Nr. 248 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch, 23 Oktober <035
Aus dem Reiche der Krau.
Nicht müde werden im freudigen Geben!
Besuch in einer Kleiderkammer des WKW.
Wir haben soviel von dem Winterhilfswerk und seinen freiwilligen Helfern gehört, daß es nicht wundernehmen kann, wenn wir es einmal wagten, die rastlose Tätigkeit all dieser fleißigen Hände in der Nähe zu beobachten.
Nach freundlicher Erlaubnis der in Betracht kommenden Stellen machten wir uns also auf den Weg. Da der Nachmittag schon vorgeschritten war, fürchteten wir eine wenig begeisterte Ausnahme, aber, um es vorweg zu nehmen, wir erlebten eine Ueberraschung nach der anderen.
Die Leiterin der Kleiderkammer, eine junge Frau, die keine Müdigkeit zu kennen schien, führte uns in die von ihr betreuten Räume und erzählte dabei mit großer Bereitwilligkeit von ihrem Tagewerk. Obgleich es an diesem Abend noch sehr viel für sie zu erledigen gab, fertigte sie uns nicht mit geschäftiger Eile ab, sondern zeigte uns in ihrer fürsorglichen Art alle Einzelheiten in ihrer Sammelstelle. |
Da liegen nun Berge von Kleidern und Wäsche, die desinfiziert, auf ihre Umwandlung in brauchbare Kleidungsstücke warten. In der N ä h- st u b e sitzen die vom Arbeitsamt entsandten Frauen und arbeiten fieberhaft unter liebevoller Anleitung an der Wiederherstelluna dieser freudig gegebenen Spenden. Die sehr sorgfältig genähten und manchmal auch modernisierten Sachen wandern dann wieder zurück in die Kleiderkammer, von wo sie an die Bedürftigen zur Verteilung gelangen. Aber auch dies geschieht nicht etwa wahllos, sondern nach genauer Berücksichtigung des für den einzelnen Not- w ndigen und nach vorheriger Anprobe.
So manch altes Mütterchen hat schon vor Auf- reauna und Freude über die Gaben die Fassung verloren, doch selbst für solche Zwischenfälle ist rührende Vorsorge getroffen. Die Leiterin hat einen Sanitätskursus beim Roten Kreuz mitge- macht, und wstß sich infolgedessen zu Hellen Sie bettet ihre Schützlinge auf ein Ruhebett und bemüht sich in der sachgemäßesten Weise um sie.
In ein^m Raum für sich sind Schuhmacher am Werk, die den vorher probierten Schuhen und SA Stiefeln den schönsten Glanz und die haltbarsten Sohlen verleihen. Jeder bekommt nur das für ihn Passende, so daß die Unterstützungsberechtigten durchaus zu ihrem Recht gelangen.
Natürlich wstb in besonderem Maß der jungen Mütter gedacht, sie erhalten Säuglings- wasche und leihweise ein wunderhübsch ausge- ftattetes Körbchen für das Neugeborene. Frohgemut mit neuerwachtem Glauben an die Zukunft gehen sie nach der Verteilung dieser ein Frnuenherz be- glück-nden Dinge zurück in ihre Häuslichkeit.
Van moraens früh acht Uhr bis abends zu unbestimmter Zeit, wenn eben alles Wesentliche getan ist, sind die ehrenamtlichen Helfer zur Stelle. Zu ibn^n rechnen auch diejenigen, die die schriftlichen Arbeiten erledigen; denn alle Emnah- m n und Ausaönqe werden so genau verzeichnet, daß keine Möglichkeit einer Jrreleituna oder falschen Wohltätigkeit besteht. Gerechtigkeit und echte Nächstenliebe könnte man als Motto über diese Arbeitsstätte setzen.
Und weil wir diese Gewißheit haben, laßt uns n'cht müde werden im freudigen Geben; viele kalten W'n>"rtaqe buchen, 'n die wir alle bei einigem aulln Willen den Aermsten der Armen ein wenig Wärme bringen können. Sehen wir immer wieder unfere Bestände nach, und sondern wir alles irgend Entbehrliche aus an Männer-, Frauen- und Kinderkleidung. Die. Not überwinden zu helfen, sei unser aller Streben.
