Ausgabe 
23.11.1935
 
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185. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

Wachsende innere Spannung in Frankreich.

Oie Kampfbünde im Mittelpunkt. Laval wird im Rundfunk sprechen

stünden nur noch die Gebietsbestimmungen. Alles andere habe sich in den internationalen Konferenzen oder vor dem Völkerbund verflüchtigt. Deutschland seinerseits verlange von Frankreich nicht«, es schließe Gebietsforderungen ausdrücklich aus. Es wolle nur als Großmacht behandelt wer­den, seinen neuen Stand festgestellt wissen und von der Einkreisungsbedrohung befreit sein. Für die­jenigen, die glauben, daß die Ruhe in Europa nicht ohne eine deutsch-französische Entspannung her­gestellt werden könne, sei die freundschaftliche und vom guten Willen getragene Unterredung in Berlin ein Grund zu lebhafter Befriedigung.

, ImF i g a r o" wendet Wladimir d'Ormesson sich dagegen, daß der Tatsache der Unterhaltung eine sensationelle Bedeutung beigelegt wird. Je grö­ßer die Schwierigkeiten zwischen Frankreich und Deutschland seien, um so enger müsse die Fühlung­

nahme sein. Die wahre Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich bestehe eben darin, daß sich beide Länder trotz der Meinungsverschieden­heiten auf dem Boden der Höflichkeit bewegten. Wenn es gelänge, diese Tatsache 10 oder 15 Jahre lang durchzuhalten, habe man das größte Ergeb­nis erreicht, das sich die Friedensfreunde wünschen könnten. Die größte Dummheit würde darin be­stehen, auf diese günstigen Voraussetzungen wer weiß was für Mutmaßung aufzubauen. So habe sich in der öffentlichen Meinung die Ansicht fest­gesetzt, daß Frankreich zwischen Berlin und Mos­kau wählen müsse und daß Frankreich sich an einem Scheidewege befinde. Dies treffe nicht zu. Es gebe nur eine französische Politik, und die bestehe darin, die ewigen Interessen der Nation und die des europäischen Friedens zu verteidigen. Alles andere sei Agitation oder Literatur.

gemacht habe. Mag sein, aber es waren keine frei­willig gegebenen Konzessionen, an denen sich die Freundschaft hätte wärmen können, sie waren im­mer nicht uns Deutschen, sondern der Zeit und den Umständen Höch st widerwillig gegeben. Wie­viel Haß des Krieges wäre nicht mit einem Schlage begraben worden, wenn Frankreich am Ende des Krieges die deutschen Gefangenen mit einer groß­zügigen Geste der Heimat wiedergegeben hätte! Was hätte Frankreich mit Deutschland nicht alles anfan­gen können, wenn es aus dem Unsinn der Repara­tionsforderungen die Folgerung eines großmütigen Verzichtes gezogen hätte? Was wäre das nicht für ein wunderbarer Brückenschlag gewesen, wenn Frankreich das Rheinland, das ihm doch nicht ge­hören konnte, mit einer großen Geste zurückgegeben hätte! Wie hätte es eine schöne Gabe der Versöh­nung sein können, wenn es den Kampf um das Saargebiet, für Frankreich verloren, ehe er be­gonnen hatte, nicht bis zum bitteren Ende durch­gekämpft hätte! Wie hätte Deutschland es zu wür­digen verstanden, wenn man ihm die höchste Ehre einer Nation, die Ehre seiner Waffenfreiheit, von selbst gegeben hätte!

Nun, inzwischen sind wir eben müde geworden. Wer immer wartet und keine Antwort bekommt,

DasEcho de Paris" ist überzeugt, daß Laval seine Kaltblütigkeit bewahren werde. Er werde den Kampf in der Kammer aufnehmen. Sollte er gestürzt werden, dann gebe es für die Verschwörer" keine Entschuldigung, wenn sie nicht eine neue Regierungsmannschaft bereit­halten, denn man könne das Land in der gegen­wärtigen Stunde unmöglich der Anarchie über­lassen unter dem Vorwande, das Ansehen der Re­publik wieder herstellen zu wollen.

