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In den festgebundenen Stammbüchern erscheinen bald nach 1760 auch Silhouetten, nachdem solche zwischen 1750 und 1760 in Frankreich in Mode gekommen waren. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts werden sie häufig fertig, lassen die Uniformen, Kokarden, Federbüsche, auch wohl Pfeifenquasten in Verbindungsfarben erkennen. Zur selben Zeit drängen sich massenhaft Kupferstiche ein; die von Berufsmalern hergestellten Bilder sind verschwunden. Diese zuerst in Göttingen aufgekommene Sitte, die von dem Verlag Windefeld im Großen ausgenutzt wurde, verbreitete sich schnell auf alle Universitäten und führte dazu, daß die Stammbücher nicht mehr gebunden wurden, sondern aus einzelnen, in Kästchen aufbewahrten Blättern be- standen. Ebenfalls gegen Ende des 18. Jahrhunderts bürgern sich die „Memorabilien" ein, in denen der Schreiber eines Blattes den Freund an gemeinschaftliche Erlebnisse erinnert und dabei oft eine Menge für die Studentengeschichte wichti- aer Dinge erwähnt. Farbige und nicht farbige Zeichnungen, jetzt von der Hand mehr oder weniger geschickter Studenten, bleiben daneben.
Erst seit etwa 1790 traten Pfeifenköpfe, anfangs aus Holz, Ton oder Meerschaum, nach 1800 immer häufiger aus Porzellan auf. Ihre Schauseite trägt meist das Verbindungswappen oder, besonders anfänglich, das „Zeichen". Dieses Zeichen, das jetzt auch sehr häufig in den Stammbüchern erscheint, enthält als Kernstück den „Namenszug", das ist das frühere Symbol (heute Zirkel genannt), eingestellt in Beistücke aller Art: gekreuzte Schläger, Wahlspruch, Stiftungstag, Zahl der Stifter, der Chargierten, Name des Seniors, Farben u. dgl. Auf der Rückseite dieser Pfeifenköpfe sind Mitglieder- verzeichnisse der Verbindung, oft mehrere Generationen umfassend, nicht selten. Das verleiht ihnen natürlich, da uns solche Verzeichnisse sonst fast ganz fehlen, besonderen Wert. Aehnliches kommt auf Porzellantassen, selten auf Gläsern vor. In den 1820er Jahren verschwindet das Zeichen, der Zirkel bleibt übrig.
Die Stammbücher waren zum Nachweise studentischer Verbindungen geeignet, und die Behörden fahndeten daher bei den Untersuchungen wegen verbotener Verbindungen nach solchen Beweisstücken. Das führte nach und nach dazu, daß ihr Inhalt, in eine Form gebracht wurde, die sie für uns weniger wertvoll macht, und daß sie, wohl unter dem Drucke
der seit 1833 einsetzenden ausgebreiteten Untersuchungen, um das Jahr 1835 ganz außer Gebrauch kamen.
An Stelle des Stammbuches tritt jetzt die Silhouette. Als Wandschmuck hatte sich diese, meist mit den Derbindungsfarben ausgemalt, nachdem sie um 1810—12 aus den Stammbüchern verschwunden war, erhalten. Jetzt wurde sie durch Druck vervielfältigt; die bunten Schattenrisse der jetzt beginnenden Zeit sind allgemein bekannt. Sie wurden aber noch vor 1860 Durch die Photographie abgelöst. Dasselbe geschah mit den fett etwa 1830 aufgekommenen lithographischen Porträts, die oft von wirklicher Künstlerhand angefertigt wurden. Silhouetten erscheinen übrigens auch auf Pfeifenköpfen, Tassen und dergleichen häufig. Nicht unwichtig sind endlich auch beschriebene Bänder. Aus allen solchen Gegenständen können wir den Mitgliederbestand mancher längst untergegangener Verbindungen, zuweilen auch Einzelheiten zu ihrer Geschichte entnehmen.
Die Aufbewahrung solcher für die Studenten- geschichte wertvoller Gegenstände in den Familien bringt leicht die Gefahr ihres völligen Verlustes mit sich, macht sie für den Studentenhistoriker unbenutzbar. Wer sich nicht zur Hergabe an eine öffentlich zugängliche Stelle entschließen kann, etwa an eins Der Archive der studentischen Verbände, wird ein gutes Werk tun, wenn er das Stück wenigstens auf kurze Zeit einem solchen Archiv ober einem Kenner der älteren Studentengeschichte zugänglich macht. Der Familienforscher aber, Der etwa ein Stammbuch bearbeitet, wird gut tun, dabei auch die Belange der studentischen Geschichtsforschung zu beachten oder mit einem Kenner studentischer Geschichte Hand in Hand zu arbeiten.
