Nr 249 Erster Blatt
185. Jahrgang
Donnerstag, 24. Oktober 1955
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MM General-Anzeiger für Oberhessen
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Die chinestschen „Aupeniünoer"
-Von B B eyhoeffer, Oberstleutnant a O.
Kürzlich meldete der Telegraph aus Tokio: „...In Hsindjiang ist eine chinesische Sowjetrepublik ausgerufen worden, deren Hauptstadt U r u m t s ch l ist; sie wird sich Sowjet-Rußland an« schließen ..." Was bedeutet diese Nachricht, derem Bestätigung, wie gleichzeitig aus Tokio gemeldet wird, „die Lage m China grundsätzlich ändern und Japan vor neue Entschliisse stellen würde, da damit die Sowjets weiter auf chinesischem Boden oorge- drungen wären, nachdem sie schon seit 1921 im tatsächlichen Besitze der Aeußeren Mongolei sind."
Hsindjiang gehört zu den chinesischen Außen- länüern, die sich, beginnend am Stillen Ozean, wie ein schützender Arm bis Indien hin entlang der russischen Grenze um den Kern, „das eigentliche China" legen. Zu diesen Außenländern gehörten dzw. gegoren Oie Manüjchurei, Mongolei, Hsindjiang (wir nennen es Chinesisch Turke st a n) und Tibet. Die umliegenden Großmächte haben seit der chinesischen Revolution für diesen Teil des Himmlischen Reiches ein besonderes Interesse gezeigt, nicht etwa m Richtung der kulturellen und wirtschaftlichen Weiterentwicklung, sondern wie sie Stücke davon von China l o s r e i ß e n und ihrem eigenen unersättlichen Magen einverleiben können. Namentlich Japan und Rußland sind daran beteiligt. Außer wirtschaftlichen sind weltanschauliche Gründe die Haupttriebfeder für das Dorgehen dieser beiden Staaten. Die Russen wollen diese Länder mit ihrem Bolschewismus be- Blüden, die Japaner wollen sie in ihrem eigenen nt^resse davor bewahren: sie wollen, wie die Römer einstmal an Germaniens Grenze einen limes Romanus erbauten, aus den „Auhenländern" ein limes Japanicus bilden zum Schutze Ostasiens gegen den russischen oölkerzerstörenden Bazillus.
Der Kamps um die Mandschurei ist bereits entschieden: die Russen sind gänzlich aus ihr vertrieben und das japanische Sonnenbanner weht über diesem Gebiet, das größer ist als Deutschland, Frankreich, Belgien und Holland zusammengenommen. Bevölkert ist diese neue japanische Provinz nur von runö 33,5 Millionen Menschen, während mindestens 75 Millionen darauf Platz ^aben. Don dieser Basis aus kämpft Japan mit zäher Energie um das nächste „Außenland", die Mongolei. 'Sie zerfällt in die Aeußere und Innere Mongolei. Die Innere Mongolei hatte nach der Revo- llution zunächst die chinesische Zentralregierung anerkannt; die Gründung von Mandschukuo hat aber Hinter sanftem Drucke von außerhalb ihre Unab- chängigkeitserklärung von China. Heute ist Je hol, «in Teil der Inneren Mongolei, bereits japanisch und der Rest wird bald denselben Weg gehen Ob die Innere Mongolei an Mandschukuo vn geschlossen werden oder em eigenes Staatswesen Gilden wird, läßt sich zur Zeit nicht erkennen. Nur ffoviel ist klar, daß China auch diesen Teil seiner Außenländer verloren hat. Die Aeußere Mongolei hat sich bereits vor einer Reihe von Jahren umter russischem Einlluß, wider ihren eigenen Wil- llen, zu einer Sowjetrepublik erklärt mit der jHauptstadt Ulanbator Choto — Stadt des Roten Reiters (früher U r g a). Schon lange ist man der russischen Herrschaft überdrüssig. Ohne fremde Hilfe kann man sich aber aus der festen Umarmung nicht lösen; die Mongolen wünschen nichts sehnsüchtiger, nls von der kommunistischen Herrschaft befreit zu werden Der Boden ist hier für japanische Wünsche gut vorbereitet.
