haben. Italien treffe keine Schuld für das Scheitern des Friedensangebotes. — „Gazzetta d e l P o p o l o" schreibt: Die Ernennung Edens bestätigt, daß England nicht die Absicht hatte, eine Beilegung des italienisch-abessinischen Streites anzustreben und daß die Vorschläge eine Falle waren. Die Stellungen sind jetzt klarer, und Frankreich sowie die anderen Staaten wissen jetzt, was das scheinbar völkerbundsfreundliche, in Wirklichkeit aber imperialistische Englandan- strebt. Eden sei der Befürworter auch verschärfter Sanktionen gegen Italien und der Wortführer der unbedingten Treue Großbritanniens gegenüber dem Dölkerbundspakt.
Zu den italienischen Presseäußerungen schreibt „Daily Telegraph", Italien scheine in der Ernennung eine vorsätzlich unfreundliche Maßnahme zu erblicken. Wenn aber Mussolini glaube, daß von dem neuen Außenminister schlimmeres zu erwarten sei, so würde er besser getan haben, das Pariser Abkommen schnell als Grundlage einer Vereinbarung anz unehmen, anstatt sich wie in Pontinia in heftigen Redensarten über die Greisenhaftigkeit Europas und die Heuchelei des Völkerbundes zu ergehen. Diese höchst unpolitische Rede habe ihm in Frankreich großen Schaden zugefügt Sie habe viele Franzosen beleidigt, die ihr Bestes getan hätten, um die Italien durch die Sühnepolitik zugefügten Schäden zu mildern. Gegenwärtig werde es b e - stimmt keine weitere Versöhnungsbemühung geben und selbst, wenn im Augenblick neue Sühnemaßnahmen nicht in Frage kommen sollten, werde eine Beseitigung der schon in Wirksamkeit gebrachten Maßnahmen kaum in Frage kommen.
Die Italiener melden großen Erfolg bei Addi Abbi.
Rom, 23. Dez. (DRB. Amtlich.) Marschall B a - do gl io drahtet: „Eine abessinische Kolonne in Stärke von 5 000 Mann hat in d e r Umgebung von Addi Abbi (Tembien) auf dem Marsch nach Norden unsere Linien angegriffen. Unsere nationalen und unsere erythräi- schen Truppen sind zu lebhaften Gegenangrif- f e n übergegangen. Der Gegner, vom Gelände begünstigt, versuchte Widerstand zu leisten. Es entspann sich ein sehr erbitterter Kampf. Unsere von der Artillerie und der Luftwaffe unterstützten Truppen kamen, Mann gegen Mann käl'npfend, vorwärts. Der Gegner wurde schließlich zurück- geworfen, in die Flucht geschlagen und von den erythräischen Abteilungen verfolgt. Der Kampf spielte sich in einem von hohen Bergen umrahmten Gebiet ab, das von der Artillerie, die auf den Anhöhen Stellung genommen hatte, unter Feuer genommen wurde. Die meisten Verluste sind bei Nahkämpfen entstanden, die mit der blanken Waffe ausaefochten wurden.
Nach einem Funkspruch des Kriegsberichterstatters des DNB. aus Asmara werden die V e r l u st e der Abessinier in den Kämpfen bei Addi Abbi von der italienischen Heeresleitung auf überOOOTote und 1000 Verletzte geschätzt. Auf italienischer Seite sind fünf Offiziere gefallen. Drei Offiziere und 100 Askaris wurden verwundet. Der italienische Oberstkommandierende hat den Truppen und den Fliegern zu dem Erfolge Glückwünsche ausgesprochen.
DieAusweisungschwedischerMissionare aus Ztaliemsch-Somaliland.
Kopenhagen, 23. Dez. (DNB.) Die neuen aus Jtalienisch-Somaliiand ausgewiesenen schwedischen Missionare sind am Sonntag in Malmö angekommen. Sie erzählten dem Vertreter der „Berlingske Tidende", daß sie den Ausweisungsbefehl ganz unerwartet am 23. November erhalten hätten mit der Weisung, das Land in s i e- ben Tagen zu verlassen. Am 30. November habe sich Militär eingefunden und vier Missionsstationen sowie zwei Kinderheime geschlossen. Mit einem italienischen Dampfer seien sie nach Italien gebracht worden.
Reuter bestreitet Zwischenfälle an der libyschen Grenze.
