ttr.W Drittes Blatt Lt«kenn Anzeiger lGeneral-Attzelg« ttlr <vbechesie«>Plcnsfqg. rr.M 1955
Die Gießener Garnison im Manöver.
Besprechung der Offiziere an der Lahn.
Aus derprovinzialhaupistadi.
pikantes Idyll.
Die Ueberfchrift mag auf den ersten Blick als Widerspruch in sich selbst erscheinen Aber es war tatsächlich ein Idyll, und pikant kann man seinen Gegenstand auch nennen, wenn auch nicht im landläufigen Sinne ... doch ich will lieber erzählen.
Es war um die Geisterstunde. Wir wanderten unter Lindenduft und Sternenhimmel heimwärts, als wir auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig ein regloses junges Paar bemerkten. Das wäre nun gerade nichts besonderes in einer liebesseligen Sommernacht gewesen, und wir hätten es taktvoll übersehen, wenn es üblicherweise im Schatten und eng umschlungen gestanden hätte. Aber es stand im Gegenteil nebeneinander, und im hellsten Laternenlicht, und starrte intensiv auf die Erde. Und als wir neugierig und gesellig mitzustarren anfingen, sahen wir ein merkwürdiges Etwas auf dem Boden, das wir, neugierig näher- gchend, als einen ausgewachsenen Igel erkannten. Er verhielt sich so reglos, daß wir den zierlichen Kopf, die schlauen Aeugelchen und jede einzelne gesträubte Stachel deutlich beobachten konnten.
Auch heranklingende kräftige Schritte störten ihn nicht. Es waren drei junge Männer, die mit einem erstaunten „Nanu?" bei unserer Gruppe Halt machten, um dann ebenso interessiert wie wir den Igel zu betrachten. Inzwischen nahte ein richtiggehendes Pärchen, das aber seine Umschlingung diskret angesichts der mitternächtlichen Massenansammlung löste und nach deren Ursache forschte. Das Mädchen stellte sie mit einem entzückenden: „Ach sieh doch nur, Fritz, ein Igel, nein, wie reizend!" fest und kauerte sich sofort neben das Tierchen, um es zu streicheln. „Du, paß auf, es piekt", warnte der Begleiter, doch sie ließ es sich nicht nehmen, vorsichtig über das originelle Stachelkleid hinundherzustreicheln, und danach probierten auch die anderen weiblichen Zuschauer emsig das seltsame, wenn auch fühlbar „pikante" Bergnijgen, bis es dem Igel von derart viel Frauenzärtlichkeit wohl beklommen wurde. Er enthüllte plötzlich vier allerliebste Füßchen und trabte von hinnen, womit er die Versammlung überraschend auflöste.
Wir folgten jedoch dem kleinen Gesellen, der eilig am Mauerwerk der Vorgärten dahinkugelte, vor jedem schwarzen Baumschatten über dem Weg aber ängstlich, oft minutenlang, stockte, bis er doch das Hindernis mutig nahm. Und so wanderten wir hinter ihm her, bis er unvermutet unter einem Gartentor auf Nimmerwiedersehen verschwand.
Ob er, mit soviel Verspätung und trotzdem leeren Maule heimkehrend, es wohl wagte, der Jgelfrau von seinem zärtlichen und aufregenden Abenteuer zu berichten? Oder ob er es wohlweislich verschwieg? Wir können da nur mit allzu menschlichen Maßstäben vermuten und wollen ihm lieber auf alle Fälle wünschen, daß er noch im letzten Augenblick im Garten oder Keller eine leckere Maus erwischte, als Mitbringsel. Frauen sind so empfänglich dafür. E. v. M.
Die Hundstage beginnen.
