Ausgabe 
24.6.1935
 
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Stimme des Blutes.Kraft des Glaubens.

Ministerpräsident Göring spricht auf dem Frankeniag

Nürnberg, 23. Juni. (DNB.) Am Sonntag- morgen eröffnete der Stellvertretende Gaupropa­gandaleiter Schöller den Frankentag 1935 auf dem Hesselberg. Um 15.30 Uhr traf die Wa­genkolonne des Mini st er Präsidenten Göring, der am Sonntagvormittag mit seiner Gemahlin in Rothenburg eingetroffen war, mit Gauleiter Streicher auf dem Hesselberg ein. Der stellvertretende Gaupropagandaleiter' Schöller mel­dete, daß sich 200 000 Volksgenossen auf dem Berg versammelt hatten. Unter dem Jubel der Massen schritten Hermann Göring und Julius Streicher zur Tribüne.

Ministerpräsident Göring

sagte in seinen oft von Beifallsstürmen unterbroche­nen Ausführungen u. a.:

Nicht erst seit wenigen Jahren ist dieser Hessel­berg ein heiliger Berg, sondern er war bereits in grauerVorzelteinKultplatz, auf dem das Volk zu einem Feiertag im hohen Sinne des Wortes zusammenströmte. Wenn wir uns heute wieder hier versammeln, so deshalb, weil wir den Anschluß an die Zeit unserer germani­schen Vorfahren gefunden haben, an das Blut, das uns wieder hineinhören ließ in die Vor­zeit, um die Kraft zu gewinnen für die großen Aufgaben, die uns in der Zukunft gestellt sind. Herausgerissen aus dem Alltag kann man hier d i e geheimnisvollen Stimmen des Blu­tes hören, und das ist das Größte und Eigenartige an solchen Kultstätten, daß hier die Geschichte der Väter zu uns spricht und uns ermahnt, daß auch wir ein starkes Geschlecht werden, um die Verantwortung zu tragen, die uns als Binde­glied in der Kette der Geschlechter auferlegt wurde. Denn wenn eine Generation schwach wird, erscheint was gewesen ist, nutzlos und der Kampf und das Blut und die Arbeit der Vorfahren werden sinn­los. So soll auch uns diese Feier stark machen für den weiteren Kampf und uns festigen in unse­rem Glauben an die Zukunft.

Der Winislerpräsident fehle sich dann mit den Gegnern auseinander, die den Nationalsozia­listen vorwarfen, sie schafften ein neues Heidentum, und rief ihnen zu: Wenn hier auf solch einer alten kultskätte Sonnwendfeuer entzündet werden wie gestern und wenn wir hier zusammenkommen, so ist auch dies eine heilige Handlung; denn wir haben zurückgefunden zu den Stimmen unseres Blutes. Wögen sie unsere Vor­fahren vor Tausenden von Jahren Heiden nen­nen, das ist nicht das Entscheidende; entschei­dend ist, daß sie gleichen germanisch-nordischen Blutes waren wie wir.

Wenn sie unter neuem Heidentum verstehen, daß wir uns bekennen zu der Größe der Geschichte un­serer Vorfahren, so mögen sie das gleichfalls so nennen. Wenn sie Heidentum nennen, wenn wir wallfahren zu einer alten Kultstätte unserer Vor­fahren, so mögen sie das ebenfalls als Heidentum bezeichnen; aber sie mögen es uns nicht verübeln, wenn wir lieber in der Geschlossenheit unseres Volkes hier zusammenströmen, un­sere Herzen hochheben zu der Idee unseres Führers, als daß wir das Geschwätz von zänkischen Pfaffen anhören. Es ist besser, daß wir hier in Got­tes reier Natur die Einheit unseres Volkes bezeugen, als daß wir über Kon­fessionsstreit dieses Volk auseinandertreiben lassen.

