Bücher unter dem Weihnachisbaum
DeuWe Erzähler
erkennt. Abermals, auch von hier aus, fühlt sich i Leser zurückgeführt in Hauptmanns schlesische W
der
diesen finden und für sich gewinnen sollte. —y—
Heue Viographien
Länder und Völker
m die en^e Wirklichkeit eines schlesischen Dorfes yineinschneit (im Sinne des Wortes) und ebenso gehelmmsoott auch wieder daraus verschwindet- zwischen diesen beiden äußersten Polen kreist die mit vielen Gesichtern und Gestalten, mit Erlebnissen Traumen, Sehnsüchten und Wunschbildern befrachtete schlesische Welt; und wir glauben, wenn man die manchmal fast verwirrende Vielfalt der Gestalten und ihrer Beziehungen untereinander auf
lich auf den Weihnachtstisch unserer Jungen wünschen möchten. —e.
scheinung des Mädchens Agnete als „eine er- greifende Legende der Sehnsucht über sich hinaus"
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einen Nenner bringen und den eigentlichen Sinn wandt in Gestalt oielcs gedankentiefen, versponnenen und träumeri- retteten Findlinge schen Romans zufommengefaßt aussagen mochte, dem ersten arost
tressendsten mit den Worten ein schönes, innermpes uns ausgeprägt oeutiches öcs bekannten ®ljerarWor>terä Josef Nadlers, der Buch begrüßen, das sich an ernsthafte besinnliche LÄ" L^»°b«n stehende. Er. uns anZru'ch-volle Är wenL"uL L"L
— Paul Rohrbach, Deutsch-Afrika, Ende oder Anfang? Briefe an einen jungen Deutschen. Verlag Volk und Heimat in Potsdam. Preis 4,— RM. — (395) — Unser langjähriger geschätzter Mitarbeiter in allen weltpolitischen Fragen kennt fast alle Länder des Erdkreises aus eigener Anschauung. Das können leider nicht viele Deut-
i unseres Volkes hat darin wohl seinen Hauptgrund. Daß Rohrbach viele Länder mehrmals aufgesucht , hat, daß er sich die Möglichkeit verschafft hat, Ver- aleiche anzustellen, Entwicklung oder Stillstand zu beobachten, gibt diesem Weltenwanderer den weiten Blick für die großen weltpolitischen Zusammenhänge so gut, wie für das Charakteristische in Politik, Kultur und Wirtschaft der Länder und Völker. Wir verdanken ihm politische Erziehungsbücher wie „Der deutsche Gedanke in der Welt" und „Das weltpolitische Wanderbuch", Bücher über Amerika und die Länder des Fernen Ostens. Vor allem aber ist Rohrbach alter Afrikaner und als solcher unermüdlicher Pionier des Kolonialgedankens. Als kaiserlicher Kommissar war er in unserer alten Kolonie Deutsch-Südwest tätig und besitzt dort heute noch eine Farm. Die letzten Jahre haben ihn wieder hinübergeführt. Eine Reise mit Schiff, Eisenbahn und Auto hat ihn von Tanga durch das englische Kenya und unser Deutsch-Ost geführt, dann hat er Südafrika bereist, wieder unser altes Südwest besucht, um schließlich über Portugiesisch-Angola heimzukehren. Eine zweite Reise galt unserer ehemaligen Kolonie Kamerun. Berichte von beiden Reisen hat der Gießener Anzeiger damals laufend veröffentlicht. In diesen Briefen an den jungen Heidjer und seine Freunde stellt Rohrbach nun die Frage in den Vordergrund: „Braucht Deutschland Kolonien und eignen sich dazu unsere uns im Versailler Diktat entrissenen afrikanischen Besitzungen?" Die Antwort setzt zwei Untersuchungen voraus: „Kann Deutschland hier die tropischen Rohstoffe bauen, die es braucht?" und „Findet Deutschland hier Siedlungsraum für seinen Nachwuchs, dem es in der Heimat zu eng wird?" Wir wollen dem Leser des Buches nicht vorgreifen. Er möge nur darauf hingewiefen werden, daß Rohrbach es versteht, von seinen Besuchen und Fahrten plaudernd, alle wesentlichen Probleme ungemein anschaulich darzulegen und bis auf den Grund klarzustellen. Die Liebe zu Afrika und die Liebe zu unserer deutschen Jugend haben dem alten Kolonialpionier die Feder geführt, aber er ist ein so guter Kenner des Landes und ein so gewissenhafter Berichterstatter, daß er Licht und Schatten gerecht verteilt, nüchtern und sachlich die Schwierigkeiten sieht und kein Paradies malt, wo nur harte Arbeit und nicht zuletzt ; auch ein kleines Anfangskapital dauernden Erfolg c verspricht. Viele Augenblicksbilder von den Reisen s bereichern das fesselnde Buch, das wir uns nament- l
DeutfOeund europäifcheBalerel.