Am 23. Juli beginnen mit dem Eintritt der Sonne in das Zeichen des Löwen die Hundstage, die bis 24. August dauern. Der Hitze nach befinden wir uns aber schon längst mitten drinnen. Es ist keine Seltenheit, daß während der sogenannten Hundstage das Wetter sehr schlecht wird und während dieser Zeit starke Regengüsse, nicht selten in Begleitung von Hagel, niedergehen. „Hundstage hell und klar zeigen an ein gutes Jahr; werden Regen sie bereiten, kommen nicht die besten Zeiten" heißt eine der vielen Bauernregeln um die Hundstage. Eine andere lautet: „Wie die Hundstage beginnen, so endigen sie", oder: „Was die Hundstage gießen, muß der Winzer büßen".
Ihren etwas sonderbaren Namen haben die Hundstage von dem Stern Sirius, dem hellsten aller Fixsterne, der in der Zeit vom 24. Juli bis 24. August gleichzeitig mit der Sonne auf- und untergeht. Schon bei den alten Griechen galten die Hundstage als der Höhepunkt sommerlicher Hitze. Die Äegypter verehrten den „Großen Hundsstern" als Segenspender, denn er war gewissermaßen das Zeichen, daß sich der Nil über die Ufer erhob und das Land mit dem fruchtbaren Naß überschüttete.
Mit den Hundstagen untrennbar verbunden ist die Vorstellung vom Versiegen der Hungerbrunnen, vom Vertrocknen der Wasserläufe und vom Hervortreten der in Flußbetten liegenden Hungersteine, die, wenn sie die Gluthitze bedeckt, aus den spärlichen Wasserinseln ihr Haupt herausstrecken und so kommende Dürre anzeigen. Die bekanntesten „Hungersteine" sind die in der Elbe bei Bodenbach- Tetschen, die seit 1790 den Spruch tragen: „Wir sind die Hungersteine, wenn Du uns siehst, so weine!" Die ältesten bekannten Hungersteine datieren angeblich von 1115. Neben diesen gab es auch zu Zeiten großer Teuerung Hungermünzen aus Zinn mit Hungersteinbildnissen und den damaligen Lebensmittelpreisen.
Mit Beginn der Hundstage ist auch die Zeit gekommen, in der die sogenannten hellen Nächte ihr Ende erreicht haben.
Sportkurse des Sportamts ließen
Achtung! Verlegung von Sportkursen!
Schwimmen im Volksbad.
Wegen baulicher Veränderung des Volksbades fallen die beiden Schwimmstunden am Mittwoch, 24. Juli, aus. Die Stunden werden am Freitag, 26. Juli, von 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr Uhr nachgeholt. Lehrstätte: Volksbad.
Während der Schulferien werden folgende Kurse in die Turnhalle der S ch i l l e r s ch u l e, Schiller- straße, verlegt: Donnerstags von 20 bis 21 und 21 bis 22r Uhr, Fröhliche Gymnastik und Spiele für Frauen; Freitags von 20 bis 21.15 Uhr, Allgemeine Körperschule, für Frauen und Männer.
Allgemeine Körperschule.
Dienstags von 19 bis 21 Uhr, Universitätssportplatz am Kugelberg; Donnerstags von 16 bis 18 Uhr, Universitätssportplatz am Kugelberg; Freitags von 20 bis 21.15 Uhr, Schillerschule, Schillerstraße, fällt diese Woche aus!
Fröhliche Gymnastik und Spiele.
Dienstags von 20.30 bis 21.30 Uhr, Lollar, „Zur Linde"; Donnerstags von 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr, Schillerschule, Schillerstraße.
Leichtathletik.
Samstags von 17 bis 19 Uhr, Universitätssport- platz am Kugelberg.
Reichssportabzeichen.
Donnerstags von 18.30 bis 20.30 Uhr, Universitätssportplatz am Kugelberg
Seit gestern abend befinden sich die Truppen unserer Gießener Garnison unterwegs in einem mehrtägigen Manöver. Das 2. Bataillon rückte gestern abend in die Gegend von Launsbach, Wißmar, Badenburg ab und wird in den nächsten Tagen durch das Lumdatal und beiderseits davon in Richtung Grünberg weitere Manöver abhalten. Das 1 Bataillon ist heute in früher Morgenstunde in Richtung Lich, Hungen, Rodheim a. d. H., Schotten abgerückt, um in diesem Raume seine Manöver durchzuführen.