Auch das sei besonders betont, so schön, so groß, so gewaltig, so glaubensstark ist noch keine Kirche erbaut worden, wie der Dom Gottes sich hier über diesem Berg in seiner gewaltigen Natur wölbt. Es ist die tiefe leidenschaftliche Sehnsucht unseres Volkes, die hier zum Ausbruch kommt, eines Vol­kes, das wieder beglückt ist, eins geworden zu sein. Und wenn die anderen sagen, wir hätten den Glauben abgestreift, so fragen wir sie, wann ist jemals in Deutschland tiefer, leidenschaftlicher geglaubt worden als heute? Wann ist jemals stärker ein Glaube wieder erweckt worden, wie der Glaube an den Führer? Wer hat jemals die Fackel eines Glaubens stärker entzündet, wer hat dem mutlosen, verzagten, zerrissenen deutschen Volk einen neuen Glauben eingepflanzt, wer hat mit der Starke eines leidenschaftlichen Glaubens Deutschland wieder auf gebaut? Es ist besser, im Glauben seines Volkes stark zu sein, als im Kate­chismus manches vergessen zu haben.

Wir fragen die Diener am Worte, die ein Volk glaubenslos werden ließen: Wo wart ihr denn in jener schweren Zeit, wo waren denn die Diener am Worte, als der Drache des Marxismus Deutsch­land verschlingen wollte, wo waren sie, als Deutsch­land im Unglauben zu ersticken drohte? Wenn ein Volk aufhört, an sich selbst zu glauben, bann nutzen auch die Gotteshäuser nichts mehr. Entscheidend ist nicht der Glaube an dieses oder jenes Dogma, an diese oder jene Auslegung, sMdern entscheidend ist, wie stark der Glaube eines Volkes an seine Zukunft ist. Dieser Glaube steht nicht im Widerspruch zu Gott, denn der All­mächtige hat unser Volk geschaffen, damit es hier auf dieser Erde seinen Platz hat. Und indem ich an mein Volk und seine Zukunft glaube, glaube ich an den Allmächtigen. Wir lassen uns nicht durch Un­glauben und nicht durch kundgetane Wunder fesseln, denn nie ist ein größeres Wunder geschehen als in unserer Zeit. Dieses Wunder ließ Der Allmächtige durch Adolf Hitler geschehen: D a s Wun­der der Auferstehung des deutschen Volkes. Die Wiedergeburt unseres Volkes ist das größte Geschehen gewesen.

Daß heute die Welt in Achtung und Respekt vor Deutschland steht, ist aber­mals das Werk Adolf Hitlers. Es ist vielleicht auch hier eine ganz zwangsläufige Folgeerschei­nung, daß jenes Volk, das in sich selbst germa­nisches Blut besitzt, zuerst bereit war, Deutschland das Seinige zuzuerkennen, weil die­ses Deutschland ihm wieder Achtung abnötigte und auch wieder ein zuverlässiger Faktor ge­worden war. Wir fühlen uns glücklich, diese Achtung wieder zu erkennen. Denn nur aus dieser Achtung erwach st die Freund­schaft, und nur auch Achtung und Freund­schaft erwächst der wahre Friede. And darum sind wir auch innerlich beglückt und freuen uns über die Erklärung des eng­lischen Thronfolgers. Lr kann ver­sichert sein: Wir deutschen Frontsoldaten und das deutsche Volk ergreifen freudigst die darge-

bolene Rechte. Die englischen Frontkämpfer wer­den bei uns deutschen Frontkämpfern Achtung, Verständnis und Kameradschaft finden. Dir achten in erster Linie den Soldaten; ob er in unseren eigenen Reihen oder in denen der Gegner war. And weil wir den Soldaten achten, sind wir beglückt, wenn auch der Gegnerwieder zum Freunde geworden ist.

Ich habe in den vergangenen Wochen, als ich b e i anderen Völkern zu Gast war, eine solche Achtung, eine solche Freundschaft erkennen können, daß der Jubel in den bulgarischen und dal­matinischen Dörfern nicht übertroffen werden konnte von dem Jubel in Deutschland. So erstarken auch andere Völker an Deutschland, weil dieses Deutschland ihnen gezeigt hat, daß es den Glauben an feilte Zukunft wieder gefunden hat. Wir glauben daß der Allmächtige, der dieses Volk geschaffen hat, es auch leben lassen wird, wenn es leben will.

