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24.7.1935
 
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Ur. 1ZO Erstes Blatt 185. Jahrgang Mittwoch, 24-Juli 1955

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Wachsende Spannung zwischenItalien und England

Oie italienische presse richtet scharfe Angriffe gegen Englands Haltung in der Krage der Waffenlieferungen an Abessin»en.

Smfeindseliger Akt"

England ermutigt Abessiniens

Unnachgiebigkeit."

Rom. 23. 3utt. (DRV.) Die italienische po- Imif richtet sich nach den gestrigen heftigen An- c-iffen gegen Japan mit erneuter Schärfe tagen (Snglanb. Es wird die Auffassung ver­taten, der Stimmungsumschwung in Japan fei c,f die Berichte angelsächsischer Korrespondenten iier den abessinischen Konflikt zurückzuführen. Die sssamte Presse wendet sich gegen die Absicht Eng- lmds, die Lieferung von Waffen nach Abessinien zuzulassen. Dies sei. erklärt 3iocna(e d'Italia". die offene Bekundung der ckffiven Solidarität zwischen Abessinien und Eng- lmd und eine neue Ermutigung der o7>essinifchen Unnachgiebigkeil. Wan vusse sich wundern, wie England sich überhaupt wch Illusionen über Kompromisse und Verhand- lmgen machen könne. Die Erfahrung lehre, dah Mn nicht den internationalen Bemühungen auf ds Zustandekommen fog. Kompromisse trauen solle. l$nn die übereinstimmenden englischen Zeitungs­nachrichten über die Aufhebung des Waffen- arnsfuhrverbots zuträfen, müsse Italien dies äserdings ohne jede Aufregung als einen aus- g sprachen feindlichen Akt Lng- l n d s auffassen. Die italienische Ration werde a® wissen, dah unter dem Deckmantel des

Völkerbundes England die Sklaven- h rden Abessiniens gegen die zivil!- sisrten Wenschen Italiens bewaffnet hcve. Italien werde auch wissen, dah, falls die okssinischen Unverschämtheiten stärker werden, Ärgland einen grohen Anteil daran habe. Die «iiÄische Regierung müsse sich vor Augen hallen, Sc, ihr Berhalken in der Frage der Waffenliefe­rungen für Amerika einen nicht unbedeuten­de internationalen Präzedenzfall schaffen öiirbe.

'Popolo d ' Italia" ergeht sich in ironischen Si rachtungen über diehergebrachten Freund­in ften". Die erste Folge der englischen Anleihen |n)i der Waffenlieferungen werde eine wachsende Ll-naßung und Feindseligkeit des Negus gegenüber StUien sein. Auf diese Weise werde O e l ins Fiuer gegossen, England übernehme eine schwere Verantwortung. Italien werde eine solche Lllllungnahme nicht leicht vergessen. Die F.ampa" schreibt u. a.:Wir erinnern England >aon, daß das italienische Volk eine i h m an = ze^ane Schmach nie vergessen wird. Eng- am spielt in Abessinien ein gefährliches Spiel. Die ta enische Freundschaft ist strategisch, politisch und !u!mrell mehr wert als jeder andere Reichtum. Es Jt Wunden, d i e nicht zuheilen, und LeLidigungen, die nicht vergessen werden. Wenn 1 italienischer Soldat fällt, wird der Krieg sich

ti nur gegen den Barbaren richten, der geschossen sondern auch gegen jene, die ihm aus uner-

iicher Habgier Waffen lieferten."

Das Scho in London.

DerBersöhnungsapparat" des Völkerbunds.

wndon, 24. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die genpresse gibt der Erwartung Ausdruck, daß .talienische Regierung auf der Sitzung des Vol- undsrates in der nächsten Woche eine aus- rliche Erklärung über ihre Beschwerden iah Forderungen gegenüber Abessinien abgeben ine e. Der neueste Aufsatz inGiornale d'Jtalia", ivornch Italien es als eine feindselige Jan ö l u n g Englands auffassen würde, wenn 'Ue Belieferung Abessiniens mit 1fr egsmaterial gestattet würde, findet

Beachtung, aber keine Erwiderung.Morning 1 Pf'" meldet aus Rom, daß auch direkte Dro- l|r gen erfolgt feien, wonach Italien sich im F. einer Freigabe der Waffenlieferungen an ! kl effinien für berechtigt halten würde, feine Polittk jjticnüber dem Britischen Reich zu ändern, und in fiteren Teilen Afrikas englanb« fffindliche Bestrebungen z u unter» ft. en.

