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Welhnachtslled ist gencm so etn Volkslied geworden, wie etwaEs waren zwei Königskinder". Don ihm gilt dos, was Marie Cbner-Elchendach in dem kleinen Gedichtchen ausspricht:

Ein kleines Lied, wie geht's nur an, daß man so lieb es haben kann, was liegt darin? Erzähle!

Es liegt darin ein wenig Klang, ein wenig Wohllaut und Gesang und eine ganze Seele.

Aber auch alle andern Wechnachtslieder sind ein Stück von dem Feste selber und wir wollen auch Heuer dafür sorgen, daß beim Fest der Liebe die alten bekannten Weihnachtslieder nicht vergessen werden. Am Weihnachtstage soll Freude herrschen und Fröhlichkeit in den Augen glänzen, aber auch unsere Stimmen wollen wir vereinigen zu ge­meinsamem Gesang der vertrauten Weisen. Dann erst gaben wir richtige Weihnachten gefeiert. B.

Dornotizen.

Tageskalender für INonlag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Mazurka". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Schwarze Rosen". Turmhaus am Brandplatz: 17 bis 19 Uhr Weih­nachtsausstellung oberhessischer Künstler.

Der neue Oberstaatsanwalt in Gießen.

Der Führer und Reichskanzler hat wie wir am Samstag bereits kurz berichteten den Land­gerichtsrat beim Landgericht Gießen G u st a v Knauß an Stelle des vor einiger Zeit verstorbe­nen Oberstaatsanwalts Dr. Wodaege durch Urkunde vom 11. Dezember 1935 zum Oberstaatsanwalt beim Landgericht Gießen ernannt.

Oberstaatsanwalt Knauß wurde am 21. Fe­bruar 1888 als Sohn des Rektors Heinrich Knauß in Gießen geboren. Vater und Mutter des neuen Oberstaatsanwalts stammen aus Stangenrod im Kreise Gießen, wo auch deren Vorfahren als Land­wirte ansässig waren. Oberstaatsanwalt Knauß be­stand im November 1903 bei der Universität Gießen das Fakultätsexamen und im März 1907 in Darm­stadt das Staatsexamen für den höheren Justiz- und Verwaltungsdienst. Vom Jahre 1907 bis zum Jahre 1919 war er als Amtsanwalt und in richter­licher Verwendung in Groß-Umstadt, Bingen, Gie­ßen, Darmstadt, Bad-Nauheim und Alsfeld tätig. Laut Urkunde vom 27. Mai 1919 wurde er mit Wirkung vorn 1. April 1919 zum Staatsanwalt er­nannt, und zwar mit Wirkung von 10. Mai 1920 am Landgericht der Provinz Oberhessen. Vom 22. Juli 1927 ab war Oberstaatsanwalt Knauß Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Gießen, seit dem 20. Juni 1928 Landgerichtsrat beim Landgericht in Gießen.

Der neue Oberstaatsanwalt wird fein Amt am 1. Januar 1936 antreten.

Deutsche Arbeitsfront.

Bekanntmachung.

Die Dienststunden der Deutschen Arbeitsfront, Kreiswaltung Gießen, sind vom 23. Dezember bis einschließlich 28. Dezember für jeglichen Publikums- oerkehr geschlossen.

Kreiswaltung Gießen.

*

Während der Weihnachtswoche bleiben unsere Diensträume für jeglichen Verkehr geschlossen. Nächste Sprechstunde Montag, 30. Dezember 1935.

DAF., Ortsgruppe Gießen-Mitte.

Der Goldene Sonntag.

Am gestrigen Goldenen Sonntag, dem letzten Ge­schäftssonntag vor Weihnachten, herrschte im Ge- schäftsviertel unserer Stadt wiederum starker Ver­kehr. Das Ausmaß des Käuferbesuchs von aus­wärts blieb jedoch erheblich hinter dem Besuch vom Silbernen Sonntag zurück, und auch die Gießener Bevölkerung war nicht so zahlreich in den Ge­schäftsstraßen zu bemerken, als am Sonntag vorher. Das Weihnachtsgeschäft der Käufer ist wohl in der Hauptsache am Silbernen Sonntag, aber auch im Verlaufe der Werktage der verflossenen Woche ab­verwickelt worden, so daß sich der Andrang der Be­völkerung über eine Reihe von Tagen verteilt hat. Immerhin war auch gestern noch in den Geschäften erfreulicherweise flott zu tun.

