Die Gonnenwendfeier der HL
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bahn von Linas-Montlhöry in der Nähe von ris. Vor 50 000 Zuschauern errang Caracciola b( Sieg in 4:00.54,6 Stunden mit einem Stundenmittel von 124,571 Kilometer vor seinem Marken-
Glückwunfchtelegramm Korpsführers Hühnlein an den Führer.
Korpsführer Hühnlein hat an den Führer ein Telegramm gerichtet, in dem er der großen Freude über die deutschen Siege im Großen Automobilpreis von Frankreich Ausdruck gibt. Der Sieg sei errungen worden auf Grund bester technischer wie sportlicher Vorbereitung und Erfahrung, sowi.e mustergültiger Zusammenarbeit der gesamten Rennmannschaft, ihrer Monteure und Helfer.
geführten von Brauchitsch, der nur 10 bis 20 Meter zurücklag. Die nächsten Plätze belegten Zehender (Maserati), F a g i o l i (Mercedes-Benz), Rose- meyer (Auto-Union) und Sommer (Maserati). Sie hatten aber zwei und mehr Runden Rückstand. Fünf von den elf gestarteten Wagen, darunter Stuck und Varzi, mußten aufgeben.
Wie der Sieg errungen wurde...
Von der Hälfte des Rennens ab fuhren Caracciola, von Brauchitsch und Fagioli, die drei Vertreter von Mercedes-Benz, geradezu für sich allein. In taktisch kluger Weise verzichteten sie auf Rekordrunden, beschränkten sich darauf, den Vorsprung zu halten, der sich aber trotz vermindertem Tempo immer mehr vergrößerte. Carraciola durchfuhr in 4:00.54,5 Stunden mit einem Durchschnitt von 124,571 km als Erster das Ziel, dicht hinter ihm folgte v. Brauchitsch, mit einer halben Sekunde Abstand. ZweiRunden zurück wurde Zehender auf Maserati Dritter. Fagioli, dessen Brennstoff-Zufuhr nicht mehr ganz in Ordnung war, wurde eine weitere Runde zurück Vierter. Rosemeyer belegte auf Varzis Wagen, der ebenso wie Hans Stuck, die Alfa-Fahrer Chiron und N u v o l a r i und der Bugatti-Fahrer B e n o i st das Rennen aufgesteckt hatte, den fünften Rang und hinter ihm kam als letzter der elf Gestarteten Sommer auf Maserati ein.
Während die Sieger zur Ehrenloge gingen, klang das Deutschlandlied auf. Wohl noch nie hatte die kleine deutsche Kolonie mit solcher Begeisterung unsere Nationalhymne gesungen, wie bei diesem Sieg auf dem Autodrom von Linas-Montlhöry.
ten). Je einmal stellten Meister der Turnverein Heuchelheim und der Turnverein Großen-Linden.
Oie Ergebnisse:
100 Meter: 1. Utoffz. Hill (Mtv.) 11,7 Sek.; 2. Luh (V,B.-R.) 12 Sek.; 3. Stengel (Tv. Großen- Linden) 12,1 Sek. Der zur Zeit des 100-Meterlaufes herrschende starke Gegenwind kostete die Läufer wertvolle „Zehntel". Hill war auf den letzten zwanzig Metern sehr stark.
200 Meter: 1. Utoffz. Hill (Mtv.) 23,5 Sek.; 2. Schars (Universität) 25,3 Sek.; 3. Adam (1900) 25,7 Sek.
400 Meter: 1. Gefr. Langrock (1900) 56 Sek.; 2. Jung (1900) 56,1 Sek.; 3. Fischer (VfB.-R.)
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Wir wollen heute abend wieder erneut unserem Volk und unserem Führer die Treue bekunden, wir wollen uns auf Gedeih und Verderb dem Manne verpflichten, der uns Ehre, Freiheit, Arbeit und Brot und den Glauben an Deutschlands Zukunft wiedergab.
hiernach verlas der Führer des Bannes 116, Geff. Erich Schreiber, die BotschaftdesReichs- jugendführers,die folgenden Wortlaut hat:
Deutsche Jugend! •
In allen Teilen Deutschlands steht Ihr heute an den Feuern der Sonnenwende zusammen. An allen Euern Feuern hört Ihr die gleiche Botschaft: Wie die reine Flamme vor Euch sich selbst verzehrt im Kampfe gegen die Finsternis der Nacht, so sollst auch du, deutsche Jugend, eine lautere Flamme sein und selbstlos das Licht
Mercedes-Benz großer Sieg.
