Ausgabe 
24.5.1935
 
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tkgsten Städten Englands eröffnet werden. Die neuangeworbenen Flugzeugführeranwärter werden inkurzdienende Fliegeroffiziere" undFlugzeug­führer ohne Offiziersrang" eingeteilt. Als kurz dienende Fliegeroffiziere werden junge Leutevon guter Herkunft und höherer Schulbil­dung" gesucht, die ein anfängliches Jahresgehalt von 325 Pfund erhalten. Nach einem aktiven Dien ft von vier Jahren werden sie dem sechsjährigen Reseroedienst überwiesen. Für die Ausbildung als Flugzeugführer ohne Offi- ziersrang mit einem anfänglichen Jahresge­halt von 200 Pfund werden junge Leute mit Mit­telschulbildung zugelassen. Neue Militär- fliegerschulen werden zunächst in Hcmworth, Reading, White Waltham und Sywell errichtet. Bis zur Errichtung der vorgesehenen 31 neuen Militärflugplätze werden verschiedene Vor-

k e h r s f l u g p l ä tz e für die Zwecke der Luftstreit­kraft herangezogen werden.

Das Luftfahrtministerium teilt weiter mit, daß innerhalb der Territorialarmee drei neue leichte Bombengeschwader gebil­det werden. Im übrigen sei der Vorschlag, u n - terirdische Flugzeughallen zu bauen, genau geprüft, jedoch angesichts der hohen Kosten und auch aus anderen Gründen wieder fallen­gelassen worden. Es ist aber beabsichtigt, u n - terirdische Vorratshallen für Tretv- und Explosivstoffe zu bauen. Für eine Anpassung der englischen Flugzeugindustrie an die neuen hochgespannten Anforderungen sind veit- gehende Maßnahmen vorgesehen. Zum Mittels­mann zwischen der Regierung und der Flugzeug­industrie ist Lord Weir ernannt worden, der im letzten Kriegsjahr englischer Luftfahrtminister war.

Die Durchführung des briüschen Lufirüstungs- programms ist keine Verwerfung des deulfchen Angebots eines Vegrenzungsabkommens.

Rundfunkrede des britischen Lustfahrtministers.

London, 24. 7Nal. (D71B. Funkspruch.) 3n einer Rundfunkrede erläuterte der britische Luft­fahrtminister Lord Londonderry am Don­nerstagabend dem englischen Publikum das neue Luftprogramm der Regierung. Er sagte, die Vergrößerung der britischen Luftmacht sei in kei­ner Welse eine Antwort auf Hitlers bemerkenswerte und feiner Ansicht nach in vielen Beziehungen hoffnungsreiche Rede. Die Annahme des Grundsatzes einer Begrenzung der Rüstungen durch Hitler sei sehr willkom­men. Vor allem aber sei er als Luftfahrtminister befriedigt über Hitlers Vorschlag, die L u f k - st ungen zu begrenzen. Das britische Lufkpro- gramm dürfe keinen Augenblick lang als Verwerfung des deutschen Angebots einer Begrenzung aufgefaßt werden. Ferner wünsche er hervorzuheben, daß das Pro­gramm auch keine neue Wendung der bri­tischen Politik bedeute. Ls sei nur eine Bestätigung und praktische Anwendung der Wehrpolitik, die hin­sichtlich der Luftwaffe bereits im Jahre 1 9 2 3 fest gelegt und von konservativen, sozia­listischen und nationalen Ministerien angenommen und aufrechterhalten worden sei. Das britische Pro­gramm richte sich gegen kein bestimmtes Land.

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Ein am Donnerstagabend in London verbreitetes Gerücht, daß die englische Regierung möglicher­weise ihr Luftausrüstungsprogramm n i ch t i n vol­lem Umfange durchführen werde, da sie nach der Erklärung Hitlers über Deutschlands Be­reitwilligkeit zum Abschluß eines Luftabkommens eine größere Möglichkeit, zu einer Vereinbarung sähe, die vielleicht das ganze Aufrüstungsprogramm hin- fäqig machen würde, wird in gut unterrichteten Kreisen entschieden dementiert. Seit der Verkün­dung des Programms im Parlament habe sich noch nichts ereignet, um der Lage ein neues Ge­sicht zu geben. Sowohl Baldwin wie Lord London­derry hätten erklärt, daß England ein Luftabkom­men mit einer vereinbarten ziffernmäßigen Be­grenzung begrüßen würde, aber vorläufig sei der Beschluß Englands, die neuen Auf­rüstungsmaßnahmen mit Volldampf in Angriff zu nehmen, in keiner Weise geändert wor­den. Der Gedanke eines Luftabkommens sei bei seiner ersten Erörterung auf der Londoner Konfe­renz zwischen englischen und französischen Ministern im Februar als ein Einzelvorschlag im Rahmen eines Gesamt Programms für eine allgemeine europäische Regelung erörtert wor­den. In der Zwischenzeit habe sich weder in Stresa