Der Reiseverkehr auf der Bahn nahm, insbeson­dere durch die Urlauber, am Samstagnachmittag bereits sehr großen Umfang an, bei dem zeitweise die Grenze der höchsten Leistungsfähigkeit unserer Bahnhofshalle und der Bahnsteige erreicht wurde. Auch am gestrigen Sonntag war der Reiseverkehr noch recht rege. Im Zugverkehr gab es unter den

Auswirkungen von Schnee und Eis teilweise recht erhebliche Verspätungen. Der Bahnbetrieb wurde jedoch, dank der hingebenden und umsichtigen Lei­stungen des Bahnpersonals, reibungslos und ohne Unfall abgewickelt.

Geschenksendungen nicht mißbrauchen?

Durch Verordnung vom 3. Dezember 1935 find Erleichterungen hinsichtlich der Einfuhr von Butter, Käse, Speck, Schmalz und Eiern von je 1 kg im Reisefernverkehr und bei Geschenksendungen aus dem politischen Auslande insofern zugelassen, als ein Uebernahmeschein der zuständigen Reichsstelle für diese Waren nicht erforderlich ist. Neben Zoll- unb Umsatzausgleichssteuern wird lediglich von der abfertigenden Zollstelle ein in der Verordnung fest­gesetzter Unterschiedsbetrag erhoben. Die Regelung sollte insbesondere dazu dienen, die Einfuhr von Geschenksendungen in der Weihnachtszeit zu erleich­tern. Es hat sich jedoch inzwischen ergeben, daß aus­ländische Firmen versuchen, diese Erleichterungen geschäftlich auszunutzen, indem sie auf die Möglich­keit verweisen, die genannten Waren bei ihnen zu bestellen und innerhalb der Freigrenze zu bezahlen. Es wird darauf hingewiesen, daß die Ausnutzung der Erleichterung zum käuflichen Erwerb dieser Waren im Auslande strafbar ist, und zwar mit Gefängnis- oder Geldstrafe und daß diese einge­führte Ware der Beschlagnahme unterliegt. Das gleiche gilt auch in den Fällen, in denen die Ware einem anderen als dem inländischen Käufer über­sandt wird. Die Zollstellen sind gehalten, strenge Anforderungen an den Nachweis der Geschenk­sendungen zu stellen.

Weihnachtsfeier der Betriebsgemein- schast der Universitäts-Kliniken.

Am Samstagabend fand in den Räumen des Studentenwerks die überaus stark besuchte Weih­nachtsfeier der Betriebsgemeinschaft der Universi­täts-Kliniken statt.

Die Kapelle Einbrodt eröffnete mit dem MarschFrohe Weihnachtszeit" die Reche der Dar­bietungen. Professor Dr. Rein wein von der Medizinischen Klinik begrüßte die vielen Besucher und sprach vom Sinn der wahren Kameradschaft, die von dem Gedanken getragen sein müsse, in Treue und Pflichterfüllung zusammenzustehen, die aber auch den Willen haben müsse, einmal ge­meinsam Freude zu empfinden. Nach Jahren tief­sten Elends in unserm Volke sei es jetzt endlich, dank der Wendung des deutschen Schicksals durch unfern Führer, wieder möglich, ein frohes Fest zu feiern. Nachdem der Redner noch der Gefallenen des Weltkrieges, der nationalsozialistischen Bewe­gung und der Verstorbenen der Arbeitskamerad­schaft der Kliniken gedacht hatte, schloß er mit dem begeistert aufgenommenen Sieg-Heil auf den Führer.

Für den am Erscheinen verhinderter Kreiswalter der DAF. Wagner sprach dessen Stellvertreter Jung. Er sprach über den Sinn dieser Feier und sagte u. a.: Bei dem brennenden Lichterbaum heute abend wollen wir geloben, unfern notleidenden Volksgenossen helfend unter die Arme zu greifen und wirkliche Nächstenliebe mit der Tat zu üben. Jeder müsse innerlich dazu getrieben werden, irgend­einem in Not befindlichen Volksgenossen mit Gaben zu erfreuen. Wer so Weihnachten feiere, könne frisch gestärkt und mit innerer Befriedigung nach dem Fest wieder an die Arbeit gehen. Das Front­erlebnis der Kameradschaft aus dem Weltkrieg müsse uns als Vorbild immer in Erinnerung bleiben. Deutschland sei unsere ewige, heilige Verpflichtung.

