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Ur. 274 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 23. November (935

der.

Noch

Aber

Eine vergnügte AlWon.

ln " r"/ ge s ch ob e n baten und Fachleuten war nichts anderes als eine -h &;^roardetn PyftWnbe Belästigung für sie in der Zett ihrer d Kltchener fand ber! schweren Prüsunaen.

-ingesuhrt: lemer Burgerwurde voll bewußt, dem Grasen wie auch dem Gesellen Konrad aeaen- wohl em Polterer, aber dennoch mcht.unsyrn-1 über. Was sie gesanglich vermag, das lehrten die

Ihn

Und Und Das

Wie meistens in den Fällen der Uebernahme eines fremden Stoffes bestand die Arbeit Lortzings darin, die Handlung zu straffen und mit persön­lichen Zügen auszugestalten. Im Dialog lehnte er sich meist an fein Vorbild an, für die zu vertonen­den Teile entwarf er selbst den Text und das Szenarium. Den Grundgedanken von Zieglers Lust­spiel behielt er bei, daß der Ritter aus Liebe zur Tochter des Waffenschmiedes mit seinem Knappen zum Handwerker wird, um so in beiderlei Gestalt einmal als Ritter, dann als Geselle Konrad die Treue der Liebe zu erproben. Der Waffenschmiede­meister Stadinger aber, bei Ziegler ein Geizhals, wird bei Lortzing als Tierheilkundiger in Neben­amt eingeführt: feiner Bürgerwürde voll bewußt ist er itr "" - D'

durch die . Bühnentätigkeit bedingte Wanderleben fuhrt den jungen Lortzing durch die verschiedensten Theaterverhältnisse, und offenen Auges und offenen Ohres reift hier seine eigenartige Begabung aus.

Ein heiteres lebensfrohes Naturell, das die Quelle für seine Schaffenskraft im bürgerlichen Boden der innigen Familiengemeinschaft erstrebt, gibt ihm den Blick für das Interessante, Reizvolle, für individuelle und charakteristische Züge im Kreise seiner Mit­menschen, nicht das Heroisch-Erhabene ist seine Welt, ftndern der Mann aus dem Volke wird durch die Blickpunkte, die er von ihm gewinnt, zum Mittel­punkt seines Interesses. Nicht von hoher Warte aus gestaltet er sein Bühnengeschehen, sondern mit Sinnigkeit, feiner Beobachtungsgabe und einem durch Humor verklärten Verstehen des Menschlich- Allzumenschlichen. Bei einem Sinn für Wert und Große auch in kleinern Kreise beleben sich seine Bühnenfiguren mit innigem Gemüt.

Es ist bezeichnend für die Entwicklung des Opern» komponisten Lortzing, daß er, den Forderungen der Praxis folgend, zunächst eine Reihe von kleinen Stücken dichtete, zu denen meist fremde Musik un­tergelegt wurde, die er dann stellenweise ergänzte; sehr starker Beliebtheit erfreute sich beispielsweise in damaliger Zeit neben anderen das Rührstück Der Pole und sein Kind".

Sobald Lortzing aber zum eigenen Opernschaffen gelangt, übernimmt er gern zur Bearbeitung ge­eignete Schauspiele, die er namentlich in seiner Det­molder Zeit kennengelernt hatte. Gar oft hatte er dort den Grafen und Ritter Liebenau in dem Lust­spiel des Wiener Schauspielers F. W. Ziegler Liebhaber und Nebenbuhler in einer Person" dar- gestellt. Dieser Stoff bot die Doppelrolle, Möglich­keiten zu interessanten Verwicklungen und hatte schon vor Lortzing zur Vertonung als Oper Ver­anlassung gegeben.

Ihr Toten, Toten! Deutschland lebt In unferm Blut und Herzen!