— Grünewalds Handzeichnungen. Herausgegeben von Richard Graul. 35 ©eiten. Im Insel-Verlag zu Leipzig. Insel-Bücherei Nr. 265.
(452) — Von den nur dreiunddreißig Handzeichnungen des Mathis Gothart Nithart (Grünewald), die auf uns gekommen sind, vereinigt das vorliegende,
>)nsel-Bändchen vierundzwanzig: es handel sich dabei überwiegend um Studienblätter nach der Natur, um Vorarbeiten zu berühmten Gemälden, zum Jsenheimer Altar und zur Stuppacher Ma- donna. Für viele, ja die meisten Betrachter wird in diesem schmalen Bändchen Neuland erschlossen, wird der ohnehin kaum bekannte, von mancherlei Ge- heimnis und Rätsel umgebene Name Grünewald
^ner.neuen Seite gezeigt und ein wenig erhellt. Dafür sollte jeder dankbar sein, der sich bewußt ist, hier einem der größten Künstler der deutschen Vergangenheit gegenüberzutreten; alles, was geeignet erscheint, das begrenzte und immer ein wenig ungewisse Bild zu verdichten und zu be- lichten, das wir mit Grünewalds Namen zu verbinden pflegen, muß uns heute hochwillkommen le*n-. ber Alsenheimer Altar wenigstens von Abbildungen her ein Begriff ist, wird mit Freude und Bewunderung auch in diesen, gemeinhin kaum bekannten Handzeichnungen blättern, auf ihnen Christus am Kreuz und Maria mit dem Kinde, Apostel und Heilige, weltliche Männer- und Frauen- gestalten finden und durch sie hindurch einen Blick tun in das unruhige Leben und das magische, glühende, ekstatische Künstlertum eines deutschen Großmeisters „am Vorabend der Reformation". Dem Herausgeber ist zu danken für eine maßvoll und liebevoll abwägende Einführung, die dem Be-
Acht allein die hier vereinigten zwei Dutzend Blätter, sondern die Gestalt des Künstlers allgemein ein wenig näher zu rücken bemüht ist. Die Wiedergabe der Abbildungen ist so sorgfältig und technisch einwandfrei, wie wir das vom Insel- Verlage gewohnt sind. Wir wünschen dem Bändchen eine recht weite Verbreitung: hier kann jedermann für ganz geringes Geld seine Kunstbücherei um einen wesentlichen Beitrag vermehren. __y__
-----'e und Gesicht deutlich zu unterscheiden und das wahre und unverhüllte Antlitz dieser Völker zu erkennen. Er besucht ihre Kirchen und Schlosser, ihre Museen und ihre Theater und trachtet danach, wo immer sich ihm die Gelegenheit bietet, Sinn und Wesen dieser fremden Kulturen in ihrem volkhaften Ursprung zu begreifen: weniger um dabei sein eigenes Wissen zu mehren, als um seinem Volke die Wahrheit zu sagen über das, was außerhalb seiner Grenzen im Denken und Handeln anderer Völker einem Nationalsozialisten zum unmittelbaren Erlebnis wird. Er sieht freilich nicht nur das Gute mit großer Gerechtigkeit, sondern ergründet auch die Ungerechtigkeiten dieser Länder gegenüber dem neuen Deutschland und versucht sie ohne Argwohn und Tadel mit überzeugender Ehrlichkeit richtigzustellen. Je mehr er so Land und Leute studiert, um so sicherer bestärkt ihn der Glaube, daß über kurz oder lang die Welt draußen Deutschlands Leistungen anerkennen und seine gewaltige Tatkraft auf politischem, sozialem und kulturellem Gebiet nach Verdienst schätzen wird. Am stärksten packt uns aber Johst dort, wo er seine Liebe und Begeisterung sprechen lassen kann, so als er erzählt, wie er nach der Rückkehr dem Führer von seiner Fahrt berichtet und uns die schöne Menschlichkeit Adolf Hitlers in warmer Lebendigkeit vor Augen stellt. Das Erfreuliche an diesem Buche ist die anmutige Frische und Natürlichkeit, mit der ernsteste Fragen der Kunst und anderer Dinge des heutigen Lebens klug und gleichwohl jedem verständlich erörtert werden.
