister Rust hat einen Erlaß über die Schüler­auslese an den höheren Schulen herausgegeben, m dem es heißt:

Bei der Auslese an den höheren Schulen hat die liberalistische Grundhaltung der vergangenen Zeit zu einer einseitigen Bevorzugung der rein Verstandes mäßigen Anlagen ge­führt und die für die vvlkführenden Berufe nicht minder wichtigen körperlichen und charak­terlichen Kräfte sowie die rassischen Werte vernachlässigt. Durch diese Art der Auslese werde der einseitig intellektuelle und früh­reife Schüler im Uebermaß gefördert, während rassenbiologisch wertvollere und oolksgesunde Teile der deutschen Jugend oft zurückblieben. Der Füh­rer und Reickskanzler hat demgegenüber immer wieder eine Auslese nach körperlichen, charakterlichen und geistigen Gesichts­punkten gefordert. Diesem Ziel tragen die vom Reichserziehüngsminister Rust geschaffenen grund­legenden Bestimmungen über die Schülerauslese an den höheren Schulen Rechnung.

In diesen Bestimmungen wird als Aufgabe der höheren Schule bezeichnet, den körperlich, cha­rakterlich und geistig besonders gut veranlag­ten Teil der deutschen Jugend so zu erziehen, daß er fähig wird, später in gehobenen oder führenden Stellen unser po­litisches, kulturelles und wirt- fchaftliches Volksleben maßgebend mitzuge ft alten. Die höhere Schule hat daher die Pflicht, unter den zu ihr kommenden Jugendlichen (die männlichen Bezeichnungen gelten überall auch für die Schülerinnen ufw.) eine Auslese zu treffen, welche die Unge­eigneten und Unwürdigen aus- scheidet, um die Geeigneten und Würdigen um so mehr fördern zu können. Die ständige Prüfung muh sich auf die körperliche, charak­terliche, geistige und völkische Gesamteignung erstrecksn.

In dem Abschnitt über die körperliche Auslese wird bestimmt, daß Jugendliche mit schweren Leiden, durch die die Lebens­kraft stark herabgesetzt ist und deren Behebung nicht zu erwarten ist, sowie Träger von Erb­krankheiten nicht geeignet sind und daher nicht in die höhere Schule ausgenom­men werden. Jugendliche, die eine dauernde Scheu vor Körperpflege zeigen, werden von der höheren Schule verwiesen. Ebenso führt ein dauerndes Versagen bei den Leibesübungen, das sich vor allem im Mangel an Willen zu körperlicher Härte und Einsatzbereitschaft äußert, zur Verweisung.

Hinsichtlich der charakterlichen Auslese wird be­stimmt, daß von der Schule zu verweisen ist.

LPD. Frankfurt a. M., 24. März. Die große Kundgebung des rhein-mainischen Einzelhandels im Frankfurter Hippodrom war aus den Kreisen des Einzelhandels und seiner Gefolgschaftsmitglieder stark besucht. Zunächst erklärte

der Leiter der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel Pg. Dr. hayler (München)

in einer programmatischen Rede: Kaum ein Stand hat mehr an sich selbst erkennen gelernt, als der Einzelhandel, wie notwendig ein enger Zu­sammenschluß ist. Wir wollen das Alte nicht vollkommen zerschlagen, aber was schlecht war am Alten, das muß restlos beseitigt werden. Es ist nicht alles schlecht gewesen, was uns aus der Vergangenheit überkommen ist, ge­nau wie nicht feder ein Liberaler sein muß, der nicht schon vor der Zeit der Machtübernahme zu uns stieß. Aber auch das Beste muß mit dem Geist

wer durch sein allgemeines Verhalten in und außer der Schule gröblich gegen An st and und Sitte verstößt oder wer fortgesetzt gegen Kameradschaftlichkeit und Gemein­schaftssinn verstößt. Dasselbe gilt bei dauern­den Verstößen gegen Zucht und Ordnung und gegen Ehrlichkeit.

Entscheidend für die geistige Auslese ist nicht die Summe angelernten Wissensstoffes, son­dern die geistige Gesamtreife.

lieber die völkische Auslese heißt es: Arische Schüler dürfen hinter nichtarischen nicht zurückgesetzt werden. Es ist daher nicht angängig, an Nichtarier irgendwelche Vergünstigun­gen zu geben, solange sie arischen Schülern ver­sagt werden. Schüler, die die Volksgemein­schaft oder den Staat wiederholt schä­digen, sind von der Schule zu verweisen.

