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sie für die gesamteuropäische Situation darstellen mußten. Der russisch-französische und der russisch­tschechische Pakt, so hieß es in Paris, würden ein zusätzliches Element der europäischen Sicherheit dar­stellen. Wer wußte, daß er der französischen Politik nur darum zu tun war, das schwankende Gebäude des Versailler Unfriedens um jeden Prets zu stützen, konnte sich darüber nicht wundern. Umsomehr aller­dings mußte die Zustimmung Englands zu einem Experiment Verwunderung erregen, das darauf hinauslief, mit dem Bolschewismus außen­politisch zu paktieren und ihn innenpolitisch zu be­kämpfen.

Inzwischen hat die Komintern dafür gesorgt, daß die Dinge auch für Außenstehende ins richtige Licht gerückt wurden. Es mußte in Paris zweifellos schon peinlich wirken, daß die Komintern aus­gerechnet in Frankreich und in der Tschechoslowakei dierevolutionäre Situation" als besonders günstig bezeichnete, so günstig, daß bereits von der Möglich­keit der Machtübernahme des Kommunismus bzw. von seiner Beteiligung an der Macht die Rede war. Das ganze Ausmaß des verhängnisvollen Irrtums der französischen Politik wurde aber klar, als die Bündnispakte auf der Kominterntribüne zur Debatte kamen. Sicherheit Europas? Keineswegs! Dagegen erfuhr die Welt, daß der Bolschewismus die Pakte als eine ausdrückliche Rückversiche­rung gegen die Gefahr (!) einer deutsch-französischen Verständigung feierte. Wenn der italienische Kommunist. Er coli mit Befriedigung feststellen konnte, daß die heutige Politik der französischen Bourgeoisie den Druck der vom Kommunismus geführten Dolksmassen wider­spiegelt, die nicht gewillt seien, irgendwelche sowiet- feindlichen Abmachungen mit dem Nationalsozialis­mus zuzulassen (!), so heißt das doch nichts anderes, als daß der französisch-russische Pakt geradezu die Garantie für die Verewigung eines deutsch-franzö­sischen Unfriedens darstellen soll. Zugleich ergibt sich daraus, daß Frankreich, das die Entwicklung zu beherrschen und zu lenken wähnte, in Wahrheit nur das Werkzeug abgeben soll, das die Geschäfte der Komintern besorgt.

Herr d ' O r m e s s o n, der sich erst kürzlich wie­der in der Rolle des um die europäische Zukunft Besorgten gefiel, schweigt sich über diese Dinge leider aus. Ober meint er gar, es gehöre zu euro­päischer Verantwortung, dem Bolschewismus eine Chance zu geben, die er aus eigener Kraft nicht mehr gehabt hätte? Und was ist aus den vielge­rühmten Garantien geworden, die Herr Laval aus Moskau mitgebracht haben sollte? Schon die Tat­sache als solche war erstaunlich genug. Indem die französische Regierung sich das Wohlverhalten der französischen Kommunistischen Parteigarantieren" ließ, gab sie die bindende Autorität Moskaus für einen Teil der eigenen Bevölkerung zu, erkannte sie geradezu an, daß die Haltung Der französischen Filiale der Komintern von Moskau b e - st i m m t wird. Man wird das weder erhebend noch besonders beruhigend finden können. In der Tat erwies sich auch diese Rechnung als falsch. Der Moskauer Kominternkongreß beeilte sich, die letzten Besorgnisse der französischen Kommunisten zu zer­streuen, indem er die Garantien Stalins in ent­sprechender Weiseauslegte". Was bedeutet das? Nichts anderes, als daß die Komintern die letzt- entscheidende Instanz darstellt!

Diese Konsequenzen sind geradezu ungeheuerlich. Die Pakte, die angeblich Europa erhöhte Sicherheit neben sollen, beruhen bekanntlich auf einem Bei­standsverfahren, dessen Automatismus die Freiheit der Entscheidung der Paktpartner eingehend be­schränkt. Ueberbies bietet bie Fassung ber Vertrags­texte an sich schon genügenb Raum für gefährliche Jnterpretationskünste. Wenn erst einmal b e r Wunsch vorhanben ist, denKurzschluß" herbei­zuführen, dann ist es leicht, gewisse Sicherungen durchbrennen zu lassen. Ein solcher Wunsch ist im Falle eines Bündnispartners, dessen letzte Ziele in der Zerstörung jeder nationalen und zwischen­staatlichen Ordnung bestehen, jeden Augen­blick gegeben, und man wird nicht daran zu zweifeln brauchen, daß die Komintern ein ähn­liches Maß von Jnterpretationskunst aufbringen wirb, wenn es sich barum hanbelt, unter Aus­nutzung zweibeutiger Vertragstexte für sich selbst und für die eigenen aktivistischen Weltmissionspläne genehme Situationen skrupellos zu konstruieren.