— Rudolf G. Binding: Die Waffen- b r u d e r. 68 Seiten. 1,80 Mark. Rütten & Loenina Verlag, Frankfurt a. M. — (399) — Diese Erzählung von Binding, welche kein neues Werk, sondern bereits vor dem Kriege, 1910, geschrieben worben und bisher nur in einem Sammelbande zugänglich gewesen ist, erscheint jetzt als Einzelbändchen in der gleichen sorgfältigen Ausstattung und zum gleichen Preise innerhalb der Reihe, in der früher „Unsterblichkeit" und „Keuschheitslegende" erschienen: eben ein Vierteljahrhundert alt, scheint sie dennoch viel älter zu sein und liest sich, in Stil und Thema art ältere deutsche Meister erinnernd, wie eine Geschichte etwa aus dem Kreise der Roman- Ilker. Indessen fügt sie sich gut zu manchem, was Binding schrieb, zu jener klassischen Novelle aus dem aroßen Kriege, die den Namen- „Unsterblichkeit" führt, zu „Sankt Georgs Stellvertreter" und auch zu der Anekdote um Reims aus dem Jahre 1914. Zwar wird die berühmte Reiterattacke, welche gleichsam den Prolog macht, schon im siebziger Kriege geritten, aber das ist ja nicht entscheidend, und alles, was nachfolgt, ist erlebt und gestaltet aus dem gleichen ritterlichen, männlichen und doch zarten Geiste wie jene späteren Erzählungen und wie eigentlich alles, was wir von Binding kennen. Es ist die Geschichte einer Waffenbrüderschaft, zweier Freunde und zweier Waffen auch, dazu eine Liebesgeschichte, die auf schicksalhafte und schmerzliche Weise ausgetragen und zu Ende gebrach5 wird; das ift nun empfunden und wird erzählt dergestalt, daß Begriffe wie Freundschaft, Liebe, Ehre, Keuschheit nicht bloß unverbindliche Vorstellungen bleiben, sondern als verschiedene Namen eines und des selben über uns allen waltenden Schicksals begriffen werden, nach dessen dunklen Gesetzen sich unser irdischer Wandel vollzieht zwischen Wiege und Grab.
