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Art wiedergegeben und dabei das Tatsächliche und Sachliche übersehen. Der Redner gab sodann eine übersichtliche Darstellung von der Arbeit des Nach­richtendienstes im Verlaufe der Kriegsjahre, wobei er auf zahlreiche Einzeldinge hinwies. Man konnte dieser Schilderung entnehmen, daß ein guter Nach­richtendienst eines der Hauptkampfmittel der Truppe ist, deren Führung sich jederzeit über die Pläne und Maßnahmen der Gegenseite im Klaren sein muß. Als Ergebnis der eingehenden Schilderungen muß fick jedem Zuhörer die zwingende Erkenntnis auf­gedrängt haben, daß es im vaterländischen Interesse immer nur e t n unabänderliches und streng zu be­folgendes Gebot gibt: schweigen und immer wieder schweigen über Dinge, von denen jeder­mann erkennen muß, daß sie für die Sicherheit und das Wohl des Vaterlandes von Bedeutung sind, auch wenn es sich dabei um Vorgänge handelt, die an sich vielleicht gering zu bewerten sind, oder die vereinzelt bleiben. Im Anschluß an den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag sprach Pg. Halbroth noch über die Winterarbeit der NSKOV. und rief besonders die Frauen zur Mit­arbeit am Winterhilfswerk auf. Der Abend wurde bann in üblicher Weise geschlossen.

«Schöffengericht Gießen.

Der Angeklagte K. St. von Gießen, vorbestraft, wurde wegen eines Verbrechens nach den Para- graphen 269, 267, 268 StGB, in Tateinheit mit einem Vergehen des Betrugs nach den Paragraphen

Ducheckerusammlungen für das WSW und die Schule.

* Aue dem Vogelsberg, 23. Ott. Die Schuljugend des Vogelsberadorfes Ober- Moos hat mit dem Sammeln von Buch­eckern in den ausgedehnten Waldungen des Vo­gelsbergs begonnen und dabei bisher gute Erträge eingebracht. Die Kinder wollen die Sammlung fort­fetzen, um dann die gesamte Bucheckernernte zu ver­kaufen und den Erlös zum Teil als Schulspende für das Winterhilfswerk, zum anderen Teil für die Anschaffung von Geräten für Schulzwecke zu verwenden.

Canöfrei? Gießen.

* Annerod, 23. Oft. Der etwa 33 Jahre alte Landwirt Heinrich Hammer von hier erlitt bei der Arbeit auf dem Felde einen Unfall. Beim Wenden der E g g e drang ihm ein Zinken durch die Hand. Der Verunglückte mußte sich zur Be­handlung in die Chirurgische Klinik nach Gießen begeben.

* Allendorf a. d. Lumda, 23. Oktober. Einen schweren Unfall erlitt der 76jährige Landwirt Heinrich Reinhard von hier. Er zog sich einen Oberschenkelbruch zu und mußte in die Klinik nach Gießen gebracht werden.

ch Lauter, 23. Okt. Gestern feierte Marie Feldmann in körperlicher und geistiger Frische ihren 7 7. Geburtstag. Einer unserer alten Einwohner, der im 77. Lebensjahr stehende Konrad Schäfer wurde heute zur letzten Ruhe gebettet.

Watzenborn-Steinberg, 24. Okt. Ein seltenes Arbeitsjubiläum begeht heute unser Mitbürger, der achtzigjährige Konrad Schneider. Er steht jetzt 60 Jahre ununterbrochen bei Oekono- mierat Karl Müller (Neuhof) in Arbeit. 35 Jahre wersah er die Stelle als Herrschaftskutscher, bis sein ältester Sohn an seine Stelle trat. Bis zum heuti­gen Tage geht der Hochbetagte täglich auf den Neu­hof, um seine Beschäftigung auszuüben. Ein schönes Zeichen der Verbundenheit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

8. Lang-Göns, 23. Okt. Vom 28. Oktober on beginnt hier ein von der Lang-Gönser NS.- Frauenschaft ins Leben gerufener Kursus über Säuglings - und Krankenpflege. Die Beteiligung ist allen erwachsenen Dolksgenos- sinnen gestattet. Der Kursus ist unentgeltlich. Im

263, 73 StGB, zu einer Gefängnis st rase von 6 Monaten verurteilt. Der Angeklagte ließ sich in einem Falle zwecks Mahnung eines Gerichts­vollziehers die Blankounterschrift zu einer Vollmacht ausstellen. Die fragliche Unterschrift benutzte der Angeklagte dazu, sich eine Inkassovollmacht auszu­stellen, und er zog daraufhin einen Geldbetrag feines Klienten ein und verwandte ihn für sich.

