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ttr.222 Drittes Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Montag, 25. September 1955

Das,/Kest der Deutschen Schule" in Gießen.

§ür die Gache des Auslandsdeuischiums. Die Gießener Schuljugend wirbt. Kundgebung auf dem Brandplatz.

In aller Stille, unbemerkt von der Oeffentlichkeit, oft nur der Elternschaft in fragmentarischen Umris­sen bekannt, wurden in den vergangenen Tagen in allen hiesigen Schulen mehr oder weniger umfang­reiche Vorbereitungen für den Tag des Auslands­deutschtums, für dasFest der Deutschen Schule" betrieben. Die Jugend beteiligte sich mit großem Eifer und besten Kräften am Werke. Es galt, Schil­der zu malen, Transparentbändtzf anzufertigen, bildliche und graphische Darstellungen zu zeichnen, um der Bevölkerung auch in unserer Stadt die un­geheure Bedeutung des Auslandsdeutschtums für die Gesamtheit des ganzen deutschen Volkes erken­nen zu lassen. Der verfolgte Zweck wurde sicherlich erreicht. Die Lehrkörper der Schulen trugen meist )ie Initiative, Schülerinnen und Schüler ordneten iid) gerne und freudig dem Werk unter in dem Be­wußtsein dessen, daß der deutschen Volksgemein- ichaft ein Dienst geleistet wird. Alle Vorbereitungen mußten, das liegt in der Natur der Sache, so ge­soffen werden, daß möglichst überhaupt Seine UnEoften entstanden. Das gelang denn auch. Da eine Sammlung an diesem Tage des Auslandsdeutschtums im Zuge der gegebenen Richt­linien nicht durchgeführt werden durfte, mußte alles ms eigener Kraft geschaffen werden. Es galt, in rinem eindrucksvollen Werbeumzug für die aus- landsdeutfche Sache zu werben.

Oer grohe Iestzug.

Das Fest der Deutschen Schule brachte am gestrigen Sonntag den großen Umzug, an dem sich nahezu 4000 Gießener Schulkinder be­teiligten.

Die Aufstellung geschah in den Straßen der Um­gebung der Universitätsbibliothek. In Hellen Haufen narschierten die Jungens und Mädels nach dem Sammelplatz. Rasch war der Festzug geordnet, so !> er sich pünktlich in Bewegung setzen konnte. Die

bundes für das Deutschtum im Auslande mitge­führt, zahlreiche VDA.-Wimpel, zum Teil mit vielen Bändern von Fahrten und Tagungen des VDA. geschmückt, belebten das Bild Selbstverständlich brachten auch die Hitler-Jugend und das Jungvolk Fahnen und Wimpel mit. Während die Jungens der verschiedenen Schulen in immer wieder anderer Form der auslandsdeutschen Idee Ausdruck ver­liehen, wurde gleichzeitig auch ein sehr aufschluß­reiches Zahlenmaterial vorgetragen.

Auf vielen Tafeln wurde gezeigt, in welchen Länder sich deutsche Menschen und wieviele Deutsche sich in ihnen aufhalten.

Diese Tafeln und Schilder gaben folgenden hoch­interessanten Ueberblick:

Danzig 360 000 Deutsche, Litauen und Memel­land 130 OOO, Polen 1 350 OOO, Elsaß-Lothringen 1600 000, Estland 300 000, Lettland 75 000, Schweiz 2 800 000, Ungarn 600 000, Luxemburg 250 OOO, Rußland 1000 000, Rumänien 800 000, Belgien 60 000, Dänemark 60 000, Italien 300 000, Deutsch-Oesterreich 6 300 000, Australien 160 000, Afrika 125 000, Nordamerika 12 000 000, Süd- und Mittelamerika 800 000 Deutsche usw.

Die Mädchen trugen ihrer Art entsprechend zur Verschönerung des Werbeumzuges bei. Aus vielen schönen Herbstblumen und frischem Grün waren lange Girlanden gewunden worden, viele Kränze mit bunten Bändern wurden auf Stangen mitge- tragen. Die Kornblume des VDA. hatte eine viel- fettige und immer geschmackvolle Verwendung ge­funden, viele der Mädchen trugen kleine Blumen­kränzchen im Haar, so daß sich den zahlreichen Zu­schauern ein überaus freundliches Bild bot. Mit viel Freude hörte man die feine Musik der Mädchen des Lyzeums, die mit Schifferklavier und Blockflöten Rhythmus in die Reihen brachten. Selbstverständlich wurden unterwegs viele Lieder gesungen. Ausneh­mend gut gefiel eine Trachtengruppe.