r- t e b m Vischoff: D i e goldenen Schlosser. Roman. 561 Seiten. Broschiert 5 Mk Ganzleinen 6,50 Mk. Im Propyläen-Verlag, Berlin — (460.) — Der junge Dichter Friedrich Bischoff, von dem wir bisher nur einige Gedichte und kleine Prosa gelesen haben, legt hier ein erstes großes IßerE vor, einen Roman von bemerkenswertem äußerem Ausmaß und innerem Gewicht. Das farbige Umschlagbild in seinen dunkelbraunen, zartrosa und lichtblauen Tönen ist wohl eine Landschaft von Caspar David Friedrich, und wenn man das Motto von Novalis daneben hält — „Das Aeußere ist ein in Geheimniszustand erhobenes Innere" —, dann ist dem Leser, wie uns scheint, noch ehe er begonnen fjat, die Richtung gewiesen, und er mag ahnen, was ihn hier erwartet. Hier ist ein Buch aus der deutschen Romantik, die, wie man sich bie und da überzeugen kann, auch heute noch nicht ausgestorben ist, eine echte, große und breit angelegte Erzählung, welche an eine mit bedeutenden Namen unseres Schrifttums bezeichnete Tradition anzuknupfen geeignet und würdig scheint. Hier tut sich die immer ein wenig geheimnisvolle und hintergründige schlesische Welt auf, die wir aus den Buchern der Brüder Hauptmann und ihres Landsmannes Hermann Stehr kennen. Das ist die Landschaft, wo Angelus Silesius und der Mystiker Jakob Böhme daheim sind, die Welt der Wunder- gläubigen, Propheten und Narren in Christo. Wenn man das erste Buch, „Schneesturm", zu lesen beginnt, dann muß man, ohne daß sich unmittelbar greifbare Uebereinftimmungen ergäben, an das Glashüttenmärchen der kleinen Pippa denken, und die Zentralgestalt in Bischoffs Roman, Agnete Fendler, scheint uns, ohne daß wir es näher begründen könnten, in den geheimsten Seelengründen mit Hannele und Rautendelein verwandt; auch von der visionär im Traumspiel erschauten „goldenen Stadt" mag man Beziehungen finden zu den nicht minder unwirklichen Schlössern in Bischoffs Roman. 3n der Tat: ein echter Roman; weniger freilich um Kiner gegenständlichen Handlung willen; die tritt Zurück hinter den übersinnlichen Elementen der Erzählung, in der es einmal heißt, daß im Glauben her „einfältigen Leute" ... „hinter jeder Wirklichkeit noch eine zweite, heimlichere vorhanden ist"... Ein andermal heißt es von diesen einfältigen Leuten: „Denn daß ein Geistiges über ihnen rauschte, das ihre Stuben in Himmelstiefen zwischen die Sterne versetzte, das schien so gewiß, wie in diesem Geiste feine Wahrheit umging unter ihnen, oder was gemeinhin darunter verstanden wird, und vielleicht so sehr unser aller Irrtum ist, wie wir am Ende mit aller Weisheit sind, wenn es an einem milden Sommerabend Sternschnuppen über uns regnet in blaue Lichtjahre hinein." Diese kleine Probe mag zugleich für die dichterische Prosa zeugen, in der das Buch geschrieben ist; den „Inhalt" zu erzählen, ist natürlich, nicht bloß aus räumlichen Gründen, unmöglich; es handelt sich, um eine Andeutung zu geben, um die Geschichte eines Mädchens, das geheimnisvoll aus der Welt der „goldenen Schlösser" !
Aje^er zurucrgesuyrt in Hauptmanns schlesische Welt in der das Sehnsuchts-Motiv so vielfältig wieder- kehrend seine Gestaltung gefunden hat; und auch jenen berühmten „Boten aus der Außenwelt" (die bei Bischoff nun freilich eine sehr innerliche, ferne und verwunschene ist), den Fremden, der schicksalhaft in einen zuvor geschlossenen Kreis von Menschen eintritt, finden wir verwandelt und doch ver- sitalt des aus dem Schneesturm geretteten^ Findlings wieder. — So dürfen wir in jen Roman des jungen Dichters ein schönes, innerliches und ausgeprägt deutsches