Der Druck auf den Franken.

Paris, 23. Nov. (DNÄ. Funkspruch.) Der Druck auf den Franken ist, wie derMatin" mit Besorg­nis feststellt, am Freitag wieder stärker geworden. Auf den Geldmärkten der Welt seien die i n t e r - nationalen Spekulanten wieder am Werke. Das Anziehen einiger ausländischer Devi­senkurse sei umso bezeichnender, als auch trotz des englischen Währungsausgleichsfonds das Pfund davon betroffen werde. Am Freitag sei das Pfund innerhalb von 24 Stunden von 74,79 auf über 75 gestiegen. Da neben dem Franken auch der holländische Gulden und der Schwei­zer Franken von esnem Kursverlust betroffen worden seien, stehe man offensichtlich vor planmäßigen Bemühungen, die drei letzten Währungen des Goldblockes anzugreifen. Dieses Manöver werde zu weiteren Kapitalab- z ü*g e n aus diesen drei Ländern führen. Auch das Oeuvre" weist auf diese Angriffe gegen die Gold­blockländer hin und erklärt, daß die Attacke sich vor allem gegen Frankreich richte.

Warum verstehen sich also die beiden Völ­ker nicht, die die kulturelle Mission Europas jahr­hundertelang gemeinsam getragen und bereichert haben, ja die Europa als modernen Begriff gestal­tet haben? Ist es unentrinnbares Schicksal, das sie immer wieder gegeneinander wirft, sind es tragische Mißverständnisse, denen sie immer wieder erliegen? Wer sich zu der ersteren Ansicht bekennt, leugnet die menschliche Verantwortung in der Geschichte. Ge­schichte aber ist nicht Anarchie, sondern Ordnung, ist nicht dumpfes Treiben, sondern tätiges Gestalten. Sind es aber Mißverständnisse, muß man dann nicht alles daransetzen, sie aufzu klären und zu beseitigen?

Es sind vor allem zwei solcher Mißverständnisse, die das Verhältnis der beiden Länder vergiften. Das eine ist ein historisches, das andere ein poli­tisches. Das h i st o r i s ch e wirkt seit den Tagen Richelieus und Mazarins fort bis in unsere Zeit. Aus der historischen Entwicklung heraus, die ein einheitliches Frankreich einem zer­splitterten Deutschland gegenüberstellte, fühlte sich Frankreich seit Jahrhunderten als Vor­macht Europas. Als diese Entwicklung mit der Bildung des Deutschen Reichs und Nationalbegrif­fes abbrach, schlug sein eigener Anspruch um in die Furcht vor derpangermanischen Gefahr". Seit Bismarck ist dieser Begriff nicht mehr aus der poli­tischen Diskussion Frankreichs verschwunden. Der Sieg in dem Kriege der vier Jahre hat ihn nicht zu verwischen vermocht: das Wissen,* daß dieser Sieg nur der Unterstützung der ganzen Welt zu danken war, saß zu tief im Bewußtsein der Nation. Der Friede, von vornherein nur auf dieser Angst aufgebaut, hat nur verstärkten Zwang gebracht, sich vor dieserGefahr" zu schützen. Die Auflehnung der deutschen Nation gegen diesen Vertrag in der na­tionalsozialistischen Revolution, die Rückgewinnung der Wehrfreiheit, haben die Einbildung zu einer Zwangshpnose gesteigert. Dieser Zwangshypnose hat Frankreich dann in der letzten Zeit seine ganze Politik geopfert: um Europa vor derpangerma­nischen Gefahr" zu retten, hat es den Bund mit Europas grimmigstem Gegner, mit dem Mos­kauer Kommunismus geschlossen.

