Reynolds und ein prachtvolles Porträt von Lawrence. Mit den breitesten Raum beansprucht die französische Malerei; wir greifen heraus und staunen dabei: den „Mezzetin" von Watteau, das „Rendezvous" von Fragonard, Courbet („Halali"); dann eine glänzende Sammlung der Impressionisten Monet, Manet, Degas, Renoir; Cezanne, Toulouse- Lautrec und Dan Gogh machen den Schluß. Wir glauben schon mit dieser flüchtigen Aufzählung gezeigt zu haben, was den Beschauer hier erwartet. Quellennachweise, Anmerkungen, Standort- und Namenregister vervollständigen das Werk, das wir hiermit uneingeschränkt und nachdrücklich empfehlen möchten. —y—
Geschichte.
— Erich Marcks: Otto von Bismarck, ein Lebensbild, neue Ausgabe mit 12 Bildtafeln. Verlag der I. G. Cottaschen Buchhandlung in Stuttgart. Preis in Ganzleinen 4,80 Mark. — (457) — Dem bedeutendsten lebenden Geschichtsschreiber der Epoche der Reichsgründung, dem Meister des historischen Essays, dem Mann, der wissenschaftliche Forschung und künstlerische Formgebung in unvergleichlicher Weise vereinigt, verdanken wir eine von feinstem Verständnis für den Menschen Bismarck und die vielfältigen Elemente seiner Entwicklung zum Staatsmann zeigende Geschichte der Jugend des Kanzlers, die in weiteren Bänden zu einer großen Biographie des Kanzlers ausgestaltet werden sollte. Aber leider warten wir noch heute auf die Fortsetzung des Werkes. Statt dessen hat uns Erich Marcks, der eben erst durch Berufung in das Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschland besonders geehrt wurde, zum hundertsten Geburtstage Bismarcks, der mitten in die Kriegszeit fiel, mit einem Lebensbild des großen Kanzlers beschenkt, das wegen der Fülle an Gedanken bei aller Knappheit' der Auswahl des Tatsächlichen aus dem unendlichen Reichtum des Stoffes, und wegen des prachtvollen Schwungs der Darstellung längst ein deutsches Volksbuch im besten Sinne geworden ist. Der Verlag hat sich ein Verdienst damit erworben, die neue ' Ausgabe (24.—28. Tausend) mit zwölf Bildtafeln zu schmücken, die den großen Deutschen in allen Stationen seines Lebens zeigt vom Schüler des Plamannschen Instituts bis zum Einsamen im Sachsenwald und seiner gewaltigen steinernen Heroisierung in Lederers Hamburger Denkmal. —e.
— Josef Pilsudski: Erinnerungen und Dokumente, von ihm persönlich autorisierte deutsche Gesamtausgabe, ausgewählt, bearbeitet und redigiert von Major Dr. Waclaw L i - p i n s k i und Generalkonsul I. P. Kaczkowski mit einem Geleitwort von Ministerpräsident General Hermann Göring. Band I. Meine ersten Kämpfe. Preis in Ganzleinen gebunden RM. 8,50, Essener Verlagsanstalt G. m. b. H. in Essen. — (333) — Wir haben auf die Bedeutung dieser deutschen Ausgabe der Memoiren des Schöpfers des modernen polnischen Staates in der ausführlichen Besprechung hingewiesen, die wir der diesen Memoiren vorangestellten und auch als Sonderdruck erschienenen Lebensskizze des Marschalls aus der Feder des Herausgebers W. Lipinski vom militärhistorischen Büro in Warschau gewidmet haben. Dieser erste Band enthält die von Pilsudski während seiner Internierung in der Festung Magdeburg 1917/18 niedergeschriebenen Erinnerungen an die ersten Kämpfe der polnischen Schützenverbände, die
unter seiner Führung vom damals österreichischen Krakau aus schon in den ersten Augusttagen des Jahres 1914 den Vormarsch ins russische Kongreßpolen angetreten und die Stadt Kielce besetzt hatten. Hier reichten sie einem deutschen Landwehrkorps die Hand, das von Schlesien aus vorgerückt war. Aber die unglücklichen Operationen der Oesterreicher zwangen auch Pilsudski zum Rückzug. Als Flankensicherung wird die polnische Legion bei Korcyn— Opatowice in die ersten Kämpfe verwickelt. Hiervon handelt der erste Abschnitt der Erinnerungen des Marschalls. Weit schwieriger und gefahrvoller war die Lage der polnischen Legion bei den Rückzugsgefechten nach Zurücknahme der deutsch-österreichischen Front von Iwangorod bis zur schlesischen Grenze Ende Oktober 1914. Vor der Front der zurückgehenden österreichischen Armee her, von den russischen Vorhuten ständig bedroht, schlägt sich Pilsudski nach Krakau durch. Hiervon berichtet der Marschall im zweiten Kapitel seiner Memoiren. Hier fällt auch ein bezeichnendes Licht auf das Verhältnis der polnischen Schützenverbände Pilsudskis einerseits zu der österreichischen Heeresleitung, deren untere Organe, vor allem auch tschechische Etappenkommandanten, die polnischen Freiwilligen mit betonter Geringschätzung behandelten, und andererseits zu dem polnischen Nationalkomitee, das, im politischen Endziel mit Pilsudski keineswegs übereinstimmend, die sog. austropolnische Lösung ansteuerte und daher die polnischen Legionen in den