Hilde Fries.
mig. Sein Gerechtigkeitsgefühl sagte ihm, daß er dem Mädel unrecht tat, wenn er sie und feine Arbeit nicht beachtete und anerkannte, fein Trotz stellte sich aber dagegen und unterdrückte jede mildere Regung. Und da sollte er auch noch allein mit ihr aufs Feld. Ihm war doch etwas ungemütlich zumute, denn er hatte die ganze Zeit über, seit das Mädel auf dem Hof war, keine zehn Worte mit ihr gesprochen und war ihr immer geflissentlich aus Dem Wege gegangen. Na, heute wurde es sich ja zeigen, ob sie etwas aushielt! Der alte Bauer sah nach dem Himmel, über den der Wird» graue Wolkenfetzen jagte. —
Dann waren sie auf dem Felde, der Großvater lenkte den Pflug mit seinen arbeitsharten Händen, und das Mädel führte die Kühe. Ab und zu jagte ein Regenschauer über das Feld und überstürzte sie mit feiner Nässe. Mit Einern Seitenblick hatte der Alte bemerkt, daß die Finger der Jungen rot und starr vor Kälte waren. Eigentlich hörte er für ge
wöhnlich auf, wenn das Wetter zu toll wurde, aber heut hielt ihn der Eigensinn! Auf der einen Seite lauerte dieser darauf, daß das Mädel schlapp machen würde, auf der anderen Seite wiederum freute sich fein altes Bauernherz über ihre Zähigkeit und wünschte es, daß sie ,hurchhielt". — Und sie hielt durch!
Als die letzte Furche gezogen war und er am Feldrain die Kühe vom Pflug abfchirrte, da war fein Trotz besiegt und fein Mißtrauen bekehrt. Ja, er schämte sich sogar etwas über seine Starrköpfigkeit. Und als er dann mit feiner harten abgearbeiteten Rechten nach der kälteroten Hand des Mädels griff und sagte: „Ihr seid schon ein anständiger Kerl" und nicht mehr, da zog ein kleines Lächeln über fein altes verwittertes Gesicht und die Freundschaft zwischen den beiden war besiegelt! Der Alte vom Lande und die Sunge aus der Stadt hatten einen Weg zueinander gesunden!
Mas sollen wir tragen?
PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS
WiNTGR. MÄNTEL
Das »el dom McitSdiesst
Bon Maraar te O^ttdlo.
Eigentlich war es dem alten Bauern gar nicht so recht, daß nun ein Mädel vom Arbeitsdienst auf den Neubauernhof feines Jungen kommen sollte! Freilich, seine Schwiegertochter hatte Hilfe notwendig, sehr notwendig sogar. Seit den sieben Jahren, seit denen sie mit ihrem Mann die Siedlung bewirtschaftet, kannte sie nichts als Arbeit, schwere Arbeit von morgens bis abends spät, auch in der Zeit, als sie ihre Kinder trug. Aber was würde so ein junges Ding aus der Stadt auf dem Bauernhof schon helfen können... Der alte Bauer spannte Die Kühe vor den Bretterwagen: „Na, mir werden ja sehen, wer recht behält!" Wie gesagt, er war mißtrauisch!
In diesem Augenblick klang von der Straße frischer Gesang herüber, und aus dem Trupp Mädels, die dort mit lachenden Gesichtern auf der Dorfstraße vorüberzogen, löste sich eine Mädchengestalt und steuerte schnurstracks, nach einem prüfenden Blick auf die Hausnummer, auf den Hof zu. Der alte Bauer richtete sich nicht aus feiner gebückten Haltung auf, als das Mädel neben ihm stand und ihm einen Guten borgen wünschte. Er warf nur von unten her einen prüfenden Blick über ihr frisches Gesicht und wies Dann wortlos nach Dem Hauseingang, wo auf Der Schwelle ein kleines Madel faß und mit erstaunten Augen zu Dem „Ein- Dringling" herüberfah. Das MäDel oerftanD unD verfchwanb eiligst im Haufe. — Bald tönten Durch das geöffnete Küchenfenster die hellere Stimme der Jungen und der tiefere Alt feiner Schwiegertochter im munteren Gespräch Durch Das Klappern unD Klirren von Töpfen unD Tassen. Der Großvater schüttelte Den Kopf: Wie gesagt, er oerftanD Das nicht. Die (unD Damit meinte er seine Tochter) schien ja schon hübsch vertraut zu sein mit dem „fremden Ding" aus Der Stadt!