Mehr als einmal ist die Politik der ehemaligen Siegermächte zu ihrem eigenen Schaden kurzsichtig gewesen. Unter allen merkwürdigen Erscheinungen dieser an Irrtümern so reichen Zeit ist aber dies die seltsamste und erschütterndste: daß die für die euro­päische Entwicklung in erster Linie verantwortliche Kontinentalmacht dieSicherheit" Europas schließlich dem Bolschewismus überant­wortet. Eine schlechthin nicht mehr zu überbie­tende Konsequenz in jener Negativität, die stets das Kennzeichen der Vormachtspolitik Frankreichs war. Weil diese Politik nicht der wohlverstandenen natio­nalen Sicherheit der europäischen Staaten galt, nicht den natürlichen Ausgleichstendenzen Raum geben wollte, weil ein Zerrbild einer eingebildeten Sicher­heit andere Staaten bedrohte, deshalb konnte diese Politik kein positives und nützliches Element bar» stellen. Es ist der Fluch dieser Negativität, daß am Ende zwangsläufig die Selbstzerstörung ihrer eige­nen, als Grundelemente des Friedens proklamierten Grundsätze steht: der kollektiven- Zusammenarbeit und Sicherheit. Innerpolitisch: verstärkte bolsche­wistische Aktivität, die sich anschickt, die Hand nach der Regierungsgewalt auszustrecken, außenpolitisch: der Bolschewismus in unmittelbarer militärischer Nachbarschaft Mitteleuropas, das sind die Er­gebnisse einer Politik, die schwerlich Anspruch auf positive Bewertung erheben kann. Zum Schutze des Friedens und (!) der Sowjetunion trete die Komin­tern einen Kreuzzug an, hieß es in Moskau ... Es wird nicht Frankreichs Verdienst sein, daß dieses Programm europäischer Vernichtung eine Illusion bleibt.

Die großen Manöver in Südtirol.

Mussolini übernimmt persönlich den Oberbefehl.

Rom, 22. Aug. (DNB.) Die italienischen Ma­növer haben am Donnerstag in den nördlichen Grenzgebieten ihren Anfang genommen. Sie wer­den sich hauptsächlich in der Gegend von B o- z e n abspielen. Die Manöver haben folgendes Ziel: Angriffsverwendung der großen Ein­heit en mit Schnelldivisionen, um die gegnerische Stellung zu nehmen und das bereits durch das wirksame Eingreifen der Flugzeuge ver­zögerte Zusammengehen des Feindes zu verhin­dern. Beide Parteien haben folgendes gemeinsame Thema: Die Mobilisierung wurde unversehens an» aeorbnet und unverzüglich haben die Feindselig- reiten begonnen; große Einheiten erreichten die Grenze. Die Bombenflugzeuge haben beträchtliche Schäden auf den Etappenstraßen angerichtet, haupt­

sächlich auf denen der blauen Partei, deren Aufgabe der Angriff ist. Aufgabe der roten Partei ist es, die Grenzstellung bis zum äußersten zu verteidigen. Die den beiden Parteien anvertrauten Aufgaben, der Umfang und die Art der zu verwendenden Kräfte und die morphologische Beschaffenheit der Grenze werden die Befehlshaber und die General­stäbe vor Operationsprobleme von größtem Inter­esse stellen. Eine mit Kavallerieregimentern neue­sten Typs gebildete Schnellblvision wird gleichfalls an den Manövern teilnehmen. Musso­lini hat das Oberkommando über die Ma­növer übernommen, um die Hebungen nod) beson­ders zu unterstreichen, bei den bisherigen Mano- oern hat er nur als Ministerpräsident und Kriegs­minister teilgenommen, jedoch nicht selbst das Oberkom­mando gehabt. Heber die Dauer der Manöver steht noch nichts Genaues fest; ebenso weiß man noch nicht, wann Mussolini sich selbst nach dem Nor­den begeben wird. Man rechnet jedoch damit, daß das Manöver etwa zehn Tage in Anspruch nehmen dürfte.