noch seither etwas ereignet, um diese Sage zu ändern. Irgendwelche Schritte zur Erzielung eines Luftpaktes mühten selbstverständlich in enger Zusammenarbeit mit Frankreich, Ita­lien und anderen interessierten Mächten un­ternommen werden.

Time s" schreibt, die Minister sind der Mei­nung, daß Hitlers Rede eine bessere Ge­legenheit für eine westeuropäische Luftvereinbarung gegeben hat als bisher für möglich gehalten wurde. Sie werden alles tun, was in ihrer Macht liegt, um eine Vereinbarung zu fördern, die sie der Notwendigkeit beheben würde, mit dem Dienstag bekannt^egebenen Luft­rüstungsprogramm in feiner Gesamt­heit fortzufahren. Zugleich werden indessen die Vorkehrungen, die das Programm in Bewe­gung setzen, sofort beginnen. Es ist unwahr­scheinlich, daß der notwendige Ergän­zungsetat im Unterhaus vor Juli eingebracht werden wird, und vielleicht wird er bis zum Herbst aufgeschoben werden müssen.

Englische Minister als Aktionäre der Rüstungsindustrie.

London, 23. Mai. (DNB.) Im Regierungsaus­schuß zur Untersuchung des privaten Waffenhan­dels erklärte Professor Arnold Forster im Auf­trage des englischen Friedensausschusses, mehrere englische R e g i e r u n g s m i t g l i e d e r be­säßen Aktien von Rüstungsfirmen. Der Innenminister Sir John G i l m o r habe nach einer amtlichen Statistik 3066 Aktien der Waffenfirma Vickers und der Kolonialsekretär Sir Philipp Eunliffe-Lister besitze 25 Aktien. Er glaube zwar nicht, daß die Politik der Minister in irgend­einer Weise durch den Besitz dieser Aktien beeinflußt sei. Es seien aber gewisse Einwände gegen ein System zu erheben, bei dem privates und öffentliches Interesse so eng mitein­ander verknüpft sein könnte. Forster forderte auch, daß sich der Untersuchungsausschuß mit der Möglichkeit geheimer internationaler Rüstungskartelle befasse, die man alsdie geheime internationale" bezeichnet habe. Der Kolo­nialminister Sir Philipp Eunliffe-Lister ant­wortete, daß er zur Zeit nur noch drei Dickersaktien im Nennwert von 6 Schillingen 8 Pence besitze, die zusammen eine Dividende von 7 Schillingen und 6 Pence jährlich abwerfen. Eine Denkschrift der Kommunistischen Partei sagt, Schatzkanzler Neville Chamberlain besitze 833 Vorzugsaktien und 5414 ordentliche Aktien der Imperial Chemi­cal Industrie. Auch Mitglieder des englischen Adels und der Kirche hätten große Aktienanteile der Rüstungsfirmen.

Große Schwierigkeiten in Gens.

Französisch-britische Vorschläge zur Behandlung des Abessinienkonflikts. Oie Oonaukonferenz in Gefahr.

Paris, 24. Mai. (DNB.-Funkspruch.) Die Gen­fer Sonderberichterstatter der Pariser Blätter glau­ben berichten zu können, daß Mussolini in den späten Abendstunden des Donnerstag feine Zu­stimmung zu den von Laval und Eden aus­gearbeiteten Vorschlägen gegeben habe. Man erwarte nunmehr noch die Antwort aus Ad­dis Abeba und werde Freitag das genaue Ver­fahren ausarbeiten. Laval werde Freitag abend nach Paris zurückkehren.Echo de Paris" erklärt, daß trotzdem kein wesentlicher Fort­schritt zu verzeichnen sei. Die Verhandlungen würden bis zum Zusammentritt des Völkerbunds­rates am Freitagnachmittag fortgesetzt.