London, 23. Dez. (DNB.) Reuter meldet aus Alexandrien: Gerüchte über einen Zusammenstoß zwischen britischen und italienisch e n So l d a t e n an der Grenze von Libyen werden von Offizieren der britischen Luftstreitkräfte in Mersa Matruh als jeder Begründung entbehrend bezeichnet.
Weihnachtsamnestie in Oesterreich.
Umfangreiche Begnadigungen von Marxisten.
Wien, 24. Dez. (DNB.) Bundeskanzler Dr. S ch u f ch n i g g. machte im Rundfunk Mitteilung von einer aus Anlaß der Weihnachtsfeiertage durch- aeführten Amnestie für politische Häftlinge. Diese Amnestie ist besonders für Teilnehmer an der marxistischen Revolte vpm Februar 1934 sehr weitgehend, da nur noch 16 deswegen Verurteilte Personen, und zwar nur solche, die unmittelbar an Bluttaten mitgewirkt haben, weiter in Haft bleiben. Unter den Amnestierten befinden sich auch die Generalstabschefs des Republikanischen Schutzbundes Major Eichler und Hauptmann Löw, die seinerzeit zu 15 und 18 Jahren schweren Kerkers verurteilt worden waren. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg erklärte, daß die noch schwebenden Untersuchungsverfahren gegen 19 ehemalige Mitglieder des sozialdemokratischen Parteivorstandes e i n g e- st e l l t wurden. Diese 19 Personen sind schon seit längerer Zeit auf freiem Fuß. Unter ihnen befinden sich auch die bekannten Marxisten Seitz und Renner. Von den gerichtlich verurteilten 911 Teilnehmern a n den I u l i e r e i g n i s s e n 1 9 3 4 wurden 16 der Weihnachtsamnestie teilhaftig. In weiteren 60 Fällen wird ein Gnadenantrag erwogen.
Amerika bestellt 103 Bomber
Washington, 24. Dez. (DNB. Funkspruch.) Das Kriegsamt hat zwei Bauaufträge für insgesamt 10 3 Flugzeuge vergeben. Bei der Douglas Air Craft Co. wurden 90 zweimotorige Bombenflugzeuge zum Preise von 6,498 Millionen und bei der Boeing Co. 13 viermotorige Bombenflugzeuge zu 2,5 Millionen Dollar bestellr.
Die Vertreibung
M a l m e d y , 23. Dez. (DNB.) Unter dem Titel „Unser Kampf" schreibt der „Malmedyer Landbote" u. a.:
„Angesichts der Freiheiten, die in der belgischen Verfassung verbürgt sind, verbietet und b e - straft man in Eupen-Malmedy die Meinung, daß dieses Volk deutschen Ursprunges ist und als solches natürliche Rechte besitzt, die nicht etwa eine Anmaßung bedeuten, sondern die jedes Volk für sich als die Höch st en in Anspruch nimmt. Männer, die in dieser Meinung und heiligen Ueberzeugung gearbeitet und gehandelt haben, werden von der Scholle getrieben, die seit Generationen das Königreich ihrer Ahnen war.
Der belgische Bürger verabscheut den Krieg ebenso wie wir, der belgische Bürger ist verständigungsbereit ebenso wie wir. Nicht ohne Grund hat ein Verteidiger im Ausbürgerungsprozeß erklärt, man solle über das Schicksal Eupen-Malmedys einmal eine Volksabstimmung in Belgien machen, um festzustellen, ob das belgische Volk wünscht, daß wir belgisch bleiben, und der Verteidiger fügte hinzu, daß die Mehrheit des belgischen Volkes der Meinung fein würde, Eupen- Malmedy — Land und Leute — d o r t h i n g e h e n zu lassen, wo es ihnen beliebt. Die Ausweisung aber hat gezeigt, daß Belgien das Land behalten, die bodenständige Bevölkerung aber, die diesem Lande, seiner Kultur und Tradition nicht die Treue bricht, entwurzeln und verjagen möchte.
Die Ausgewiesenen sind ehrliche Kämpfer gewesen und werden es bleiben. Wir waren seit Jahrhunderten Deutsche, in uns lebt seit Jahrhunderten deutscher Geist. Wir achten auch den Geist anderer Völker und haben nur den einen Wunsch, für Öen Weltfrieden eine Brücke zu schlagen. Den Bau einer solchen Brücke haben wir oft begonnen. Der Partner aber, mit dem wir in diesem Staat zu leben gezwungen sind, hat jedesmal seine Mitarbeit verweigert. Daß sich die Verweigerer dieser Mitarbeit im Lager katholischer Belgier befinden, schmerzt uns besonders. Diese Menschen sollten doch einsehen, daß Naturrechte auch göttliche Rechte sind. . .
