man doch auch gerne den Geistlichen wahrend seiner Amtshandlung sehen, was aber bei Hellem Wetter infolge der durch die Hellen Scheiben hervorgerufenen Blendung, ohne daß man mit der Hand die Augen bedeckt, nicht möglich ist. Die Kosten der meiner Ansicht nach vollkommen genügenden lieber» malung des Glases mit etwas dunkleren Farben können im Vergleich zum Gesamtaufwand für die im Gang befindliche Herrichtung nur geringfügig sein, aber dann wäre einem seit Bestehen der Ka
pelle herrschenden unmöglichen Zustand abgeholfen und einem dringenden Wunsch der Bevölkerung entsprochen. Ich möchte behaupten, daß die Regelung der Fensterfrage im vorstehenden Sinne bei- nahe wichtiger ist, wie die Erneuerung des sonstigen inneren Anstriches. Bei fast jeder Feier in diesem Gotteshaus kann man dahingehende Klagen aus dem Publikum hören, die auch wirklich durchaus berechtigt sind. — Jetzt ginge es in einem hin. B.
GRG -Siege in Koblenz.
3m 1. Achter und im 1. Einer.
Nach dem hervorragenden Abschneiden der Achtermannschaft, die in dieser Saison durch Ausfall mehrerer Ruderer des öfteren umgesetzt werden mußte, m den beiden großen Achterrennen in Frankfurt am Main, wo dieselbe knapp gegen Cambridge und Berlin unterlag, war man in Rudererkreisen auf das Zusammentreffen unsrer heimischen Mannschaft mit den vorzüglichen Achtern von Köln 77 und Godesberg, stark interessiert. Köln 77 hatte leider seine Meldung zurückgezogen um seine Mannschaften für die am kommenden Sonntag in Essen stattfindenden Deutschen Rudermeisterschaften zu schonen. Godesberg hatte seine Mannschaft, die in diesem Jahre schon gegen erstklassige Konkurrenz siegreich behaupten konnte, durch zwei Ruderer der Bonner Rudergesellschaft verstärkt und hat die Koblenzer Regatta zum letzten Probegalopp ausersehen. Pünktlich um 18-45 Uhr am Samstag senkte sich die Startflagge und die Boote gingen in überaus flottem Tempo auf die Reise, bald hatte Gießen einen kleinen Vorsprung herausgerudert als in verbissenem Spurt Godesberg wieder aufholt und mit Luftkastenlänge zur Führung kam. In dieser Reihenfolge wurde die 500-Meter-Marke passiert. Mit hoher Schlagzahl (Godesberg 40, Gießen 38 in der Minute) schossen die Boote den 1000 Meter entgegen. Hier stieß die Gießener Mannschaft entscheidend vor und es gelang ihr wieder mit Luftkastenlänge die Führung zu übernehmen. Alle Versuche von Godesberg, an Gießen vorbeizukommen, wurden abegewehrt, denn die Mannschaft ruderte jetzt wie aus einem Guß. Mehr und mehr löste sich das Gießener Boot von Godesberg ab um kurz vor den Tribünen mit Vz Länge zu führen, da setzte die Mannschaft nochmals zu einem glänzenden Endspurt ein. Die Mannschaft: 5öbt, Meister, Wirth, Lonkwitz, Glier, Hartmann, Euteneuer, Timpe (Wehrmacht), St.: Loh ging mit ß/4 Länge Vorsprung in 5:41,0 Min. durchs Ziel. Godesberg, bei dem das Meisterpaar Gebrüder A r e n z mitruderte, folgte in 5:46,1 Min. Lebhafter ^Beifall belohnte beide Mannschaften. Es gab nur eine Meinung: Zwei Meistermannschaften lieferten sich einen Meisterkampf.
5m Großen Einer am Samstag wurde Iodt durch den Schiedsrichter, angeblich wegen Behinderung, ausgeschlossen, doch am Sonntag stellte er im Ersten Einer seine hervorragende Form unter Beweis, indem er feine Gegner vom Vortage in überlegener Weise ab fertigte und seinen mehrmaligen Bezwinger Rolf Schneider vom Kölner Klub für Wassersport mit 10 bis 12 Längen schlagen -tonnte.