Dkts Blatt weist ferner auf die Gefahren hin, die für das Zustandekommen des D o - n a u p a k t e s bestehen, falls es nicht gelinge, den abessinisch - italienischen Streitfall beizulegen. Die Kleine Entente könne unmöglich Mili­tärverträge mit Italien unterzeichnen, wenn dieses in Afrika in eine der schwie­rigsten Unternehmen verwickelt sei. Im übrigen seien der rumänische und der tschechoslowa­kische Außenminister über die Lage in Mit­teleuropa sehr beunruhigt. Sie hätten sich sogar bereiterklärt, auch ohne jede Vorbereitung nach Rom zu gehen. In Völkerbundskreisen scheine man jedoch über den Ausgang der römischen Kon­ferenz recht pessimistisch zu denken, gerade weil sie nickt genügend vorbereitet sei.Petit Pansien" glaubt nicht, daß die Konferenz noch in diesem Sommer werde stattfinden können. Es sei noch eine lange diplomatische Vorarbeit notwendig, ehe die in Rom zu behandelnden Fra­gen spruchreif würden.

Laval gab Donnerstag abend den Vertretern der Kleinen Entente und der Balkanentente ein Essen. Dabei wurde neben der Vorbereitung der Donaukonferenz die Rückwirkung der Reichskanzlerrede auf die europäische Lage besprochen. Auch wurde der italienisch-abes­sinische Streit erörtert, der auch das Ver­hältnis der Kleinen Entente zu Italien berührt, da Italien ein positives Verhalten der Kleinen Entente wünsche, während aber vor allem der tschechoslo­wakische Außenminister die Grundsätze des Völker­bundes bei dieser Gelegenheit zur Geltung bringen will. Italien würde eine Entschließung ablehnen,

die ähnlich wie bei früheren Gelegenheiten beiden streitenden Parteien gegenüber den Wunsch aus­sprechen würde, sie sollten nichts unternehmen, was zur Verschärfung der Lage beitragen könnte. Mus­solini stehe auf dem Standpunkt, daß seine Maß­nahmen in Somali-Land re. in defensiver Art sind und dem Völkerbund keinen Anlaß zum Eingreifen geben.

Italienische Bombenabwürfe über abessinischen Gebiet?

London, 24. Mai. (DRB. Funkspruch.) Der Berichterstatter desDaily Telegraph" In Addis Abeba meldet, daß die belgische 211 HHar­rn i f f i o n in Abessinien der abessinischen Regie­rung einen von einer Anzahl Photographien be­gleiteten Bericht vorgelegt habe, der sich mit gewissen Bombenabwürfen italienischer Militärflugzeuge beschäftigte. Das doku­mentarisch belegte Veweismaterial spreche davon, daß acht Bomben abgeworfen worden seien, sieben auf Gerlogubi und eine auf Ado. Beide Ortschaften lägen weit innerhalb des abessinischen Gebietes. Ferner seien drei nicht explodierte Bomben aufgefunden worden. GnMch-üallem'sKe Reiderejen.

London, 24. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Presse beschäftigt sich immer lebhafter mit dem italienisch-abessinischen Streit, lieber den Fortgang der Besprechungen in Genf berichtet die Times", die britische Abordnung arbeite mit der französischen zusammen, um jeden möglichen Druck auf die italienische Regierung zur Anwendung zu bringen. Es sei keine Rede da­von, daß ein Druck auf die abessinische Regierung ausgeübt worden fei, um sie zur Zurückziehung ihres Gesuches an den Völkerbund oder zu wirt­schaftlichen oder sonstigen Zugeständnissen zu ver­anlassen. Das Ziel sei, eine Lösung zu finden, bie~ die britische Regierung als Mitglied des Völkerbundes annehmen könne. Engländer und Franzosen faßten den Streit nicht als Streit zwischen Italien und Abessinien, sondern a l s Streit zwischen zwei Völkerbunds-

mitgliedern auf, der allen anderen Mitglie­dern des Völkerbundes Verpflichtungen auferlege.

News Chronicle" undDaily Herald" erinnern Italien in maßvollem Ton an seine internationalen Verpflichtungen und warnen es davor, das Gesetz des Handelns in seine eigene Hand zu nehmen. Aufgabe und Pflicht des Völkerbundes fei es, sich mit einem Falle drohenden Krieges zu befassen. Times" sagt, die Erklärung des Unterstaatssekre- tärs Lord Stanhope zu der italienischen Be­hauptung über britische Begünstigung der Waffen­einfuhr nach Abessinien habe leider dem Eifer der italienischen Presse nicht Einhalt getan. Die Rich­tigstellung Stanhopes scheine nur zu neuen Phan­tasien ermutigt zu haben.