Deutscher Kriegsschiffbesuch in Gdingen.

Warschau, 22. Aug. (DNB.) Der deutsche KreuzerKönigsberg" ist in Gdingen eingetrofsen, um den polnischen Flottenbesuch vom Juni zu erwidern. Eine Abordnung der Besatzung wird sich mit dem Flugzeug nach Warschau begeben.

Das Organ der polnischen MilitärkreisePolska Z b r o j n a" stellt fest, daß dieser Besuch zweifel­los ein weiterer Beweis der erwünschten Norma­lisierung der nachbarlichen Beziehungen sei.Wir sind überzeugt", schreibt das Blatt,daß ebenso wie unsere Marine bei ihrem Besuch in Kiel heute die deutschen Gäste von ihrem Aufenthalt im pol­nischen ©binnen den besten Eindruck ge­winnen uno sich von unserer nachbarlichen Loya­lität überzeugen werden. Sie haben Gelegenheit, nicht nur unsere Gastlichkeit kenpenzulernen, son­dern sich auch von unserer Arbeit zu überzeugen, die es verstanden hat, aus einer Sandwüste ein sichtbares Zeichen des polnischen Mitbesitzes an der Ostsee zu schaffen, das für unseren Staatsorganismus ein unerläßliches Ausgangstor bar- stellt, mit dessen Hilfe die freie und von fremden Fesseln des Verkehrs unabhängige Betei­ligung Polens am internationalen Güteraustausch auf allen Seewegen der Welt möglich geworden ist. Am Tage ber Ankunft der

deutschen Gäste begrüßen wir den Nachbarn mit der Würde und Ruhe des Gastgebers, dem es an­genehm ist, sich der eigenen, in friedlicher und ehr­licher Arbeit erzielten Errungenschaften zu rüh­men. Der KreuzerKönigsberg" ist unserer Marine bekannt. Es ist dasselbe Schiff, an dessen Seite in Kiel unsere Zerstörer festmachten und auf dem die Vertreter der polnischen Kriegsmarine am 27. Juni empfangen wurden."

3m Zeichen des Friedens."

Ungarn warnt vor der Gefahr der tschechisch-russischen Verbrüderung. B u d a p e st, 22. Aug. (DNB ) Zu dem Prager Besuch sowjetrussischer Generalstabsoffiziere nimmt der nationale Hy Magyarszag, das Blatt der un- garifchen Militärkreise, in auffallend scharfer Ton­art Stellung. Die tschechisch-russische Waffenbrüder­schaft, schreibt das Blatt, eile mit Siebenmeilen­stiefeln der Verwirklichung einer panslawisti­schen Verbrüderung entgegen. Europa werde voraussichtlich erst am Tage des hereinbrechenden allgemeinen Orkans diese neue Gefahr wahrneh­men,, die jetzt dank der französischen Hu­te rstützung die westliche Kultur bedrohe. Ungarn sei jedoch gezwungen, schneller als die übrigen Mächte bie Gefahr eines neuen Tarta- renfelbzuges aus b e m Osten zu erkennen unb die Bewegungen ber waffenstarreyben Feinbe genau zu beobachten. Im Zeichen des ^Hebens sei bas jüngste tschechisch-russische Militärbünbnis ge­schlossen worben.Im Zeichen bes Frieben" wür­den jetzt fieberhaft neue tschechische Flugplätze für Sowjetrußland geschaffen undim Zeichen des Friedens" würden eines Tages fowjetruffifche Kosaken mitten im Herzen Europas auftauchen. Offenbar aus rein pazifistischen Gründen fän­den jetzt tschechische Manöver statt, bei denen sowjetrussische Generäle eifrig den tschechischen Ka­nonenrohren die Richtung zumewigen Frieden" wiesen. Ohne Zweifel werde Herr Benesch ver­suchen, in Genf die begreifliche Nervosität Polens, Ungarns und Deutschlands ob dieserfriedlichen Ziele" zu zerstreuen. Liebevoll blicke Frankreich auf diese von ihm geschaffene tschechisch-russische Um­armung. Diese Entwicklung erlange ihre wahre Be­deutung durch den von der Dritten Inter­nationale begeistert gefeierten Arbeiteraufstand von Brest, wo französische Bürger von Zulukaffern niedergeknallt worden seien.

ie sieht es in der Wirtschaft aus?