Für die Universität überbrachte der Rektor Pro­fessor Dr. Pfähler herzliche Grüße. Er dankte allen Arbeitskameraden für oie treue Pflichterfül­lung im Beruf und sprach den Wunsch und die Hoffnung aus, daß die gute Kameradschaft, die in den Arbeitsgemeinschaften der Kliniken allenthalben zu spüren sei, auch weiterhin bestehen möge.

Aus der reichen Vortragsfolge verdienen beson­dere Erwähnung die Violinsolis von Fräulein Waltraud Schüttler, die hervorragend darge­boten wurden. Die Begleitung am Flügel hatte der Vater der Künstlerin, Musiklehrer Schüttler, über­nommen. Reicher Beifall lohnte den hohen Kunstge­nuß. Frl. Emma Jost und Frl. Anna A u t h war­teten mit fein vorgetragenen Gedichten auf, erstere mit einem Prolog, den die Oberschwester Hedwig M a r t i n u s von der Ohrenklinik verfaßt hatte. Für gehobene Stimmung Sorge zu tragen, hatte Herr Sielasf (Franksurt a. M.) übernommen. Er verstand es bestens, die Gäste mit köstlichen heiteren Vorträgen in rechte Stimmung zu ver­setzen. Seinem Auftreten wurde starker Beifall ge­

zollt. Ms Künstle? am Klavier zeigte sich Herr Schmitz von der Kliniksverwaltung mit dem Vor­trag der Polonaise in A-dur von Chopin, die dank­bare Aufnahme fand. Recht große Freude bereitete auch die Aufführung eines Theaterstückes. Die Auf­führenden, vier Arbeitskameradinnen der Haut­klinik, Fräulein Regina Rapp, Anna Koch, Hilda Fuhr und Frieda Geller, wurden ihrer Aufgabe vollauf gerecht.

Die Feier war weiter verschönt durch erstklassige Musikvorträge der Kapelle Einbrodt. Die traditionelle Wechnachtsverlosung und Tanz be­schlossen die Veranstaltung.

Christ-Wiegenlied" von G. (Ebeling (1637 61s 1676). Organist N e b e l i n g, der die ganze Vortragsfolge zusammengestellt hat, wird das Adagio aus dem Konzert in d-moll von G. Torelli (t 1708) und den OrgelchoralNun finget und seid froh" von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) spielen.

* D i e Vergebung von Pflasterstein. Lieferungen betrifft eine Bekanntmachung der Tiefbauverwaltung der Provinzialdirektion Ober- Hessen in unserem heutigen Anzeigenteil. Interessen­ten seien besonders darauf hingewiesen.

** D i e Verlegung von Leseholz, tagen betrifft eine Bekanntmachung der Bür. germeisterei in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die wir besonders Hinweisen.

** Altersvereinigung 1886/1 936. Man berichtet uns: Am Freitag trafen sich 29 Alters­genossen des Jahrgangs 1886 bei Alterskamerad 23 epi er, Bahnhofstraße, zwecks Gründung der Altersvereinigung 1886/1936. Die Gründung wurde beschlossen: es wird für Samstag, 4. Januar 1936, eine Vollversammlung einberufen, zu der auch die noch nicht erschienenen 1886er durch schriftliche Em ladunaen zur Teilnahme aufgefordert werden.

** Luftpost zur Weihnachts- und Neu­jahr s z e i t. Am 25. und 26. Dezember und am 1. Januar wird der Lustpoftverkehr im allgemeinen nur auf den Linien ausgeführt, die auch Sonntags beflogen werden, und zwar nach den für Sonntags­flüge festgesetzten besonderen Flugplünen, soweit solche vorhanden sind. Die Reichspostslüge auf der Linie Berlin Hannover Köln London werden nachts vom 25. zum 26. Dezember und vom 1. zum 2. Januar ausgeführt. Außerdem fim den alle Flüge nach außereuropäischen Ländern an den planmäßig vorgesehenen Tagen statt. Weitere Auskunft bei den Postanstalten.