ImGiornale d'Jtalia" war z. B. behauptet worden, daß sich Großbritannien in gewissen abessi­

nischen Mineralgebieten militärisch betätige. In London wird hierzu erklärt, in Abessinien gebe es nur eine einzige kleine Bergbaukonzession, und zwar in Prasso (Westabessinien), die aber nicht militärischen Zwecken diene. Auch die Behauptung, die Engländer richteten in Abessinien Fußball­plätze ein, die in Wirklichket Landeplätze für Flugzeuge feien, wird dementiert. In Abrede gestellt wird auch die Meldung, daß England an verschiedenen Sammelplätzen, besonders in Khartum, Flugzeuggeschwader zu- sammenziehe. In das Gebiet der Phantasie wird zum Schluß die Unterstellung verwiesen, daß in der Nähe der abessinischen Grenze ein mili­tärisches Eisenbahnnetz gebaut werde. Strategische Eisenbahnlinien gebe es nicht in der Nähe der abessinischen Grenze.

Die Wehrbezirkseiuteilung für das Deutsche Reich.

Berlin, 23. Mai. (DNB.) Das Reichsgesetz­blatt vom 22. Mai 1935 enthält als Anlage 2 die Wehrbezirkseinteilung für das Deutsche Reich mit Ausnahme der entmilitarisierten Zone. Danach ist die Einteilung der Wehrbezirke wie folgt:

Wehrkreis I.

Wehrersatzinspektion n i q s b e r g/Pr.: Wehr­bezirk Königsberg/Pr. I und fl, Gumbinnen, Tilsit und Insterburg. Wehrersatzinspektion Allen- stein: Wehrbezirke Allenstein, Bischofsburg, Lätzen, Angerburg, Rastenburg, Bartenstein. Wehr- ersatzinspektion Elbing: Elbing Braunsberg, Marienburg (Westpr.) und Mohrungen.

wehrkeis II.

Wehrerfatzinfpektion Stettin: Stolp, Köslin, Neuftettin, Deutsch-Krone, Woldenberg (Neum.), Stettin, Stettin-Randow, Swinemünde, Stargard (Pom.), Labes, Greifswald, Schwerin: Lübeck, Schwerin, Rostock, Parchim, Neustrelitz, Perleberg. Schleswig-Holstein in Altona: Neumün­ster, Rendsburg, Schleswig, Kiel, Eutin. Groß- Hamburg: Hamburg IV.

Wehrkreis III.

Wehrerfatzinfpektion Frankfurt/ Oder: Ebers­walde, Berlin XI, Frankfurt/Oder, Lübben (Spree­wald), Küstrin, Landsberg (Warthe), Croffen/Oder, Cottbus. Magdeburg: Stendal, Magdeburg I bis III, Halberstadt, Dessau, Halle (Saale), Bitter­feld, Eisleben, Neuruppin, Potsdam I und II. Berlin: Berlin IX. Wehrkreis VI bearbeitet außerdem die Ersatzangelegenheiten und Heber» wachungen der im Ausland befindlichen Wehr­pflichtigen.

Wehrkreis IV.

Wehrerfatzinfpektion Dresden: Bautzen, Lö­bau, Kamenz, Meißen, Dresden I bis III. Pirna, Freiberg, Chemnitz I und II, Annaberg, Glauchau, Zwickau I und II, Plauen. Leipzig: Leipzig I bis III, Wurzen, Döbeln, Wittenberg, Torgau, Al­tenburg, Naumburg (Saale). Weimar: San­gerhausen, Weimar, Gera, Rudolstadt, Mühlhau­sen, Erfurt, Eisenach, Gotha, Meiningen.

Wehrkreis V.

Wehrersatzinspektion Ulm: Ellwangen, Gmünd, Ulm, Tübingen, Horb, Rottweil, Donaueschingen, Konstanz, Ravensburg, Biberach (Riß), Ehingen (Donau). Stuttgart: Stuttgart I und II, Eßlin­gen, Ludwigsburg, Leonberg, Heilbronn, Hall, Bad Mergentheim, Mosbach, Würzburg.

Wehrkreis VI.

Wehrersatzinspektion Bremen: Bremen I u. II, Stade, Wesermünde, Oldenburg (Oldb.) I und II, Aurich, Nienburg, Singen, Osnabrück, Herford, Minden. M ü n ft e r : Münster, Paderborn, Biele­feld, Detmold, Arnsberg, Soest. Dortmund I u. II, Iserlohn, Coesfeld.

