Devisenschiebung katholischer Missionare
sondern um
e und des Geschäf-
nimmt ständig zu. Es melden sich Angehörige aller in Abessinien lebenden Nassen- und Religionsbekenntnisse. Italienische Meldungen über Gegensätze zwischen den beiden Hauptreligionen Abessiniens, dem Christentum und dem Islam scheinen widerlegt zu sein. Der Kaiser feiert am 23. Juli seinen 42. Geburtstag. In Anbetracht der politischen Lage wurden in diesem Jahre die üblichen großen Festlichkeiten abgesagt. Es findet nur em Empfang d e r ausländischen Diplomaten und eine Abendveranstaltung statt. Die Parlamentsrede des Kaisers hat im ganzen Lande lebhaftesten Widerhall heroorgerufen. Ständig treffen Glückwunschtelegramme ein. Das amerikanische Rote Kreuz hat der abessinischen Re- gierung für den Kriegsfall seine Unter- stützung zugesagt, da Abessinien nunmehr Mitglied der Genfer Konvention ist.
Hohe Zuchthausstrafen.
Berlin, 22.3uli. Vom Berliner Schnellfchöf. fengerlcht wurden zwei leitende Geistliche des Ordens der „Missionare vom heiligsten herzen 3efuw wegen Devisenverbrechens zu Zuchthausstrafen verurteilt. Der 52jährige Prokurator Martin Utsch wurde zu vier 3ahren Zuchthaus und 75 000 Mark Geldstrafe verurteilt. Der 47jährige provinzial- obere Rudolf IÖ Hm f en erhielt drei 3ahreZuchthaus und 20 000 Mark Geldstrafe. Beiden wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf 3ahre abgesprochen. Die unter Umgehung der Devisenbestimmungen im Auslande angekauften 33 000 Dollarbonds wurden elngezogen und ferner die Einziehung eines Derkerfahbetrages von 38 5 0 0 Mark unter Mithaftung der „Missionsgesellschaft vom heiligsten Herzen 3esu" angeordnet.
Das Holz als Rohstoff.
Einheitliche Forst- und Holzbewirtschafiung durch das Reichsforstamt.
KriegsbegeisterunainAordiialien
Mailand, 23. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die entschiedenen Erklärungen Mussolinis haben in den Städten Norditaliens große Begeisterung unter der Bevölkerung ausgelöst. In allen Straßen Mailands, auf den Straßenbahnen, in den Kaffeehäusern, überall wurde die Lage lebhaft erörtert. In Mailand kam es zu Demonstrationszügen, die sich durch die Straßen zum D o m • Platz bewegten. Dort hatte sich abends eine große Menschenmenge angesammelt, die in Hoch-Rufen auf den Duce und in
Italienisch-japanische Spannung.
Eine erneute Erklärung Botschafter Sugimuras vermag den EntrüstungS- liurm der italienischen presse nicht zu beschwichtigen.
Rom, 22. Juli. (DJIB.) Agenzia Stefani meldet: Der japanische Botschafter 5 u g i m u r a hat einem Vertreter der „Tribuna" erklärt: „3ch bestätige in allen Punkten die Erklärungen, die ich dem Staatschef Mussolini gegenüber gemacht habe. Das, was ich vorgetragen habe, deckt sich mit den Gedankengängen der kaiserlich japanischen Regierung. Dafür verpfände ich 3hnen mein Dort als Botschafter." Der Botschafter fügte hinzu, daß 3apan in Abessinien gewisse wirtschaftliche 3nteressen zu schützen habe und daß es im kommenden Dezember in Addis Abeba eine Gesandtschaft einrichten werde. Schließlich versicherte er erneut, daß 3apan in Abessinien keine politischen Interessen habe.