Zwei Wochen waren Darüber vergangen. Dem sonnigen Spätsommer mit Den silbrigen Altweiber- lommer-Fäden war ein rauher und regnerischer derbst gefolgt. Ein harter Wind fegte über Die lablen Felber und wirbelte Die trockenen Blätter von Den Bäumen und im wildem Tanz über Die LanDstraße. — Die Bäuerin Hütte Dem Arbeits- DienftmäDel eine Derbe Jacke geborgt. Das Feld am Wäldchen mußte heute fertig gepflügt werden und sie sollte dem Großvater Die Kühe führen. Die Neubäuerin hatte Wäsche unD konnte nicht aufs FelD und Der SieDler war in Der KreisftaDt zu einem Termin. Der alte Lauer war etwas brunv
Von Den beiden einfachen Wintermänteln unseres heutigen Vorschlages ist das Modell l'.nks ein ausgesprochen sportlicher Mantel aus Kamelhaar oder flauschiger Wolle in Hellen Farbtönen. Der breite, weiche Gürtel ist braunes Nappaleder mit passender Schließe. Die Linien,ührung des Mantels wird durch breite Steppnähte an den waagrecht- und fchräg- geftcllten Nähten betont. Am Halse, unter dem hochschließenden Umlegekragen, wird der Mantel durch einen Knopf geschlossen. Für besonders kalte Tage, das Auto oder die Reife dient ein Cape in Der entfprechenDen Linienführung zur Ergänzung. Es wirD unter dem Kragen dem Mantel aufgeknöpft.
JRigräne.
Was der Kamilienarzt dam sagt.
Wenn die berühmte Schauspielerin X wegen Migräne nicht auftreten kann ober eine Einladung abfagt, so steckt gewöhnlich dahinter mehr eine launische Ausrede als eine wirkliche Migräne. Derartiger Mißbrauch des Wortes Migräne hat dazu geführt, Daß man Darunter allerlei nervöse Erscheinungen versteht, Die mit einer echten Migräne nichts zu tun haben.
Das Wort Migräne kommt von Dem griechischen hemicrania unD beDeutet Halbseitenkopfschmerz. Dies ist Das charakteristische, aber nicht das einzige Symptom Die Migräne beginnt in Der Regel mit allgemeiner Mattigkeit, Gereiztheit unD Unlust zur Arbeit. Dann erst setzen Die streng einseitigen Kopfschmerzen ein unD steigern sich in Den folgerten StunDen zu unerträglicher Heftigkeit. Auf Dem Höhepunkt stellt sich gewöhnlich Erbrechen ein, worauf Der Kopfschmerz allmählich nachläht. Wäh- renD Des ganzen Anfalls fühlt sich Der Betroffene zerschlagen, ist unfähig zu^ jeder Arbeit und überempfindlich gegen alle Sinnesreize. Sobald Die Kopfschmerzen verschwunDen sind, erholt er sich rasch. Solche Migräneanfälle beginnen am häufigsten früh morgens und dauern mehrere Stunden. Ihre Häufigkeit kann sehr wechseln; es kommen ebenso tägliche Wiederholungen wie monatelange Pausen vor.
Die Migräne ist also ein wohlcharakterisiertes Krankheitsbild und nicht zu verwechseln mit gewöhnlichen Kopfschmerzen, die das Allgemeinbefinden nie in solchem Grade tn Mitleidenschaft ziehen. Zumeist tritt sie familiär auf, d. h. schon die Eltern oder Großeltern haben an ähnlichen Erscheinungen
Daß das Cape nur von sehr schlanken Figuren getragen werden kann, versteht sich wohl von selbst. Der kleine Herrenhut (links) ist moosgrüner Velours, während der kleine runde Hut (Mitte) aus braunem Hoarfilz gearbeitet ist.
Dem Mantel rechts aus flaschengrünem B o u c l ö sind Die Aermel angeschnitten, Der Rücken hat eine DurchgehenDe Mittelnaht, um Die a n I i e » a " n d - Form 3U erzielen Die Taschen sind eingeschnitten, zwei große Knebel bilden den Verschluß. Als Besatz Dient silbergraues InDisch- Lammfell, Das kleine Barett ist aus flaschengrünem Samt. H.
gelitten. In Derart belasteten Familien finden sich nun bei genauerer Nachforschung häufig auch andere Krankheiten — wie Asthma, Heuschnupfen, Nesselsucht, Ekzem — Die man als Ueberempfinblich- keits- (allergische) Krankheiten auffaßt. Man ist darum geneigt, auch manche Migränefälle als Ueber- empfinDlichkeitserfcheinung gegen allerlei körperfremde Stoffe anzusehen. Sicher gibt es aber auch andere Ursachen für den Halbseitenkopfschmerz, z. B. gleichzeitige Nervenkrankheiten ober andere chronische Erkrankungen.