Daß solche Menschen ausgerechnet einige Tage vor dem größten Friedensfeste, dem Weih- n a ch t s s e st, Familienväter aus der Heimat ver-
Dem Volksbund für das Deutschtum im Ausland ist über die Lage des Deutschtums in S ü d t i r o l ein Bericht zugegangen, dem wir folgendes entnehmen:
Der Beginn des italienisch-abessinischen Krieges am 2. Oktober 1935 hatte auch für Südtirol schwere Rückwirkungen. Schon seit Ostern wurden immer mehr Südtiroler zum Militärdienst eingezogen bzw. aus dem Militärdienst nicht mehr entlassen. Einzig und allein in der deutschen Provinz Bozen wurden bereits am Karfreitag 1935 sämtliche Reserveoffiziere der Jahrgänge 1900 bis 1914, 300 bis 400 Männer, zum Militärdienst eingezogen, während in den übrigen Provinzen Italiens nur Freiwillige für den Ostafrikafeldzug angeworben wurden. Je näher der Kriegsausbruch rückte, desto zahlreicher wurden die Einberufungen; zur Zeit dürften 3000 bis 4000 Südtiroler, die meist von einem lag auf ben anbern ihrem Beruf und ihrpn Familien entrissen worden waren, unter den Waffen stehen, meist in süditalienischen Garnisonen.
I In Ostafrika selbst dürften sich 600 bis 700 Mann befinden. Trotz verschiedener alarmierender Gerüchte scheint bisher allerdings kein Südtiroler gefallen zu fein, doch ist d i e Zahl der Tropenkranken außerordentlich hoch.
Als Folge des Mufsolinibefuches in Bozen anläßlich der Manöver in Südtirol wurde die Freilassung der rund 90 Verbannten in Aussicht gestellt, die entweder auf den Liparischen Inseln oder in den Steinwüsten Süditaliens wegen ganz geringfügiger, in kaum einem anderen Staat der Welt unter Strafe gestellten Vergehen für Jahre schmachten. Tatsächlich sind aber kaum 50 von ihnen wieder zurückgekehrt, 20 von ihnen, die sich in militärpflichtigem Alter befanden, wurden sofort unter öie Waffen g e - rufen und z. T. zu Strafkompanien nach Süditalien versetzt. Mittlerweile wurden schon wieder eine Reihe neuer Verbannungsurteile gefällt, die beweisen, daß die Geste Mussolinis in keiner Weise etwa eine Milderung gegenüber der bisherigen Praxis bedeute. So wurden beispielsweise zwei Bauernbur- schen aus Algund bei Meran zu je 2 Jahren Verbannung verurteilt, weil sie in einem G ast - Haus deutsche Lieder (weder politische noch irgendwie italienfeindliche!) gesungen hatten, die Wirtstochter, die mit am Tische saß, wurde für 2 Jahre unter Polizeiaufsicht g e - stellt. Dabei gibt es in ganz Italien fein Gesetz, das das Singen in Gasthäusern irgendwie unter Strafe stellte! Ein Tischler aus Mühlen im Tau- ferer Tal (Pustertal) wurde zu 5 Jahren Verbannung verurteilt, weil er aus mündlichen und schriftlichen Berichten Aufzeichnungen über d i e Verhältnisse bei der italienischen Kolonialarmee gemacht hatte. Seine 45jäh- rige Haushälterin wurde wegen „Mitschuld" (!) zu 2 Jahren Verbannung verurteilt. Derartige Beispiele ließen sich in großer Zahl anführen.
Verhaftungen wegen ganz geringfügiger Verdachtsgründe, oft ohne jeden Anlaß, sind an der Tagesordnung. Folter und Inquisition s- m e t h o d e n werden immer wieder gemeldet: so wurde ein Bauer aus Kurtatsch namens Franz Ritsch, kurz nachdem in Kurtatsch wieder der Mus- solinibaum ausgerissen war, von Karabinieri verhaftet und in die Karabinierikaserne nach Neumarkt aebrachf. Dort führte man den Gefesselten auf den Dachboden und zog ihn mit den Händen an einem Dachbalken hoch, bis seine Füße den Boden nicht mehr berührten. Dabei verlangten die Karabinieri immer wieder, er solle gestehen, daß er an der „Schandtat" beteiligt war. Er beteuerte, daß er nichts zu gestehen habe, wurde mit Gummiknüppeln und Fausthieben bearbeitet und vier Stunden lang am Dachbalken hängen gelassen. Dann erst banden ihn die Kärabinieri los und sperrten ihn wieder ins Gefängnis. Hier fiel der starke Mann in Ohnmacht. Ritsch wurde nach Trient vor die Konfinie- rungs-(Verbannungs ^Kommission gebracht, und, obwohl er seine Unschuld befeuerte, zu einem Jahr Verbannung verurteilt. Als er sich wegen der Behandlung durch die Karabinieri beschwerte, sagte der Vorsitzende: „Es ist ganz unmöglich, daß könig-
der Heimattreuen.
