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12.Deutsche Studenten-Monker-Tagung in Gießen

Der erste Arbeitstag

Oer zweite Arbeitstag

Stammbüchern u.a. m.

brechungen auch eine Guestphalia.

Die Erhebung Deutschlands gegen Napoleon wurde von der Gießener Studentenschaft mit Ju­bel begrüßt. Dem Feldmarschall Blücher, der im November 1813 sein Hauptquartier in Gießen hatte, wurde ein Kommers gegeben; die Ansprache Blü­chers klang aus in den WortenGut deutsch oder

sem Geburtstag des Führers verlebten Stunden werden ihnen sicherlich lange im Gedächtnis bleiben.

Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhänge, daß die Sonderaktion der Kreisamtsleitung der NSB. von Gießener Firmen tatkräftig unterstützt wurde. Die Firmen Rinn & Cloos, Schirmer, Gail und I. B. Noll stellten Zigarren zur Verfügung, Kaffee- Schlüter gab den Kaffee, die Molkerei Grieb die Milch, die Firma Gustav Geisse den Zucker. Die Gießener Bäcker-Innung stiftete zahlreiche Kuchen. Die Brauerei Denninghoff gab Bier.

tische Geschichte. Zunächst sind es in sie eingeklebte Bilder, in Wasserfarben von Berufsmalern gemalt, die unsere Aufmerksamkeit verdienen. Sie enthal- ten, besonders in Jena, allerlei Darstellungen aus dem Studentenleben und finden sich seit etwa 1730 bis 1735 auf allen Hochschulen.

Die Arbeit am zweiten Ferientag begann um 10 Uhr auf dem Alemannenhaus, nicht, wie vorge­sehen war, um 9 Uhr, da ein Vortrag von Prof. Dr. W e n tz k e, Düsseldorf, überdas Wartburg­fest von 1848" wegen Erkrankung des Vortragen­den ausfallen mußte. So bildete den Mittelpunkt der Tagung auf dem Alemannenhaus ein Vortrag des Geh. Justizrats Heer, Marburg (A. H. der Burschenschaft Arminia Marburg), über Stammbücher, Silhouetten, Pfeifenköpfe und ähn­liche studentische Erinnerungsgegenstände und ihr Wert für die Studentengeschichte.

Magister Laukhards Schilderung des Gießener Studentenlebens um 1780.

Was Laukhard in seiner Selbstbiographie, ferner in dem SchriftchenEulerkappers Leben und Leiden, eine tragikomische Geschichte" und in denAnnalen der Universität zu Schilda" von seiner Gießener Studentenzeit (1775 bis 1778) erzählt, darf unter keinen Umständen verallgemeinert werden. Laukhard schildert das Treiben der Gießener Renom­misten, dies allerdings mit einem Realismus, der auch vor den gewagtesten und widerlichsten Situ­ationen nicht zurückschreckt. Diese Schilderungen sind ohne Zweifel vollkommen wahrheitsgetreu, können uns aber unmöglich ein richtiges Bild der all­gemeinen Zustände an der Gießener Hochschule in jenen Jahren geben. Wohl spielten Raufen und Saufen damals in Gießen oder Jena eine größere Rolle als etwa in Göttingen oder Leipzig, aber daß die Mehrheit der Studierenden in Gießen da­mals ganz ordentliche Leute waren und die Renom­misten und Rüpel die Mehrheit bildeten, ist nicht zu bezweifeln. Man merkte nur von der ordentlichen Mehrheit nicht viel, denn die liederliche Minderheit beherrschte die Straße.

Was Laukhard von dem Treiben der Renommisten in Gießen berichtet, stellt allerdings einen Gipfel- punkt der Rohheit und Verkommenheit dar; einen Beweis für die Richtigkeit dieser Behauptung bilden die Disziplinär ft atuten der Uni­versität, die 1779 erschienen und 1790 in noch ver­schärfter Form wiederholt wurden. Was darin alles verboten und mit Strafe bedroht ward, entspricht

an' Galgen!"