Großer Auto-Preis von Paris.
Einen großen Sieg feierte Mercedes-Benz beim Großen Auto-Preis von Frankreich" auf der Renn
Mnifters für öffentliche Arbeiten, der dem Rennen betgewohnt habe. Er habe sich ein anschauliches Bild von der Rückständigkeit Frankreichs auf diesem Gebiet machen können.
Oer Abschluß des Hirzenhainer Segel- fliegerwettbewerbs.
Der Hirzenhainer Ausscheidungskampf für den diesjährigen Rhön-Segelflug-Wettbewerb ist am Sonntag zu Ende gegangen. Er war ein großer Erfolg für den westdeutschen Segelflugsport. Die Veranstaltung zeigte einen erheblichen Fortschritt der Leistungen, und zwar insbesondere auch bei den kleineren Ortsgruppen. Darüber hinaus haben sie die Eignung des Hirzenhainer Geländes für Höchstleistungen in überzeugender Weise dargetan.
Der vorletzte Wettbewerbstag hatte dem Z i e l» Landeflug gegolten, der bei Regenwetter mit Hilfe des Autowindenschlepps durchgeführt wurde. 'Dabei wurden sehr günstige Resultate erzielt. Sämtliche Tagesprämien gewann die Landesgruppe Rheinland, deren Maschinen bis auf fünf Meter an das ausgelegte Landekreuz herankamen.
Nach den vielen Enttäuschungen der Woche brachte der Samstag endlich das lang ersehnte Ueberlandwetter. Bei strahlendem Sonnenschein gingen schon frühzeitig sämtliche Maschinen an den Start. Mit Hilfe des Motor-Flugzeugschlepps wurden sie in höhen bis zu 500 Meter gebracht und dann sich selbst überlassen. Das Ergebnis dieses Tages waren Streckenflüge, bei denen es nicht weniger als drei Piloten gelang, den von S p i l g e r (Darmstadt) am Mittwoch aufgestellten neuen Hirzenhainer Rekord von 94,5 Kilometer zu brechen. Die überragendste Leistung vollbrachte Schilling (Bottrop), der seine Maschine bis nach dem 154,2 Kilometer entfernten Dorfe Waldniel bei München- Gladbach steuerte. Der zweitlängste Streckenflug gelang dem Flieger Ruhl (Detmold), der 132 Kilometer bis Oberster bei Düren flog, eine Leistung, der die des Piloten Peters (Essen), der die 130,8 Kilometer lange Strecke bis Elfgen bei Grevenbroich zurücklegte, nur wenig nachsteht. Fälsche (Frankfurt a. M.) flog 73 Kilometer bis Engelskirchen im Rheinland, wo auch Hülsmann (Dortmund) niederging, während Spilger (Darmstadt) seine Maschine 65 Kilometer weit nach Eitorf (Sieg) steuerte. Daneben gab es zahlreiche kleinere Streckenflüge bis zu 27 Kilometer.
Am Sonntagnachmittag fand dann die Preisoerteilung statt, die der bekannte Pionier des deutschen Segelflugs, Fliegerkapitän Alexander L i p p i s ch , vornahm. Die weitaus höchste Punktzahl erreichte die Landesgruppe Westfalen mit 1167 Punkten. Die Landesgruppe Darmstadt hat sich mit 686 Punkten an die zweite Stelle gesetzt, während es die Landesgruppe Rheinland auf 354 Punkte brachte. Der höchste Ehrenpreis des Präsidenten des DLV. wurde dem Piloten Ruhl (Detmold) zugesprochen.
