Ausgabe 
24.4.1935
 
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Nr. 95 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Mittwoch, 2^. April 1935

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Die Besiedlung der Tropen.

Von Otto Corbach.

Man nimmt gewöhnlich an, daß derWeiße" in Ländern der tropischen Zone nicht im eigent­lichen Sinne arbeiten und unabhängig von einhei­mischer farbiger Bevölkerung neue Gemeinwesen aufbauen könne. Wenn die europäische Auswande­rung nach überseeischen Ländern tatsächlich in über­wältigender Mehrheit sich auf jene Teile der Neuen Welt beschränkte, deren klimatische Ver­hältnisse von denen der alten Heimat a m wenigsten abweichen, so scheint das in der Tat jeden Zweifel an der Richtigkeit dieser Auf­fassung auszuschließen. Dennoch handelt es sich hier­bei um einen Fehlschuß. Gewiß wird ein Aus­wanderer, wenn er wählen kann, als neue Heimat eine Gegend bevorzugen, wo Boden und Klima seinen L e b e n s g e w o h n h e i t e n am mei­sten entsprechen. Das rasche Anwachsen der Einwanderung aus Europa in Nordamerika, Argen­tinien und dem südlichen Australien nach der Er­schließung dieser Gegenden für den Weltverkehr ist mit darauf zurückzuführen. Gleichwohl war die un­widerstehliche Ausbreitung geschlossener Siedlungen weißer Menschen in diesen Ländern in erster Linie nicht durch geographische, im besonderen klimatische, sondern durch politische Verhältnisse bedingt.

Im Becken des Mississippi, wohin sich in Nord­amerika der Einwanderungsstrom aus Europa zu­nächst ergoß, nachdem die Küstenstriche besetzt wa­ren, hatte es der weiße Mann ebenso wie am L a Plata in Südamerika mit vorwiegend nomadi­sierenden Horden primitiver Eingeborener zu tun, die sich im großen und ganzen weder versklaven, nochzivilisieren", aber leicht immer weiter in das Innere zurückdrängen und allmählich auf­reiben ließen. Gerade das entsprach den ursprüng­lichen Zwecken der Kolonialmächte am allerwenig­sten. Ihnen kam es vor allem darauf an, die Bo­denschätze der neu entdeckten Länder auszuschür­fen, und das ließ sich am leichtesten überall da be­werkstelligen, wo entweder Eingeborene in genügen­der Zahl zu angespannter Arbeit in Minen oder auf Plantagenerzogen" oder Schwarze aus Afrika als Sklaven", mit der Zeit auch asiatische Kulis als Kontraktarbeiter", eingeführt werden konnten. D:e Erziehung" Eingeborener zur Arbeit im Dienste des weißen Mannes gelang nur dort, wo, wie i n Mexiko und Peru vor Ankunft der Eroberer seit Jahrtausenden hochentwickelte Kulturen ihren Schauplatz gehabt und Menschen mit allerhand nützlichen Anlagen, Fähigkeiten und Geschicklichkei­ten gezüchtet haben. Für die wirkliche A n s i e d - l u n g freier weißer Einwanderer zeigten die Ko­lonialmächte wenig Neigung. Sie betrieben in großem Stile die Ausbeutung von Sträflingen aus dem Mutterlands, soweit die Heranziehung Einge­borener zu Arbeitsdiensten oder die Zufuhr von schwarzem Elfenbein" nicht genügte. Wo diefreie Kolonisation" um sich griff, da geschah es überall in fortwährendem Kampfe mit den ausführenden Organen der betreffenden Kolonialmacht, ein Kampf, der von Anfang an mit um so größerer Aussicht auf Erfolg geführt wurde, als die Kolonialmächte immer ausschließlicher für die Ausbeutung solcher Kolonien" in Anspruch genommen wurden, wo eine zahlreiche einheimische Bevölkerung in den Dienst der Beschaffung jener wachsenden Mengen industrieller Rohstoffe gestellt werden konnte, die das stürmisch vorwärts schreitende Maschinenzeit­alter brauchte.

