hatte — gab diesen Wünschen unserer Stadt in herzlichen Worten Ausdruck, rühmte die bisherige Arbeit der oberhessischen Bienenzüchter unter besonderem Hinweis auf deren Vorkämpfer Buß (Leihgestern) und Hensel (Hirzenhain) und betonte, daß die Bestrebungen der Bienenzüchter auch für die Zukunft alle Anerkennung und Förderung verdienen.
Weitere Ansprachen.
Als Vertreter des Rektors der Universität und als neuer Leiter des Universitäts-Tierzuchtinstitutes brachte Privatdozent Dr. V o g e l in kurzen Worten die herzlichen Wünsche der Universität und des Tier- zuchtinstitutes zum Ausdruck. Für die Landesfachgruppe Baden sprach in gleicher Weise deren Vertreter Schußler (Weinheim), für die Fachgruppe Rheinpfalz deren Vertreter M e n tz e (Bad Dürkheim).
Der Inhaber der Brühl'schen Druckerei in Gießen, in deren Betrieb die Zeitschrift der Fachgruppe Oberhessen „Die Biene^ hergestellt wird, Buchdruckereibesitzer R. Lange, beglückwünschte die oberhessischen Bienenzüchter zu ihrem 75. Jubiläum, erinnerte an das seit mehr als 50 Jahre zwischen der oberhessischen Jmkerorganisation und der Druk- kerei der „Biene" bestehende gute und vertrauensvolle Zusammenarbeiten, gedachte in dankbarer Erinnerung der durch den Tod abberufenen verdienstvollen Wegbereiter und Vorkämpfer der oberhessischen Jmkersache und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß es mit der Imkerei in Oberhessen immer mehr aufwärts gegangen sei und seit dem engen Zusammenschluß aller deutschen Imker auf dem Gebiete der Bienenzucht in verstärktem Maße vorwärts gehe. Als äußeres Zeichen der engen und vertrauensvollen Verbundenheit zwischen der Fachgruppe Oberhessen der Bienenzüchter und der Druk- kerei der „Biene" überreichte der Redner dem Fach- aruppenführer Braun eine in künstlerischem Buchdruck hergestellte Glückwunschadresse der Druk- kerei. Fachgruppenleiter Braun nahm dieses Jubiläumsgeschenk mit herzlichen Worten des Dankes im Namen der oberhessischen Imker entgegen und hob auch seinerseits das herzliche Vertrauensverhältnis zwischen der Druckerei der „Biene" und den Bienenzüchtern hervor. Durch dieses vorbildliche Zusammenarbeiten zwischen der oberhessischen Jmkerorganisation und der Druckerei der „Biene" habe dieses Fachblatt der Imker eine sehr geachtete Stellung errungen; in Deutschland sei „Die Biene" das drittälteste, in der ganzen Welt das fünftälteste Fachblatt der Imker. Seit dem Zusammenarbeiten der oberhessischen Imker mit der Druckerei der „Biene" sei dieses Jmkerfachblatt immer mehr gewachsen. „Die Biene" könne sich unter den deutschen Bienenzeitungen sehr wohl sehen lassen. Diese Stellung der „Biene" sei auch ein Verdienst der Brühl'schen Druckerei, der er im Namen der oberhessischen Bienenzüchter herzlichen Dank sage für alles, was sie an der „Biene" im Dienste der deutschen Bienenzucht, insbesondere der oberhessischen Imker, geleistet habe.
Namens der niederhessischen Imker sprach Amtsanwaltsschaftsrat Wenkebach (Kassel) herzliche Worte des Glückwunsches und der großen Befriedigung über die bisherige freundschaftliche und enge Zusammenarbeit zwischen der oberhessischen und der niederhessischen Jmkerorganisation, durch die beide Teile für die Imkerei wertvolle Früchte erreicht hätten.
Landwirt H u p f e l d , Altenritte, hob nach herzlichen Glückwunschworten die enge Verbundenheit zwischen den kurhessischen und den oberhessischen Imkern hervor und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese schönen Beziehungen auch weiterhin zum Nutzen des einzelnen und der Gesamtheit bestehen bleiben möchten. Als Vertreter der nassauischen Imker sprach Herr Wenig, Oberseelbach, gleichfalls herzliche Glückwunschworte, für die Jmkerfach- gruppe Starkenburg brachte Herr Pfeiffer, Auerbach, die besten Wünsche der Starkenburger Imker zum Ausdruck.
