Konferenz am Tage so übervoll in Anspruch genommen war, keine andere Gelegenheit habe, mit seinen Freunden zusammenzukommen, mit denen er wichtige Besprechungen vor hätte". Der Gouverneur konnte eine so vernünftige Bitte nicht abschlagen. Das Restaurant wurde die ganze Nacht durch offengehalten, und eine glänzend gelungene Abendgesellschaft gab dem General eine Vorstellung vom Petrograder Nachtleben.
Wenn eigentlich kein Grund vorhanden war, diese Konferenz überhaupt zu beginnen, so gab es sicher keinen Grund, sie jemals zu beenden.. Die Russen waren bereit, ihre Gastfreundschaft aufrechtzuerhalten, solange Wodka und Kaviar vorhanden waren: und alle mochten Sir Henry Wilson und General de C a st e l n a u sehr gern. Lord M i l n e r aber wartete immer ungeduldiger auf das Ende dieses merkwürdigen Unternehmens. Ich hatte ihn oft gesehen und den Zustand des Landes lang und breit mit ihm besprochen. Ich hatte ihm Berichte gegeben, die mir aus absolut zuverlässigen Quellen zugegangen waren, die den Ernst der inneren Krise, die Rußland durchmachte, überzeugend nachwiesen. Ich hatte ihn mit russischen Intellektuellen bekanntgemacht, die ihm, so hoffte ich, in einer Art, die ihm lag, den wirklichen Stand der Dinge klarmachen würden. Soviel ich es aber versuchte, gelang es mir doch nicht, ihm den Unterschied klar zu machen Zwischen dem wohlgeordneten System des Westens und der zusammengebrochenen Maschine des Ostens. Die Welt in Rußland war so anders als die von Whitehall, daß es keinen gemeinsamen Grund für Denken und Handeln zu geben schien, auf dem er Fuß fassen konnte. Was konnte er überhaupt tun in diesem Wirrwarr von unaufhörlicher Gastlichkeit und in einem Land, das er nicht verstehen konnte? Müde und niedergeschlagen beschränkte er sich auf Unterredungen und Berichte.
Endlich wurde aber der Tag der Abreise festgesetzt, und die Vorbereitungen für die Heimreise begannen. Inzwischen wußten die Deutschen alles über die Konferenz im allgemeinen, und besonders über ihre Reise durch die Nordsee und das Eismeer. Am Abend vor unserer Abreise wurde den militärischen Vertretern der Konferenz vom Kriegsminister ein Abschiedsessen gegeben. Ich weiß nicht, ob es war, weil die Russen sich freuten, die Alliierten loszuwerden, oder umgekehrt die Alliierten, daß sie wieder in den Westen zurückkamen, aber sicher war es eines der formlosesten Essen, das ich je mitgemacht habe. Ich werde nie vergessen, wie ein älterer russischer Offizier immerzu allein zu den Klängen einer Regimentskapelle zwischen den Tischen herumtanzte.
So schloß eine merkwürdige Phase in der Geschichte des Krieges. Es war ein Fehlgriff von den Alliierten gewesen, eine solche Abordnung zu schicken. Die Mitglieder der Mission hatten sich ebenso geirrt in beinahe allen Schlüssen, zu denen sie über die russische Front und die Lage in Rußland gekommen waren.
Ernennungen in der Reichspropagandaleitung der NSDAP.
Berlin, 23. Nov. (DNB.) Die NSK. meldet: Der Reichspropagandaleiter gibt bekannt: Die Wahrnehmung filmdramaturgischer Fragen übernimmt mit sofortiger Wirkung der Amtsleiter der Reichspropagandaleitung der NSDAP., Pg. Hans Weidemann. Mit der Leitung der Reichsamtsleitung Film der Reichspropagandaleitung habe ich den bisherigen Organisationsleiter der Amtsleitung Film, Pg. Kaul Neumann, beauftragt. Die K a s s e n f ü h r u n g der Reichsamtsleitung Film liegt nach wie vor in den Händen von Pg. Karl Schulze. Ich berufe hiermit den Reichs- be'auftragten für künstlerische Formgebung, Pg. Hans Schweitzer, im Range eines Hauptstellenleiters in die Abteilung Bildende Kunst des Kulturamtes der Reichspropagandaleitung der NSDAP. ________
DerReichskriegsminister im Hauptamt der ASV.
