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res Reichspräsidenten war. Politische Interessen haben wir in Brasilien nicht zu verfolgen. Natür­lich wird es von uns begrüßt, wenn deutschstäm­mige Brasilianer sich immer mehr zu Führern ent­wickeln und an der Verwaltung Brasiliens teil­nehmen. Unsere Interessen sind rein wirtschaftlich, aber von großer Bedeutung und durchaus freund­schaftlich. Hier ist Brasiliens Haltung sehr entgegen­kommend, denn Deutschland ist der größte Ab­nehmer der Erzeugnisse Brasiliens in Europa. Auf der anderen Seite ist Brasilien ein riesi- a e r M a r k t f ü r d e u t s ch e A r t i k e l. Und die­sen Markt suchen wir weiter zu erobern. Daran wird Rio Grande do Sul mit feinen mancherlei Er­zeugnissen besonderen Anteil yaben. Ebenso haben wir kulturelle Beziehungen zu Brasilien zu wahren und diese gestalten sich erfreulicherweise immer enger. Möge der Zeppelin, der die Entfernung zwischen Deutschland und Brasilien auf drei Tage verkürzte, ein Zeichen für diese Annäyerung sein.

Nach dem Vortrag einiger Lieder durch die deutsche Jungenschaft und den Bund Deutscher Mädel erhob sich der Präfekt von Porto Alegre Major Alberto Bins und führte etwa aus: Obwohl eben erst von einer 800 Kilometer langen Reise ins Innere des Staates zurückgekehrt, 'will ich doch die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen. Sie, verehrter Herr Minister, im Namen der Stadt zu begrüßen. Sie erwähnten den bedeutenden An­teil des deutschen Elementes an dem Aufbau und Blühen dieser Stadt. Ich selbst habe immer das­

selbe betont und bin stolz darauf von Deutschen abzustammen. Der Major betonte weiter, es sei bedauerlich, daß der Gesandte nickt auch die deut­schen Kolonien im Staate besuchen könne, denn erst dort gewinne man einen rechten Ueberblick über den Wert der deutschen Arbeit an dem Fortschritt des Staates. Der deutsche Bauer sei der Pionier, der zuerst den Mut gehabt, in die Wildnis des Urwaldes einzudringen, die selbst von den India­nern gemieden werde. Ihm allein sei es zu danken, daß man heute Rio Grande doch als die Korn­kammer Brasilien bezeichnen könne. Wie in Deutschland sei auch hier die Regierung bemüht, die Lage des Bauerntums zu heben; sie wolle der Erhaltung deutscher Sprache und Sitte kein Hinder­nis in den Weg legen; ihre einzige berechtigte Forderung sei nur, daß in den Schulen die brasi­lianische Sprache und Geschichte gelehrt werde. Major Bins beendigte seine herzlichen oft von gro­ßem Beifall unterbrochenen Worte mit einem drei­fachen Hoch auf das Deutschland Adolf Hitlers.

Das offizielle Programm schloß mit zwei von dev Sängerriege des Turnerbundes oorgetragenen Lie­dern. Der ganze Verlauf des Abends hinterließ die tiefsten Eindrücke bei allen, die ihn erlebten, auch bei dem Gesandten, der am folgenden Tag früh im Flugzeug nach Rio de Janeiro zurückkehrte und die frohe Gewißheit mitnahm, daß die Deutschen in Porto Alegre an ihrem Deutschtum festhalten wer­den, wenn sie auch brave brasilianische Staats­bürger sind. O. Fertsch.

Die Notlage des akademischen Nachwuchses. Das Ergebnis einer Umfrage des «.Völkischen Beobachters."

