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Noch immer keine Spur von -en verschütteten Arbeitern in Berlin. Oie Aussagen -er Verletzten.-Drei Schachte werden vorgetrieben.

Die Lage an der Llnglüüsstelle.

Berlin, 22. Aug. (DNB.) lieber die Lage im Augenblick des E i n st u r z u n g l ü ck s in der Her­mann-Göring-Straße wird nach den eindeutigen Aussag en von Verletzten, soweit ihnen der Vorgang in der Erinnerung haften geblieben ist, folgendes bekannt: An der Nordecke der Ein­bruchsstelle arbeiteten Zimmermanntrupps. In der Mitte standen zwei Loren mit Bedienungsmann­schaften. Am anderen Ende weilte der Schacht­meister. Nach diesen Angaben ist das Vorgehen der Bergleute bei ihrer Rettungsarbeit eingerichtet worden. Mit bewunderungswertem Schneid sind sie an den bezeichneten Stellen in den Schacht hinab- aegangen und haben dort fast die gesamte Sohlen­lange, soweit sie hohl lag, durchsuchen können. Ihre Nachforschungen sind allerdings, wie bekannt, e r ° g e b n i s l o s geblieben.

Die Rammarbeiten an der zur Sicherung gegen nach stürzende Erdmassen be­stimmten Spundwand mußten am Mittwoch vor­übergehend eingestellt werden, um Erschütterungen zu vermeiden und so zu verhindern, daß weitere Sandmassen nachstürzten. An beiden Enden der Einbruchsstellen sind die einzelnen Bauteile so zu­sammengekettet, daß sie erst gesichert werden muß­ten, um, wie z. B. bei der Hebung des Krans, wei­tere Nachstürze des Erdreiches zu verhindern. Die Sicherungen sind inzwischen durchgeführt worden, so daß mit dem planmäßigen Ausschach­ten begonnen werden konnte, das offenbar das einzige Mittel ist, um an die Verunglückten heran­zukommen. Es werden drei Schächte in die Tiefe getrieben. Vom nördlichen Schacht aus will man dann einen Querschacht gleichlaufend zur Bahnstrecke anlegen, da man annimmt, daß auch hier einige Arbeiter auf bei Flucht vor den her - ein stürzenden Sandmassen begraben wurden. Von dem etwa 10 Meter südlich gelegenen senkrechten Schacht wird man, wenn der Kran ab= ywntiert ist, eine zweite Strecke nach Süden vor­treiben, da die Aussagen der in der Charite lie­genden Verletzten die Ansicht bestärken, daß sich auch in diesem Teil in der Nähe des eingestürzten Krans fünf Arbeiter aufhielten.

Im Laufe des Vormittags find zwei Loren her­ausgezogen worden. Die Annahme, daß sich in ihrer Nähe ein Teil der Verschütteten aufgehalten habe und nun dort zu finden sei, hat sich jedoch nicht bestätigt. Man stellte aber an der Fundstelle der Loren fest, daß sich hier verschiedene Hohlräume in dem Gewirr der eingebrochenen Träger und Balken befinden. Man hat deshalb sofort einen dritten Schacht in Angriff genommen. Zur Zeit sind dauernd je eine Kompanie der Küstriner Pioniere und des Wachregiments Berlin an der Unglücksstelle tätig, daneben die Spezialrettungs­arbeiter, die vielen Arbeiter der Berliner Privat­firmen, sowie zahlreiche Feuerwehrmänner.

Langsame Fortschritte der Bergungs­arbeiten.

Der dritte Abend ist über die Unglücksstätte her­eingebrochen. Die eingesetzten Bergleute haben unter fortdauernden Schwierigkeiten in Zu­sammenarbeit mit den Pionieren ihre Schächte um 23 Meter vertiefen können; das seitliche Vor­treiben eines Stollens war jedoch durch die mäch­tigeneisernen Trümmer, die in unend­lich mühseliger Arbeit beseitigt werden müssen, nur in geringem Maße möglich.

Es wird damit gerechnet, daß noch im Laufe der Nacht mit Hilfe eines Kranes die ungeheuer schweren Eisenteile des herabgestürzten Greifbag­gers geborgen und nach der Entfernung des Greif­baggers die Hohlräume erreicht werden, die von einem Sachverständigen der Technischen Hoch­schule hier vermutet werden.

Die StiftungOpfer der Arbeit" spendet 30000 NM.