Weiter nach Westen schließt sich als nächstes Außenland das eingangs erwähnte „Chinesisch- Turkestan" an, am weitesten entfernt vom Sitze )>er chinesischen Zentralregierung (pon Nanking bis inr Grenze rund 2000 Kilometer). Es führen dorthin nur schlechte Straßen durch teilweise sehr hohe Gebirge, Eisenbahnen fehlen ganz. Es ist daher am schwersten von der chinesischen Zentrale aus zu be- ireucn, welche aber gerade in der letzten Zeit erhebliche Anstrengungen (Flugzeuge) zur Ueberwin- lung dieser Schwierigkeiten macht. Anscheinend ist tts ihr aber nicht gelungen, dieser Schwierigkeiten Öerr zu werden: in den Kämpfen zwischen der chinesischen Zentralregierung und den Kommunisten m Mittel-China behielt die erstere die Oberhand; iimem Teile der letzteren gelang es aber, aus der Drovinz Setschuan nach Chinesisch-Turkestan zu (tntfommen und sich so mit den dortigen Gesin- ? ungsgenoffen unter dem starken Schutz von Mos- loau zu vereinigen
Nunmehr soll sich also auch dieser Teil „der Äußenländer" zu einer Sowjet-Republik irPIärt haben. Diesen neuen bolschewistischen Erfolg kann Japan nicht ohne Gegenwehr hin- ftehmen; der Bau des „limes Japanicus“ würde an dieser Stelle eine Lücke aufmeifen, durch welche tDlschewistische Ideen unmittelbar ins chinesische Meid) importiert werden könnten. Außerdem hat Jiapan sich schon seit längerer Zeit in die Politik tiefes Gebietes eingeschaltet und würde durch die neuesten Ereignisse stark in feiner gewonnenen Po- [iion bedroht werden. Im vorigen Jahre gab es in Lefem Teile Chinas einen großen Aufstand, bei 6*m, wie es scheint, Japan seine Hand im Spiele 0-habt hat. Die Bewohner dieses Landes sind meist f: nnitische Türken. Im Gebiet von K a s ch g a r Hütte die Vorherrschaft ein mohammedanischer General, der in der Aufstandsbewegung gegen die chi- n fische Oberherrschaft eine große Rolle gespielt hat. vDm werden Beziehungen zu Japan nachgesagt. In lofio hielt sich damals der inzwischen oerftörbene türkische Prinz Abdul Kerim auf, dem in Chi- n sisch-Turkestan eine gleiche Rolle zugedacht gc= ®2fen sein soll, wie dem chinesischen Erkoiser luyi, jetzt Kaiser Kang-te von Mandschukuo. wipan hat auch deshalb an Chinesisch-Turkestan
Laval über die Aussöhnungspolitik Frankreichs.
Der Ministerpräsident berichtet über die BereriwrlNgkeit Italiens zur Verminderung der (Streitfrage in Libyen.
Paris, 23. Oft. (D71B.) Ministerpräsident £ a - Dal hat am Mittwochnachmittag dem Auswär - tigen Ausschuß der Kammer einen Ueber- blick über die außenpolitische £age gegeben und den Abgeordneten auf ihre Fragen wegen der Haltung Frankreichs im ttaliepisch-abessinischen Streitfall Antwort erteilt. Laval soll den Ausschuß über eine ihm zugegangene Mitteilung Mussolinis unterrichtet haben, daß Italien eine von den in Lybien stehenden Divisionen zurückziehen werde in der Erwartung, daß die englische Regierung eine entsprechende Maß- nähme bei ihren Streitkräften im Mittelmeer ergreife. Das „Echo de Paris" glaubt zu wissen, daß sich Laval am Mittwochvormittag vor feinem Erscheinen vor dem Ausschuß telephonisch von Mussolini aus Rom die Ermächtigung geben lieh, die Nachricht von der Zurückziehung einer italienischen Division aus Libyen bekanntzugeben. Mussolini habe Laval geantwortet, er erblicke in dieser Bekanntgabe nichts Nachteiliges. Laval habe ferner folgendes auseinandergesehl: England habe auf Grund einer italienischen Herausforderung — Drohung der presse, Malta zu bombardieren — seine Mittelmeerflotte verstärken zu müssen geglaubt Er, Laval, habe England und Italien wissen lassen, daß er diese Handlungsweise natürlich finde und daß Frankreich in einem entsprechenden Falle vielleicht ebenso gehandelt hatte, daß aber diese Handlungsweise Zwischenfälle Hervorrufen könne und nicht dazu angetan fei, die Beziehungen wieder in Ordnung zu bringen. Er habe daher den Wunsch geäußert und er erneuere ihn, ohne damit die Entschluhsreiheit Englands beeinflussen zu wollen, England möge wenigstens einen Teil feiner Flotte aus dem Mittelmeer zurückziehen.