Der Vortrag war äußerst interessant und aufschlußreich und löste eine Reihe von Anfragen aus, Die von Geheimrat Heer und aus der Versammlung heraus beantwortet wurden.
Zur Erläuterung seines Vortrages hatte Geheimrat Heer aus seiner reichen Privatsammlung eine Auswahl von Studenten st ammbuchblät- tern mitgebracht und ausgestellt, die aus lauter ganz hervorragend wertvollen und schönen Stücken bestand und die Bewunderung aller Betrachtenden erregte. Außerdem waren auch von der Burschenschaft Alemannia interessante Museumsstücke ausgestellt, die eingehend besichtigt wurden. Es war 12 Uhr vorbei, als man das Burschenhaus verließ.
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Der Abschluß der Tagung.
Gegen 15 Uhr stand ein Autobus am Oswalds- garten bereit zu einer Fahrt auf den Gleiberg zur Besichtigung der Burg und des Schulungs« lagers daselbst.
Aus dem Gleiberg wurden zuerst die Räume des Schulunqslagers besichtigt. In dem Tagesraum des Lagers hielt Studienreferendar Gräf (Landsmannschaft Chattia) eine von mitreißender Begeisterung durchwehte Ansprache über das wichtige Thema:
Der Student, insbesondere der Korporationsstudent, im Dritten Reich.
Der Gleiberg ist geschichtliche Stätte, an der sich Vergangenheit und Gegenwart treffen. Das Scyu- lungslager der Gießener Studentenschaft ist kennzeichnend für die neue Haltung des deutschen Studenten, dem eine zuverlässige nationalsozialistische Schulung zuteil werden muß. Die Hochschule kann heute noch nicht Trägerin dieser Schulung sein. Berufen hierzu sind allein Nationalsozialisten, Studenten, die im Kampf erlebt haben, was Volksgemeinschaft heißt. Sie sind heute im NSDStB. zu- sammengefaht und haben die Aufgabe, die Hochschule immer mehr mit nationalsozialistischem Geiste !u durchsetzen. Ziel ist die organisch aufgebaute, tänbia von politischem Leben burchpulste national- ozialistische Hochschule.
Auch ber heutige Stubent soll ben Nationalsozialismus im Kampf erleben. Arbeitsbienst unb Lager sollen ihm bas gemeinsame Kampferlebnis vermitteln. Auch bie stubentischen Korporationen finb nicht überflüssig, fonbern können sehr viel zur Erziehung bes beutschen Menschen unb zur Bil- bung bes Charakters beitragen. Denn sie finb ja aus einer Abkehr vom Liberalismus entstanden unb waren nie rein gesellschaftliche Vereinigungen ohne höhere Ziele. Was heute im Großen von unserem Volk an Pflichtbewußtsein, Ehrgefühl und Gefolgschaftstreue verlangt wirb, war im Kleinen schon in ben Bünben oorgebilbet. Sie waren es auch, bie ben Wehrwillen in einer Zeit tiefsten Nieberganges allzeit wach unb lebenbig erhielten. Die Korporationen haben heute bie vercmtwor- tungsreidje Aufgabe, jungen Menschen, bie burch nationalsozialistische Schulung gingen unb im Ar- beitsbienft ihr gemeinsames Kampferlebnis hatten, zu ganzen Kerlen unb tatbereiten Kämpfern Abolf Hitlers heranzubilben. Führer kann heute nur ber werben, der etwas Besonderes in der Volksgemeinschaft leistet, und der Weg zu einer Führerstelle -steht jedem Tüchtigen ohne Rücksicht auf Herkunft And Stand offen. Oberstes Ziel aller Korporationsstudenten ist es, durch ihre äußere Haltung und iihr Auftreten zu zeigen, daß sie die alle umfassende Gemeinschaft des deutschen Volkes aus innerstem Herzen bejahen und nicht daran denken, für sich irgendwelche Vorrechte in Anspruch zu nehmen. Zur Neugestaltung des studentischen Bundeslebens find schon viele Vorschläge gemacht worden, eine Langsame, organische Entwicklung wird hier die richtigen Formen bringen.