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Mit großer Begeisterung und Freude waren die Mädchen bei der Sache.

Bevölkerung unserer Stadt brachte dem Werbe- imzug alle Aufmerksamkeit entgegen. Die Stra­hn waren zum Teil dicht umsäumt.

Der vorgesehene lange Marsch führte durch fol- j-nde Straßen: Bismarckstraße, Ludwigstraße,

lioetheftraße, Hindenburgwall, Seltersweg, Neuen- Irseg, Gartenstraße, Ludwigsplatz, Kaiserallee,

Aollkestraße, Hitlerwall, Wernerwall, Horst- Uessel-Wall, Bahnhofstraße, Kaplansgasse, Kreuz­paß, Sonnenstraße, Kanzleiberg zum Brand­satz. Der Festzug selbst bot ein abwechslungs- riiches Bild. Die Hitler-Jugend und das Jungvolk marschierten mit ihrem Spielmanns- z g voraus, die Politischen Leiter folgten, der Ar- biitsdienst nahm mit einer starken Abordnung teil, 2DM. und Jungmädels marschierten in schöner Disziplin mit, die Lehrkörper der Schulen traten geschlossen auf, soweit nicht Lehrkräfte die Klassen unmittelbar begleiteten. Dann folgten Schülerinnen u-id Schüler der sämtlichen Gießener Volksschulen, da Höheren Schulen, der Privat- und der Berufs- inulen mit Ausnahme der Grundschulklassen, die a dem über einstündigem Marsche noch nicht teil- nlhmen sollten. Neben der großen Fahne des Drit­tln Reichs wurde die dunkelblaue Fahne des Volks­

D i e Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Gießen begleitete den Festzug mit nicht weniger denn 60 Helfern und 16 Helferinnen. Glücklicherweise brauchten die Mannschaften nur in einigen unbedeutenden Fällen einzugreifen.

Volksdeutsche Kundgebung

Pünktlich zur vorgesehenen Zeit kam der große Festzug auf dem Brandplatz an, auf dem sich bereits viele Volksgenossen eingesunden hatten. Die Kund­gebung wurde mit einem gesungenen Gruß an die Ausländsdeutschen eröffnet. Der Chor der Goethe- schule sang sodann das Lied:Deutschland, heil'ger Name", das der Stunde die rechte Weihe gab. Dann hielt

Kreisschulrat Nebeling

eine Ansprache, der wir folgendes entnehmen:

Volk ist die Gemeinschaft von Menschen, die zu­sammengekettet sind durch die gemeinsame Geschichte, durch gemeinsame Aufgaben und Nöte, gleiches Schicksal und gleiche Sprache, durch das gleiche Blut. Volk ist lebendiges Leben, das sich aus eige­nem Schoße immer wieder erneuert, immer neues

Die oberhessische Trachtengruppe im Festzug zumFest der deutschen Schule'

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Viele Blumenkränze, mit bunten Bändern geschmückt, beleben das freundliche Bild des Werbeumzuges.

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Leben schafft und seinen Lebensraum erfüllt. Der Lebensraum hat seine Grenzen in denen des Staates und des Reiches, die von Menschen ge­zogen worden sind, vielleicht diktiert sind. Der Staat stellt eine Form dar, die vom Volke mit Leben er­füllt werden muß. Die Grenzen eines Staates kön­nen Gebirge, Flüsse, Ströme, Meere sein. Grenzen können aber auch gezogen sein von Diplomaten ober von Siegern, die die Besiegten zwangen.

Meist sind die Grenzen entsprechend dem Volke gezogen.

Deutschlands Leben aber flieh immer hart an feine Grenzen und deutsches Volkstum flutete immer hinaus in die benachbarten Länder und Kontinente. Immer stieß dabei das deutsche Volkstum auf fremdes Volkstum, auf fremde Sprachen und auf fremdes Blut Ueberall ent­brannte dann der Kampf um die Erhaltung des deutschen Volkstums.