Die StiftungOpfer der Arbeit" hat einen B e - trag oon 30 000 Mark für die Angehörigen der Vermißten beim Bauunglück in der fiermamv Goring-Straße zur Verfügung gestellt. Die Stiftung

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Auf Veranlassung des Reichsministers Dr. Goebbels waren aus dem Ruhrgebiet Spezialbergleute zu den Rettungsarbeiten nach Berlin berufen worden. Jetzt arbeiten die Ruhrkumpels Hand in Hand mit Pionieren und Rettungsmannschaften an der Bergung der Opfer in der Hermann-Göring-Straße. Man sieht sie hier beim Bau eines Stollens, der bergmännisch angelegt wird. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Opfer der Arbeit" wird außerdem in dem Aus­schuß vertreten sein, der die Betreuung der An­gehörigen der Opfer dieses Unglücks übernommen hat.

Am Donnerstagmorgen erhielt Reichsminister Dr. Goebbels folgendes Telegramm:KdF.-Urlauber Gau Pfalz-Saar und Badeoerwaltung des Ostsee­bades Heiligenhafen übersenden Ihnen 200 Mark für die Hinterbliebenen der verunglückten Berliner Arbeitskameraden beim Bau der Nord-Süd-Bahn. Heil Hitler!KdF.-Urlauber im Ostseebad Heiligen­hafen."

Dr. Goebbels übermittelte den Angehörigen der Arbeitsfront telegraphisch seinen Dank für ihre Opferbereitschaft, die ein beredtes Zeugnis für den nationalsozialistischen Gemeinschaftsgeist des deut­schen Arbeitertums ablegt.

OeneralleutnantOaluege mit derOber- leitung an der ttngiücksstelle betraut.

Am späten Abend des Donnerstags suchte Reichs­minister Dr. Goebbels nochmals die Unglücks­stelle auf und ließ sich über den Stand der Arbeiten eingehend berichten, ebenso der Befehlshaber der deutschen Polizei, Generalleutnant D a l u e g e, so­wie der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn­gesellschaft Dr. Dorpmüller. Der Reichsmini- fter des Innern Dr. Frick hat den Generalleut­nant D a l u e g e mit der Oberleitung und der Auf­rechterhaltung der Ordnung an der Unglücksstelle der Nord-Süd-Bahn in der Hermann-Göring- Straße beauftragt. Um den Fortschritt der Ber­gungsarbeiten mit allen technischen Mitteln unter vollster Wahrung der Sicherheit der an die Un­glücksstelle anschließenden Bauabschnitte sicherzustel­len, hat der Generaldirektor der Deutschen Reichs­bahn, Dr.-Jng. Dorpmüller, im Einverneh­

men mit Generalleutnant Daluege zu seinem Son­derbeauftragten für die technische Leitung der Ber­gungsarbeiten und für die Sicherung der anschlie­ßenden Bauabschnitte den Reichsbahndirektor Ge­heimen Baurat Dr.-Jng. h. c. Dr. techn. h. c. Scha­per bestellt. Solange die Verschütteten nicht ge­borgen sind, werden nach wie vor alle anderen Ar­beiten zurückgestellt.

Büchertisch.

80 Jahre Westermanns Monatshefte!

Als der Braunschweiger Verlagsbuchhändler George Westermann 1856Westermanns Illustrierte Deutsche Monatshefte" ins Leben rief, stellte er sich und der Zeitschrift die Ausgabe,Öen Mangel eines größeren Zentralorgans für die nach Volks­tümlichkeit ringende Bildung" zu beseitigen,die Wissenschaft lebendig zu machen und sie ins Leben zu tragen" undden Gegensatz zwischen künstlicher und volkstümlicher Bildung auszugleichen". Diese Idee, die George Westermann unter der Parole mit meiner Zeit, aber zugleich über meine Zeit hinaus und empor" zu verwirklichen begann, gab denMonatsheften" einen starken Auftrieb. Die Zeitschrift, die George Westermann nach dem Vor­bilde der amerikanischen MonatsschriftHarpers Monthly" gegründet hatte, verband sich mit den wertvollsten Geistern ihrer Zeit. Friedrich Hebbel lieferte ihr zwei Reihen oon Epigrammen und das FragmentDie Werbung" aus seinenNibelun­gen". Von Wilhelm Raabe, der zeit seines Lebens einer der eifrigsten Mitarbeiter von Westermanns Monatsheften war, erschienen insgesamt 31 Werke. Im Oktoberheft 1857 ist bereits Joseph Victor Scheffel mit seiner NovelleHugideo^ vertreten. Theodor Storm verdankten die Monatshefte 15