Die französische Presse zum deutschen Sieg.
Infolge des schlechten Abschneidens Frankreichs bei dem Autorennen von Montlhäry beschränkt sich ein großer Teil der Pariser Presse auf eine sachliche Berichterstattung über den Verlauf der Veranstaltung, wobei der überwältigende Sieg der deutschen Farben nur in den Ueberschriften hervorgehoben wird. Nur wenige Zeitungen finden Worte sportlicher Anerkennung für die deutsche Leistung. So schreibt das „Journal", es sei der Sieg einer großen Automarke gewesen, aber auch der Sieg einer bis ins kleinste durchgeführten Organisation. Der Triumph sei logisch. Man könne nur Peifall spenden. Auch „Excelsior" hebt die ausgezeichnete Organisation des deutschen Sieges hervor. Die deutschen Maschinen seien bestens vorbereitet an den Start gegangen, was man von den Franzosen nicht behaupten könne, wie auch der Unter- schied zwischen der Arbeitsweise der deutschen und der französischen hilfsmannschafien an den Boxen sehr voneinander abgewichen sei, und zwar nicht Zugunsten der Franzosen. „L'Auto" meint, daß es selbstverständlich einen deutschen Sieg gegeben habe. Das sei eine gerechte Belohnung für die Technik, für die gute Vorbereitung und für die ausgezeichnete Disziplin.
Soweit die Blätter in einem weiteren Sinne kritisch zu dem Ergebnis von Montlhery Stellung nehmen, sind sie alle der Auffassung, daß Frankreich ganz andere Anstrengungen machen müsse, um dem deutschen und den italienischen Wettbewerb begegnen zu können. Man erwartet die Initiative des
Gestern nachmittag kamen auf dem 1900-Sport- platz die leichtathletischen Meisterschaften des Sportkreises Gießen zum Austrag. Obwohl die Felder zum Teil gut besetzt waren und sich harte Kämpfe entspannen, wäre es wünschenswert gewesen, wenn auch aus den entlegeren Teilen des Kreisgebietes Meldungen abgegeben worden wären. Wenn auch die gestern ermittelten Kreismeister wahrscheinlick kaum gefährdet worden wären, so hätten sich doch auf den Plätzen Verschiebungen ergeben können. Meistertitel fielen an die Spielvereinigung 1900 Gießen sieben (sechs Männer- und eine Frauen- meisterschast), an den Mtv. Gießen fünf (zwei Männer- und drei Frauenmeisterschaften) und an den VfB.-Reichsbahn Gießen vier (Männermeisterschaf-
Am Abend des gestrigen Tages sah man di« Hitler-Jugend des Standortes Gießen hinausziehen in den Stadtwald in der Richtung Lich. Gefolgschaften der HI., Fähnlein des Jungvolks und BDM. mit Jungmädel, alle marschierten sie zur Hochwart, um dort das diesjährige deutsche Jugendfest abzuschließen mit einem uralten deutschen Brauch, dem Sonnwendfeuer.
So wie deutsche Jugend zu allen Zeiten den Tag feierte,-an dem die Sonne ihren höchsten Stand hat, durch feierliche Entzündung von Feuersbränden und volklichen Gebräuchen, die sich hieran an- knüpften, sei es durch Hindurchspringen durch die verlösckende Glut oder seien es die als Sonnensymbole dienenden brennenden Räder und Scheiben, die man auch noch heute in verschiedenen Teilen unseres Vaterlandes von hohen Bergen hinab ins Tal rollen läßt und die dieses Johannisfest zu einem mythischen und Volksfest werden ließen, so beging auch gestern abend wieder die deutsche Jugend diesen längsten Tag aller Tage im Jahr.
Auf der höhe der Hochwart war ein großer Holzstoß errichtet, der bei Anbruch der Nacht angezündet wurde. Als dann die Flammen hell leuchtend zum Himmel emporloderten und der ringsum liegende dunkle Wald durch die roten Flammen hell erleuchtet wurde, da war deutsche Jugend wieder einmal durch diese hehre und festlich-feierliche Stimmung befangen, wie fo oft in den letzten Jahren, wenn dieses
Fest von Deutschen begangen wurde.