In der Erkenntnis, daß die Notlage des akademi­schen Nachwuchses das gesamte deutsche Volk an­geht, hat derVölkische Beobachter" bei vier großen akademischen Fachschaften eine Umfrage gehalten, der wir auszugsweise folgendes ent­nehmen:

Aerzte:

Das medizinische Hochschul st udium dauert elf Semester und kostet etwa 9 bis 12 000 Mark, wobei Studiengelder und Lebenshaltungskosten ein­gerechnet sind. Das Angebot an Aerzten ist seit 1928 im ständigen Wachsen begriffen, während der Bedarf ständig sinkt. Appro­biert wurden 19281929 = 1273, 19311932 = 1891. Auf Grund der Vorprüfungsziffern läßt sich bereits sagen, daß im Jahre 1934 die Zahl auf ins­gesamt 3500, im Jahre 1935 auf 4000, im Jahre 1936 auf 4500, im Jahre 1937 ebenfalls auf 4500 wachsen wird. Der Bedarf an Aerzten wurde auf etwa 1200 bis 1400 für das Jahr 1931 geschätzt. Die Beurteilung der Entwicklung wird von der Reichsfachschaft dahin zusammengefaßt, daß die Zahl der Studierenden und der Aerzte weit über den Bedarf des Staates hinausgehen wird, ab 1935 um mehr als das Dreifache. Falls es dem jungen Arzt gelingt, eine Assistenten­stelle zu bekommen oder eine Kassenpraxis zu eröff­nen, liegt das durchschnittliche Monats­einkommen bei etwa 220 Mark und steigt bann bis schließlich 360 Mark, lieber diese Grenze hinaus­zukommen, ist meist schon recht schwierig.

Juristen:

Sieben Semester Studien, drei Jahre Vör­de r e i t u n g s di e n st als unbesoldeter Beamter (Referendar). Die durchschnittlichen Stud i en- ko st e n betragen etwa 12 000 Mark. Die Zahl der Assessoren ist seit 1928 ständig im Wachsen be­griffen. Im Jahre 1938 ist mit einem Höchst- ft a n b von 7 bis 8000 unbeschäftigten Assessoren zu rechnen, die mit einem Kosten­aufwand von 12 000 Mark sieben Jahre lang an ihrer Berufsausbildung gearbeitet haben, um dann arbeitslos vor dem Nichts zu stehen. Nach vorsich­tigen Schätzungen ergibt sich für den Gericktsassesso- ren eine regelmäßige Wartezeit von 10 Jayren, wo­bei dann das durchschnittliche Monats­einkommen etwa 200 bis 220 Mark beträgt.

Lehrer:

Studiendauer einschließlich Referendarzeit etwa 14 Semester, Studienkosten etwa 15 000 Mark. Die Zahl der Assessoren ständig im Wachsen, die Nachfrage naturgemäß durch das Schrumpfen der Schulklassen ständig im Sinken. Die Zahl der unbeschäftigten Assessoren in Preußen betrug im Jahre 1934 etwa 500, d. H. fast 20 v. H. der in diesem Jahre vorhandenen Assessoren. Die Zahl der minderbeschäftigten Assessoren etwa 1600, d. h. 40 v. H. der im Jahre 1934 vorhandenen Asses­soren. Vom 1. April 1935 hat sich die B e s ch ä f t i- gungslage noch bedeutend verschlech­tert. Das Durchschnittseinkommen eines vollbeschäftigten Assessoren in den ersten fünf Dienstjahren beträgt etwa 230 bis 300 Mark, das der minder beschäftigten etwa 100 bis 150 Mark. Eine spätere Aufbesserung ist meist nicht möglich, da die Aufstiegsmöglichkeiten äußerst gering sind.

Ingenieure:

Studiendauer 9 bis 10 Semester, Gesamtstudien- kosten etwa 6800 bis 7000 Mark. Seit dem Jahre 1933 eine fühlbare Erleichterung und Entlastung des Arbeitsmarktes infolge der Maßnahmen der Reichsregierung, der Wirt­schaft und der Stände. Weit entfernt sind wir aller­dings noch davon, bereits für alle Ingenieure eine Beschäftigung gefunden zu haben. Durchschnitts­einkommen in den ersten fünf Jahren etwa 200 bis 250 Mark. Im Gegensatz zu den übrigen akade­mischen Fachgruppen ist für den jüngeren Nach­wuchs heute die wirtschaftliche Lage günstiger als in früheren Jahren.