Der Leiter der Fachgruppe Oberhessen, Lehrer
Braun, Rodheim, antwortete sedem Redner mit herzlichen Worten des Dankes und mit der Zusicherung, daß die oberhessischen Imker stets alles tun würden, um an ihrem Teil die oisherigen guten Beziehungen und das allseits zufriedenstellende Zusammenarbeiten zu gewährleisten.
Ehrung der Lubilare.
Den nachstehend verzeichneten langjährigen und verdienstvollen Mitgliedern der oberyessischen Bienenzüchter-Organisation wurde in dankbarer Anerkennung ihrer Verdienste um die oberhessische Bienenzucht je ein Ehrendiplom überreicht: Oberamtsrichter i. R. Franz K l i e t s ch (Büdingen); Gutsbesitzer Wilhelm Ditze l (Hof Herrnhag bei Büdingen); Pfarrer Heinrich Büchner (Treis an der Lumda); Versicherungsagent Heinrich Greiff (Alsfeld); Johannes S ch ö n h a l s (Lindheim); Joh. Neeb (Naunheim); Kaspar Langsdorf IV. (Leihgestern); Lehrer i. R. Ludwig R u n k (Nidda); Obervermessungssekretär Eduard Schäfer (Darmstadt); Postmeister Karl Erb (Mücke); Postsekretär i. R. August Stahl (Vilbel); Lehrer Heinrich Bernhardt (Heimertshausen); Heinr. Langsdorf VI. (Bad-Nauheim); Rektor Petri (Wetzlar); Amtsanwaltschaftsrat Karl Wenckebach (Kassel); Reichsbahn-Oberinspektor Vogelsang (Berlin).
Fachgruppenleiter Braun betonte bei der Ueber- reichung der Ehrenurkunden, daß jeder dieser alten Bienenzüchter immer in vollem Maße seine Kraft für die Aufwärtsentwicklung der oberhessischen Bienenzucht eingesetzt habe, und er wünschte den Jubi- laren, daß es ihnen vergönnt sein möchte, sich noch lange in Gesundheit und Frische dieser Ehrung und der schönen Bienenzucht zu erfreuen.
Namens der Jubilare brachte Pfarrer B ö ch n e r (Treis a. d. Lda.) deren herzlichen Dank für die Ehrung zum Ausdruck mit der Zusicherung, daß die alten Bienenzüchter auch weiterhin ihre ganze Kraft und ihre reichen Erfahrungen für die Förderung der oberhessischen Bienenzucht zur Verfügung stellen würden.
Nunmehr folgte ein etwa zweistündiger, außerordentlich fesselnder Vortrag von Prof. Dr. Koch (Celle) über das Thema:
Bienenwirtschastliche Zeitfragen.
Der Vortragende berichtete dabei in umfassender Weise von den Arbeiten und Erfahrungen der Bienenzüchter in der Lüneburger Heide und von den mancherlei bedeutsamen Schlußfolgerungen, die die einschlägige Fachwissenschaft und Forschung aus den jahrelangen Beobachtungen der berufsmäßigen Heideimker-Tätigkeit zieht. Die reiche Fülle von fachlichen Belehrungen und Aufklärungen, auf die im Rahmen dieses Berichts naturgemäß nicht näher eingegangen werden kann, wurde von den mit gespannter Aufmerksamkeit lauschenden Bienenzuchtfachmännern mit großer Dankbarkeit entgegengenommen, die sich sowohl in dem starken Beifall am Schlüsse des Vortrags, wie auch in den Dankes- worten des Vorsitzenden Braun äußerte.