Berlin, 22. Nov. (DNB.) Reichskriegsminister Generaloberst von Blomberg besichtigte im Hauptampt für Volkswohlfahrt die Einrichtungen des Winterhilfswerkes. Der Reichskriegsminister sprach sich äußerst anerkennend über den ungeheuren Ansporn aus, dera us den Leistungen des Winterhilfswerkes ausstrahlt. Besonderes Interesse fand die NS.-Frauenschaft und das Deutsche Frauenwerk. Die NS.-Frauenschaft hat
die Aufgabe, dem Führer weltanschaulich zuverlässige Führerinnen der deutschen Frauen zu erziehen, die die großen Arbeitsabteilungen der NS.- Frauenschaft führen. Diese umfassen sämtliche Gebiete, auf denen die Mitarbeit der Frau erforderlich ist. Das Deutsche Frauenwerk als Zusammenschluß der früheren Verbände hat die gleichlaufenden Arbeitsabteilungen, die in Personeneinheit von den Führerinnen der NS.-Frauenschaft geleistet werden.
Zwanzig Jahre Stahlhelm.
Symbol deutscher Wehrhastigkeit.
Von Franz Schauwecker.
Berlin, 22. Nov. (DNB.) Am 23. November jährt sich zum zwanzig st en Male der Tag, an dem der Stahlhelm im deutschen Heer eingeführt wurde. Aus diesem Anlaß hat der Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Generaloberst von Blomberg, dem Schöpfer des Stahlhelms, Prof. Dr.-Jng. e. h. Friedr. S ch w e r d von der Technischen Hochschule Hannover, in einem Schreiben den Dank und die Anerkennung der Wehrmacht ausgesprochen und als äußeres Zeichen dafür sein Bild überreichen lassen.
Ende Januar 1916 erschienen in der deutschen Kampftruppe vor Verdun die er st en Stahl- h e lm e. Der Entwurf zu ihnen stammte von dem damaligen Hauptmann der Artillerie beim Stabe der Etappeninspektion II, Friedrich Schwerd, der im Zivilberuf Professor an der Technischen Hochschule in Hannover war. Der im Jahre 1932 gestorbene Rüstmeister Marx hat nach den Angaben von Hauptmann Schwerd das erste Modell des Stahlhelms hergestellt, und
zwar bei dem Berliner Hofgürtlermeister E. C. Junckers.
Der Anlaß zur Herstellung eines Stahlhelms war die Feststellung der Tatsache, daß fast 80 v. H. aller Kopfverletzungen durch zum Teil ganz winzige Granatsplitter sowie auch durch Schrapnellkugeln herbeigeführt wurden. Hier konnte ein Helm aus widerstandsfähigem Stahl, als welcher sich am besten Chrom-Nickel-Stahl herausstellte, vollkommenen Schutz gewähren. Damit wurden also 80 von 100 Kopfverletzungen unmög lich gemacht. Gegen Ende des Jahres 1915 wurde d i e Einführung des Stahlhelms in der Armee beschlossen.
Dieser Stahlhelm des Weltkrieges hat in seiner Form eine große und alte Tradition aufzuweisen. Er zeigte eine große Verwandtschaft mit den mittelalterlichen Schallern, den handgeschmiedeten Reiterstahlhelmen des 15. Jahrhunderts. Die Form ist im Prinzip die gleiche. Und es ist seltsam zu sehen, wie hier in Form und Waffe die Beziehung zur früheren Zeit wieder ausgenommen wird. Uralte, fast vergessene Dinge tauchen aus den entsetzten Wirbeln des großen Krieges wieder empor, wie z. B. die Handgranate, die im 17. und
18. Jahrhundert von den Grenadieren mit der Hand geworfen worden ist, nachdem im Russisch- Japanischen Kriege schon dieses Geschoß verwandt worden ist.
