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erklärte sie die Valutaaktion der Bauern als gesetz­widrig uno ordnete eine gerichtliche Verfolgung an. Hierdurch erreichte sie, daß Verwirrung in den bis- ber festgeschlossenen Reihen der Bauern entstand, aoer Der Landwirtschaft war natürlich durch solche Polizeimahnahmen nicht geholfen. Ihre Rot bestand weiter und mit ihr wuchs die Erbitterung unter der Bauernschaft.

Hätte nun die Arbeit in der parlamentarischen Landwirtschaftskommission zu einer Butterordnung oder einer Zinsentlastung der Landwirtschaft ge­führt, hätten die Bauern wohl auch beruhigt die Wirkung dieser Maßnahmen abgewartet. Aber zu einem solchen Ergebnis ist es nicht gekommen. Zn dieser Kommission waren zwar alle von der Not­wendigkeit einer Abhilfe der landwirtschaftlichen Notlage überzeugt. Die Untersuchungen der Kom­mission haben gezeigt, daß nicht weniger als 60 000 bäuerliche Betriebe eine Schuldenlast von 110 o. H. ihrer Pfandleihwerte haben. Mit Pfandleihwerten meint man die Werte des Bodens, der Gebäude, des Inventars und der Viehbesatzung. Eine höhere Schuldenbelastung ist wohl kaum noch denkbar. Auch die Vertreter der Regierung sehen ein, daß hier geholfen werden müßte, aber vorläufig nur mit einem Bruchteil von dem, was die Bauern ver­langten. Die Bauern fordertev einen garan­tierten Minde st preis für die gesamte Butterproduktion, also auch für die Auslandsbutter, von drei Kronen pro Kilo. Die Regierungsparteien wollten ihnen einen Preis von 2,25 Kronen garantieren und zwar a u f d e m H e i m a t m a r k t. Die Bauern forderten eine Entschuldung der Betriebe bis die Vorkriegslage erreicht märe, die Regierungsparteien wollten nur gewisse Erleichterungen und Barzuschüsse gewähren. Konservative und bäuerliche Linke konnten aus sach­lichen und parteitaktischen Gründen sich mit diesen Bewilligungen nicht begnügen, sondern legten andere Vorschläge vor, die von den Regierunas- parteien nicht gutgeheißen wurden. So konnte Die Kommission zu keiner Einigung gelangen, und als Protest zog die bäuerliche Linke ihre Vertreter zurück. Damit haben die parlamentarischen Par­teien ihre Unfähigkeit bewiesen, dringende praktische Fragen zu lösen! Hierdurch hat sich aber auch die allgemeine Lage stark zugespitzt. Die Erbitterung der Bauern ist im Zunehmen. Der sicherste Beweis hierfür ist die Haltung der bäuerlichen Linken, die sich mehr und mehr der LS.-Bewegung zu nähern sucht.

Mackensen wird Erbhofbauer.

Die Uebergabe der Domäne Brüssow an den Feldmarschall.

Brüssow, 22. Okt. (DNB.) 9m Auftrage des Führers und Reichskanzlers übergab Ministerpräsi­dent General Göring Dienstag mittag dem Ge­neralfeldmarschall von Mackensen die ehe« malige preußische Domäne Brüssow in Kreise Prenzlau als Erbhof. Damit ist der aus altem Bauerngeschlecht hervorgegangene ruhmvolle Feld­herr mit der Scholle, der er in seinen Iugendjahren als praktischer Landwirt diente, wieder verbunden worden. Ministerpräsident Göring faßte in einer Ansprache an den Generalfeldmarschall den Dank des deutschen Volkes gegenüber dem ältesten Feld­herrn des Weltkrieges 'unb hervorragenden Soldaten in herzlichen Worten zusammen und händigte gleich­zeitig dem Generalseldmarschall die Erbhof­urkunde für Brüssow aus. Nach der Uebergabe der Schlüssel für Haus und Hof dankte Mackensen bewegt für die ihm erwiesene hohe Ehrung und versicherte, daß er die Schenkung in der Ueberzeugung annehme, mit ihr die deutschen Soldaten des großen Weltkrieges insgesamt aeehrt zu wissen. Die Familie Mackensen lebe noch heute wie vor 300 Jahren auf eigener Bauern- scholle. Er sei als Junge am Pfluge ausgebildet und könne nun, nachdem er feinem Vaterlande ein Leben lang mit dem Schwert gedient habe, wieder zum Pfluge zurückkehren.