Kaisers Geburtstag in Addis Abeba.

MJevölkerurrg huldigt dem amerikanischen ^^ks«ndten.Ein Glückwunsch des Kaisers von Japan.

I Jl*bis 2Ibebö, 23. Juli. (DRB.) Die Feier- l icht ten aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers c » Abessinien wurden durch Abgabe von 21 Sa- l-Essen eröffnet. Am Vormittag empfing der J«t|(tr im Thronsaal des Alten Schlosses die Prin- 5ft Die Minister und das Diplomatische jjttps. Der Doyen, der belgische Gesandte 5i<nlf f e n s , brachte dem Kaiser die Glückwünsche d! «i Der italienische Gesandte Graf Otci unb das italienische Gesandtschafts» unb Kon­

sulatspersonal waren zu dem Empfang nicht erschienen. Als der amerikanische Ge­schäftsträger vom Empfang beim Kaiser im Auto in die Stadt zurückkehrte, wurden ihm stür­mische Beifallsäußerungen von der Be­völkerung dargebracht. Die Menge schwenkte Fahnen und rief:E 5 lebe Amerika!" Die Kundgebungen finden ihre Begründung darin, daß die amerikanische Regierung Offizieren die Erlaubnis erteilt haben soll, in d e r a b e f= sinischen Armee z u dienen. Dazu kommt noch die Hilfezusicherung des amerika­nischen RotenKceuzes. Eine Meldung aus Rom über Mißhelligkeiten zwischen dem schwe­dischen General Virgin, dem Kaiser und den belgischen Offizieren wird in Addis Abeba als Zweckmeldung bezeichnet. General Virgin erklärte, daß gerade j e tz t in der schweren Lage Abessiniens eine besondere Freund­schaft unter allen ausländischen B e - ratern bestehe.

In einem langen und anschaulichen Bericht aus Addis Abeba über die Feier des Ge­burtstages des Kaisers von Abessinien hebt Time s" hervor, daß nur der Gouverneur der ungefährdeten westlichen Provinz Walega anwesend gewesen fei, während alle anderen Gouoer- neureaufihremPosten geblieben feien. In der Abwesenheit des italienischen Gesandten hätten die Abessinier eine noch größere Achtungs­verletzung erblickt, als dies jemals an einem euro­päischen Hofe der Fall sein würde. Andererseits werde das freundschaftliche Glück­wunschtelegramm König Georgs von England, das als erste Geburtstagsbotschaft ein­getroffen fei, warm begrüßt.

*

Der Kaiser von Japan übermittelte dem Kaiser von Abessinien zu dessen Geburtstag seine Glückwünsche. Diese Geste in angesichts des Streit­falles mit Italien von bemerkenswerter Bedeutung.

zÄftoen wirb nicht nachgeben."

Die Aussichten des kommenden Krieges aus abessinischer Perspektive.

Paris, 24. Juli (DRB. Funkfpruch). Der abes­sinische Gesandte in London, Dr. W a r t i n, erklärte einem Berichterstatter desEcho de Paris", eine Einigung im italienisch-abessinischen Streit fei kaum noch denkbar. Dazu sei es zu spät. Italien habe viele Millionen ausgegeben und 200 000 Wann nach Afrika geschickt. Wie sollte es jetzt auf seinen plan verzichten. Abessinien werde aber nicht auf seine Unab­hängigkeit verzichten. Seine Bewohner würden bis zum letzten Wann st erben. Das Worden werde grausig werden. Abessinien werde, wenn nötig, zu Grunde gehen, aber es gebe einen Gott, und der Tag der Vergeltung werde kommen. Der Kampf werde auf jeden Fall

sehr hart und langwierig sein. Die des Klimas ungewohnten italienischen Truppen hätten schon jetzt gewaltig zu leiden. Die modernen Kriegsmittel würden sich gegen Abessinien schwer anwenden lassen. Der Streit werde den Rahmen eines örtlichen Krieges überschreiten. Er werde das Signal für den Zusammenschluß aller farbigen Rassen gegen bie weihen geben, der der Beginn eines Kreuzzuges gegen die kolonisieren­den Völker. Wenn England und Frankreich, erklärte Dr. Wartin zum Schluß, Italien koloniale Zu­geständnisse aus ihrem eigenen Besitz­stand machen wollten, sollten sie das tun. Abes­sinien werde nicht nachgeben.