Wehrkreis VII.

Wehrerfatzinfpektion München: München I dis III, Rosenheim, Traunstein, Landsberg, Augsburg, Memmingen, Kempten. Regensburg: Regens­burg, Landshut, Passau, Deggendorf, Cham, Wei­den, Amberg. Nürnberg: Nürnberg I, Fürth, Nürnberg II, Bamberg, Bad Kissingen, Ansbach, Ingolstadt, Coburg, Bayreuth, Marktredwitz.

Wehrkreis VIII.

Wehrersatzinspektion Breslau: Oels, Breslau I bis III, Brieg, Glatz, Waldenburg (Schlesien), Schweidnitz, Oppeln, Neiße, Neustadt (Oberschles.), Cosel, Gleiwitz, Beuchen, Hindenburg (Oberschles.), Kreuzburg (Oberschlesien). L i e g n i tz : Glogau, Liegnitz, Sagan, Görlitz, Bunzlau, Hirschberg, Wohlau.

Wehrkreis IX.

Wehrersatzinspektion Kassel: Kassel I und II, Korbach, Marburg, Hersfeld, Fulda, Büdingen, Gießen, Wetzlar, Siegen, Aschaffenburg. Hanno­ver: Hannover I und II, Braunschweig, Goslar, Hildesheim, Hameln, Göttingen, Celle, Lüneburg.

Die Ettahbezirkseiliteillmg für die enimilttaiMrie Zone. Auf Grund des Wehrgesetzes (Ersatzwesen § 12) werden die Wehrpflichtigen in der entmilitarisierten Zone durch die Behörden der allge­meinen und inneren Verwaltung er­faßt. Dementsprechend wird das Ersatzwesen in die­sem Gebiete des Deutschen Reiches durch zivile, A m t s st e l l e n verwaltet. Mittlere Ersatz- behörden sind das Badische Ministerium des Innern in Karlsruhe, der Regierungspräsident in Düsseldorf und der Regierungspräsident in Koblenz. Diesen Mittleren Ersatzbehörden sind eine Anzahl von Unteren Ersatzbehörden wie folgt untergeordnet:

Karlsruhe Badisches Ministerium des Innern.

Speyer (Regierungspräsident) Karlsruhe (Landeskommissär) Freiburg im Breisgau (Landeskommissär)

Düsseldorf Regierungspräsident.

Aachen (Regierungspräsident) Köln (Regierungspräsident) Düsseldorf (Regierungspräsident) Essen (Regierungspräsident Düsseldorf

Ortsstelle Essen)

Recklinghausen (Regierungspräsiden- Münster, Ortsstelle Recklinghausen)

Bochum (Regierungspräsident Arnsberg, Orfsstelle Bochum)

Koblenz Regierungspräsident.

Trier (Regierungspräsident)

Koblenz (Regierungspräsident) Wiesbaden (Regierungspräsident) Darmstadt (Landesregierung).

Wie sieht es in -er Wirtschaft aus?

Die arbeitstägliche Förderung des deutschen Steinkohlenbergbaus war im Monat April wiederum um 1 v. H. größer als in den vorangegangenen Monaten. Ein kleiner För­derungsrückgang in Oberschlesien, Niederschlesien und Sachsen wurde durch Mehrförderung im Ruhr­und Saargebiet sowie im Aachener Revier reichlich ausgeglichen. Verglichen mit den Ergebnissen des gleichen Monats im Jahre 1934 war die Aprilför­derung um 14 v. H. höher. Allerdings legt die Behauptung des Ausfuhrgeschäfts dem deutschen Kohlenbergbau nach wie vor große Opfer auf. Aus diesem Grunde hat auch das größte reine Stein- kohlenbergbauunternehmLn Deutschlands, die H a r - pener Bergbau AG. in Dortmund, in diesem Jahre ihre Dividendenausschüttung noch nicht wie­der aufnehmen können. Trotz beträchtlicher mengen­mäßiger Absatzsteigerung waren die Gewinne nicht hoch genug, als daß neben der hohen Syndikats­umlage und reichlichen Abschreibungen ein größerer Reingewinn hätte ausgeschüttet werden können. Die Stärkung der Betriebsmittel und Reserven wird aber dem Unternehmen wie auch seinen Aktionären künftig zugutekommen. In wie hohem Maße die Steigerung der Produktion auch bei mittleren in­dustriellen Unternehmungen eine Besserung der Rentabilität durch bessere Ausnützung der Betriebs­anlagen ermöglicht hat, zeigt u. a. der Jahresab­schluß der Waggonfabrik Steinsurt in Königsberg. Bei dieser Gesellschaft, die neben Wag­gons vor allem landwirtschaftliche Transport- und Ackerwagen sowie sonstige Bedarfartikel der Land­wirtschaft herstellt, haben sich Umsätze, Roherträge und Dividende im letzten Jahre um 5 0 v. H. er« höht. Im deutschen Steinkohlenbergbau steht ein Zusammenschluß von größerer Bedeu­tung hervor. Die beiden dem preußischen Staate gehörenden Bergwerksgesellschaften H i b e r n i a und Recksinghausen sollen miteinander ver­schmolzenwerden. Die neue Einheitsgesellschaft wird über ein Kapital von 150 Millionen Mark ver­fügen.