Hierauf wurde die Vormittagstagung von dem Fachgruppenleiter Braun mit dankbarer Huldigung für den Führer und Reichskanzler Adolf H i fr l e r und mit dreimaligem, von der Versammlung freudig aufgenommenen Sieg-Heil auf den Führer geschlossen.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen begann gegen 15 Uhr die Nachmittags-Versammlung, in deren Mittelpunkt ein Vortrag von Pfarrer i. R. A i s ch (Bad-Nauheim) über das Thema:
25 Jahre Bienenzucht in Oberhessen mit gleichzeitiger Vorführung eines von dem Vor- tragenden zusammengestellten Bilderstreifens über die oberhessische Bienenzucht stand. In seinem Vortrag erinnerte Pfarrer Ai sch zunächst an die Gründung der oberhessischen Bienenzüchter - Organisation vor 75 Jahren tm Pfarrhaus zu Grüningen bei Gießen, weiter an die Männer, die die Organisation der Imker aufbauten, sowie an die Männer,
die der Bienenzüchter-Arbeit in unserer engeren Heimat starken Auftrieb und nachhaltige Förderung gaben. Weiterhin schilderte er die verschiedenen Stufen der Entwicklung der heimischen Bienenzucht und wies dabei nicht nur auf die segenbringende Arbeit der verschiedenen Führer der oberhesstschen Imker durch Vorträge und Lehrkurse am Stand hin, sondern hob auch die große Bedeutung der Fachzeitschrift „Die Biene" hervor, die sowohl durch ihre redaktionellen Leiter, wie auch durch ihre hervorragende drucktechnische Gestaltung in der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei zu Gießen seit Jahrzehnten zu einem starken Faktor der Belehrung und Aufklärung der Imker geworden sei. Im weiteren Verlaufe seines Vorttages kam der Redner auf die verschiedensten Arbeitsaufgaben der Imkerei zu sprechen (u. a. Trachtenausnutzung durch Wände- rung, Königinnenzucht, Seuchenbekämpfung usw.), er würdigte dabei mit dankbaren Worten auch die Förderung der Imker durch die bienenwissenschaftliche Forschung und Lehrtätigkeit in den Forschungsinstituten und an den Bienenständen und wies zum Schluß auf die neuzeitliche Umgestaltung der Bienenzüchter-Organisation und auf Die Bestrebungen zur weiteren Aufwärtsentwicklung der Bienenzucht hin.
Im Rahmen des Vortrags wurden die Verdienste einiger besonders hervorragender Jmkerführer, die zum Teil bereits verstorben sind, zum Teil aber noch im Kreise der Imker wirken, durch besondere kurze Reden mit dankbaren Worten gewürdigt. Zu dem Vortrag wurde eine Fülle von interessanten Lichtbildern gezeigt, durch die manche schöne Erinnerung bei den Imkern wachgerufen wurde, bie aber auch reichen Aufschluß und vielfälttge Belehr rung boten. U. a. wurde auch dem in der Versammlung weilenden Nestor der oberhessischen Imker, Lehrer i. R. S p i tz in Gießen, eine besonders herzliche Begrüßung zuteil. Dem Vortragenden wurde von der Versammlung mit lebhaftem Beifall gedankt.
Der Rest des Tages war der geselligen Unterhaltung gewidmet. Nach einem Musikstück brachten die Töchter der Imker Bodenbender und Hö- bei er einen finnigen Vorspruch, ferner erfreute Lehrer R u n k - Nidda mit köstlichen Erzählungen und mit eigenen Dichtungen voll prächtigen Humors. Dazu kam frohgestimmte Unterhaltung der in großer Zahl versammelten Jmkerfamilien, so daß die Jumläumstagung nach der reichen fruchtbaren Arbeit einen schönen geselligen Abschluß fand.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Oberstaatsanwalt ör. Wodaege f.
Wie wir bereits gestern kurz berichteten, erlag Oberstaatsanwalt Dr. Wodaege am Samstag, dem 20. April, in der Universitätsklinik zu Gießen in der Blüte seiner Jahre einem tragischen Geschick. Eine tückische Krankheit setzte in nur wenigen Tagen seinem wertvollen Leben ein rasches Ziel.
Wilhelm Wodaege, ein Sohn des ehemaligen Direktors an der Taubstummenanstalt in Friedberg, wurde am 10. Dezember 1885 geboren. Nach dem Besuch des dortigen Gnmnakiums studierte er in Jena und Gießen Rechtswissenschaft, erwarb im Jahre 1912 den Doktorgrad magna cum laude und fand nach dem gleichfalls wohlbestandenen Großen Staatsexamen zunächst staatliche Verwendung bei den Amtsgerichten Groß-Umstadt, Grünberg und Darmstadt. Im Jahre 1920 wurde er Amtsgerichts- rat in Offenbach, im Juni 1927 Amtsgerichtsrat in Gießen, im Jahre 1928 Landgerichtsrat Hierselbst und am 1. Oktober 1933 nach dem nationalen Umschwung Oberstaatsanwalt am Landgericht der Provinz Oberhessen.