Novellen, darunterVon jenseits des Meeres" und Zur Chronik von Grieshuus". Paul Heyse, dessen Mitarbeit 1861 begann, steuerte 21 Romane und Novellen bei. Mit und nach ihnen erscheinen Raabes Freund Wilhelm Jensen, der Märchendichter H. C. Andersen, Hoffmann oon Fallersleben, Theodor Fontane, Emmanuel Geibel, Peter Rosegger, Richard Voß, Ernst oon Wildenbruch, Klaus Groth und viele andere. Von den Männern der Wissen­schaft glänzen vor allem die Gelehrten, die König Maximilian oon Bayern in München versammelt hatte. Neben der Belletristik, der Naturwissenschaft, der Kunst und Literatur werden sogenannteKorre- spondenzen" gepflegt, die nicht nur aus deutschen Städten, sondern auch aus Wien, Bozen, Pest, Bern, Paris, Neuyork, ja sogar aus Hongkong Wissenswertes undBildendes" berichten. Ständig haben die Monatshefte sich verjüngt aus der Zeit, deren Ausdruck und zugleich Zukunftswille sie oaren. Das Bekenntnis zum Deutschtum als Idee und Verpflichtung war ihnen immer ein neues Gebot, die Kräfte der Gegenwart in sich zu sam­meln, zu gestalten und der Zukunft entgegenzu­führen.

Richard Benz: Bachs Passion, die nordische Tragödie. Reclams Universal- Bibliothek Nr. 7310. Geheftet 35 Pf., geb. 75 Pf., Ganzleinen 1 Mark. (168) Richard Benz un­ternimmt in diesem Buch eine Deutung der Bach- schen Passionen, die zu den Wesensgründen der ger­manischen Seele führt. Er erkennt in ihnen die nor­dische Tragödie verwirklicht als das einzig voll­kommene Gegenstück zu der großen griechischen Tragödie, wie sie Nietzsche in seinem genialen Erst­lingswerk gedeutet, er schöpft ihren unendlichen Ge- halt als religiöses Mysterium aus und stellt sie als Mittel- und Höhepunkt in den gewaltigen geistigen Raum zwischen deutscher Gotik und einer neuen Göttlichkeit. Heber eine bloßeErläuterung" hin­aus wächst damit das Werk zu einer tiefdringenden Schau über die höchsten Kräfte der deutschen Seele, die in Bachs Passionen ihren Gipfelpunkt erreicht haben.

Io van Ammers-Küller. Maske« r a d e. Roman. Buchausstattung Hans Meid, Ber­lin. 312 Seiten. Wohlfeile Ausgabe. Carl Schüne­mann, Verlag, Bremen. (146) In der Vater­stadt der Dichterin, im alten bezaubernden Delft, spielt dieser Roman. Jo van Ammers-Küller wird viele eigene Erlebnisse in ihm ausgedrückt haben. Denn das intelligente kleine Mädchen, das mit allen Sehnsüchten dem Leben entgegenreift und doch zwi­schen sich und dem Leben soviel Schranken der Kon­vention aufgerichtet sieht, muß sich auf vielen Wegen und Irrwegen zur inneren Freiheit durchkämpfen. Man spürt den Herzschlag der Dichterin in den Lie­beserlebnissen, jener ersten, rein geistigen Begeg­nung, mit dem reiferen Mann, in der sinnendurch­glühten Beziehung mit dem ewigen Studenten und der gedämpften, von leiser Resignation überschatte­ten Ehe. Aber auch die Umwelt, die holländische Kleinstadt, das Leben der Studenten mit Mummen­schanz und Festen ist erlebt.

Wetterbericht

des Reichsweiterdienskes. Ansgabeort Frankfurt

Von Westen her haben Tiefdruckstörungen ihren Einfluß von Südengland vorgetrieben und in diesen Gebieten nach der starken Erwärmung der letzten Tage allgemein, und zwar vielfach gewittrige Re- gentätigfeit ausgelöst. In Deutschland ist zur Zeit die noch trockene Festlandluft bestimmend. Die Tief­druckstörungen werden sich voraussichtlich langsam von Frankreich her weiter ost- und nordostwärts entwickeln und auch bei uns Einfluß gewinnen.

Aussichten für Samstag: Aufkommende stärkere Bewölkung mit Neigung zu gewittrigen Niederschlägen, warm und schwül.

Aussichten für Sonntag: Vielfach be­wölkt und bei westlichen Winden leichte Abkühlung, Neigung zu einzelnen Schauern.

Hauptschristleiter: Dr Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr Friedrich W Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VII. 35: 9945. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckeret

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