Jenes Fest, das ganz besonders mit der nationalsozialistischen Bewegung eng verbunden und verknüpft ist.
Nach einem Sprechchor „Deutsche Sonnenwende", der von kleineren Teilen der Gefolgschaft 4 zusammen mit Mädels des BDM. vorgetragen wurde, erariff der ehemalige Führer des Oberbannes Oberhessen der HI. Bannführer
Walter Blumenröder
das Wort zu den nachfolgenden Ausführungen.
Schon wieder einmal stehen wir an einer Zeitenwende und wieder begehen wir das uralte deutsche Fest der Sommersonnenwende, um so symbolisch nach alter Väter Sitte und Brauch Verrat der Zeit und der Gedanken zu vernichten. Bei diesem Johannisfest erinnern wir uns heute wieder der Zeiten, wo wenige deutsche Männer sich um diese Feuer scharten und ihrem Führer den Treueschwur ihrer Gefolgschaft leisteten. Und so wie diese Männer damals dem Führer Treue schworen, so bringen wir dies an dem heutigen Tage wieder wie schon so manches Mal symbolisch durch die Flammenzeichen, die zum Himmel emporleuchten, zum Ausdruck, daß wir heute mehr denn je bereit sind, für des deutschen Volkes Größe und Macht einzu- ft elfen.
Bauer, Arbeiter, Student oder wer es auch sein mag, sie alle verbindet heute eine Schicksalsgemein- schafi und führt sie zusammen in einem starken deutschen Heer, das so wie wir beseelt ist, den Geist einer neuen Zukunft zu formen und zu gestalten. Dieser Geist, der getragen und verbunden ist mit demjenigen, der einem Millionenheer drüben in fremder Erde ruhend zu eigen war. Dies bekunden auch heute abend wieder die Vertreter der deutschen Wehrmacht, die hier oben hingekommen sind, um mit uns das Fest der Sommersonnenwende zu begehen.
Wenn wir Zusammenhalten, ein einiges starkes
Volk von Brüdern sind, dann wird es nie und nimmer irgendein Volk der Erde wagen, uns in der Arbeit am Aufbau und an der Gröhe Deutschlands hinderlich zu fein.
deines Glaubens an Deutschland durch Nacht und Dunkel tragen. Auch wenn man die lichte Flamme der Wahrheit, die du trägst und verkörperst, nicht verstehen sollte, bekenne sie trotzdem!
Bekenne über Konfessionen und Klassen die ewige Wahrheit deines Glaubens an den von Gott gesandten Führer und seine heilige Fahne!
Eine flammende Jugend grüßt von den Bergen bis zum Meer den Führer aus der Nacht zum Morgen.
Das sich hieran anschließende Lied der Jugend war der Ausklang einer erhebenden Feier, und während die verschiedenen Kolonnen sich zum Abmarsch anschicken, leuchten in weiter Ferne am dunklen Horizont auf den Höhen der Berge vom Taunus und Westerwald die Flammen der dortigen Hähenfeuer, Symbole der Hitlerjugend, als Fanale von dem Gemeinschaftsgeist der HI. zeugend, die Aufgaben der Zukunft in Angriff zu nehmen und sie zu meistern.
Leichtachletik-Misterschasten des Kreises Gießen.
Erwartete Ergebnisse bei spannenden Kämpfen.
Warum verkennstdu mich, Varbara?
Vornan von Liane Sanden.
Urheberrechtschutz: Fünf-Tünne-Verlag, Halle (S.)
17. Fortsetzung. Nachdruck, verboten!
„Ich fürchte, mit der wird nichts mehr zu machen fein, mein guter Junge! Es steht aus, als hätte sie sich die linke Vorderhand gebrochen."