Die Ankündigung von der Zurückziehung italienischer Truppen aus Libyen wurde vom Ausschuß als erstes und bedeutendes (Ergebnis der auf den Frieden gerichteten Bemühungen Lavals bezeichnet In liebereinftimmung mit dem Ministerpräsidenten gab der Ausschuß dem Wunsche Ausdruck, daß diese Geste in England als der Beweis der künftigen Einstellung der italienischen Regierung anerkannt werde, und daß England als Gegenmaßnahme eine Verminderung seiner Flotte im Mittelmeer vornehmen möge.
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Der Ministerpräsident betonte weiter, daß Frankreich mit dem festen Willen handeln werde, allen Verpflichtungen des Pattes nachzukommen, in der ständigen Sorge, im Rahmen des Völkerbundes eine Aussöhnungsmöglichkeit zu finden, die geeignet fei, den Frieden zu sichern.
Dem Bericht Lavals folgte eine sehr ausgedehnte Aussprache. Drei Stunden lang mußte Laval dem Kreuzfeuer der Fragen standhalten, die sich besonders auf die möglichen Folgen bezogen, die das Schulbeispiel des abessinischen Streitfalles i n d e r Zukunft haben könnte. Es kam zu einer lebhaften Auseinandersetzung über die Auslegung des Art. 16 des Völkerbundspaktes und über den Grundsatz des gegenseitigen Beistandes zwischen Völkerbundsmitgliedern im Falle eines
nicht herausgeforderten Angriffes in der Zukunft. Laval wies auf die mit England erzielte Einigung hin, die einen gegenseitigen Beistand aller Völkerbundsmitglieder für den Fall vorsehe, daß einer von ihnen angegriffen werde, als Vergeltungsmaßnahme wegen gemeinsamer Sühnemaßnahmen. Auf eine Zwischensrage hat Laval erklärt, wenn Italien als Angreifer gegen die englische Flotte vorginge, die Sühnemaßnahmen Geltung zu verschaffen suche, so würde Frankreich der
britischen Flotte unverzüglich seinen Bei st and leihen. — Nach dem „Journal" wurde von marxistischen Mitgliedern des Ausschusses auf die finanzielle Hilfe hingewiesen, die Frankreich Oesterreich gewährt habe, Oesterreichs Undankbarkeit bekrittelt und der it a l i e n i s ch e Einfluß auf eine von Starhemberg beherrschte Regierung beanstandet. Laval habe darauf erklärt, daß Frankreich nicht in die innere Politik Oesterreichs emzugreifen habe.
Rom sieht noch keinen Grund zum Optimismus. Italien erwartet Rücknahme der Sanktionen. - Die direkte Aussprache mit London geht weiter.
Rom, 23. OH. (DRB.) Am Mittwochabend wird von zuständiger Stelle mit größtem Nachdruck darauf hingewiesen, daß auch nach der in den letzten Tagen eingetretenen Entspannung der gute Wille, den Baldwin und Hoare bekundeten, noch nicht in ausreichender Weise in Taten um* gesetzt worden sei, und daß insbesondere die ingang gesetzte Genfer Sanktionsmaschine noch nicht zum Stillstand gebracht worden sei. Solange das nicht der Fall sei, könne man in Italien keine Genugtuung über die verschiedenen Anzeichen einer Entspannung empfinden und der weiteren Entwicklung keineswegs mit be- fonberem Optimismus entgegensetzen.
Auf den Appell des englischen Außenministers zu Verhandlungen in letzter Stunde wird in Rom erwidert, daß sich Italien niemals geweigert habe, zu verhandeln. Rom habe lediglich unannehmbare Vorschläge zurückgewiesen, habe aber wiederholt und auch in der letzten Zeit, so vor 14 Tagen, in London die Initiative zu einer Erörterung der abessinischen Frage unter den drei hauptinteressenten ergriffen. Man nimmt in Rom an, daß die gegenwärtigen diplomatischen Besprechungen weitergeführt werden können. Dabei soll jetzt die Frage eines Zuganges Abessiniens z u m Meere im Vordergrund stehen, für den Italien an Stelle von Englifch-Zeila einen Hasen an der Küste von Erylhräa in Vorschlag bringt. Inwieweit die eigentlichen italienischen Ansprüche aus die Grenzprovinzen von Tigre bis hinunter nach Ogaden bereits jetzt einem Gedankenaustausch zwischen Frankreich und England unterliegen, steht noch dahin.