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Der kühne Wurf ber nationalsozialistischen Wirt­schaftspolitik, bie Arbeitslosigkeit zu meistern, Aus­fuhr unb Einfuhr möglichst auszugleichen, die in­nere Produktion zu heben und dabei eine neue soziale Ordnung auf dem Boden ber Gemeinschaft zu schaffen, ist von Erfolgen begleitet, bie offenbar sind und alle Kritikaster, bie nur bie Minusseite ber beutschen Volkswirtschaft, nämlich die ungeheure Blutentziehung durch den Krieg, die Inflation und die Tribute sahen die sich gewiß auswirten! können doch das Positive, wenn sie ehrlich sein wollen, nicht bestreiten Daß es vorwärts geht, ist eine Tatsache, die uns Mut gibt, auch noch die unleugbar vorhandenen Schwierigkeiten mit dem erforderlichen Optimismus anzugreifen und zu be­seitigen. Dabei sind wir insofern im Vorteil gegen­über anderen Nationen, als der Wirtschaftswille durchaus einheitlich ist und die Störungsver- fuche durch Einzelaktionen vom Staate, der Partei und ber Wirtschaftsführung energisch a b - gelehnt werben. Dr. Schacht hat in Königs­berg bei Eröffnung ber Dftmeffe solchen Saboteu­ren energisch Fehde angesagt. Er hat darauf ver­wiesen, daß wir uns alle in einem Boot be­finden, aus dem niemand während ber Heberfahrt ausfteigen kann. So sind wir wirtschaftlich zu einer Bluts- und Erfolgsgemeinschaft zufammengeschweißt, in der nur das eine Ziel gilt: Erringun g ber wirtschaftlichen Freiheit unb Wohlfahrt für jeben einzelnen im Rahmen bes Ganzen. Was über ben Neuen Plan, über den Schutz ber Fe st Währung und des Sparers zu sagen war, daß beide Teile ein unverrückbarer Eckstein unseres Wirtschaftsprogramms find, ist dem Aus­land mit jenem Temperament unb jener Nachbrück» lichkeit gesagt worben, bie Dr. Schacht auszeichnen. Gegen die Vernunft in ber Wirtschaftspolitik helfen weber Auslanbslügen noch Sabotageakte einzelner. Gerade bie beutschen Messen zeigen, was Deutsch­land zu leisten vermag. Die Königsberger Ostmesse mit ihrer wachsenden Bedeutung für die nahen Länder des Ostens und für die ostpreu­ßische Wirtschaft ist ein durchschlagender Erfolg ge­wesen. Am Sonntag folgt ihr die Leipziger H e r b ft m e f f e, die viel stärker als bisher das Ausfuhrstreben Deutschlands auch auf dieser Messe zum Ausdruck bringen wird. Wenn bisher die Früh- jahrsmesse benutzt wurde, um die Auslandsaufträge hereinzuholen, so wird künftighin auch die Herbst­messe in diesem Zeichen stehen, und je häufiger Deutschland seine gute Ware dem Käufer anbietet, aud) außerhalb der Frühjahrsmesse, um so besser isi es, da eine Vernachlässigung des Käufers zu den Kardinalfehlern zu gehören pflegt, die jeder Kaufmann vermeiden muß.

Das Reick hat bisher zur Förderung des Kleinwohnungsbaues Bürgschaften im Ge­samtbeträge von 100 Millionen Mark Übernom» men. Der Bau von mehr als 40 000 Wohnungen ift hierdurch ermöglicht oder gefördert worden. Der Bauwert der geförderten Wohnungen wird aut insgesamt 300 Millionen Mark veranschlagt. Durch die Gewährung der Reichsbürgschaften sind also auch bedeutende private Kapitalien für den Kleinwohnungsbau mobilisiert worden. Nach Möglichkeit sollen Dauerheime für Volksge» Hoffen geschaffen werden, die sich ohne diese Hilfe kein Herrn bauen könnten. Die Bestimmungen des Reichsarbeitsministers über die Förberungsbedin- gungen sind so gehalten, daß sie auf eine beschei­dene, aber zweckmäßige Ausgestaltung der Woh- nungsbauten hinwirken. Die vom Reiche verbürg» ten Hypotheken sind sämtlich unkündbar, müssen aber nach und nach getilgt werden. An der Auf­bringung der Hypotheken haben sich die öffentlichen Sparkassen in hervorragendem Maße beteiligt. Die lebhafte Spartätigkeit ermöglicht es ihnen, größere Kredite für alle Arbeitsbeschaffungszwecke Zur Verfügung zu stellen. Sie haben im ersten Vierteljahr 1935 nicht weniger als 253 000 Einzel- (rebite im Gesamtbeträge von 59 Millionen Mark bewilligt. Ein großer Teil dieser Kredite dient un­mittelbar der Arbeitsbeschaffung unb insbesondere auch dem Wohnungsbau, der ja zu den wichtigsten Instrumenten der Arbeitsbeschaffung gehört. Aber auch die Privatwirtschaft betätigt sich in