Der Leiter der Tagung, Reg.-Rat S ch m i b g a 11 (AH. ber Burschenschaft Normannia Tübingen) dankte ihm mit herrlichen Worten unb betonte ba- bei bie unlösliche Verbunbenheit von jung unb alt m deutschen Korporationsstudententum.
Die Führung durch die Burg übernahm der Dor- iipende des Ortsausschusses, Oberkriegsgerichtsrat
R. Koch (AH. des Korps Hassia).
Um 17 Uhr ging die Fahrt auf den Schiffen- »erg. Auch dort übernahm Oberkriegsgerichtsrat Koch die Führung bei der Besichtigung. Damit ' war der offizielle Teil des Tages erledigt und die I Teilnehmer verbrachten nun ben Abenb in gemütlichem Beisammensein im großen Saale. Hierbei Hielt Rechtsanwalt UUm er (AH. ber Burschenschaft Franconia Heibelberg) einen sehr interessanten Vertrag über
das Wachstum deutscher Dichter aus der kneip- zeitung ihrer Verbindung.
Cr wies mit einer Fülle von Beispielen nach, wie riele echten deutschen Dichter, von Theodor Körner tis Walter Flex, schon als Studenten in den Kneip- 3’itungen (nicht B i e r Zeitungen!) ihrer Verbin- tungen sich als Dichter erwiesen haben. Im An- fhluß daran trug er mit gewohnter Meisterschaft entge Proben von Scheffels fröhlicher Dichtung cor. Nun kam der Humor zu seinem Recht. Der 2 ltmeister ber Gießener Lokalbichter, Louis Frech, kam zu Wort unb erntete stürmischen Beifall, auch
Oberkriegsgerichtsrat Koch trug burch Mitteilung einiger alten Zeitungsausschnitte aus seiner Sammlung viel zur fröhlichen Stimmung bei.
Zum Schluß faßte ber Leiter der Tagung, Regierungsrat S ch m i d g a 11, noch einmal alle Eindrücke der Studenten-Historikertagung in Gießen zusammen, dankte dem Ortsausschuß für seine Mühewaltung bei der Vorbereitung der Tagung und warb mit eindringlichen Worten, namentlichbei den jüngeren Teilnehmern der Tafelrunde, um Mitarbeit an dem bedeutsamen Werk der Studenten- Historiker, das ja doch auch nur eine freie Mitarbeit am deutschen Volkstum sei.
Am heutigen Tag fuhr noch eine Gruppe von Teilnehmern um 9 Uhr nach Frankfurt und besichtigte dort unter Führung des Archivrats Dr. Gerber (Burschenschaft Arminia a. d. C.) das Archiv der deutschen Burschenschaft im Stadtarchiv am Weckmarkt. Das war der offizielle Schluß der 12. Deutschen Studenten-Historiker-Tagung in Gießen vom 20. bis 23. April 1935.
Als Ort für die nächste Tagung an Ostern 1936 ist Heidelberg bestimmt worden.
Dke Teilnehmerliste an allen Veranstaltungen wies insgesamt 104 Namen auf.
Rundfunkprogramm
Mittwoch, 24. April.
6 Uhr: Bauernfunk. 6.15, 6.30: Gymnastik. 6.55: Morgenspruch, Choral. 7: Frühkonzert. 8.15: Gymnastik. 9.15: Musik am Morgen. 10: Nachrichten. 10.15: Schulfunk. Georg Friedrich Händel. Eine musikalische Gedenkstunde. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mitatgskonzert I. 13: Nachrichten; darauf Nachrich- ten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II des Landesorchesters Gau Württemberg-Hohenzol- lern. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 14.45: Zeitangabe, Wirtschaftsmeldungen. 15: Nachrichten. 15.15: 1. Kamermusik. 2. Die neue Saat ist aufgegangen. 16: Kleine Klaviermusik. 16.30: Aus Zeit und Leben. Geschichte und Landschaft am Wege. 17: Nachmittags - Doppel - Konzert. 18.30: Laufende Steuern. Was man wissen und sich merken muß. Besuch im Büro des Steuerberaters. 18.45: Das Leben spricht. 19: „Dauerwelle Rokoko*. Ein musikalisches Funkspiel. 20: Nachrichten. Anschließend: Der Zeitfunk bringt ben Tagesspiegel. 20.15: Stunbe ber jungen Nation. Anekdoten um Friebrich. 20.45: Heber bie Entstehung unb erste Aufführung ber „Aiba". Es spricht: Hans Rosbaub. 20.55: Uebertragung aus ber Mailänber Scala: „Aiba". Oper von Giuseppe Verbi. Orchesterbirigent: Gino Marinuzzi. In ber Pause zwischen 2. unb 3. Akt Nachrichten. 0.40: Funkstille.