Die Aufnahme in die Sexta findet auf Grund eines Gutachtens der Grunds ch u l e und einer schriftlichen, mündlichen und körperlichen Eignungsprüfung an der höheren Schule statt. Wer in der Sexta das Klassenziel nicht erreicht, hat die höhere Schule zu verlassen, wenn der Anstaltsleiter ihn für un­geeignet hält. Die Entlassenen können sich frühe­stens nach drei Jahren für die Untertertia oder für die erste Klasse eine Aufbauschule melden. Wer das Klassenziel der Untersekunda in einem Jahre nicht erreicht, darf in der Regel nicht zum Be­such der Oberstufe zugelassen werden. In die Unterprima sollen nur solche Schüler gelangen, deren geistige, charakterliche und sport­liche Entwicklung die sichere Gewähr für eine erfolgreiche Mitarbeit in der Prima bietet.

Die Zeugnisse haben in Zukunft zu enthal­ten: eine allgemeine Beurteilung des kör­perlichen, charakterlichen- und geistigen Strebens und Gesamterfolges, die nicht in Noten aus­zudrücken ist, und eine Wertung der Lei­stungen in den Einzelfächern.

Bei allen aussondernden Maßnahmen auf Grund mangelhafter geistiger Leistungen sind die körper­lichen und charakterlichen Fähigkeiten voll mitzu­werten. Wenn der Schüler hervorragende Führereigenschaften besitzt und bestätigt hat, ist besonders wohlwollend zu ver­fahren.

Diese Bestimmungen wurden vom Reichserzie­hungsminister Rust in Zusammenarbeit mit dem Rassenpolitischen Amt der NSDAP, geschaffen. Sie stellen eine sorgfältig abgewogene grundlegende Maßnahme bar, die geistig Unzulänglichen oder charakterlich Wertlosen von der höheren Schule fernzuhalten und gleich­zeitig den rassisch und charakterlichWert- vollen, langsamer Reifenden den Zu­gang zu den volkführenden Berufen zu ermöglichen.

der neuen Zeit durchdrungen werden, wenn es nicht unbrauchbar werden soll. Der beste Mensch ist ungeeignet für unsere Zeit, wenn er nicht gewillt ist, sich in die nationalsozialistische Ideenwelt einzuleben. Durch die Gleichschaltung ist dies nicht zu erreichen, der innere Aufbau muß von jedem einzelnen ausgehen.

Pg. Eornelius Verenls-Jena, Leiter der Wirt­schaftsgruppe Mitteldeutschland der Wirtfchafts- gruppe Einzelhandel

gab eine eindringliche Schilderung der Not der klei­neren selbständigen Wirtschaftsexistenzen. In den letzten zwei Jahren habe sich vielfach ihre Stellung gebessert, aber noch immer leben Tausende von klei­nen Unternehmern aus Einzelhandel, Handwerk und Gewerbe unter dem Existenzminimum. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme glaubten einige, jetzt würde mit einem Schlage der Staat

Berlin, 23. März. (DNB.) Reichsbankpräsident Dr. Schacht sprach auf der Arbeitstagung des Preußischen Staatsrates über die heutige Lage Deutschlands in der Weltwirtschaft und führte aus, daß sich die deutsche Wirtschaftspolitik wie jede an­dere von dem einen Grundsatz der Selbstbehaup­tung leiten lassen müsse. Man dürfe das Gesetz des Handelns nicht anderen überlassen, sondern müsse es selbst in der Hand behalten. An Hand eingehender Unterlagen zeigte Dr. Schacht die E n V- Wicklung der Weltwirtschaft auf, deren heutige Situation dadurch charakterisiert sei, daß der gesamte Welthandel 1934 sich nur noch auf ganze 90 Milliarden beläuft gegen 280 Milliarden im Jahre 1928.

Trotz der ungeheuren Schwierigkeiten, in denen sich Deutschland wirtschaftlich befinde, fei der deutsche Ausfuhrhandel nicht we­sentlicher zurückgegangen als der Außenhandel seiner Hauptkonkurrenzländer. Der Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Ländern sei ein Wettlauf um die im­mer mehr zusammenschrumpfende

Kaufkraft itr ber Welt geworden.