Sodann hatte sich das Gericht mit einem notori­schen Bauernhauseinbrecher zu befassen. Es han­delte sich um den Iwan Bondawenko.der ohne festen Wohnsitz in Deutschland umherstrich. Der An­geklagte drang im Juni 1932 in Kehna (Kr. Mar­burg) durch Ausdrücken eines Fensters in das Erd­geschoß eines Bauernhauses ein, erbrach im ersten Stock eine Stubentür und zwei verschlossene Schub­laden und entwendete eine silberne Herrentaschen­uhr, einen goldenen Ring, sowie drei Wertpapiere. Am 25. Juli 1934 brach er in ein Haus in Billerts­hausen (Kreis Alsfeld) ein und entwendete dort 130 Mark, sowie einen Aufwertungsschein und einen Schlüssel. Außerdem war der Angeklagte ohne Paß. In der gestrigen Hauptoerhandlung stellte er sich der deutschen Sprache unkundig, obwohl er sich bei feiner Festnahme, wo bei ihm die modernsten Ein­brecherwerkzeuge gesunden wurden, in deutscher Sprache glänzend zu verteidigen verstand. Das Ge­richt verurteilte ihn zu einer Zuchthaus st rase d o n b r ei Jahren.

Wegen Erregen öffentlichen Aergernisses mürbe der H. I. aus Rodheim v. b. Höhe zu einem Monat Gefängnis verurteilt.

Rahmen des Winterhilfswerkes wurden am letzten Sonntag getragene Kinderkleider gesammelt. Das Ergebnis war recht gut.

# Dorf-Gill, 23. Okt. Dieser Tage fand hier die festliche Einweihung unseres Ge­meindesaales statt. Unter den Klängen schnei­diger Marschmusik bewegte sich ein stattlicher Fest­zug, an dem die Gliederungen der Partei und die Vereine des Ortes teilnahmen, durch das Dorf zum Gemeindesaal. Hier überreichte Architekt S z e l k u s dem Bürgermeister Knöpper den Schlüssel. In einer kurzen Ansprache dankte der Bürgermeister allen Volksgenossen, die in uneigennütziger Weise bei der Errichtung des Saales mitgeholfen haben und wies dann auf die Inschrift des SaalesGe­meinnutz vor Eigennutz. Errichtet im dritten Jahre der nationalsozialistischen Revolution unseres Füh­rers Adolf Hitler^ hin. MitSieg-Heil!" auf den Führer schloß er seine Ansprache. Die anschließende Feier im Saale war außerordentlich stark besucht; kaum vermochte der Saal die vielen Teilnehmer zu fassen, die nicht nur aus Dorf-Gill, sondern auch aus Grüningen und den übrigen Nachbarorten ge­kommen waren. Nach dem Einbringen der Fahnen und nach kurzen Begrüßungsworten brachte die BDM.-Führerin E. Jung ein wirkungsvolles Ge­dicht zu Gehör. Liedvorträge des Gesangvereins Heiterkeit", der NS.-Frauenschaft, Volkstänze und turnerische Vorführungen des BDM. und der Jung- mädels sowie gute Musik trugen sehr zur Unter­haltung bei. Sehr eindrucksvoll war auch ein Sprechchorspiel der HI. und des BDM. Im Laufe der Veranstaltung erschien auch Kreisleiter Klo­st e r m a n n und hielt eine Ansprache, die mit großem Beifall ausgenommen wurde. Der Abend brachte ein unterhaltsames Theaterstück, das sehr flott zur Aufführung gelangte. Bei Musik und Tanz blieb man dann noch lange in froher Stimmung beisammen.

Kreis Friedberg.