Es ist ein erbbiologisches Grundgesetz, daß der Wert des Erbgutes abhängig ist von dem Heirats­alter der Eltern. Das günstigste Heirats­alter liegt beim Manne bei 27 Jahren. Statistische Feststellungen haben ergeben, daß der Akademiker mit 27 Jahren ganz allgemein unverhei­ratet ist. Von 186 Diplomingenieuren im Alter von 25 bis 44 Jahren sind nur 25 v. H. verheiratet. Von diesen haben wiederum die Hälfte überhaupt keine Kinder, während nur 17 ein Kind und nur fünf von 186 Diplomingenieuren mehr als ein Kind haben. Aehnliches Material legte die Reichsfach­schaft der Assistenzärzte vor. Wenn man der Ansicht ist, daß die Akademiker wertvolles Erbgut weiter-

Reichskriegsminister v. Momberg

ehrt denMMpser der deutschen Wehrmacht.

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Scherl-Bildmaterndienst

Am Tage nach der historischen Reichstagsrede des Führers und der Verkündung des Wehrgesetzes legte Reichskriegsminister Generaloberst von Blomberg an dem Grabe des Generals Scharnhorst, des Schöpfers des Volksheeres, und an dem Grabe des Generalfeldmarfchalls von B o y e n, der im Jahre 1814 die allgemeine Wehrpflicht in Preußen einführte, Kränze nieder. Unser Bild zeigt den Reichskriegsminister nach der Kranzniederlegung auf dem Jnvalidenfriedhof vor dem Grabe Doyens;, dahinter Reichserziehungsminister Rust und Offiziere der Wehrmacht.

zugeben haben, dann muß man ihnen auch die Möglichkeit geben, eine Familie zu gründen. Bei den heutigen Entlohnungssätzen von durch­schnittlich 230 Mark ist das aber schlechterdings aus­geschlossen.

Die staatlichen Hilfmaßnahmen konn­ten bisher nur gering sein. Begrüßungswert ist natürlich die vorübergehende Zulassungs- sperre zum Hochschulstudium. Jedoch bringt diese Maßnahme erst in etwa 5 bis 6 Jahren eine Er­leichterung. Mit staatlichen Unterstützungen ist bei der Größe der Not im Augenblick nicht viel gewon­nen. Erforderlich ist und bleibt, daß zunächst d i e Jungakademiker ihrer Leistung und Ausbil­dung entsprechend höher bezahlt werden. Er­forderlich ist weiter, daß alle die Tausende arbeits­losen Jungakademiker wieder eingegliedert werden in den großen Arbeitsprozeß.

Nundsunkprogramm.

Freitag, 24. Mai.

6 Uhr: Frühkonzert I. 6.30 bis 6.45: Gymnastik. 7: Frühkonzert II. 8.10: Gymnastik. 10.15: Schul­funk. Im größten Binnenhafen der Welt. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskon- flcrt I. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Wirtschafts­

bericht. 15.15: Für die Frau.Frauenliebe und Leben." Eine Hörfolge aus dem gleichnamigen Liederzyklus von Robert Schumann nach Dichtun­gen von Adalbert von Chamisso. 16: Kleines Kon­zert. Lieder von Julius Weismann. 16.30: Der schwarze Tag der 69er. Ein Erlebnisbericht von W. Ziesemer (Köln). 16.45: Vom Werden und 23er-

Seinen Urlaub verbringt der deutsche Junge in den Zeltlagern der Hitlerjugend, kein Meister, kein Betriebsführer, der ihn daran hindert.

gehen der Dielstaaterei. Ein Rückblick auf deutsche Geschichte von Dr. H. Braun (Frankfurt a. M.). 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Jugendfunk, 'nen Augenblick bitte! 18.45: Das Leben spricht! 19: Und jetzt ist Feierabend. 20.15: Reichsfendung: Stunde der Nation. Marien-Kantate. 21.10: Kla­viermusik. Hubert Giesen. 22.30:Der unsterbliche Falstaff." Ein Funkspiel nach Shakespeare. Von Ludwig Metzger. 24 bis 1: Nachtkonzert. Werke von Johann Sebastian Bach.

