Ausgabe 
24.7.1935
 
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während der Bauzeit des Suezkanals wurde I s» mael Khedive von Aegypten. Die Kosten des Baues und seine Verschwendungssucht für die Eröss- nungsfeierlickkeiten hatte er allein 20 Millionen Franken aufgewendet führte zu seinem finan­ziellen und politischen Bankerott, der es 1875 dem englischen Ministerpräsidenten D i s r a e l i möglich machte, die Aktienmajorität der Kanal­gesellschaft zu erwerben und so mit diesem Rechtstitel die politische Rivalität Fran k- r e i ch s zu überflügeln. Disraeli wurde durch die­len Handstreich, der ihm im folgenden Jahre von der dankbaren Königin Viktoria mit dem Titel eines Lord Beaconsfield belohnt wurde, zum eigent­lichen Begründer und Festiger des modernen eng­lischen Imperiums und seiner Lebensachse vom euro­päischen Mutterland zum indischen Kaiserreich. In notwendiger Konsequenz dieser Politik benützte Eng­land einen im Jahr 1881 in Aegypten ausgebroche­nen Aufstand, um das Land nach seinem Siege von Tell-el-Kebir militärisch zu besetzen und jene Periode englischer Verwaltung und Herrschaft in Aegypten einzuleiten, die es bis zum Weltkrieg un­angefochten aufrecht erhielt.

Die nach dem Weltkrieg in der mohammedani­schen Welt entstandene Unruhe und Selbständig­keitsbewegung hat bekanntlich die Stellung Eng­lands in Aegypten vor neue schwierige Probleme gestellt, deren Lösung die Londoner Regierung zur Zeit noch beschäftigt. Der Besitz und die Wichtig­keit des Suezkanals machen es für sie notwendig, an der militärischen Besetzung Aegyptens und an dem Grundsatz festzuhalten, daß auch eine nominell selbständige ägyptische Regierung keine diplomati­schen Verträge mit anderen Ländern schließen darf, durch die die englische Vorherrschaft bedroht würde.

Der Krieg, der um die Herrschaft in Abessinien auszubrechen droht, bedeutet für die Frage des Suez­kanals und die englische Stellung in Aegypten eine neue Entwicklung, die voll von Un­sicherheiten und Gefahren ist. Die Entstehung eines großen italienischen Kolonialreiches im Roten Meer verändert die machtpolitische Lage in jenen Gebieten, die für England die Brücke nach Indien be­deuten und in denen sein Einfluß bisher ohne Kon­kurrenz war. Das englische Kabinett steht deswegen in der abessinischen Frage vor schweren Entschei­dungen, bei denen es nur äußerlich um den Völker­bund, in Wirklichkeit aber um den unversehrten Bestand des enmuchen Imperiums geht.

Auflösung derDeutschen Iugendkrast" in Baden.

Karlsruhe, 24.Juli. (DNB.) Amtlich wird mitgeteilt: Seit Monaten mußte die Beobachtung gemacht werden, daß die außerhalb der Staatsjugend stehenden Jugendver­bände und -Vereinigungen ein Gebaren an den Tag legten, das in einem geordneten Staatswesen auf die Dauer nicht geduldet werden kann. In Verkennung ihrer Aufgabenkreise und unter Anmaßung eigener politischer Zielsetzun­gen wußten sich diese Organisationen in einem mehr oder minder bewußten Gegensatz zum Staat und zur nationalsozialistischen Bewegung. Diese bestritten der Staatsjugend das ausschließliche Recht, die Heranwachsende Gene­ration zum Zwecke der politischen Erziehung in ihren Reihen zu erfassen, und gefährdeten dadurch letzten Endes die politische Einigkeit unseres Volkes in der nationalsozialistischen Idee.

Infolge dieser staatsfeindlichen Haltung fanden sie aber gerade bei den Besten unserer Jugend keinen Anklang, sondern sammelten bei sich großen­teils Elemente, die weniger an fruchtbringender Er->chungsarbeit als an einem ungezügelten Rowdytum interessiert waren. Die Ausschreitungen, insbesondere Ueberfälle auf einzelne Angehörige der Hitler-Jugend und des Jungvolks, mehrten sich zu­sehends, so daß sich der Mini st er des Innern vor einigen Wochen genötigt sah, den nichtnational­sozialistischen Jugendverbänden das Tragen von Uniformen und die öffentliche Be­tätigung unter freiem Himmel zu ver­bieten, um dadurch den sicherheitsgefährdenden Zusammenrottungen vorbeugend.zu begegnen. Die Ueberfälle nahmen ihren Fortgang. In erster Linie waren daran Angehörige der Deutschen Jugendkraft beteiligt, einer Organisation, die sich hauptsächlich mit Sport befaßte und sich unter religiösen Vorwänden dadurch bemühte, der Hitler-Jugend Abbruch zu tun. Zur Beseitigung dieser Mißstände hat der Minister des Innern die OrganisationDeutsche Jugendkraft" mit allen Untergliederungen unter gleichzeitiger Beschlagnahme ihrer Vermögen aufgelöst und verboten.

