tkgsten Städten Englands eröffnet werden. Die neuangeworbenen Flugzeugführeranwärter werden in „kurzdienende Fliegeroffiziere" und „Flugzeugführer ohne Offiziersrang" eingeteilt. Als kurz dienende Fliegeroffiziere werden junge Leute „von guter Herkunft und höherer Schulbildung" gesucht, die ein anfängliches Jahresgehalt von 325 Pfund erhalten. Nach einem aktiven Dien ft von vier Jahren werden sie dem sechsjährigen Reseroedienst überwiesen. Für die Ausbildung als Flugzeugführer ohne Offi- ziersrang mit einem anfänglichen Jahresgehalt von 200 Pfund werden junge Leute mit Mittelschulbildung zugelassen. Neue Militär- fliegerschulen werden zunächst in Hcmworth, Reading, White Waltham und Sywell errichtet. Bis zur Errichtung der vorgesehenen 31 neuen Militärflugplätze werden verschiedene Vor-
k e h r s f l u g p l ä tz e für die Zwecke der Luftstreitkraft herangezogen werden.
Das Luftfahrtministerium teilt weiter mit, daß innerhalb der Territorialarmee drei neue leichte Bombengeschwader gebildet werden. Im übrigen sei der Vorschlag, u n - terirdische Flugzeughallen zu bauen, genau geprüft, jedoch angesichts der hohen Kosten und auch aus anderen Gründen wieder fallengelassen worden. Es ist aber beabsichtigt, u n - terirdische Vorratshallen für Tretv- und Explosivstoffe zu bauen. Für eine Anpassung der englischen Flugzeugindustrie an die neuen hochgespannten Anforderungen sind veit- gehende Maßnahmen vorgesehen. Zum Mittelsmann zwischen der Regierung und der Flugzeugindustrie ist Lord Weir ernannt worden, der im letzten Kriegsjahr englischer Luftfahrtminister war.
Die Durchführung des briüschen Lufirüstungs- programms ist keine Verwerfung des deulfchen Angebots eines Vegrenzungsabkommens.
Rundfunkrede des britischen Lustfahrtministers.
London, 24. 7Nal. (D71B. Funkspruch.) 3n einer Rundfunkrede erläuterte der britische Luftfahrtminister Lord Londonderry am Donnerstagabend dem englischen Publikum das neue Luftprogramm der Regierung. Er sagte, die Vergrößerung der britischen Luftmacht sei in keiner Welse eine Antwort auf Hitlers bemerkenswerte und feiner Ansicht nach in vielen Beziehungen hoffnungsreiche Rede. Die Annahme des Grundsatzes einer Begrenzung der Rüstungen durch Hitler sei sehr willkommen. Vor allem aber sei er als Luftfahrtminister befriedigt über Hitlers Vorschlag, die L u f k - rü st ungen zu begrenzen. Das britische Lufkpro- gramm dürfe keinen Augenblick lang als Verwerfung des deutschen Angebots einer Begrenzung aufgefaßt werden. Ferner wünsche er hervorzuheben, daß das Programm auch keine neue Wendung der britischen Politik bedeute. Ls sei nur eine Bestätigung und praktische Anwendung der Wehrpolitik, die hinsichtlich der Luftwaffe bereits im Jahre 1 9 2 3 fest gelegt und von konservativen, sozialistischen und nationalen Ministerien angenommen und aufrechterhalten worden sei. Das britische Programm richte sich gegen kein bestimmtes Land.
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Ein am Donnerstagabend in London verbreitetes Gerücht, daß die englische Regierung möglicherweise ihr Luftausrüstungsprogramm n i ch t i n vollem Umfange durchführen werde, da sie nach der Erklärung Hitlers über Deutschlands Bereitwilligkeit zum Abschluß eines Luftabkommens eine größere Möglichkeit, zu einer Vereinbarung sähe, die vielleicht das ganze Aufrüstungsprogramm hin- fäqig machen würde, wird in gut unterrichteten Kreisen entschieden dementiert. Seit der Verkündung des Programms im Parlament habe sich noch nichts ereignet, um der Lage ein neues Gesicht zu geben. Sowohl Baldwin wie Lord Londonderry hätten erklärt, daß England ein Luftabkommen mit einer vereinbarten ziffernmäßigen Begrenzung begrüßen würde, aber vorläufig sei der Beschluß Englands, die neuen Aufrüstungsmaßnahmen mit Volldampf in Angriff zu nehmen, in keiner Weise geändert worden. Der Gedanke eines Luftabkommens sei bei seiner ersten Erörterung auf der Londoner Konferenz zwischen englischen und französischen Ministern im Februar als ein Einzelvorschlag im Rahmen eines Gesamt Programms für eine allgemeine europäische Regelung erörtert worden. In der Zwischenzeit habe sich weder in Stresa
noch seither etwas ereignet, um diese Sage zu ändern. Irgendwelche Schritte zur Erzielung eines Luftpaktes mühten selbstverständlich in enger Zusammenarbeit mit Frankreich, Italien und anderen interessierten Mächten unternommen werden.