Dieses historische Mißverständnis, das dem deut­schen Volke eine Aufastung seiner historischen Mission unterschiebt, die durch keine Erfahrung beweisbar ist, hat zu einem noch gefährlicheren politischen Mißverständnis geführt: der Furcht vor dem Kriege, der Ueberzeuaung, daß Deutschland seinenpangermanischen Anspruch" mit Waffengewalt durchsetzen wolle. Es ist wahrhaft er­schütternd zu sehen, wie diese Angst vor dem Kriege die ganze französische Nation von oben bis unten erfüllt, wie sie jede Vernunft unterdrückt, ja wie sie drauf und dran war, in ihr Gegenteil umzuschlagen: aus Angst vor dem Kriege den Krieg selbst anzu- fangen. Es war Frankreich, das Frankreich Bartho us und Weygands, das es ist noch kein Jahr her die Frage und die Möglichkeit des Präventivkrieges gegen Deutsch­land erörterte! lieber diese beiden Wälle, den Glauben Frankreichs an den pangermanischen An­spruch auf Beherrschung Europas und die Angst vor kriegerischem deutschem Ueberfall, hat bisher noch kein Verständigungsversuch Hinwegkommen können.

Das Schlimme und das Kennzeichnende der Lage ist dabei, daß wir Deutsche von uns aus nichts dazu tun können, Frankreich die Ueberwindung dieser Engpässe zu erleichtern. Die Franzosen müssen von s e l b st es versuchen. Daß wir nicht an die Errich­tung einer germanischen Diktatur über die europäi- chen Welt 'denken es ist zu lächerlich, hierfür politische Beweise erbringen zu wollen. Es genügt ein historischer Hinweis: n d e r der Mitte, wie Deutschland eines ift mit Grenzen, dre offen m die Weiten des Raumes führen, sind niemals in der Geschichte Diktaturländer über ihre Nachbarn ;

Sein Tod hat voraussichtlich eine doppelte Folge: Einmal wird damit für Baldwin die Notwendigkeit geschaffen, einen weiteren Ka­bine t t s s i tz neu zu besetzen, andererseits ist durch den Tod Skeltons voraussichtlich der Parla­mentssitz freigeworden, den man für Rarnsay Macdonald sucht.

Die Morgenblätter sind der Ansicht, daß die Neu­ernennungen den Charakter der nationa­len Regierung unverändert lassen. Die Verteilung der Kabinettsposten unter den verschiede­nen Regierungsparteien bleibt dieselbe: Die Kon­servativen sind mit 15, die Simon-Libe­ralen mit 4 und die Nationale Arbeiter­partei mit 3 Ministern vertreten. In politischen Kreisen nimmt man an, daß noch weitere Ver­änderungen im neuen Jahre folgen wer­den. Ihr Umfang hänge von der politischett Ent­wicklung ab Einige Blätter behaupten, der bisherige Lordsiegelbewahrer Lord L o n d o n d e r r y sei bei

Paris, 23. Nov. (DNB.) Die Unterredung des Führers und Reichskanzlers mit dem französischen Botschafter in Berlin Francois- Poncet, über die wir gestern bereits kurz berich­teten, hat in der französischen Oeffentlichkeit große Beachtung gefunden. In amttichen Pariser Kreisen will man die Bedeutung der Zusammenkunft nicht verkennen, bemerkt jedoch, daß ihre Wichtigkeit nicht übertrieben werden dürfe. Der Eindruck einer Entspannung verstärke sich, aber sachliche Ergebnisse hätte die Unterredung nicht er­bracht. Man hält es jedoch für möglich, daß sie weitere mehr in die Tiefe gehende Be­sprechungen vorbereitet haben könne. Einen wichtigen Abschnitt des Meinungsaustausches habe zweifellos auch der französisch-sowjet­russische Vertrag gebildet, der in Berlin ge­wisse Besorgnisse nähre und der demnächst dem französischen Parlament zur Ratifizierung vorgelegt werden soll.