Infolge der Flüssigkeit des Geldmark­tes, die sich durch die Arbeitsbeschaffung ergab, wobei die Nachfrage nach neuem Kapital sehr gering blieb, lag zeitweilig der Satz für tägliches Geld unter 1 v. H. des Reichsbankdiskonts. Die bei den Banken also jederzeit abzuberufenden Gelder haben eine beträchtliche Höhe erreicht, und die Deutsche G o l d d i s k o n t d a n k hat sich deshalb entschlossen, diese Gelder gegen Solawechsel mit drei­monatiger Laufzeit aufzusaugen, wobei die Bank ihr Grundkapital um 200 Millionen Reichs­mark erhöhen wird. Hierdurch wird erreicht, daß

die flüssigen Mittel, die sich aus der Finanzierung der Arbeitsbeschaffung ergeben, auch marktpolitisch wieder aufgefangen werden. Da schon 1926 ein ähn­liches Verfahren durchgeführt wurde, ist die Behaup­tung einer gewissen Finanzpresse des Auslandes von einer inflationistischen Maßnahme geradezu nieder­trächtig.

Wir haben bereits auf die Bedeutung des In­ternationalen Sparkaffenkongreffes in Paris hingewiefen. Der Kongreß hat u. a. gefordert, daß das Sparen als besonderes Schulfach eingeführt werde, und ferner kam es zu einer aus­führlichen Debatte darüber, ob die Zinssätze von den Sparkassen selbständig oder im Einklang mit der gesamten Wirtschaftspolitik des Staates fest­gesetzt würden, wobei sich bezeichnenderweise die Engländer und auch die deutschen Vertreter für den Zusammenhang der Sparkassen mit der Wirtschaftspolitik des Staates verwandten. Die Bemühungen der Regierungen um den Zinsabbau sollen aktiv unterstützt werden. Heber die Beziehungen von Sparkassen und Lebensversicherungen wurde ebenfalls de- battiert, wobei Deutschland sich dafür einsetzte, daß beides getrennt werde und die Versicherungs­gesellschaften das eigentliche Versicherungsrisiko zu tragen hätten. Der stellv. Präsident des Deutschen Sparkassenverbandes, Dr. Gugelmeier, konnte berichten, daß bei den deutschen Sparkassen ein stetiges Ansteigen der Einlagen und ein zunehmender Konsolidierungs - Prozeß zu verzeichnen ist. Er stellte in seinem Referat die Forderung auf, daß Wirtschaftskrisen und Erschütterungen des Vertrauens durch eine aus­reichende Liquidität der Sparkassen vorgebeugt wer­den müsse. In Deutschland sind Sicherheit und Ver­trauen, die Dr. Gugelmeier mit Recht als die Hauptstützen des Sparkapitals eines Volkes be­zeichnete, heute endgültig wiedergekehrt.

Die Anregung der Vereinigten Staaten, über die Frage einer Stabilisierung der Wäh­rungen internationale Verhandlungen einzulei- ten, hat zwar viel Zustimmung gefunden, bis jetzt aber noch nicht zu einem offiziellen Meinungsaus­tausch geführt. Es wird zwar behauptet, daß die auf der letzten Tagung des Verwaltungs­rats der BIZ. geführten Unterhaltungen zwi­schen den Präsidenten der Notenbanken Englands, Frankreichs, der Vereinigten Staaten und anderer Länder über die Möglichkeit einer gemeinsamen Währungsstabilisierung fortgeführt wurden. Aber solange sich die Regierungen der Abwertungsländer gegenüber solchen Bestrebungen völlig zurückhaltend