DerVerjöhnungsapparai" bes

Italiens B dingungen machen die Aussichten zw<

Paris, 24. Juli. (DNB. Funkfpruch.) Nachdem der englische Botschafter gestern erneut mit dem Ministerpräsidenten Laval über den ita­lienisch-abessinischen Streit Fühlung genommen hatte, wird am heuttgen Mittwoch der General­sekretär des Völkerbundes, Aveno l, mit Laval über die endgültige Festlegung des Ze i t p u n k t e s der Einberufung des Völker­bundsrates beraten. Man scheint in gut unterrichte­ten Kreisen damit zu rechnen, daß Italien der Ratstagung nicht fern bleiben werde unter der Bedingung, daß der abessinische Streitfall nicht grundsätzlich aufgerollt, die Verhand­lungen auf 48 Stunden beschränkt und sämtliche Entscheidungen, auch die über die etwaige Anwendung von Artikel 15 des Völkerbundspaktes, aufdieRatsiagungvom25.Augustver-' schoben würden.

Unter diesen Umständen werden die Aussichten für eine friedliche Regelung als wenig g ü n ft i g bezeichnet, um so mehr als Italien, wieOeuvre" feststellt, höchstwahrscheinlich ein Verfahren nach Artikel 15 ablehnen dürste. Das sei auch die Auffassung der Dölkerbundskreise. Italiens öffentliche Meinung sei durch die Vorbereitung auf den Kolonialkrieg in zu große Erregung versetzt worden, als daß die italienische Regie­rung jetzt an fünfwöchige Verhandlun­gen denken könnte, bevor sie mit militärischen Ope­rationen beginnen würde. Außerdem habe auch die italienische Verordnung über die Aufhebung der 40prozentigen Golddeckung einen sehr ungünstigen Eindruck gemacht. Künf­tig könne also die italienische Regierung über ihre gesamte Golddeckung verfügen für Zwecke, die man nicht näher zu bezeichnen brauche. In französischen Kreisen glaube man, daß dieseverzweifelte Maß­nahme" es Italien ermöglichen solle, seinen Kolo­nialkrieg zu finanzieren.

Aus Paris berichtet dieTimes", das einzige Ziel der französischen Regierung sei jetzt, Zeit zu gewinnen, um demVersöhnungsap­parat" des Völkerbundes Gelegenheit zur Arbeit zu geben. Das Ziel sei, übereilte Maß- nahmen Italiens gegen Abessinien vor Er­schöpfung der Versöhnungsbemühungen zu ver­hindern. Selbst wenn die Bemühungen auf der Sitzung des Völkerbundsrates völlig zusammen­brächen, könne der Rat noch immer den Streit an d i e Völkerbund sversammlung ver­weisen, was einen weiteren Zeitgewinn bedeuten würde. Unter diesen Umständen sei es wahrscheinlich, daß die britische Politik fest sein werde und daß die französische Regierung der bri­tischen Regierung dabei Helsen werde, den Streit innerhalb der Rechtsprechung des Völ­kerbundes zu halten. Wie ernst die Lage auch zu fein scheine, so bestehe in Paris der wenn auch schwache, so doch hartnäckige Glaube, daß Mussolini durch die Sorgey seines eigenen Gens-

r a l ft a b e s über die Schwierigkeiten des Krieges und den unerwarteten Widerstand Japans veranlaßt werden könnte, keine Schritte zu tun, die nicht wieder gut gemacht werden könnten, bevor nicht jede Möglichkeit angemessener Genugtuung ohne Friedensstörung erschöpft sei.

französische Waffensendung für Argentin en verschwunden.