Die verhältnismäßige Leichtigkeit, mit der die n o r d a m e r i k a n i s ch e nRebellen" sich vom britischen Mutterlande losrissen, wird nur durch die ungeheure Wichtigkeit verständlich, die man in London schon damals der Herrschaft über Indien beimaß. Dort hatte man es ebenso wie in Nord­amerika mit dem französischen Rivalen, und außerdem mit der heraufziehendenrussi­schen Gefahr" zu tun. Vor die Wahl gestellt, auf Indien oder die aufständischen nordamerika­nischen Kolonien zu verzichten, ließ man denRe­bellen" an der anderen Seite des Atlantik ihren Willen, und das zog später die Anerkennung der Monroe-Doktrin nach sich, die auch alle andern Kolonialländer der Neuen Welt, die sich von ihren Mutterländern losgesagt hatten, für alle Zukunft gegenüber europäischer Kolonialpolitik fürtabu" erklärte.

Nun erst kam jene europäische M a s s e n a u s - Wanderung in Gang, die das Volk der Ver­einigten Staaten zu einer ziemlich einheitlichen Masse von 120 Millionen, die gesamte weiße Be­völkerung über See auf rund 160 Millionen an­wachsen ließ. Erst dort, wo sich europäische Kolo­nialpolitik zurückzog, blühte die freie Kolo­nisation europäischer Auswanderer auf, die einzig und allein der weißen Rasse die Anwartschaft auf eine deuernde Herrschaft über die Neue Welt erwarb.

In Indien, dem Schauplatze des reinsten weißenKolonialimperialismus" entwickelte sich zuerst das Vorurteil, daß der Weiße in den Tro­pen nur als vornehmer Müßiggänger ohne Ge­fährdung seiner Gesundheit jahrelang leben könne. Unter den britischen Bewohnern Indiens herrscht die allgemeine Meinung, daß Pionierarbeit tn äquatorialen Gegenden nicht ohne Hilfe der Ein- aeborenen durchgeführt werden kann, und sie schicken ihre Kinder nach England zur Schule, da­mit sie sich außerhalb des tropischen Klimas kör­perlich und geistig entwickeln können. Diese Le­bensphilosophie weißerKolonialimperialisten" setzte sich dann auch in Gebieten durch, wo tatsäch­lich außerhalb der Siedlungen Eingeborener Raum für Millionen und aber Mil­lionen weißer Siedler vorhanden ist, wo

Wohin steuert Englands. Europapolitik?

Bedenken gegen die Folgen der britischen Haltung in Gtrefa und Genf.

Briefe an dieTimes"

London, 24. April (DNB. Funkspruch). Lord P a r m o o r, der im letzten Arbeiterkabinett Lord- präsident des Staatsrates war, hat an dieTimes" einen Brief gerichtet, in dem es heißt, es sei nicht notwendig, erneut über die Behandlung Deutsch­lands in und nach Versailles zu schreiben, aber es sei die Frage erlaubt, wie man erwarten könne, daß solch ein Unrecht in Vergessenheit geraten und einem freundschaftlichen Geist der Verständigung Platz gemacht habe, wenn eine Entschließung wie die von Genf ge­faßt werde. Der Inhalt dieser Entschließung und die Art ihrer Annahme ließen sich kaum mit dem Geist des Friedens und der Versöhnung in Über­einstimmung bringen, der mit der Völkerbunds­satzung verbunden sei und ebensowenig mit dem Hauptziel dieser Satzung, eine neue Epoche des Friedens und der Gerechtigkeit an Stelle der harten Methoden des Krieges und der Gewaltanwendung zu setzen. Den Winter habe er, Lord Parmoor, auf Anraten seines Arztes, auf dem Festlande zubringen müssen. Dabei habe er oft die Ansicht gehört, daß die englische Poli­tik, wenn sie so wie bisher fortgesetzt werde, u n - vermeidlich zum Ausbruch eines noch fürchterlicheren Krieges als 1914 führen werde.

Der Sekretär des internationalen Friedensrates Gerald Bailey erinnert in einer Zuschrift an die Times" daran, daß es möglich gewesen wäre, eine beschränkte Aufrüstung Deutschlands zu' er­reichen, wenn rechtzeitig gehandelt wor­den wäre. Bailey bezeichnet es als unglaublich, daß die Mächte in Genf eine Strafpredigt über die Heiligkeit von Verträgen gehalten hätten, ohne ihre eigene Verantwor­tung, die sie für die Entwicklung der Lage trü­gen, anzuerkennen. Welchen Zweck habe es zu be­haupten, in Strefa fei für Deutschland d i e T ü r offen gehal t en worden, wenn die anderen Mächte doch unter st eilen, Deutschland sei ent­weder nicht zur Teilnahme an einem Kollektivsystem bereit, oder man dürfe seinem Wort nicht trauen. Es gebe nur zwei Wege, zwischen denen man wählen könne, entweder Deutschland Vertrauen zu schenken, oder Vorbereitungen für den Zeitpunkt zu treffen, zu dem der Krieg unvermeidlich sein werde. Die Lage fei noch nicht so schlimm, daß sie sich nicht wiederherstellen lasse. Wenn der Geist der Entschließung des Völkerbundsrates vom 17. April aber weiter die Oberhand behalte, dann werde es vielleicht bald keinen Ausweg mehr geben.