Ferner wurde in Erweiterung der früheren An­ordnungen den nichtnationalsozialistischen Jugend­organisationen und denjenigen, die sich mit der Be­treuung der Jugend befassen, jede Betäti­gung unter freiem Himmel sowie Turnen und Sport in geschlossenen Räumen untersagt und damit die Beschrän­kung dieser Organisationen auf die ihnen überlasse­nen religiösen, kulturellen und chari- tativen Aufgaben garantiert.

Katholik und Mionalsozialifl.

Eine Erklärung des Abtes Schachleitner.

München, 24. Juli. (DNB.) Abt Albanus Schachleitner, Osb., ersucht denVölkischen Beobachter", folgende private Mitteilung zu ver­öffentlichen: In letzter Zeit häufen sich in meinem Briefwechsel Anfragen aus allen Teilen Deutschlands, ich möchte doch über diese und jene aktuelle Frage meine persönliche Meinung dartun. Don vielen Arbeiten in Anspruch genommen, kann ich auf diese Anfragen nicht einzeln antworten. Hier das, was ich all diesen Fragestellern zu sagen habe: Jetzt erst recht! In unerschütterlicher Treue stehe ich zum Führer! Ich erblicke die mir von Gott für den Abend meines Lebens gestellte Aufgabe darin, den Volksgenossen im In­land und Ausland zu geigen, daß man und wie man derstrenggläubigeChrist (in meinem Falle: Katholik) und zugleich kämpfend und opfernd der begeisterte National- s o z i a l i st sein kann."

Auflösung desReichsbundes katholischer $ronffämpfer*.

Berlin, 23. Juli. (DNB.) Der Amtl. Preu- ßische Pressedienst teilt mit: Der preußische Mi- nisterpräsident hat auf Grund der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 denReichsbund katholischer Front­kämpfer" einschließlich seiner Untergliederungen aufgelöst, weil die Duldung konfessioneller Front­kämpferbünde geeignet ist, zur Spaltung der Volks­gemeinschaft zu führen und in die Frontkämpfer konfessionelle Gegensätze hineinzutragen.

England verstärkt seine Lustwaffe.

parlamentarische Kritik am deutsch-britischen Flottenabkommen.- Lloyd Georges Vorstoß zurückgewiesen.

London, 23.Juli (DNB.) Im Unterhaus fand am Montag eine Aussprache über den Flotten­oorhaushalt und den Zusatzhaushalt der Luftstrelt- kräfte statt. Im Vordergrund der Aussprache stand das deutsch-englische Flottenabkommen.

Der Konservative Vizeadmiral Campbell wies auf die Leistungen der deutschen Flotte im Welt­kriege hin. Die deutschen Schiffe seien den englischen in jeder Hinsicht in der Konstruktion und sehr oft in ihren Leistungen überlegen gewesen. Es sei eine Benachteiligung für England, daß Deutschland seine Flotte nur für Zwecke der Heimatverteidigung zu bauen habe, während England an seine Uebersee- besitzungen denken müsse. Er hoffe sehr, daß Eng­land weiterhin sich energisch für die Abschaffung der U-Boote einsetzen roetbe.

Lloyd George

erklärte unter großer Spannung des Hauses: Am meisten habe ihn derjenige Teil des Abkommens betrübt, in dem England nickt nur die bestehende Zahl der deutschen U-Boote angenom­men, sondern sogar mit Deutschland abgemacht habe, daß es unter gewissen Umständen noch viel mehr 0-Boote bauen könne. Angesichts der Erfahrungen Englands im Weltkriege halte er diesen Umstand für außerordentlich. England sei beinahe durch die deutschen U-Boote besiegt worden, es habe wenige Wochen vor dem Hungertode gestanden. Wenn es kein Gegenmittel gefunden hätte, wären England und seine Verbündeten geschlagen worden und Deutschland hätte triumphiert. Er stimme mit Ad­miral Campbell darin überein, daß der U-Boot- Krieg die grausamste Kriegsmethode sei. Er könne nicht verstehen, warum die englische Regierung biez Gelegenheit, d i e U-Boote völlig abgu» schaffen, nicht benutzt habe. Er glaube, daß Deutschland zu einer Zusammenarbeit für die Ab­schaffung der U-Boote bereit gewesen wäre.