Wilhelm Wodaege, der der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller in Jena angehörte, trat alsbald nach Beginn des Weltkrieges als Freiwilliger bei dem 24. Dragonerregiment, den „weißen" Dragonern, in Darmstadt ein, erwarb das Eiserne Kreuz und die Hessische Tapferkeitsmedaille, machte die Kämpfe in Ost und West mit, wurde Offizier und blieb auch nach Friedensschluß, als er das feldgraue Ehrenkleid wieder mit dem schlichten Bürgerrock vertauscht hatte, allzeit ein treuer Freund seines alten Regiments und der deutschen Wehr- macht.
Was Wilhelm Wodaege als Richter, Staatsanwalt und Menschen besonders auszeichnete, war seine reine, echte Menschlichkeit, sein Fleiß,, sein ziel- b^wußtes Wollen und sein klares Urteil. Eigenliebe war ihm fremd, er gehörte nicht sich, sondern seiner Familie, seinem Amte und seinem Volke. Er war ein eifriger Wanderer, der schon in der Morgenfrühe den deutschen Wald aufsuchte und am freien Samstagnachmittaa den geliebten Schiffenberg. Er lebte mit den Jahreszeiten: Im Winter auf den Skiern oder Schlittschuhen auf Schnee und Eis, im Frühling und Herbst im Paddelboot, und im Sommer ober wenn sonst bie Jahreszeit es erlaubte, war er ein eifriger Schwimmer, wie er einst ein tüchtiger Fechter in seiner Stubentenzeit war. Dabei litten seine amtlichen Pflichten niemals Not. Im Sport suchte unb fanb er bie gewünschte männliche Stählung, bie eble Harmonie zwischen Körper unb Geist, bie seinem Amte zu gut kamen. Wilhelm
Wobaege war es, ber den Gießener Eisverein nach bem Weltkriege zu neuem Leben erweckte, ber ihm an einer ber schönsten Eisflächen Deutschlands ein eigenes Heim gründen half, er war es, ber bem Mittelbeutschen Skiverbanbe Vorstand und seine Bestrebungen besonders im heimatlichen hohen Vogelsberg fördern half, er war es, der auf der Lahn ober bem Ebersee ober auf schnellen Gewässern bem Pabbelsport hulbigte.
Dieser Freunb ber Heimat, bie er einst hatte ver- teibigen helfen, war ganz selbstverstänblich auch als guter Deutscher ein eifriger Verfechter ber Ideen des Führers und des Dritten Reiches. In feinem eigenen Leben zeigte er auf, was es heißt, Volks- genösse zu sein. Als einfacher SA.-Mann marschierte er in Reih unb Glieb, in Schulungskursen sprach er über bas nationalsozialistische Gebankenaut unb setzte es in Amt unb Leben in bie Wirklichkeit um. Er war kein Raffer, kein Nörgler, kein Besserwisser, nur ein schlichter beutscher Mensch — auf seine eigene Art, ber an sich selbst jeben Anspruch stellte unb opferte, wo bas Vaterland, die Allgemeinheit unb ber Nächste bas Opfer offen ober ganz in ber Stille heischten.
Wilhelm Wobaege ist in ben Sielen gestorben. Diel zu frühe. Wer ihn, ben körperlich unb geistig so außerorbentlich Tüchtigen kannte, vermag sein jähes Scheiben kaum zu fassen. Plötzlich, wenn auch ganz in ber Stille, ist er von seinen Berufskamera- ben, von seinen Sportfreunben, von seinen Parteigenossen unb seinen SA.-Kameraben gegangen, viel zu früh würbe er seiner Familie entrissen.
Seine Freunde werden immerdar seiner gedenken. R. I. P.
NSÄ.-Abzeichen geschützt
durch das Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat unb Partei.
Zu dem Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei unb zum Schutz ber Parteiuniformen vom 20. 12. 1934 ist am 16. 3. 1935 bie 3. Durchführungsverorbnung ergangen.