— Meisterwerke europäischer Malerei in Amerika. Mit über 300 Kupfertiefdrucktafeln. Herausgegeben von Hans liehe. 352 Selten. Ganzleinenband 4,80 Mark. Im Phaidon- Verlag, Wien. - (466) - Wir haben in der letzten Zeit des öfteren Gelegenheit gehabt, die zahl- reichen, erstaunlich großzügigen, wertvollen und da- bei überaus wohlfeilen Publikationen des Phaidon- Verlages aus dem Gebiete der klassischen Geschichte, Kunst- und Kulturgeschichte anzuzeigen und zu empfehlen. Hier haben wir einen neuen Band, der sich lenen Vorgängern würdig und ehrenvoll anschließt: das von dem bekannten Wiener Kunsthistoriker Hans Tietze herausgegebene Werk über die europäische Malerei in Amerika ist ein ebenso bedeutsames und seinem Inhalt nach gewichtiges, wie zum Nachdenken anregendes Buch, das vielen Betrachtern, auch kunstsinnigen und sehr gebildeten, auf eine überraschende und vermutlich sogar schmerzliche Weise die Augen öffnen wird. Das nicht ganz vierzehn Seiten füllende Vorwort ist zwar im wesent- lichen eine zusammengedrängte Geschichte der amerikanischen Kunstsammler und des amerikanischen Kunstbesitzes im Querschnitt und Ueberblick und wird als solcher zunächst manchem wenig belangvoll und wichtig erscheinen; wie eminent wichtig ein solcher Ueberblick aber auch und gerade für den europäischen und im befonöern den deutschen Kunstliebhaber ist oder jedenfalls sein sollte, lehrt schon das flüchtigste Durchblättern der 300 großen Tafeln dieses Bandes. Sie enthalten nämlich, wie der Verlag mit Recht bemerkt, eine Art von Geschichte der klassi- sehen Malerei unseres Erdteils von Giotto bis Cezanne. Das klingt einigermaßen großzügig, entspricht aber den Tatsachen. Es ist schwer zu bestreiten, daß die wenigsten von denen, welche eine annähernde Vorstellung von den Schätzen der privaten und öffentlichen Sammlungen in Europa habe.', auch nur eine ungefähre Kenntnis von dem außerordentlich reichen Kunstbesitz europäischen Ursprungs m Amerika haben; dieser Kunstbesitz ist so bedeu- tend nach Umfang und Qualität, daß unsere Vor- stellung von der klassischen Malerei von hier aus eine unleugbar wesentliche Bereicherung erfährt. Tietzes Buch erschließt nicht nur eine Fülle fast un- bekannten Materials, ist nicht nur ein Stück internationaler Kunstgeschichte großen Stils, sondern auch eine für uns nicht besonders erfreulich zu lesende Geschichte vom Kapital und vom systematisch mit reichsten Mitteln betätigten Sammlerehrgeiz. Was uns so an klassischen Schätzen wohl unwiderbringlich verloren gegangen ist über das große Wasser, lehrt eine genauere Betrachtung der vorzüglich roiebergegebenen Abbildungen. Die meisten Beschauer werden staunen (und nicht nur staunen), wenn sie gewahr werden, was alles an großer Kunst der europäischen Nationen in verhältnismäßig kurzer Zeit aus dem Ursprungslande in amerikanischen Besitz übergegangen und damit für die meisten von uns ziemlich unerreichbar geworden ist: da finden wir eine hervorragende Sammlung großer Spanier — Greco, Velasquez, Murillo und besonders Goya; aus der Fülle klassischer italienischer Malerei seien nur die wundervollen Botticellis, dann Bellini (sehr zahlreich), Raffael, Giorgione, Tizian, Tintoretto, Veronese, Tiepolo genannt, von vielen anderen zu schweigen; bei den Niederländern linden wir u. a. zwei köstliche frühe Van Eycks, dann Van der Weyden, Van der Goes, Bouts, zwei wenig bekannte Memlings, ferner Bosch, Brueghel, pompöse Rubens, Van Dyck und Hals, eine ganze Reihe von Rembrandts (darunter die Lukretia und das großartige Selbstbildnis von 1658) und sechs der schönsten Bilder von Vermeer. Uns interessiert natürlich die deutsche Gruppe am meisten: von Dürer, Cranach (Paris-Urteil) und vor allem Holbein eine Gruppe von erstaunlich sicher gewählten Bildern, daneben einige unbekannte Köst- lichkeiten aus der süddeutschen Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts. Auch England ist reich vertreten; wir nennen von den Gainsboroughs nur den be« rühmten „Blue Boy", die süßen Frauendilder von