Liberale Kritik.

London, 24. April. (DNB. Funkspruch.) Im News Chronicle" meint Vernon Bartlett, der diplomatische Mitarbeiter des Blattes: Während der nächsten zwei oder drei Jahre werde es, wenn ungefähr dieselben Negierungen in London. Paris, Berlin und Rom im Amte bleiben, statt einer Rüstungsbegrenzung ein Wettrüsten geben. Das Ausmaß, in dem Deutschland im stillen aufgerüstet habe und der Umfang seiner Forderungen für die Zukunft hätten seinem Nach­barn einen solchen Schrecken eingejagt, daß kei­ner von ihnen sich daran erinnern lassen wolle, wie oft Hitler s i ch mit jeder Rüstungsbegrenzung und R ü - ftungskontrolle einverstanden erklärt habe. Diese Furcht vor Deutschland sei vielleicht in Whitehall noch stärker als am Quai d'Orsay.

Der Verfasser sagt, Großbritannien hat leider nicht als große Nation eingegriffen, die sich ohne Bi n- d u n g nach irgendeiner Seite gegen jede Kriegs­politik stellte. Er hat sich vielmehr in eine ge­radezu bedrohliche Nähe eines Bünd­nissystems begeben, das einem ande­ren entgegengesetzt ist. Deutschland müsse davon überzeugt werden, daß es durch Gewalt­gebrauch nichts zu gewinnen, aber alles zu verlie­ren habe. In dieser Richtung seien in Stresa und Genf Fortschritte erzielt worden. Deutschland müsse die ehrliche Bemühung sehen, daß seine un­gerechten Demütigungen und Einschränkungen in Zukunft der Vergangenheit angehören. Gerade hierbei verursache die erneute Bekräf­tigung von Locarno für England Schaden, da sie die Verpflichtung des Engländers auf Schutz der entmilitarisierten Zone hervorhebe, eine Sache übrigens, die f ü r Deutschland einseitig und deshalb un­gerecht sei.

Paris, 24. April. (DNB. Funkspruch.) Sämt­liche Blätter verzeichnen eine- von der Agentur Radio am Dienstag verbreitete Meldung, daß die Paraphierung des französisch-sowjetrussischen Ab­kommens in einigen Tagen zu erwarten sei, da die während der Dftertage fortgeführten Verhandlungen einen günftigen Verlauf ge­nommen hätten.Echo de Paris" erklärt, daß die Verhandlungen nicht von Regierung zu Regierung, sonöt-cn gleichsam unter der Hand wie­der ausgenommen worden seien und daß sich angeblich Außenminister Laval daran betei­ligt habe. WieLe Jour" glaubt, hätten die Sowjets ihren Widerstand gegen die Forderungen Frankreichs, daß der gegenseitige Beistand nicht automatisch in Kraft treten dürfe, und die kommuni st ische Propaganda in Frankreich und feinen Kolonien aufhören müsse, jetzt fallen gelassen, so daß tatsächlich mit der Paraphierung des Vertrages zu rechnen sei.

Kaganowttfch verlangtunbedingte Achtung vor den Signalen".

Moskau, 24. April. (DNB. Funkspruch.) Die sowjetrussische Telegraphenagentur veröfsentlicht Darlegungen, die der neue Verkehrskommissar Kaganowitsch auf einer großen Sonderkonfe­renz der Eisenbahnfunktionäre in Anwesenheit von Stalin und sämtlicher Volkskommissare gehalten hat, und in denen er die Mißwirtschaft auf den Eisen­bahnen der Sowjetunion scharf geißelte. Ausgehend von der ernsten Mahnung Stalins, daß das Trans­portwesen in der Sowjetunion einen schma -