Nach Rückkehr aus dem Felde gründeten alte Burschen im Juli 1815 eine Constantia als Fort- setzung der Rhenania, deren Farben blau-weiß-rot verpönt waren (Trikolore). Am 3. August 1815 stifteten Franken die Hassia. Dieser Name wurde gewählt, weil der Name Franken zu sehr an die Franzosenherrschaft erinnerte. Eine Nassovia ver­schwand bald wieder. Den burschenschaftlichen Be­strebungen, besonders den politisch radikalenGie­ßener Schwarzen", traten Hassia und Constantia unter Führung des Hessenseniors Görtz entgegen. Auf dem Wartburgfest 1817 kam es zu vorüber­gehender Aussöhnung. Am 13. 8. 1818 bildete sich die allgemeine Gießener Burschenschaft Germa- nia unter Beteiligung der Hassia und Constantia. In der Gemeinschaft bestanden die Gegensätze aber fort. Nach Auflösung der Burschenschaft im No- vember 1919 taten Hassia und Franconia sich wie- der auf, ebenso Constantia, die aber zur Burschen­schaft überging. Franconia vereinigte sich mit Hassia. Rhenania erschien wieder 1822. Unter den Verfolgungen durch die Behörde mußten die Corps wiederholt zeitweise suspendieren. Mit der Burschenschaft, die sich Waffenverbindung nannte, trat der SC in ein Paukverhältnis. Am 26. August 1826 erstand eine Starkenburgia, aufgetan durch Hessen und frühere Burschenschafter. Zerwürf- nisfe des SC mit der Waffenverbindung hatten

blick über , . .

die Geschichte der Ludoviciana, zeichnete mit kurzen, aber charakteristischen Strichen ein Bild von dem Auf und Ab ihrer Entwicklung in den drei Jahrhunderten ihres Bestehens und schilderte zum Schluß noch kurz die Geschicke der Univerbiätsblibliothek von ihren ersten Aniänaen in einem Zimmer des alten Kollegienhaules am Brand bis zu ihrem Einzug in den stolzen Bau, der jetzt 460 000 Bände birgt. Hieraus wurden unter seiner Führung und der der Bibliothekaren Dr. R e h - man und Dr. L e h n e r t die ausaestellten Gegen­stände, Bücher und Archivalien besichtigt. Eine ge­waltige Fülle nnn Kostbarkeiten war da auf den Tischen übersichtlich geordnet. Die Prunkstücke waren die Kleinodien der Universität, die aoldenen und silbernen Pokale und die goldenen Szepter, die dem Rektor bei Universitätsfesten voranaetraqen wurden, Musterwerke der Goldschmiedekunst. Auch das Original der Stiftungsurkunde mit dem anhän­genden kaiserlichen Siegel in goldner Kapsel war unter Glas und Rahmen zu sehen. Von den Archi- valien, die sich auf die Geschichte der Universitäten beziehen, seien nur genannt die verschiedenen Kon­stitutionen der Orden (Amicisten und Harmonisten) und Landsmannschaften (Franken), Akten über Stu­dentenauszüge von 1792 bis 1846, die Urschrift des Gießener Ehrenspiegels, eine reiche Sammlung alt- burschenschaftlicher Literatur, Erinnerungen an Lie­big, eine prächtige Sammlung von Studenten-

schen Beifall.

Dann ergriff Studienrat Scheunemann, Ber­lin (A. H. des Korps Guestphalia Marburg), das Wort zu einem sehr gründlichen und gut durch­dachten Vortrag über

die Bedeutung einer umfassenden Verbändestatistik.

Der Führer, aus dem Volke geboren, vergesse nie sein Herkommen. Der Führer habe sich die Herzen des Volkes erworben. Ihm gehöre die Liebe des ganzen deutschen Volkes. So fei es auch unsere Auf­gabe, an diesem Geburtstage seiner zu gedenken und ihm zu geloben, ihn in seinem Kampfe stets treu zu unterstützen. Mit dreifachemSieg-Heil! auf den Führer Adolf Hitler schloß Kreisamtsleiter Klos seine sehr beifällig aufgenommene Ansprache.

Während Mitglieder des Musikzuges der SA.- Standarte 116 fleißig mit Musik erfreuten, wurden

1828 die Relegation von 50 Studenten zur Folge, der SC bestand aber weiter. Starkenburgia i suspendierte 1831. Im Sommer 1832 stifteten ' frühere Burschenschafter ein Corps Teutonia, das ' diesen politisch verdächtigen Namen im Jahre darauf mit Starkenburgia vertauschte. Ein von Burschenschaftern gegründetes Corps Palatia er­wies sich als getarnte Burschenschaft. Der größte Teil der Pfälzer agitierte für den Umsturz. Pa­latia wurde vom SC in Verruf gesteckt und ging unter. Starkenburgia, obwohl politisch unverdäch­tig, wurde ein Opfer der Umtriebe, unter denen auch Hassia und Rhenania zu leiden hatten. Im August 1836 mußten beide Corps sich auflösen, weil 35 Aktive relegiert wurden, doch hielten die Reste der Corps zusammen, und im Sommer 1838 bildeten sich lose Vereinigungen. Starkenburgia tat sich 1839 wieder auf. Ausgetretene Starken­burger stifteten am 1. Juni 1839 das Corvs Teu­tonia; Hassia und Rhenania taten sich wieder auf. Der sog. Karzersturm am 25. 6. 1839 führte zur Relegation von 24 Corpsstudenten.