Wochenbericht
vom Frankfurter Produktenmarkt.
Nach längerer Unterbrechung zeigte ber Futter- m i 11 e l m a r f t eine sichtbare Entlastung. Die Futtergetteibe-Versorgungslage hat sich nunmehr so günstig entwickelt, daß man bie kritische Zeit ber Futterversorgung als überrounben ansehen kann. Das brauchbare Wetter stärkt bas Futter bes Weide- ganges, was roieberum eine Entlastung bes Futter- bebarfs mit sich bringt. In ben geringeren Qualitäten ber Weizen- uno Roggenbestänbe stecken noch hohe Futterreserven, bie in gewissem Umfange burch bie Freigabe von Eosin-Roggen unb Weizen bem Markte zur Verfügung gestellt würben. Die Entlastung war bisher noch nicht so groß, daß die gesamte Nachfrage hinter dem Angebot zurücktrat. In Getreidefuttermitteln ist die bisherige allmähliche Auflockerung der Einlagerungspflicht, bekanntlich um die Mühlen für die neue Getreideernte aufnahmefähiger zu gestalten, nunmehr zur Freigabe (zur freien Verfügung) übergegangen, was das Angebot etwas verstärkt hat. Diejenigen Landwirte, die ihrer Ablieferungspflicht genügten, können also die Verwendung im eigenen Betrieb ober ben Verkauf ihrer restlichen Vorräte zu Futterzwecken jetzt freigestellt bekommen. Am Getreidegroßmarkt verlautete, baß lanbwirtfchaftliche Kreise bie Aufhebung bieser Freigabe bei anhaltenber Angebvtssteigerung erwarten.
Das Mehlaeschäft blieb unbefriebtgenb, be- svnbers ber Absatz für bas sehr bunkle Roggenmehl Type 997, ba inzwischen für bie saarlänbischen Mühlen eine Roggenmehltype 815 mit einer Ausmahlung von etwa 72 v. H. vorgeschrieben würbe, rechnet man, daß diese Roggenmehltype, allerdings
einstweilen heben der bisherigen Type, zur Vermahlung auch für das übrige Reich freigegeben wird.
Am Getreidemarkt war Roggen in nicht besonders großem Umfange angeboten. Die Lagerbestände verzeichnen einen leichten Abbau. Für bie nächste Zeit wirb ein größerer Bebarf für bie menschliche Ernährung erwartet, auch soll bie Einführung einer neuen, niebrigeren ausgemahlenen Mehltype mit einem höheren Anfall hochwertigerer
Kleie bevorstehen. Das Angebot in Weizen war mieber nur knapp, hier liegt der Frankfurter Markt durch die höhere Preisftellung des benachbarten Mannheimer Gebietes ungünstig. Aehnlich wie beim Roggen reichen die vorhandenen Weizenbestände bestimmt aus, um ben Weizenvermahlungsoebarf bis zum Enbe bes Wirtschaftsjahres reibungslos zu becken, baneben können bie geringeren Weizen- Qualitäten noch zur Derfütterung herangezogen werben.
M.-R.Gießm-TvHerrliShejm 8:17 (4:6).
Es war nicht zu erwarten, baß bie Hanbball- Mannschaft bes VfB.-Reichsbahn gegen bie Gau- liga-Elf bes Turnvereins Herrnsheim einen Sieg lanben würbe. Andrerseits hatte man aber auch keine so einbeutige Nieberlage erwartet, wie sie zustanbe- kam. Wenn man aUerbings berücksichtigt, baß bie Gäste bes ersten Dfterfeiertags auf bem Walbsportplatz ben biesjährtgen Deutschen Hanbballmeister „Polizei Darmftabt zu schlagen vermochten, so mußte man schon mit einer außerorbentlichen Leistung rechnen. Die Gießener traten ben Gästen in kompletter Aufstellung gegenüber. An Stelle bes ursprünglich vorgesehenen Schiebsrichters Bauernschub (Wetzlar) amtierte Schiebrichter D r o l s - bad). Er tat es sehr sicher unb gerecht. Die beiden Mannschaften spielten sehr fair unb machten ihm sein Amt leicht.