Oer Erste Lord der Admiralität Sir Bolton Eyres Monse'l erklärte, die Admiralität begrüße den Vorschlag eines großen Staates wie Deutschland, seine Flotte für immer auf ein Verhältnis zur englischen Flotte festzulegen. Wir hätten es viel lieber, wenn Deutschland keine U.-Boote hätte, aber wir können diese 35 v. H. ohne übertriebene Besorg- n i 5 annehmen. Man muß sich daran erinnern, daß das Abkommen, das wir zu erzielen hoffen, überhaupt keinen Wert hätte, wenn Deutschland nicht daran teilnehmen würde. Ich bin erstaunt, daß die internationalen Mitglieder des Unterhauses, wenn ich sie so nennen darf, einen Schlaganfall erleiden, weil nach Mo­naten und Jahren des Schwätzens etwas getan wird. Wir haben etwas getan. (Beifall.) Daß wir es schnell getan haben, scheint diese Leute noch mehr in Schrecken zu versetzen.

Ich möchte die Kritiker und besonders Lloyd George fragen: Was würden Sic getan haben? Wie würde Lloyd George Deutsch- land daran verhindert habe, Kreuzer zu bauen, was würde er getan haben, wenn Deutschland 50 Kreuzer verlangt hatte? Deutschland hätte 100 v. h. unsere Flotte verlangen können. An­genommen, es hatte das getan: Welches waren die beiden Möglichkeiten Englands gewesen? Eine Möglichkeit ist, Deutschland mit Gewalt am Bauen z u verhindern. Ist irgend jemand bereit, das zu tun? Die andere Möglichkeit ist, eine große Verstärkung unserer eigenen Flotte durchzuführen. (Beifall.) Das hatte ungeheure Ausgaben mit sich gebracht. Ich glaube, daß wir uns selbst und der Welt im allgemeinen einegroheDohl- t a t erwiesen, als wir das deutsche Angebot

Frauen und Kinder durch eine englische Blockade ausgehungert würden.

Der Führer der Arbeiteropposition, Lansbury, erklärte, daß die ganze Abrüstungspolitik und damit die Politik der enalischen Regierung völlig ge­scheitert seien. Lansbury wiederholte seinen Vor­schlag, daß die englische Regierung eine neue inter­nationale Abrüstungskonferenz einberufen solle.

Das Unterhaus lehnte dann den Antrag der Ar­beiterpartei auf Herabsetzung des Flottenoorhaus­halts mit 247 gegen 44 Stimmen ab.

Luftfahrt - Minister Sir p. Eunliffe- Lister brachte dann einen Antragfür die Verstärkung der englischen Luft- streitkräfte um 1 2 0 0 0 Mann" ein, womit das Unterhaus in eine Aussprache über den zusätzlichen Haushalt für die Luftflotte von über fünf Millionen Pfund Sterling für die Aufrüstung der Luftflotte einging. Der Luft­fahrtminister erklärte, die Grundlage, auf der das ganze Programm beruht, ist die Erklärung der deutschen Regierung, über ihre Absicht,

Köln, 23. Juli. (DNB.) Die Abordnung der British Legion traf am Montagabend mit einem Dampfer in Köln ein. Am Anlegesteg hatten zwei Ehrenstürme der NSKOV. und des Kysshäuserbun- des Aufstellung genommen. Die Spitzen der Partei, der Behörden, der NSKOV. und des Kyffhäuser- bundes hatten sich zum Empfang an der Landungs­brücke eingefunden. Außerdem waren zahlreiche in Köln wohnende Mitglieder der British Legion er­schienen. Als die Gäste dann die Front der Ehren­stürme abschritten, wurden sie von der großen Menschenmenge mit begeisterten Heilrufen empfan­gen.

Die Abordnung der British Legion legte Diens­tag vormittag an den Gräbern der englischen und der deutschen Kriegsopfer Kränze nieder. Nach einer Gedenkfeier an der Heldenstätte auf dem Südfried­hof begaben sich die britischen Frontsoldaten zum Kölner Rathaus, wo sie im historischen Muschel- saal von Oberbürgermeister Dr. Riesen im Namen er Stadt Köln empfangen wurden. Auch hier hatten sich wieder die Spitzen der Partei und Behörden so­wie der Frontkämpferverbände versammelt.