Paris, 24. Juli (DNB. Funkspruch). Seit zwei Tagen sucht die Sicherheitspolizei das eigenar­tige Verschwinden von 25000 Kilo­gramm Waffen und Munition im Frei­hafen vonLe Havre aufzuklären. Der Bürger­meister, Abgeordneter Martin Meyer, erklärte: Vor vier oder fünf Monaten erhielt eine Pariser Waf­fen- und Munitionsfabrik einen großen Lie­ferungsauftrag für Buenos Aires. Die aus Maschinengewehren, Gewehren, Pulver, Gra­naten und Patronen bestehende Sendung wurde in 325 Kisten mit einem Gesamtgewicht von 25 000 Kilogramm verpackt und in Rouen auf zwei Dampfer verfrachtet. Als diese bereits aus­gelaufen waren, und sich auf der Höhe von Le Havre befanden, wurde die französische Regie­rung von der argentinischen Regierung ersuchst d i e Sendunazu verhindern; doch war es zu spät. Am Bestimmungsort angekommen, hat die Zollverwaltung die Einfuhr dieser gefähr­lichen Ladung verhindert. Einige Wochen spä­ter wurden die unerwünschten Kisten nach Frankreich zurückbefördert, ordnungs­mäßig in Le Havre gelöscht und dort im Frei­hafen eingelagert. Bei einer Zollrevision stell­ten sich gewisse Unregelmäßigkeiten heraus, worauf­hin die Kisten geöffnet wurden. Zum großen Erstaunen der Zollbeamten fand man aber nicht Waffen und Munitton, sondern Pflastersteine und Sand vor. Die Nachforschungen haben er­geben, daß der Inhalt aus Paris stammt.

Schüsse im argentinischen Senat.

Buenos Aires, 24. Juli. (DNB.) Im ar­gentinischen Senat kam es zu stürmischen Auftritten, als während der Aussprache der Senator de la Torre den Finanzminister Dr. Pinedo a l s Feigling bezeichnete. Als der Minister darauf auf seinen Beleidiger zueilte und diesem der Se­nator Bordabehere zu Hilfe kommen wollte, fielen von der Zuhörertribüne Schüsse. Bor­dabehere sank schwer verwundet zusammen, wäh­rend der im Senat anwesende Abgeordnete Man- zini ebenfalls durch einen Schuß niedergestreckt wurde. Bordabehere ist auf dem Wege zum Kran­kenhaus gestorben. Gerüchte, daß auch der Finanzminister verwundet worden fei, haben sich nicht bestätigt. Die Polizei verhaftete eine Person, die als Täter m Frage trimmt 1

Um -en Suezkanal.

In der internationalen Erörterung der italienisch- abessinischen Angelegenheit ist schon mehrfach leise, aber deutlich die Frage nach der Rolle des Suez­kanals bei einem wahrscheinlichen Kriege aufge« taucht. Schon vor einigen Wochen fragte im eng­lischen Unterhaus ein Abgeordneter die Regierung an, ob in einem solchen Falle der Suezkanal g e - schlossen würde. Diese antwortete ausweichend und vorsichtig, der italienischen Regierung seien die internationalen Bestimmungen sicherlich bekannt, die den Verkehr des Suezkanals regeln. Kürzlich ver. breitete Reuter die Nachricht, die Genfer Völker­bundsjuristen hätten sich mit der Frage eines Ver­bots der Verschiffung von Kriegsma­terial durch den Kanal beschäftigt; aus Genfer Völkerbundskreisen wurde dies zwar dementiert, aber die Bemerkung zugefügt, daß der Völkerbund nach feiner Verfassung gegebenenfalls die Durch­suchung der Schiffe auf Kriegsmaterial im Kanal anordnen könne.

Diese noch unbestimmten Vorgänge deuten darauf hin, daß die Frage des Suezkanals bei Ausbruch eines Krieges eine große Rolle spielen wird, und zwar zunächst nach der Seite des internationalen Rechts, dann aber auch, weil diese Schiffahrts­straße, die das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet, also der kürze st e Seeweg nach Indien ist, für das englische Weltreich eine Frage ist, in der jede Veränderung der bestehenden Lage an den Lebensnerv Englands rührt.