Die Gäste zogen vom Anstoß vor das Tor der Gastgeber und erzielten gleich ihren ersten Erfolg. Das brachte die Hiesigen nicht aus dem Konzept, vielmehr wurden sie nur zu ebenso flottem Einsatz aufgerufen. Einer schönen Kombination antworteten sie mit einem schneidigen Angriff, der (in der 3. Minute) auch ben Ausgleich brachte. Im offenen Felbspiel sah man in ber Folge sehr gute Leistungen auf beiben Seiten. Zur freubtgen Ueberraschung ber zahlreichen Zuschauer gingen Vz Minute nach bem Erfolg ber Einheimischen bie VfBer mit einem Tor in Führung. Die Freube bauerte aber nicht lange. Die Hermsheimer glichen mit einem geschickt geworfenen Strafstoß zum 2:2 aus. Die Gießener vermochten bann nach einer schönen Vorlage von Glaß burch Langenohl erneut in Führung zu gehen. Die Freube darüber, daß sich vielleicht ein ausgeglichener Kampf entwickeln möchte, war allgemein groß. In der 14. Minute glichen die Gäste aber wiederum aus. Sie wurden in der Folge immer besser. Mit einer ungemein raschen Ballabgabe riffen die Läufer der Gäste ihren Sturm immer wieder nach vorne, die Stürmer gaben unter sich ebenso kurz und rasch
ab, ftelüen sich geschickt frei, so daß die gegnerische Verteidigung ins Schwimmen geriet und nicht meyr ernsthaft eingreifen konnte. Der Tormann stand auf bem schwersten Posten und mußte zwangsläufig unb ohne feine Schulb zur unglücklichen Figur werben. So übernahmen Die Hermsheimer zunächst mit einem Strafstoß bie Führung, bie sie nicht mehr abzugeben brauchten. Mit tabellos plazierten Würfen würbe auf 3:5, bann auf 3:6 erhöht, unb wenn auch bie Gießener roleber auf 4:6 heranzukommen wußten, fo blieb bie lieber» legenheit ber Gäste boch nicht zu verbergen. Mit 4:6 Toren würben bie Seiten gewechselt.
lieber bie zweite Spielhälfte ist nicht viel zu sagen. In kurzen regelmäßigen Abstänben fielen die Tore. Die Gaste liefen zu großer Form auf, und wenn sich auch die Hiesigen noch so sehr anstrengten, die weiteren Tore vermochten sie nicht zu verhindern. 4:7, 5:7, 5:8, 5:9, 5:10, 5:11, 6:11, 6:12, 6:13, 6:14, 6:15, 6:16, 6:17 — so wurde das Ergebnis immer höher geschraubt, und erst im Endspurt gelang es den Gastgebern unter der Zusammenfassung aller Kräfte, noch zwei weitere Tore zu erzielen unb bas Ergebnis auf 8:17 zu stellen.
Für bie Mannschaft ber Hiesigen ist bas Ergebnis bitter, sie mag sich aber in bem Bewußtsein trösten, daß sie gegen einen Gegner allererster Klasse verlor. Dem VfB.-R. gebührt Dank dafür, daß er Gelegenheit gab, auch in unserer Stadt einmal Handball in solcher Vollendung zu sehen.
Handball im Gau XII, Kreis VIII.
Ergebnisse der Feiertagsspiele.
VfB.- Gießen — MTV. Gießen II 8:7 (4:6); Lich I — Tv. Wetzlar fomb. 7:9; Lich I. Jugend — Wetzlar I. Jugend 3:10; Dutenhofen — Atzbach 7:6 (2:3); Dutenhofen Jugend — Wißmar Jugend 14:4 (5:1); Tv. Groß-Rechtenbach — Tv. Katzenfurt 7:5; Tv. Lützellinden — Tv. Pohl-Göns 8:5 (5:1); Tv. Ruttershausen — Tv. Hausen 11:9 (6:5); Tv. Lollar — Tv. Heuchelheim 11:4 (4:3); Tv. Münchholzhausen II — Tv. Dutenhofen I 10:6 (5:3); Tv. Münchholzhausen Jugend — Tv. Allendorf Jugend 6:5; Tv. Münchholzhausen I — Tv. Herrnsheim I 1:15 (0:7).