Der Kampf tobte und tobt im Süden, im Osten, im Westen und im Norden. Man braucht nur an die Brüder in Deutsch-Oesterreich und im Memel­land zu denken, die einem harten Terror überant­wortet sind. Immer sei auch in den anderen Län­dern der Versuch gemacht worden, aus den Deut­schen Franzosen, Italiener, Tschechen usw. zu machen. Deutsche Kinder sollen fremde Sprachen lernen, sollten kein deutsches Buch mehr lesen dür­fen, sich nicht zu ihrem Deutschtum bekennen dür­fen, sollten ihre Muttersprache nicht mehr reden dürfen. Ja, sie sollten die Gedanken jener fremden Völker denken. Aber alle diese Versuche scheiterten und werden auch weiterhin scheitern, wenn wir im Reich in fester und starker Front hinter den Aus­ländsdeutschen stehen, denn wir wollen nicht, daß sie jemals ihr deutsches Volkstum preisgeben. So wie eine Mutter, so kann auch ein Volk feine Kin­der nie vergessen. Niemals dürfen wir den deut­schen Bruder, die deutsche Schwester im Ausland vergessen. Es müssen ihnen Schulen gebaut werden, und es muß ihnen Gelegenheit geschaffen werden, die deutsche Geschichte, die deutsche Literatur und Kunst kennenzulernen und in sich aufzunehmen. Sitte und Brauch sollen ihnen erhalten werden.

Den jungen deutschen Menschen im Ausland soll auch die Möglichkeit gegeben sein, einmal heimzukehren in das Vaterland, daß sie ihre deutsche Heimat kennenlernen und Fühlung nehmen mit ihren Stammesgenofsen, die an sie denken, wie sie an uns.

Sie sollen auch ein rechtes Bild bekommen vom neuen Deutschland, das ihnen die jüdische Lügen­presse vorenthält.

Wir vom Volksbund, so fuhr der Redner fort, müssen in diesem Werk stehen, seitdem uns der Füh­rer in das Deutschbewußtsein geführt hat und in die Weite unseres Blutes. Noch hat der Führer nicht die Möglichkeit zu helfen, wo er gerne helfen möchte. Der sehnlichste Wunsch der Ausländsdeut­schen, heimzukehren in das Reich, kann noch nicht erfüllt werden. Sie leiden alle unter brutalem I Druck. Aber in ihnen ist ein fanatischer Freiheitswille I

wach geworden. Auf dem Reichsparteitag in Nürn­berg hat man den unbändigen Willen zum Deutsch­tum neu erkannt. Auch die Partei kann noch nicht über die Grenzen helfen, denn sie muß den Staat sichern. Aber dafür ist nun der Volksbund da, der sich für die Ausländsdeutschen einsetzen muß. Er muß dafür sorgen, daß alle Deutschen jenseits der Grenze Deutsche bleiben. Deshalb wird die Schul­gemeinschaft und das Opfer gefordert, daß die Aus­ländsdeutschen deutsch bleiben können.

Du deutsche Iugend, so rief der Redner aus, du vollendest das Werk, das wir begonnen

Kreisschulrat Nebeling während seiner Ansprache. (Aufnahmen [5j: Photo-Pfaff.)

haben. Es darf nicht geruht und nicht gerastet werden, bis das Reich aller Deutschen gebaut ist.

Du deutsche Jugend sollst den kommenden Gene­rationen melden, was wir geschaffen haben, sollst melden, daß wir einig sind, hier im Reich mit denen im Grenzland!

Die deutsche Jugend soll, so schloß Kreisschulrat Nebeling, rufen:

Nie wieder Knechtschaft, nie wieder Fronen, Frei bleibt das Volk der hundert Millionen.

Nachdem der Chor des Lyzeums noch das Lied: Heilig Vaterland" gesungen hatte, nachdem Kreis­schulrat Nebeling noch ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer ausgebracht hatte (die Jugend s immte begeistert ein) und gemeinsam der erste Vers Des Horst-Wessel-Liedes gesungen worden war, fand die Kundgebung ihren Abschluß.

Das Orchester des Lyzeums im Zuge unterwegs.

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