Bei einem kleinen Frühstück, das die Stadtver­waltung zu Ehren der Gäste gab, hieß zunächst Oberbürgermeister Dr. Riesen die englischen Front­soldaten aufs herzlichste willkommen. Gauleiter Staatsrat Grohs betonte, daß er die Gelegenheit wahrnehmen wolle, um sich zum Sprecher der Ju­gend zu machen. Ausdrücklich könne er hier erklä­ren, daß die deutsche Jugend nicht im kriegerischen Geiste, sondern im Gei sie aufrichtigen Friedens erzogen werde. Die Jugend wisse, daß die höchste Ausgabe und Verpflichtung in der Erhaltung arteigenen Blutes liege. Sein Wunsch sei, daß die Jugend unseres Volkes und die des englischen in jenem Geiste groß wer­den möge, der den Frieden der Welt sichere; denn in dieseyi Frieden liege die Garantie für den wirt­schaftlichen und kulturellen Aufstieg. Die Jugend unserer beiden Völker möge fortsetzen, was die Frontkämpfer unter großen Bemühungen begon­nen hätten. Im Namen der Abordnung der

eine £uffffreiffraft zu haben, die bet f ranz öf Ischen gleichkomme. Es han.

beit sich um die Ziffer von 1500 Frontflugzeu- gen, ausschließlich der Ueberseegeschwaber. Die Zahl ber Fliegerschulen werbe von fünf auf zehn erhöht. Insgesamt mühten 50 neue Flug- zeugstühpunkte, darunter 41 neue Flug­plätze, errichtet werben.

Unterstaatssekretär Sir Philipp Sassoon er­klärte, daß die englische Regierung bestrebt sei, beit Westluftpakt sobald w i e möglich ab, zuschließen, während ber Gedanke einer in. ternationalen Polizei macht augenblicklich völlig in der Luft schwebe.Wenn es uns nur gelingen würde, den Westlustpakt zu erzielen, dann würde e r für den Augenblick die internatio­nale Polizeimacht Europas sein."

Der Antrag der Arbeiterpartei auf Herabsetzung der Mannschaftsoerstärkung um tausend Mann wurde mit 224 gegen 44 Stimmmen abgelehnt Der Zusatzhaushalt des Ministeriums in Höhe von 5 335 000 Pfund Sterling wurde mit 195 gegen 42 Stimmen angenommen.

Britifh-Legion dankte Major Fetherstone- G o d l e y für die überaus herzliche Begrüßung. Gr fei der Ueberzeugung, daß diejenigen am ehesten den Krieg verhüten könnten, die den Krieg felbf: mit feinen Schrecken miterlebt hätten. Er Hall­es für eine absolute Notwendigkeit, der Jugend zu zeigen und zu lehren, was die Soldaten selbst durch praktische Erfahrung in sich ausgenommen hätten, und er betrachte es als eine Pflicht, sich selbst, den, Vaterlande und der Zivilisation gegenüber das Er­lebnis des Frontsoldaten in besonders starker Wejsi der Jugend nahe zu bringen. Kapitän Hawe; sprach im Namen seiner Kameraden Reichskriegs­opferführer Oberlindober und allen denen, die sich während ihres Aufenthaltes in Deutschland um sie bemüht hätten und die Reise so interessant gestalteten, den herzlichsten Dank aus.

Reichskriegsopferführer Oberlindober be­tonte, daß die englischen und deutschen Kameraden vom ersten Tage des Zusammentreffens an bemüh! gewesen wären, Kameradschaft zu halten, und dah man auf dem Wege dieser Bemühungen eigentlid) Freunde geworden sei. So stelle er sich auch den Weg unserer Volker vor. Jetzt sollen diejenigen, die im Kriege die Waffen gegeneinander geführt haben, sich zusammenschließen, nicht, um sich erneut zu bekämpfen, sondern um das Leben der Besten ihre- Volkes zu erhalten. Er überreichte den Gästen die goldene Ehrennadel der NSKOV. und bat sie, dieses Ehrenzeichen nicht nur als Anden/m, sondern auch als Verpflichtung für-lnt spätere Zukunft entgegenzunehmen. Mit den Wor­ten:Wir stehen zu Ihnen, stehen Sie zu uns" schloß Oberlindober seine Ausführungen. Major Fetherstone-Godley dankte bewegt für diese Ehrung. Nach dem Empfang trugen sich die englischen Gäste in das Goldene Buch der Stadt Köln ein.