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Die italienische Presse hält sich ungeachtet dieser Erklärung an Die ganz anders lautenden Meldungen aus Tokio über die japanische Haltung und geht mit den schärfsten Angriffen gegen Japan ins Gefecht. Die plötzliche „Verbrüderung Japans und Abessiniens" wird als „Bündnis der farbigen Rassen gegen die weiße Kultur" dargestellt. Diese Auffassung kommt bildlich in einer Karikatur des „Lavoro F a s c i st a" zum Ausdruck, auf der ein japanischer vollbewaffneter Soldat zu sehen ist, der mit offenen Armen auf einen abessinischen Krieger mit Schild und Speer zueilt. Das halbamtliche „G i o r n a l e d ' I t a l i a" schreibt, daß „angesichts einer kriegerischen Kundgebung der Gelben", wie sie die neue Haltung Tokios darstelle, alle weißen verpflichtet seien, dieser Tatsache alle Aufmerksamkeit zu schenken. Japan sei das letzte Land, das berechtigt sei, von Frieden, von der Gerechtigkeit und von der Verteidigung der Völkerrechte zu sprechen. Japan versuchte jetzt, auf billige Weise sich ein billiges P r e st i g e unter ollen farbigen Rassen Asiens und Afrikas
zu erkennen. Nach Anbruch der Nacht wurde der Himmel klar, und der „Krieg" nahm feinen Fortgang. lieber die Ergebnisse der ersten Nacht der Luftübungen wird erst näheres bekannt werden, wenn die Unparteiischen ihre Berichte erstattet und verglichen haben.
Lloyd Georges Antwort an die Regierung.
London, 22. Juli. (DNB.) Die Stellungnahme der Regierung auf die Vorschläge Lloyd Georges hat diesen zu einer Gegenantwort veranlaßt, die einer Kriegserklärung an die Regierung gleichkommt. Lloyd George erklärt, daß er sein Programm zur Grundlage des nächsten Wahlkampfes machen werde. Er würde Kandidaten auffteilen, die für sein Programm kämpfen werden. Weiter habe er die Absicht, sich mit der Gruppe „Freiheit und Demokratie" zusammenzuschließen, zu der Lord Allen of Hurtwood, Mr. Harold M a c M i H a n und andere Persönlichkeiten gehören. Die Antwort der Regierung bezeichnet Lloyd George als gänzlich unzureichend. Es sei genügend Geld vorhanden, um seine Arbeitsbe- schaffungspläne durchzuführen. Die Regierung wage es auch nicht, zu behaupten, daß feine Pläne grundsätzlich falsch seien, sondern bezeichne sie nur als z u r o ß z ü g i g oder behaupte, daß sie schon durchführe, was er vorschlage. Mit besonderer Schärfe wendet sich Lloyd George sodann gegen die Ablehnung seiner Landpiirtschaftspläne, die höheren Zollschutz und höhere Preise für die Landwirtschaft vorsehen. Die Regierung habe sich hier auf die schlimmsten Freihandelsgrundsätze festgelegt.
Schmährufen gegen den Negus von Abessinien ihren Gefühlen Ausdruck gab. Die Musikkapellen der Gast- und Kaffeehäuser spielten R e - volutions- und Kriegslieder. In den Theatern kam es verschiedentlich zu Kundgebungen unter Absingen der Giooinezza. Auch die Marseillaise war verschiedentlich zu hören, womit man anscheinend d i e italienisch - französische Verbundenheit besonders zum Ausdruck bringen wollte. Aus Genua werden ebenfalls Volks- anfammlungen gemeldet, sowie Umzüge durch die mit Fahnen und bunten Lampen geschmückten Straßen.
Eine Mellierunasoperaiion.
Der italienische Landwirtschaftsminister über Italiens Recht auf koloniale
Ausdehnung.