Im Sommer 1840 durften die Verbindungen es endlich wagen, offen in Farben aufzutreten Der SC mit den Corps Hassia, Rhenania, Starkenbur­gia und Teutonia erschien wieder auf dem Plan. Am 3. 3. 1842 trat eine Marcomannia mit schwarz­weiß-rot hinzu, gestiftet durch Oberheffen, die aus Rhenania und Teutonia austraten. Dieses Corps vereinigte sich im März 1843 mit Hassia, die feit- dem die Farben der Marcomannia tragt. Mit diesem Jahr war die Entwicklung des SC zu Gießen im wesentlichen abgeschlossen. Er besteht seit 1843 aus den Corps Hassia, Starkenburgia und Teutonia. Rhenania suspendierte wiederholt, zu­letzt 1861. Eine Franconia von 1866 hat dem SC. nur ein Semester lang angehört.

Im Anschluß an den Vortrag wurde eine Samm­lung von Erinnerungsstücken, die in dem Turm­zimmer des Korpshauses ausgestellt ist, unter Füh­rung von Oberkriegsgerichtsrat Koch eingehend be­sichtigt. Die Sammlung enthält große Raritäten, u. a. die Urschrift derKonstitution der Gießener allgemeinen Burschenschaft" von 1818, die Konstitu­tion der Hassia von 1822 (die von 1815 ist verloren gegangen), das SC.-Komment von 1806: ein Stein­druck, der nur noch m drei Exemplaren erhalten ist, darstellend das Wartburgfest 1817, von dem Hamburger Maler Flor. Mittlerweile war es 11 Uhr geworden.

Die Schätze der Universitätsbibliothek harrten der Befichtiauna. Im Lesesaal der Biblio­thek waren sie übersichtlich ausgestellt. In Vertre­tung des abwesenden Direktors C l a r i u s bewill- Pnmmte Oberbibsiothekar Prof. Dr. Hepding (A. H. der G. B. Alemannia) die Besucher und ent­bot ihnen die Grüße Sr Magnifizenz des R e k - t o r 5, der zu seinem größten Bedauern an der Teilnahme an den Veranstaltungen des Studenten- historikertaas verhindert sei, und übermittelte ihnsn zugleich seine herzlichsten Wünsche für einen er­sprießlichen Verlauf der Tagung. Prof. H e p d i n g gab dann in einem kurzen Vortrag einen Ueber-

die zahlreichen Gäste bewirtet. Mitglieder der NS.° Frauenschaft und des BdM. hatten sich in schöner Hilfsbereitschaft mit den Angestellten des Cafe Leib zur Verfügung gestellt, so daß die Bedienung der Gäste außerordentlich rasch vonstatten ging. Es ent­wickelte sich rasch eine ausgezeichnete und herzliche Stimmung. Nach dem Mittagessen wurden die Gaste noch mit Kaffee und Kuchen bzw. mit Bier und Zigarren bedacht. Neugestärkt, in Freude und Dankbarkeit zum Wirken des Führers und feiner Helfer, verließen die Gäste das Haus. Die an d»e-

Um 13 Uhr erholte man sich bei einem Mittag­essen im Hotel Schütz. Um 15 Uhr begrüßte Pros. Dr. Freiherr von G a l l die Versammlung auf dem Wingolfshaus, übernahm die Führung durch das Haus und zeigte das Archiv des Bundes, das wertvolle Erinnerungen, u. a. einen Originalbrief Ernst Moritz Arndts an den Bonner Win­golf enthält. Daraus begab sich die ganze Versamm­lung in das benachbarte Starkenburgerhaus, wo zunächst Prof, von Gall einen Vortrag über den

Wingolf in der Gießener Studentenschaft hielt. Er zeigte, wie der Wingolf von Anfang seines Bestehens 1852 an weder eine reine theologische noch (vor der Zeit des Bischofs Ketteler) eine rein evangelische Verbindung war. Bei der Gründung des Wingolfs bestanden in Gießen nur vier Bünde, die drei Korps und die Burschenschaft Germania. Das Verhältnis des Wingolfs zu den vier Waffen­bünden war in der ersten Zeit durchaus freund­schaftlich. Als freilich im Lauf der Jahrzehnte die Zahl der Verbindungen sich vervielfachte, war es mit der Einigkeit vorbei, aber seitdem der Wingolf uns das Korps Starkenburgia gleichzeitig in eng­ster Nachbarschaft Häuser bauten, war das Verhält­nis der beiden Nachbarn immer freundschaftlich und ist es bis auf den heutigen Tag geblieben.