Und plötzlich ist der mittelalterliche Stahlhelm wieder da. Er wirkte zuerst, bis man sich an ihn gewöhnt hatte, auch mittelalterlich. Aber dann wurde, als er plötzlich überall an der Front erschien, als ganze Kolonnen von ihm überwölbt auftauchten, die Gegenwärtigkeit dieser Schutzwaffe lebendig. Die Brücke von einst zu heut war hergestellt, ein stählerner Bogen, welcher das ewige Leben der Nation auf seiner hallenden Wölbung trug.
Und gleichzeitig war eine Verbindung zu dem deutschen Lederhelm der Vorkriegszeit, zur sogenannten Pickelhaube, da, denn in vielen Gefechten des Weltkrieges war schon die Helmspitze dieses Helmes abgeschraubt worden, und durch den alle Einzelheiten verdeckenden Stoff bezug hatte der Lederhelm eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Stahlhelm erhalten. Das tritt namentlich in dem Linienoerlauf des Nackenschutzes hervor.
Es gibt eigentümlich wirkende Aufnahmen aus dem Weltkriege, auf denen z. B. deutsche Kampftruppen in mittelalterlichen italienischen oder deutschen Städten erscheinen. Diese behelmten Soldatengestalten fügen sich in einem so erstaunlichen Maße stilvoll in die alte Umgebung ein, daß beim ersten Anblick die ungeheure Kluft der Jahrhunderte mit einem Schritt überwunden zu sein scheint.
Diese runden, matt schimmernden Stahlkuppeln schienen etwas von ehernem Klang des Donners in sich versammelt zu haben. Und die Gestalten, welche im Gefecht beim Sturm plötzlich aus den wüst zerschlagenen Landschaften der Materialschlacht hervor- brachen, hatten mit ihren Behelmungen etwas Urweltliches, etwas fast Zeitloses, über Vergangenheit und Gegenwart Hinausreichendes. Es lag etwas von Ewigkeit und Unvergänglichkeit in diesen lehm- bekrusteten und Helmüberkuppelten Männern, zwischen denen die ungeheuren Bäume der Granateinschläge pechschwarz hochwuchsen aus einer Erde, die, grau und braun, auch nicht die leiseste Spur von Grün mehr zeigte.
Die unaufhaltsame Wucht und der stählerne Trotz, der in der Stirnwölbung des Helmes lag, gab dem anstürmenden Kampfsoldaten ein unwiderstehliches Gepräge, das den feuerwehrartigen Kopfbedeckungen der Franzosen und oen flachen Suppenteller-Helm der Engländer ermangelte. Dieser deutsche Stahlhelm besaß und besitzt in seiner Form etwas unerhört Kriegerisches, zugleich von Widerstand und Angriff Erfülltes. Es liegt ein unbeugsamer Zug von Unnachgiebigkeit in seiner runden und dennoch harten Form, welche die Elastizität des Gummis mit der Härte des Stahles bildhaft vereinigt.
Es hat auch im Großen Kriege schon vor diesem wahrhaft klassischen deutschen Stahlhelm von endgültiger Form andere deutsche Versuche eines Stahlhelms gegeben. Sie bildeten sich zuerst im Oktober 1915 in den deutschen Kampfgräben der Vogesen heraus. Dort trug zum Beispiel der Kriegsmaler V o l l b e h r einen höchst merkwürdigen Stahlhelm, den er vom Generalkommando zum Schutz bei seiner malerischen Arbeit in der vordersten Linie erhalten hatte. Das war ein ungefüges Ding, ein zackiger, der oberen Kopfform notdürftig angepaßter, yohler Klumpen von Metall auf einer Samtgrundlage mll einem spitz ins Gesicht hereintreten- Uniformen £ Wehrmacht
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„Der Bahndamm — der los!" lachten und fluchten
schon fehlte in unseren Reihen. Es wurde Abend.