An der Feier nahmen u. a. teil die Reichs- minifter Darre, Freiherr v. Neurath, Graf Schwerin von Krosigk, Staatsminister Popitz, Staatsminister Rieke, der Leiter der Domänen­abteilung im Reichsernährungsministerium, ferner der kommandierende General des zweiten Armee­korps General Blackowitz.

Offizier-Beteranen von 1870/71.

Die Zeitschrift des Reichsverbandes Deutscher Offiziere veröffentlicht eine interessante Ehrenliste alter Offiziere, die heute noch am Leben sind und die an den Feldzügen von 1864, 1866 und 1870/71 teilgenommen haben. Durch eine bei den Offizier-Vereinigungen der alten Armee angestell­ten Umfrage konnte noch das Dasein von 25 2 al» t e n Mitkämpfern festgestellt werden: 1 Ge­neral-Feldmarschall, 1 Generaloberst, 20 Generäle der Infanterie, Artillerie oder Kavallerie, 43 Gene­ralleutnants, 33 Generalmajore, 33 Obersten, 31 Oberstleutnants, 41 Majore, 24 Hauptleute und 22 Leutnants. Von den alten Herren haben 3 0 das 9 0. Lebensjahr bereits überschritten. An der Spitze steht Oberst von Kutzenbach, Kolberg, mit 9 7 Jahren. Ihm folgen: General­arzt Dr. Miller, München, 95 Jahre; General der Artillerie v. Bomhardt, Ernstdors am Chiemsee, je 94 Jahre; Generalmajor Gabriel, Neiße. Von den alten Generalen sind noch insbe­sondere zu nennen: General der Infanterie Litz- mann, General der Artillerie v. Gronau, Ge­neral der Artillerie v. G a l l w i tz , General der Infanterie v. Q u a ft, General der Infanterie Sixt v. Armin, General der Infanterie F r h r. von Plettenberg und General der Infanterie v. S t r a n tz.

Heeresbeamten- (K nheits-) Laufbahn.

B e r 1i n , 22. Okt. (DNB.) Der Bedarf an Z i» vilanwärtern für den gehobenen, mittleren, nicht technischen Dien st der Heeresverwaltung (Heeresbeamten (Ein­heit-) Laufbahn) wird im April jeden Jahres zum Teil aus den im Herbst des Vorjahres eingestellten Freiwilligen und Dienstpflichtigen gedeckt. Der größte Teil der Anwärterstellen ist den Versor» gungsanwärtern vorbehalten. Für die Ein- tellung als Zivilanwärter gelten folgende Voraus» etzungen: mindestens Primareife einer neunstufigen »öheren Lehranstalt (nicht Privatschule), arische Ab- tammung, deutsche Reichsangehörigkeit, unverhei­ratet, Ablegen einer psychologischen Prüfung. Im allgemeinen hoben nur Bewerber Aussicht, welche das 19. Lebensjahr vollendet haben. Die Bewerbungen sind unmittelbar an die Truppenteile ju richten. Neueinstellungen von Zivilanwärtern erfolgen erst wieder im April 1937.

England plant keine militärischen Sanktionen.

Abessiniendebatte im Llnterhaus.-Oer Völkerbund als Mittel der Kriegsverhütung.