Gemäß § 5 bes Gesetzes wirb mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft, wer parteiamtliche Uniformen, Uniformteile usw. ober Abzeichen ber Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, ihrer Glieberungen ober ber ihr angeschlossenen Verbänbe ohne Erlaubnis bes Reichsschatzmeisters gewerbsmäßig herstellt, vorrätig hält, feilhält ober sonst in Verkehr bringt.
Nach § 3 ber Durchführungsverorbnung in 23er- binbung mit ber Anlage II gilt auch bas Abzeichen ber NSV. als parteiamtliches Abzeichen, so baß
Vornan von Charlotte prenzel.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).
5. Fortsetzung. Nachbruck verboten!
Ein zitternber Seufzer entrang sich Franz Scholz' Lippen. Ihm würbe erst jetzt klar, wie schwer ihm ber Entschluß geworben war. Nun aber, ba es geschehen, sprach er schnell, ohne zu stocken, weiter:
„Meinem Geschäft fehlt eine junge Kraft. Ich sehe es kleiner werben, veralten. Ich fühle mich ben Anforberungen ber neuen Zeit nicht mehr gewachsen; aber ich hänge an meinem Geschäft, möchte es erhalten. Ich habe schon lange nach einem Menschen gesucht, ber es weiterführt unb mieber zur alten Höhe bringen wirb. Ich weiß nur einen, zu bem ich bas Vertrauen hätte, ben ich bitten könnte, in meine Verhältnisse Einblick zu nehmen — Sie!"
Freb antwortete nicht sofort. Vor seinen Augen stand bas alte, stattliche Geschäftsgebäube, an bem er des öfteren schon mit stummer Bewunberung Dorbeigegangen war; ihm war, als ob biefes Haus ihm jetzt zuwinkte, als ob sich seine Türen weit öffneten bei feinem Eintritt.
„Ihr Vertrauen ehrt mich sehr, Herr Scholz", antwortete er endlich mit merkwürdig schwerer Zunge, „unb bas Anerbieten hat sehr viel Ver° lockenbes für mich!"
„Wirklich?" fragte ber alte Herr, und über fein Antlitz huschte ein freudiges Lächeln. „Ich habe lange geschwankt, glaubte, mit meinem Anerbieten zu spät zu kommen. Heute ist Ihre Firma eine ber genanntesten. Heute können Sie sie zu einer ber führenben in der Branche machen!"
„Was nicht ausschließt, daß sie an ber Seite ber Firma Scholz zur Führenben wirb. Ja, Herr Scholz, bas wäre eine Aufgabe für mich, bie sich zu losen lohnte."
„Ich habe gewußt, baß Sie bie Aufgabe locken mürbe, nur bürfen Sie nicht übersehen, baß mein Geschäft nicht mehr auf ber gleichen Hohe steht wie früher."
Freb lächelte. Was ber alte Mann ba sagte, war ihm bekannt. Gewiß, es würbe immer gesprochen, gemutmaßt, etwas Wahres aber war immer an bem Gerebe. Jeber wußte, baß bie Leistungsfähigkeit ber alten Firma fett Jahren zurückgegangen war.
„Ich kann Ihnen selbstverstänblich heute noch nicht fest zufagen. Erst muß ich bie Schöben kennenlernen, bie bas Geschäft untergraben; aber ich traue mir zu, sie zu beseitigen, wenn sie nicht zu tief in ben Lebensnerv bes Geschäfts eingeschnitten haben."
Scholz gab ihm die Hand.
„Ich danke Ihnen für ben guten Willen, Herr Morlanb. Ich weiß, baß ich keinen besseren Nachfolger finben kann als Sie."
Freb legte seine Hanb in bie ihm gebotene unb erroiberte ben Druck.
„Was in meinen Kräften steht, werbe ich tun, unb wenn es Ihnen recht ist, kann ich mich morgen früh bereits einige Stunben von hier frei machen."
„Ich werbe Sie, sagen wir um neun Uhr, mit meinem Auto abholen lassen. Paßt es Ihnen so?"
„Gewiß!"
Scholz erhob sich. „Wie wäre es, Herr Morlanb, wenn Sie an diesem Abenb mein Gast wären? Meine Tochter wirb sich sehr freuen, unb Ihr Büro hat längst Feierabenb gemacht."
„Da Sie sich vorhin beklagten, bleibt mir nichts anberes übrig, als mitzugehen. Bitte, entschulbi- gen Sie mich noch einige Minuten."