Paris, 23. Juli (DNB. Funkspruch). „Die italienische Arbeiterklasse steht begeistert hinter Mussolinis Abessinien-Plänen", so erklärte Landwirtschaftsminister R o s s o n i dem Sonderberichterstatter des „Echo de Paris". Rom und ganz Italien werde von der Angliederung Abessiniens Vorteil haben, in erster Linie aber die Arbeiterklasse. Von einer abessinischen Arbeiterklasse könne keine Rede sein. In Abessinien gebe es nur ein rückständiges Volk, das nicht den zehnten Teil seines Gebietes besetzt halte, während die Italiener in ihren Grenzen erstickten. Eine neue Verteilung sei also logisch, gerecht, menschlich und notwendig. Eine koloniale Ausdehnung sei im übrigen kein Krieg, sondern eine „Nivellierungs-Operation". Solange die Welt bestehe, habe sich ähnliches abgespielt. „Echo de Paris" setzt sich warm für Italiens Kolonialpolitik ein, weil Frankreich auf diese Weise Gelegenheit geboten werde, seine Freundschaft mit Italien dauerhaft zu gestalten.
Italien setzt die Lira-Golddeckung herab.
R ° m, 22. Juli. (DNB.) „Gazzetta Ufficiale" ver- öffentlich! ein Dekret, in dem die Bestimmungen des Artikels 4 Absatz 1 des Währungsgesetzes von 1927 vorübergehend außer Kraft gefetzt werden. Der angeführte Absatz setzt die Golddeckung der Lira auf 40 v. H. fest. Es handelt sich also um eine außergewöhnliche Senkung dieser gesetzlich festgelegten Golddeckung, über deren Ausmaß in dem Dekret nichts gesagt wird. Begründet wird diese Maßnahme mit der Notwendigkeit und Dringlichkeit, Zahlungsmittel „außergewöhnlichen Charakters" nach dem Auslande bereitzustellen.
Berlin, 22. Juli. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat in einem Erlaß an- geordnet, daß die Angelegenheiten der Hol z- wirtschaft sowie des Wildbrethandels einschließlich der Ein- und Ausfuhr von lebendem Wild aus dem Geschäftsbereich des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft auf das Reichsforst amt übergehen. Nach dem Gesetz über die preußische Landesforstverwaltung und der Gründung des Reichsforstamtes ist diese Maßnahme ein weiterer Schritt auf dem Wege zur Einheit und Eigenständigkeit der deutschen Forst- und Holzwirtfchaft. In Zukunft soll nun das Rohstoffgebiet der Holz- und Forstwirtschaft nach einheitlichen Grundsätzen in handelspolitischer und marktregelnder Beziehung behandelt werden.
lieber die Bedeutung dieser neuen Regelung machte Generalforstmeister von Keudell der Presse nähere Ausführungen. Die Bedeutung der deutschen Holzwirtschaft, so sagte er u. a., sei in letzter Zeit außerordentlich gestiegen durch den Fortschritt unserer technischen Entwicklung und den erhöhten Bedarf unserer Wirtschaft, wie auch durch unsere Handels- und deoisenpolitische Lage. Es müsse unser Ziel sein, die Holzeinfuhr auf das allernotwendig st e Maß z u beschränken. Dazu gehöre die reftiofe und zweckmäßigste Verteilung der Holzerzeugung unserer deutschen Forsten. Nur die Hälfte unserer Holzerzeugung bestehe aus Nutzholz, während über 25 Millionen Festmeter als Brennholz für die Zwecke des Haus- und Jndustriebrandes benutzt würden. Der Rohstoff Holz sei jedoch in seiner stofflichen Zusammensetzung viel zu wertvoll, als daß er über ein bestimmtes
> Auch der Mitangeklagte Provinzial W i l m s e n, i der Nachfolaer Jansens, will an die Gesetzmäßig- j feit der Geschäfte geglaubt haben. Er besitze keine [ finanztechnische Vorbildung und habe auch keinerlei ! Interesse für derartige Dinge.