treiben, ihre Familie und ihrer Scholle entreißen, ist eine besondere Roheit. Trotzdem sind wir der Ueberzeugung, daß die Ausgewiesenen ihr Schicksal mit großer Würde tragen, daß sie keinen Augenblick daran denken, den Raum, der bis zum heutigen Tage ein Platz für den gerechten Kampf war, einem blinden Haß freizugeben. Auch heute, in den Tagen, da sie das Schicksal besonders trifft, erklären sie, daß sie an einer Wiedergutmachung und nicht an eine brutale Vergeltung des Unrechtes arbeiten werden. Nicht der Krieg und die Verwüstung ist ihr Ziel, sondern die Verstän - digung und der Friede n."
Belgien will die „Säuberung" syrischen.
Brüssel, 23. Dez. (DNB.) In einem Bericht über die Austreibung der vier Heimattreuen Eupen- Malmedyer von Haus und Hof glaubt die „Indopend a n c e Belg e" diesem Vorgang am besten in ironischer Form gerecht zu werden. Das Blatt gibt zu, daß in Malmedy und in Eupen eine gewisse Erregung über die belgischen Ausweisungsmaßnahmen festzustellen sei und daß die Gendarmerie eine Sonderüberwachung habe einrichten müssen, um den „üblichen" Machenschaften der Heimatbundleute vorzubeugen. Es sei weiter dafür gesorgt, daß Dehottay mit leeren Händen abziehe. Die Finanzverwaltung habe sein ganzes Mobiliar, die Druckerei seiner Zeitung, kurz und gut alles beschlagnahmt, was die Schulden dieses ebenso schlechten Belgiers wie Steuerzahler sicherstellen konnte. Man werde auf einige Zwischenfälle von feiten der Anhänger dieses entwurzelten Deutschenfreundes gefaßt sein können, aber bie Polizei f e i zur Stelle. Die Regierung sei, so scheine es, entschlossen, das Werk der Säuberung mit äußer st er Kraft fortzusetzen. Die Akten seien bereits in Vorbereitung. Das Blatt unterstreicht, daß Dehottay, als ihm sein Ausweisungsbefehl überbracht wurde, in Tränen ausgebrochen fei, und drückt feine Verwunderung darüber aus, daß dieser merkwürdige Mensch, der so sehr Deutschland liebe, gar nicht darauf aus sei, dorthin zurückzukehren. Der Begriff „Heimatliebe" und „Gesinnungstreue" scheint einem Blaff vom Schlage der „Jndspendance Belge" nicht geläufig zu sein.
liche Karabinieri so etwas tun!". Der Fall ist einwandfrei erwiesen.
Das größte Ereignis der letzten Wochen war wohl die „Volksabstimmung der^Süd- tiroler Schulkinde r". Im Mai d. I. hafte sich die italienische Regierung bereit erklärt, für die deutschen Schulkinder in Südtirol deutsche Sprachkurse einzurichten. Die Kinder, die an diesen Kursen teilnehmen wollten, mußten mit Gesuchen an die faschistische Landesschulbehörde darum nachsuchen. Am 12. September wurde erklärt, daß die Gesuche bis spätestens 30. September einzureichen seien. Obwohl jede Werbung verboten war und die Ankündigung nur in den italienischen Amtsblättern erschien, entwickelte sich die Gesuchsstellung zu einer Volksabstimmung in Südtirol, die würdig neben die Abstimmung im Saarland und neben die Wahl im Memelland tritt: 27 425 Südtiroler Schulkinder, das sind 88 v. H. der Gesamtzahl, haben um Erteilung des deutschen Unterrichtes nachgesuchf. Die italienischen Behörden hatten gehofft, durch alle Mittel eine möglichst geringe Anzahl von Gesuchen zu erreichen, um damit der Welt beweisen zu können, wie gering das Interesse der Südtiroler am deutschen Sprachunterricht sei. Statt dessen wurde daraus ein Bekenntnis Südtirols zum Deutschtum, wie es seit Beginn der faschistischen Diktatur in Italien nicht mehr möglich gewesen war.