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Das halbamtliche „Giornale d'Italia" unterstreicht nach einigen liebenswürdigen Eingangsworten in alter Schärfe die üblichen Bedenken und Einwände gegen England. England habe in Genf alle Initiativen ergriffen und verstehe, alle Länder der Welt unter dem englischen Druck zusammenzufafsen. Besonders wird die Äeuße- rung hervorgehoben, daß eine Lösung des Streits von den Parteien Italien, Abessinien und dem Völkerbund angenommen werden müsse. Heute wisse jeder, daß Abessinien nicht selbständig handele, sondern den Ratschlägen Englands folge, das nicht gezögert habe, es zu bewaffnen
und seine Widerstandskraft zu stärken. Das gleiche lasse sich vom Völkerbund feststellen. Nochmals werde hiermit also klargestellt, daß sich heute Italien stets England gegenüber finde. Sehr entschieden müsse gefordert werden, daß Genf auch dem neuen Faktor Rechnung trage, daß sich so zahlreiche Eingeborene unterwürfen und hiermit die Spaltung zwischen Mittelabessinien und den Randgebieten ganz offenbar werde. Der gute Wille, von dem Hoare gesprochen habe, könne sich in einer offenen und verständnisvolleren Prüfung des italienischen Standpunktes und einer Aenderung der überstürzten und ungerechten Stellungnahme gegenüber Italien andeuten. — „Tribuna" fordert, daß die englischen Ministerreden zu einer Demobilisierung des ganzen Gefüges führen müßten, das sich heute angreiferifch gegen Italien richte und durch die Tatsache der Flottenzusammen- ziehung im Mittelmeer und der Militarisierung Aegyptens und Palästinas gestützt werde. Auch wirtschaftliche Sühnemaßnahmen bezeichnet das Blatt als einen schweren „Urteils- und Derfahrens- irrtum des Völkerbundes". Es gebe keine Vergleichsfälle für ihre Anwendung. Es fei nicht zulässig, heute von neuen Versuchen zu sprechen, nachdem der Völkerbund eine ganz andere Haltung in früheren Streitfällen eingenommen habe.
Widersprechenve Nachrichten.
Wer soll mit dem Rückzug beginnen?
London, 24. Okt. (DNB. Funkspruch.) Hier einlaufende Nachrichten über eine angebliche Bereitwilligkeit Mussolinis, eine italienisch« Division aus Libyen zurückzuziehen, lauten sehr widerspruchsvoll. Während der diplomatische Berichterstatter von Reuter in London erfahren haben will, daß die italienische Regierung die Zurückziehung der Division angeord- n e t habe, ohne dafür eine britische Gegen- lei st u n g zu fordern, meldet der römische Berichterstatter des Reuter-Büros, daß ihm von maßgebender italienischer Seite erklärt worden sei, falls sich die angeblich von der britischen Regierung ange- oröriete Zurückziehung von zwei Schlachtschiffen aus dem Mittelmeer bestätige, werde Jtaliep möglicherweise einen Teil seiner Streitkräfte aus Libyen zurückziehen, obwohl diese beiden Maßnahmen nichts miteinander zu tun hätten. „Daily Telegraph" hört, Mussolini habe das Angebot gemacht, eine' Division aus Libyen zurückzuziehen. Diese Division werde aber nicht nach Italien zurückkehren, sondern nur nach Tripolis verlegt werden.
ein besonderes Interesse, weil es an Indien grenzt und die russische Aeußere Mongolei umklammert. Durch die neueste Entwicklung steht Japans Stellung auf dem Spiele: Rußland hat den Vorteil der räumlichen Nähe geschickt ausgenutzt: es scheint ihm gelungen zu sein, auch dieses Gebiet, wie die Aeußere Mongolei zu sich hinübergezogen zu haben. Ohne Zweifel wird Japan demnächst geeignete Gegenmaßregeln treffen.