** Helft Brände an Weihnachten Der« hüten! Ohne Tannenbaum mit seinen brennen­den Kerzen ist's kein richtiges deutsches Weihnachts- fest. So schön und stimmungsvoll er ist, ein Christ- bäum birgt aber auch Feuersgefahren in sich und macht daher Vorsicht nötig. Er soll in einem krüf- tigen Fuß eingesetzt werden. Teppiche, Tücher und sonstige leicht brennbare Unterlagen gehören nicht unter den Baum, ebenso die Gardinen und Por­tieren von ihm ferngehalten werden sollen. Papier- schmuck und Sprühkörper sind zwar sehr hübsch, eichöhen aber die Feuersgefahr. Beim Anzünden der Kerzen fange man von oben am Baume an, da sonst leicht die Kleidung in Gefahr gerät. Kin­der sollte man nie mit dem brennenden Baum allein lassen und ihnen auch keine feuergefährlichen Spielzeuge oder gar Feuerwerkskörper schenken. Auch für den Weihnachtsbaum gilt das Sprich­wort:Aus einem Funken wird ein großes Feuer/

** Ein Achtzigjähriger. Arn heutigen Montag, 23. Dezember, kann der Rentner und Orts­gerichtsmann Chr. H a u b a ch, Asterweg 31 wohn­haft, in seltener geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag begehen. Der alte Herr ge­hört seit über 30 Jahren dem Ortsgericht an und ist seit 50 Jahren treuer Bezieher des Gießener Anzeigers.

** Eine 84jährige. Heute, Montag, feiert Frau Louise Adam, geb. Söhngen zu Braunfels, wohnhaft in Gießen, Sonnenstraße 1, in körperlicher und aeiftiger Frische ihren 84. Geburtstag. Sie liest den Gießener Anzeiger seit 50 Jahren.

** Der Dien st beim Landgericht in der Weihnachtswoche. Die Justizpresseftelle teilt mit: Am Landgericht Gießen ist in der Weih­nachtswoche folgender Eildienst eingerichtet worden: Dienstag, 24. Dez., von 15 bis 17 Uhr; Freitag, 27. Dez., von 10 bis 13 Uhr und Samstag, 28. Dez., von 10 bis 13 Uhr. Zum Zwecke der Einsparung von Kohlen für Heizung und Beleuchtung und zur Ermöglichung einer gründlichen Reinigung der Hei­zungsanlage und Bürorüume ist für den 27. und 28. Dezember nur Eildienst eingerichtet.

** Die Dienststunden der Kreishand - werkerschaften in Oberhessen. Wie die Kreishandwerkerschaften in Oberhessen mitteilen, sind die Bürorüume ab Montag, 23. Dezember, bis einschließlich 1. Januar 1936 für den Publikums­verkehr geschlossen.

** D i e Militärversorgungsgebühr- nisse für Januar werden beim Postamt 1 (Bahnhofstraße) am 28. Dezember, die Sozial- renfen am 30. Dezember ansgezahlt.

** Die musikalische Feier am Weih­nachtsabend in der Johanneskirche ist ganz auf die Art abgestimmt, wie das deutsche Gemüt den heiligen Abend auffaßt und empfindet. Vornehmlich soll Hirtenmusik zur Geltung kommen, so durch Darbietung der Triosonate in E-dur für Flöte, Violine und Violincello von G. PH. Tele­mann (1681 bis 1767). Alle Chore werden durch Geigen und Flöten begleitet werden, darunter das

Oie Weihnachtsfeiern -er Partei.

Ortsgruppe Gießen-Ost.

Im festlich geschmückten Großen Hörsaal der Uni­versität hatten sich schon lange vor Beginn der Feier eine Menge Kinder mit ihren Eltern zur Bescherung eingefunden. In strahlender Erwartung saßen die Kleinen da und freuten sich auf den Weih­nachtsmann, der nun ja bald kommen sollte.

Ein Rundfunkgerät übertrug die Feierlichkeiten des Gaues Berlin der NSDAP. Reichspropaganda­minister Dr. Goebbels sprach auf dieser Kund­gebung zu Millionen von Kindern und ihren Eltern von der deutschen Weihnacht.