steigendem Umfange auf dem Gebiete des Klein» Wohnungsbaues. So stellt die Firma Krupp mit Hilfe ihrer gemeinnützigen Bauvereinigungen noch in diesem Jahre 700 neue Mahnungen für ihre Gefolgschaften in Essen und Rheinhausen fertig. Sie hat zu diesem Zweck einen Betrag von 2,6 Millionen Mark zur Verfügung gestellt und ge­währt außerdem ihren Werksangehörigen, die sich aus eigenen Mitteln ein Eigenheim schaffen wollen, Baudarlehen zu günftigen Beengungen.

Wir haben augenblicklich und sicherlich auf län­gere Zeit hinaus wieder eine Heberfüllung des Geldmarktes zu verzeichnen, genau wie in den ersten Monaten dieses Jahres, und infolge­dessen übertrifft der Abgang der Reichswechsel, der Reichsschatzanweisungen unb ber Sola-Wechsel, so­wie ber Schatzanweisunaen ber Reichsbahn alle ge­hegten Erwartungen. Auch bie Lebensver­sicherungen haben im ersten Halbjahr 1935 eine erhebliche Zunahme ihrer (Einnahmen zu ver­zeichnen. Die Versicherungssummen sind um 766,4 Millionen Reichsmark, also über 100 Millionen Reichsmark mehr als im ersten Halbjahr bes Vor­jahres, gestiegen unb in ber Kapitalsanlage machen sich bie erhöhten Prämieneinnahmen stark fühlbar. Infolgedessen haben die Lebensversicherungen auch ihre Wertpapieranlagen verstärkt, unb zwar haupt­sächlich durch verzinsliche Reichsschatzanweisungen, mit welchen bekanntlich bie öffentliche Arbeitsbe­schaffung finanziert wirb. Auch die Sparkassen weifen für bas erste Vierteljahr 1934 jetzt eine erhebliche Neukrebitwährung aus zurückfließenden Krebitmitteln auf. Dabei sind bie Arbeitsbeschaf- fungstrebite ber Sparkassen erheblich größer als bie übrigen neubewilligten Kredite. Das ist bas beste Zeichen bafür, baß mit der Konjunkturbesserung immer größere Objekte in Angriff genommen werden.

Heber erfreuliche A u s f u h r e r s o l g e konnte die Büfsing-NAG., Vereinigte N u tz k r a st w a g e n AG. in Braunschweig, in ihrer letzten Generaiver- sammlung berichten. Im ersten Halbjahr 1935 war die Ausfuhr der Erzeugnisse der Gesellschaft bereits ebenso groß wie im ganzen Jahre 1934. Der zweite Internationale Kongreß für Straßenreinigung, der am vergangenen Montag in Frankfurt a. M. eröff­net wurde, bot den deutschen Nutzkraftwagenfabri­kanten eine besonders günstige Gelegenheit, den zahlreichen ausländischen Vertretern der Gemeinde­verwaltungen ihre hochwertigen Qualitätserzeugnisse und technischen Errungenschaften vor Augen zr; führen. Gerade auf diesem Gebiete können dem Export deutscher Wertarbeit noch neue Absatzwege erschlossen werden.