„Time s" schreibt, die Minister sind der Meinung, daß Hitlers Rede eine bessere Gelegenheit für eine westeuropäische Luftvereinbarung gegeben hat als bisher für möglich gehalten wurde. Sie werden alles tun, was in ihrer Macht liegt, um eine Vereinbarung zu fördern, die sie der Notwendigkeit beheben würde, mit dem Dienstag bekannt^egebenen Luftrüstungsprogramm in feiner Gesamtheit fortzufahren. Zugleich werden indessen die Vorkehrungen, die das Programm in Bewegung setzen, sofort beginnen. Es ist unwahrscheinlich, daß der notwendige Ergänzungsetat im Unterhaus vor Juli eingebracht werden wird, und vielleicht wird er bis zum Herbst aufgeschoben werden müssen.
Englische Minister als Aktionäre der Rüstungsindustrie.
London, 23. Mai. (DNB.) Im Regierungsausschuß zur Untersuchung des privaten Waffenhandels erklärte Professor Arnold Forster im Auftrage des englischen Friedensausschusses, mehrere englische R e g i e r u n g s m i t g l i e d e r besäßen Aktien von Rüstungsfirmen. Der Innenminister Sir John G i l m o r habe nach einer amtlichen Statistik 3066 Aktien der Waffenfirma Vickers und der Kolonialsekretär Sir Philipp Eunliffe-Lister besitze 25 Aktien. Er glaube zwar nicht, daß die Politik der Minister in irgendeiner Weise durch den Besitz dieser Aktien beeinflußt sei. Es seien aber gewisse Einwände gegen ein System zu erheben, bei dem privates und öffentliches Interesse so eng miteinander verknüpft sein könnte. Forster forderte auch, daß sich der Untersuchungsausschuß mit der Möglichkeit geheimer internationaler Rüstungskartelle befasse, die man als „die geheime internationale" bezeichnet habe. Der Kolonialminister Sir Philipp Eunliffe-Lister antwortete, daß er zur Zeit nur noch drei Dickersaktien im Nennwert von 6 Schillingen 8 Pence besitze, die zusammen eine Dividende von 7 Schillingen und 6 Pence jährlich abwerfen. Eine Denkschrift der Kommunistischen Partei sagt, Schatzkanzler Neville Chamberlain besitze 833 Vorzugsaktien und 5414 ordentliche Aktien der Imperial Chemical Industrie. Auch Mitglieder des englischen Adels und der Kirche hätten große Aktienanteile der Rüstungsfirmen.
Große Schwierigkeiten in Gens.
Französisch-britische Vorschläge zur Behandlung des Abessinienkonflikts. — Oie Oonaukonferenz in Gefahr.
Paris, 24. Mai. (DNB.-Funkspruch.) Die Genfer Sonderberichterstatter der Pariser Blätter glauben berichten zu können, daß Mussolini in den späten Abendstunden des Donnerstag feine Zustimmung zu den von Laval und Eden ausgearbeiteten Vorschlägen gegeben habe. Man erwarte nunmehr noch die Antwort aus Addis Abeba und werde Freitag das genaue Verfahren ausarbeiten. Laval werde Freitag abend nach Paris zurückkehren. „Echo de Paris" erklärt, daß trotzdem kein wesentlicher Fortschritt zu verzeichnen sei. Die Verhandlungen würden bis zum Zusammentritt des Völkerbundsrates am Freitagnachmittag fortgesetzt.