Tiere hinter Glas.

Von Peter Bauer

Das Aquarium bekam ich eines Tages unter der Bedingung geschenkt, daß ich feinen mexikanischen Bewohner, einen Axolotl, mit übernehme. Die weiße plumpe Molchlaroe sah mit ihrem breiten Maul, den beiderseitigen Kiemenbüscheln und dem mächtigen Floffensaum an Rücken und Schwanz wie ein kleiner Tatzelwurm aus und bemühte sich, so träge wie möglich zu fein. Der Axolotl atmete, sonst tat er stundenlang nichts. Bewegungslos, wie ein Philosoph in ein Problem verbohrt, starrte er eine Glaswand an. Nur äußerst selten mimte er einen Tobsuchtsanfall: er wühlte den Sand auf, schoß in wilden Kurven auf und ab, prallte wider die Schei­ben und durchstieß den Wasserspiegel, als beabsich­tige er auszubrechen. Dann vergingen Minuten bis die aüfgemirbeüen Sand- und Schmutzmasten sich setzten und aus den geklärten Wassern der Axolotl, der schon wieder in seine übliche Erstarrung ver­fallen war, sichtbar wurde. Vielleicht empörte sich in diesen wilden Szenen die vergewaltigte Natur, der die Menschen einen verewigten Larvenzustand auf­zwangen, um einen grotesken Aquariumsbewohner mehr zu haben.

Nach ihm bezogen zwei Stichlinge das Glas­haus, das inzwischen einige grasähnliche Wasser­pflanzen mit zarten Blättern und Ranken in eine grüne Wildnis verwandelt hatten. Aber auch sie benahmen sich wenig wohlgefällig. Einer fühlte sich als der Stärkere und verfolgte den andern. Viel­leicht hätten sie sich in der Natur genau so verhal­ten, wenn sie einander begegnet wären, vielleicht hätte der Schwächere noch vor vielen anderen Stichlingen flüchten müssen, hier im engen Raum war jedoch die Verfolgung hitziger, und der Ver­folgte kam nie aus der Gefahrzone hinaus, bis er eines Tages rücklings wie ein gekentertes Boot an der Oberfläche trieb. Bald darauf ging auch der zweite Stichling ein.

Seitdem bewohnen zwei Goldfische das Aquarium. Es sind zwei von den tausenderlei Arten jener chinesischen Zierfische in Karpfenform, die ein­mal als Wildlinge unscheinbar grau ober bräunlich waren, in der Gefangenschaft aber den leichten Goldschimmer angenommen hatten. Ich fjabe sie ihrer Färbung nachMorgenröte undNacht" ge­tauft.Morgenröte" leuchtet am Rücken tief orange, wird aber nach dem Bauch hin immer heller und säumt dort mit einem blaffen Zitronengelb ab. Die Flossen sind ein wenig schwarz gerändert. Außer­

dem trägtMorgenröte" ein schwarzes Bärtchen über dem Maul.Nacht" ist natürlich schwarz bis auf den gelben Mondkopf und die vielen Goldsterne, die überall durchfunkeln. Auch tragen die Flossen und der Schwanz zarte Goldsäume. Beide sind, wie sie die Menschen wollen: schön und anmutig in jeder ihrer zierlichen Bewegungen. Wenn das Schwanz­steuer zart anschlägt, bann geschieht es leichter, als das Winken einer schmalen Frauenhanb in ben Ge­lenken spielt. Manchmal schlängelt sich eine stärkere Bewegung bes Schwanzes nach bem Kopse zu wei­ter, baß bie gleitendeMorgenröte" wie eine gol­dene Welle dahinhuscht ober wie eine züngelnbe Flamme. Mit befonberer Vorliebe suchen beide ihr Futter aus bem Kopfstanb, inbem sie mit heftig flappenbem Maul ben Sanb burchstöbern. Alles vollzieht sich inbes so geräuschlos unb leicht, baß bas Wasser starr bleibt unb gläsern wie ein Spiegel. Selbst wenn einer von ihnen in jähem Uebermut plötzlich einmal in scharfem Winkel aus feiner Rich­tung fast sprunghaft abbiegt, ist nur ein leises Ge­räusch wie es bei einem Kusse nicht sein soll Zu vernehmen unb bie zarten Fingerspitzen ber Wasserpflanzen beben kaum.