Der Anklagevertreter erklärte dazu, wenn i der Angeklagte Utsch tatsächlich, wie er behauptet, i an die Legalität des Geschäftes geglaubt hätte, so i brauchte er sich später nicht wie ein unredlicher : Kaufmann zu verhalten. Er hätte dann die einzel- i nen Beträge ordnungsgemäß verbuchen können, und er brauchte Dann nicht seine Hand da- . zu zu geben, daß ein Teil der Belege vernichtet wurde. Ein Vertreter der Hofius-Bank hat von Utsch Quittungen über die nach Holland gegangenen Beträge verlangt, diese Quittungen aber nicht erhalten. Stattdessen wurden z u r ü ck d a - tierte Schecks ausgestellt, und zu feiner persönlichen Sicherung hat sich Utsch in einer Gegen- qmttung bescheinigen lassen, daß diese Schecks nur zuBeleg zwecken gegeben wurden. Das alles weise anscheinend darauf hin, daß es dem Angeklagten darauf angekommen sei, Geschäfte zu tätigen, die verborgen bleiben mußten. Damit et erwiesen, daß Utsch gemeinschaftlich mit Pater Jansen und Dr. Hofius an der Verschiebung der 52 000 Mark nach Holland und an dem unzulässigen Erwerb der Dollarbonds in Holland in ool- ler Kenntnis des strafbaren Charakters feiner Handlungen mitgewirkt habe. Es erscheine keineswegs glaubhaft, wenn W i l m f e n erkläre, die Geschäfte nicht durchschaut zu haben, vielmehr müsse er auch im Sinne der Anklage als ü b e r f ü h r t gelten. Die den Angeklagten zur Last fallenden Handlungen ständen auf einer Stufe mit Landesverrat. Bei Erlaß des ersten Devisengesetzes 1931 wurde der Ernst der Lag» dadurch zum Ausdruck
Verzinsung des Holland-Darlehens des Ordens verwendet.
Der Pater Utsch, der als Prokurator für die finanzielle Verwaltung der norddeutschen Provinz des Ordens „Missionare vom heiligsten Herzen Jesu" verantwortlich war, erklärte, die Missionsgesellschaft habe zwei große Missionsgebiete zu betreuen. Das eine liege in den ehemaligen deutschen Südseekolonien Neu-Pommern und Neu« Mecklenburg mit dem Hauptstützpunkt in Rabaul, ein zweites Missionsgebiet liege in China. Der Gesellschaft flössen Mittel aus der Arbeit der Missionare, aus Geschenken und Meßspenden zu. Durch die Devisensperre hätten sich allmählich erhebliche Summen angesammelt und dem damaligen Provinzial Jansen, der inzwischen nach Rom berufen worden ist, habe viel daran gelegen, diese Gelder zu sichern. Pater Jansen sei dann mit Dr. Hofius in Berührung gekommen, der 3 um Ankauf von Dollar bonds in Holland geraten habe. Im Orden habe man gegen diese Geschäfte keine Bedenken gehabt, weil Dr. Hofius auf alle Fragen stets erklärt habe, es geschehe alles gesetzmäßig und es werde in Deutschland kein Sperrkonto errichtet.