Das 2. Bataillon führte seine erste Hebung tm Laufe der letzten Nacht in der Gegend von Launsbach— Wißmar beiderseits der Lahn durch. Es handelte sich dabei um einen nächtlichen Ueber- gang über die Lahn unter Verwendung von behelfsmäßigem Material. Bei dieser Uebung wurden auch Floßsäcke, Pontons usw. zur Ueberquerung des Flusses eingesetzt. Gestern etwa von 20.30 Uhr ab pamen die ersten Bewegungen der Truppe in Gang, wobei auf dem westlichen Lahnufer in Richtung Launsbach Widerstandsnester der Infanterie den vom östlichen Lahnufer aus zum Flußübergang ansetzenden Feind behindern sollten. Der Brückenbau über die Lahn begann gegen 1 Uhr. Gegen 3.30 Uhr erfolgte der Uebergang der 6. Kompanie in der guten Zeit von 6 Minuten; dabei passierten
Tennis.
Montags von 18 bis 19 und 19 bis 20 Uhr, Städt. Tennisplätze am Schützenhaus; Dienstags von 6.15 bis 7.15 Uhr, Städt. Tennisplätze am Schützenhaus.
Reiten.
Montags von 21 bis 22 Uhr, Dienstags von 21 bis 22 Uhr, Mittwochs von 20 bis 21 Uhr, Freitags von 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr, jeweils in der Reitschule Schömbs, Brandplatz.
Für den Reitkurs Mittwochs sind noch 6 Plätze frei. Die Kosten betragen für Mitglieder der DAF. 8 Sportmarken je 1 Mark = 8 Mark, für Nichtmitglieder 8 Sportmarken je 1,50 Mk. = 12 Mark. Interessenten wollen sich umgehend schriftlich oder telephonisch (2919) an das Sportamt, Schanzenstraße 18, wenden.
Schwimmen.
Montags von 18 bis 19.15 Uhr, Badeanstalt des Männerbadevereins; Mittwochs von 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr, Volksbad. (In dieser Woche Freitags.) Samstags von 16 bis 17.15 Uhr, Lollar, Lahnbad. Alle Schwimmkurse sind für Anfänger und Fortgeschrittene eingerichtet
vornokizen.
— Tageskalender für Dienstag: NSG. „Kraft durch Freude": 19 bis 21 Uhr Allgemeine Körperschule auf dem Unioersitätssportplatz am Kugelberg; 18.15 bis 19.15 Tennis auf den städtischen Tennisplätzen am Schützenhaus; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schönibs, Brandplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die törichte Jungfrau".
— „Hilde und 4 PS" statt „Sonne für Renat e". Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Der Spielplan für Mittwoch, 24. Juli, mußte infolge plötzlicher Erkrankung von Frl. W i e- lander geändert werden. Statt des Lustspiels: „Sonne für Renate" von Ebermayer kommt Kurt Sellnicks Lustspiel: „Hilde und 4 PS" unter Wolfgang Kühnes Spielleitung zur Aufführung. Viele Theaterbesucher werden Kurt Sellnick als Autor und Verfasser von „Himmelsstürmer" und „Thespiskarren" bereits kennen. „Hilde und 4 PS" bringt das neue deutsche Volksauto in heitere Schicksalsverknüpfung mit den Trägern der Handlung. Die
nicht nur die Mannschaften, sondern auch die Maschinengewehre der Kompanie auf den bekannten kleinen Handwagen die Pontonbrücke, während Minenwerfer aus einer Fähre über die Lahn gesetzt wurden. Dem Uebergang über den Fluß folgte noch ein kurzer Angriff in der Richtung der Bahnstrecke zwischen Wißmar und Launsbach, dann wurde die Uebung heute gegen 4.30 Uhr abgebrochen. Die Kompanien versammelten sich sodann auf den Wiesen beiderseits der Lahnbrücke in der Nähe der Badenburg, wo heute gegen 6 Uhr von den Feldküchen warme Verpflegung ausgegeben wurde. Einige Stunden der Ruhe im Frühsonnenschein auf den Wiesen gaben unseren Soldaten die Möglichkeit, noch „ein Auge voll Schlaf" (teilweise wurde kräftig gepennt und „gesägt") zu nehmen. Gegen 8.15 Uhr kam dann das Kommando „Fertigmachen!", die Kompanien traten an, und dann ging es weiter in Richtung Mainzlar, wobei unterwegs natürlich allerlei Uebungen durchgeführt werden. Am morgigen Mittwoch wird diese Abteilung unserer Garnison in der Gegend von Treis a. d. Lumda, Nordeck-Winnen manövrieren.