5m Großen Achter des zweiten Tages er» Ichien wiederum Gießen und Godesberg am Start «außerdem der Sieger des 2. Achters, Ruderverein Müsselsheim, der in dieser Saison alle 2. Achter- rrennen siegreich beenden konnte. Leider klappte der
Start der Gießener Mannschaft nicht so wie am Vortage und Godesberg konnte sofort einen Vorsprung von Vs Länge yerausrudern; alle Vorstöße auf der Strecke wurden abgewiesen und bei 1500 Meter lag Godesberg mit einer Länge klar in Führung. Doch brachte ein guter Endspurt das Gießener Boot auf 8/< Länge an Godesberg heran. 5n diesem Abstand gingen die Boote durch das Ziel. Rüsselsheim folgt mit 7 bis 8 Längen Abstand. Rach diesem hervorragenden Abschneiden des Gießener Achters gegen erste deutsche Klasse, wurde allgemein lebhaft bedauert, daß dieser Achter nicht auf der Meisterschaft vertreten sein wird.
Gießener Leichtathleten bei den Oeutschen-Iunioren-Meister- schosten in Kaffe».
Die an den 1. Deutschen Leichtathletik-5unioren- meisterschaften beteiligten Gießener Athleten zeigten — wenn auch keine Meisterschaft errungen wurde — ganz ausgezeichnetes Können. Insbesondere ist der 2. Sieg von Luh, VfB.-Reichsbahn, im Kugel- stoßen mit der guten Leistung von 14,73 Meter zu nennen. Luh gelang in der Entscheidung nachmittags sogar der weiteste Stoß mit 14,66 Meter, leider war damit jedoch das im Vorkampf festgestellte Eraebnis nicht mehr au ändern.
Einen besonders schönen Erfolg für fleißige und sachgemäße Trainingsarbeit konnte Franz Reidel, Tv. Heuchelheim, ernten. 5n einem 32 Mann starken Feld mit den besten Nachwuchsläufern aus allen deutschen Gauen war er stets der Lage gewachsen. 5n der zweiten Runde ging Franz Reidel an die vierte Stelle und lief von der dritten Runde an, hinter dem stets führenden Favoriten Schinge aus Kassel, an zweiter Stelle etwa 20 Meter vor dem übrigen Feld. Bei den sich auf der Zielgeraden ergebenden Positionskämpfen um die Hinteren Plätze tauchte plötzlich König, Freiburg, auf und überspurtete den überraschten Reidel um einen halben Meter. Die von Franz Reidel erzielte Zeit von 8:56,6 Minuten ist erstklassig. Bei etwas mehr Rennerfahrung wäre also der Heuchelheimer klarer zweiter Sieger geworden. Hans Reidel landete im Mittelfeld.
Von feiner besten Seite zeigte sich auch Unteroffizier O. Hill (7. Komp.) vom Männerturnverein. Rach einem Siege im Vorlauf erreichte Hill im Zwischenlauf die sehr gute Zeit von 22,1 Sekunden. Der Gießener wäre damit in den Endlauf gekommen, wenn die Bahn mit 6 Läufern hätte besetzt werden können. So mußte Hill im sog. B-Endlauf starten. Auf der Außenbahn lag der Mtv.er zunächst in Führung, hatte jedoch dann einen Schwächeanfall, der ihn rasch bis auf den vierten Platz zurückfallen ließ.
Die vier Gießener Leichtathleten haben sich sehr gut geschlagen. Für die Zukunft sind noch bessere Erfolge zu erhoffen.
Die Veranstaltung hat in allen Hebungen junge Talente hervortreten lassen, deren Namen man sehr bald auch bei den Seniorenmeisterschaften in der Siegerliste finden wird.
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BsB.-Relchsbahn-Iugend in Arheilgen.
5n Arheilgen konnten ine startenden 5ugenb» lichen und Aktiven sehr schöne Erfolge erzielen. Bei stärkster Konkurrenz aus Mainz, Frankfurt, Darmstadt usw. wurden 1 Erster, 5 Zweite und 1 Dritter errungen.