London, 22. Okt. (DNB.) Das englische Unter­haus trat zu feiner letzten Sitzung vor der Auflösung zusammen. Die außenpolitische Aussprache wurde mit einer Erklärung des Außenministers Sir Sa­muel Hoare eröffnet, der u a. ausführte, daß sich die Politik Englands in der letzten Zeit nicht ge­ändert habe, sie habe die große Mehrheit des britischen Volkes hinter sich, auch die Dominions. Dies habe im Auslande Ueberraschung hervorge­rufen. Man habe, weil England sich früher gewei­gert habe, sich zu einem bestimmten Vorgehen i n angenommenen Fällen zu verpflichten, irr­tümlicherweise gemeint, daß die englische Hand­lungsweise auch in einem klaren und be» ftimmten Fall unbestimmt fein würde. Man habe nicht begriffen, daß England an den Völ­kerbund glaube als eine Einrichtung, nicht nur um den Krieg zu verhindern, sondern auch um seine Ursachen zu beseitigen. Man habe auch nicht begrif­fen, daß England den Völkerbund als die Brücke zwischen Großbritannien und Europa ansehe, und daß, falls diese Brücke geschwächt oder zerbrochen würde, die Zusammenarbeit zwischen England und dem Kontinent äußerst schwierig und gefährlich werden würde. England sei zur Zeit damit beschäftigt, die Bestimmungen der Völkerbunds­atzung auszuprobieren. Dies feien die einzi­gen Gründe für die Rolle, die Großbritannien in Genf gespielt habe. Es habe keinerlei Reichs­interesse mitgespielt, es sei denn die natür­liche Sorge, die ein über den Erdball sich er­streckendes Reich haben müsse, daß der Friede gewahrt werde. England habe auch nicht die min­deste Absicht, sich in die inneren Angelegenheiten an­derer Völker zu mischen. In Stresa sei die italie­nische Regierung über die Ansichten der briti­schen Regierung unterrichtet worden. Solange eine Versöhnung noch möglich gewesen sei, sei es die Pflicht des Völkerbundes gewesen, jede Anstren­gung zu machen, um auf friedlichem Wege eine Lö­sung herbeizuführen. Wenn die Ziele der Völker­bundssatzung erreicht werden sollten, müßten alle Mitglieder des Völkerbundes ihre Aufgabe er­füllen. Er glaube nicht, daß der wirtschaft­liche Druck, den man ins Auge gefaßt habe, un­wirksam sein werde. Aber wenn eine Aktion dieser Art wirksam sein soll, müßten die Völkerbundsmit­glieder ihren Anteil an dem Risiko, der Unbequemlichkeit und den Verlusten auf sich nehmen. Zweitens müßten alle Dolker- bundsstaaten zusammen st ehe n, um einem Angriff Widerstand z u I e i ft e n, der auf einen Staat gemacht wird, weil er die Völkerbunds­satzung verteidigt. Die französische Antwort sei völlig befriedigend. Die Franzosen leg­ten den Artikel 16 der Völkerbundssatzung genau so aus, wie die Engländer ihn auslegten. Militäri­sche Sanktionen konnten nur kollektiv angewendet werden. England habe nicht die Absicht, allein zu handeln. Im übrigen habe man in Genf die Frage der militärischen Sanktionen nicht be­sprochen. Die geplanten Maßnahmen seien nicht militärischer, sondern wirtschaftlicher Art. Niemand in diesem Hause könne glauben, daß je­mand in Europa einen Krieg wolle. Auch in den Verhandlungen mit den Franzosen sei niemals die Erwägung militärischer Maßnahmen behandelt wor­den. Der Völkerbund sei eine Einrichtung des Friedens. Daran müßten sich die Leute erinnern, die verlangten, daß England den Suez-Kanal schlie­ßen und die italienischen Seeverbindungen abschnei­den sollte. Der wirtschaftliche Druck, der jetzt beab­sichtigt sei, solle nicht so ausgedehnt werden, daß es zu einem Kriege komme. Die Atempause, in der man sich jetzt befinde, bevor der wirtschaftliche Druck angewendet werde, müsse benutzt werden, um eine Regelung zu erreichen.