Der Hauptpunkt der Anklage bezog sich auf das 1932 über 200 000 französische Franken abgeschlossene Darlehensge.schäft mit der französischen Nachbarprovinz des Ordens. 165 000 Franken von diesem Darlehen flössen unmittelbar an die Missionsniederlassung der norddeutschen Ordensprovinz in Rabaul (Südsee) und weitere 25000 Franken an d ie Generalverwaltung in Rom; nur der Rest von 10 000 Franken kam der norddeutschen Ordensprovinz zugute, die als Darlehensnehmerin jedoch für den ganzen Betrag von 200000 Franken zu haften hatte. Die Anklage sieht den Verstoß gegen die Devisenbestimmungen in dem Verbringen der Teilbeträge nach Rabaul und Rom. Es blieb aber nicht bei dieser Kapitalverschiebung, sondern Utsch erschlich sich nach der Anklage auch noch die Genehmigung zur Zinszahlung in Höhe von 8220 Franken, wobei er wohlweislich verschwieg, daß nur ein gerin« fler Teil des zu verzinsenden Darlehens nach Deutschland geflossen war. Auch in diesem Verfahren spielt der bekannte „Wirtschaftdbera- ter" der Orden, Dr. H o f i u s , eine peinliche Rolle. Er kaufte für den Orden nominal 28 000 Dollarbonds in Holland auf. Der Gegenwert in Höhe von 52 661,15 Mark wurde dem Guthaben des Ordens bei der Universum-Bank in Berlin entnommen und über d i e holländische Grenze geschafft. Weiter geht es um die Beteiligung an der neu zu gründenden Universum- Bank in Amsterdam. Als Wilmsen Ende 1932 in Öen Aufsichtsrat der Universum-Bank eintrat, erklärte er sich bereit, 5000 Gulden Aktien zu über- nehmen und der Mitangeklagte Utsch überwies den Gegenwert in Höhe von 8500 Mark an die Ber- jincr Niederlassung der Bank. Der in Holland be- stndliche B e sitz des Ordens wurde der Reichsbank überhaupt nicht angezeigt und ots daraus fließenden Zinsen widerrechtlich zur
des Christentums. sich gegen ein christliches Land gemeinsam bis zum letzten Bluts- Land wende. Die arabische Presse betone, daß sich tropfen verteidigen würden. Der -Zustrom die Araber England anvertrauen könnten. — D?n 5 r_eJ ro H1 i g e n für das abessinische ^Heer
zu schaffen. Es nehme, nicht ohne sich dabei schwer zu täuschen, an, daß der italienischen Politik in Ostafrika durch eine englische Intervention oder durch die des Völkerbundes Einhalt geboten oder daß sie auf ein anderes Gleis gebracht werden könnte. Es halte offenbar den Augenblick für gekommen, sich mit Lärm hervorzutun, um b e n Verdienst dieses angenommenen italienischen Stellungswechsels einzustecken und sich dadurch eine moralische Stellung zu schaffen, die morgen dazu benützt würde, ehrgeizige Pläne gegen d i e gleichen englischen Interessen und die gleichen Prinzipien des Völkerbundes durchzusetzen, über die sich Japan schon seit drei Jahren hinwegsetze. —
„L a o o r o Fascista" schildert ebenso leidenschaftlich erregt das Programm der augenblicklichen japanischen Politik: „Unterjochung der weißen Rassen unter die gelben, Unterwerfung der westlichen Kultur unter eine japanische Vorherrschaft". Einen Keil des Mißtrauens in den englisch-französisch-italienischen Block zu treiben, sei heute das Ziel Japans, um das europäische Zusammengehen zu schwächen. — „Gazzetta del Popolo" schreibt u. a., ausgerechnet Japan ergreife die Partei Abessinien gegen Italien, Japan, das seine Hand gegen die Chinesen, ein Volk von unstreitig hoher Zivilisation, ausstrecke. Bei diesen antiitalienischen Ergüssen Japans handele es sich nicht um eine sentimentale Angelegenheit, ' ' Eifersucht der Rasse _ _ ^fc|uyvt|.
t e s. Italien lasse sich durch das Geschrei und die Drohungen weder entwaffnen noch aushalten. — „Stampa" sagt, es gebe keinen Vergleich zwischen der japanischen Handlungsweise in China und der ttalienischen Aktion in Abessinien. Dort handele es sich um die vielleicht älteste menschliche Kultur, hier um einen Hausen barbarischer und sklavenhändlerischer Stämme. Glaube England vielleicht, auch in Japan einen nützlichen Verbündeten für Sanktionen des Völkerbundes finden zu können? Durch und mit Italien könne das alte Europa feine Vorrangstellung bewahren und die weiße Rasse ihre Errungenschaften vertiefen. — „Cor- riere della Sera" schreibt, auch das „japanische Toben" lasse das italienische Volk vollkommen ruhig und furchtlos. Die Angelegenheit habe für Italien lediglich ben Wert einer Epi - f o b e, soweit sie sich auf bie inneren Beziehungen zwischen ber Regierung von Tokio und ihren biplo- matischen Vertretern im Auslanbe beziehe. Aber sie eröffne neue Ausblicke, inbem sie einen sehr ernften Präzebenzfall bafür schaffe, baß von nun an jebe Regierung bie Pflicht habe, ben Erklärungen, bie von japanischen Diplomaten gemacht werben, zu mißtrauen. Der japanische Imperialismus gehe zu einem groß angelegten A n griff nicht nur gegen Italien, fonbern gegen bie ganze w ei ß e Zivilisation über. Der gelben Gefahr müsse eine Einheitsfront ber weißen Zivilisation entgegengestellt werden.