Das 1. Bataillon befindet sich heute auf dem Marsch nach Hungen, wo es heute abend Quartier beziehen wird. Natürlich werden auch bei dieser Abteilung unterwegs mancherlei Uebungen durchge- führt.
Titelrolle ift eine hübsche Aufgabe für den heutigen Jungmädeltyp. Da das Lustspiel ganz in unserer Zeit steht, ist es selbstverständlich, daß „Hilde und 4 PS" im Spielplan 1935/36 vieler Bühnen steht. Dieses Lustspiel berührt ein zeitgemäßes Thema im lustigen Spiel und wird daher in jedem Akt zu einer das Publikum bestens unterhaltenden Angelegenheit. Spieldauer von 20 bis 22 Uhr.
Sienographieauchin fremden Sprachen
Nicht nur in feiner Muttersprache kann der deutsche Kurzschriftler stenographieren, sondern auch in einer ganzen Reihe anderer Sprachen. Das Leistungsschreiben anläßlich des Deutschen Stenographentages, der vom 2. bis 5. August in Frankfurt a. M. stattfindet, wird deshalb nicht nur in deutscher Sprache veranstaltet. Es sind Teilnehmer gemeldet für eine englische, französische, holländische, spanische, italienische, portugiesische, ja sogar für eine griechische und eine lateinische Prüfung. Ein ganz besonders sprachkundiger Stenograph aus Pöh- lau in Sachsen hat sich für Leistungsschreiben in deutscher, holländischer und portugiesischer Sprache gemeldet. Die Prüfungen in fremdsprachiger Kurzschrift sind nicht für Ausländer, sondern für deutsche Kurzschriftler bestimmt.
Au«ozusamnienNoh
Gestern nachmittag stießen an der Ecke Marburger Straße/Wiesecker Weg zwei Personenkraftwagen zusammen. Das eine Auto kam aus Richtung Wieseck und wollte in die Marburger Straße einbiegen, während der andere Kraftwagen die Marburger Straße auswärts in Richtung Lollar fuhr. Bei dem Zusammenstoß erlitt der eine Kraftwagenführer namens Eugen P letsch von hier Kopfverletzungen, die Insassin des anderen Autos, Käthe Schmidt, trug eine Gehirnerschütterung und Verletzungen am Kopfe, die weitere Mitfahrerin Erna N i e ß von hier einen Nervenschock und leichtere Prellungen davon. Die Verletzten wurden der Chirurgischen Klinik zugeführt. Die Untersuchung über die Ursache des Unglücksfalles ist im Gange.
Daten für den 24. Juli
1783: Simon Bolivar, der Befreier Südamerikas, in Caracas geb. (geft. 1830). — 1908: Der
Maler Walter Leistikow in Berlin geft. (geb. 1865), — 1920: Der Schriftsteller Ludwig Ganghofer in Tegernsee geft. (geb. 1855).
Gießener Dochenmarktprelse.