Nach der Uebertragung spielte als Auftakt der Weihnachtsfeier der Ortsgruppe Ost eine Kapelle Stille Nacht, heilige Nacht , das begeistert von groß und klein mitgefungen wurde. Herr Paul W r e d e vom Stadttheater erfreute bann die Kinder durch das Vorlesen zweier Märchen und er­zählte von derPrinzessin auf der Erbse" und von demgoldenen Schlüssel". Es war ein netter Ein­fall, kurz nachdem der Christbaum angezündet war und ehe der Nikolaus kam, diese nette Märchen- erzühlung einzuschalten. Nachdem das gemeinsam gesungene LiedO du fröhliche" verklungen war, trug Herr Hille von unserer Oper sehr klangrein und der Stimmung angepaßt ein Wiegenlied vor.

Das LiedUnter der Fahne schreiten wir...", gesungen von einigen Hitlerjungens, leitete zur An­sprache des Propagandaleiters Baß über. Er sagte u. a., Weihnachten sei nicht ein Fest der neueren Zeit, schon unsere Vorfahren, die Germanen, hätten ebenfalls Ende Dezember ihre Feuer angezündet, die ganze Familie und das ganze Gesinde darum ver­sammelt. Man hätte Rückschau gehalten auf das ver­

gangene Jahr, der Ahnen gedacht, den Gottern ge­opfert und den Blick in die Zukunft gewendet, die künftige Arbeit sich überlegt. Das Christentum habe in diese Zeit die Geburt des Heielandes gelegt und diesen Tag als Fest der Nächstenliebe und der Freude gefeiert. Aber nicht immer sei Weihnachten ein Fest der Volksgemeinschaft und des Jubels gewesen, denn noch vor kurzer Zeit, als noch über acht Mil­lionen unserer Volksgenossen ohne Arbeit gewesen seien, habe es anders ausgesehen. Einige, die es sich hätten leisten können, hätten abgeschlossen zu Hause für sich gefeiert und sich nicht um die Not ihrer Brüder und Schwestern gekümmert. Daß es nun anders in Deutschland sei und wir nun roieb/r unser altes deutsches Weihnachtsfest feiern könnten in wahrer Kameradschaft und Volksgemeinschaft, das verdankten wir unserem Führer Adolf Hitler. Ihm galt fein dreifachesSieg-Heil!" Die erste Strophe des Horst-Wessel-Liedes schloß sich an.

Nach einer kleinen Pause ging die Türe auf und herein kam der langersehnte Nikolaus, im großen purpurnen Mantel mit langem weißen Bart und großer Zipfelmütze. Einige Kleinen trugen ihre fleißig gelernten Gedichte und Berschen vor. Hierauf verteilte der Weihnachtsmann seine Gaben; über 240 Kinder wurden mit einem schonen Weihnachts« patet bedacht. Noch lange wird diese Weihnachts­feier den Kindern in Erinnerung bleiben.

Ortsgruppe Gießen-Nord.

Die Weihnachtsfeier der Ortsgruppe Nord ver­einigte am geftriaen Sonntagabend im überfüllten Saale des Cafe Leib mehrere hundert Kinder mit ihren Angehörigen und vielen anderen Besu­chern. Die Feier wurde mit weihnachtlichen Weisen

Nicht müde werden, Annelies?

Vornan von Bernhard Lonzer.

Urheberrechtsschutz: Auswärts-Verlag, Berlin.

17. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Und Sie glauben, daß auch ein Mann wie Günter sich von Ihnen knechten lassen wird?"

(Eben nicht. Denn sonst würde ich ihn nicht lieben und um ihn kämpfen. Er wird von selbst zu mir zurückkehren, und er wird eine Frau finden, die ihm den Himmel auf Erden schenkt."

Sie stand auf.

Und damit wären wir am Ende unserer Unter­redung. Ich habe nichts dagegen, wenn Sie nun zu gehen wünschen. Aber das eine möchte ich Ihnen noch sagen: Es wird mir eine unbeschreibliche Ge­nugtuung sein, über Sie triumphieren zu können!"

Annelies hatte sich gleichfalls erhoben. Sie war blaß bis in die Lippen. Stumm griff sie nach dem Besuchstüschchen. Da klopfte es, und fast im gleichen Moment wurde die Tür geöffnet.