Die Ergebnisse:
Speerwerfen, Klasse I: 1. Erwin 5 akob, VfB.-Reichsbahn, 51,75 Meter. 2. Braun, Sp.-Dg. Arheilgen 50,60 Meter; Horst, Groß-Gerau, 46,20 Meter.
Anton Sobezak wurde im 1500-Meter-Lauf Fünfter mit der sehr guten Leistung von 4:29 Min.
Fügend A, 10 0 Meter: 1. Rompel, S. C. 1880 Frankfurt, 11,8 Sek.; 2. Ritzel, BSC. Offenbach, 12 Sek.; 3. Heinz Huppert, VfB.-Reichsbahn, 12.2 Sek. Huppert gewann seinen Dor» und Zwischenlauf glatt. 5m Endlauf stand er nicht ganz durch.
Hochsprung, 5ugend Kl. B: 1. Böringer, Griesheim, 1,55 Meter; 2. Egon Kley, VfB.-
Reichsbahn, 1,50 Meter; 3. Thierolf, To. 46 Darm» stadt, 1,48 Meter.
Weitsvrung, Jugend Kl. B: 1. Seibert, Arheilgen 5,81 Meter. 2. Egon Kley, VfB.-Reiche bahn 5,67 Meter; 3. Braun, Darmstadt, 5,59 Meter.
Weitsprung, Kl. C: 1. Bellofs, Offenbach, 5,03 Meter; 2. H. M o o tz, VfB.-Reichsbahn, 4,90 Meter; 3. Roth, Darmstadt 4,55 Meter. Für Jugendklasse C hervorragende Resultate.
1 0 0 Meter. Kl. C: 1. Belloff, Offenbach, 13,2 Sek.; 2. H. M o o tz, VfB.-Reichsbahn, 13,4 Sek.; 3. Dietz, Eintracht Frankfurt, 14 Sek. Mootz, der seinen Vorlauf und Zwischenlauf glatt gewann, hatte im Endlauf durch schlechten Start ca. zwei Meter verloren, die er nicht mehr ganz gut machen konnte. Zu bemerken ist, daß Mootz in Turnschuhen lief, während seine Mitbewerber in Rennschuhen starteten.
Dreikampf, Männer 32 bis 36 Jahre: 1. Weingärtner, Polizei Frankfurt. 2. R. Fischer, VfB.-Reichsbahn. 3. Buse, SC. 1880, Frankfurt.
Elfriede Schmidt lief über 50 Meter im Endlauf 6,9 Sek. ihre beste Leistung bis jetzt. Konnte sich jedoch bei dieser starken Konkurrenz noch nicht placieren. Im Hochsprung erreichte sie 1,25 Meter.
Reinhold Krämer lief in der B-Klasse die 1500 Meter in der beachtlichen Zeit von 4:49.8 Min. Er wurde damit Vierter.
phantastischer Weltrekord im Gegelflng.
Hofmann fliegt 500 Kilometer weit.—Große Erfolge der ^16. Rhön.
Noch nie wurden auf der Wasserkuppe am ersten Wettbewerbstag solche Leistungen vollbracht, wie am gestrigen Sonntag. Von den bei günstigen Wind- und Thermik-Verhältnissen ausgeführten 41 Starts wurden im Laufe der Nacht am Montag vormittag 20 Flüge, darunter ein Strecken-Weltrekord, vorläufig ausgewertet. 2 Segelflugzeuge landeten im Vorgelände der Wasserkuppe, 7 gelangten bis zum Thüringer Wald und 5 erreichten den Frankenwald. Den Vogel schossen aber folgende Piloten ab: Hakenjos auf Rhönadler „Klippeneck" landete in der Nähe des tschechischen Radiumbades Brambach (174 Kilometer Entfernung vom Start); Kraft gelangte auf Rhönsperber „Albsperber" bis nach Karlsbad in der Tschechoslowakei (174 Kilometer); Otto Bräutigam landete nach ausgezeichnetem Flug mit seiner Sonderkonstruktion „Bau 10" bei Paaden in der Tschechoslowakei und hat damit 238 Kilometer zurückgelegt, v. M i a k i ch kam auf Rhönsperber „Kiebitz" ebenso wie Oeltschner auf Condor „Leuna" bis weit in die Tschechoslowakei. Beide landeten südöstlich von Prag, was (Entfernungen von rund 360 Kilometer entspricht. Die Spitzenleistung war aber der Weltrekord, den Ludwig Hofmann, der Segel- fluglefyrer Ernst Ubets, mit feinem Rhönsperber erzielte.