O e u v r e" erklärt, daß die Anregung zu der Unterhaltung von Laval ausgegangen sei, der den Wunsch gehabt habe, vor Ratifizierung des französisch-sowjetrussischen Vertrages Berlin wissen zu lasten, daß es sich für Frankreich dabei nicht um eine antideutsche Politik han­dele. Es habe jedoch nicht den Anschein, daß die vom französischen Botschafter gegebenen Aufklärun­gen den deutschen Standpunkt in dieser Frage auch nur im geringsten geändert haben. Im übrigen habe aber der französische Botschafter den Eindruck gewonnen, daß sich die Einstellung gegenüber Frankreich völlig geändert habe. Man zeige in Deutschland das Bestreben, liebenswürdig zu sein, und der Führer habe darauf Hinweisen können, wie sehr sich in dieser Hinsicht der Ton der deut­schen Presse gegenüber Frankreich geändert habe. Kurz, zwischen Berlin und Paris herrsche gegen­wärtig die Politik der ausge st reckten H a n d. Aber ausgestreckt in einem noch sehr dichtem Nebel. Gegenwärtig wolle Deutschland wegen des afrikanischen Streitfalles jedoch nicht aus seiner völligen Zurückhaltung heraustreten.

DerT e m p s" behauptet, daß die Deutschen durch die Stärkung des Ansehens des Völkerbundes und durch die englische Zustimmung zur kollektiven Sicherheit beeindruckt seien und den Augenblick für gekommen erachteten, sich in den Kreis der Mächte wieder einzuschalten, eine Entwicklung, die in ihrer Fortsetzung logischerweise zur Rückkehr Deutschlands nach Genf führen müsse. (Hier dürfte es sich um reine Kombinationen desTemps" handeln. Die Schriftltg. des DNB.) Die Vorbedingung hierfür sei, jede Mißstimmung in den deutsch-fianzösischen Beziehungen zu zerstreuen. Die Unterredung zwi­schen Hitler und Francois-Poncet bestätige, daß die Fühlung zwischen Paris und Berlin aufrechter­halten werde, und daß, wenn die internationalen ,Umstände es erlauben, Raum für Verhand­lungen zu einer kollektiven Regelung vorhanden sei, die sich genau dem Genfer Mecha­nismus anpaffe, wie dies die grundlegende Politik Frankreichs fordere. Das f r a n z ö s 4 s ch - s o w j e t- russische Abkommen habe keine Spitze gegen eine andere Macht. (Hat aber nicht die gesamte übrige Welt es als besonders gegen Deutschland gerichtet aufgefaßt? D. Schriftltg. des DNB.) Viel­leicht habe die gestrige Unterredung jedesdiesbe­zügliche Mißverständnis" behebest können, was ge­gebenenfalls spätere Verhandlungen erleichtern würde. Man dürfe aber nicht vergessen, daß zu einer Verhandlung über eine Gesamtregelung mit Deutschland Frankreich st.o r k und seines Willens und seiner Mittel sicher fein müsse und aus seiner Regierstngsfestigkeit das An­sehen ableite, das für die Beständigkeit feiner Poli­tik der Ordnung und des allgemeinen Friedens unerläßlich fei. j /

Fernand de Brion schreibt in derInforma­tion": Den Einwänden, daß die deutsch-französische Aussprache doch nur zu Enttäuschungen führe oder von Frankreich Verzichtseistungen fordere, mülle man entgegenhalten, daß Frankreich Deutschland nichts mehr zu geben habe aus dem ein­fachen Grunde, weil es /ihm gar nichts mehr bieten könne. Denig vom Versailler Vertrag

Baldwin ergänzt sein Kabinett.