Der Verfasser geht dann auf den westeuropäischen Luftpakt ein und bemerkt, daß London, Paris und Rom eine Kontrolle und Begrenzung der Luftstreit­kräfte anscheinend nicht mehr wünschten. In R o m werde der Donaupakt abgefaßt wer­den, den keine deutsche Regierung un­terzeichnen könne. Vermutlich werde diese Tat­sache dann wieder so ausgelegt werden, als fei Deutschland unehrlich. Stresa müsse den Engländern die Augen darüber geöffnet haben, daß Großbritan­nien in einem größeren europäischen Kriege nicht neutral bleiben könne. Man müsse auf der Hut sein und seine Stimme nachdrücklich zur Gel­tung bringen, da andernfalls Stresa die Engländer durch ein Wettrüsten zugrunde richten und sie in einen Krieg zur Verteidigung eines Status quo stürzen werde, der schon heute unhaltbar sei. Wenn der Engländer daher gegen eine Regierung kämpfe, die den Völkerbundsgrundsatz gleiche Sicher­heit für alle preisgebe, so kämpfe er allein für sein eigenes Leben.

Matin" kündigt diese Paraphierung für Ende der Woche an.

Im übrigen geht in der Presse der Kampf der Meinungen um das Für und Wider eines Zusam­mengehens mit den Sowjets weiter. Bemerkens­wert ist, daß einige Blätter einen Ausweg in der Formel suchen, daß der Abschluß eines Abkommens mit den Sowjets durchaus nicht eine Ver­ständigung mit Deutschland aus­schließe. Njcht ohne Belang scheint auch die vom Petit Journal" in die Debatte geworfene Frage der russischen Vorkriegsschulden zu sein, die nach Ansicht des Blattes eine angemessene Regelung erfahren müsse, wenn Frankreich und Sowjetrußland einen engeren Ring schlössen, um so mehr als Lordsiegelbewahrer Eden bei seinem Besuch in Moskau von der Sowjetregierung einige Zugeständnisse für England in dieser Richtung erzielt zu haben scheine. Frankreich dürfe in diesem Falle nicht schlechter be­handelt werden.

len Pfad bilde, auf dem die Sowjetwirtschaft und vor allem der gesamte Warenverkehr b e rei15 zu stolpern begonnen habe, stellte der Verkehrskommissar fest, daß bedauerlicherweise die Eisenbahner den Ern st der Lage bisher noch keineswegs begriffen hätten. Wir müssen gestehen, daß die Arbeit auf den Sowjet­bahnen, wie sie bis jetzt gehandhabt wird, s o u n - ter keinen Umständen weiter gehen kann. Das schlimmste liebel besteht darin, daß keine Kontrolle über die Durchführung der erlassenen Anordnungen vorhanden ist. Von jetzt ab wird den Präsidenten der Eisenbahndirektionen zur unbedingten Pflicht gemacht, sich bei Eisenbahn­unfällen sofort an die Ünfallstelle zu begeben, um die Untersuchung der Ursachen persönlich zu leiten

Die pakivechandlungen Mischen parisund Moskau wiederaufgenommen. Wird Sowjetrußland mit den französischen Vorbehalten einverstanden sein?

Das Verkehrschaos in Sowjetrußland.

Oer Mißwirtschaft auf den Eisenbahnen sott Einhalt geboten werden.

aber dastropische" Klima deren gedeihliche Seßhaftmachung ausschließen soll.

Heute, wo der Farbige überall gegen das Kuli- Schicksal, das ihm in der Sphäre des reinen Kolo­nialimperialismus bereitet wurde, aufbegehrt und die Grundlagen europäischer Kolonialherrschaft unter­wühlt, dämmert auch in den Hochsitzen abendländi­scher Weltpolitik die Erkenntnis, daß es ein ver­hängnisvoller Fehler war, die Ansiedlung Weißer in den vorwiegend der tropischen Zone angehörenden Kolonialländern unter dem Vorwande zu vernachlässigen, daß sich die klimatischen Bedin­gungen dafür nicht eigneten.

Zunächst gibt es innerhalb der Tropen Gebiete von ungeheurem Umfang, gar nicht oder äußerst dünn bevölkert, die sich leicht mit den Mitteln moderner Technik für eine Masseneinwanderung Weißer aufschließen ließen, wo das Klima so wenig demjenigen entspricht, was man gemeinhin unter einemtropischen" versteht, daß sich auch Menschen nordischer Herkunft ihm leicht anpassen können. Die Tropen" sind ja ein viel zu umfassender Begriff, als daß sich die Länder, die dazu gerechnet werden, klimatisch auf .einen Generalnenner bringen ließen. Die Gesundheitsverhältnisse sind außerordentlich verschieden, je nachdem es sich um Hochland­oder Tiefland-Tropen, um Wüsten, Dschungeln oder Gebirge, um Passatwindgürtel, Meeresstrandgebiete, Inseln oder Binnenlandstrecken handelt.