— Emil Strauß: Der Schleier. Novelle. (Die Kleine Bücherei Nr. 57.) Geb. 80 Pf. Albert Langen/Georg Müller, München, 1935. — (442.) —; Eine Kostbarkeit bedeutet für die ,Meine Bücherei" das Bändchen „Der Schleier" von Emil Strauß. Denn diese Novelle, die bisher nur in einem größeren Geschichtenband erreichbar war, zählt seit ihr-rm ersten Erscheinen unbestritten zu den schönsten und tiefsten Dichtungen der Gegenwart. Es gibt nicht viele Kunstwerke, die auf knappstem Raum das Schicksal dreier Menschen, Leidenschaft und Schuld, Gute und Vergebung mit gleicher meisterlicher Vollendung in den Bereich höchster Gültigkeit erheben. Die Gestalt dieser Frau in der die leichtfertig verratene Liebe sich zu einem Uebermaß von verzeihender Güte steigert, wird ebenso unvergeßlich bleiben, wie die ihres Gatten der durch das Erlebnis feiner Untreue reif geworden, sich des Einsseins mit feiner Frau erst recht bewußt wird und wieder den Weg zu ihr findet, um sie nie mehr zu verlieren. Als ein Sinnbild [u i 15 bezwingende Macht reinen Frauentums ge» hort bjefe Dichtung in ihrer seelischen Größe und Keuschheit, ihrer kristallenen Form, zu den wenigen Schöpfungen, in denen alles Geheimnis der Menschen spürbar wird.
die Augen. So mußte das grausige Schicksal seinen Lauf nehmen. __e
— August Winnig, „Heimkehr", Preis Leinen 5,80 RM. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg^ — (326) — Mit dem neuen Band führt August Winnig seine Lebensgeschichte um fünf schick- salsreiche Jahre weiter. Barg „Frührot" den Glanz einer schweren Jugendzeit, waren im „Weiten Weg" jene harten Jahre männlichen Ringens um die Einordnung des deutschen Arbeiters geschildert, so lebt in dem neuen Buch jene Zeit auf, in der das Gewonnene sich bewähren mußte. Das Gewonnene, das ist der Dienst an Deutschland, in einer Zeit, da alle ethischen Bindungen im Wirbel einer verbrecherischen Revolte sich auflösten. In jenen Monaten 1918, da verhetzte Elemente die Ordnungen zerstörten, die ihnen selbst keinen Widerstand mehr entgegensetzen konnten, ist Winnig gerade auf einer Reise nach dem baltischen Land. Er wird zum Reichskommissar ernannt, um den drohenden Zusammenbruch der deutschen Verwaltung zu verhüten. Winnig gelingt es. Die Macht der Soldatenräte wird gebrochen, die allmählich gesicherte Rückkehr der Truvpen vollzogen, das Freikorps „Die eiserne Division' geschaffen, das sich der Roten Armee ent- gegenroirft und damit wieder Ostpreußen rettet. Bald ist Winnig in Ostpreußen als Oberpräsident, um die zügellosen Kräfte zu bändigen. Wieder beginnt der Kamps mit der berüchtigten Volks- Marine-Division, die von Königsberg das Land terrorisiert. Winnig wird zum Verteidiger der deutschen Ostprovinz und muß, — als sie durch das Versailler Diktat losgerissen wird vom Reich, — unter besonderen Schwierigkeiten eine zähe, unermüdliche Aufbauarbeit beginnen. Ihr setzt der Kapp-Putsch ein Ende. Winnig, schon lange im Gegensatz zur tatenlosen und entschlußarmen Reichsregierung, innerlich bereits gelöst von seiner Partei, erkennt die Größe der Gefahr, die in dieser Stunde Ostpreußen, das in wenigen Wochen zur Abstimmung schreiten muß, droht und stellt sich der neuen Regierung zur Verfügung. Mit dem Scheitern des Putsches ist auch dem Wirken Winnigs in Ostpreußen ein Ende gefetzt. — Das ganze verhängnisvolle Schicksal des deutschen Ostens ist in diesem Werk festgehalten; verbunden mit dem Leben eines deutschen Menschen, der in tatfordernder Stunde den Einsatz seiner Person nicht verweigert hat.