Butzbach, 23. Okt. Gestern abend Überflog wiederum eine große Schar von mindestens 15 0 Schneegänsen in Nordost - Südwestrichtung unsere Stadt, diesmal in zwei Einsformen. Ein derart großer Zug wurde selten beobachtet. Durch das Geschrei der Zugvögel wurden viele Bewohner auf die Straßen gelockt. Die Bautätigkeit ist in den letzten zwei Wochen abermals lebhaft geworden. Nochmals ist bei vier Einfamilienhäusern

mit dem Sau begonnen worden, die alle noch vor Eintritt des Winters unter Dach gebracht werden sollen. Weitere zwei Bauten werden in Kürze folgen. Bei den bereits im Rohbau fertiggestellten Wohnungen wird jetzt der innere Ausbau erledigt. Gegenwärttg herrscht an den Verlade­rampen unseres Bahnhofs Hochbe- trieb. In den letzten Wochen sind hier im süd­lichen Teile des Bahnhofs ungeheure H o l z m e n » gen verladen worden, die zum Teil zu Bauholz, zum Teil in den Fabriken zur Bereitung von Papier Verwendung finben sollen. Das Holz stammt größtenteils aus den ausgedehnten Taunuswäldern bei Bodenrod und Espa. Alltäglich geht eine An­zahl Eisenbahnwagen mit landwirtschaft­lichen Maschinen aller Art, die hier herge­stellt werden, nach allen Teilen Deutschlands und des Auslandes ab. In den letzten Tagen wurden viele Eisenbahnwagen mit Kartoffeln in der Hauptsache nach dem Ruhrgebiet verfrachtet. Die Kartoffeln stammen meist aus den Nachbardörfern und werden von den bäuerlichen Genossenschaften verladen.

Kreis Schotten.

O Laubach , 22. Okt. Die Einweihung der Paul-von-Hindenburg-Jugendherberge" in Hanno­ver durch den Reichsjugendführer Baldur von S ch i r a ch am Sonntagoormittag wurde im Solmser Hof" übertragen für die HI., das JV., BDM und die Jungmädel. Nach der Einweihungs­feier hielt Pg. Hainz, der Leiter der Lau- b a ehe r Jugendherberge, eine Rede über die Bedeutung des Wanderns für die Jugend und damit auch der Jugendherbergen, deren Einrichtung leider noch viel zu wenig bekannt fei. Kostet das Uebernachten für eine Einzelperson in der Jugend­herberge doch nur 30 Pf., für größere Gesellschaften sogar nur 20 Pi für eine Person. Ausweise, die zur Benutzung der Herbergen berechtigen, sind ebenfalls für einen geringen Preis zu erhalten. Der Redner forderte alle Interessenten an dem Jugend- herdergswesen auf, die Laubacher Jugend­herberge zu besichtigen. Er schloß mit dem Wunsche, daß diese Morgenveranstaltung manchem den Blick geöffnet haben möge, sollen doch auch die deutschen Jugendherbergen dazu beitragen, die Ju­gend so zu erziehen, wie der Führer sie haben will, ,flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl". Mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer klang die Feier aus.

Kreis Alsfeld.

* Ober-Ofleiden, 23. Okt. Der Sohn des hiesigen Reichspost-Kraftfahrers Wilhelm zog sich eine schwere Handverletzung (Brüche der Mittelhand, Fleischwunden an den Fingern) zu und mußte zur Behandlung in die Klinik gebracht werden.

. Homberg, 23. Oktober. Gestern nach­mittag fand in der Stadthalle für die Schüler Hom­bergs und die in Orten seiner Umgebung eine VDA. -Tagung statt. Für den Abend waren die Gliederungen der Partei, die Eltern und der Arbeitsdienst eingeladen. Beide Versammlungen leitete Lehrer Allendärfer. Er begrüßte die zahlreichen Teilnehmer und führte durch Vorlesen eines entsprechenden Gedichtes in das Stoffgebiet ein. Die Sstüler der beiden Hornberger Oberklassen trugen durch die Wiedergabe geeigneter Lieder und durch Sprechchöre wesentlich zur Verschönerung der Feier bei. Am Abend wartete der Silcherchor mit einigen Liedern auf. In beiden Versammlungen sprach Frl. Hessenauer (Berlin). Sie verbreitete sich zunächst über die drei Arten des Deutschtums: das Auslands-, das Grenz- oder Muß- und das Reichsdeutschtum. Die beiden ersten Gruppen fasse man auch als Auslandsdeutschtum zusammen. Nach­dem sie den Werdegang der Gruppen veranschau­licht hatte, betonte sie Deren blutsmäßige Verbun­denheit mit dem deutschen Volke im Reich. Im weiteren Verlaufe ihrer Ansprache brachte sie aus der Fülle ihrer Erfahrungen einzelne wichttge Er­lebnisse, die sie während ihres Aufenthalts in den betreffenden Gebieten gemacht hatte, zur Kenntnis. Wie gespannt lauschte die Menge! Es war ergrei­fend zu hören, wie in den genannten Gebieten die Deutschen um die Erhaltung ihres Deutschtums