Die Abordnung trat am Nachmittag mit dein fahrplanmäßigen FD=3ug nach Holland die Rück­fahrt in ihre Heimat an. Vor dem Hauptbahnhos hatten sich große Menschenmengen eingefunden, die den britischen Frontsoldaten herzliche Abschiedsgrüßi darbrachten.

Oie britischen Frontkämpfer traten von Köln die Heimreise an

Smpfanq im Kölner Kathans. Lleberreichung der Goldenen Ehrennadel der ASKD.

annahmen." (Beifall.)

Im Jahre 1934 sei Deutschland bereit gewesen, eine Truppenstärke von 300 000 Mann anzuneh­men, heute betrage sie 550 000 Mann. Dasselbe treffe auf die Luftwaffe au.Wir können uns nicht leisten, daß sich dasselbe bei der Flotte ereignet". (Lauter Beifall der Minister.) Ich glaube, eine Admiralität, die der Regierung geraten hätte, das deutsche Angebot abzulehnen, und eine Regierung, die diesen Rat angenommen hätte, würde früher oder später überwältigend verdammt von der Menschheit vor den Schranken der Ge­schichte stehen."

Sir Bolton ging dann ausführlich auf die Be­hauptungen Lloyd Georges ein, den er einen M ei ft er der Konfusion" nannte. Die Be­hauptung Lloyd Georges, Deutschland habe bei den Flottenverhandlungen die völlige Abschaffung der U-Boote angeboten und England habe diesen Vorschlag abgelehnt, sei unrichtig.

Lloyd George:Haben die Deutschen der Admiralität mitgeteilt, daß sie bereit wären, mit England bei irgendwelchen Bemühungen f ü r die Abschaffung der U-Boote zusammenzu­arbeiten?"

Monsell:Sicherlich. Ich habe das gesagt."

Lloyd George:Haben wir es aus dem Grunde abgelehnt, weil Frankreich und die ande­ren es nicht annehmen würden?"

Monsell:Nein, das ist absolut u n w a h r." (Ministerieller Beifall.)

Lloyd George:Dann haben die Deutschen nicht angeboten, mitzuarbeiten?"

Monsell:Ich habe immer und immer wieder gefagt, daß sie es taten und wir beschlossen, es vorzuschlagen, wenn wir zur allgemeinen Konferenz kommen."

Lloyd George:Nachdem Ihr Deutschland mehr U-Boote gegeben habt."

Monsell (ärgerlich):Wie könnten Sie es ver­hindern? (Ministerieller Beifall.) Wir haben ei ne bessere Chance, weil wir Deutsch­land mit uns haben."

Winston Churchill behauptete, daß das deutsche Angebot einer Mit- arbeit bei der Abschaffung der U-Boote keinen großen Wert habe, denn, wie jedermann wisse, bestehe nicht die geringste Aussicht, daß e.re Lander der Abschaffung zu sti mm e n. Auch falle chm die Entgegennahme der Versicherung schwer, daß Deutschland bereit sei, die Anwen­dung von U-Booten gegen Handels- sch»sse emzuschränken. Welcher vernünftige Mensch könne glauben, daß Deutschland von dem Gebrauch der U-Bovtwaffe Abstand nehmen wolle, wenn seine

Glaubenskrieg aus derGrünenZnsel".

Von unserem B.-Korrespondenien.

Dublin, im Juli.

Seit einigen Tagen gibt es Straßenkämpfe in Belfast und blutige Unruhen. Latenter Bürgerkrieg, der nur unter stärkstem Einsatz von Militär ge­bändigt werden kann. Vor einer Woche begannen die Kämpfe am 245. Gedenktag der Schlacht am Boynefluß. In jener Schlacht vernichtete Wilhelm v. Dranien endgültig die irische Freiheit, indem er den katholischen König Jakob II. entscheidend schlug. Die schon vorher begonnene Ansiedlung von prote­stantischen Engländern und Schotten auf den ein­gezogenen Gütern der Iren wurde von diesem Zeit­punkt ab energisch fortgesetzt. Im Norden Irlands entstand so eine Kolonie harter, kriegerischer und stockprotestantischer Landleute, die sich ihrer Ver­antwortung als Wächter über Irland immer bewußt blieben. Seit dem Tage der Schlacht am Boynefluß nennen sich die protestantischen Siedler Drangiften, nach dem Hause Dranien. Später taufte man sie U l st e r l e u t e. Und diese Generationen von Ulsterleuten haben es meisterhaft verstanden, stets ganz England auf ihrer Seite im Kampfe gegen die irische Unabhängigkeit zu halten.