Eine Reihe Länder habe versucht, durch eine Ein­schränkung des Lebensstandards und der Produktionskosten, durch die soge­nannte Deflation, ihre Konkurrenzfähigkeit auf­rechtzuerhalten, d. h. sie haben versucht, Preise und Löhne zu senken. Das geht natürlich Hand in Hand mit höheren Zinsen, höheren Steuern und mit sich immer st e i g e r n d e n Konkursen. Die anderen haben sich bemüht, diesen Wettlauf durch das Mittel der Inflation bzw. der Geldabwertung mitzumachen, sei es, daß sie eine Geldabwertung direkt herbeigeführt haben, ober sei es, daß sie eine solche Vermehrung des Geldumlaufes vornehmen, daß sich dadurch dos Geld entwertet Hat. Die Maßnahmen seien mit einer ungeheuren Kredit ausweitung ver­bunden und führten zu einer Scheinblüte, die im weiteren Verlauf zum Verhängnis führte. Dem- g ege nüber hätten die bedrohten Länder, deren Markte erobert werden sollten, zu anderen Mitteln gegriffen. Sie hätten sich gegen fremde Wa­ren abgesperrt. Als Gegenmittel gegen die Außenhandelsschrumpfung hätten einzelne Länder zu dem Mittel der Binnenmarktbelebung gegriffen.

Wir in Deutschland, so betonte Dr. Schacht, haben ein vorbildliches Ard eitsb eschaffung s - Programm durchgeführt, und haben mit Erfolg alles getan, um der Arbeitslosigkeit innerhalb der Reichsgrenzen nach Kräften zu begegnen.

Was nun Deutschlands Außenhandel betrifft, so haben mir auch im Jahre 1934, wo es uns im internationalen Geschäft am schlechtesten ging, i m - m er noch eine E i nfuh r von 4,2 Mil­

jedem Einzelhändler sein Auskommen garantieren. Sie vergaßen, daß das Parteiprogramm nicht von heute auf morgen in ber Wirtschaft ganz umwälzende Verschiebungen durchführen kann. Die Wirtschaftsgruppe Einzelhandel will a u f dem Bestehen aufbauen, sie wirb bie Auf­gabe haben, im Rahmen ber ihr staatlich zugewie- enen Rechte unb Pflichten im Einzelhanbel Mitz- tänbe zu beseitigen, bie Durchführung ber Gesetze ichern zu helfen unb ihre Mitglieber im Rahmen bes volkswirtschaftlichen Gesamtnutzens zu beraten unb zu betreuen. Das alles könne aber nur erreicht werben, wenn alle Mitglieber bes Einzelhanbels wie ein Mann zusammen stehen, um bie ausgegebene Parole zu vollziehen.