SweiHlieiolflöliioiliel.

Roman von Anny von panhuys

Urheberrechtsschutz Aufwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68.

26 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

26. Kapitel.

Bettina bangt.

Ein paar Tage früher, als er seinem Brief nach erwartet wurde, kam Hans Syden vor dem Weih- nachtsfeste heim. Er hatte die Fahrt in einem neuen Auto gemacht, einem Prachtwagen, der hell­graue Lack spiegelte förmlich.

Gretel begrüßte den Bruder zuerst und er staunte: Wie hast du dich denn herausgemacht! Warst doch eigentlich schon hübsch genug, Schwesterlein, jetzt aber" Er unterbrach sich.Will dich lieber nicht noch eitler machen, als du vielleicht schon bist, denn tu Waldschloßchen gibt es ja Spiegel genug."

Er war wirklich erstaunt, wie sich Gretel ver­ändert hatte, seit er sie zuletzt gesehen. Sie erschien ihm großer. Ihr früher nach Pagenart geschnittenes Haar war gewachsen, und sie trug es in einem Quoten tief im Nacken wie Bettina. Es machte sie ktwas älter, unterstrich aber reizvoll die schmale Kopfform. Großer schienen auch die Augen, der 3lick tiefer, beseelter, und um den jungen weichen -Nund lag ein Zug, der war früher noch nicht da- [ eroefen und er wußte ihn nicht zu deuten.

Gretel hängte sich mit dem linken Arm beim 3ruöer ein und führte ihn ins Haus, gerade als lin großer Schäferhund die Treppe vom ersten 6tock herunterkam und sich zögernd näherte als wollte er sich erst vergewissern, ob er dem Ankömm- lug, den er nicht kannte, trauen dürfe.

"Nanu! Das ist ja Tyras, wie er leibt uni) lebt!", nermunberte sich Hans Syden.Wenn ich nicht ge- vußt hatte, Tyras ist tot, hätte ich den dafür ge» falten."

Er zeigte auf den Hund, der durch leichtes Schwänzeln bekundete, die Bekanntschaft wäre ihm nicht unangenehm.

Hans Syden streichelte den Hund.

Ein hübscher Kerl bist du, und bei näherer Be­sichtigung sehe ich natürlich auch, daß du viel hüb- loer bist als unser Tyras gewesen in den letzten llahren. Alter macht ja nicht schöner."

Er fragte:Seit wann habt ihr den Hund, ist er hier gekauft?"

Gretel dachte daran, daß Großchen, um den Bru- b(T nicht zu erschrecken, ihm damals gar nichts von ihrer Krankheit geschrieben und es dann später auch uiterlafferf hatte. Er wußte also gar nichts davon,

daß sie in Berlin krank gewesen und bei Dr. Dien­dorf gewohnt, von dem sie behandelt worden. Aber das alles konnte sie natürlich jetzt nicht so schnell erzählen.

So erwiderte sie denn:Der neue Tyras hat eine Geschichte. Er stammt aus Berlin, und die Ge­schichte erzähle ich dir nachher."

Damit war er zufrieden, vorläufig aber dachte hier niemand daran, das Gespräch auf die Ge­schichte des neuen Tyras zu bringen. Die beiden Großmütter hatten genug zu tun, den Enkel nach der Begrüßung mit Fragen zu überschütten. Auch an Gretels Krankheit dachten Die Damen jetzt nicht.