Dkts Blatt weist ferner auf die Gefahren hin, die für das Zustandekommen des D o - n a u p a k t e s bestehen, falls es nicht gelinge, den abessinisch - italienischen Streitfall beizulegen. Die Kleine Entente könne unmöglich Militärverträge mit Italien unterzeichnen, wenn dieses in Afrika in eine der schwierigsten Unternehmen verwickelt sei. Im übrigen seien der rumänische und der tschechoslowakische Außenminister über die Lage in Mitteleuropa sehr beunruhigt. Sie hätten sich sogar bereiterklärt, auch ohne jede Vorbereitung nach Rom zu gehen. In Völkerbundskreisen scheine man jedoch über den Ausgang der römischen Konferenz recht pessimistisch zu denken, gerade weil sie nickt genügend vorbereitet sei. „Petit Pansien" glaubt nicht, daß die Konferenz noch in diesem Sommer werde stattfinden können. Es sei noch eine lange diplomatische Vorarbeit notwendig, ehe die in Rom zu behandelnden Fragen spruchreif würden.
Laval gab Donnerstag abend den Vertretern der Kleinen Entente und der Balkanentente ein Essen. Dabei wurde neben der Vorbereitung der Donaukonferenz die Rückwirkung der Reichskanzlerrede auf die europäische Lage besprochen. Auch wurde der italienisch-abessinische Streit erörtert, der auch das Verhältnis der Kleinen Entente zu Italien berührt, da Italien ein positives Verhalten der Kleinen Entente wünsche, während aber vor allem der tschechoslowakische Außenminister die Grundsätze des Völkerbundes bei dieser Gelegenheit zur Geltung bringen will. Italien würde eine Entschließung ablehnen,
die ähnlich wie bei früheren Gelegenheiten beiden streitenden Parteien gegenüber den Wunsch aussprechen würde, sie sollten nichts unternehmen, was zur Verschärfung der Lage beitragen könnte. Mussolini stehe auf dem Standpunkt, daß seine Maßnahmen in Somali-Land re. in defensiver Art sind und dem Völkerbund keinen Anlaß zum Eingreifen geben.
Italienische Bombenabwürfe über abessinischen Gebiet?
London, 24. Mai. (DRB. Funkspruch.) Der Berichterstatter des „Daily Telegraph" In Addis Abeba meldet, daß die belgische 211 HHarrn i f f i o n in Abessinien der abessinischen Regierung einen von einer Anzahl Photographien begleiteten Bericht vorgelegt habe, der sich mit gewissen Bombenabwürfen italienischer Militärflugzeuge beschäftigte. Das dokumentarisch belegte Veweismaterial spreche davon, daß acht Bomben abgeworfen worden seien, sieben auf Gerlogubi und eine auf Ado. Beide Ortschaften lägen weit innerhalb des abessinischen Gebietes. Ferner seien drei nicht explodierte Bomben aufgefunden worden. GnMch-üallem'sKe Reiderejen.
London, 24. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Presse beschäftigt sich immer lebhafter mit dem italienisch-abessinischen Streit, lieber den Fortgang der Besprechungen in Genf berichtet die „Times", die britische Abordnung arbeite mit der französischen zusammen, um jeden möglichen Druck auf die italienische Regierung zur Anwendung zu bringen. Es sei keine Rede davon, daß ein Druck auf die abessinische Regierung ausgeübt worden fei, um sie zur Zurückziehung ihres Gesuches an den Völkerbund oder zu wirtschaftlichen oder sonstigen Zugeständnissen zu veranlassen. Das Ziel sei, eine Lösung zu finden, bie~ die britische Regierung als Mitglied des Völkerbundes annehmen könne. Engländer und Franzosen faßten den Streit nicht als Streit zwischen Italien und Abessinien, sondern a l s Streit zwischen zwei Völkerbunds-
mitgliedern auf, der allen anderen Mitgliedern des Völkerbundes Verpflichtungen auferlege.
„News Chronicle" und „Daily Herald" erinnern Italien in maßvollem Ton an seine internationalen Verpflichtungen und warnen es davor, das Gesetz des Handelns in seine eigene Hand zu nehmen. Aufgabe und Pflicht des Völkerbundes fei es, sich mit einem Falle drohenden Krieges zu befassen. „Times" sagt, die Erklärung des Unterstaatssekre- tärs Lord Stanhope zu der italienischen Behauptung über britische Begünstigung der Waffeneinfuhr nach Abessinien habe leider dem Eifer der italienischen Presse nicht Einhalt getan. Die Richtigstellung Stanhopes scheine nur zu neuen Phantasien ermutigt zu haben.