* Gießen, 23. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkte kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55, Landbutter 1,40 bis 1,42 Mark, Matte, 20 bis 25, Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 9 bis 11, Wirsing (grün), das Pfund 12 bis 15, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 20 bis 25, Gelbe Rüben 10 bis 15, Rote Rüben 10 bis 15, Spinat 18 bis 20, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 20 bis 25, Bohnen (gelb) 25, Erbsen 20 bis 25, Tomaten 30 bis 45, Zwiebeln 15 bis 18, Rhabarber 8 bis 10, Pilze 50, Kartoffeln (neue) 7 bis 10, der Zentner 6,20 Mark, Pfirsiche 40 bis 60, Himbeeren 50, Birnen 30 bis 50, Kirschen 40 bis 50, Heidelbeeren 40, Stachelbeeren 20 bis 30, Johannisbeeren 20 bis 25, Erdbeeren 60, junge Hahnen 0,90 bis 1 Mark, Tauben, das Stück 50, Blumenkohl 10 bis 70, Salat 5 bis 12, Salatgurken 10 bis 35, Einmachgurken VA bis 4, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Suppengrün 5 bis 8, Radieschen, das Bd. 8 bis 10 Pf. Serienaufgaben für Mutier und Kind.
In den schönen Ferienwochen, am Feierabend zur Sommerzeit und des Sonntags zieht es den deutschen Menschen immer gewaltig zur stillen Natur unseres herrlichen Vaterlandes hinaus. Was gibt es dort auch für Wunder zu schauen, aus denen dem Erwachsenen seelische Erquickung erwächst, und das Kind seinen Schönheitssinn formen und seine Lernbegier befriedigen kann. Tief wirkt die Natur auf uns ein, wie sie uns in Feld und Wiese, in Forst und Anlage entgegentritt! Der Bauer teilt sein Ackerland so abwechsungsreich ein, daß die Dichter mit Recht von einem Teppich reden, den die bäuerliche Hand über die deutsche Landschaft breitet Und der Gärtner, der in das graue Stadtbild so schöne, frische Anlagen hineinzaubert, tut dem Auge, den Nerven und auch den Lungen des Stadtmenschen eine rechte Wohltat an. Staat und Gemeinde sorgen dafür, daß der städtische Wohnplatz geschmückt ist. Leider haben diese liebevollen und fürsorglichen Bestrebungen einen bitterbösen Feind — das ist die Gedankenlosigkeit. Statt ruhig und friedlich das heimatliche Bild zu genießen, zerstört es mancher. Gewiß zerpflückt dieser hier nur ein Zipfelchen und zerrauft jener dort nur ein Eckchen, aber alles in allem fällt doch jährlich ein gut Stück Kulturarbeit der Gedankenlosigkeit zum Opfer.
Gehen wir einmal an diesem Felde am Stadtrande vorbei! Weich' Glück bedeutet es für einen Stadtmenschen, ein wogendes Kornfeld vor seinen Fenstern zu haben, welche Freude hat der Ausflügler, der in bunter Folge an wohlbestelltem Getreideacker, dann wieder an Kartoffelfeldern und Wiesen, wo es nach Heu duftet, entlang wandern kann! Aber seht — dort ist eine tiefe Trittspur. Sie führt weit ins Korn hinein. Ein Kind wollte .,nur einmal" eine Kornblume pflücken. Es ist gar nicht schade um die Kornblume, um so mehr aber um den Gottessegen, der zertreten am Boden liegt. Dort haben Spaziergänger zu ihrer „Bequemlichkeit" einen langen und breiten Weg über eine Wiesenecke gebahnt, um den Weg abzukürzen, wahrscheinlich. Wozu diese Hast beim Wandern? Dor allem aber: wozu diese Eile auf Kosten des Bauern? Vielleicht ist es aus Gedankenlosigkeit geschehen, aber das ist unserer nicht würdig. Wir wollen unsere Freude mit Besinnlichkeit suchen und mit Rücksicht auf andere genießen! Das muß