Bettina hatte eine Kleinigkeit im Städtchen be­sorgt und war mit einem Umweg nach Hause zu­rückgekehrt. Unterwegs sauste ein funkelnagelneues hellgraues Auto an ihr vorüber. Der Fahrer blickte gradeaus, sah sie nicht, aber sie hatte sofort Hans Syden erkannt. Sie blieb sekundenlang stehen, vom Schreck wie festgebannt. Schon seit Tagen hatte sie es sich vorgenommen, die beiden alten Damen und Gretel zu bitten, den Namen Dr. Diendorfs in ihren Gesprächen mit Hans auszuschalten, wenn er auf Weihnachtsbesuch käme. Aber immer hatte sie ihr Vorhaben wieder hinausgeschoben, weil ihr noch kein Grund eingefallen, der ihre gewiß sonderbar anmutenöe Bitte erklären konnte, und sie hatte sich immer damit getröstet: Kommt Zeit, kommt Rat! Erst in drei Tagen hatte Hans Syden heimkehren wollen, und sie wußte aus den Gesprächen mit Gretel, daß Hans noch nichts von ihrer Krankheit wußte und man ihm erst wenn er tarne, davon erzählen wollte und auch von dem gütigen Dr. Dien» borf und feiner Mutter, die Konrad Wilderlings Kusine war.

Der Hund aber sollte eine große Überraschung sein.

Und weil sie ihr Vorhaben törichterweise immer wieder aufgeschoben, war es nun wahrscheinlich zu spät dafür geworden. Auch war sie sich noch immer nicht darüber einig geworden, was für eine Aus­rede sie Vorbringen mußte, um den Großchens und Gretel ein völliges Verschweigen des Namens Diendorf vor Hans als wichtig hinzustellen und begreiflich zu machen.

Wie mußte Hans Syden erschrecken, wenn er im Waldschlößchen hörte, wo Großchen Jutta und Gretel in Berlin gewohnt, wer Gretel in ihrer Krankheit behandelt und sich ihrer angenommen, als die unangenehme Frau von Voßhardt anriet, sie ins Krankenhaus zu schaffen. Das mußte ihm ja seine Schuld gegen Diendorf doppelt stark ins Gedächtnis rufen, wenn er mit Diendorf auch quitt war seit jener Stunde im Wald, als Diendorf die Waffe gegen ihn gehoben.

In ihrem Kopf sauste und brauste es. Die Ge­danken schwirrten wild und erregt umher, suchten

einen Ausweg, suchten Hilfe, während doch inmitten all des Durcheinanders die Gewißheit thronte: Es ist zu spät. In spätestens einer Viertelstunde würde Hans Syden im Waldschlößchen fein und dann sah er natürlich gleich den Hund und alles weitere er­gab sich ganz von selbst.

Ob er sich dann zusammennehmen konnte, ob er dann nicht vielleicht Dinge verriet, die gar nicht mehr verraten zu werden brauchten?

Ihr Herz klopfte stürmisch vor Erregung und sie eilte nach Hause, nachdem sie sich entschlossen, noch jetzt ihr Heil zu versuchen. Ganz gleich, ob ihr Herz weh tat, wenn sie Hans Syden wiedersah.

Die Mutter befand sich im Laden. Sie sagte hastig:Ich möchte zu Gretel fahren, Mutter, mir ist etwas ganz Wichtiges eingefallen, was ich gern mit ihr besprechen möchte. Es hängt mit Weih­nachten zusammen."

Frau Hochwald nickte:Dann nur los Bettina- lein, für unsere Kundschaft genügt meine Be­dienung."

Es lag unendliche Zärtlichkeit in der Art, wie sie zu der Tochter sprach. Bettina verdankten ihr Mann und sie ja wieder ruhige Tage. Sie hatten Geld­sorgen gehabt, Bettinas Konzertteise aber hatte alle Sorgen verscheucht. Viel Geld hatte sie von unter» wegs schicken können und längst waren wieder Ruhe und Frohsinn daheim im Goldschmiedshause gegenüber dem steinernen Ritter.

Bettina holte ihr Rad und in sausender Fahrt ging es am Rhein entlang.

Ihr Kops schmerzte vom Grübeln, aber sie trat fest die Pedale und raste dem Waldschlößchen ent­gegen, kam gerade dort an, als sich Hans Syden eben in sein Zimmer begeben hatte, um sich ein bißchen zurecht zu machen zur Kaffeestunde, die in Großchen Juttas Wohnzimmer abgehalten werden sollte. Tyras bellte freudig, als Bettina, die er längst kannte, das Haus betrat und Gretel empfing sie mit strahlender Miene, verkündete:Hans ist vorhin angekommen, wir sind alle sehr froh, daß er sich früher freimachen konnte."