Während im Süden Irlands der Großgrund­besitz das Land vernachlässigte und die Pächter hungern ließ, in den Jahren 1845 bis 1847 zwei Millionen Iren auswanderten, blühte der Norden empor. Die berühmte irische Leinenindustrie zen­tralisierte sich in Belsast, der Hauptstadt der Ulsterleute. Zum politischen und rassischen Gegen­satz gesellte sich der soziale. Immer, wenn O'Con- nel oder später Parnell und zuletzt 1913 Asquith d i e Forderung der Iren nach Home- R u l e, nach Selbstherrschaft, verwirklichen wollten, lohte in Ulster der Aufstand gegen die allzu will­fährige Regierung in London hoch. Die öffentliche Meinung Englands stand naturgemäß hinter den Ulsterrebellen, die vielleicht nicht mit Unrecht fürch­teten,^ bei einer Verständigung zwischen Iren und Engländern verraten zu werden, zum mindesten ihre Stellung zu verlieren.

Als Lloyd George nun 1921 wirklich die Home- Rule für Irland durchsetzte, nachdem 1916 und später wieder 1920 und 21 de Dalera und die Sinnfeiner einen erbitterten Kleinkrieg gegen Eng­end geführt hatten, wurde Ulster vom übrigen Irland ab getrennt und blieb mit seinen 1,2 Millionen Einwohnern bei England. England hatte dadurch seine Treue und seine Dankbarkeit für feine eifrigsten Parteigänger in Nordirland bewiesen, die mit dem Karabiner in der Hand in den blutigen

Tagen der südirischen Aufstände treu zum Mutter« lande gestanden hatten. Kein Wunder aber auch daß Südirland diesen Rest Englands auf der grünen Insel als einen Pfahl im eigenen F lei« s ch e empfand. Die Erinnerung an die Boyne- schlacht, an die frühere Rolle der Ulsterleute bliei wie eine unbeglichene Rechnung im Bewußtsein eines jeden Iren.

Solange de Valero alle Hände voll zu tun hatte, um sich gegen die widerstrebenden Parteien in dem neugeschaffenen Freistaat Irland zu behaupten, konnte er wenig Aufmerksamkeit dem nordirischen Problem zuwenden. In dem Maße aber, in dem die Blauhemden sich wieder beruhigten und de Valem Kurs auf Ausrufung einer irischen DU1 publik sich durchsetzte, begann die irische JrredeB in Ulster eine Regsamkeit zu entfalten, die kampfgewohnten Ulsterleuten bald auf die Nekvtt fiel. Eine groteske Situation: die katholischen befinden sich in Ulster durchaus in der Minderheit, Sie sind meistens Fabrikarbeiter und Knechte au! dem flachen Lande, wo sie allerdings in einigen Grafschaften vielleicht die Mehrheit besitzen. Belfast selbst wohnen die irischen Leinen- uni Werftarbeiter geschlossen in ihren Bierteln gegen1 über den Wohnvierteln der reichen und herrschenden protestantischen Ulsterleute. Man kann sich nur schwer einen Begriff von dem sektiererischen Fano- tismus mqchen, mit dem heute noch Ulsterleute Schotten und viele Engländer imPopisme", dem Papsttum, den Teufel auf dieser schonen Erde sehen Wenn es erst vor wenigen Wochen noch mögliffl war, daß im benachbarten Schottland die Polizei eingreifen mußte, weil ein Teil der Bevölkert von Edinburgh gegen die Verleihung der Ehren bürgerurfunbe an den australischen Ministerpräsi­denten Lyons mit Steinwürfen demonstrierte, nur weil Lyons Katholik ist, so gibt das einen unge­fähren Begriff von dem religiösen Kampfgeist, M heute noch die Gemüter in Nordirland bis zu-' Siedehitze beherrscht.

Es heißt, daß de Dalera sogar noch in diese» Jahr bereit war und entsprechende Vorschläge» London unterbreitete, die Oberhoheit des engllM Königs anzuerkennen und im Verband des britisch^ Empire zu bleiben, wenn man UI ft e r m'1 dem Irischen Freistaat vereinig^ wollte. Diese Vorschläge stoßen naturgemäß JJ London auf eine kalte Schulter, weil Ulster e>u ewiges Druckmittel auf Irland bleiben wird und ij Ulster England stets die Basis besitzt, um i1

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