k. u. k. Heeresverband eingliedern ließ, während Pilsudski bis dahin die Selbständigkeit der Schützenverbände in Organisation und Führung als Kern des künftigen polnischen Heeres besonders betont hatte. Dieser kühne Zug der polnischen Legion mitten durch die feindlichen Vorhuten war ein Meisterstück an Entschlußkraft und geschickter Führung. Er rettete die polnische Legion vor dem. Abgedrängtwerden vom vaterländischen Boden und hielt sie für neue Taten bereit. Diese kamen in der Schlacht bei Limanowa im Dezember 1914, wo die polnische Legion auf dem rechten Flügel des österreichischen Heeres focht und die Russen bis an den Dunajec zurückdrängen half. Wenn auch alle diese Kämpfe nur kleine Teilausschnitte aus dem großen Geschehen dieser Tage darstellen, so zeigt die außerordentlich temperamentvolle und plastische Schilderung des Marsches, wie hier vor dem Feinde, in mißgünstiger Umgebung und unter schwierigsten materiellen Verhältnissen eine kleine Truppe durch unbedingtes Vertrauen zu sich selbst und zum Führer, durch gemeinsamen Kampf, gemeinsame Not, aber auch durch einen einzigen starken politischen Willen zu einem Stahlkern zusammengeschweißt wurde, der einst das stärkste Ak- tivum in dem Ringen um die Befreiung Polens sein sollte. Professor von Arnim-Berlin hat zu dem Buch ein Nachwort geschrieben, das die geschilderten Kämpfe in den großen Rahmen der militärischen Operationen eingliedert. —e.
Heue Tierbücher.
— Egon von Kapherr: Möff Pürzel- m a n n. Die Geschichte eines wilden Schweines. Mit vielen Bildern nach Originalaufnahmen. Neubearbeitete Auflage 6. bis 10. Tausend. Brosch. 2,80, Leinen 3,80 Mark. Brunnen-Verlag, Willi Bischoff, Berlin. — (420) — Kapherr, der große Weidmann und Tierfreund, dessen unübertroffene Erzählertalent und warmer Naturliebe wir die schönsten Tier- und Jagdgeschichten in deutscher Sprache verdanken, der in den riesigen Urwäldern und Steppen Rußlands und Sibiriens gleicherweise zu Hause war, wie in den deutschen Jagdgründen, hat kurz vor seinem allzufrühen Tode seine entzückende Wildschweingeschichte „Möff Pürzelmann" für eine neue Auflage überarbeitet. Der Verlag hat schöne, sehr lebendige Bilder nach Aufnahmen in der Natur beigesteuert und so geht nun dies Büchlein in neuem Gewände wieder hinaus als Vermächtnis Kapherrs an seine große Lesergemeinde, die immer wieder zu seinen fesselnden Jagdgeschichten von Bär, Wolf und Elch greifen wird, aber darüber auch nicht vergißt die von liebevoller Naturbeobachtung auch im kleinsten zeugenden Geschichten von Hinnerk Mummel, dem Hasen in Mecklenburgs Flur und Möff Pürzelmann, dem wehrhaften Keiler. —e.
— Begegnung mit Tieren. Von Prof. Dr. Bastian Schmid. 175 Seiten und 56 Bilder auf Tafeln. Verlag Knorr & Hirth G. m. b. H., München 1935. Geh. NM. 3,80, Seinen RM, 4,90. — (424) — Durch Jahrzehnte hindurch mit Hunderten von Tieren verbunden, hat sich Professor Schmid die Erforschung der Tierseele zur Aufgabe gestellt. Wir erfahren in seinem Buch, wie der Vogel im Ei erwacht und schon in seinem kleinen Kerker seelische Belebtheit zeigt. Reiher treffen wir im Rohrwald und bann wieder im Garten; warum ziehen die einen seiner Vögel fort, während die an
deren bleiben? Falken sehen wir im Körbchen als kleine Nesthocker und später auf freiem Feld. Ein mit der Flasche aufgezogener Wolf erweist sich als gutmütiges Haustier, kinderlieb, anhänglich, treu. Im Sommer lebt ein junger Brüllaffe auf den Bäumen des Gartens in völliger Freiheit. Völlig anders geartet find zwei Makakenkinder, geweckte und erfinderische Burschen, denen der Garten zu klein wird. Wir erforschen weiter mit Bastian Schmid die ungewöhnlichen Nasenleistungen des Hundes und dessen Orientierungsvermögen, lernen den singenden Fuchs Karo sowie den von allen Tieren „geschätzten" Hund Ali kennen und noch vieles andere Interessante... Jedes dieser Tiere hat seinen eigenen Lebensstil, seine Gewohnheiten, jedes ist eine Persönlichkeit und zugleich eine andere Form der Ausstrahlung urpsychischen Wesens! Heber 50 eigene Fotos des Verfassers schmücken das Buch.