Der junge Mannheimer, der schon im vergangenen 3ahr eine Reihe ausgezeichneter Flüge durchgeführt hat, ging diesmal in dem tschechischen Bezirk Voskovice nieder. Das ist eine Entfernung von nicht ganz 500 Kilometer! Hofmanns Flug bedeutet einen neuen Weltrekord; den seitherigen Rekord hielt seit dem vergangenen Jahre Heini Ditfmar mit 375 Kilometer.
Während am ersten Wettbewerbstage frische westliche Winde und gute Wärme u. a. neun Streckenflüge bis zu 100 km Entfernung, sieben bis zu einer solchen von 200 km und drei zwischen einer
Entfernung von 200 bis 400 km sowie mit dem ersten Wettbewerbsstart überhaupt den neuen Hof» mannschen Strecken-Weltrekord von etwa 500 km Länge „auf Anhieb" ermöglichten, ließ das Fehlen jeglicher Thermik am Montag nur das Ausführen von Dauerflügen zu.
Dicht geschlossen, in mustergültiger Ordnung, zogen mitunter bis zu 26 motorlose Maschinen über dem Kuppen- und Westhang, dem „Pferdskopf", der „Eube" und dem Rordhang vom frühen Morgen bis abends lautlos ihre Kreise, den günstigen west bis nordwest drehenden Wind ausnutzend und Punkte für die Zeitbewertung sammelnd. Gewertet werden nach der Ausschreibung alle ununterbrochenen Flüae von mehr als fünf Stunden Dauer. Peters (Luftsport - Landesgruppe Essens auf Rhönsperber „Aachen" blieb etwa neun Stunden in der Luft. Pennel (Luftsport - Landesgruppe Hannover) schaffte sogar auf Rhönadler ,Lth^ nahezu zehneinhalb Stunden. Krenz (Luftsport - Landesgruppe Halberstadt) auf Rhönadler „Zuckerbäcker" landete westlich Rodach, 57 Kilometer von der Wasserkuppe entfernt.
Mit den am gestrigen Sonntag ausgeführten 41 Starts erreichte die Gesamtzahl der bisher unternommenen Wettbewerbsflüge gegen 100. Die genaue Auswertung der Fern- und Dauerflüge kann erst erfolgen, wenn die amtliche Bestätigung der Landungsorte bzw. die Barogramme der einzelnen Segelflieger vorliegen. Nach Ansicht unserer „Wetter- macher" ist vielleicht mit einer Verschlechterung der Witterung in den nächsten Tagen zu rechnen.
Wie dem auch sei, so kann heute bereits, am zweiten Wettbewerbstage, die erfreuliche Feststellung gemacht werden, daß bisher noch in keinem Rhönsegelflugwettbewerb gleich zu Beginn solche hervorragende Leistungen vollbracht wurden.
Die diesjährige 16. Rhön ist ein Leistungswettbewerb der „neuen Männer", die zweifelsohne ihren
Leuten nicht alles selbst Überlassen. Tante Albertas Oberinspektor ist mir nicht zuverlässig genug."
„Und doch werden Sie das tun müssen, Herr Graf, oder sich nach zuverlässigen Leuten umsehen. Gar nicht daran zu denken, daß Sie jetzt hier herumwirtschaften, als wären Sie ein Gesunder. Dann kriegen wir den schönsten Rückfall, und ich stehe für nichts."
Dietrichs blasses Gesicht nahm einen Ausdruck äußerster Gereiztheit an.
„Lassen Sie mich bloß mit diesen Schreckbildern in Frieden, lieber Doktor! Bange machen lass' ich mir nicht. Ich bin vollkommen gesund. Ich will wieder arbeiten, ich ..."