Onff Cooper Kriegsminister. - Oie beiden Macdonalds bleiben im Kabinett.

der verliert das Vertrauen, und wer immer nur seine Hand hinstreckt und nie die Hand des anderen findet, der zieht sie schließlich zurück. Wenn heute die Diskussion über das deutsch-französische Pro­blem in Paris wieder auflebt, muß Frankreich das berücksichtigen: wir sind immer vorne gestanden mit den Worten und den Taten der Bereitschaft.

Wenn jetzt von Frankreich die Anregung nach engerer politischer Fühlungnahme ausgegangen ift, so zeigt das amtliche Kommunique über die Unter­redung zwischen dem Führer und dem französischen Botschafter in Berlin, daß Frankreichs Wunsch nach einer vertrauensvollen Aussprache in Deutschland auf volles Verständnis gestoßen ist. Wir haben immer wieder unfern guten Willen bewiesen, mit unserem westlichen Nachbarn zu einem guten Ein­vernehmen zu kommen. Eine deutsch-französische Verständigung kann natürlich nur aufgebaut fein auf dem Geiste der absoluten Gleichheit und deut­schen Freiheit. Die ganze Welt würde es begrüßen, wenn dieser Geist, der einzig mögliche einer inter­nationalen Verständigung überhaupt, beginnen würde, in Frankreich Verständnis zu finden. 2)arurti geht es. Eine solche Verständigung wird vorbe­reitet durch Gespräche wie das eben stattgefundene.

London, 22. Nov. (DNB.) Amtlich wurden folgende Veränderungen im Kabinett bekannt- gegeben: Zum Lordsiegelbewahrer wird Viscount Halifax (bisher Kriegsminister) er­nannt, zum Kriegsmini st er Mr. Duff Coo­per (bisher Finanzsekretär im Schatzamt), aum Dominienminister Mr. Malcolm M a c o o - n a l d (bisher Kolonialminister), zum Kolonial- m i n i ft e r Mr. I. H. Thomas (bisher Domi- nienminifter). An Stelle von Duff Cooper wird zum Finanzfekretär im Schatzamt Wil­liam S. Morrison ernannt. Der bisherige Lordfiegelbewahrer Lord Londonderry ist zu­rückgetreten. Der Unterftaatsfefretär für Schottland, Noel Skelton, ift am Freitag plötz­lich verstorben. Skelton war für einen der drei Sitze der schottischen Universitäten ausgestellt, deren Wahlergebnis erst am nächsten Montag be­kanntgegeben wird. Es ist anzunehmen, daß Skelton bei der Wahl gewählt worden ist.

Paris, 23. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die inner- politische Lage ist nach wie vor undurchsichtig. Zwischen der Regierung und dem Finanzausschuß besteht die Spannung fort. Auch zwischen den Par­teien derVolksfront" steht es nicht gut. Die Ra­dikalsozialisten werden von rechts angegriffen, da im Finanzausschuß einige ihrer Abgeordneten sich nicht an die Beschlüsse der Kammergruppe gehalten haben. Nicht minder bitter beschweren sich die So­zialisten und Kommunisten.Unsere Schuld ist es nicht", so schreibt der Sozialiftenführer Leon B l u m imPopulaire",wenn im Finanzausschuß die Volksfront in der Frage der Milderung der Not­verordnungen nicht durchgehalten hat. Aber ich hoffe dringend, daß sich die Festigkeit der Front, wenigstens in der Frage der Kampfbünde und der Verteidigung der republikanischen Freiheiten er­weisen wird."

DasOeuvre" meint, im Vordergründe stehe in allen Lagern die Frage der Kampfbünde. Laval arbeite an einer großen Rundfunkrede. In dieser werde er etwa folgendes erklären:Wenn man eine politische Krise will, um eine Abwertung des Franken herbeizuführen, so mache ich eine Abwertung nicht mit. Sollte man die Krise wollen, um eine deutsch-französische A n - Näherung zu verhindern, so werde ich mich auch dazu nicht bereitfinden lassen. Ich halte am Franken und am Frieden fest. Man kann mich stürzen. Dann aber bitte ,im Ganzen und.nicht stückweise*, und man möge einen Nach­folger finden, einen Nachfolger mit einem Pro­gramm."