Es ist gut, baß bie Golbfische bie Blicke ber Men­schen vertragen unb nicht in Wut geraten wie ber Axolotl, ber fassungslos unb häßlich wirb. Denn wer im Glashause fitzt, oerbient Bewunberung.

Er schrieb Noten wie Briefe".

Aus zeitgenössischen Berichten über Mozart.

Als Mozart einst ber Geigenspielerin Str i- nasacchi eine Sonate für gemeinsames Kon­zert versprochen hatte, war am Abenb vorher noch keine Note geschrieben. Die Strinasacchi bittet, be­schwört, fleht; schließlich komponiert Mozart ihr bie Violinstimme. Sie übt ihren Part ein, unb beim Konzert ernten beibe großen Beifall. Der Kaiser Joseph aber, ber zugegen war, erkennt mit ber Lorgnette, baß Mozart keine Noten vor sich hat. Er läßt ihn zu sich kommen unb bitten, bie Sonate mitzubringen. Doch außer ber Violinstimme ist nichts aufgeschrieben, Mozart hat ben Klavierpart zu ber Violinstimme, bie er auch nur gehört hatte, frei erfunben.

Sinfonien, so z. B. ben ergötzlichenmu- sikalischen Spaß" feiner Bauernsinfonie, hat er gar nicht in ber Partitur, fonbern gleich nach Stimmen komponiert, eine gewaltige Leistung, bie boch nur möglich ist, wenn bas ganze Klangbild bis in bie

letzten Einzelheiten dem Komponisten aufs Leben­digste vor der Seele steht. DieHochzeit bes Figaro" würbe in einigen Wochen vollenbet. Um ben Vor­mittag zum Schreiben frei zu haben, verlegte Mo­zart alle seine Unterrichtsstunben auf ben Nachmit­tag. Die Ouvertüre zumDon Juan" ist bekanntlich in ber Nacht vor bem Tage ber Aufführung begon­nen unb zwar erst von 5 bis 7 Uhr früh ausgear­beitet worben.

All biefe Beispiele für bie Schnelligkeit ber Nie- berschrift zauberhafter Musikwerke bürfen inbes nicht mit ber inneren Arbeit bes eigentlichen Schaffens verwechselt* werben. Das Einzigartige an Mozarts Größe war nicht, baß er jeben Augenblick ein Mei­sterwerk nieberschreiben konnte, sondern baß bei ihm die einzelnen Stadien des schöpferischen Prozesses vollkommen verborgen waren. Während wir bei anderen Künstlern durch Selbstbekenntnisse, Ent­würfe, Studien, Skizzen das allmähliche Wachsen und Reifen ihres Werkes verfolgen können, sind uns bei Mozart nur wenige Vorstufen bekannt, selten Skizzien, meist nur der äußere Anlaß. Die eigent­liche gestaltende und schaffende Arbeit ist vor'dem ersten Entwurf schon getan, und auch die Aenderun- gen bei den Ausarbeitungen sind sehr spärlich; bas ist um so erstaunlicher, als gerabe in ber Musik eine harmonische Verschmelzung komplizierter Fak­toren notroenbig ist unb sich vor bem inneren Ohr des Komponisten die einzelnen Klänge der verschie­denen Instrumente deutlich sondern unb zu einem Akkorb oerbinben müssen.