Noch bleibt vieles zu schaffen und zu vollbringen. Und ständig müssen wir ein Augenmerk auf unsere geheimen Feinde haben. Der Ministerpräsident wandte sich bann gegen die versteckten Angriffe der Kommuni st en und der Reaktio­näre und hob hervor, es sei der Führung selbst­verständlich auch genau bekannt, daß es in der Verwaltung noch manches zu bereini­gen gäbe. Wir wissen, daß die Verwaltung von unserem Geist noch nicht ganz durchdrungen und erfüllt und in jene Formen gepreßt ist, die uns Nationalsozialisten vorschweben. Das kann nur im langsamen und zähen Vorwärts­schreiten geschehen; und es sind wieder wir Nationalsozialisten, die hier die Verantwortung tragen müssen. Noch leben wir in einer Zeit, wo

Buchstabe und Geist des Gesetzes sich Fehde an» gesagt haben, wo der Gegner noch glaubt, sich hin­ter Buchstaben verschanzen zu können, um wider den Geist zu sündigen.

Wenn heutePatrioten" glauben, ihrer Sehn­sucht nach der Fahne schwarz-weiß-rot Ausdruck verleihen zu müssen, bann geben wir ihnen zur Antwort: Seht euch biese Farben an und erkennt, was sie sind, wenn ihr nicht farben­blind sein wollt, und schwarz-weiß-rot weht übef Deutschland, weil das Hakenkreuz gesiegt hat. Nicht eine Kanone, nicht ein Schiff, nicht ein Flugzeug, nicht ein Bataillon wäre geschaffen worden, wenn die braunen Kämpfer nicht gesiegt hätten. Sie sind die Garanten, die dies alles geschaffen haben, und das muß immer wieder erklärt werden, damit die Verantwortung nicht verschoben wird für das was war, und für das, was gekommen ist. Der Sieg des Sowjetsterns hätte den Untergang Deutschlands im Blutrausch des Bolschewismus bedeutet. Wir danken Gott und dem Führer, daß das Hakenkreuz siegte. Denn nun ist Deutschland wieder aufer­standen.

Eine unbändige Dankbarkeit empfinden wir für den Wann, der uns dies alles geschenkt hat. Was Adolf Hitler für uns ist, das läßt sich nicht ausdrücken. Lr ist alles, ist Deutsch­land, ist unser Gau, die Bewegung, ist unsere Zukunft. Für uns Frontkämpfer ist es das Größte, daß uns Adolf Hiller wieder f r e i g e m a ch t hat und daß wir wieder frei vor unseren toten Kameraden stehen können und ihnen heute das Denkmal sehen dürfen, das große Denkmal, in das wir brennend die Worte hineinfchreiben können: Sie star­ben, auf daß Deutschland lebe!"

Reichssonnenwendfeier der deutschen Jugend.

Oer Reichsjugendführer zeugt für die Verbundenheit der nordischen Länder.

ZmFeuerkreis derLüdeckerVucht.

Travemünde, 24. Juni. (DNB.) Als Auftakt der zweiten Reichstagung der Deutsch-Nordischen Gesellschaft fand am Samstagabend auf der Herr- mannshöhe die Reichssonnenwendfeier der deutschen Jugend statt. Die Herrmanns- höhe, die unmittelbar an der Lübecker Bucht gele­gen, einen herrlichen Ausblick auf die weite See bietet, glich bei Eintritt der Dunkelheit einem Heer­lager. Große Abordnungen der HI., der Marine- HI., des Jungvolkes, sowie des BdM., hatten hier mit ihren Spielmannszügen auf der Höhe Aufstel­lung genommen.

000 Jungens und Mädels waren zusammen- getommen, um gemeinsam mit ihrem Reichsjugend­führer die Reichssonnenwende zu begehen. Außerdem hatten sich viele Ehrengäste eingefunden, darunter auch Vertreter der nordischen Länder.