Er konnte nicht weitersprechen. Ein heftiger Hustenstoß erschütterte ihn. Immer stärker wurde der Anfall. Dietrich rang nach Luft. Schweiß traf ihm auf die Stirn. Sein ganzer abgemagerter Körper wurhe von dem heftigen Husten förmlich hin und her geschüttelt. Es dauerte minutenlang, bis Dietrich endlich wieder zur Ruhe kam. Nun lehnte er erschöpft im Sessel, die Augen geschlossen. Er atmete mühsam und konnte eine ganze Weile kein Wort herausbringen.
„Sehen Sie nun, daß ich recht habe?" fragte der Arzt. „Wenn Sie mit solch einem Husten jetzt in unferm unbeständigen Klima herumlaufen — nun, Herr Graf, Sie sind ja ein Mann, ich brauche Ihnen nicht weiter zu sagen, was Ihnen droht."
„Daß heißt also, daß ich nicht mehr gesund werde, daß ich einen Knacks für immer habe?"
„Durchaus nicht. Ich verspreche Ihnen sogar, daß Sie wieder vollkommen gesund werden, wenn Sie sich völlig meinen Anordnungen fügen."
„Und wie lauten die?"
„Daß Sie mindestens auf vier Monate in den Süden gehen, bis wir richtigen Sommer haben. Sie müssen den Lungenknacks vollkommen auskurieren."
Als Dietrich mit einer gequälten Bewegung abwehren wollte, redete der Arzt zu:
„Seien Sie doch vernünftig, Herr Graf, und seien Sie dem Schicksal dankbar, daß Sie sich eine vollkommene Genesungskur leisten können. Wie viele arme Teufel gibt es, die einfach zugrunde gehen müssen, weil sie die Mittel zu solcher Erholung nicht haben? Wer es aber hat, der begeht ein schweres Unrecht, wenn er sich durch Hartnäckigkeit selber zugrunde richtet."
„Aber hier wartet die Arbeit auf mich, Herr Doktor. Ein solcher Besitz verpflichtet doch."
„Verpflichtet zunächst, sich für ihn gesund zu erhalten, Herr Graf! Ueberlegen Sie doch selbst: Was nützt es, wenn Sie jetzt mit halben Kräften hier anfangen zu arbeiten, um garantiert in vier Wochen für immer kaputt zu fein? Ist es da nicht viel richtiger, für ein paar Monate die Arbeit in andere Hände zu legen und dann als gesunder Mann wiederzukommen? Ist weiß, das Besitztum hier braucht das Auge des Herrn. Um so mehr müssen Sie an die Zukunft denken, Herr Graf."
Dietrich versuchte noch einen schwachen Einwand. Jetzt sollte er fort, wo der Frühling ja nicht mehr weit sein konnte? Er schaute hinaus durch das geschloffene Fenster. Wie zart und rein zeichneten sich die Linien der Bäume im Park ab! Nur hier und da lag noch ein wenig Schnee. Aber dort an der Südseite waren schon die ersten Knospenansätze an den Bäumen zu sehen. Wie lange würde es dauern, und alles würde in Frühlingsblühen stehen. Und da sollte er fort?
„Was wollen Sie eigentlich, Doktor? Alles sieht doch draußen schon so hoffnungsvoll aus. Und wie warm die Sonne scheint..." Er hielt feine ab» gemagerten Hände gegen die Scheibe, durch die der grelle Schein der Vorfrühlingssonne brach.
„Das sieht alles schöner aus, als es draußen ist", klang eine weiche Stimme von der Tür her.
Dietrich wandte sich erstaunt um. Ein Freudenschimmer glitt ftber fein mageres Gesicht.
„Äarla — du? Welche Ueberraschung!"