Die Abstimmung hat allerdings nur propagandistischen Werf. Die Italiener denken nicht daran, nun den Südtiroler Schulkindern etwa Unterricht in ihrer Muttersprache zukommen zu lassen. Am 21. November wurde in Bozen und Meran je ein Kurs eingerichtet. Der Unterricht erfolgt in italienischer Sprache durch italienische Lehrer, in dem beispielsweise auf die Tafel das Wort „sedia“ geschrieben wird, der Lehrer deutet darauf hin und erklärt dazu: „sedia, in tedesco si chiama Stuhl“. Deutsches Sprechen der Kinder untereinander ist in diesen Unferrichts- kursen verboten! In keiner der übrigen Südtiroler deutschen Gemeinden wurde bisher ein weiterer Sprachkurs eingerichtet. In Bozen und Meran wurde dafür die Mittagszeit von 12.30 bis 1.30 Uhr gewählt. Nun wurde durch die Verlegung der Geschäftsstunden zwecks Licht- und Heizungsersparnis im Zuge der Sanktionsabwehr der Volksschulunterricht überhaupt einheitlich auf die Zeit von 10 bis 13 Uhr verlegt. Wann nun diese Unterrichts- kurse stattfinden sollen, ist vorläufig schleierhaft.
Ein Rattenschwanz von Haussuchungen, Vorladungen vor die Behörde und Verhaftungen ist das Ergebnis der ganzen Gefuchsakfion, da sich die italienischen Behörden nicht vorstellen können, wie ohne staatsfeindliche Propaganda ein derartiges Abstimmungsergebnis erzielt werden konnte. Im übrigen rouroen die auf Grund des österreichisch-italienischen „Kulturabkommens" vom 17. Mai 1934 gegebenen sechs Lizenzen zur Erteilung deutschen Privatunterrichtes (von 1925 bis 1934 war der deutsche Privatunterricht überhaupt verboten und stand unter schwerster Strafe, 1934 bis 1935 wurde er nur sechs Personen erlaubt) wieder entzogen mit der Begründung, daß nun das faschistische Kulturinstifut durch seine Deutschkurse für den Deutschunterricht Sorge trage.
Die zwangsweise Namensoerwelschung dauert an. Äp allen Gemeindetafeln lieft man die Namen von Gemeindeangestellfen und anderen von der öffentlichen Hand abhängigen Personen, die, wie die Dekrete besagen, „freiwillig" um „Rückführung ihres Namens ins Italienische" (!!) ansuchen. Besonders uneheliche Kinder und Winferhilfsempfänger werden unter Androhung des Entzuges jeglicher 'Unterstützung dazu gezwungen, ihren Namen verwelfchen zu lassen.
Der wirtschaftliche Vernichfungs- f e I b 3 u g gegen das Südtiroler deutsche Bauern- t u m geht nach wie vor weiter. Immer wieder gelangen Höfe infolge von Sfeuerrückständen zur Zwangsversteigerung; kein Privater darf mehr ohne Genehmigung der Präfektur Besitz erwerben. Zweck dieser Maßnahme ist, alle freiwerdenden Besitze in Südtirol in italienische Hände zu bringen.
Der Fürstbischof von Buxen unter müitälischer Bewachung.
Wien, 23. Dez. (DNB.) Die christlichsoziale „Reichsposf" und das „Neuigkeifsweltblatf" bringen die Nachricht, daß der Fürstbischof von Br ixen, Dr. Johannes Geißler, seit 15. Dezember unter militärischer Bewachung stehe, weil er in einem Rundschreiben an den Klerus der Diözese Brixen die Geistlichen gebeten habe, von einer Propaganda für öie Ablieferung von Metallen absehe n z u wollen, öas dies Aufgabe der Faschistischen Partei sei. An diese Meldung knüpft das chrisflichsoziale „Neuigkeifsweltblatf" einen außerordentlich scharf gehaltenen Kommentar gegen Italien, wie er in dieser Form feit Jahren in einem der österreichischen Regierung nahestehenden Organ nicht mehr erschien. Das Blatt schreibt, die Weisung des Bischofs, öie sich strenge öer Kirchenideologie anschließe, habe zur Ueberwachung öes Fürstbischofs geführt, obwohl sie vor ihrer Anwendung der zuständigen Behörde vorgelegf und von dieser als annehmbar bezeichnet worden sei. Die italienische Regierung, meint das Blatt, bediene sich bei der Rechtfertigung des Krieges aegen Abessinien vorzugsweise des Arguments, daß dieser Krieg ein Kampf für die Kultur und für den Fortschritt in einem barbarischen Lande sei. Wie aber solle Italien vor der Welt wirklich als geeigneter Kolonisator und Kulfurbringer erscheinen, wenn italienische Behörden ihre Misiion in der Ueberwachung eines Bischofs erblickten, der nur mit offizieller Genehmigung seine Pflicht erfüllt habe.