Kritik der Opposition

Der Oppositionsführer A t t l e e, der an die Stelle des Sanktionsgegners Lansbury getreten ist, be­schuldigte Mussolini, daß er den Frieden gebrochen und die ganze Welt in Gefahr gebracht habe. Das Unterhaus solle sein Mitgefühl für die Opfer des italienischen Vorgehens ausdrücken für die Männer, Frauen und Kinder Abessiniens und Italiens, die in dieses Gemetzel geführt würden. Die Opposition wolle aber nicht die faschistische Regierungsform als solche angreifen, denn sie glaube nicht, daß man den Faschismus oder irgendeine andere Regierungsform durch einen Angriff von außen her zerstören könne. Die englische Regierung habe zu spät in den ita­lienisch-abessinischen Streit eingegriffen und durch ihr unentschlossenes Verhalten im japanisch-chinesi­schen Streit die Italiener zu ihrem jetzigen Vor­gehen ermutigt. England habe selbst niemals a b g e r Ü st e t und sei daher zum Teil verantwort­lich für die Wiederaufrüstung anderer Staaten wie z. B Deutschlands. Der Oppositionsführer forderte die sofortige Inkraftsetzung der wirt­schaftlichen Sühnemaßnahmen, da sonst Italien in der Zwischenzeit alles erhalten könnte, was es wünsche. (Beifall.) Die englische Regierung stehe im Verdacht, daß sie auf dem Wege über den Völker­bund ihre eigenen Interessen in Afrika verfolge. Sie möge daher eine Geste machen, daß sie nicht in Abessinien interessiert sei, in­dem sie auf alle aus früheren Verträgen entsprin­gende Vorteile verzichte. England solle Aegyp­tenf r e i g e b e n" und den Sudan durch ein Völkerbundsmandat verwalten lassen. Die Regelung des Streites dürfe keine Aufteilung Abessiniens mit sich bringen und dürfe den Abessiniern nicht aufge- zwungen werden

Der Führer der Liberalen Opposition Sir Herbert S a m u e l erklärte, daß feine Partei die wirtschaft­lichen Sühnemaßnahmen voll und ganz unter­stütze und kein, grundsätzlicher Gegner von militä­rischen Sühnemaßnahmen sei. Sie forderte eine Volke rbundsreform. Drei Viertel der W e l t seien im Besitz von neun Staaten, während die anderen 50 Nationen, darunter Deutschland, Japan und Italien, sich mit einem Viertel begnügen müßten und von der Kolonialpolitik so gut wie ausge­schlossen seien. Die Lösung müsse aber nicht auf territorialem, sondern auf wirtschaftlichem Gebiet liegen. Wenn diese Frage nicht gelöst würde, könnte Deutschland eines Tages andere unzufriedene Mächte um sich sammeln (!) und eine Forderung stellen, die nicht erfültt werden und daher zu einer Katastrophe führen könnte. Der Oppositions­liberale Mander vertrat die Ansicht, daß eine Schließung des Suezkanals die einzige Lösung zur Beendigung der Feindseligkeiten m Abessinien wäre. Frankreich wolle aber an­scheinend bei einer solchen Maßnahme nicht mit»

machen. Am Mittwochnachmittag wird Mini­sterpräsident Baldwin als erster die Gründe an» geben, die ihn veranlaßt haben, dem König die sofortige Auflösung des Unterhauses anzuraten. Der letzte Redner dürfte Minister Eden sein.

Stalen als Aachdar Englands in Afrika.

London, 22. Okt. (DNB.) Der konservative Abgeordnete Brigadegeneral Nation, der Mili­tärattache in Rom war und Italienisch-Ostafrika und Abessinien bereift hat, sagte in einem Vortrag in London, wie auch der jetzige Krieg ende, es sei kaum zu bezweifeln, daß Italien bei seinem Ab­schluß einen sehr großen Teil Abessi­

niens beherrschen werde. Wenn Italien die militärische Kontrolle über Abessinien erlange, werde d i e Lage Englands sehr ernst sein. Zum erstenmal würde es eine gemeinsame Grenze von 3000 Kilometer Länge mit einer europäischen Großmacht haben, die eine riesige Armee, Flottenstützpunkte und eine unge­heure Luftstreitmacht besitze. Hierzu komme noch eine Grenze von ungefähr 1000 Kilometer Länge in Aegypten. Entweder müsse das Britische Reich sich selbst schützen und eine Flotte, eine Luft, macht und ein Landheer von der doppelte» Stärke besitzen wie jedes andere Land. Angesicht; der damit verbundenen Kosten werde aber wohl der andere Weg gewählt werden, der in der Fort­setzung der Zusammenarbeit mit an­deren Nation en bestehe.