notwendiges Maß hinaus der Verwertung im Ofen preisgegeben werden dürfe. Diese Erkenntnis habe unsere Chemie und Technik veranlaßt, gerade den minderwertigen Holzmengen besondere Beachtung zu schenken. Es werden in Zukunft große Mengen Brennholz unserer Treib st offwirtschaft Angeführt werden. Auch die Versorgung unserer Nutzfahrzeuge mit geeignetem Tankholz spielt eine große Rolle. Noch bedeutungsvoller aber ist die Versorgung unserer Zellstoff- und Papierfabriken in erweitertem Umfange aus ben seitherigen Brennholzposten. Dabei wirb bie Faserstoffchemie für bie Fabrikation von Gespin st fasern in fteigenbem Maße auf ben Rohstoff Holz zurückgreifen können. Auch bie chemische Verwanblung bes Holzes über bie Holzverzuckerung in Alkohol unb Futterhefe wirb einen neuen Faktor in ber Versorgung unserer Wirtschaft barstellen. Alle biefe Entwicklungsmöglichkeiten müssen bereits jetzt bei Handels« politischen Entscheidungen beachtet werden. Die Holzerzeugung der gesamten deutschen Forstwirtschaft erreicht im Jahre einen Wert von 900 Millionen Mark, der aber durch die Veredelung eine Wertsteigerung auf 4 bis 5 Milliarden Mark erführt. Der deutsche Wald könnte bereits heute ben größten Teil bes Holzbedarfes selbst erzeugen, wenn ber nicht» staatliche Walb in ben letzten hunbert Jahren auf ber gleichen wirtschaftlichen unb for st wirtschaftlichen Höhe gehalten worben wäre wie ber Staatswalb. Ein Reichs» f o r st g e f e tz soll auch alle nichtstaatlichen Wälber im Sinne ihrer volkswirtschaftlichen Aufgaben erfassen.
Jeder Mann, den man auf dem Lande beschäftige, bedeute für einen Mann mehr Arbeit in der Industrie.
Nie Glaubenskampfe in Irland.
London, 23. Juli. (DNB. Funkspruch.) In Belfast herrschte am Montag verhältnismäßige Ruhe Das Begräbnis eines weiteren Opfers ber von unsichtbaren Schützen abgefeuerten Schüsse verlief ohne Zwischenfälle. Am späten Abend würbe aber ein 19jähriges Mädchen von einer Kugel ins Bein getrof- f e n. Seit bem 12. Juli sinb 121 Verhaftungen vorgenommen worben, bavon in 8 Fällen wegen unbefugten Gebrauches von Schußwaffen. Die zahlreichen Branbstiftungen unb sonstigen währenb ber Unruhen angerichteten Schüben haben bazu geführt, baß bisher nicht weniger als 4 5 0 Schabensersatzforderungen bei ber Oe- meinbeverwaltung von Belfast angemelbet worben sinb.
Inzwischen bauern bie „Vergeltungsmaßnahmen" im irischen F r e i ft a a t für bie „Terrorisierung ber katholischen Minberheit" durch bie Protestanten in Belfast an. In Kilmallocki in ber Grafschaft Limerick würbe eine protest a n ti sch e Gemeinbekirche n i e b e r gebrannt. Außerbem werben „leichtere" Fälle ge- melbet, wie ein Revolveranschlag auf eine Bank, beren Leiter ein Protestant ist, unb bas Beschmieren von Häusern unb Türen mit drohen» ben Aufschriften.