Es wurde dann eine Kaffeepause, eingeschoben, worauf die Vorträge weitergingen. Zuerst ergriff das Wort der Altmeister der deutschen Studenten­historiker Prof. Dr. Fabricius (Marburg). Er redete in launiger Form über

allerlei Kleinigkeiten aus Gießen.

gingen.

Ein SC. zu Gießen, Convent der Senioren als Vertretung der Korporationen und Stelle zur Rege­lung der studentischen Angelegenheiten, wird auf spätestens 1798 anzusetzen sein, denn seit dieser Zeit ist neben der Franconia eine Rhenania urkund­lich belegt. Hierzu kam von 1800 bis 1805 eine Lahnania; eine Nassovia ging bald in Rhenania auf (1801). Die älteste offizielle Urkunde des SC. zu Gießen ist der SC.-Komment (Gießener Bur- schen-Komment) von 1806, mit Bestimmungen über Zulassung neuer Verbindungen, Verbot studentischer Orden und von Tätlichkeiten unter Studenten u. a. m. Der Komment enthält zwar eine sog. Län­derverteilung; die Franken hatten aber den Grund­satz der Beschränkung auf Nachwuchs aus den ihnen zugewiesenen Ländern schon seit 1788 nicht durch­geführt, ebenso die Rhenanen, unter denen sich auch Oberhessen befanden. Das Bundesgesetz der Fran­ken von 1811 bringt ebenso wie der Komment von 1806 das Streben nach sittlicher Veredelung zum Ausdruck. Von 1803 bis 1825 bestand mit Unter-

schenschaft und wünschte der Tagung guten Ver- laUgm Namen des Oberbürgermeisters und der Stadt Gießen hieß Bürgermeister Dr. Hamm ate Tagungsteilnehmer in Gießen willkommen. Er wies auf die Schönheiten unserer Stadt hin und betonte, daß es sich für die Tagungsteilnehmer als Historiker verlohne, Gießen kennenzulernen.

Schließlich sprach der Vorsitzende der Deutschen Studenten-Historiker-Vereinigung, Reg.-Rat i. R. Georg Schmidgall (Tübingen). Er gedachte zu­nächst der verstorbenen Mitglieder der Ver­einigung, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde, und dankte dann dem Ortsausschuß für die umfangreichen Vorbereitungsarbeiten. Auch er gab feiner Freude darüber Ausdruck, daß diese Tagung in Gießen stattfinde als einer Universitätsstadt, die sich eines besonderen Rufes erfreue und auch für die Geschichte des Korporations-Studententums be­deutsam sei. Sodann erklärte er die Tagung für eröffnet.

Nach einer kurzen Pause wurde tue Reche der Vorträge begonnen, die mit einem Vortrag von Landgerichtsrat Dr. Schneider (Mainz) über die Gießener Schwarzen" eingeleitet wurde. (Wir wer- den über diesen Vortrag noch berichten. D. Red.) Nach dem Vortrag widmete man sich eingehend der Besichtigung einer vielseitigen Ausstellung von Erinnerungsstücken. Geselliges Beisammensein be­schloß den Begrüßungsabend.

ganz dem Bilde, das Laukhard gibt.

Interessanter ist schon, was Laukhard über die Gießener Landsmannschaften und Orden seiner Zeit sagt. Das Verhältnis der einzelnen Bünde zueinander war denkbar schlecht. Als ein krasses Beispiel erzählt Laukhard ausführlich die Studentenschlacht" jenseits der Lahn (1777), wo die Landsmannschaft der Darmstädter und der Orden der Amicisten mit Hiebern, Hetzpeitschen, Prügeln, ja sogar mit Schießgewehren aufeinander losgingen. Ebenso unerfreulich war das Mensur- und Duell­wesen der damaligen Zeit. Laukhard spricht immer nur vonSchlägereien" undBalgereien", ob er nun von einem bloßen Rencontre auf offener Straße redet oder von einem verabredeten Duell. Es kam dem Renommisten mehr auf die Schwere der Be­leidigung an, als auf den Waffengang. Dtefer felbft war, an heutigen Verhältnissen gemessen, recht un­gefährlich, denn sobald nur ein bißchen Blut floh, war das Duell zu Ende. , _