Gebt, was an Unraft in euch bebt, Die Aengste, die euch treiben, gebt! Uns sind sie Sturm im Märzen!" klagen die Toten:

Trommel rollt, Trommel grollt, Schlag um Schlag, Nacht und Tag, Grollen unsre Schmerzen." die Lebenden versprechen:

Die Spielleitung Heinz Weisers traf mit Ge­schick und flottem Sprühen den Lebensnerv der Handlung. Stets wuchs das Spiel aus dem Gang des Geschehens heraus, hielt sich frei von Uebertrei- bungen und billigen Effekten und wahrte dem Gan­zen ein vornehmes, gemessenes Gepräge. Innerlich bewegte Massenszenen, Belebung durch einzelne Züge unterstützten das Interesse am Werk.

pathisch, ja gutmütig; wenn er auch mit dem Willen [eines Töchterchens schlecht übereinkommt. Dem schlauen Schwabenritter Adelhof verleiht Lortzing manchen drolligen Zug. Dann aber ganz neu (und entgegen dem Opernbrauch der Zeit) fügt er am Schluß des ersten Aktes, nach dem Ensemble und dem eigentlichen Finale die Szene der Marie an öie in ihrer Stimmungsstärke sich zu hoher Echtheit und in die Zukunft weisender Größe des Ausdrucks erhebt.

Unter diesen Umständen beschlossen die Alliierten daß eine Anstrengung gemacht werden müsse, das immer weiter um sich greifende Gefühl der Nieder­lage in Rußland zu bekämpfen. Sie hatten recht. Es war sehr wesentlich, daß ihr östlicher Verbünde­ter fähig war, feinen vollen Anteil an d e r Endoffensive zu tragen, die geplant war, um den Krieg zu beenden. Wenn Rußland ausfiel wurde, das Einsetzen der deutschen Truppen an der Westfront zwangsläufig eine beträchtliche Krisis für die Heere im Westen mit sich bringen. Diese Möglichkeiten wurden in London und Paris auch ganz genau gesehen. Aber auch hier war wieder ein neues Beispiel dafür, wie ein guter Gedanke durch falsche Durchführung zunichte gemacht wird. Aus einem Gedankengang heraus, der viel zu einfach war für den scharfsinnigen ruf« suchen Geist, nahmen die britische und französische Regierung an, daß, weil der Kaiser bereit gewesen war, aus dem Munde von Lord Kitchener Rat an­zunehmen, er ebenso bereit wäre, ihn durch die Vermittlung einer alliierten Mission anzunehmen. Weder der Kaiser, nach die russische Regierung, noch das russische Volk wollten eine alliierte Mission. Munition brauchten sie, den Rat eines großen Soldaten wie Kitchener ober Fach brauchten sie, aber eine große Gesellschaft von briti- chen, französischen und italienischen Politikern, Sol-

dem Untergang des PanzerkreuzersHampshire" den Tod) hat dem russischen Volk einen der schwer­sten Schläge, die es im Laufe des Krieges erlitt, versetzt. Von da ab glitt es immer näher an den z- rflru^b' fuf)r stst) von Tag zu Tag fester in einem tiefen Geleise, und die Hoffnung auf einen Ausweg wurde immer geringer.

3n meinem Leben weiß ich einen Kranken, Gelähmt an Gliedern, Willen und Gedanken, Nur feine Seele war dem Wunder heil Der konnte lächeln, wenn der erste Schimmer Der Frühlingssonne in sein traurig Zimmer Sich leise schob, ein goldner, zarter Keil.

' Die Doppelrolle als Liebhaber und gleichzeitig als eifersüchtiger Nebenbuhler seiner selbst war für Gustav Bley eine interessante und trefflich be«

1 herrschte Aufgabe, die er mit sicherer, wissender Überlegenheit in feinen Szene« mit Marie und Staömger belebte. Voll Würbe und stimmlicher Schönheit bekannte er feinen Verzicht aufGlanz unö Reichtum". Ein Georg wie er sein muß, leben» big, fast wie ein Kobolb, schlagfertig, witzig, aber nicht aufbringlich, war Rubols Hille. Mit'schöner gesanglicher Ausarbeitung konnte er feine beiben Lieder vom Reisen und Jungsein für sich als wohl- berechtigten Sondererfolg buchen; aber auch im En­semble bewährte er sich als Tenorbuffo von be­sonderem Format. Durchdacht und in jedem Zuge durchgestaltet ließ Wilhelm Greif einen Standin- ger erstehen, derb, kernig, voll väterlicher Fürsorg» lichkeit. Bedauerlich war es, daß eine starke Indispo­sition ihn an voller Entfaltung feines gefänglichen Könnens hinderte. Um so höher muß es darum an­erkannt werden, wie er trotz der Hemmnisse feinem Part eine besondere Note gab und sich mit dem ßiebermnern an dieköstliche Zeit" in die Herzen der Hörer sang. Einen besonderen Typus stellte ' Heinrich Hub mit seinem Ritter Adelhof aus Schwaben hin. Jede Bewegung war bis ins ein» Aste bedacht, und gesanglich fügte er sich mit Ge­schick dem Ensemble ein. Nicht vergessen seien mit seinem charakteristischen Spiel Paul Wredes Brenner und der Schmiedegeselle Heinz Beck« st e r n s. *