Auf dem innerafrikanischen Hochland, daH sich durchschnittlich 1200 Meter über den Meeresspiegel erhebt, leben, ungleichmäßig verteilt, gegen 25 Millionen Schwarze. In einem entspre­chenden Raume sind in Europa rund 300 Millionen Menschen zusammengedrängt! Jene Gegenden haben

eher gemäßigtes alstropisches" Klima; sie sind bei genügenden Niederschlägen zur Besiedlung mit Weißen durchaus geeignet. Wenn nur soviel Kapital und Arbeit, wie die Ausbreitung der Plan- taaenwirtschaft in den ungesunden Küstenstrichen erheischte, für die oerkehrswirtschaftliche Aufschlie­ßung innerafrikanischen Siedlungslandes aufge­wandt worden wäre, so könnte dort die weiße Be­völkerung längst überwiegen. Viel menschenärmer, dabei fruchtbarer und reicher an Naturschätzen sind die Quellterrassengebiete des Ama­zonas in Südamerika. Auch dort gibt es in Höhenlagen von 800 bis 330 Meter, wo eher von ewigem Frühling alstropisch" heißem Klima die Rede sein kann, Raum für Hunderte von Mil­lionen weißer Einwanderer, wenn nur die Ur­wälder, die sich dort unermeßlich ausbreiten, mit den Mitteln moderner Technik durch Unternehmun­gen großen Stils gebändigt und für menschliche Wohnstätten genügend gelichtet würden.

Neuerdings mehren sich nun auch noch die Stim­men derjenigen, die hie Kräfte moderner Hy­giene für ausreichend halten, um mindestens neun Zehntel aller Gefahren des tropischen Klimas zu bannen. Wie war es denn um die Gesundheits­verhältnisse in allen Teilen Europas bestellt, als die Menscheen hier noch unter ähnlichen unhygieni­schen Bedingungen lebten, wie die Eingeborenen in den Tropen? Jahrhundertelang schwelte in England die Bubonenpest, um alle paar Jahre zu einer schrecklichen Seuche aufzuflammen und erst um 1679 überwunden zu werden. Unterernährung, Unwissenheit, schlechte Wohnungsverhältnisse, das Fehlen guten Trinkwassers, Mangel an Beklei­dung usw. bereiteten bis in die Neuzeit hinein in allen Gegenden Europas der Ausbreitung anstecken­

der Krankheiten die günstigsten Bedingungen. Und je weiter man in alten Chroniken zurückblättert, desto furchtbarere Bilder entrollen sie von den Ge­fahren, die das Leben in der gemäßigten Zone unseres Erdteiles einst in sich barg. Es fei nur an die alsschwarzer Tod" bekannte Pestart er­innert, die von 1347 an 26 Jahre fast in allen Teilen Europas wütete und feine damalige Bevöl­kerung um ein volles Viertel verringerte. Warum also soll es nicht auch noch unbegrenzte Möglich­keiten einer Besserung der Gesundheitsverhältnisse selbst in den verrufensten Teilen der Tropen geben? Die Amerikaner haben die Panamakanalzöne in wenigen Jahren aus einer wahren Hölle in eine durchaus gesunde Gegend verwandelt, in der Hun­derte von Weißen regelmäßige und vollwertige Arbeit leisten und sich dabei dauernd wohl fühlen.

Am allerwenigsten läßt sich die Behauptung auf­rechterhalten, daß der Weiße in den Tropen so wenig wie möglich arbeiten dürfe, um sich ge­sund zu erhalten. Eher ist das Gegenteil rich­tig! Der amerikanische Forschungsreisende Earl Hanson, der im Auftrage des Carnegie-Instituts wissenschaftliche Untersuchungen gerade in den Tei­len des Amazonasbeckens leitete, die allgemein als die ungesundesten Gegenden der Erde angesehen werden, kommt zu dem Schluß, daß die Tropen an sich für den Weißen nicht ungesund sind, wenn er die Anstrengungen nicht scheut, sich anzupas» [en, und wenn er nicht der Versuchung erliegt, im großen und ganzen die Eingeborenen für sich arbeiten zu lassen:Die Menschen", betont er,die in die Tropen gingen, um vollwertige Arbeit zu leisten, sind leicht zu erkennen; denn sie sind immer gesünder und beweglicher als die andern."