Günter trat über die Schwelle. Er war leicht erregt, und bas war wohl der Grund, daß er die Situation nicht sofort übersah, obgleich sie sehr ein­deutig und aufschlußreich war.

Habe ich euch warten lassen? Ihr müßt schon entschuldigen, ich konnte wirklich nicht eher ab­kommen im Geschäft ist das eben manchmal so. Aber nun habe ich auch wirklich Appetit auf eine Tasse Tee. Oder bekomme ich zur Strafe keinen?"

Mia zeigte ein bestrickendes Lächeln.

Eigentlich hättest du es verdient, daß man dich trocken sitzen läßt. Aber wir wollen Gnade für Recht ergehen lassen. Du wärest übrigens beinahe zu spät gekommen Fräulein Fahrenkamp fühlt sich nicht wohl und wollte zu meinem Bedauern eben auf» brechen. Aber" sie wandte sich mit liebenswür­diger Miene Annelies zunun bleiben Sie hoffentlich doch noch ein Weilchen, liebes Fräulein nicht wahr?"

Jetzt erst wurde Günter aufmerksam und trat zu Annelies heran.

Tatsächlich, du bist ja ganz blaß. Was ist dir denn? Möchtest du wirklich lieber nach Hause? Dann müssen wir natürlich gehen, aber schade wäre es ich hatte mich so auf eine Tasse Tee und einen ge­mütlichen Plausch gefreut ..."

Da sehen Sie es nun gleich mal, Fräulein Fahrenkamp", lächelte Mia.Die Männer denken nur an sich selbst. Egoistisch und grausam bis auf die Knochen sind sie. Da soll noch einer sagen, die Frau wäre das grausamste Geschöpf, das es gibt!"

Günter sah sie mit einem merkwürdigen Blick an.

Sagt man bas?"

Sie hielt seinem Blick stand. Wie ein dunkles Rätsel lag es in ihren unergründlichen Augen.

Es kommt vor, daß jemand diese Behauptung aufstellt. Natürlich ist es glatte Verleumdung. Wir haben uns eben über dies interessante Thema unter­halten, und ihr Männer seid nicht gerade gut dabei weggekommen. Aber wie ist es, Fräulein Fahren­kamp wollen Sie nicht doch noch ein Weilchen bleiben? Ich würde mich wirklich freuen ..."

Annelies war starr über die Verstellungskunst dieser Frau, über die raffinierte und bedenkenlose Geschmeidigkeit und Sicherheit in der Beherrschung jeder Situation. Bei einer solchen Gegnerin war ein schwerer Kampf zu erwarten. Er war von vorn­herein aussichtslos, wenn man davor zurückscheute, die gleichen Waffen zu gebrauchen. Sie überwand sich also, obgleich sich alles in ihr dagegen sträubte.

Es wird mir wohl nichts anderes übrigbleiben man kann es doch schließlich nicht verantworten, diesen im großen und ganzen hoffnungsvollen jun­gen Mann verdursten zu lassen", scherzte sie.

So ist es recht", lobte Mia.Und nun setzt euch, Herrschaften! Der Tee ist allerdings inzwischen kalt geworden, ich werde ..."

Danke nein!" unterbrach Günter sie.Es ist mir gerade lieb so. Bei der Hitze heute!"

Mia goß ihm ein.

»Und Sie, Fräulein Fahrenkamp? Aber Ihre Tasse ist ja noch ganz voll? Sie haben ja kaum einen Schluck getrunken!"

Vielleicht war das schon zuviel ..

Mias Augen schillerten seltsam.

Meinen Sie?"

Annelies gab ihr den Blick zurück. Ihre Augen sagten ganz deullich: Wenn eine solche Frau Die

Gastgeberin ist, bann ist schon ein einziger Schluck zuviel!

Ihr habt euch also gut unterhalten?" fragte Günter, bem ber eigentliche Sinn bieses Wortspiels ganz entgangen war.

Ganz ausgezeichnet!" bestätigte Mia.Nicht wahr, Fräulein Fahrenkamp?"

Ganz ausgezeichnet!" wieberholte Annelies.