Emil sah unschlüssig zu Arabella hinüber, die immer noch unbeweglich, halb zur Seite geneigt, auf dem Waldbaden lag. Gar zu gern hätte er nachgesehen. Aber jetzt gab es ja Wichtigeres zu tun. Man mußte die Leute von Schedlowitz möglichst schnell holen. Er schwang sich auf seinen stämmigen Gaul und lenkte ihn vorsichtig durch den Wald, bis er für Eckehard hinter den Bäumen verschwand.
Und nun war nichts um Eckehard als die Stille des Waldes. Arabella schien geringere Schmerzen zu haben. Sie lag still da und sah mit sanften, erschreckten Tieraugen auf Eckehard. Der hielt bewegungslos die bewußtlose Frau in feinen Armen. Noch niemals war sie ihm so nahe gewesen wie jetzt hier in der Einsamkeit, in ihrer Ohnmacht. Nun hatte er Zeit, sie zu betrachten. Wie schön war das Gesicht selbst jetzt noch in der Leblosigkeit, in der Ohnmacht — ja, vielleicht noch schöner als sonst! Die Härte und Abwehr waren aus den feinen Zügen geschwunden. Etwas Leidendes und Rührender lag um die Buchtung des roten Mundes und auf der schön modellierten Stirn.
„Liebste, Liebste!" sagte er leise vor sich hin. Immer wieder wiederholte er dieses Wort, als könnte sie es hören — als müßte sie wissen, wie unendlich fein Herz von ihr erfüllt war. Sie schien ihm jetzt in ihrer Ohnmacht beinahe nähergerückt als im lebendigen Leben, in der sie sich hart und hochmütig von ihm abgewandt hatte. Ach, er hatte ihr alles verziehen, was sie ihm an Schmerz und Kränkung angetan. Jetzt, wo er um ihr Leben bangen mußte, wußte er: all das war so gering gegenüber der wahren Liebe. Ein heißes Flehen war in feinem Herzen, daß Gott sie zum Leben wiedererwecken möge. Dann aber würde sich alles, alles lösenl Nur leben mußte sie, die geliebte Frau — nur leben! So saß er und hielt Wacht bei ihr, bis nach einer Weile, die ihn endlos dünkte, von fern durch den Wald das Trappeln von Hufen ertönte und ein lautes Rufen.
Langsam richtete sich Eckehard auf, schaute nach der Richtung, aus der das Geräusch kam. Da sah er zwischen dichten Stämmen des Waldes die Umrisse eines Pferdekörpers. Nun kam das Tier näher. Auf feinem Rücken saßen Emil und einer der Knechte.
Behutsam lenkte Emil das Tier heran. Nun sprang der Knecht ab und dann er.
„Die anderen kommen schon", sagte er außer Atem. Er muhte sehr scharf geritten sein. „Aber ich bringe ein paar Stricke mit, Herr Inspektor, da können wir schnell eine Tragbahre zusammenbinden. Aeste sind ja genug heruntergefallen."
Eckehard nickte Emil anerkennend zu. Der Junge war wirklich auf die vernünftigste Idee gekommen. Man brauchte tatsächlich nicht abzuwarten, bis die Träger mit der Sanitätsbahre von Schloß Schedlowitz hier an Ort und Stelle angelangt waren.
„Na, dann mal los!" sagte Emil zu dem Knecht, der mit erschrecktem Gesicht auf die ohnmächtige Herrin starrte.
„Sie wird doch nicht tot sein, Herr Inspektor?" fragte er stockend.
„Gottlob nicht, Franzke! Nun machen Sie mal los! Je eher wir die gnädige Frau hier fortbekommen, um so mehr Hoffnung haben wir, daß alles wieder gut wird!"
Emil hatte ein paar feste Aeste, die am Boden lagen, ergriffen. Er prüfte sie, indem er sie stark auseinanderbog. Befriedigt nickte er:
„Die halten." Dann zog er fein festes Messer aus der Tasche und begann, die überflüssigen Zweige abzuschneiden. Der Knecht hatte sich von seinem ersten Schrecken erholt und griff tüchtig mit zu. Bald hatten die beiden aus zwei langen Aesten und ein paar festen Querstöcken eine primitive Tragbahre hergerichtet, die mit den mitgebrachten Stricken gesichert wurden.
