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Diele Stimmung wird gewiß von all den Politikern, Bfruppen und Parteien genährt, die im Laufe

Schützt die Haustiere vor Kalle!

Sowjetvolkes."

Willen zum Ausdruck kommen.

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les letzten Jahrzehnts aus ihrer Machtstellung Und ihrem Einfluß verdrängt alle ihre Hoffnun­gen auf die Zeit des Kampfes um die Erb- ch a f t richteten. Das gleiche Gefühl erwächst aber luch ohne alles schürende Zutun aus der Erkennt­nis, daß ein überragender Führer dem Volke und Staate genommen ist ohne daß seine alle und eben in ihren Bann zwingende Autorität sich oer-

Quelle des innenpolitischen Gärens, das die Jah­reswende 1935/36 kennzeichnet. Sie entspringt dem Streben der regierenden Männer, zur Festigung und Sicherung der neuen Staatsform den Kreis ihrer Freunde, Anhänger und Verteidiger zu er­weitern, mit anderen Worten die in der Verfas­sung gesetzlich festgelegte Autorität im Vertrauen einer möglichst großen Mehrheit der Bevölkerung innerlich gestützt zu sehen. Don hier aus ergeben sich einerseits die Bemühungen, unter den alten Parteien oder den ihnen anhängenden Massen für Regierung und Verfassung Boden zu gewinnen und ergeben sich andererseits Spannungen inner­halb des Regierungslagers aus den Fragen nach der Zweckmäßigkeit und Unzweckmäßigkeit dieses oder jenes taktischen Schrittes, dieser ober jener Maßnahme. Auch baburch wirb ber politische Boben aufgelockert. Einzelne Gruppen versuchen zu neuen Mittelpunkten ber Sammlung zu werben unb stei­gern zunächst bas verwirrende Durcheinander.

Das kommende Jahr wird die Entscheidung brin­gen oder anbahnen, welcher Ariadnefaden aus dem | innenpolitischen Labyrinth herausführen soll. Drei Möglichkeiten ergeben sich dafür: die volle Anwendung der Staatsgewalt zur Sicherung des Erbes Pilsudfkis, der Ausgleich zwischen Teilen des früheren Pilsudfkilagers und Teilen der Opposition und endlich eine neue feste Zusammenfassung der Pilsudski-Anhänger und ihre Ergänzung aus den Reihen der jungen Generation. Die Riederdrückung aller oppositionellen Elemente, auf die Verfassung gestützt und mit dem festen Rückhalt ber Armee, würbe eine Uebergangslösung für etliche Zeit bebeuten. Sie würbe nicht den Führerstaat verwirklichen, der auf dem Vertrauen des Volkes

Weisungen zu dessen Wahrung in der Zukunft ent­nimmt greift in den Massen in steigendem Maße Xie Stimmung um sich, baß ber von Pilsubski ge­baute unb kraftvoll entwickelte Staatohne T e - 'tarnen t" auf bie Erben gekommen sei.

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e n zum Bun« datenbun- lellvertretentn at Schwedt nst-M.)

sowjetrussischen Politik an die europäische Kultur­welt" gesprochen. Zeitungen haben sich barüber ver­breitet, unb bie Sowjetpropaganda ließ kein Mittel unversucht, um ihnen babei auf ihre Weise zu sekun- bieren. Trotzdem ist es eine unumstößliche Tatsache, baß bieMitwirkung ber Sowjetunion im europä­ischen Konzert" bie weltrevolutionäre Propaganda dieses Staates nicht abgeschwächt, sondern verstärkt hat! Roch kein Jahr war seit dem Eintritt dieses Staates in den Völkerbund ver­flossen, als in Moskau die berüchtigten kommuni­stischen Agitatoren aller Herren Länder sich zum 7. Kominternkongreß versammelten, um unter der Parole desTrojanischen Pferdes", d. h.