Im „Giornale d'Jtalia" war z. B. behauptet worden, daß sich Großbritannien in gewissen abessi
nischen Mineralgebieten militärisch betätige. In London wird hierzu erklärt, in Abessinien gebe es nur eine einzige kleine Bergbaukonzession, und zwar in Prasso (Westabessinien), die aber nicht militärischen Zwecken diene. Auch die Behauptung, die Engländer richteten in Abessinien Fußballplätze ein, die in Wirklichket Landeplätze für Flugzeuge feien, wird dementiert. In Abrede gestellt wird auch die Meldung, daß England an verschiedenen Sammelplätzen, besonders in Khartum, Flugzeuggeschwader zu- sammenziehe. In das Gebiet der Phantasie wird zum Schluß die Unterstellung verwiesen, daß in der Nähe der abessinischen Grenze ein militärisches Eisenbahnnetz gebaut werde. Strategische Eisenbahnlinien gebe es nicht in der Nähe der abessinischen Grenze.
Die Wehrbezirkseiuteilung für das Deutsche Reich.
Berlin, 23. Mai. (DNB.) Das Reichsgesetzblatt vom 22. Mai 1935 enthält als Anlage 2 die Wehrbezirkseinteilung für das Deutsche Reich mit Ausnahme der entmilitarisierten Zone. Danach ist die Einteilung der Wehrbezirke wie folgt:
Wehrkreis I.
Wehrersatzinspektion Kö n i q s b e r g/Pr.: Wehrbezirk Königsberg/Pr. I und fl, Gumbinnen, Tilsit und Insterburg. Wehrersatzinspektion Allen- stein: Wehrbezirke Allenstein, Bischofsburg, Lätzen, Angerburg, Rastenburg, Bartenstein. Wehr- ersatzinspektion Elbing: Elbing Braunsberg, Marienburg (Westpr.) und Mohrungen.
wehrkeis II.
Wehrerfatzinfpektion Stettin: Stolp, Köslin, Neuftettin, Deutsch-Krone, Woldenberg (Neum.), Stettin, Stettin-Randow, Swinemünde, Stargard (Pom.), Labes, Greifswald, Schwerin: Lübeck, Schwerin, Rostock, Parchim, Neustrelitz, Perleberg. Schleswig-Holstein in Altona: Neumünster, Rendsburg, Schleswig, Kiel, Eutin. Groß- Hamburg: Hamburg I—V.
Wehrkreis III.
Wehrerfatzinfpektion Frankfurt/ Oder: Eberswalde, Berlin XI, Frankfurt/Oder, Lübben (Spreewald), Küstrin, Landsberg (Warthe), Croffen/Oder, Cottbus. Magdeburg: Stendal, Magdeburg I bis III, Halberstadt, Dessau, Halle (Saale), Bitterfeld, Eisleben, Neuruppin, Potsdam I und II. Berlin: Berlin I—X. Wehrkreis VI bearbeitet außerdem die Ersatzangelegenheiten und Heber» wachungen der im Ausland befindlichen Wehrpflichtigen.
Wehrkreis IV.
Wehrerfatzinfpektion Dresden: Bautzen, Löbau, Kamenz, Meißen, Dresden I bis III. Pirna, Freiberg, Chemnitz I und II, Annaberg, Glauchau, Zwickau I und II, Plauen. Leipzig: Leipzig I bis III, Wurzen, Döbeln, Wittenberg, Torgau, Altenburg, Naumburg (Saale). Weimar: Sangerhausen, Weimar, Gera, Rudolstadt, Mühlhausen, Erfurt, Eisenach, Gotha, Meiningen.
Wehrkreis V.
Wehrersatzinspektion Ulm: Ellwangen, Gmünd, Ulm, Tübingen, Horb, Rottweil, Donaueschingen, Konstanz, Ravensburg, Biberach (Riß), Ehingen (Donau). Stuttgart: Stuttgart I und II, Eßlingen, Ludwigsburg, Leonberg, Heilbronn, Hall, Bad Mergentheim, Mosbach, Würzburg.
Wehrkreis VI.
Wehrersatzinspektion Bremen: Bremen I u. II, Stade, Wesermünde, Oldenburg (Oldb.) I und II, Aurich, Nienburg, Singen, Osnabrück, Herford, Minden. M ü n ft e r : Münster, Paderborn, Bielefeld, Detmold, Arnsberg, Soest. Dortmund I u. II, Iserlohn, Coesfeld.