„Selbstverstänblich! Vielleicht kann ich einstweilen meine Tochter telephonisch oerftänbigen."
Liane horchte auf, als ihr Vater ben Gast melbete. Sie legte ben Hörer auf bie Gabel zurück unb kam mit leichten Schritten in bas Musikzimmer gelaufen, wo Irene am Flügel faß.
„Denke btr, wir werben heute abenb noch einen Gast haben. Mein Vater bringt Herrn Morlanb mit!" erklärte sie, unb ihr Gesicht strahlte noch immer in hellster Freude.
Irene griff einen vollen Akkord.
„Ach was — dein Lebensretter? Lebt der auch noch?^
Sie wandte sich nachlässig nach der Freundin um.
„Da will ich nur schnell gehen unb Frau Keppler Bescheib sagen."
Nichts kam Irene erwünschter als biefes Alleinsein. Nun konnte sie bie Maske ber Gleichgültigkeit fallen lasten unb beibe Hänbe auf bas heftig klopfenbe Herz brücken. Freb Morland! Endlich, endlich sollte sie ihn wiedersehen! Schon hatte die Stimme der Vernunft begonnen, die Oberhand in ihr zu gewinnen, nun war alles Wohlüberlegte vergessen, nun waren alle Pläne um die Zukunft nichtig. Heute würde sie ihn wiedersehen, würde mit ihm sprechen, würde es einrichten können, mit ihm allein zu sein, würde fragen können...
Schritte schreckten sie auf. Sie mußte sich fasten. Die kleine Liane durfte nicht sehen, welchen Eindruck die Mitteilung, daß Fred Morland kommen würde, gemacht hatte. Sie griff wieder in die Tasten und wandte sich langsam nach Liane um, als diese die Tür öffnete.
„Store ich auch nicht, Liane? Dein Vater weiß nicht, daß du mich hierbebalten willst!" sagte sie. „Ich mochte lieber Heimgeyen. Vielleicht haben bie Herren eine geschäftliche Auseinanbersetzung."
*3 wo! Unb wenn — bann ist ja Papas Zimmer für sie ba. Wir können dann immer noch tun, was wir wollen."
Irene schloß ben Deckel des Flügels.
„Sag mal, Kleinchen", warf sie hin, „du freust dich wohl recht, daß er kommt?"
„Natürlich freue ich mich. Wir sind ihm sehr zu Dank verpflichtet."
„Unb bu bist kein bißchen verliebt in ihn?"
Liane lachte hellauf; aber in ihre Wangen schoß jähe Rote. „Wie kommst bu barauf?"
„Nun, es konnte immerhin sein. Herr Morlanb macht eine gute Figur, unb wo er noch bazu bein Lebensretter ist..."
„Ich habe ihn seit meinem Geburtstag nicht gesehen."
„Darum konntest bu boch verliebt sein. Interesse von seiner Seite scheint allerbings nicht vorzuliegen."
Liane kam langsam an den Flügel. Sie sagte, ohne die Freundin anzusehen:
„Glaubst bu überhaupt, baß er jemals heiraten wirb?"
„Aber warum benn nicht?!" lachte Irene auf. „Ob er allerbings ein fo kleines Mädchen, wie bich, zur Frau nehmen mürbe — bas bezweifle ich sehr."
Urplötzlich sah Liane Freb Morlanb burch ben nächtlichen Garten kommen unb ben hellen Schein eines Kleibes eilia burch bas Gebüsch verschwinben. Sie fragte boshaft:
„Wie müßte bie Frau benn beschaffen sein, um bie er freien müßte? Meinst bu vielleicht, so wie bu?"
Nun schoß jähe Rote in bas Gesicht ber anderen. „Liane, bas ist ein übler Scherzi Wie kommst bu gerabe auf mich? Ich habe ihn zweimal in meinem Leben gesehene
„Ich auch nicht öfter!" lachte Liane unb lenkte schnell ein: „Da aller guten Dinge brei finb, werben mir also heute bas Vergnügen haben — unb bann vielleicht nie mieber!" —
Eine Viertelstunde später tönte die Klingel durch das Haus.
Liane lief ihrem Vater entgegen; sie sprang graziös die Treppe hinab, unb bes Vaters Augen strahlten ihr freudig entgegen. Sie sah reizend aus.