ruht, sondern eine militärische Diktatur, die die Spannungen verschärft. Der Ausgleich zwischen großen Teilen des Pilsudskilagers unb Tei­len ber Opposition mürbe, wenn es sich um pilsub- skische Linke unb Bauern handelt, zwar zahlenmä­ßig die überwiegende Mehrheit des Volkes einigen, aber unrettbar in den Parlamentarismus alter 21 r t zurückführen, dessen Ueberwindung Pilsudfkis Arbeit gegolten hat. Ein Ausgleich zwi­schen pilsudskistischer Mitte und demRationalen Lager" ist für die Generation der Kampfzeit um! die' Unabhängigkeit schwer zu vollziehen, entspricht aber der Sehnsucht großer Teile der Jugend. Er ist wohl eher noch Möglichkeit eines kommenden Jahrzehnts als des kommenden Jahres. Vielleicht als Uebergang dazu, aber jedenfalls zunächst als verständlichste Wahrung des Erbes des Marschalls erscheinen die Bestrebungen, aus neuorganisierten Gruppen derer, die seine Ideen erhalten und ver­wirklichen wollen, wieder einP i l s u d s k i l a g e r" zu schaffen, das sich nichtohne Testament" fühlt, sondern das ungeschriebene Testament vollstrecken will. Die entscheidende Stimme über Erfolg ober Mißerfolg wirb bie Jugenb haben. In ihr brängt immer mächtiger ein Rationalismus empor, ber freilich lebenswichtige Gegebenheiten Polens (wie etwa bie Tatsache, baß ein Drittel ber Bevölkerung nationale Minberheiten sind) außer Acht läßt und daher die Verbindung zur Pilsudskischen Losung des soldatisch-disziplinier­ten Dienstes am Staate zur Förderung seiner Kraft und Stärke noch nicht gefunden hat. Von der Durchsetzung dieses Ideals in der Jugend aber hängt es ab, ob das Erbe Pilsudfkis gewahrt bleibt. Es bedeutet fein innenpolitisches Testament.

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Zwischen weiß und rot.

Don unserem Or. £). v. 'Z.-Äenchterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Helsingfors, Ende Dezember.

| erben konnte.

Als Marschall Pilsudski im Mai 1935 die Augen ichloß, waren zwei der wichtigsten staatlichen Fra- ' gen geklärt und auf lange Sicht festgelegt: die i Nolle der Armee nicht nur als Schutz gegen ' nutzere Feinde, sondern auch als unerschütterliche Stütze der Regierung und als unbedingter Macht- ; unb Ordnungsfaktor und d i e Grundge­danken ber Außenpolitik, bie Polens Ein­fluß unb Belange im östlichen Europa sichern. Nicht abgeschlossen war beim Tobe bes Mar- fchalls ber innere Aufbau Polens zu einem Autoritär geleiteten Staate ohne politische Parteien mit einer Volksvertretung, in ber bie Besten und Tüchtigsten ber Nation bie zur Regierung Berufe­nen vertrauensvoll in ber gemeinsamen Arbeit zum Westen bes Staates unterstützten. Nur Anfänge unb Möglichkeiten zur Verwirklichung biefes vom Mar­sch all erstrebten Staates waren in ber neuen Ver­fassung geschaffen, als Pilsubski starb. Die Gegen- Iräfte völlig anderer Staatsideale waren noch un- Nebrvchen vorhanden. Und deshalb wird die i n - m apolitische Auseinandersetzung im Rammenden Jahre immer noch um bie Frage gehen: i Rückkehr zu Parlamentarismus unb Parteiensystem über Fortschreiten zum autoritären Führerstaat?

Wie die Pilze nach dem Regen schießen in den letzten Wochen des alten Jahres neue Partei- unb Gruppenbildungen auf ber Rechten, jin ber Mitte und auf der Linken empor, in den Meihen der Pilsudski-Anhänger unb in benen ber Opposition. Durch Neuorganisation, neue Pro­gramme unb Satzungen werden alte Parteien auf­gefrischt, Ansätze zu neuen parteiähnlichen Gebil­den gehen daneben her. UeberaU werden Kräfte ge­stammelt, Truppen unb Reserven aufgestellt, Pläne .entworfen, Bünbnismöglichkeiten geprüft. Eine ber Mrsachen biefesGrünbungsfiebers", bas lebhafte Llluseinanberfetzungen vorauskündet, find die Hoff- inungen der durch die neue Verfassung und die Wahlgesetze in den Hintergrund geschobenen Be- lrusspolitiker der alten Parteien, die Aenderung ber Wahlgesetze unb ber Verfassung und die Rückkehr ides Parlamentarismus liberal-demokratischer Prü­fung durchsetzen zu können. Hierbei rechnen sie Darauf, daß es der jetzigen Regierung nicht gelingt, ber gewaltigen wirtschaftlichen Schwie­rigkeiten Polens Herr zu werben ber ersten '.Regierung, dieverfassungsmäßig autoritär" ist, I lhinter der aber nicht die Autorität Pilsudfkis steht. »Gäbe es nur diese eine Quelle des gegenwärtigen ?Parteigebrodels, so könnte man den Gang der Er- seignisse für 1936 bereits voraussagen: eine letzte Abrechnung zwischen dem Pilsudskilager und den Verfechtern der Wiedergeburt der vergangenen 'Parteienherrlichkeit. Daß diese Abrechnung zugunsten Les Pilsudskilagers und der neuen Verfassung aus- stallen würde, unterliegt keinem Zweifel.