Der Leiter der Reichsgruppe handel, Professor Dr. Lüer (Frankfurt a. IN.), führte bann u. a. aus: Wir finb berjenige Gau im Deutschen Reich, bem es zuerst gelungen ist, durch eine glückliche Personalunion zwischen öffentlich- rechtlicher Berufsvertretung unb freien Einzel- hanbelsverbänben eine geschloffene Front bes Einzelhanbels aufzurichten. Die Auf­gaben bes Einzelhanbels haben sich im NS.-Staat insofern gewanbelt, als sie nicht mehr ausschließ­lich, wenn auch unbebingt grunbsätzlich, ben Wün­schen ber Verbraucher Rechnung tragen müssen. Professor Lüer erinnerte an bie Aufgaben, bie bem Hanbel burch bie Beschränkung der Einfuhr nichtlebensnotwendiger Güter erwach­sen, die Aufgaben ber Umlenkung bes Ver­brauchs auf solche Waren, bie bie beutsche Volkswirtschaft in genügenber Menge unb Preis­würdigkeit aus eigener Kraft zu erzeugen vermag, an ben Schutz und d i e Förderung der Volksgesundheit durch die Propagie­rung besonders wertvoller Verbrauchsgüter und an anderes mehr. So hat die dem Handel eingepflanzte Tradition eine ganz spezifische Geistesgestaltung geformt, die, das darf hier offen zum Ausdruck gebracht werden, mit jüdischem Krämergeist auch nicht das geringste zu tun hat. Der Handel steht heute als fast alleinige Gruppe, die grundsätzlich am Konkurrenzprinzip fest gehalten hat, ja festhalten muß, inmitten einer Volkswirt­schaft, die sich bedauerlicherweise in den letzten Jahren immer mehr von dem Grundsatz eines echten fieiftungsroettberocrbs entfernt hat. Wir begrüßen es darum aufrichtig, daß nun­mehr diese Grundlagen in einem gesunden Um­fange wieder hergestellt werden. In letzter Zeit wird nun verschiedentlich Klage geführt über bie uneinheitliche Erhebung ber Beiträge. Ich habe alle Untergliederungen ber Reichsgruppe Hanbel z u sorgfältig st er unb sparsamster Haushaltsführung ver­pflichtet, und ich werde ferner dafür Sorge tragen, daß der Uneinheitlichkeit im Beitragswesen abgeholfen wird. Im Einzelhandel ist das Schaffen von zwei Millionen deut­schen Volksgenossen zusammenge­schlossen. Daß sie alle ihre tägliche Arbeit in Liebe zu ihrem Beruf erfüllen, wird bie Sorge ber Jnbustrie- unb Hanbelskammern unb ber privat- rechtlichen Vertretungen bes beutschen Hanbels fein. Mit einem breifachen Siegheil auf ben Einzel­hanbel, bas beutsche Vaterlanb unb ben Führer unb Reichskanzler Abolf Hitler schloß die Kund­gebung.

Garben Mark gehabt, davon waren 50 v. H., also über 2 Milliarden Mark, industrielle Rohstoffe, die wir nun nicht etwa nur für bie Ausfuhr in Fertigfabrikaten gebrauchen, sondern die wir auch für unseren Markt nötig haben. Neben diesen 50 v.H. für industrielle Rohstoffe werden 35 v.H. der Gesamteinfuhr von 4,2 Milliarden Mark für Nahrungs- und Genußmidtel benötigt, d. h. auch hier braucht der deutsche Markt große Zufuhren aus dem Aus­lande.

Durchaus richtig ist es. daß die reinen Löhne in Deutschland sicherlich von dem einen oder an­deren der sonstigen Industrieländer übertroffen werden. Eins aber ist sicher: Die ganzen öffent­lichen Einrichtungen, also alles, was über Essen und Trinken hinausreicht, alles, was wir von Staats und Gemeinschafts wegen den breiten Volksmasfen zur Verfügung gestellt haben, und zwar an Kunst, Hygiene, Sport und allen mög­lichen anderen Dingen, das übertrifft in seiner Gesamtheit doch den Lebensstandard zahlreicher anderer Länder. Das Entscheidende ist, daß wir von diesem Lebens st andard nicht h e r u n t e r ro oH e n , denn in diesem Lebens­standard liegt eine so große geistige und moralische Spannkraft, daß die ganze Zukunft des deutschen Volkes gefährdet wäre, wenn wir in ein reines Vegetieren des Essens, Trin­kens und Kleidens herabsänken. Selbstverständ­lich können wir die große Einfuhr nicht auf­rechterhatten, wenn wir keinen entsprechenden

Export haben.

Drei Probleme stehen für uns im Augenblick im Vordergrund: die Rohstoffbeschaffung, die Aus- landverschuldung unb bie Devisenbeschaffung. Heute zeigen sich Rückwirkungen ber beutschen Politik auf bas Auslanb in erstaunlichem Umfange: Das Aus- lanb beginnt nämlich an bem Bezug beut» scher Waren selbst ein Interesse zu nehmen: gcrabe bie Rohstofflänber, bie uns mit Rohstoffen beliefern, gaben immer beut- licher zu verstehen, baß sie im bireften Verkehr mit Dcutschlanb bie beutschen Waren aufneh - men wollen, weil nur in ber Aufnahme beut- scher Waren für sie bie Möglichkeit besteht, R o h ft o f f e an uns a b z u s e tz e n. In biefer Rich­tung wird ständig handelspolitisch gearbeitet.