Irene folgte ber Freundin nicht sofort; sie marf einen prüfenden Blick in den Spiegel, strich sich die Haare glatt und nickte ihrem Spiegelbild zu. Sie konnte sich sehen lassen. Das dunkle Haar lag in rnunderschönen Wellen auf ihrem Kopfe, bas strenge Schwarz ihrer Klerbung hob ihre vollkommen ebenmäßige Erscheinung hervor, ließ ihr Gesicht schmaler unb feiner erscheinen, als es in Wirklichkeit mar.
„Guten Abenb, Fräulein Scholz! Verzeihen Sie, daß ich ohne vorhe^ge Ansage Ihrem Herrn Vater gefolgt bin!" hörte Irene von unten her seine Stimme. Sie beugte sich über das Geländer. Nein in seinem Gesicht stand nur formelle Höflichkeit. Liane aber strahlte ihn an. Sie murmelte etwas Unverständliches und wurde sehr rot. Nein, sich die kleine Liane als Frau dieses Mannes zu denken, unmöglich ...
Sehr natürlich und ungeziert begrüßt Irene die Herren — um wieviel gewandter war sie doch als die Tochter bes Häuf es, unb wie sicher unb ohne Scheu leitete sie bas Gespräch ein!
Sie speisten im Beisein Frau Kepplers, unb wieder gab sich Irene Mühe, ein anregendes Gespräch zu- standezubringen; aber es fiel schwer. Franz Scholz mar merfroürbig still. Seine blasse Hautfarbe fiel Fred auf, dessen Aufmerksamkeit sich zwischen Scholz und Irene teilte. Was war mit dem Manne? Schien es nicht, als ab er sich mit jedem Bissen abquälte? Merkwürdig, daß der Tochter nichts aufsiel; aber Liane neckte sich mit ber Freundin, richtete auch an den Vater das Wort, der sich bemühte, fröhlich und heiter zu antworten.
Plötzlich, als das Mädchen eben Obst gebracht hatte, kam ein röchelnder Schrei aus Scholz' Mund, feine Hände griffen nach vorn ins Leere, der Körper sank jählings zurück.
Fred sprang auf und eilte an seine Seite. Frau Keppler schrie auf, Irene saß starr vor Schreck, Liane wurde kreideweiß im Gesicht.
„Papa, Papak" stammelte sie, sprang auf und eilte zu ihm.
Endlos schlichen die Minuten, bis ber Arzt kam. Schlaganfall, stellte er fest, unb bas begleitende Achselzucken sagte Freb mehr als Worte. Der Tochter gegenüber gab ber langjährige Hausarzt sich zuversichtlicher; er tröstete, flößte Hoffnung ein.
Liane klammerte sich an ebes zuversichtliche Wort. Sie wollte alles, alles ür ben Vater tun. Sie weigerte sich auch, eine P legerin zu nehmen. Keiner würbe den Vater bes er pflegen können als sie.
Der Arzt lächelte ein wenig, während fein Blick schnell musternd ihre zierliche Gestalt überflog. „Damit der Vater, wenn er sich wieder erholt hat, die Tochter dann pflegen kann", sagte er, sich verabschiedend.
Fred verließ mit Irene bas Haus. Ach, welche Hoffnungen hatte Irene an biefen Heimweg geknüpft! Nun stand sie ganz unter dem Eindruck des eben Erlebten, konnte reinen klaren Gedanken fassen, sah immer noch den bewußtlosen Mann vor sich, den sie für einen Toten gehalten hatte.
Auch Fred schwieg, den eigenen Gedanken nachhängend. Wenn Franz Scholz starb, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, dann erlosch jähe das schöne Zukunftsbild das seit wenigen Stunden vor seinen Augen stand. War es verwesten, vom Schicksal eine so jähe Erhöhung zu erwarten?
Schon fast an ber Untermainbrücke, raffte Irene sich zusammen. „Mir ist der Schreck in die Glieder gefahren. Wenn Liane den Vater verliert — es ist nicht auszudenken."
„Es ist Bestimmung, daß die Eltern vor den Kindern gehen müssen."
„Ja, gewiß, aber ich kenne kein ähnliches inniges Verhältnis zwischen Vater unb Tochter wie hier.
(Fortsetzung folgt!)