Großes Gießener Vchn-Radrennen.
Vor 3000 Zuschauern.—Spannende Wettkämpfe.—Hohe sportliche Leistungen.
Der Gießener Radsport hatte gestern einen außerordentlichen Erfolg zu buchen. Das vom Gießener Radfahrverein 1885 mit aller möglichen Großzügigkeit veranstaltete Bahnradrennen zog nicht weniger denn etwa 3000 Zuschauer in seinen Bann, eine Zuschauerzahl, die in Gießen bei sportlichen Ereig- nissen nicht alltäglich ist. Hinsichtlrch bes Wetters staub die Veranstaltung außerdem unter einem gün- ftiaen Stern.
Als mit dem ersten Rennen pünktlich um 15 Uhr begonnen wurde, war die Aschenbahn auf dem Platz der Spielvereinigung 1900 bereits dicht gesäumt. Von den Fahnenmasten wehten die Flagaen bes Dritten Reiches und die Fahne des Deutschen Radfahr-Verbandes, dessen Bezirk 2 (Gießen) im Gau XII (Nordhessen) der veranstaltende Verein angehört. Für Musik und für die notwendigen Erläuterungen über den Verlauf bes Wettkampfes unb bie Bekanntgabe ber Sieger war eine Lautsprecheranlage geschaffen worben, bie gut funktionierte. Die Zuschauer blieben baburch über ben Stand der Rennen, wie auch über die Teilnehmer an den Wettkämpfen stets im Bilde.
Der Gießener Radfahr-Verein 1885 hatte für die Rennen des gestrigen Ostermontags eine Reihe ausgezeichneter Fahrer gewonnen, die dem Gießener Publikum zum großen Teil von ftüheren Rennen her schon bekannt finb. Die Melbungen würben mit wenigen Ausnahmen erfüllt; es gab einige Aenberungen, bie aber nicht bazu anaetan waren, ben Wert ber Kämpfe herabzusetzen, fonbern vielmehr zu steigern. Für einen ursprünglich gemelbeten Gießener Fahrer war ber Frankfurter Rohrbach in ben Rennen, für bie Kölner Eube unb Klütsch [tanben Ritter unb Genßler von Frankfurt a. M. im Programm.
Den Auftakt bilbete ein
Fliegerrennen um den „kleinen Oslerpreis".
Das Rennen mußte in Anbetracht der Beteiligung fast aller Fahrer in vier Vorläufen, zwei Zwischenläufen unb ben beiben Positionskämpfen ausgefahren werben. Schon in biefen Rennen, bie jeweils über 2V2 Runben (1000 Meter) führten, kam es zu fpannenben Begegnungen, in Denen bie Sieger schwer zu kämpfen hatten, wenn sie sich qualifizieren wollten. In großartiger Manier setzten sich bie beiben Kölner Schorn unb Kerp burch.
Das vorgesehene Jugenbfahren fiel aus, bafür würbe aber ein Ausscheibungsrennen ber Fahrer im heimischen Bezirk bestritten.
Die Fahrer, die im Fliegerrennen keinen Sieg erringen, oder keinen Platz belegen konnten, bestritten bas
Punktefahren,
für bas sich nach zwei Vorläufen 10 Mann qualifizierten, unb zwar Zacharias, Müller, Gelpke, Göbel, E. Muhl, Rohrbach, Preiß, Genßler, Hohbein unb Gassenmeyer. Den Sieger stellte hier in hartem Enbkampf ber Offenbacher Gassenmeyer mit 34 Punkten, vor Hohbein (26 Punkte) unb Göbel (22 Punkte). Das Rennen würbe befonbers burch bie Wertung einer jeben zweiten Runbe für bie Zuschauer interessant. Der erste bieser Runbewer- tung erhielt jeweils 5, ber zweite 3, ber britte 2 Punkte und der vierte 1 Punkt.
Das Haupttennen des Tages bildete das
50-kilomeler-INannfchaftsrennen um den „Großen Oskerpreis".