Es gibt aber auch noch eine zweite wichtige

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NEDA!' det den Deut' ist 1935 folgen- m Jahreswch ssen unb Solh1 chste Grüß- Deutschen brau- derjenigen ge- Im Gegensatz andsdeutschtM cb ber gro; nschast. Uni , deutsche Wei - iern können, n diesen Tagen die nicht ba: schland begehe" nächtlichen 6^ Jahres, d»e be mung ansru en n, in tiefe' : qebenken^ >ch'-n ^-ren or;f t Ad°l! «ft s Soll I'ch .rbunbffl6»1

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des maskierten Einbruchs in die nationale Welt­anschauung und politische Organisation anderer Völkerzur Verteidigung der Sowjetunion" neue Richtlinien für ihre hemmungslose Agitation ent­gegenzunehmen. Daß auch die verantwortlichen MoskauerStaatsmänner" diese Politik bejahen unb sie als unaufgebbares, eigentliches Ziel ihrer Tätigkeit ansehen, bafür ließen sich gerabe aus ber jüngsten Vergangenheit zahllose Beispiele anführen. So schrieb bie parteiamtlichePrawba" noch am 1. Dezember, zum einjährigen Todestag des 1934 ermordeten Mitglieds desPolitbüros" Kirow: Wir sind dabei zuversichtlich, die ganze Welt auf den Weg des Kommunismus zu lenken, und w i r werden s i e dahin lenken trotz des Wider­standes der Wölfe und der Schlanaen des Kapita­lismus. Unsere Zuversicht beruht Darauf, daß so­wohl die Stützpunkte wie die Hebel dafür von den Bolschewiki geschaffen worden sind, und daß diese Hebel in den Händen der Partei liegen, in deren Reihen Kirow gekämpft hat unb gestorben ist. Auf Siefen Hebeln ruht bie Hanb Stalins, ruhen Dutzende von Millionen Händen des unbesiegbaren

Der Abessinienkonflikt hat in den letzten Monaten las außenpolitische Interesse fast allzu ausschueß- ich auf sich gezogen. Wir haben deshalb unsere Äuslandskorrespondenten gebeten, unteren Lesern ms Anlaß der Jahreswende über bie Kräfte -ölkisch-n Eigenlebens vor allem m den 2änbern zu berichten, beren innerpolitische Entwick- ung im letzten Jahre w e Niger beachtet wor- ven ist, als es zur richtigen Erfa fung unb Wertung Des Weltbilbes im ganzen wünschenswert gewesen wäre Die ersten drei Berichte aus Warschau, Hel- 'smgfors unb Moskau kreisen um bas Oftpro- 5t em. Weitere werden folgen.

Erbschaft ohne Testament?

Von unserem W Gt.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Warschau, Ende Dezember 1935.

DieErbschaft ohne Testament" heißt eine po­etische Broschüre unbekannten Verfassers, die vor wenigen Wochen in Polen erschienen ist. Die Zroschüre ist nicht weiter bemerkenswert, aber ihr Titel ist rasch zum politischen Schlagwort geworden: während der kleine Kreis der Mitarbeiter und Ver­bauten des Marschalls sich alsVollstrecker e s Testaments und Willens Pilsudskis" fühlt mb ben ©runblinien seines Lebenswerks auch bie

Rationen im Aufbruch.

Eine Umschau unserer Auslands-Korrespondenten an der Jahreswende

Bei all bem ist es ganz selbstverstänblich, baß bas nationalsozialistische D e u t s ch l a n b vom Welt- bolschewismus, bestenHebel" bie Sowjetunion fein will, als ber gefährlichste Feinb betrachtet wirb. Das ist ber Angelpunkt ber Sowjetaußen- politik geworben. Will sie bamit vor aller Welt bezeugen, baß sie im heutigen Deutschlanb eines ber größten Hemmnisse unb ben festesten Widerstand gegen die Aggression der Weltrevolution sieht, was in deroffiziellen" sowjetrussiscben Außenpolitik mit der bekannten These, Deutschland selbst sei aggressiv, wiederkehrt? So läßt sich nur sagen: Auch in Haß unb in Feinbschaft kann Anerkennung wider

Die alten Ziele mit neuen Methoden

Von unserem ^.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Moskau, Ende Dezember 1935.