im
Der Reichskriegsminister hat den General d.Jnf.a.D. Freiherrn Seufter von Lötzen zum Bundesführer des neugebildeten „Soldatenbun- d e s" Öes neuen Heeres ernannt. SfellverfrefenÖer Bundesführer ist Gauleiter Staatsrat S ch w e ö e (Koburg). — (Scherl-Bilöerdienst-M.)
Ein Weihnachtsgruß an die Deutschen im Auslande.
Berlin, 23. Dez. (DNB.) Der Leiter öer Auslandorganifation öer NSDA P., Gauleifer E. W. Bohle, überfenöet ’öen Deutschen im Auslanöe zum Weihnachtsfest 1935 folgenden Gruß:
„Zum Weihnachtsfest 1935 und zum Jahreswechsel sende ich den deutschen Volksgenossen und Volksgenossinnen in aller Welt herzlich st e Grüße aus der alten Heimat. Die Deutschen draußen wissen, daß wir im Reich immer derjenigen gedenken, die fern der Heimat leben. Im Gegensatz zu früheren Zeiten ist das Auslandsdeufschtum heute ein vollwertiges Glied der großen deutschen Volksgemeinschaft. Und wenn wir wiederum in diesem Jahre deutsche Weihnacht, das deutscheste aller Feste, feiern können, so wandern unsere Gedanken gerade in diesen Tagen zu allen Brüdern und Schwestern, die nicht das Glück haben, Weihnachten in Deutschland begehen zu können. In den Tagen des weihnachtlichen Friedens und in den letzten Tagen des Jahres, die den Menschen immer wieder zur Besinnung aufrufen, wollen wir alle, hier und draußen, in tiefer Dankbarkeit des Mannes gedenken, der es möglich gemacht hat, Weihnachten im Zeichen eines inner en und äußeren Friedens zu feiern. Allein dem Werk Adolf Hitlers verdanken wir es, daß ein einiges Volk sich in gegenseitiger Kameradschaft und Verbundenheit am Heiligabend zusammenfindet.
Weil wir dies wissen und immer wieder freudig empfinden, wollen wir in diesen Tagen wiederum aus ganzem Herzen geloben, auch im kommenden Jahr mit allen unseren Kräften an der Vollendung des Friedenswerks unseres Führers mit zuarbeiten. Ueberall, auch im entlegensten Winkel der Welt, wo Deutsche wohnen, hat der Gedanke deutscherEinigkeit Eingang gefunden. Diesen Gedanken zu festigen und auch bem letzten Deutschen das Gefühl zu geben, daß er zu uns gehört, betrachte ich als die erste und schönste Aufgabe der Auslandorganisation unserer Bewegung. Die aufopferungsvolle Mitarbeit meiner Parteigenossen draußen hat uns im vergangenen Jahr diesem großen Ziel näher gebracht. Ihnen allen an der Jahreswende für ihre Mühen herzlich zu danken, ist mir eine kameradschaftliche Pflicht. Deutschland und Adolf Hitler — diese Losung wird auch im neuen Jahre unser ganzes Sein erfüllen!
Flottenbegleiter „Fl/Z in Dienst gestellt
Kiel, 23. Dez. (DNB.) Anfang Dezember wurde in Kiel öer erste Flotfenbegleiter „F 1" in Dienst gestellt. Es handelt sich bei ihm unö fünf weiteren auf öer Germaniawerft Kiel gebauten Schiffen um einen neuen Typ, öer, wie öer Name besagt, im Geleitöienst Verwendung finöen soll. Bei einer Standard-Wasserverdrängung von 600 Tonnen besteht öie Bewaffnung öer Flonen- begleifer aus zwei 10,5-cm-Geschützen, vier 3,7=cm* Flak unö zwei Flak-MG. Je zwei weitere Flotten- begleitet rocröen in Hamburg und auf der Marinewerft Wilhelmshaven gebaut.
Das Deutschtum in Südtirol.