Nie Arbeitsteilung im Soreign Office. Beschwerden int Oberhaus.
London, 23. Juli. (DNB. Funkspruch.) Im Oberhaus ersuchte am Montag Lord Rennell (konservativ) um Auskunft über die Verteilung der Arbeiten unb die Verantwortlichkeiten zwischen bem Außenminister Sir Samuel Hoare unb bem Dölker- bundsminister Eben. Unter Hinweis auf ben Feh l- schlag bes Besuches Edens in Rom meinte er, daß bie Zusammenarbeit wohl z u wünschen übrig lasse, ba bas Foreign Office schon seit langem Kenntnis von ben wahren Absichten ber italienischen Regierung gehabt haben müsse. Lorb Rennell äußerte ebenso wie andere konservattve Rebner, barunter Lorb Churchill, Bedenken gegen die „neue Politik ber Rundreisen von Ministern". Der Führer ber Arbeiteropposition, ßorb Ponsonby, warf bem Staatssekretär bes Aeußeren mangelnbe Sachkenntnis oor„ führte ben Fehlschlag bes Vermittlungsangebots in Rom auf mangelnde Zusammenarbeit ber beteiligten Ministerien zurück und bezeichnete ben britischen biplo« matischen Dienst als untüchtig.
Der Unterstaatssekretär bes Aeußeren, ßorb Steinl) ope, erklärte, bie Außenpolitik werbe vom Kabinett unb von niemanb anberem geleitet. Ebens Reise nach Paris unb Rom habe bezweckt, Mißverstänbnisse zu beseitigen. In Paris sei bies auch gelungen. Eben werbe als Regierungsvertreter nach Genf gehen, wenn feine Anwesenheit Dort notroenbig sei. Hoare werbe voraussichtlich im September bort sein. Eben werbe mit Hoare über aUe Fragen Rat pflegen. Hoare leite bie Außen- politiE unb werbe, falls bies notroenbig fei, ben 'Betftanb Ebens haben. Binnen kurzem werbe sich der Völkerbund mit höchst schwierigen Fragen be* fallen müssen, was die Anwesenheit britischer Minister notwendig mache. Eine Abwesenheit bes Außenministers von ßonbon sei bedauerlich. Die einzige andere Möglichkeit sei, einen zweiten Kabi« nettsrnmifter in Gens zu haben.
Lustmanöver über London.
ßonbon, 23. Juli (DNB. Funkspruch). Die ßuftmanooer über ßonbon unb Umgebung sinb bereits in vollem Gange. Nach Ablauf bes „Ultimatums" von „Süblanb" am Montag um 18 Uhr erfolgten binnen einer einzigen Stunbe 12 verschiebens Angriffe non kleinen Gruppen von Bombenflugzeugen. Gewölk bas in 900 bis 1500 Meter Höhe ben Himmel' bebeefte, erschwerte bie Beobachtung ber Angreifer von ber Erbe aus. Andrerseits hatten diese aber auch Schwierigketten, chre Ziele
„Stampa“ knüpft hieran bie Bemerkung, bah Lng- tanb alles nur in feinem eigenen 3nter- e s s e tue. bie Araber würben wie gewöhnlich nichts bavon haben.
Abessinien ist einig im Abivehrwillen.
Addis Abeba, 22. Juli. (DNB.) Die ange- fünbigten Volksversammlungen ber „Bereinigung der Jugend Äthiopiens" haben allenthalben unter starker Beteiligung der gesamten Bevölkerung stattgefunden. Abwechselnd sprachen christliche und mohammedanische Priester, Staatsbeamte und Soldaten. In ihren Reden kam immer wieder zum Ausdruck, büß Abessinien 2 0 0 0 Jahre lang unabhängig gewesen sei und daß koptische Christen und Mohammedaner das1