Zehn Mannschaften mit je zwei Mann beteiligten sich an diesem Wettbewerb, der in der Form der Sechs-Tage-Rennen ausgetragen wurde. Die Fahrer roarteten hier mit äußersten Leistungen und entließen die Zuschauer keinen Augenblick aus der Spannung. Die Sportler selbst waren mit großer Begeisterung dabei und liefen bei jedem planmäßigen und bei jedem Prämienspurt zu äußerster Lei
stung auf. Die Favoriten des Rennens waren bie Kölner Jean Schorn unb Kerp, bie sich als Mannschaft zusammengetan hatten unb bas Rennen in blenbenbem Stil als Sieger zu Enbe fuhren. Jnsbesonbere Kerp erwies sich als ein überragenber Spurter. Die Mannschaft konnte nicht weniger benn sieben von acht regulären Spurts mit jeweils fünf Punkten an sich bringen. Nur einmal würbe ihnen babei von ber Kombination Hohbein (Frankfurt) • Muhl K. (Gießen) ber Rang abgelaufen.
Die Spurttabelle gibt einen interessanten Heber-
Fahrer
2.
5
0
3
2
1.
5
2
3
1
Schorn-Kerp Hohbein-Muhl Zacharias-Müller Genßler-Rohrbach
Spurts
3. 4. 5. 6. 7. 8.
5 5 5 3 5 5
2 3 2 5 3 2
3 2 3 0 0 3
0 112 0 0
Bei btefem Rennen ging es allerbtngs nicht ohne Zwischenfälle ab. Balb nach bem Start kam Göbel burch einen Vorberrabbruch zum Sturz. Einige anbere Fahrer würben in Mitleibenschaft gezogen. Später stürzten auch noch Preiß unb Genßler. Die Stürze verliefen aber glücklicherweise burchweg ohne ernstere Folgen, wenn man von ben schmerzhaften Hautaubschürfungen, die dabei unvermeidlich sind, absehen will.
Den ersten Sieg errang, wie auch aus der Tabelle hervorgeht, die Mannschaft Schorn-Kerp mit 38 Punkten, ihnen folgten Hohbein - K. Muhl mit 19 Punkten, Zacharis-Müller mit 17 Punkten und Genßler-Rohrbach mit sieben Punkten.
Erfreulicherweise konnte man bei diesem Kampf, der die Fahrer über 125 Runden führte, feststellen, daß unsere einheimischen Fahrer immer mehr an die guten westdeutschen unb sübwestbeutschen Klassefahrer heranwachsen unb bereits als ebenbürtige Gegner aufzutreten vermögen.
Den Abschluß ber Veranstaltung bildete das
Ausscheidungsfahren
für Fahrer des heimischen Bezirks.
Es beteiligten sich fünf Mann, von denen nach den ersten beiden Runden zwei Fahrer ausschieben. Die übrigen brei brachten noch brei Runben hinter sich, bei benen sich Faust (Germania Gießen) vor Emu Muhl unb Preiß als Bester erwies.
Nachbem ber Rabsport in unserer Stabt einen solchen Aufschwung genommen hat, ist es bebauer« lich, baß ben Rabfahrern nicht die entsprechende Bahn zur Verfügung steht, auf der noch wesentlich höhere Leistungen erzielt werden könnten.
Die Ergebnisse:
Kleiner Osterpreis: 1. I.Scham, 2. Kerp (beide Köln), 3. Geyer (Offenbach), 4. Göbel (Wetzlar).
Punktefahren: 1. Gassenmeyer (Offenbach) 34 Punkte, 2. Hohbein (Frankfurt a. M.) 26 Punkte, 3. Göbel (Wetzlar) 22 Punkte, 4. Rohrbach (Frankfurt a. M.) 21 Punkte.
Großer Osterpreis: Schorn-Kerp (Köln) 38 Punkte, 2. Hohbein-K. Muhl (Frankfurt a. M. unb Gießen 1885) 19 Punkte, 3. Zacharias-Müller (Koblenz) 17 Punkte, 4. Genßler-Rohrbach (Frankfurt a. M.) 7 Punkte.
Ausfcheibungsfahren: 1. Faust (Germania Gießen), 2. Muhl E. (1885 Gießen), 3. Preiß (Germania Gießen).
Rabsport ■ Veranstaltungen gab es an Ostern in großer Anzahl. R e b r y gewann Paris- Roubaix, Erich Meier brachte bie Rabfernfahrt Berlin—Leipzig an sich, Albert Richter holte in Paris gegen Micharb unb Scherens einen Sieg her» aus, Lohmann gewann auf ber neuhergerichteten Berliner Olympiabahn einen Steherkampf.