Oer Tod von sspern
Bahndamm--also
wir, obwohl mancher
tender an ihrer Stelle gestanden haben. Die Knoteck I war das gegebene „Seelchen" in der „Heiligen" von | Agnes Günther, sie hat auch die Kitty im „Schloß Hubertus" spielen können, aber schon diese beiden Rollen wiesen deutlich genug in eine ganz andere Richtung. Sie hat sich hier gewiß schlicht und herb hergerichtet und bringt auch in Ausdruck und Gefühlslage das Möglichste; aber man erwartet doch eine grundsätzlich andere, derbere und blutvollere Erscheinung für diese ledige Magd mit ihrem Kind, mit ihrer Angst, ihrem Heimweh und ihrer inneren Ruhelosigkeit. Gut trifft dagegen Ellen Frank als Gertrud den Gegentyp, gut und einfach gibt auch Fischer-Fehling den jungen Karsten; ausgezeichnet wirkt in seiner noblen, männlichen Haltung Theodor Loos als Richter. Kayßler ist leider von der Rolle aus zu nahezu völliger Sprachlosigkeit verurteilt, aber er schafft trotz allem noch eine wuchtige, bäuerlich f dunere und herbe Gestalt. Von den übrigen seien W i n t e r st e i n als Amtmann und die lebendig und warmherzig gegebene Mutter Dittmar von Jeanette B e t h g e hervorgehoben.
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Im Beiprogramm sieht man außer zwei Anreißern einen interessanten Kulturfilm unter dem Titel „Briefe fliegen über den Ozean" und die neue Wochenschau mit eindrucksvollen Bildern von der Gefallenengedenkfeier am 9. November in München.
„OasMädchenvomMoorhos" Lichtspielhaus.
Die Bauernnovelle „Das Mädchen vom Moorhof" der großen schwedischen Dichterin Selma Lag erlös ist von der Ufa als Vorlage für einen Film gewählt worden. Das Drehbuch schrieb Lothar M. Mayring, der sich respektvoll an die literarische Vorlage gehalten hat, so daß man sagen kann, die Erzählung sei — von wenigen, geringfügigen Ausnahmen abgesehen — in den sehr klar und übersichtlich geführten Grundlinien ihrer Handlung erhalten geblieben und die Fabel nur auf eine andere Ebene künstlerischer Gestaltung übertragen, d. h. in diesem Falle: sichtbar gemacht worden: in einer großlinigen, auf schöne und runde Bildwirkung bedachten Photographie. Willi Winter st ein an der Kamera setzt ruhig und bedächtig Bild neben Bild, und die Bilder fügen sich zusammen zu einer nordischen Ballade, ernst, schwer, dramatisch und sparsam in Bewegung und Geste; hier spürt man auch die formende Hand des Regisseurs Detlef S i e r ck , der nicht nur auf schöne Photographie an sich Bedacht nimmt, auf den Zusammenklang von Menschen und Landschaft, von Architektur und Hausrat, sondern auch Zeit findet, bei Einzelheiten eines Bildes im Ausschnitt zu verweilen, wenn eine Einzelheit in irgendeinem Sinn, dramatisch oder stimmunggebend, wesentlich und mitspielend wird, wenn es gilt, ein Symbol zu finden (das Fohlen z. B„ das sich unbekümmert und mutwillig zwischen die Verlobten drängt und ihre Hände trennt) oder in der Erzählung lebendige Bauernkultur und altes Brauchtum sinnvoll vor Augen zu führen. Die Handlung fetzt in der Gerichtsverhandlung gleich mit einem lebhaften Akzent ein und ist auch in der Folge nicht arm an Konflikten und kräftiger Dramatik. Die Liebeshandlung wird durch das
Da stapften wir wieder durch den Sumpf. Kugeln pitfcyten in den Schlamm. Hier hieß es dennoch aufrecht schreiten. Wer sich hinlegte, versank.
Mancher fiel. Ich blieb. Blutjunger Unteroffizier war ich damals, ich diente gerade mein Ein- lährigenjahr, als der Krieg ausbrach.
Kleine Truppen von flüchtenden Belgiern und Engländern sahen wir in den Gevierten der Kanäle und den kaum da und dort von einem Baum überragten Wiesen der flämischen Niederung.
Von der Küste her schossen englische Schiffsgeschütze schwere, Brocken hinüber. Sie rollten an uns vorbei, wer weiß, wo sie landeten.