Die lange Geschichte des Suezkanals ist die beste Illustration für die Bedeutung, die ihm in dem politischen und wirtschaftlichen Wettkampf der Völ­ker um die Herrschaft in den beiden ältesten Welt­teilen, Europa und Asien, zukommt. Man kann an ihr die großen Epochen der asiatisch-europäischen Geschichte, den Aufstieg, die Blüte und den Zerfall großer Weltreiche direkt ablesen. Schon im 14. Jahr­hundert v. Ehr., als die ägyptische Groß­macht die damalige uns historisch bekannte Welt beherrschte, wurde durch Sethos I. und Ramses IL eine Verbindung vom Nil nach dem Ro­ten Meer hergestellt, die dann wahrscheinlich durch Vernachlässigung wieder zugrunde ging. Ein neues Kanal wurde im 7. Jahrhundert v. Ehr. begonnen und von dem großen Perserkönig D a r e i o s Hystaspes 521 bis 486 v. Ehr. vollendet; aber zu Kleopatras Zeiten, also um die Wende un­serer christlichen Zeitrechnung, war er, wie wir wissen, wieder durch Versandung unbrauchbar ge­worden und wurde unter dem römischen Kaiser Trajan wieder hergestellt. Nach langer Zeit des Zerfalls nahmen im 7. Jahrhundert n. Ehr. dis mohammedanischen Eroberer Aegyp­tens das Werk wieder auf; Amr, der Feldherr des Kalifen Omar stellte den Kanal wieder her und schuf eine Seeverbindung von Kairo nach dem Roten Meer.

In eine neue Epoche tritt die Geschichte des Suez­kanals, nachdem das Zeitalter der überseeischen Ent­deckungen den Seeweg um den afrikani­schen Kontinent, um das Kap der guten Hoff­nung gefunden hatten und dadurch die alten vorder­asiatischen und arabischen Handelswege verödeten. Die Venezianer nahmen, um den Handel in der Levante wieder zu beleben, den Gedanken des Durchstichs auf, ohne jedoch die Kraft zu diesem gro­ßen Werk zu finden. Bekannt ist, daß der deutsche Philosopf Leibniz im Jahre 1671 einen Bries an Ludwig XIV. richtete, in dem er die große Be­deutung des Kanals schilderte und die Wiederan­knüpfung an die antike Bautradition nahelegte. Als Bonaparte im Jahre 1798 seinen Zug nach Aegypten machte, ließ er durch den Ingenieur L e p 6 r o Vorarbeiten unternehmen, da seinem stra­tegischen und militärischen Blick die Bedeutung des Kanals für feine großen Orientpläne nicht entgan­gen war. Der französische Ingenieur machte jedoch falsche Wasserspiegelberechngngen, so daß man das Projekt für undurchführbar hielt, bis erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts im Jahre 1841 englische Offiziere diesen Irrtum nachwiesen.

Damit war das Interesse neu geweckt, das durch Terrain-Untersuchungen des Oesterreichers Ne- g r o l l i weitere Unterlagen erhielt und endlich im Jahre 1856 zur Aufstellung eines genauen Bau­planes und zur Bildung einer Kommission in Paris führte. Negrolli wurde vom Vizekönig von Aegyp­ten zum Generalinspektor der Suezarbeiten ernannt, starb aber schon ein Jahr darauf, worauf der fran­zösische Ingenieur Ferdinand Lesseps die Pläne ankaufte und dieCompagnie Universelle du Canal Maritime de Suez mit einem Privileg auf 99 Jahre gründete; nach dieser Zeit sollte der Ka­nal in das Eigentum der ägyptischen Regierung fallen, unter deren Souveränität das Baugebiet ftand. Damit war das alte historische Werk in mo­derner Form und mit modernen Mitteln gesichert. Am 25. April 1859 geschah der erfte Spaten« st i ch zu Port Said am Nordende des Kanals, der zehn Jahre später, am 16. November 1869,, nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten und nach Aufwendung ungeheuerer Kosten mit großem Pomp in Anwesenheit vieler Fürstlichkeiten durch den Khe- diven von Aegypten eröffnet wurde. Die Be­nutzung war allen Nationen offen und durch inter­nationale Vereinbarungen geregelt. Daß wir der ägyptischen Geistesströmung jener Zeit eines bet schönsten Werke der Opernliteratur, nämlich Verdis Aida" verdanken, die dem italienischen Komponi­sten zur Eröffnung einer französischen Oper In Kairo in Auftrag gegeben wurde, sei hier nut nebenbei bemerkt.

Jetzt begann der interessante politische Kampf um die Beherrschung dieses wichtigen Seewegs, der Hand in Hand mit der Loslosuna Aegyptens von der türkischen Herrschaft ging. Im Jahre 1848 wurde das Paschalik von Aegypten in dec Familie Mehemet Alis erblich gemacht