Wenn man im vergangenen Jahr sogenannte Rußlandreisende traf, die nicht zum ersten- mal hierher kamen, so stellten sie gern Vergleiche mit der Vergangenheit an. Don oberflächlichen Leuten hörte man bann häufig die Phrase:Die Sowjetunion verbürgerlicht si ch". Ein jeder, der mit offenen Augen im Lande ber Bolschewiki lebt, wirb biefe Auffassung jeboch grünblich verkehrt finden. Worum es sich bei der fälschlich sogenanntenVerbürgerlichung" handelt, ist fol­gendes: Man hat mancherevolutionäre" über- radikale Programmpunkte über Bord werfen müssen, weil das Leben die Abkehr davon ein­fach erzwang. In dieses Kapitel gehören die größere Strenge im Schulbetrieb und Erziehungs­wesen, in der äußeren Organisation von Verwal­tung und Wirtschaft, die Nachahmung traditioneller Rangordnungen einschließlich ber Wiederherstellung vorrevolutionärer Militärbienstgrade unb ber golbe- nen Tressen für bie neukreierten Marschälle.

Auch auf wirtschaftlichem Gebiet hat man mancherlei abgeschworen. Die Zeit liegt noch nicht lange zurück, wo bie Lebensmittelkarten als Garantiegerechter sozialistischer Warenverteilung" gepriesen würben. Jetzt rühmt man sich, baß man sie abgeschafft hat. Nicht anbers war es mit bem Gelbe. Die Zurückbränaung dieses Antriebsfaktors der wirtschaftlichen und Arbeitstätigkeit wurde lange als Errungenschaft hingestellt. Nun hat man das Steuer herumwerfen müssen. Das Geld wird als einheitlich und unsentimental angewandter Wert­messer für unentbehrlich erklärt. Wenn man früher bem Sowjetrubel verschobene Kaufkraft gab, je nachdem in wessen Hand er sich befand (geschlossene Verteilungsstellen der Betriebe, freier Markt usw.), so will man heute nichts mehr davon wissen. Geld soll Geld sein und nichts weiter. Ob sozialistisch ober nicht, tut nichts zur Sache, wenn es nur bem Ge­winninteresse bes Regimes bient. Auch bie jüngsten Währungsexperimente, bie ja nun mit dem Beginn des neuen Jahres einsetzen sollen, dürf­ten von ben gleichen Gesichtspunkten eingegeben sein, wobei biesmal sogar bie bisher in Grund und Boden kritisierte Verflechtung in das internationale , Finanzkapital nicht ohne Anreiz gewesen ist! Mit der Theorie von Karl Marx im Leitartikel unb mit einer sowjeteigenen Nachahmung von Forbismus unb Taylorismus in ber Praxis, was man hier- , zulanbeStachanowbewegung" nennt, tritt t biejelbe Tendenz in anderer Form in das Rampen- - licht der lautesten Sowjetpropaganda. Wie las man bei Karl Marx? Er schilderte denHeißhunger , nach Mehrarbeit", den er dem rohen Ausbeuter- i Kapitalismus zuschrieb. Ob man wohl den heutigen iStachanow-Leuten" diese Brandreden des Stamm- : vaters des Kommunismus eingerahmt dediziert?

Immer wieder haben während dieses Jahres > europäische Politiker von einerAnpassung der

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Das Jahr 1935 war für Finnland wie sein Vorläufer ein weiteres Jahr der äußeren und in­neren Befestigung. Bis in allerletzter Zeit hielt Finnland in Fragen der äußeren Politik daran fest, sich von jeder G r u p p e n b i l d u n g fern­zuhalten, wobei es sich begnügte, seine beson­ders herzlichen Beziehungen zu Skandinavien unb ben Ranbstaaten stets im gleichen Atem­zuge als gleich wertvoll zu bezeichnen unb sich als Brücke zwischen Skanbinavien unb ben Ranbstaaten hinzustellen. Kurz vor Jahreswechsel gaben jedoch ! Finnlands Außenminister H a ck z e 11 und Staats­minister K i v i m ä f i im finnischen Reichstag be­deutsame Erklärungen ab, in welchen unter nur flüchtiger Erwähnung der Randstaaten-Beziehungen ein engeres Zusammengehen Finnlands mit bem Narben insbesonbere mit Schweden als neues Ziel ber finnischen Außenpolitik bezeichnet wurde. Die starke Unsicherheit über die künftige Gruppie­rung ber Großmächte unb ber Ausbau der russischen Grenze in Karelien dürften Finnland bewogen haben, aus seiner bisherigen Isoliertheit herauszutreten und eine etwas engere Anlehnung an den skandinavischen Block zu suchen. Gemeinsamer Schutz ber finnischen unb norbischen Neutralität unb das Festhalten an der bisherigen

Völkerbundspolitik unter Ablehnung von Paktver­trägen aller Art scheinen das lose Ziel dieser Neu-

1 Orientierung zu sein, wobei weitergehende Ab- I machungen zwischen den nordischen Ländern und 1 Finnland vorläufig nicht zur Erörterung stehen.