Was sagt man in Paris uni) Rom?

Oie Völkerbundsbrücke.

Französische Sorgen.

Paris, 23. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die fran­zösische Presse ist zufrieden, daß England von mili­tärischen Sühnemaßnahmen überhaupt und bei wirtschaftlichen und finanziellen Sühnemaßnahmen von einem selbständigen Vorgehen außerhalb des Völkerbundes abrückt.Echo de Paris" wirft aber die Frage auf, was Sir Samuel Hoare tun werde, wenn sich die wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen als unwirksam Herausstellen.

DasOeuvre" findet den Ton der Rede gegen Frankreich ziemlich streng Das begreife man, wenn man bedenke, daß die englische Flotte auf jede Be­tätigung im Mittelmeer habe verzichten und die englische Regierung ihre Haltung im italienisch- abessinischen Streit habe ändern müssen, weil Frankreich Großbritannien die Benutzung sei­ner Flottenstützpunkte Toulon und Bizerta verweigert habe. Enaland habe seine Politik der Anwesenheit in Europa nur auf den Völkerbund gegründet und die öffentliche Meinung unermüdlich methodisch darauf vorbereitet. Gerade als diese englische öffentliche Meinung die Dölkerbundsmystik bejahte, sei der Streit ausgebrochen. Wenn Mussolini über diese psychologischen Wirklichkeiten unterrichtet gewesen märe, würde er wohl anders vorgegangen fein, denn Italien sei, wie jedes andere Land, an der tätigen und vorbeugenden Anwesenheit Englands in Europa interessiert.

DerQuotidien" sagt: Wenn die Dölkerbunds- brücke zwischen England und dem europäischen Fest­land breche, werde jede Zusammenarbeit zwischen England und Europa schwierig. England habe durch seine hingestteckte Hand guten Willen gezeigt, hof­

fentlich werde Mussolini im Rahmen des Möglichen seinerseits guten Willen beweisen; dann brauch man an einer Regelung nicht zu zweifeln, die in Italien und England fein Gefühl der Bitterkeit hinterlassen werde. Frankreich dürfe es nicht dazu kommen lassen, das England sich vom Völkerbund loslöst und Deutschland den Wettlauf um bit britische Freundschaft gewinnt.

F i g a r o" sieht den wichtigsten Punkt der Rebe in dem Bekenntnis zur Kollektivaktion unter Ausschluß jeden vereinzelten Vorgehens. England' habe feit Kriegsende Frankreich und Deutschland als zwei böse Buben betrachtet, die es daran hin­derten, in Ruhe den Frieden zu genießen.

Vefttedisunst in Stallen.

Mailand, 23. Oft. (DNB. Funkspruch.) Die Rede des britischen Außenministers wird zum Teil mit Befriedigung ausgenommen, vor allem soweit sie sich auf Die erneute Anerkennung des Rechtes der italienischen Ausdehnung und die Versicherun­gen bezieht und erklärt, daß England niemoh militärische Sühnemaßnahmen erörtert habe. Die TurinerStomp a" schreibt, die Ereignisse, die sich seit drei Wochen in Ostafrika abspielen, müßten auch einem Blinden zeigen, daß der Vormarsch her Italiener ein wirklicher Marschdes Fort­schritts und der Z i v i l i s a t i o n sei. Um weiter zu kommen sei es empfehlenswert, daß die verantwortlichen Organe der britischen Polittk auf» hären, die der Kriegsraserei, der Barbarei und bet Sklaverei ergebenen abessinischen Lehensherren zu preisen oder zu belohnen. Es würde genügen, wenn die englischen Minister eine von Gerechtigkeitssinn und Verständnis für die italienischen Ausdehnungs­bedürfnisse getragene Politik einschlagen mürben.