Die Russen waren aber viel zu höflich, den Vor­schlag der Alliierten abzulehnen. Die Abordnung sollte ruhig kommen, sie würden schon dafür sorgen, daß sie keinen Schaben anrichtete. Die einfachste Art, bies zu verhinbern, war, baß man sie daran h? r t e, überhaupt etwas zu tun, und die höflichste Art, alle Taten zu unterbinden war, daß man sie einfach in eine Reihe von Festessen und feierlichen Besuchen untertauchte.

Unter diesen ungünstigen Umständen kam die Abordnung nach einer langen und abenteuerlichen Reise über bas Eismeer nach Alexandrowsk und über die neu eröffnete Murmänbahn eines Morgens i n Petrograd an. Der Bahnhof war voll von Gesandten, Generälen und Beamten in Uniform, und draußen wartete eine Reihe von Wa­ffen für die Beförderung der vornehmen Gäste zu ihren Hotels. Die versammelte Gesellschaft erwartete offenbar ein aufregendes Schauspiel, als die großen Manner den Zug verließen, erwartete, sie in golde­nen Spitzen und großem Anzug zu sehen. Statt dessen kam als erster Reisender ein gemütlicher Freund von mir aus meiner Wählerschaft heraus, ein Mitglied des Konservativen Klubs in Chelsea, der von Berus Kurier des Auswärtigen Amtes war. Der Rest der Gesellschaft fühlte sich sehr unbehaglich. Die Vorsorge für die Gäste, die in Petrograd so eindrucksvoll burchgeführt würbe, hatte in der un­sympathischen Atmosphäre ber Eisregion versagt. Die Reise hatte sich sehr in bie Länge gezogen, mar unsicher gewesen, unb bie Wagen unerträglich kalt.

So lang es Tag ist, rühre sich ber Mann es kommt bie Nacht, ba niemanb wirken kann!

Wir finb eine Gesellschaft, finb ein Volk, ein Staat, eine Menschheit. Wir sind ein Bau. Keiner darf fehlen. Der Bau dauert fort. Die Ewigkeit Zählt auf uns. Wir müssen unsdran halten", wie's im Volkston heißt: solang es Tag ist. Es kann sonst einmal unwiderbringlich zu spät sein.

Eine herzhafte Meisterstochter war Friedel F o r- nalla^. Willensstark ttotzend, schalkhaft, schnip­pisch, zeigte sie sich ber Situation gewachsen, sowohl

Mabchenklage unb nicht minber bas Duett mit Konrad. In ber Nachtszene mit ihrem ariosen Stil wäre eine größere Schmiegsamkeit des Legato zu wünschen gewesen.

Mit echter Altjüngferlichkeit unb mimosenhafter Empftnblichkeit bewegte sich Emmy Hage mann als Irmenttaut. Plastische Gebärbe begleitete ihren Dmlog; ihr Mißfallen an ber Welt wurde gesang- lich wie darstellerisch zu einem besonderen Er­eignis.

tiefer atmen, wenn der Duft vom Flieder grüßen kam in feiner Kissen Grab.

ich hielt dieses Mannes Hand im Sterben ward zu seines Lächelns Erben, wie ein Blühen lag um feinen blaffen Mund.