Bettina nickte nur.Natürlich ist das sehr schön." Sie fragte:Wo ist denn dein Bruder?"

Gretel lachte:Er macht oben Toilette. Wir wer­den gleich Kaffee trinfen. In einer Viertelstunde wird Hans wohl schon wieder unten sein."

Bettina atmete leichter. Jedenfalls konnte sie jetzt mit den beiden alten Damen und Gretel sprechen, anscheinend war der Name Diendorf bis jetzt noch nicht gefallen. Aber Sicherheit wollte sie haben.

Sie fragte hastig:Hast du deinem Bruder schon von deiner Krankheit erzählt, und woher Tyras stammt?"

Gretel schüttelte den Kopf.

Nein, das alles werden wir ihm erst am Kaffee­tisch erzählen."

kämpfen. Alle Anwesenden wurden von der Er­kenntnis durchdrungen, wie schön wir es doch in unserem geeinten, friedlichen Deutschland haben. Aus dieser Erkenntnis erwachse aber auch Me Pflicht, noch mehr wie bisher für den VDA. zu tun. Reicher Beifall lohnte die Rednerin. Einige neue Mitglieder wurden geworben und ein Vor­stand gebildet, dem auch Damen angehörten. Nach­dem man auch des Führers und Reichskanzlers gedacht hatte und nach dem Gesang des Deutsch­land- und Horst-Wessel-Liedes schloß der Leiter die erhebende und werbende Tagung. Heute wurde beim schönsten Herbstwetter derKalte Markt", ein Vieh- und Krämermarkt, für Homberg und die Orte seiner näheren Umgebung abaehalten. Auf dem Marktplatz waren viele 'Stände in langen Reihen aufgestellt. Viele Besucher hatten sich ein» gesunden. Ueberall sah man Leut- mit Paketen beladen. Darf doch das übliche Marktstück nicht vergessen werden! Auch für Unterhaltung und Ver­gnügen war gesorgt. Ein Kaspertheater unterhielt die Gäste. Vor der Stadthalle waren eine Schiff­schaukel und eine Schießbude aufgeschlagen. Und in der Stadthalle sowie im Saale des Frankfurter Hofes war Gelegenheit zum Tanzen.

Preußen.

Verurteilte Bibelforscher.

LPD. F r a n k f u r t a. M., 23. Okt. Vor dem Frankfurter Sondergericht hatten sich elf Personen, darunter fünf Frauen, wegen Fort-

Durch deine Spende für das TBf)TD. dienst du dem Aufbauwillen des Führers.

fetzung der seit dem 24. Juni 1933 aufgelösten Internationalen Bibelforscher - Ver­einigung zu verantworten. Von den Angeklag­ten wurden zwei freigesprochen, das Verfahren gegen einen wurde eingestellt, ein Angeklagter wurde zu 150 Mark Geldstrafe und die übrigen zu je einem Monat Gefängnis verurteilt. Das Gericht stellte fest, daß die verbotene Vereinigung fortgesetzt und daß u. a. zu Propagandazwecken eine Fahrt nach Mannheim veranstaltet wurde, wo Druck­schriften verteilt wurden. Die Angeklagten gaben auch das Vertreiben von Büchern in Frankfurt, Offenbach-Bieber und Heusenstamm, sowie Zu­sammenkünfte in Privatwohnungen zu. Die beiden freigesprochenen Angeklagten hatten sich an der Fahrt nach Mannheim beteiligt, lediglich um die Stadt zu sehen. Das Gericht war der Ansicht, daß die Angeklagten bewußt gegen das Verbot verstoßen haben. Die Tat als solche könne in keiner Weise milde angesehen werden, und nur aus persönlichen Gründen habe das Gericht bei den einzelnen An­geklagten eine mildere Beurteilung walten lassen, weil sie sich bisher nicht in staatsfeindlichem Sinne betätigten und geständig waren. Der zu einer Geldstrafe verurteilte Angeklagte hatte sich nur bei einer einzigen Gelegenheit beteiligt.

Kreis Wetzlar.