vor allem das Kind lernen. Die Eltern dürfen kein schlechtes Beispiel geben, sondern sollen liebevoll das Kind auf die Unarten solchen Treibens aufmerksam machen. Wozu muß jedes Stücklein Rasen betreten werden? Zumal wenn er jung und empfindlich ist. Schaut: dort die junge Birke. Kürzlich ragte sie mit ihrem lichtgrünen Haupte noch in den Himmel. Dann erkletterten einige Buben das kaum zwei Meter hohe Stämmlein. Da brach die Krone. Weshalb erlaubt die Mutter ihren Kindern, dort aus dem Gebüsch am Waldrande Zweige zu reißen? Nun schwirrt die Meise gramvoll über ihrem achtlos zerstörten Nest. Die junge Brut liegt am Boden! Wie bedauerlich ist es, wenn man sieht, daß Blumen — vor einer Stunde erst gepflückt — als Ballast schon wieder auf die Landstraße geworfen werden! Dazu mußte also die schöne, grüne Wiese zertreten wer- den. Schaut dort die Kinder; sie schlendern etwas gelangweilt am Garten entlang und jetzt auch an der schöngeschnittenen Hecke des Stadtparkes. Sie lassen die Hände über die grüne Blätterpracht gleiten, packen hier zu, rupfen dort ein Blatt und eini Zweiglein und werfen es hinter sich! —
Deutsche Eltern führt euren Kindern das Unrecht solcher Gedankenlosigkeit vor Augen! Lehrt sie, die Natur zu ehren und zu schonen! Sie werden euch gern folgen, denn der deutschen Kinder Herz ist tier- und blumenlieb.
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** Schulpersonalie. Ernannt wurde der Lehrer an der Volksschule zu Gießen Dr. Wilhelm B e l z , z. Z. kommissarisch an der Augustinerschule (Gymnasium und Oberrealschule) zu Friedberg, zum Zeichenlehrer an dieser Schule mit Wirkung vom 1. Juli 1935 an.
** Abschieds-Vorstellung von Frl. Pflug. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Lorle Pflug, die mit Abschluß dieser Sommerspielzeit Gießen verläßt, um nach Osnabrück zu gehen, verabschiedet sich in Kurt Sellnicks Lustspiel „Hilde und 4 PS" von den Gießener Theaterbesuchern.
** A u f der Straße gestorben. Ein tragischer Todesfall ereignete sich heute vormittag in der Hammstraße / Ecke Gabelsb"rgerstraße. Dort war der 78 Jahre alte Landwirt Adam Koch III. aus Endbach (Kreis Biedenkopf) mit einem Auto angekommen und aus dem Kraftwagen gestiegen. Gleich darauf brach der alte Mann bewußtlos zusammen, und wenige Minuten später war er bereits verstorben. Anscheinend hat ein Herzschlag seinem Leben ein jähes Ende bereitet.
** Wohnhausneubau in der oberen Ebelstraße. Mit der Errichtung eines dreigeschossigen Mietwohnhauses, das in jedem Geschoß vier Wohnräume mit Zubehör erhalten soll, ist seit einigen Tagen in der oberen Ebelstraße begonnen worden. Da das Gebäude noch in diesem Herbst bezogen werden soll, werden die Bauarbeiten beschleunigt durchgeführt. Die zur Zeit ausgeführten Erd-, Maurer- und Betonarbeiten kommen durch die hiesige Baufirma Freitag zur Ausführung. Nach der Fertigstellung dieses Gebäudes bleibt nur noch ein Grundstück in diesem Straßenteil als unbebaut liegen.
** Köln-Düsseldorfer Sonderveran- ft a 11 u n g e n , also Fahrten, die über den regelmäßigen Fahrplan hinaus und zu besonders verbilligten Preisen ab Mainz ausgeführt werden, fin«
Kurze Rast an einem mit Luft gefüllten und gegen Fliegersicht getarnten Flvßsack an der Lahn. (Aufnahmen |2] Photo-Pfaff, Gießen.)
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