Ein Erlebnis bergen diese Verse, ein Erschau­dern: Wir bewegen uns in der Welt, unter Men­schen, arbeitenden, frohlockenden Menschen, auf der Straße vielleicht, ober im Arbeitsraum, ober au einem Fest ... unb mit einem Mal ist es, als wenn in uns em grelles Licht fiele, als wenn in uns etwas aufgeriffen würbe: all' biefe ba, die so eifrig so hitzig, so fröhlich leben, sind st e r b l i ch , sind vielleicht nach einem Jahr, vielleicht morgen oder in der nächsten Stunde tot; und sie wissen es nicht, sie denken nicht dran, die leben so hin und du selbst lebst so hm mühst dich, streitest, freust dich ... wo­für eigentlich, warum, wozu ... was bist du nach einem Jahr, nach einer Stunde, gar im nächsten Augenblick? Vielleicht ist bann alles vorbei! Dann mochten wir aufbrechen unb möchten cmbere mit uns reißen: kommt, entflieht biesem Schicksal! Aber dann steht eine Macht über uns und hält die Tore gesperrt: der Tod. Unabänderlichsind wir die Seinen unb wir werden wieder stumpf, wir vergessen auf Tage, auf Monate und Jahre, daß wir sterblich finb, wir arbeiten unb kämpfen wie­ner, wir gehen wieber unseren Vergnügungen nach

so finb wirdie Seinen"; so sind wir Binder des Todes, sogarlachenden Munds"! Bis eines Tages das seltsam grelle Licht uns wieder zur Besinnung treibt.

Es kommt darauf an, daß wir diese Besinnung nicht dem Zufall überlassen, sondern zu unferm ^esitz machen, so daß wir uns unserer Sterblichkeit bewußt bleiben. Wir machen uns diese Besin­nung zum Besitz: wir werden sterben. Aber wir werden darin nicht stumpf und wir verlieren des­wegen nicht die Wirkenslust. Im Gegenteil: wir werden stark und wirkensfroh. Der wahrhaft weise Pfarrer in Goethes reicher DichtungHermann und Dorothea" sagt von dem erzieherisch stets gegen­wärtigen Bilde des Todes: es drängt den Weisen ms Leben zurück und lehret ihn handeln. Das ist, kurz und klar gesagt, der Sinn, der auf­bauende Sinn unseres Todesbewußtseins Wir müs­sen sterben. Es ist ebenso töricht, den Tod weit weg zu wähnen wie sich vor ihm zu verkriechen und vor Todesangst zu keiner Lebenstat mehr zu kommen. Nein, wir müssen den Tod vor Augen haben, und wir müssen leben ange­sichts des Todes, leben mit noch gesteigerter Kraft mit noch gesteigertem Pflichtbewußtsein. Wer im Leben nichts erreicht, der lebt nicht; wer nichts ausrichtet, ist nicht wert, daß er ins Leben gesetzt worden ist, und nicht wert, daß die andern Men­schen ihn als Lebensgenossen ertragen.

Was heißt nunerreichen", und was heißt nun ausrichten"? Es heißt: seinen Gaben ent­sprechend wirken. Jugendwelche Gaben hat jeder. Jeder soll diese seine Gaben beachten, pflegen, steigern und ausnützen, auch allen Hinderungen zum Trotz, wie sehr er nur kann. Jedem müßte es als eine Schande gelten, einmal aus dem Leben abtreten zu müssen und nicht, feinen Gaben ent­sprechend, das ihm Höchstmögliche ausgerichtet zu haben.

Das vierte Siegel

Aus den Erinnerungen Sir Samuel Hoares, der während des Krieges im eng« lischen Nachrichtendienst in Rußland tätig war veröffentlichen wir im folgenden nach ber deutschen Übersetzung, die unter dem Titel Das vierte Siegel", im Nibelungen-Verlag, Berlin, erscheint, das Kapitel über bie Ent­sendung einer interalliierten Mission nach Rußland vor dem Ausbruch der Revolution

Als Agent des britischen Geheimdienstes im zaristischen Rußland während des Tveltkneges. Aus den Erinnerungen des Außenministers Sir Samuel Hoare.