— Heinz Graupner-Fritz Kredel: Das kleine Buch der Vögel und Nester. Insel- Bücherei Nr. 100. Im Insel-Verlag zu Leipzig. — (388.) — Fritz Kredel, ö-r Schövfer des lustigen Soldatenliederbuches und Mitarbeiter Rudolf Kochs bei der Gestaltung des berühmten Blumenbuches, hat hier nach Originalen des Senckenberg-Museums in Frankfurt unsere dem Namen nach wenigstens bekanntesten Sinaoögel in der ganzen Schönheit ihrer natürlichen Farbenpracht vor uns hingezaubert. Und das besonders Reizvolle, auch für die Vogelbestimmung Wesentliche ist, daß wir unsere gefiederten Freunde mit ihrem Nest zusammen sehen, dessen Bau ja für die einzelnen Vogelarten so überaus charakteristisch ist. Heinz Graupner hat in einem feinsinnigen Geleitwort als Ornithologe wie als Naturfreund dazu alles Wissenswerte gesagt. Auch die Naturgeschichte des einzelnen Vogels gibt jeweils willkommene Anhaltspunkte. —e.
Gedichte.
— Wilhelm Busch: Schein und Sein. Im Insel - Verlag zu Leipzig. (Insel - Bücherei Nr. 478.) — (410) — Von Wilhelm Busch gibt es nicht bloß „Max und Moritz", „Hans Huckebein" und „Die fromme Helene", Bücher und Bilder also, von denen fast jeder Deutsche in seinem Leben schon irgend etwas gesehen, gehört oder gelesen hat, — sondern auch ein paar Bändchen, die ziemlich unbekannt geblieben sind. Dazu gehören die ernsten, stellenweise philosophisch angehauchten Gedichtbändchen „Zu guter Letzt", „Kritik des Herzens" und „Schein und Sein", von denen das letzte nun auch in die Insel-Bücherei eingegangen ist. Man findet hier einen etwas anderen Busch, als die meisten ihn kennen und nennen, — einen nachdenklichen, skeptischen und ost sogar pessimistischen Weltbetrachter. Mancher, der Busch bloß als Spaßmacher und humorvollen Zeichner kannte, wird sich wundern, Gedichte wie „Woher, wohin?", „Der fremde Hund", „Befriedigt" oder „Die alte Sorge" — um nur einige zu nennen — aus feiner Feder zu finden. (Es wird allerdings, wie wir glauben, meist übersehen, daß sich verwandte Züge auch in den bekannten Bildergeschichten finden.) Der Busch- Spezialist und Vortragsmeister Hans Balzer hat dem Bändchen ein Nachwort mit auf den Weg gegeben, das interessante Einblicke in die Werkstatt des Mannes aus Wiedensahl gestattet. —y—
— Georg Britting: Der irdische Tag. Gedichte. 133 Seiten. Albert Langen/Geora Müller, Verlag, München, 1935. — (345) — Der bayerische Dichter Georg Britting ist zunächst als Erzähler bekannt geworden, mit sehr konzentrierten Novellen von ausgesprochener Eigenart und mit dem großen Roman „Lebenslauf eines dicken Mannes, der Hamlet hieß"; wir haben unseren Lesern des öfteren Proben von Brittings Erzählweise in der Unterhaltungsbeilage mitgeteilt. Der vorliegende Band sammelt eine größere Auswahl von Gedichten und ist geeignet, das Bild Brittings vom Lyrischen her zu ergänzen. „Der irdische Tag" enthält Gedichte, die mit wenigen Ausnahmen als Naturlyrik gelten können, und deren beste auf eine einleuchtende Art aus der bayerischen Landschaft hervorge» wachsen sind, die Brittings engere Heimat ist; das gilt vor allem für die „Gedichte vom Strom", von der Donau, die auch, nicht zufällig, durch manche feiner Erzählungen rauscht. Will man den Gesamteindruck zusammenfassen, wird man sagen dürfen, daß Brittings Gedichte meist auf einem Augenblickseindruck beruhen, daß sie genaue Naturbeobachtung bezeugen und Landschaftsausschnitte widerspiegeln, die unmittelbar, umrißscharf, farbig und eigenwillig gesehen sind. Dies scheint für Britting wesentlicher als die strenge, klare und geglättete Form, als innere Melodie, Rhythmus und Reim in einem Gedicht. Es findet sich daher manches, was dem Leser nicht ohne weiteres eingeht, manches auch, was man aus stofflichen Gründen ablehnen wird (uns jedenfalls scheint ein Gedicht wie „Der Bethlehemitische Kindermord" verfehlt und als lyrisches Motiv unmöglich) — anders wieder versöhnt mit solchen Eindrücken und redet uns unmittelbar an, wie etwa die wenigen, aber völlig in sich geschlossenen Verszeilen der „Geistlichen Stadt" oder das stimmungsvolle, ganz aus Brittings heimatlicher Welt hervorgegangene Weihnachtsgedicht „Mitten im Föhrenwald".
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