Mozart, ber sich fein Orchester erst selbst geschaf­fen hat, erfanb wunbersame Klangverbinbungen, kostbare Kombinationen ber Streicher unb Bläser! ohne Ttroas Aehnliches je gehört zu haben, unb boch vereinigte sich alles zu einem einzig schonen Ge° bilbe, wenn bann bie Tone in ber Wirklichkeit er­klangen, bie bes Künstlers Schöpferkraft in feiner Phantasie aus bem Nichts geboren hatte. Das Kla­vier nahm Mozart beim Komponieren nie zu Hilfe, erschrieb Noten wie Briefe". Dagegen war ihm das Phantasieren auf dem Klavier Bedürfnis.

Schon als Kind mußte man ihn abends mit Ge­walt vom Klavier fort ins Bett bringen, unb auch in feinen Mannesjahren brachte er halbe Nächte am Klavier zu. Was ihn an süßen Klängen übermächtiqt burchflutete, ergoß sich in die Phantasien, bie er am Klavier improvisierte. Freunbe, bie ihm babei zuhören bürsten, erinnerten sich als Greise besten als bes Schönsten unb Ergreisenbsten, was sie je vernommen hatten. Mozart war bann ganz umfan­gen von einem Zustanb von Bezauberung und Ver- Zückung. Ueberhaupt war sein ganzes Wesen von allem Aeußeren, den Geschehnissen der Umwelt,

abgekehrt. Alles, was in ihm geschah, wurde ihm zu Musik.

Sie wissen," schrieb er an den Vater,baß ich sozusagen in ber Musique stecke, baß ich ben ganzen Tag bannt umgehe", unb so war es auch wirklich. Der Friseur hatte seine liebe Not mit ihm, benn aste Augenblicke sprang er auf und lief zum Kla­vier, und der Figaro mußte ihm mit bem Zopf, banb überall hin folgen. Beim Kegeln unb Billarb- ipielen summte er vor sich hin, taktierte mit bem Äopf unb warf Noten auf irgenb ein hervorgezoge-

Papier. Teile besDon Juan" unb berZau- berflote finb fo entstauben. Beim Reiten würbe chm bas Komponieren fast gefährlich, benn bas Pserb ging mit bem versonnenen Musiker burch.

Schuf er ein großes Werk, so war er zu Possen unb Späßen befonbers geneigt, in benen er ein Gegengewicht gegen bie geistig tief erregenben Augenblicke bes Gestaltens fand.Er war immer guter Laune, aber selbst in ber besten sehr nach- benkend, einem babei sehr scharf ins Auge blickenb, auf alles, es mochte heiter ober traurig sein, über­legt antworten!), unb boch schien er babei an etwas ganz anderem tief denkend zu arbeiten. Selbst wenn er sich in der Früh die Hände wusch, ging er babei im Zimmer auf unb ab, blieb nie ruhig stehen, schlug babei eine Ferse an bie anbere unb war immer nachbenkenb. Bei Tisch nahm er oft eine Ecke ber Serviette, brehte sie fest zusammen, fuhr sich bamit unter der Nase herum unb schien in fei­nen Nachbenken öfters nichts baovn zu wissen, unb öfters machte er babei noch eine Grimasse mit' bem Munde.--Auch sonst war er immer in Bewe­

gung mit Hänben unb Füßen, spielte immer mit etwas, z. B. mit seinem Chapeau, Taschen, Uhr- banb, Tischen unb Stühlen gleichsam Klavier." B.

Sochschulnachi-ichten.

Professor Dr Efau, Ordinarius für Technische Physik an der Universität I e n a , ist zum Mitglied der neuerrichteten Fernsehgesellschaft bei der Reichs- Runbfunkkammer ernannt worben.

Professor Dr. Kühl, Extraorbinarius für Mikro« Kopie unb angeroanbte Optik an ber Universität Jena, ist zum orbentlichen Professor in Jena er­nannt worben.

-..PAessor Dr Hans Bartels, Extraordinarius für Physik an ber Universität Breslau, ist zum orbentlichen Professor in ber Fakultät für allge- meine Wissenschaften an ber Technischen Hochschul-' Hannover ernannt worben.