Wehrkreis VII.
Wehrerfatzinfpektion München: München I dis III, Rosenheim, Traunstein, Landsberg, Augsburg, Memmingen, Kempten. Regensburg: Regensburg, Landshut, Passau, Deggendorf, Cham, Weiden, Amberg. Nürnberg: Nürnberg I, Fürth, Nürnberg II, Bamberg, Bad Kissingen, Ansbach, Ingolstadt, Coburg, Bayreuth, Marktredwitz.
Wehrkreis VIII.
Wehrersatzinspektion Breslau: Oels, Breslau I bis III, Brieg, Glatz, Waldenburg (Schlesien), Schweidnitz, Oppeln, Neiße, Neustadt (Oberschles.), Cosel, Gleiwitz, Beuchen, Hindenburg (Oberschles.), Kreuzburg (Oberschlesien). L i e g n i tz : Glogau, Liegnitz, Sagan, Görlitz, Bunzlau, Hirschberg, Wohlau.
Wehrkreis IX.
Wehrersatzinspektion Kassel: Kassel I und II, Korbach, Marburg, Hersfeld, Fulda, Büdingen, Gießen, Wetzlar, Siegen, Aschaffenburg. Hannover: Hannover I und II, Braunschweig, Goslar, Hildesheim, Hameln, Göttingen, Celle, Lüneburg.
Die Ettahbezirkseiliteillmg für die enimilttaiMrie Zone. Auf Grund des Wehrgesetzes (Ersatzwesen § 12) werden die Wehrpflichtigen in der entmilitarisierten Zone durch die Behörden der allgemeinen und inneren Verwaltung erfaßt. Dementsprechend wird das Ersatzwesen in diesem Gebiete des Deutschen Reiches durch zivile, A m t s st e l l e n verwaltet. Mittlere Ersatz- behörden sind das Badische Ministerium des Innern in Karlsruhe, der Regierungspräsident in Düsseldorf und der Regierungspräsident in Koblenz. Diesen Mittleren Ersatzbehörden sind eine Anzahl von Unteren Ersatzbehörden wie folgt untergeordnet:
Karlsruhe — Badisches Ministerium des Innern.
Speyer (Regierungspräsident) Karlsruhe (Landeskommissär) Freiburg im Breisgau (Landeskommissär)
Düsseldorf — Regierungspräsident.
Aachen (Regierungspräsident) Köln (Regierungspräsident) Düsseldorf (Regierungspräsident) Essen (Regierungspräsident Düsseldorf
Ortsstelle Essen)
Recklinghausen (Regierungspräsiden- Münster, Ortsstelle Recklinghausen)
Bochum (Regierungspräsident Arnsberg, Orfsstelle Bochum)
Koblenz — Regierungspräsident.
Trier (Regierungspräsident)
Koblenz (Regierungspräsident) Wiesbaden (Regierungspräsident) Darmstadt (Landesregierung).
Wie sieht es in -er Wirtschaft aus?
Die arbeitstägliche Förderung des deutschen Steinkohlenbergbaus war im Monat April wiederum um 1 v. H. größer als in den vorangegangenen Monaten. Ein kleiner Förderungsrückgang in Oberschlesien, Niederschlesien und Sachsen wurde durch Mehrförderung im Ruhrund Saargebiet sowie im Aachener Revier reichlich ausgeglichen. Verglichen mit den Ergebnissen des gleichen Monats im Jahre 1934 war die Aprilförderung um 14 v. H. höher. Allerdings legt die Behauptung des Ausfuhrgeschäfts dem deutschen Kohlenbergbau nach wie vor große Opfer auf. Aus diesem Grunde hat auch das größte reine Stein- kohlenbergbauunternehmLn Deutschlands, die H a r - pener Bergbau AG. in Dortmund, in diesem Jahre ihre Dividendenausschüttung noch nicht wieder aufnehmen können. Trotz beträchtlicher mengenmäßiger Absatzsteigerung waren die Gewinne nicht hoch genug, als daß neben der hohen Syndikatsumlage und reichlichen Abschreibungen ein größerer Reingewinn hätte ausgeschüttet werden können. Die Stärkung der Betriebsmittel und Reserven wird aber dem Unternehmen wie auch seinen Aktionären künftig zugutekommen. In wie hohem Maße die Steigerung der Produktion auch bei mittleren industriellen Unternehmungen eine Besserung der Rentabilität durch bessere Ausnützung der Betriebsanlagen ermöglicht hat, zeigt u. a. der Jahresabschluß der Waggonfabrik Steinsurt in Königsberg. Bei dieser Gesellschaft, die neben Waggons vor allem landwirtschaftliche Transport- und Ackerwagen sowie sonstige Bedarfartikel der Landwirtschaft herstellt, haben sich Umsätze, Roherträge und Dividende im letzten Jahre um 5 0 v. H. er« höht. — Im deutschen Steinkohlenbergbau steht ein Zusammenschluß von größerer Bedeutung hervor. Die beiden dem preußischen Staate gehörenden Bergwerksgesellschaften H i b e r n i a und Recksinghausen sollen miteinander verschmolzenwerden. Die neue Einheitsgesellschaft wird über ein Kapital von 150 Millionen Mark verfügen.