In Deutschland ist es in den beiden letzten Jahren gelungen, den Wert der landwirtschaft­lichen Erzeugung, der im Jahre 1932 nur noch 8,7 Milliarden Mark betragen hatte, auf 11,1 Milliarden Mark, also um 27 v. H. zu steigern. Die­ser Leistung hat das Ausland nichts Gleichwertiges an die Seite zu stellen. Die Weitgetreidemärkte haben die Schwierigkeiten, die ihnen der Erzeu­gungsüberfluß brachte, noch immer nicht zu über­winden vermocht. Schon stehen neue Rekord­ernten vor der Tür, ohne daß Mittel und Wege gefunden worden find, den Konsum für erhöhte Mengen von Getreide aufnahmefähig zu machen, obwohl doch in großen Teilen der Erde Hunger und Nahrungsknappheit herrscht. Aber die große welt­wirtschaftliche Aufgabe, Erzeugung und Verbrauch miteinander in Einklang zu bringen, also den Heberfluß der Erzeugung den Hungernden und Darbenden zugänglich zu machen, ist ungelöst ge­blieben. Das einzige Mittel, mit dem die Wirt­schaftspolitik bisher der Heberzeugung zuleibe zu gehen versucht hat, sind Anbau- und Produk- t i o n s e t n f d) r ä n t u n g e n. Die Erfolge, die hierdurch erzielt werden, sind entmutigend. Die mei- !^nrJB"rfud?e' tüe internationalen Märkte durch etrtfdjränfung der Erzeugung zu stützen, sind fehl» geschlagen, entweder weil die Zwangsmaßnahmen neue Außenseiterproduktionen ent- I stehen ließen, oder weil die künsllichen Preissteige­

rungen zu einem Rückgang des Verbrauchs führten. In beiden Fällen kam es dann zu neuen Preisrückgängen. So sind auch in den letz­ten Wochen die Weltmarktpreise wichtiger Erzeugnisse, so z. B. die von Weizen, Baumwolle, Zinn und Kaffee, erneut gesunken. In der- selben Zeit aber, in der die Wettmärkte der Auf­gabe, die Verbraucher mit Waren zu versorgen und den Erzeugern auch auskömmliche Preise zu sichern, völlig ohnmächtig gegenüberstehen, ist in Deutschland die Marktregelung auf allen Gebieten erfolgreich verwirklicht worden. Die deutsche Wirt­schaftspolitik erstrebt freilich keine Einschränkung, sondern im Gegenteil eine Steigerung der Erzeugung, ganz besonders natürlich auf den­jenigen Gebieten, auf denen die Versorgung bisher von der ausländischen Einfuhr abhängig war. So ist z. B. die deutsche Flachsanbaufläche, die im vorigen Jahre nur 9000 Hektar betragen hatte, in diesem Jahre auf 21 000 Hektar erwei­tert worben. Voraussichtlich wirb im laufenben Jahre schon etwa bie Hälfte bes beutschen Flachsbebarfs aus ber inlänbischen Er­zeugung gebecft werben können. Um bie lanb- wirtschaftliche Versorgungsanlage möglichst genau zu ermitteln, hat ber Reichsnährstand am 1. August Erhebungen über die vorhandenen Getreidevorräte Dorgenommen. Es zeigte sich, daß die Bestände von Weizen und Hafer zwar etwas geringer als vor einem Jahre sind, aber völlig ausreichen, um die Versorgung bis zur neuen Ernte sicherzu­stellen. Die Bestände an Gerste und namentlich an Roggen sind größer als im Vorjahre, ebenso die Kartoffelvorräte. Die Versorgung mit Futtermitteln hat sich also verbes­sert, was für die Einfuhr ausländischer Futter­mittel von Bedeutung ist.

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Die vor einigen Tagen von Staatssekretär Dr. Schlegelberger vom Reichsjustizministerium gegebe­nen Erklärungen über das kommende deutsche Ak­tienrecht haben ber Öffentlichkeit bie (Brunb- züge ber neuen Regelung angebeutet. Zunächst wird bie Zahl ber beutschen Aktiengesellschaften burch die Heraufsetzung der Mindestkapitalgrenze von 50 000 auf 500 000 RM. gana erheblich kleiner werden. Sodann wird grundsätzlich an die Stelle des bisher im Aktienrecht geltenden demokratisch- parlamentarischen Prinzips der Führergrund- s a tz treten. Der Einfluß der Hauptversammlung, des Akttenparlaments, wird auch formal beseitigt, nachdem er tatsächlich durch die Praxis seit langem illusorisch gemacht worden war. Der außenstehende Aktionär wird künftig vor unangenehmen Heber« raschungen infolge eines Mehrheitsbesitzwechfels ge­schützt fein. Heberhaupt wird der Aktie im Zeichen des Führerprinzips ein erheblicher Teil ihres speku­lativen Charakters genommen werden. Der Aktio­när wird auch durch die Haftpflichtvor­schriften gegen Fehler und Verschulden besser geschützt sein als bisher. Der innere Wert der deut­schen Aktien wird sich durch das neue Aktienrecht bestimmt erhöhen. Die Aktienrechtsreform, die die Aktie als solche in ihrem wirtschaftlichen Nutzen be­jaht, wird eine neue Aera des Aktienwesens ein­leiten, in der es wenig Opposition und Proteste geben wird und in der eine Verwaltung, bie sich ihrer Pflichten gegen Aktionäre unb Allgemein­heit bewußt ist, ruhig unb fortschrittlich Weiter­arbeiten kann.