Zweihundert Meter von dem Bahndamm erhielten wir plötzlich aus einem Bahnwärterhaus sofort scharf unsere Reihen durchsiebendes Maschinengewehrfeuer. Gott sei Dank, der Boden war dort fest geworden, wo ich, vor dem Feuer flüchtend, gerade hinlangte und mich hinwarf. Als ich wieder zur Besinnung kam, fehlten von meiner Gruppe drei Mann.
Ein Melder kroch heran: „Unteroffizier?" Ich nickte. „Zugführer und alle Chargen verwundet oder tot. Sie müssen den Zug übernehmen." Wer das befohlen hat, weiß ich bis heute nicht. Ich übernahm den Zug, der noch kaum vier volle Gruppen stark war, teilte ihn von Mann zu Mann kriechend neu ein und gab dann den Befehl: Liegenbleiben bis zum Morgengrauen.
Als die Sterne verblichen, ich glaube, ich hatte trotz des Feuerns rundum geschlafen, da kam mir noch im Halbschlaf der Gedanke: Das Bahnwärterhaus sofort stürmen! Ich gab den Befehl, ehe er so richtig erwogen war. Wir stürmten plötzlich. Die Sache gelang. Der Feind wich abermals, diesmal ohne uns den Tod hinüberzuschicken, auf Ypern zu.
Im Bahnwärterhaus fanden wir nur ein Mädchen von siebzehn, achtzehn Jahren. Lieblich anzusehen. Blond. Blauäugig. Eine hübsche feste Gestalt. Sehr ängstlich. Doch unser Kompanieclown Deterding lebte noch und schmuste sofort mit dem „Meisje". Und siehe, bald kochte es Kaffee.
Das Gewehrfeuer schwieg.
Wir sahen rechts und links Kameraden den Bahndamm besetzen; zwar schlugen hin und wieder Granaten ein — aber wir hatten Hunger. Und es war wie eine kleine Siegesfeier, als wir mit dem hübschen Meisje beim Frühstück saßen.
In der Nacht erhielt das Bahnwänerhaus starkes Granatfeuer, fo daß wir Ueberlebenden ins Vorfeld flüchteten. Das Meisje war plötzlich verschwunden. Einer meiner Leute hatte gesehen, wie jemand seitab von einem Baum mit einer Bahnwärterlaterne Blinkzeichen gab. Spionin also ... Wenn wir dich kriegen, du schönes Biest!
Die zweite Nacht von Ypern verging. Als der Morgen das Land ringsum wieder sichtbar werden
Eifersuchtsmotiv gesteigert und durch den nicht ungeschickt motivierten Mordverdacht gegen den jungen Bräutigam bis an den Rand der Katastrophe getrieben. Im letzten Augenblick erfolgt die Wendung zu einer vom Beschauer als glücklich empfundenen Lösung, die, da sie in der Novelle vorgezeichnet ist, ebenfalls nicht als billiges Zugeständnis an den Geschmack des „großen Publikums" wirkt. Die Verlegung des Schauplatzes in Herde und Moor um Worpswede darf schon um des verwandten Landschaftscharakters willen uneingeschränkt gutgeheißen werden. So kann man hier, wie bei anderen literarischen Filmen, nur wünschen, daß der Besucher, der das Bild hat auf sich wirken lassen, vom Bild ganz zwanglos zu dessen Ursprung, also zum Buch, zurückgeführt werde. Was die Darstellung angeht, so hat die Ufa neben zahlreichem „Volk" eine Reihe namhafter und bedeutender Schauspieler verpflichtet. Für die Titelrolle der Helga Christmann, des „Mädchens vom Moorhof", hätten wir uns allerdings eine glücklichere Verkörperung denken können, als
Von Alfred Hein.
„Für mich sieht der sagenhafte Tod von Ypern so aus", sagte mein Frontkamerad Buchholtz, und eine düstere Falte fand sich plötzlich an feiner Stirn oberhalb der Nasenwurzel, seine Augen wurden von quälenden Gesichtern beunruhigt: „— es war zwischen Pervyse und Ramscapelle. In jenen Tagen, da die jungen Kriegsfreiwilligenregimenter Lange- marck stürmten, wurden wir vom Reserveregiment 48, das zum Korps Beseler gehörte, sofort nach der Eroberung Antwerpens an die Flandernfront geworfen. Die Flankendeckung der 4. Armee bildeten wir, und niemand als Gott und unsere toten Kameraden wissen es, wir taten es den Langemarck- kämpfern gleich — wir gingen drauf, nun, wie es eben ein aktiver brandenburgischer Grenadier gelernt hat.