In ihrer Stimme schwang ungewollt ein Ton mit, ber Günter aufhorchen ließ. Er streifte sie mit einem kurzen, forschenden Blick. Dann neigte er sich roieber über seine Tasse.

lieber die Grausamkeit der Frau also nicht wahr?"

lieber die angebliche Grausamkeit und Brutalität der Frau, bitte!" berichtigte Mia.Ich sagte ja schon, wer uns diese Eigenschaften andichtet, der kennt uns eben nicht."

Wer kennt euch denn!" erwiderte Günter mit einem dunklen Blick.

Das ist ja gerade unsere Stärke. Es reizt den Mann, immer neue Rätsel zu finden und sich mit ihrer Lösung zu beschäftigen. Die Natur hat eben dafür gesorgt, daß wir euch nicht langweilig werden. Womit selbstverständlich nicht gesagt sein soll, daß es nicht auch unter der Gattung Weib ganz entsetz­lich langweilige Exemplare gibt. Ich denke es mir furchtbar für einen Mann, wenn er sich fein ganzes Leben hindurch von so einem Geschöpf anöden lassen muß. Leben muß man in sich haben, Blut in den Adern und ein Herz im Leibe, das den Mann nicht zur Ruhe kommen läßt."

Günter umfaßte ihr Gesicht mit einem Blick, der Annelies das Blut in die Schläfen jagte und ihr Herz zu angstvollen Schlägen antrieb.

Allzuviel Leben verzehrt", sagte sie mit leise schwingender Stimme, während sich ein Schleier vor ihre Augen legte.Und schließlich wird ein Mann ja wohl auch nicht dauernd in Atem gehalten wer­den wollen. Er muß auch mal eine Stunde haben, die ihm allein gehört, und in ber er sich auf sich selbst besinnen kann. Er will wohl auch mal eine stille, kühle und beruhigende Hand spüren, die nichts verlangt, sondern gibt Ich glaube, daß die egoistische Frau noch viel schwerer zu ertragen ist als der egoistische Mann."

Da haben Sie natürlich recht", lenkte Mia ein. ,Zch wollte ja nur das Gegenteil von der aus­gesprochen langweiligen Frau deutlich machen. Die kluge Frau wird selbstverständlich wissen, was dem Manne in jedem Augenblick gut ist, und wird ihm von allem die richtige Dosis zu geben verstehen."

Es ist höchst aufschlußreich, bei diesem inter­essanten Kapitel den Zuhörer zu spielen", warf Günter mit einem Lächeln ein.Da sieht man doch mal staunend, welche Ansprüche man an die Ehe stellen darf."

Es ist gut, das vorher zu wissen!" entgegnete Mia mit einem Klang in der Stimme, der War­nung und Lockung zugleich war, und mit einem Blick, der- ihm das Herz zu verbrennen drohte.

Annelies biß die Zähne aufeinander. Mit einer Selbstbeherrschung, die sie selber in Erstaunen ver­setzte, lenkte sie das Gespräch in andere Bahnen. Aber immer wieder einmal kam ein Moment, in dem ein Wort oder ein Blick wie ein zündender Funke zwischen Mia und Günter hin und her sprangen. Die dunkle Schwüle der Spannung war kaum erträglich, und nach Verlauf einer halben Stunde drängte Annelies endgültig zum Aufbruch.

Günter gab nur zögernd nach. Das Bedauern, das Mia zum Ausdruck brachte, war von einem tiefem Atemzug begleitet. Sie ging mit hinunter. Der leichte Plauderton, den sie anschlug, während man die breite, läuferbelegte Treppe hinabstieg, wirkte fast kühl im Vergleich zu der schwelenden,, knisternden Spannung der vergangenen halbem Stunde.

Als sie die Halle betraten, sprang ein überele» gant gekleideter Herr aus einem der dort herum- stehenden Klubsessel auf. Es war Schulenburg. Wie gebannt hing fein Blick an Mias Gestalt. Dann trat er zögernd und wie unentschlossen zu Günter heran» nachdem er vor den Damen eine tiefe, aber etwas zerfahrene Verbeugung gemacht hatte.

Das ist nett, Sartorius. Ich sah Sie vorhin zu» fällig hier hereingehen und habe Sie schon in allem Winkeln dieses gasllichen Hauses gesucht. Ich dachte» wir könnten zusammen ein paar Stunden tpie schlagen aber Sie sind in Gesellschaft, da störe ich gewiß ..."

(Fortsetzung folgt--