Die offiziellen Beziehungen Finnlands zu Ruß­land verblieben gut, sie wurden aber zeitweise durch die karelische Frage belastet. Die besonders von der Finnischen Vaterländischen Volks­bewegung scharf formulierten Forderungen auf inhaltsgetreue Erfüllung des finnisch-russischen Frie- bensDertrages von Dorpat, welcher verschiedenen finnischsprachigen Gebieten Kareliens Selbstbeftim- mungsrecht zusicherte, wurden jedoch von Rußland nicht beachtet, sondern führten im Gegenteil vor­läufig nur zu einer verschärften Russifizierungs- politik in Karelien. Die theoretisch vorhandenen schwachen Möglichkeiten, die über Karelien bestehen­den finnisch-russischen Meinungsverschiedenheiten vor dem Völkerbund irgendwann einmal zu bereinigen, dürften weniger denn je Aussichten auf praktischen Erfolg haben. Die Vorgänge im abgelaufenen Jahre deutschen nämlich darauf hin, daß die Sowjets mit ihrer Zwangsrussifizierung ber Karelier vollendete Tatsachen schaffen wollen.

Der Rüstungstaumel, in welchem sich die ganze Welt befindet, färbte auch auf Finnland ab. Die finnische öffentliche Meinung verlangt immer stärker nach einer Befestigung der Alandsin sein in gemeinsamer Verständigung mit Schweden, wo­bei man jedoch nur reine Verteidigungsgesichts­punkte im Auge hat. Dieses gleiche unb große schwebische unb finnische Interesse, bie unbefestigten Alanbsinseln keiner Großmacht ausgeliefert zu sehen, ist auch geeignet, bie aus bem Sprachen ft reit entstanbenen kulturellen Hemmungen zu mildern. Im deutsch-englischen Flottenabkommen erblickt man eine für Finnland äußerst wichtige Neuregelung der seestrategischen Machtverhältnisse in ber Ostsee. Der beutschen Aufrüstung zu Lanbe unb zu Wasser steht Finnlanb verständnisvoll gegenüber, was bei der finnischen Blickrichtung nach Osten keiner nähe­ren Erläuterung bedarf.

Finnland ist in der glücklichen Lage, augenblick­lich mehr oder weniger problemlos zu sein, wenn man sein Verhältnis zu seinem Großnachbar im Osten als unabänderliche Tatsache betrachtet. Aus dieser Problemlosigkeit heraus ist es vielleicht zu erklären, daß innere Fragen, wie der finnisch- schwebische Sprachen st reit um die Fin- nifierung der Universität von Helsingfors, eine ver­hältnismäßig große Bedeutung einnehmen. Dieser Streit, welcher, wie ausdrücklich bemerkt werden muß, ein finnisch-schwedischer Sprachen- und nicht ein Rassenstreit ist, geht eigentlich nur noch um die

Frage, welche äußere Form der schon längst Tat- sache gewordene Sieg des Finnentums bei ber Ge- ' staltung ber finnischen Universität erfahren soll. An ber errungenen Vormachtstellung der finnischen

Sprache über die schwebische im Lanbe ist schon längst nicht mehr zu zweifeln.

Die Regierung K a v i m ä k i, bie nun schon brei Jahre am Ruber ist, hat sich trotz aller inner­politischen Stürme, bie sich hauptsächlich um bie Sprachenfrage brehten, behauptet. In ber Art unb Weise zu regieren, übt bie Regierung eine versteckte unb mit sanften Mitteln ausgeübte Diktatur ber Mitte aus. Es entsteht babei ber Eindruck, daß der Einfluß des Reichstages im Schwinden ist. Die Hauptgegner der Regierung stehen rechts. Sie sind verkörpert durch die Vaterländische Volks­bewegung, die Nachfolger der früheren Lappo- beroegung. In den beiden wichtigsten Fragen ber finischen Politik, nämlich in ber karelischen unb in ber Sprachenfrage, steht bie Vaterländische Volks­bewegung in ausgesprochener Gegnerschaft zur Re­gierung. Ihre Kompromißlosigkeit läßt ihr die volle

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