; — Prinzessin Stephanie von Bel-
gi en, Fürstin von Lonyay: Ich sollte Kaiserin werden. Lebenserinnerungen der letzten Kronprinzessin von Oesterreich-Ungarn mit 14 Bildern. Verlag Koehler & Amelang in Leipzig. Preis in Ganzleinen 6,80 Mark. — (419) — Der Erinnerungsbücher aus der verklungenen Zeit des Glanzes der drei Kaiserhöfe in Berlin, Wien und Petersburg ist Legion. Nur wenige find als Geschichtsquelle von Bedeutung und ebenso wenige geben sich so sympathisch in anmutiger Natürlichkeit wie die Erinnerungen der Kronprinzessin Cecilie. Der letzten Kronprinzessin von Oesterreich war allerdings ein schwereres Los bestimmt, als sie erst sechzehn Jahre alt dem unglücklichen Rudolf vermahlt wurde. Die Geschichte des österreichischen Kaiserhauses ist besonders reich an eigenwilligen Persönlichkeiten und menschlichen Tragödien. Die Katastrophe von Mayerling gehört hierher. In unzähligen Büchern und Aufsätzen hat man versucht, Den Schleier zu lüften, den der Wiener Hof über Das grausige Ende des Kronprinzen Rudolf gebreitet hat. Was die Prinzessin Stephanie hierüber zu sagen weiß, ist das wesentlichste ihres Memoirenbuchs, das sonst von glücklichen Juaendjahren in Brüssel und einer aus politischen Gründen geschlossenen liebeleeren Ehe berichtet, die nach wenigen Jahren für die junge Kronprinzessin zu einem Martyrium geworden war, denn auch die Geburt der Erz- Herzogin Elisabeth kann den Vater, der einen Thronerben erhofft hatte, nicht vom Weg ins Verderben zurückführen. Die Aufzeichnungen Stephanies und der in Faksimile beigefügte Abschiedsbries Rudolfs Zeigen einen politisch schrankenlos ehrgeizigen, aber nervösen und haltlosen, dem Laster des Alkohols und ungeregeltem Leben sich hingehenden Mann, dessen zweifellos große und vielseitige Begabung nicht die rechte Bahn fand, in der sie sich zum Segen für seine Familie und sein Reich hätte aus- wirken können. Sein Sarkasmus, dem nichts heilig war, hat denn auch nach dem völligen Zusammenbruch seiner Nerven nicht davor zurückgeschreckt, die junge Mary Vetsera mit in das selbstgewählte Schicksal hineinzuziehen, als offenbar die Aufdeckung gefährlicher politischer Pläne ihn zu kompromittieren drohte. Die Kronprinzessin hatte in ihrer Angst den alten Kaiser zu warnen versucht, aber Franz Joseph schloß vor allen Vorstellungen
roT a " " h st: Maske und Gesicht, sche von sich sagen: ber enge weltpolitische Horizont Reise eines Nationalsozialisten von Deutschland - -*■' ° -
nach Deutschland. Geh. 3,20 RM., Seinen 4,80 RM.
Verlag Albert Langen/Georg Müller, München, 1935. — (440) — Dieses neue Buch Johsts ist ein echtes Reisetagebuch, das auf liebenswürdigste und unterhaltsamste Weise Rechenschaft gibt über eine Fahrt, die durch sechs Länder führte — die Schweiz, Schweden, Finnland, Norwegen, Dänemark und Frankreich — mit dem Ziele, ihr kulturelles Leben aus eigener Anschauung kennenzulernen. Johst betrachtet wie noch kaum ein Deutscher vor ihm das Ausland mit den Augen eines Nationalsozialisten sind prüft die auf ihn einstürmenden Erlebnisse immer wieder unvoreingenommen auf ihren Wert und Unwert, um "" 1