Der einzelne Anfall ist offenbar durch krampfhafte Verengerung der Gehirngefäße und infolgedessen ungenügende Gehirndurchblutung einer Kopfhälfte bedingt. In anderen Fällen kann auch eine Gefäßerweiterung und Blutüberfülle dem Anfall zugrunde liegen.
Die Migräne ist eine außerordentlich hartnäckige Krankheit. Es gibt fein sicheres Mittel zu ihrer end- gültigen Heilung, wenn auch gegen den Einzel- anfall dem Arzt eine ganze Reihe wirksamer Medikamente zur Verfügung stehen. Wenn hier einige erprobte Hausmittel angegeben werden, so können sie die ärztliche Behandlung niemals ersetzen.
Aber es ist nicht zu bestreiten, daß manchmal zu Beginn des Anfalls ein heißes Fußbad, eine Taffe starken Kaffees und der Saft einer Zitrone helfen, sogar Den Anfall untertrürfen können. Absolute Ruhe ist unerläßlich, Die AbDunkelung des Zimmers manchmal von Nutzen. Aber über den Einzelfall hinaus muß ja die Heilung der Gesamtkrankheit Das BehanDlungsziel sein. Diese Aufgabe gehört in Die HanD Des Arztes, Dem sehr ver- schieDene Methoden zu Gebote stehen, als modernste die kochsalzfreie Kott und klimatische Kuren.
Dr.V. Hermann.
Wir haben heut Abend Gaste...
Aber wir machen keine „Umstände".
Die Abende sind länger geworden, schon früh rnüfsen wir die Lampen anzünden. Die Winterabende lassen uns wieder gesellig werden. Freunde, die man oft den Sommer über kaum sah, finden sich beim Schein der Lampe wieder zusammen. Freundschaften werden geschlossen, Kameradschaften vertieft.
Wir kennen heute Die steife „Gesellschaft" nicht mehr. Der Mensch ist ja schließlich nicht auf ber Welt, um sich bes Abenbs im großen Kreis ben Magen zu überlaben! Und es würde uns allen ja nicht schmecken, wenn wir zu einem vielgängigen Essen eingeladen würden und dann daran denken müßten, wieviele unserer Volksgenossen oft nicht wissen, wie sie ihre Schüsseln füllen sollen! Nein, Solidarität auch hier! Deshalb ist aber der Geselligkeit keine Schranke gesetzt. Wir haben das Recht darauf, nach des Tages Mühen uns am Abend zu entspannen. Und Entspannung ist es bann erst, wenn sich bie Hausfrau nicht abhetzen muß, fonbern alles fo vorbereiten kann, baß auch sie sich ohne Erschöpfung bem Gast roibmen kann.
Heute läbt man meistens nach bem Abenb- essen ein. Zu einem Glas Wein, ein paar Kuchen» stücken, hübsch belegten Broten (aber nur nicht einen Haufen lieblos gemachte „Stullen".) Wer ganz üppig fein will, ber gebe noch eine Süßspeise ober Obst, aber bas ist nicht nötig! Wir finb bescheiben geworden — aber wir verlangen doch, daß die Hausfrau sich Mühe gibt und etwas nachdenkt, womit sie ihre Gäste erfreuen kann. Man kann es sich nicht leisten, ein Diner vorzusetzen. Man darf aber nicht so bequem sein, nun gar nichts vorzubereiten und die Ausrede zu gebrauchen: selbst Schiller setzte seinen Gästen nur ein Glas Wasser vor!
Ach nein, so ein bißchen kann man sich schon Mühe geben. Das hat ja mit Geldausgaben gar nichts zu tun. Ein felbstgebackener Kuchen, der vielleicht 1,50 Mark gekostet hat, schmeckt den Gästen besser als eine teure Torte, bie lieblos gekauft würbe. Selbstverstänblich liefern auch ber Konbitor unb Bäcker schöne Sachen, mit benen man bie Gäste ehren unb erfreuen kann: aber man muß bann merken, baß alles mit Liebe ausgesucht worben ist! Gesellig leben, heißt, ben Gästen alles fo bereiten, baß sie sich nicht geniert fühlen. Sie müssen glauben, baß man sie gern bei sich aufnimmt! Diese Pflichten hat ber Gastgeber.