Das letzte Außenland ist Tibet, das südlich an Indien grenzt und östlich wieder an das „eigentliche China" anschließt. Die Hauptinteressenten sind hier außer China die Engländer. Es gibt im Lande eine pro- und eine antichinesische Gruppe; außenpolitisch ist der größere Teil der Tibetaner für ein Zusammengehen mit den Engländern, ein Teil neigt zu Rußland, ein anderer aber auch zu Japan hin Das Ringen um die Vorherrschaft in den chinesischen Außenländern zwischen Rußland und Japan geht weiter, wie denn überhaupt die Gegensätze auf der ganzen Linie in Ostasien zwischen den beiden Ländern unter der Oberfläche weiterschwelen: eine kriegerische Verwicklung Rußlands an seiner Westgrenze würde die Flammen wieder hervorbrechen lassen und vermutlich all seine Gebäude östlich des Baikalsees in Asche verwandeln.
Einschränkung des Zeitungsumfangs in Italien.
Rom, 23. Oft (DNB.) Das Ministerium für Presse und Propaganda hat die Direktionen der italienischen Tageszeitungen ersucht, vom 5. November ab sämtlichen Zeitungen keinen größeren Umfang als sechs Seiten zu geben.
Starke Senkung der Mrmetadenpreise.
Berlin, 23. Okt. (DNB.) Wie im Vorjahre werden auch im Wirtschaftsjahr 1935/36 die g e - bräuchlichsten Brotaufstrichmittel, das sind Vierfurcht- und gemischte Marmelade, Pflaumenmus, Apfelweinnachpreßgelee und Apfelbrei, wieder stark verbilligt werden. Zu diesem Zweck hat die wirtschaftliche Vereinigung der beut« scheu Zuckcrwirtschaft ganz erhebliche Beträge zur Verfügung gestellt, die es ermöglichen werden, den Ladenpreis der Marmeladen und Gelees, der zur Zeit auf etwa 45 Pf. steht, auf 32 P f. je Pfund herabzusetzen.
Die verbilligten Brotaufstrichmittel werden in besonders gekennzeichneten Großpackungen an den Einzelhändler und lose an den Verbraucher ausgewogen. Sie sollen vom 6.November ab in allen Läden zum Verkauf stehen. Es wird dabei erwartet, daß etwaige Uebergangs- schwierigkeiten von der Bevölkerung verständnisvoll ausgenommen werden. Es werden etwa zwei Millionen Zentner, das ist die dreifache Menge der im Vorjahre ausgegebenen A u f ft r i ch m i 11 e l, zu dem verbilligten Ladenpreis von 32 Pf. abgegeben werden.
Damit ist sichergestellt, daß die verbilligte Marmelade allen Haushaltungen im kommenden Winter und Frühjahr in so reichlichem Maße zur Verfügung steht daß dadurch der Bedarf an fetthaltigen Brotaufstrichmitteln wirkungsvoll ergänzt werden kann.
Besonderer Wert wird wieder auf die Quali - t ä t der Brotaufstrichmittel gelegt. Es sind deshalb für die Herstellung über die bisherigen gesetzlichen
Vorschriften hinaus verschärfte Bedingungen vorgeschrieben worden. So dürfen z. B. die Marmeladen nicht nur aus Zucker und einfachen Obstsorten bestehen, sondern sie müssen gleichzeitig erhebliche Mengen von Edelobst enthalten. Dem Verbraucher wird also neben oder trotz erheblicher Verbilligung eine in der Qualität wesentlich verbesserte Marmelade geboten.
Mit der Durchführung der Maßnahme ist die Hauptvereinigung der deutschen Garten- und Weinbauwirtschaft betraut worden. Sie wird insbesondere die Durchführung der Anordnungen über die Qualitätsverbesserung genau überwachen und darauf achten, daß die oerbilliaten Brotaufstrichmittel nicht an gewerbliche Betriebe und Unternehmungen, wie z. B. an das Hotelgewerbe, an Gaststätten, Bäckereien, Konditoreien usw, abgegeben werden.
Kleine politische Nachrichten.
Im Programm des W i n t e r h i l f s w e r k s tritt folgende Aerrderung ein: Der Tag der nationalen Solidarität wird nicht am • 14., sondern bereits a m ,7. Dezember abgehalten. Die erst Straßenfammlung findet am 3. November statt.
♦
. Der Führer und Reichskanzler emp- sing am 23. Oktober den Bundesführer des Deutschen Reichskriegerbundes „K y f f h ä u s e r", Oberst o. D. Reinhard, zum Vortrag.