„So, das hätten wir!" sagte Emil befriedigt.
„Ist sie auch fest?" fragte Eckehard. „Sonst warten wir lieber, bis.die Leute kommen!"
Statt einer Antwort ließ sich Emil krachend auf die primitive Tragbahre nieder.
„Dann zieh mir einmal meinen Rock aus, Emil!" befahl Eckehard. „Aber vorsichtig, damit die gnädige Frau nicht von irgendeiner Bewegung dabei erschüttert wird!"
Bald war die Tragbahre mit Eckehards und Emils Röcken einigermaßen ausgepolstert. Vorsichtig ergriffen der Knecht und Emil die Füße Barbaras, während Eckehard den Kopf hielt. So transportierte man die Bewußtlose auf die Bahre.
„Na, nun können wir wohl los!" meinte Emil halblaut und winkte Franzke. Der wollte schon die Tragbahre an einer Seite anfassen. Doch Eckehard wehrte hastig ab.
„Franzke nimmt die Pferde und führt sie vorsichtig auf die Chaussee, bis er unsere Leute trifft. Dort kann er sie ihnen übergeben. Ich fasse mit an."
„Aber, Herr Inspektor, Sie werden doch nicht ..
Emil war beinahe erschrocken; daß der Herr Inspektor die Bahre mittragen sollte, ging ihm offenbar gegen Eckehards Würde.
Eckehard sagte nur:
„ßos!" Da blieb Emil nichts anderes übrig, als gleichfalls zuzugreifen. Langsam und vorsichtig gingen die beiden Männer mit ihrer Last dem Wege zu.
Arabella folgte mit schmerzerfüllten Augen dem Abtransport ihrer Herrin, als ob sie verstände, was da oorging. Und auch Greif stieß ein erschrecktes, schnelles Wiehern aus.
20. Kapitel.
Auf Schloß Schedlowitz lasteten Angst und Trauer — Barbara lag immer noch in tiefer Bewußtlosigkeit in ihrem Schlafzimmer. Vier Stunden war sie nun daheim, und noch hatte sich der tiefe Schleier der Ohnmacht nicht von ihr gehoben.
Eckehard hatte sofort nach der Rückkehr die Initiative ergriffen. Es war ja kein Mensch hier, der in einer solchen Situation bestimmen konnte. Oberinspektor Rockesch war noch unterwegs. Ein Telephonanruf hatte ergeben, daß er aus feinem Hotel schon fort und im Augenblick nicht zu erreichen war.
Magdalena war vollkommen verstört vor Schmerz und Gram, als sie ihre geliebte Freundin wie eine Tote auf der Tragbahre gesehen hatte. Eckehard war es, der alles anordnete. Er trug die Bahre mit der bewußtlosen Frau bis ins Schlafzimmer. Er hatte aus der Ordensniederlassung unten im Dorfe eine Krankenschwester herbeordert. Dann rief er eines der größten Krankenhäuser in Prag an. Der Leiter, ein berühmter Chirurg, war sofort im Flugzeug nach Schedlowitz gekommen. Inzwischen war auch der Arzt des nahegelegenen Städtchens benachricktigt worden.
Jetzt hielten die beiden Aerzte drinnen am Krankenbett eine Besprechung ab. Eckehard hielt sich mit Magdalena in dem kleinen Wohnzimmer auf, das sich an Barbaras Schlafraum anschloß. Magdalena saß ganz gebrochen in einem Sessel. Eckehard stand am Fenster und schaute hinaus. Er wollte Magdalena sein Gesicht jetzt nicht zeigen. Sie hätte ihm ja alles, die Angst, die Liebe, die Verzweiflung, an den Augen abgelesen. Beide schwiegen. Sie horchten atemlos auf jedes Geräusch, das aus dem Schlafzimmer herausdrang. Dort hörte man die Ordensschwester leise hin und her gehen. Ein "Tisch wurde gerückt. Wasser lief — dazwischen klangen die gedämpften Stimmen der Aerzte.