Aber auch ber Gast hat Pflichten. Er barf nicht sagen: „Eigentlich bin ich ja furchtbar müde, aber weil Sie fo gebeten haben ..." — Nein, ber Gast muß zeigen, baß er sich freut, zu kommen! Schließlich ist ber Gast auch verpflichtet etwas zur Unterhaltung beizutragen. Er barf nicht gelangweilt ba» sitzen unb nun meinen, man müsse ihn unterhalten. Wer Gastfreunbschaft in Anspruch nimmt, ber muß auch als Gast etwas bieten!
Kamerabschaft ins eigene Heim tragen — bas ist bie neue Gastlichkeit. Es gibt viele Kame- raben und Freunbe, bie vielleicht kein eigenes Zuhause haben. Die empfinben es bann boppelt angenehm, wenn man sie oft einläbt, ohne viel „Um- ftänbe" zu machen. — Wir wollen viele Gäste haben in biefem Winter. Wir wollen ben Tllch bocken für bie, bie es nicht selbst können! Das ist wahre Volksgemeinschaft. Unb hier hat bie Frau zu sagen, — an ihr liegt es, baß wir von ber Gesell» schäft zur Geselligkeit kommen!
LoreThograL
Fleisch im eigenen Säst.
Was man alles daraus machen kann.
Wirklich, ich muß gestehen, für uns Hausfrauen ist biefes „Fleisch im eigenen Saft" eine gerabezu herrliche „Erfinbung". Es erspart Gas, Kopfzerbrechen und Zeit, denn es ist fix unb fertig unb völlig gar. Es entspricht allen Erforbernissen ber Hygiene unb enthält alle Nährwerte, bie eben im Fleisch enthalten finb. Kann man noch mehr verlangen?! Unb bie Verwenbungsmoglichkeiten? — Deren gibt es mehr als genug.
Zunächst — unb bas ist bie allereinfachste Art. Man öffnet bie Dose, stellt sie ins Wasserbab und macht norm Anrichten bie Brühe sämig. Wenn man will, kann man baraus auch eine Pilz-, Meerrettich-, Dill- ober Mostrich- ober Tomatensoße machen ober worauf man sonst Appetit hat.
Ebenfalls kann man erst einmal alle Suppen» wurzeln mit Master auskochen, bann gibt man ben ganzen Inhalt ber Dose dazu mit etwas gehacktem Suppengrün unb gibt bas Fleisch mit Brühkartos» fein ober Reis zu Tisch.
Behält man von biefem Fleisch kleine Reste, so dreht man sie durch die Fleischmühle, untermischt sie mit etwas frischer Butter, etwas Mostrich, wenn man mag, eine ganz feingehackte Sardelle, spritzt von einer durchgeschnittenen Zwiebel etwas Säst darüber, kann auch ein ganz klein wenig Zitronenschale daran reiben, eventuell auch ein Gelbei. Man verrührt alles zusammen zu einer weichen Paste, die in einem Tassenkopf geformt unb bann gestürzt, zum Abenbessen einen sehr wohlschmeckenben Brotaufstrich ergibt Etwas Salzgurke, bazu gegeben, wirb nicht verschmäht werben.
Man macht aus Butter, Fett ober Margarine mit Mehl eine braune (Einbrenne, bie man mit bem Fleischsaft abrührt, setzt etwas Paprika ober Pfeffer zu unb bann erscheint es als Gulasch auf bem Tisch.
Dieses war Rinbfleisch. Hat man Schweinefleisch, so läßt es sich auf minbeftens ebenso viele Arten verwerten.
Erstens macht man aus bem Saft eine Art Fri- kasteesoße, läßt barin bas gleichmäßig geschnittene Fleisch heiß werben unb setzt es ber Familie mit Salzkartoffeln vor
In anberer Art erscheint es mit einer braunen Ragoutsoße auf bem Tisch, in bie ich sehr gern feine Streifen von gekochten Mohrrüben und Sellerie schneibe. Etwas Saure- ober Pfeffer- auch Senfgurke bazu ist meist sehr willkommen
Unbebingt ist es auch als Aspik zu empfehlen, wobei bem Spiel ber Phantasie keine Schranken ge- setzt finb. Kräftig ober mild gewürzt, mit kleinen nett aussehenben Gemüseresten von Wurzeln, Bohnen, Tomatenscheiben unb grünen Erbsen vermischt, bie im Aspik mit erstarren müssen. Dann noch irgenbroie nett garniert, je nach Geschmack und Gelbbeutel. Mit Bratkartoffeln unb Salat gereicht wirb cs jebem hochwillkommen fein.
M. L. Bischdorf.