Hr. 274 Erstes Blatt_____ 185. Jahrgang Samstag, 25. November 1955

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geworden. Und als eimVial in Außerachtlassung die­ser geographischen Bedingtheiten und in Erfüllung einer mystisch geschautes Mission Deutschland einen solchen Anspruch erhob^ damals als in den Zeiten des Heiligen Römischen» Reiches deutscher Nation die deutschen Kaiser nach / Italien zogen, ist Deutsch­land an solchem Versuche gescheitert. Geglückt ist solcher Versuch immer nur, wenn er von Län­dern unternommen mürbe, die an der Peri­pherie der Kontinente lagen. Und das andere, der deutsche Drang /zum Kriege": Welche Nation gibt es, die weniger vom Kriege redet und an den Krieg denkt, als die deutsche? Welche Nation hat bereitwilliger zum Verzicht auf jede Waffe sich ver­pflichtet? Welche Nathan hat ihren Nachbarn ernst­haftere Garantien gögen jede Angriffsabsicht ge­geben? Welche Natio/st hat gerade Frankreich mit größerer Herzlichkeit feie Hand zum Frieden hinge­streckt? Aber freilich? und hier kommen wir auf das wesentlichste, dals psychologische Miß­verständnis zu sprechen: sie will Frieden und Freundschaft haben, qie ehrlich und bereit­willig geboten hnetben. Und hier liegt die schwere Schuld Frankreichs.

Man sagt in Frankreich, daß Frankreich seit Kriegsende ' " Deutschland

Werden wir uns verstehen?

Frankreich hat plötzlich wiederd a s b e u t - sh e Problem" entdeckt. Die Frage, warum ist das Verhältnis zu Deutschland zu einemPro- blem , ja zum entscheidensten Problem der fran­zösischen Geschichte geworden? läßt die Historiker Frankreichs ebensowenig ruhen, wie die andere Frage: Welche Möglichkeiten lassen sich zu einer befriedigenden Lösung des Problems finden? die Politiker ruhen läßt. Ein ganzes Land emp­findet, daß die Spannung, mit der sein Verhältnis zu einem anderen Lande erfüllt ist, die volle Summe feines nationalen Schicksals darstellt.

Wir Deutsche haben an dem neuerwachten franzö­sischen Interesse höchstens das eine zu tadeln, daß es so spät kommt. Wir haben die Spannung in bem Verhältnis der beiden Nationen immer in erster ßinie als tragisch empfunden. Wir sind uns immer ber gemeinsamen mitteleuropäischen Verbundenheit bewußt gewesen und haben uns auch in den bitter­sten Zeiten des Verfalls von Freundschaft und Frie­den ein Erinnern an gemeinsame Arbeit bewahrt. Wir haben der kulturellen und nationalen Leistung bes französischen Volkes immer Respekt gezollt und auch in den Tagen der Feindschaft diesen Respekt nie vom Haß überwinden lassen. Wir wissen, welch' heroische Leistungen die französische Nation aufzu­bringen imstande war, und wer im Kriege mit ß^en ©innen durch die verwüsteten Zonen der französischen Landschaft ging, der wird nur mit höchster Achtung sich vor der Gläubigkeit des fran­zösischen Patriotismus verneigt haben, der auch in den trübsten Stunden des französischen Waffen­schicksals niemals an dem Sieg der Heimat zweifelte. Wir wissen auch, daß dieses französische Volk, das mit wesentlich geringerer Volkskraft die Last nicht weniger Kriege zu tragen hatte als das deutsche Volk, heute des Krieges müde und des Friedens froh ist!

Die deutsch-französische Fühlungnahme.

Große Beachtung in Paris.Laval wünschte den Vertrag mit Gowjetrußland zu erläutern