Der konnte lächeln über jede Blüte, Daß dieses Lächelns wundervolle Güte

Dem toten Auge flüchtig Leben gab: Der konnte meinen über Kinderlieber Unb "

Was aber soll zu all' bem ber Mensch sagen, durch Krankheit gelähmt, den Tod sieht, ohne mit gesteigerter Fähigkeit lebend dem Leben dienen zu können? Es gibt zu viele solcher Schicksale, als daß wir sie übergehen könnten, wenn wir sprechen von jener schweren aber herrlichen Daseinskunst zu leben angesichts des Todes!"

Schiller kennt zwei Wege, auf welchen der Mensch zur Tugend emporstrebt":Handelnd erringt der Glückliche sie" aber Schiller muß hinzufügen:der Leidende duldend". Im Dulden seinen Charakter bewähren: auch das kann einem Menschen aufgegeben sein. Und was ist dann mit demLeben"? Dann kann das Leben als Geschenk kommen, dann können die kleinen Dinge eine Schön­heit vielleicht ungeahnter Art annehmen. Dann kostet der Duldende den gekrönten Augenblick aus.

Anton Wildgans erzählt:

Leben angesichts des Todes.

Don Dr. Johannes Günther.

Rainer Maria Rilke schreibt im Schlußstück seinesBuches der Bilder":

Der Tod ist groß.

Wir sind die Seinen lachenden Munds.

Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu meinen mitten in uns.

Nehmt unsre Hände! Schmur zu Schmur! Bei euren tausend Wunden.

Beim Leid, das euer Herz erfuhr!

Auf eroig Deutschland, Deutschland nur!

Seid so der Not entbunden!"

Mitte Mai 1916 teilte mir Sir George B u ch a- n an eine streng vertrauliche Nachricht'mit. Lord Kitchener sollte Rußland einen Besuch machen und mit bem Kaiser über bie Art der Kriegfüh­rung verhandeln. Der Kaiser mußte, baß an der russischen Front nicht alles stimmte, aber a l s Hoch st kommandierender des rufsi- $ e n Heeres nahm er die fortgesetzten Vor- schlage, die ihm von alliierten Diplomaten gemacht mürben, öie im Auftrage ihrer Regierungen han- betten, übel. War e r nicht ber Höchstkommanbie- renbe des größten alliierten Heeres? Was für ein Recht hatten bie fremben Beamten, ihm zu agen, roie er feine militärischen Geschäfte führen [ollte, unb mas mußten sie überhaupt darüber? Einem Menschen, ber in allem, mas militärische Stellung anging, sehr empfindlich mar, mußte der Jtat von Politikern unb Diplomaten ebenso unnütz mie unverschämt Vorkommen. Der Rat eines gro­ßen Solbaten, roie Kitchener es war, gehörte in eine ganz andere Kategorie. Nach allem', mas ber Käfter mir selber gesagt hat, bin ich sicher, baß Kitcheners Rat angenommen morden märe unb daß im Enbergebnis bie große Katastrophe des Jahres 1917 mindestens h i n a u s g e s ch o b e n morden märe. Die Tragödie t . uunwenue «eiainai

oor der schottischen Küste (Lord Kitchener sand bei I ferneren Prüfungen

Sorgfältig ausgestattete Bühnenbilder (Karl Löff­le r), Zumal die farbenprächtige Weinbergszene mit ihrem Reichtum an Kostümen (Sophie Buchner) rundeten bie Eindringlichkeit des Ganzen. In beit ©3enen bes ersten Aktes mußte eine geschickt ge- ftifjrte Beleuchtung «Ludwig Seim) den Zauber der Nacht roirksam zu machen.

Ueberaus starker Beifall, verschiedentlich auf offe« ner Szene, bestätigte auch diesmal die Lebenskraft des Lortzingschen Werkes bei einer mit ehrlichem ernstem Bemühen und sicherem Können durchgefuhrten Darstellung. Dr H.