Pünktlich 23.05 Uhr wurden auf das Zeichen eines Fliegers die zwei Holzstöße auf der Herr- mannshöhe, sowie die übrigen 800 Feuer, die an den Ufern der Lübecker Bucht entlang von Neustadt in Holstein bis an die mecklenburgische Küste er­richtet waren, entfacht. Im Augenblick war die ganze Bucht wie von einem Feuerreif umgeben. Nach Feuerliedern und Sprechchordarbietungen der Spiel­scharen kündete ein Fanfarensignal die Ankunft des R e i ch s j u g e n d f ü h r e s , der mit Reichslei­ter Alfred Rosenberg und dem Oberpräsidenten Gauleiter Lohse erschien.

Reichsjugendführer Baldur v. Gchirach hielt bann die Flammenrede, in der er u. a. aus­führte: Die ganze Jugend des Reiches ist versam­melt, um an diesem Tage der Sonnenwende erneut das Bekenntnis zu dem ewigen Feuer der Wahrheit abzulegen.. Es ist eine ganz be­sondere Ehre und Freude für uns, in dieser Stunde all die zu grüßen, die von den nordischen Ländern hierher geeilt sind, um mit uns diese Feierstunde zu erleben. Hier am Ufer der Ostsee, die mehr ist als

ein Meer, die eine Idee bedeutet, die für uns Verpflichtung und Forderung für die Zukunft ist, grüßen wir freudig unsere Brüder im Gei st e, die hier unter uns stehen, und wir gedenken ganz besonders in Ehrfurcht jenes großen Mannes Knut Hanf um, der in feinem BuchSegen der Erde" ein Glaubens- und Bekenntnisbuch für hie deutsche Jugend geschaffen hat.

Angesichts dieser lodernden Flammen geloben wir, daß wir, so wie wir heute versammelt stehen, unser ganzes Leben zusammen stehen wollen und stets der Größe und der Reinheit des ewigen Deutschlands dienen wollen. Ge­rade heute in dieser Feierstunde heißt es für uns, erneut ein Bekenntnis abzulegen zum Kampf um die Einheit und um die Reinheit des Deutschen Reiches.

Noch ist diese totale Einheit der deutschen Ju­gend nicht vollzogen, wie sie uns Adolf Hitler vor einigen Jahren befahl. Aber in dieser Feierstunde, da die Herzen einander entflammen, und zusammen­klingen zu einem einzigen Akkord, wollen wir a l - I e n jenen, b i e uns entgegen st ehen und diese Einheit nicht wollen, entgegenhalten unseren unbändigen Glauben an die Kraft der Sache, die wir selbst sind..

Baldur v. Schirach gedachte bann jener 21 jungen Helben unb Märtyrer, bie für die Fahne Aböls Hit­lers ihr Leben ließen. Jener Herbert N o r - k u s, ber uns in biefem großen Kampfe vorange- fchritten ist, steht auch heute mitten unter uns. Indem wir uns zu Herbert Norkus unb zu feiner Fahne bekennen, bekennen wir uns zugleich z u einer einigen deutschen Ingen b. Seid wie bisher, fo schloß der Reichsjugendführer, die schlichten und tapferen jungen Kämpfer des Dritten Reiches und Adolf Hitlers und grüßt mit in ihm den Führer des deutschen Volkes, des ewi­gen Deutschlands von der Ostsee bis zu den Feuern an der Saar, von den Feuern auf den Bergen bis zu den Feuern in der Ebene. Grüßt den Führer der Jugend, Adolf Hitler, Sieg-Heil!

Abschluß her Reichschealersesiivoche in Hamburg.

Heiteres Zwischenspiel:Oie Fledermaus".

Festlicher Ausklang:Oie Meistersinger" in Anwesenheit des Führers.