Sie Kriegslage in Ostafrika.

In den ersten Tagen des abessinischen Krieges war es selbst für den Fachmann schwierig, sich ein klares und einwandfreies Bild von den Vorgängen an der Front zu machen. Der schnelle Vormarsch der Italiener in Nord-Abessinien führte dazu, daß die Berichterstatter, denen auf beiden Seiten die Verfol­gung der Kämpfe aus unmittelbarer Nähe nicht gestattet wurde, und die deshalb auch nur Berichte aus zweiter Hand verbreiten konnten, ihren Zeitun­gen in der Heimat nur eine sehr unzuverlässige Schilderung des Kriegsschauplatzes übergeben konn­ten. Seitdem aber die erste Angriffswelle der italie­nischen Expeditionsarmee ihr Ziel erreicht hat, seit­dem Aksum, die Heilige Stadt erobert worden ist, ist ein allgemeiner Stillstand der militärischen Operationen eingetreten, so daß sich nunmehr ein zuverlässiger Ueberblick über die gegnerischen Po­sitionen gewinnen läßt. Die militärische Lage wird sowohl von abessinischer als auch von italienischer Seite einigermaßen übereinstimmend geschildert, wo­hingegen das Urteil über Die politischen Bewegun­gen auf dem Kriegsschauplatz naturgemäß noch sehr verschiedenartig ausfällt. Die Kriegslage ist in kur­zen Zügen etwa folgende:.

Die von General de Bono befehligten italieni­schen Truppen, die den Vormarsch von Ery- t h r ä a aus angetreten haben, befinden sich auf der Linie der drei eroberten Städte Adigat Adua Aksum. Der rechte Flügel dieser Stel­lung ist gegen die erythräische Grenze nach Nord­westen zurückgelehnt, während der linke Flügel etwas nach Osten vorgeschoben wird, um die un­schlüssigen Eingeborenen-Stämme in der Provinz Agame zum Abfall vom Negus zu bewegen. Im übrigen ist die militärische Leitung auf diesen Frontabschnitt eifrig damit beschäftigt, d i e Stel­lung mit allen technischen Mitteln der Neuzeit auszubauen und vor allem die nötigen Nachschubwege von Erythräa zu schaffen. Man rechnet mit einer mehrwöchigen Dauer dieser Ar­beiten. Es kann also noch längere Zeit vergehen, bis ein neuer italienischer Vorstoß in Nordabessinien unternommen wird. Dieses schrittweise, aber sichere Vorgehen zeugt einerseits von den Schwierigkeiten, die ein Kolonialkrieg in Abessinien in besonders hohem Maße mit sich bringt, andererseits aber auch oon der klugen Ueberlegung, mit der die italienische Führung zu Werke geht. Denn es sind sich alle mi­litärischen Fachleute darüber einig, daß die Methode derHusarenritte" auf diesem schwierigsten Kriegs­gelände der Wett nicht die geringste Aussicht auf einen dauerhaften Erfolg bietet.

Dieselbe Taktik der langsamen militärischen Durch­dringung wendet auch die italienische Armee an, die unter dem Befehl des Generals Graziani vom Somaliland her in Südabessinien ein­marschiert ist. Unter reichlicher Verwendung von Tanks und Flugzeugen rücken die Truppen Schritt für Schritt in Die Wüste von Ogaden vor und _ suchen sich dort in den Besitz der wenigen Wasserlöcher zu setzen, von deren Beherrschung Er­folg ober Mißerfolg des ganzen Feldzuges im Süden abhängt. Die Somali-Front verläuft in ihrem wichtigsten Teile noch immer auf der Linie oon Ual-Ual über Oerlogubi in die Nähe von Gorrahei, das jedoch noch im Besitze der Abes­sinier ist. Um diese nach Westen vorragende Flanke nicht der Gefahr einer abessinischen Umgehungs» aftion auszusetzen, wurde in den letzten Tagen ein Entlastungsmanöver oorgenommen, das in der Erstürmung des Forts Dagnerei am Flusse Schebeli gipfelte. Die Italiener Huben damit einen

wichtigen Stützpunkt eingenommen, der es ihnen wahrscheinlich gestatten wird, im Tale des Webi Schebeli in das Innere des Landes vorzubrinpc/r.