Durch Laukhard wird das bekannte Urteil Goe- thes daß sich die akademischen Bürger Gießens damalsin tiefster Roheit gefielen" vollauf bestätigt. Reichliche Zitate aus Laukhards Werken und den Difziplinarstatuten der Universität von 1779 unö 1790 erläuterten und begründeten seine Ausfüh­

Damit war das reichlich bemessene Arbeitspensum des ersten Tages erledigt, und die Teilnehmer zer- streuten sich nun in verschiedene Gaststätten zum Abendessen, fanden sich aber zuletzt fast vollzählig im altenLotzekasten" zusammen, wo bet einem guten Trunk noch manche Fragen erörtert wurden.

Zur Pflege der Erinnerung an die Studenten­zeit, an die in dieser geschlossenen Freundschaften und gemachten Bekanntschaften diente schon in der Reformationszeit das Stammbuch. Der Wert solcher Stammbücher aus der älteren Zeit, deren uns nicht viele erhalten sind, für die eigentliche Studentengeschichte ist nicht groß, so wertvoll sie auch für die Beurteilung allgemein kultureller ^Ver­hältnisse und die Familienforschung sein mögen, und wenn auch in einzelnen Fällen etwas für oie Studentengeschichte Dienliches aus ihnen heraus­zuholen ist. Erst im 40

Es ist bei fast allen studentischen Verbänden üblich, wenigstens einmal im Jahr eine Zahlen­mäßige Uebersicht des Bestandes zu geben. Aber erst, wenn wir diese Uebersichten aneinanderreihen, erhalten wir ein richtiges Bild von ^r Entwick­lung des Verbandes. Leider ist die Statistik bis letzt das Stiefkind in der Geschichte der Deutschen Stu­dentenschaft gewesen, wofür es verschiedene Grunde gibt Wohl begann man früh, die Aktiven und später auch die Inaktiven zu zählen. Die Alten Herren sind aber auch heute noch vielfach nicht mit aufgeführt, und der Mangel an Einheitlichkeit m der Anordnung macht einen Vergleich der Ver­bände untereinander fast unmöglich.

Eine einwandfreie Bestandsübersicht hat eine be­sondere Bedeutung für die Ausbildung der Aktiven. | Daher sollten die Hand- und Taschenbücher der Ver­

bände stets auch eine Statistik enthalten, die mit den zum vollen Verständnis nötigen Erläuterungen versehen sein muß. Auch einwandfreie Angaben über die Stärke der anderen Verbände sind darin sehr nützlich. Als Minimum wird für diese lieber» sichten ein festes Schema vorgeschlagen, das auch stets örtliche Zusammenfassungen enthalten soll. Von Zeit zu Zeit, ewa alle fünf Jahre, ist dann leicht eine Entwicklungsübersicht zu geben, die in Bezie­hung zur Hochfchulstatistik zu setzen wäre. Doch sind in statistischer Hinsicht noch viele Aufgaben zu losen, wenn man die studentischen Verbindungen als emen Kulturfaktor betrachtet, und wenn man bedenkt, rote eng die 250 000 bis 300 000 lebenden Verbands­angehörigen mit der Entwicklung ihrer Hochschulen verbunden sind, denn die Träger der Ueberheferung deutschen Studententurns sind in guten und dosen Tagen die Verbindungen gewesen. Wohl mögen alle Korporationen die Zahl ihrer Kriegsteilnehmer und Gefallenen kennen. Aber was sich nach dem Kriege ereignete, der Anteil am Grenzschutz und den Frei­korps an den Wehrverbänden und den Gliederun­gen der NSDAP., ist nicht mehr statistisch ersaßt. Daher sollen wenigstens die Geschehnisse der Gegen­wart rechtzeitig zahlenmäßig eingefangen werden.