Der vorletzte Abend der zweiten Reichs- theaterfe st woche brachte eine Fleder - mau s"- Aufführung in der Hamburgischen Staats- oper, der der regierende Bürgermeister K r o g - mann und führende Persönlichkeiten der Staats­behörden, der Wehrmacht und der Bewegung bei­wohnten. Die Aufführung bedeutete ein heiteres Zwi­schenspiel, das dankbar begrüßt wurde. Die Auffüh­rung dieser klassischen Operette im Rahmen des reprä­sentativen Festes ist auch in einem höheren Sinne gerechtfertigt. Es bedarf keines Beweises, daß die deutsches Kunst in den gesegneten Gefilden der un­getrübten Fröhlichkeit ebenso beheimatet ist wie im Bereich ernster Arbeit, wo das Leben um feinen Sinn kämpft; dennoch aber ist es von Zeit zu Zeit nötig, auch auf die Tatsache hinzuweisen, daß wir auch im Reich der heiteren Muse genug Werke besitzen, die bei aller Leichtigkeit die Forderungen der Kunst erfüllen, deutschen Frohsinn von einer seiner reizvollsten Seiten zu zeigen und die Lust am Dasein in einem Spiel von unbeschwerter Fröhlich­keit zu feiern. Das war der Sinn dieser Aufführung. Die Staatsoper hatte dem beschwingten Werke eine Inszenierung von sprühender Laune angedeihen lassen. Rudolf Z i n d l e r s Regie ließ das Lust­spielhafte der Operette mit schönem Geschmack her- oortreten. Gerd Richter hatte Bühnenbilder ge­schaffen, die auf eine unaufdringliche Art die Zeit­stimmung der 70er Jahre erweckten. Hans Schmidt- Isserstedt, in dessen Händen die musikalische Leitung lag, ließ alle Köstlichkeiten der ewig jungen Musik erklingen. Die ausgezeichnete Besetzung ließ den Abend zu einer musterhaften Aufführung werden, die stürmisch beklatscht wurde.

Die Reichstheaterfestwoche fand mit der Fest­aufführung von Richard WagnersM e i st er­st n g e r n" ihren Abschluß. Der Führer unb Reichskanzler ist aus diesem Anlaß persönlich nach Hamburg gekommen, um durch seine Anwesenheit

dem festlichen Tage die besondere Weihe und Be­deutung zu geben. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am Sonntag die Kunde durch die Stadt, daß oer Führer in ihren Mauern weile, und ungeheure Massen von Volksgenossen eilten zum Hafen zu den St.-Pauli-Landungsbrücken, wo der Führer, der bereits in Begleitung von Reichspressechef Dr. Dietrich, SS.-Brigadeführer Schaub und Ad­jutant Wiedemann eingetroffen war, von einer Fahrt auf der Unterelbe zurückkehrte. Unbeschreib­licher Jubel scholl dem Führer entgegen, als er in Begleitung von Reichsstatthalter Gauleiter Kauf­mann die Landungsbrücken verließ. Beim Erschei­nen in der Ehrenloge klangen dem Führer erneut begeisterte Jubelrufe entgegen. Mit dem Führer nahmen Reichsminister Dr. Goebbels und Ge­neralfeldmarschall von Mackensen sowie Reichs­statthalter Kaufmann, regierender Bürgermei­ster Dr. Krogmann mit den Mitgliedern des Senates und die Mitglieder der deutschen Flotten­abordnung unter Führung von Botschafter Rib­bentrop, ferner viele Vertreter des Staates, der Partei und Wehrmacht Platz. Die festliche Versamm­lung empfand die tiefe Bedeutung, die des Führers Anwesenheit gerade in dieser Stunde hatte.