Don der rechten Flanke der Somali-Front, die sich an die Grenze von Britisch-Somattland an« lehnt, sind neuere Nachrichten nicht zu verzeichnen. Die Sensationsmeldung, daß sich diese östliche Flügelgruppe Grazianis bereits bis auf 100 Kilo­meter an Horror herongeorbeitet Hobe und daß sie oon abessinischen Streitkräften im Rücken be­droht werde, scheint sicb nicht zu beftätigen. Bei dem unzweifelhaften Geschick, das die Italiener bei ihren bisherigen Aktionen in Abessinien bewiesen Haden, ist ein solcher waghalsiger Vorstoß nach Horror auch kaum denkbar.

Die Berichte, die von dem dritten Kriegsschau­platz im Winkel von Eritrea und Fran- zosifch-Somaliland einlaufen, sind sch spärlich und widerspruchsvoll. Es kann daher auq von hier aus nicht beurteilt werden, ob sich da; vielbesprochene Bergmasstv des M u s s a A l i gegen­wärtig in den Händen der Abessinier ober bet Italiener befinbet. Mit größeren Aktionen von strategischer Wichtigkeit ist auf biefer Front wohl zunächst nicht zu rechnen.

Der Aufmarsch der abessinischen Heere geht seinem Abschluß entgegen. Nun fini auch bie Truppen aus der Südwest ecke von Abessinien in Addis Abeba eingetroffen. Am Diens­tag kam der Gouverneur von M a d f ch i Ras Oe- tatu mit 30 000 Mann von der Grenze am englisch- ägyptischen Sudan in Addis Abeba an, nachdcni kurz vorher die Truppen des Gouverneurs von Gofa Dedjas Abeba nach der Front abgerihfi waren. Man erwartet noch die Truppen des Gou­verneurs von W o 11 e g a Bidwoded Mokan Rens die 35 000 Mann zählen. Damit wäre die allgemein Mobilmachung beendet und 1100000 Mont ständen gefechtsbereit unter den Waffen. Df Beschluß des Kaisers, in den nächsten Tagen ebe» falls zur Front abzureisen, deutet darauf hin, das man in Addis Abeba nicht gewillt ist, auch weiter­hin vor den italienischen Heeren zurückzuweichen. Eine Voraussage, ob es überhaupt zu einer großen Entscheidungsschlacht kommt, die den ganzen Kriej in dem einen oder anderen Sinne beenden tonnte, ober ob ber Felbzug aus einer Summe von unzäh­ligen kleinen Einzelgefechten bestehen wirb, läßt natürlich noch nicht machen. Die Wahrscheinlichkei! spricht aber dafür, baß bie Erwartung ber Zei' tungslefer auf große sensationelle Schlachtberich'- enttäuscht werben wirb. Denn ber Kleinkrieg ist Trumpf in Abessinien.

Der italienische Generalstabschts in Adua

Rom, 22. Okt. (DNB.) Marschall Babogli° ist in Begleitung oon Staatssekretär L e s s o n a vom Kolonialministerium in Abua eingetroffen und feierlich empfangen worben. Bei einem Rapport ber Offiziere würdigte Marschall Baboglio bie moralische unb geschichtliche Bebeutung, bie in den Augen ber Welt bie Rückeroberung von Abua ZU' komme. Am Dienstagabenb fanb in Abua bie e r ft e Kinovorstellung statt, bei ber in Anwesenheit vieler Eingeborener Filme aus dem fafdH* st i s ch e n Italien aufgeführt wurden, die Auf­nahmen von den Heeresmanövern unb verschiedenen faschistischen Veranstaltungen ber letzten Zett. D» Tonfilme finb in ber Sprache ber Bewoh' ner ber Provinz Tigre synchronisiert.

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