In Ramscapelle nahmen wir Haus um Haus. Wir erschienen hier, Sümpfe und Wassergräben durchwatend, so überraschend, daß noch überall die Bewohner der Häuser in den Kellern hockten; viele belgische Soldaten in Zivilkleidern darunter — manchen erwischten wir; doch manche benahmen sich so unmilitärisch, daß wir gutmütigen Barbaren ihnen ihre spießbürgerliche Harmlosigkeit glaubten. Zum eigenen Schaden. Sie spionierten.
’-öerrorperung oenten rönnen, ui» Immer wieder aber kam die Anfrage der Stäbe sie Hansi Knoteck zu geben vermag; Marieluise zu unserem Vorhutbataillon: Ist der Bahndamm Claudius würde wahrscheinlich sehr viel einleuch-> schon genommen?
ließ, sahen wir voller ehrlichem Schrecken kilometerfern Wasserfluten herankommen. Die Belgier hatten die Schleusen von Nieuport geöffnet Das Meer brach ins Land.
Aver dort der Staudamm deckte unsere Flanke. Der neue Kompanieführer, Oberleutnant Schwab, er fiel drei Tage später beim Rückzug, erschien gerade in diesem Augenblick — er ließ auf meinen Rat den Staudamm mit einer M.-G.-Abteilung besetzen. Wir aber sollten weiter vorwärts, sobald das Nachbarregiment den Bahndamm wenige Kilometer östlicher gestürmt hatte.
„Wenn wir hier durchbrechen, ist der Weg nach Calais frei," lächelte Schwab, „und Tommy im Sack..."
Doch in der dritten Nacht — und am nächsten Morgen wollten wir zum Entscheidungsvorstoß vorwärts stürmen! — flog der Staudamm mit gewaltiger Explosion in die öust. Der einzige Mann von der M.-G.-Abteilung, der durch ein zufälliges Beiseitegehen die Sprengung überlebte, brachte mit Tränen der Wut im Blick das Meisje aus dem Bahnwärterhaus an.
Das Wasser gurgelte schon um den Bahndamm durch den geborstenen Wall.
„Der war's!" fluchte der M.-G.-Schütze. Denn das Meisje trug keine blonden Zöpfe mehr. Ein Mann. Deterding wollte ihm eins in die Schnauze schlagen und sammelte alle Flüche über ihn.
„Warum?" fragte ich den trotzig dreinschauenden Feind. Ein siegesgewisses Lächeln war die Antwort. Ein triumphierender Blick nach dem zersprengten Wall, durch den nun die Wogen zischten, um uns abzuschneiden. Dann bat er nur noch, seine Männerkleider anziehen zu dürfen. . Nein, nein, er stelle keine Falle, ein Doppelposten möge ihn begleiten. Ich nickte nur ...
Wir banden ihn an eine der Telegraphenstangen, die den Bahndamm entlang liefen.
Dann schossen sie auf mein Kommando.
Die Wasser fliegen.
Befehl kam: Zurück.
Totenstille lag über der Morgenlandschaft.
Mit geneigtem Haupt hing an der Telegraphenstange der tapfere Spion.
Im Zurückmarschieren wendete ich mich oft um und sah immer wieder zu dem toten jungen Belgier hin. Sonst ragte weit und breit nichts mehr gegen den Himmel als der Pfahl mit dem Gerichteten.
Das werde ich nicht vergessen.
Das ist der Tod von Ypern, wie ich ihn sah und erlebte.
Vielleicht wären wir von der fünften Reserve- division sonst doch durchgebrochen, ehe die Wasser nahten. Ueberall waren wir im Vordringen. Ueberall wichen die feindlichen Truppen. Und ein gewöhnlicher Zivilist —Ja, der Tod von Ypern — der —■ Tod — von — Ypern--"