Ausländische Fachleute besichtigen deutsche Strafanstalten.

Am Donnerstagvormittag hatten bie Teilnehmer des Internationalen Strafrechts - und Gefängniskongresses Gelegenheit, meh­rere Berliner Strafanstalten, nämlich das Untersuchungsgefängnis in Attmoabit, das Frauengefängnis in der Barnim-Straße, die Straf» gefängniffe Tegel und Plötzensee sowie die Straf­anstalt Brandenburg-Görden zu besichtigen. Die ausländischen Gäste machten zahlreich von dieser Möglichkeit, den Strafvollzug im neuen Deutschland durch eigenes Erleben kennenzulernen, Gebrauch. Es wurde ihnen dabei jede Möglichkeit geboten, die Einrichtungen der Strafanstalten zu studieren. Auch wurde ihnen jede gewünschte Auskunft über die Methoden des Strafvollzugs erteilt, und Gele­genheit gegeben, sich mit den Gefangenen selbst ztt unterhalten. Am Nachmittag unternahmen die Kon­greßteilnehmer einen Ausflug nach Potsdam. Die nächste Vollsitzung findet Freitagvormittag in der Kroll-Oper statt. In ihrem Verlaufe wird Reichsminister Dr. Goebbels den ausländischen Gästen einen Heberblick über die Aufbauarbeit Des nationalsozialistischen Staates geben.

Jungvolk vom Konfirmandenunterricht ausgeschlossen.

Stettin, 22. Aug. (Reichsjugendpressedienst^ Am Abend des 20. August wurde durch die Polizei in Swinemünde der dort ansässige evangelische Pfarrer Poetter in Schutzhaft genom­men. Poetter war schon mehrfach durch feine staatsjugendfeindliche Einstellung aufgefallen und hatte es auch gemeinsam mit den übrigen Swinemünder Pastoren geduldet, daß sich die dortige evangelische Jugendgruppe in einer Weise betätigte, die der Abmachung zwi­schen dem Reichsjugendführer und dem Reichsbischof widersprach. Pastor Poetter hatte am Montag 23 Angehörige des Jungvolks, die am Sonntag am Jungbannsportfest teilgenommen unb infolgedessen nicht den Gottesdienst be­sucht hatten, aus der Konfirmanden­stunde ausgeschlossen. An die Ettern der Pimpfe hatte Pastor Poetter ein Schreiben gerüs­tet, indem eine unwahre Darstellung des Vorfalls enthalten war. Dienstagabend erschienen daraufhin die Swinemünder HI., das Jungvolk unb auch die Eltern der ausgeschlossenen Jungen vor dem Haus des Pastors und protestierten gegen bie staatsjugenbfeinbliche Einstellung. Die Po­lizei nahm ben Pastor baraufhin in Schutz­haft.

Dr. Singer Leiter des HeichsverbandeS jüdischer Kulturbünde.

Berlin, 22. Aug. (DNB.) Im Einvernehmen mit der Geheimen Staatspolizei hat bie zuständige Stelle im Reichsministerium für Volksaufklärung unb Propaganba als verantwortlichen Leiter bes Reicksverbandes jübitoer Kulturbünde ben früheren Intendanten 2)r. Kurt Singer unb als Generalsekretär biefef jüdischen Organisation ben ehemaligen Handel» journaliften Dr. Werner Levy genehmigt. Unter dieser verantwortlichen Leitung haben sich, foroett dies noch nicht geschehen ist, bis 15. September ein­schließlich sämtliche künstlerisch unb kulturell täti­gen jübischen Derbänbe bem Reichsverbanb einzm gliebern. Ausgenommen hiervon sind lebiglich bU religiösen jübischen Schul- und Kulturgemeinden.