< Dornholzhausen, 23. Okt. Der hiesige Stützpunkt der NSDAP, veranstaltete an­läßlich seines zweijährigen Bestehens am vorigen Sonntagabend in der Turnhalle eine Feier, die von den Parteigenossen und Volksgenossen unseres Ortes stark besucht war. Im Verlause des Abends hielten Stützpunktteiter Reuter und Kreisleiter Haus Ansprachen. Der Männergesangoerein unter Leitung seines Chormeisters Degen, Großen-Linden, er­freute durch Gesangsvorträge. Ferner wurden Sprechchöre der HI. und des Jungvolkes, Gesangs- vorträge der NS.-Frauenschaft, turnerische Vor­führungen des Turnvereins und Gedichtvorträge ge­boten. Nach dem Schlußwort des Stützpunktleiters wurde der Abend mit dreimaligem Sieg-Heil auf

Mit Arbeit überlastet?

..auf Kaffee Hag umstellen!

In diesem Augenblick wurde ein Schritt auf der Treppe laut und Hans Sydens große Gestalt tauchte auf. Er stutzte, als er Bettina erkannte, dachte leicht verstimmt: Mußte sie ihm gleich am ersten Heim­kehrtag in den Weg kommen, an die er viel zu oft gedacht, feit er sie geküßt und sie ihm das Leben gerettet, an die er noch öfter gedacht, seit er sie in Frankfurt am Main von weitem wiedergesehen. Im Konzertsaal, umbraust vom Beifall. Bezaubernd in dem mattgrünen Samtkleid, eine bekannte und doch fremde wunderschöne Bettina.

Er grüßte in leichtem Ton. Hier ahnte ja nie­mand etwas davon, daß Bettina fein Leben be­schützt vor der Kugel eines rachsüchtigen Mannes.

Er reichte Bettina die Hand, sagte ein paar harmlose Worte, lachte Gretel an:Ich habe mir nur die Hände gewaschen, weil ich nämlich Mords­kaffeedurst habe."

Gretel lachte ihn auch an und schob Bettina sacht vor sich her.

Jetzt trinkst du natürlich Kaffee mit, Bettina."

Die war verzweifelt. Was sollte sie jetzt tun? Sie konnte sich nicht mehr einmischen, mußte abwarten und die Dinge zunächst gehen lassen. Sie richtete sich daran auf: Vielleicht war doch noch nicht jede Hoff­nung vorbei. Vielleicht blieb Hans Syden nicht allzu lange am Kaffeetisch sitzen.

Sie betrat mit den beiden anderen Gräfin Juttas Wohnzimmer und wurde von den beiden alten Darrten sehr lieb begrüßt. Dann saß sie Hans Syden gegenüber am geschmackvoll gedeckten Tisch, machte ein freundliches Gesicht und war doch bis zum Halse angefüllt von Angst, der Name Diendorf konnte fallen. Er fiel auch, gerade, als es Bettina am wenigsten erwartet hätte. Von Großchen Leonores Lippen fiel er deutlich und gewichtig in die Stille.

Großchens Leonore hatte gesagt:Wenn du nun wieder einmal in Berlin zu tun hast, lieber Hans, was doch häufig der Fall ist, muht du Herrn Dr. Gerhard Diendorf und feine Mutter besuchen, bei­den schulden wir nämlich vielen Dank."

Dr. Gerhard Diendorf! Großchen Leonore dachte nicht daran, den Namen besonders zu betonen, aber Bettina war es, als hätte ihn die Baronin Nott­feld überlaut hinausgeschrien. Ihr Auge suchte das Gesicht des ihr Gegenübersitzenden. Es hatte sich ver­ändert. Eben waren seine Züge beinahe fröhlich und wie gelost gewesen, jetzt aber schienen sie schärfer und älter geworden.

Hans Syden wollte fragen: Woher kennt ihr Dr. Diendorf? Unwillkürlich glitt sein Blick zu Bettina hinüber, begegnete ihrem Blick und scheinbar zu­fällig streifte Der Zeigefinger von Bettinas rechtem Hand ihre Lippen, blieb flüchtig darauf liegen.

Betina hoffte, er würde verstehen, sie bat ihn jetzt um Schweigen und Vorsicht.

(Fortsetzung folgte