Magdalena schluchzte leise vor sich hin. Wie gern hätte Eckehard ihr ein Wort des Trostes gesagt! Aber in ihm selber war ja alles dunkel und verworren. Jetzt kamen die Schritte näher. Die Tür wurde geöffnet. Eckehard fuhr herum. Die beiden Aerzte standen im Zimmer. Die Abendsonne blitzte in den Brillengläsern des berühmten Arztes. Es war ein großer, breitschultriger Mann mit ener- gischem, klugem Gesicht. Hinter ihm stand der kleine Dorfarzt, sichtlich verlegen ob des Zusammenseins mit dem berühmten Chirurgen.
Angstvoll wandten sich Magdalenas und Eckehards Gesichter dem Professor zu. Der zuckte die Schultern:
„Ja, meine Herrschaften, etwas Bestimmtes kann
man noch nicht sagen. So gut es ging, haben wir die gnädige Frau untersucht. Vorderhand habe ich nicht den Eindruck, als ob irgendwelche schweren, inneren Verletzungen vorlägen. Aller sicher ist das natürlich nicht. Erst wenn Frau von Stechow aus ihrer Ohnmacht erwacht, wird man sehen, ob sie irgendwelche inneren Schmerzen hat. Erst dann wird man Genaueres wissen und eventuell röntgen können. Die Hauptsache ist jetzt, daß wir die Ohnmacht wegbekommen. Es scheint eine schwere Gehirnerschütterung zu sein."
Eckehard war blaß geworden. Die Auskunft des Arztes barg so viel Ungewisses. Sv viel Einerseits-Andererseits. Sie erschreckte mehr, als daß sie beruhigte.
„Und kann man gar nichts tun, Herr Professor?"
„Im Augenblick nicht! Ruhe — absolute Ruhe und konstante Beobachtung der Patientin. Das habe ich der Schwester Machthildis alles gesagt. Im übrigen erbitte ich heute abend durch Sie, Herr Kollege, eine Mitteilung, wie es der Patientin geht. Ich bin auf Wunsch selbstverständlich gern bereit, noch einmal herüberzukommen."
„Darum möchten wir auf jeden Fall bitten, Herr Professor!" fiel Mackenroth rasch ein.
„Selbstverständlich, wenn Sie wünschen, Herr..., Herr...!"
„Don Mackenroth!" stellte sich Eckehard vor. „Verzeihen Sie, in der Aufregung vorhin vergaß ich es!"
„Ach ich bitte Sie, ist doch begreiflich! Sie sind wohl ein Angehöriger der Patientin?"
„Ach nein, Herr Professor!"
„Der Inspektor!" sagte der Dorfarzt etwas spitz dazwischen. Er hatte sich geärgert, daß Eckehard wie selbstverständlich die Anordnungen hier getroffen und einfach, ohne ihn zu fragen, den berühmten Chirurgen hatte kommen lassen.
„Soso!" sagte der Professor und sah Eckehard mit einem schnell prüfenden Blick an. Der errötete dunkel. In den Worten des Dorfarztes hatte etwas Geringschätziges gelegen. Und auch der Blick des Professors hatte ein leises Erstaunen ausgellrückt.
„Es ist im Moment niemand hier, der irgendwie eingreifen könnte", sagte Eckehard knapp. „Darum habe ich es getan."
„Aber selbstverständlich, selbstverständlich!" meinte der Professor. „Die Hauptsache war ja, daß überhaupt ein Entschluß gefaßt wurde! Also auf Wiedersehen!"
Er machte eine Verbeugung gegen Magdalena, die wie gelähmt dastand, und reichte den beiden Herren die Hand.
„Sie waren wohl so sreundljch, das Auto für mich bereitzustellen?"
Eckehard verbeugte sich:
„Ich habe Anordnung gegeben, Herr Professor! Der Wagen wartet unten bereits auf Sie!"
(Fortsetzung folgt!)