„Ja, welche Ueberraschung!" wiederholte der alte Kreisarzt. Dabei zuckte es um feine Mundwinkel. Hinter feinen Brillengläsern sandte er einen verschmitzten Blick zu Karla. —
Dieses Komplott war also gelungen! Der Besuch Karlas hier war gar kein Zufall, sondern eine verabredete Kriegslist. Gestern wähend eines Besuches bei Karlas Vater hatte der Kreisarzt erklärt:
„Sie sollen sozusagen das schwere Geschütz sein, mein gnädiges Fräulein, mit dem ich den letzten Widerstand Veltheims gegen eine Reise breche."
Lachend hatte Hauptmann Weckenroth gemeint, daß Karla ja nun wirklich nicht wie ein schweres Geschütz aussehe. Aber er wüßte schon, wie es gemeint wäre, und Karla würde sicher gern mit» helfen."
Karla hatte den Wunsch des alten Kreisarztes nur zu gern erfüllt. Sie selbst war in ständiger Sorge um Dietrich und glücklich, ihn nun zum ersten Male wiedersehen zu können. —
Dietrich wollte sich erheben und Karla entgegen» gehen. Aber sie war schon beim ihm und drückte ihn sanft auf den Sessel nieder.
„Sitzengeblieben!" befahl sie lächelnd. „Die ta» dellose Kavaliersoerbeugung sparen wir uns jetzt, bis zu gesund und frisch wiederkommst."
„Du meinst also auch, daß ich unbedingt verreisen soll?" fragte Dietrich. „Na, das ist ja eine schöne Geschichte — zwei gegen einen!"
Lächelnd sah er von Klara zu dem Sanitätsrat. Seine schlechte Laune war durch Karlas Erscheinen gewichen.
„Damit Sie sich nicht beklagen können, daß wir zwei gegen Sie sind, werde ich jetzt das Feld räumen", lächelte der Kreisarzt und erhob sich. „Ich nehme an, Fräulein von Weckenroth wird es viel besser verstehen, Ihnen die Leviten zu lesen als ich. Außerdem können Sie gegen eine junge Dame nicht grob werden."
„Aber das wird Dietrich doch auch sonst nicht, Herr Doktor?"
Karla meinte es mit einem lächelnden Blick auf den Jugendfreund. Sie setzte sich neben Dietrich und nahm feine Hand. Dietrich fah ein wenig beschämt aus. Jetzt erst wurde ihm bewußt, was für ein ungeduldiger Patient er oft gewesen, und wie schlecht er seine Ungeduld bezähmt hatte.
„Sie haben es wirklich oft nicht leicht mit mir gehabt, Herr Doktor — verzeihen Sie!"
„Nun, Selbsterkenntnis ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung." Der Arzt schüttelte die bargebotene Hand. „Also auf Wiedersehen, Herr Graf — ich schaue morgen nach Ihnen. Auf Wiedersehen, mein gnädiges Fräulein. Geben Sie unferm Patienten etwas von Ihrer Milde und Fügsamkeit!"
„3ft es wirklich so schlimm, mal für eine Weils feiner Gesundheit leben zu müssen, Dietrich?" fragte Karla, als sie allein waren.
„Sehr schwer, Karla", war Dietrichs Antwort. „Bedenke doch, ich bin gar nicht gewöhnt, krank zu sein. Ich bin gewöhnt, immer über mich zu bestimmen. Und ich habe mich so unendlich auf die Arbeit hier gefreut. Die Frühjahrsbestellung, die Instandsetzung der Gebäude, die Auffüllung des Viehbestandes, Aufforstungen im Beltheimer Walde — ach, die Arbeit häuft sich bergehoch! Und ich soll nicht dabei sein? Ich kann das einfach nicht ertragen."
Sein blasses Gesicht sah vergrämt und gequält aus. Karla schwieg einen Augenblick. Dann fragte sic sanft:
„Machst du es dir durch deine Ungeduld nur nicht noch schwerer? Sieh mal, Dietrich, ich habe auch Monate liegen müssen, durfte mich nicht rühren, hatte Schmerzen. Und auch jetzt bin ich ja niemals ein richtig gesunder Mensch — und es muß auch gehen. Du aber? Ist es denn so schlimm, ein paar Monate von hier sortzugehen? Denke, daß du Gut Veltheim eben ein paar Monate später in die Hände bekommen hättest, bann wäre es auch gegangen. Wenn bu zurückkehrst, ist alles in. Drbnung. Du bist gesund, im Vollbesitz deiner Kräfte, kannst so viel arbeiten, wie es dir Spaß macht."