3n Leben soll sich auch unser Tot«igedächtnis umsetzen. Es hat keinen Wert, Tote zu beklagen und ihnen nachzuroeinen; damit rufen mir sie nicht ins Leben zurück. Dieser Satz ist nicht zynisch. Denn mir hatten ja die Macht, Tote ins Leben zu rufen natürlich nicht mit spiritistischen Mätzchen, na­türlich nicht zu kurzem Besuch: nein, aber ihr We­sentliches, ihr eigentlicher Weltgehalt kann roieber in Wirksamkeit treten: burch uns. Dadurch daß mir im Sinne d e s Toten, der dem Leben so viel bedeutete, leben und mirken. Daß mir so zu sagen, die Erbschaft seiner Aufgabe antreten' Daß mir feinen Gedanken roeiter zum Siege ver­helfen. Daß mir seine seelischen Güter aufnehmen und in uns pflegen zum Wohl derer, die mit uns leben. Das ist ja auch die einzige und beste Ehrung der deutschen Jünglinge und Männer, die im Kampf für die deutsche Nation gefallen finb: gleich ihnen einsatzbereit zu sein, mit ihnen verbunben für Reinheit unb Kraft des Vaterlandes einzutreten jeder an feinem Platz! Erregend und verpflichtend kommt das in einem Sprechchorroerk zum Ausdruck das Walther Eckart zurTotenfeier" schrieb.

Der Chor der Lebenden ruft:

Gießener Giadiiheater.

Albert Lortzing:Der Waffenschmied".

Eine Statistik über die deutschen Opem-Auffüh- rungen des Jahres 1934/35 meist Lortzing hinter Wagner und Verdi an die dritte Stelle in der Zahl der Aufführungen; ein Zeichen dafür, daß das deutsche Opernpublikum eine ganz besondere Vor­liebe für dieSpieloper" hat, dann aber ist nicht ZU verkennen, daß Albert Lortzing gerade unserer Zeit, in der das Musikerleben in weiteste Kreise getragen wird, mit seiner volkstümlichen Art eine besondere Mission erfüllt. Diese Volkstümlichkeit bedeutet für ihn aber nicht ein Heruntersteigen ober ein gewolltes Einfachsein, sondern indem er sich ganz unverfälscht in seiner Eigenart gibt, schlägt er Tone an, die das Rein-Menschliche wach werden lassen, und diese Echtheit menschlichen Empfindens hat noch nie ihren Eindruck verfehlt, es sei denn, baß diese naive Aufgeschlossenheit in ihrer Unmittelbar« reit gestört war.

Lortzing hat nie mit Bewußtsein eine ,,Richtung oderSchule" angestrebt; sein Stil weist ftP-6/' -e« Merkmale weniger in typischen Ein­zelheiten auf. Aber wenn man jebes einzelne feiner Ißerfe im Ganzen ansieht, so wirb es uns immer £n?CS-tInbare 0 5 Achter Lortzing" erscheinen. Diese rotalitatswirkung gründet sich sehr stark darauf, daß hier Musiker, Dichter und Darsteller zugleich in einer Person das Werk in einheitlichem Zuge Kufen Syie Bühnenerfahrung, die von früher Kindheit her durch eine Tätigkeit als Schauspieler, Zanger und Musiker genährt worden war wurde m einem furchtbaren Boden, aus dem die deutsche Spie oper ersproß. Es kann ganz besonders nach- iru.tlich betont werden, daß damit eine Art Gesamt- funftroerf entftanö, ähnlich, roie es Richard Wagner für das Gebiet des Mufikdramas erstrebt hat Eine blutsmäßige Veranlagung mußte Albert Lortzing mit innerer Notwendigkeit gerade auf die­ses Gebiet hinfuhren; denn die letzte Generation d'r Familie war dem Theater stark verhaftet Ein Onkel Albert Lortzings wirkt zu Goethes Zeiten am Hoftheater in Weimar. In denFaust"-Aufführun- qen zum 80. Geburtstage des Dichters spielt die «ase Lortzings dasGretchen". Auch die Eltern Lortzings hatten den Weg zur Bühne finden müssen, nachdem ihnen die Entwicklung der politischen Ver­hältnisse im Anfänge des 19. Jahrhunderts die bürgerliche Existenz zerstört hatte; so rühmt ber Fhakespeare-Uebersetzer Schlegel von Lortzings : Mutter, baß er nie eine trefflichere Darstellerin ber 2lnime inRomeo unb Julia" gefunden habe. Das i

Die Ensemblesätze sind in ihrer Charakterisie- umg5funft an Mozart geschult; Lortzings größte Starke aber ist auch in dieser Oper wieder das ßieb mit Kehrreim, unb gar manche Wenbung des ^extes ist in den Sprachgebrauch als geflügeltes Wort gegangen.