Dr. Schacht schloß seine Ausführungen:Die deutsche Wirtschaftspolitik steht vor großen Auf­gaben, sie sind nur mit einem einzigen Grundsatz heute zu lösen, bas ist ber Grunbsatz bes Han­delns, des Kämpfens und Sichbehaup- t e n 5 , bes Glaubens an ben Erfolg unb bes Zusammenfasfens aller Kräfte, um biesen Erfolg unter allen Umständen zu erzielen."

!Der Faschismus in England.

Mosleh spricht zu

10000 englischen Lchwarzhemden.

London, 25. März. (DNB. Funkspruch.) Zum erstenmal seit vielen Monaten ist die britische Schwarzhemden-Bewegung wieder mit einer großen Kundgebung in London vor die Oeffentlichkeit ge­treten. In der A l b e r t - H a l l, die mit runb 10000 Personen dis -auf ben letzten Platz gefüllt war, hielt ber Führer der Bewegung, Sir Oswald Mosley, eine Rede, in der er heftige Angriffs gegen die Regierung unb das herrschenbe Parteien­system, sowie gegen bie internationale Finanz unb das Judentum richtete. Mosley widersprach ber Be­hauptung, daß die britische Faschistenbewegung eine Nachahmung ausländischer Ideen unb Formen sei. Es handele sich vielmehr um eine neue Welt­anschauung, bie aus ber neuen Zeit heraus geboren sei und bem britischen Charakter angepaßt unb mit britischem Leben erfüllt wer­ben müsse. Währenb in anderen Ländern ber faschi­stische Gedanke erst nach bem nationalen Zusam­menbruch sich burchgesetzt habe, komme er in Eng» lanb trotz ber von der Regierung behaupteten wirt­schaftlichen Scheinblüte zum Durchbruch. England werde bas dritte faschistische Land Eu­ropas unb Frankreich das vierte werden. Wenn diese vier großen Mächte sich bann zusam­menschlössen, könnten die europäischen Probleme im Osten dieses Erdteiles ohne kriegerische Ak» t i o n e n gelöst werden. Mosley verlangte leiden­schaftlich, bem F ei nde von gestern (Deutsch- Lanb) bie Hand zu reichen unb auf ben Gra­bern der Vergangenheit eine neue Zukunft aufzubauen.

Wahlen in Kanton Basel-Stadt.

23 a f e I, 24. März. (DNB.) Die R e g i e r u n g s - unb Großratswahlen haben statt ber er­warteten Festigung ber bürgerlichen Parteien eine Verschiebung nach links ergeben. Von ben sechs bürgerlichen Regicrungskanbibaten, auf bie sich sämtliche bürgerlichen Parteien geeinigt hatten, ist nur einer, nämlich ber zuletzt aufgenommene Re­gierungsrat Zweifel, fest gewählt. Dagegen bürsten bie bisherigen sozialbemokratischen Vertre­ter Regierungsrat Wenk unb Regierungsrat 5) au» jer wiedergewählt worden sein.

Bei ben Neuwahlen zum Großrat ist bie bür­gerliche Mehrheit auch unsicher geworben, inbem sticht nur bie S o z i a l b e m o k r a t e n einige Sitze gewannen, so baß Sozialbemokraten und Kommunisten letztere verloren einige Mandate von den insgesamt 130 Sitzen in Zukunft über 61 bzw. 62 Sitze verfügen statt 57. Auch bie Fre i- wirtschaftliche Bewegung konnte b r e i Sitze erobern, ferner hat bie Evangelische Volkspartei ihre brei Sitze be h al t e n. Beim bürgerlichen Black ging bie Majorität von bisher 70 Sitzen auf etwa 62 bis 63 herunter.

Japan will Nord-Sachalin kaufen.

Tokio, 24. März. (DNB.) Außenminister Hi* rota erklärte im Reichstag, baß Japan ben Narb­te il von Sachalin zu kaufen wünsche, lieber diese Angelegenheit sei schon früher mit ber Sowjetregierung gesprochen worben. Hirota äußerte sich zuversichtlich über die Aussich­ten einer Berstanbigung mit ber Sowjetunion über die Grenzfragen. Politische Kreise messen ben Er* tlärungen größte Bebeutung bei, da sie erkennen ließen, daß Sowjetrußland eine weitgehende De»

Große Kundgebung des Rhein-Mainischen Einzelhandels.