Auch rein künstlerisch hätte die zweite Reichs- theaterfestwoche keinen glanzvolleren und würdige­ren Abschluß finden können, als es mit derMei- stersinger-Aufführung in der Hamburgischen Staats­oper geschah. Sinn und Bedeutung dieser reprä­sentativen Bekundung des neuen Kulturwillens trat hier noch einmal in aller Deutlichkeit hervor. DieMeistersinger" in der Inszenierung von Oskar Fritz Schuh, mit den Bühnenbildern von Heinz Daniel, gehören an sich schon zu den besten Leistungen der Hamburgischen Staatsoper. Die wahrhaft glückliche Lösung der szenischen Aufgabe wirkte zusammen mit den sehr lebendigen Bild­eindrücken für eine Gesamtwirkung von festlicher

Größe und einheitlicher Geschlossenheit. Zur Voll­endung der Ausführung trug vor allem auch die meisterliche Leistung Furtwänglers und die großartige Besetzung bei, die zu einem guten Teil der Bayreuther Besetzung entsprach. Furtwäng­lers Führung verdankte die Aufführung Monumen­talität und Verinnerlichung, seelischen Adel und Wärme des Herzens, wie auch der Dirigent die Architektur des Werkes klar und wuchtig heraus­arbeitete und zugleich jede Einzelheit stimmungs­mäßig so durchformte, daß sie inneres Leuchten ge­wann. Mit wahrhafter Meisterschaft handhabte er das ausgezeichnete Instrument des Philharmoni­schen Orchesters.

Der gewaltige Eindruck, den dieMeistersinger"- Aufführung hervorrief, drückte sich in rauschenden Beifallsstürmen aus, die mit dem Dank der Ham­burger für das Erscheinen des Führers zusam­menklangen. Immer wieder klang das Sieg-Heil zur Ehrenloge herauf, wo der Führer, zwischen Reichs­minister Dr Goebbels unb Generalfeldmarschall v. Mackensen stehend, für die freudige Begrü­ßung dankte. Der Führer beteiligte sich außerordent­lich lebhaft am Beifall für die Künstler, die am Schluß der Aufführung gemeinsam mit allen Mit­wirkenden von Furtwängler bis zum letz­ten Bühnenarbeiter mit erhobenem Arm den Führer grüßten. Als der Führer das Opernhaus verlieh, wurde er wiederum jubelnd begrüßt.

Grenzlandlager.

Gießener Studenten in Monschau (Eise!). Von Heinz Löste, Amiöleiter für Wissenschaff.

Der alle Lebensbereiche umfassende Umbruch im Gefolge der nationalsozialistischen Revolution hat auch Hochschule und studentisches Leben tiefgreifend beeinflußt und umgestaltet. Schnell haben sich äußere Formen und organisatorische Ein­richtungen gewandelt. Im eigentlichen Aufgaben­bereich der Universität dagegen, in der wissen­schaftlichen Arbeit, beginnt man nur zögernd und mühsam nach neuen Wegen zu suchen. Wohl wird oft genug die Forderung ausgesprochen, daß die Wissenschaft nicht nur in Hörsälen und ein­samen Studierstuben ihre Pflegestätten finden dürfe, sondern in eine unmittelbare und lebendige Verbindung mit der Wirklichkeit und ihre Aufgaben, vor allem mit den Ausgaben und Problemen des völkischen und staatlichen Lebens treten müsse. Die Verwirklichung dieser Forde­rung findet sich bisher nur in wenigen Ansätzen, denen aber als Wegbereiterin einer" neuen Auf­fassung vom Wesen der Hochschule und der wissen­schaftlichen Arbeit um so größere Bedeutung zu» kommt.