Dietrich schwieg. Eine tiefe Beschämung war bei den sanften Worten Karlas über ihn gekommen. Wie recht hatte fiel Und wieviel tapferer war fie mit ihrer stillen Geduld als er! Wie, wenn er nun wirklich ein paar Monate später der Erbe von Schloß und Gut Veltheim geworden wäre?
Aber war er es beim wirklich schon? Da war doch diese seltsame Testamentsbestimmung! Sie hatte ihn bis in seine Fieberträume während der Krankheit verfolgt, lag auch jetzt wie ein schwerer Alpdruck auf ihm. Justizrat Niemann hatte bei seinem letzten Besuch offenbar davon anfangen wollen, als er sah, daß ihn diese Dinge noch zu sehr aufregten.
(Forttetzuna folgt!)
Wir sanden zneinanver.
Vornan von Klothilde v. Gtegmann
Urheberrechtschutz:' Fünf-Türme Verlag Halle (S.)
v Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Karla erschrak aufs tiefste, als fie bei einem Anruf auf Schloß Veltheim von der schweren Erkrankung ihres Jugendfreundes Dietrich hörte. Nicht einmal besuchen durfte sie ihn. Der Arzt hatte Jeden Besuch streng untersagt. Auch als es Dietrich Hangfam besser ging und er aus seiner Bewußt- Uosigkeit erwachte, schwebte er noch wochenlang in Lebensgefahr. Jede Unterredung war ihm verboten. Das Telephon an feinem Bett war abge« stellt. Auskünfte konnten Karla und chr Vater mur durch den Kreisarzt oder durch die Diener» Schaft von Schloß Veltheim bekommen.
„Eine außerordentlich schwere Lungenentzündung", äußerte sich der Kreisarzt beim Stammtisch Weckenroth gegenüber. „Wäre das Herz Veltheims nicht so bombengesund, wir hätten ihn nicht durch- Zekriegt. Ist ja auch ein Wahnsinn, was der Mann gemacht hat. Geradenwegs aus den Tro- Zen solche nächtlichen Spaziergänge in Sturm und Hegen, bas hält ja der Gesündeste nicht aus. Nun bat er einen ordentlichen Knacks weg! Ich muß mur sehen, daß er ihn sich gründlich auskuriert, fta, erst einmal muß ich ihn soweit haben, daß ich hm das Aufstehen erlauben darf. Dann können Sie ihn auch besuchen, Herr Hauptmann, und ihm cuch einmal den Kopf zurechtfetzen."
Seit diesem Gespräch zwischen dem Kreisarzt ■ t nb Hauptmann Weckenroth waren wiederum meh- uere Wochen vergangen. — —
Der letzte Schnee taute auf den Bäumen des Jarkes. In der Sonne war es schon warm, über im Schatten war die Lust eisig von dem Harfen Vorfrühlingswind.
Dietrich von Veltheim saß auf dem Lehnstuhl am irenfter, warm eingepackt. Sein Gesicht sah elend imd abgezehrt aus. Es trug die Spuren eben i&erftanbener Krankheit. Dor ihm saß der Haus- irzt, prüfte aufmerksam den Puls des Kranken.
„Nun, das Herz scheint sich ganz wieder erholt zu haben, lieber Graf. Wollen nun mal sehen, E'05 die Lunge macht. Darf ich einmal abhorchen?"
Er half Dietrich, den Rock abzulegen, schob das Hemd zurück und horchte mit dem Hörrohr auf» trerffam. Dann klopfte er Brust und Rücken des Patienten ab. An einer Stelle verharrte er, klopfte nochmals, horchte wieder, schüttelte den i Ropf.
„Na, Doktor, alles endlich in Ordnung?" fragte Zietrid) ungeduldig. „Ich habe das Krankspielen lrsiß Gott satt! Ich möchte nun endlich heraus. ZEe Frühjahrsbestellung beginnt. Ich kann den