Jnstrumentalfarben Lortzings erscheinen nie Ducht, sondern ergeben sich mit ursprünglicher Na­türlichkeit; wohl aber sind sie so ausgeglichen, daß sie nicht die menschliche Stimme zurückdrängen. Diese unendlich liebenswürdige und eingängliche JJLufir wird nie von ihrer Wirksamkeit elnbüfjen, menn sie innerlich bereite Hörer findet.

Das bestätigte wieder vollauf die von Paul Walter musikalisch geleitete Aufführung. Schon öie Ouvertüre bewies in ihrer Klarheit der Themen­herausstellung mit den nachgiebigen Streichern und oem prächtig geblasenen Hornsolo die innere Be- schwlngthelt des Rhythmischen. Das Finale des ersten Aktes, ein Meisterstück Lortzingscher Situa- tionstreffsicherheit, wie die Ensembles der weiteren Akte wurde zu einem bestätigenden Maßstab für die sorgsame Vorbereitung, die man dem Werk zuge- wandt hatte. Denn überall schmiegte sich die Mu­sik der Szene an mit besonderer Angleichung des Tempos, wenn auch stellenweise die Bläser noch eine ! leichte Dämpfung erfahren könnten. Auch die Chore, klangrein und schön, verstärkten aufschlie- ßend die Kraft der Szene.

Als sie erst angenommen waren, begann bas üb- liche chass&croise ber offiziellen Besuche, lange Besprechungen über den Tagesverlauf ber Konfe­renz unb eine enblose Reihe i on offiziellen Früh­stücken unb großen Essen. Lorb M i l n e r gab schon von Anfang an alle Hoffnung auf. Stoisch unb ^rZweiselt biß er bie Zähne zusammen unb ließ bie Frühstücke unb Festessen, bie ihm zu Ehren gegeben mürben, über sich ergehen. Nur in Moskau' sah es aus, als wollte er streiken, benn bort ging bas bür­germeisterliche Frühstück ohne Unterbrechung in einen tn dhonneur über unb ber the dhonneur in ein großes Essen unb bas große Essen in ein mitternächtliches Abenbessen.

Bon ber ganzen Gesellschaft schien nur Henry Wilson (ber spätere britische Feldmarschall) sich über alles zu freuen. Er wollte diesen Besuch aus« nützen unb beschloß ganz richtig, soviel wie nur möglich vom russischen Leben zu sehen. Darum ging er in bie Oper, wenn Unterrebungen unb Festessen vorüber waren. Nachbem er an einem 2Ibenb mit ben verschiebenen Stars bekannt gemacht worben war, beschloß er, ihnen eine Abendgesell- schäft zu geben. Hier stieß er aber gegen eine 'lang- ^eilige Verordnung, nach ber alle Restaurants um elf Uhr geschlossen sein mußten. Was konnte man tun, unb roie konnte man bie Gesellschaft geben? Nicht zum erstenmal suchte man Zuflucht in einem Amt, als ber einzigen Behörde, ber es wahrfchein- lich möglich wäre, eine Vereinbarung zu treffen, bie außerhalb bes allgemeinen Gültigen lag. So überreichte ich also auf einem Formular, bem ich ein möglichst offizielles Aussehen verlieh, bem Gou­verneur von Petrograb ein Gesuch um Erlaubnis, das Bar-Restaurant bie ganze Nacht offen halten zu bürfen, mit ber Begrünbung, daßGeneral Sir Henry Wilson, der durch die Angelegenheiten ber

Am Montag, 25. November, besinnen wir in ben Familtenblättern mit der Derbffentli»ung eines neuen Wettes: Ser norddeuWe Dichter Wil­helm Scharrelmann schreibt in seinem Aoman

Lars der Gerechte

die Geschichte eines Mannes und seiner Neinen Familie, die Geschichte einer Sehnsucht nach etge- ner Scholle, die alte Geschichte von Schuld und Schicksal, von Sühne und neuem Lebensbeainn. Gin ernsthafter, menschlich und dichterisch wert­voller, dabei ungewöhnlich spannender Aoman.