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Infolge der Flüssigkeit des Geldmarktes, die sich durch die Arbeitsbeschaffung ergab, wobei die Nachfrage nach neuem Kapital sehr gering blieb, lag zeitweilig der Satz für tägliches Geld unter 1 v. H. des Reichsbankdiskonts. Die bei den Banken also jederzeit abzuberufenden Gelder haben eine beträchtliche Höhe erreicht, und die Deutsche G o l d d i s k o n t d a n k hat sich deshalb entschlossen, diese Gelder gegen Solawechsel mit dreimonatiger Laufzeit aufzusaugen, wobei die Bank ihr Grundkapital um 200 Millionen Reichsmark erhöhen wird. Hierdurch wird erreicht, daß
die flüssigen Mittel, die sich aus der Finanzierung der Arbeitsbeschaffung ergeben, auch marktpolitisch wieder aufgefangen werden. Da schon 1926 ein ähnliches Verfahren durchgeführt wurde, ist die Behauptung einer gewissen Finanzpresse des Auslandes von einer inflationistischen Maßnahme geradezu niederträchtig.
Wir haben bereits auf die Bedeutung des Internationalen Sparkaffenkongreffes in Paris hingewiefen. Der Kongreß hat u. a. gefordert, daß das Sparen als besonderes Schulfach eingeführt werde, und ferner kam es zu einer ausführlichen Debatte darüber, ob die Zinssätze von den Sparkassen selbständig oder im Einklang mit der gesamten Wirtschaftspolitik des Staates festgesetzt würden, wobei sich bezeichnenderweise die Engländer und auch die deutschen Vertreter für den Zusammenhang der Sparkassen mit der Wirtschaftspolitik des Staates verwandten. Die Bemühungen der Regierungen um den Zinsabbau sollen aktiv unterstützt werden. Heber die Beziehungen von Sparkassen und Lebensversicherungen wurde ebenfalls de- battiert, wobei Deutschland sich dafür einsetzte, daß beides getrennt werde und die Versicherungsgesellschaften das eigentliche Versicherungsrisiko zu tragen hätten. Der stellv. Präsident des Deutschen Sparkassenverbandes, Dr. Gugelmeier, konnte berichten, daß bei den deutschen Sparkassen ein stetiges Ansteigen der Einlagen und ein zunehmender Konsolidierungs - Prozeß zu verzeichnen ist. Er stellte in seinem Referat die Forderung auf, daß Wirtschaftskrisen und Erschütterungen des Vertrauens durch eine ausreichende Liquidität der Sparkassen vorgebeugt werden müsse. In Deutschland sind Sicherheit und Vertrauen, die Dr. Gugelmeier mit Recht als die Hauptstützen des Sparkapitals eines Volkes bezeichnete, heute endgültig wiedergekehrt.
Die Anregung der Vereinigten Staaten, über die Frage einer Stabilisierung der Währungen internationale Verhandlungen einzulei- ten, hat zwar viel Zustimmung gefunden, bis jetzt aber noch nicht zu einem offiziellen Meinungsaustausch geführt. Es wird zwar behauptet, daß die auf der letzten Tagung des Verwaltungsrats der BIZ. geführten Unterhaltungen zwischen den Präsidenten der Notenbanken Englands, Frankreichs, der Vereinigten Staaten und anderer Länder über die Möglichkeit einer gemeinsamen Währungsstabilisierung fortgeführt wurden. Aber solange sich die Regierungen der Abwertungsländer gegenüber solchen Bestrebungen völlig zurückhaltend