Einen solchen Versuch, über den Rahmen des üblichen Universitätsbetriebes hinauszugehen uni) dennoch positive, fruchtbare wissenschaftliche Arbeit zu leisten, stellt die in diesem Sommersemester von der Gießener Studentenschaft aufge­zogene Grenzlandarbeitsaemeinschaft dar. Ausgehend von der Einsicht, Daß die uns alte so nahe berührenden Fragen von Staat und Volks­tum sich gleichsam konzentriert und wie in einer Sammellinse vereinigt in dem Problem des Grenz- und Auslandsdeutschtums finden, stellten wir dieses in den Mittelpunkt unserer Arbeit. Don vorne- herein lehnten wir eine rein theoretischeakade­mische" Behandlung des Problems in Gestalt einer Vorlesung oder eines Seminars ab, denn gerade die Not und der Kampf des in seinem Volkstum bedrohten Grenz- und Auslandsdeutschtums kann nur aus eigener Anschauung wirklich verstanden werden. Diese Forderung nach gründlicher Vertie­fung in die Problematik Des Grenzlandcs durch den eigenen Augenschein zwang selbstverständlich zur Beschränkung unserer Arbeit auf ein bestimmtes Gebiet. So wählten wir, da das Saarproblem durch den Ausgang der Volksabstimmung erledigt ist, als westdeutsche Hochschule das uns am nächsten lie­gende Gebiet der abgetretenen Kreise Eupen und Malmödy sowie des deutschen Grenzkreises Monschau. Hier in dem klei­nen Kreisstädtchen Monschau, wenige Kilometer von der belgischen Grenze entfernt, sollte für eine Woche ein Lager aufgeschlagen welchen.

Das Lager und die vorbereitende Arbeitsgemein­schaft sollte ein gründliches und umfassendes Bild von der Lage des Deutschtums diesseits und jen­seits der belgischen Grenze bieten. Das erfor­derte eine systematische, wissenschaftliche Vorarbeit. Die geologischen und geo­graphischen Verhältnisse der drei Kreise, Bodenbeschaffenheit, Klima und Vegetation, darauf aufbauend die wirtschaftlichen Möglich­keiten des Landes und ihre tatsächliche Aus­nutzung, ferner die politische, völkische und kulturelle Geschichte, alles das wurde von den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft er­arbeitet und in Referaten vorgelegt.

So vorbereitet bezogen wir Mitte Juni in der zur Jugendherberge ausgebauten Burg Monschau unser Lager. Unser Unternehmen wurde bereitwil- ligst von allen amtlichen Stellen unterstützt. So konnten wir eine ganze Reihe von fachkundigen Herren gewinnen, die uns aus ihrem Arbeite- und Fachgebiet viel Interessantes berichteten und die Verhältnisse des Grenzgebietes so von allen Seiten beleuchteten. Landrat Dr. G e e s ch e stellte uns einen Film über Monschau zur Verfügung. Bürger­meister Schumacher sprach über die Lage der Stadt, besonders ihre finanziellen Schwierigkeiten. Kreisleiter Pg. Saal gab einen Ueberblick über die politische Entwicklung des Kreises. Der Mon­schauer Heimatschriftsteller Dr. M a t h a r erzählte aus der Geschichte der Grenzkreise und übernahm die Führung durch die Stadt. Die Grenzziehung in ihrer ganzen Unsinnigkeit wurde uns besonders klar durch das Referat des Bezirkszollkommissars Großberndt über die Aufgaben der Zollbehör­den und die Bekämpfung des Schmuggels, der in­folge der verwickelten Grenzverhältnisse sehr in Blüte steht. Speziell über die wirtschaftlichen Folgen der Abtretung von Eupen-Malmedy sprach Dr. Floßdorff, dessen interessante Dissertation über dies Thema sich gerade im Druck befindet.

Es ist selbstverständlich, daß diese Herren, die das Grenzland durch ihren Beruf genau kennen, uns ein viel gründlicheres und vor allem anschaulicheres Bild vermittelten als wir es uns aus der vorhan­denen Literatur gewinnen konnten. Die Besichti­gung des Heimatmuseums brachte uns vieles aus der Vergangenheit Monschaus zur An­schauung, die Besichtigung einer Seidenspin­nerei, der 700 Arbeiter beschäftigenden größten Fabrik der Stadt geigte uns einen wichtigen Aus­schnitt aus dem Wirtschaftsleben der Gegenwart. Mehrere Wanderungen an der Grenze entlang, dic stellenweise auch auf belgisches Gebiet führen, machten uns klar, mit welcher Rücksichtslosigkeit seinerzeit in Versailles die Grenze gezogen wurde. Eine belgische Bahn, die durch deutsches Gebiet, eine deutsche Straße, die durch belgisches Gebiet führt,