Besondere Beachtung aebührt der wirtschaftlichen Bedeutung der studentischen Verbindungen. Auch über diesen Teil der Studentengeschichte gilt es genau Buch zu führen, also über den Besitz an Häusern, Heimen und Sportgeräten, die Entrichtung von Steuern, die Etats der Altherrenschaften und aktiven Verbindungen, die Beschäftigung von An- gestellten. Eine solche Uebersicht sollte für jeden Ver­band in jedem Jqhr zu festem Termin veröffentlicht werden, wobei die Bedürfnisse des Verbandes selbst, also Verbandsorgqn, Taschenbücher, Jahrbücher, Tagungen, der Besitz an Häusern, Denkmälern usw. nicht zu vergessen sind. Es würde sich zeigen, welche Summen durch die studentischen Verbände in die Wirtschaft gepumpt werden, und welche Leistungen seitens der alten Akademiker dauernd für erhebliche

Teile der Studentenschaft erfolgen.

Dberforftmeifter Heyer führte dann die Besucher in Gruppen durch das Korpshaus und erläuterte die ausgestellten Musumsstücke.

Man begab sich sogleich in das Haus der Lands- . Mannschaft Darmstadtia, wo Oberstudienrat t. R. Professor Decker (A. H. der Landsmannschaft Darmstadtia) einen Vortrag hielt über

Die Arbeitstagung begann am ersten Feiertag um 9 Uhr auf dem Haus des Corvs Hassia.

Oberkriegsgerichtsrat i. R. Koch (A. H. des Corps Hassia) hielt zunächst einen Vortrag über das Thema:

Der Gießener $(£. bis 1843.

In Gießen haben Zusammenschlüsse Studierender auf landsmännischer Grundlage schon in der Früh­zeit der im Jahre 1607 gestifteten Hochschule (Ludo­viciana) bestanden. Sichere Kunde über das Ver­bindungswesen in Gießen haben wir erst seit 1753. Damals gab es Hessen; solche bestanden auch in der Folge bis 1778, vielleicht noch 1792. Seit 1772 befanden sie sich in Kampfstellung gegen den in diesem Jahre durch relegierte Jenenser Studenten in Gießen eingeführten, freimaurerisch aufgezogenen Amicistenorden, der die Landsmannschaft der Mose­laner, auch Elsässer genannt, beherrschte. Nach deren Zerfall, um 1776, waren in Gießen Hessen, Pfälzer, Zweibrücker, Darmstädter, Waldecker, Amicisten und der Fensterorden, eine reine Kneipgesellschaft. Hierzu traten feit 1781 der aus den Amicisten hervor- gegangene Harmonistenorden, der sich in das Kränz­chen der Darmstädter einnistete, und ein Kränzchen der Frankfurter und Wetterauer. Don 1777 bis 1789 wurden mehrere Untersuchungen gegen das ver­botene Verbindungswesen geführt.

Im Winter 1788 bildete sich eine Fränkische Landsmannschaft Franconia mit straffer Or­ganisation und mit Grundsätzen, die diese Lands­mannschaft bereits als eine Corpsverbindung er­scheinen lassen. Sie war durch die Harmonisten in mancher Hinsicht beeinflußt, erkannte aber bald die Gefahren der Orden für die studentischen Verbin­dungen und trat in schärfste gegen die Harmonisten, die in der Mitte der 1790er Jahre in Gießen ein»

Anknüpfend an das WortGissa est cos, das im 18. Jahrhundert aufgekommen war und bedeuten ollte: Gießen ist ein Wetzstein des Geistes und des Verstandes, sprach er von dem Büchlein des Prof. Valentin!Acaaemicus civilis, das von der Politur der etwas rauhen Sitten des akademischen Bürgers handelte und den schlechten Ruf, in den Gießen durch die häßlichen Schilderungen des Ma­gisters Laukhard aefommen war, verbessern sollte. Dann kam er auf das berühmteWirtshaus an der Lahn" zu sprechen und führte den sehr inter­essanten Nachweis, daß das bekannte LiedEs steht ein Wirtshaus an der Lahn" eine in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Tie­tz e n entstandene Variation eines alten Volks­und Fuhrmannsliedes ist, das beginnt:Es steht ein Wirtshaus an dem Rhein, da kehren alle Fuhrleut' ein" usw. Diese Strophe dichtete irgend ein witziger Gießener um, um den Hirschwirt am Seltersweg, der sehr faul im Bedienen feiner Gäste war, damit zu foppen. So lautete damals die erste Strophe:Es steht ein Wirtshaus an der Lahn, da halten alle Fuhrleut' an; Frau Wirtin sitzt am Ofen, die Fuhrleut' um den Tisch herum, den Wein will niemand hole n". Erst päter, als man diese Fopperei nicht mehr ver­land, hieß es:und alle sind besoffen". Also von einemhistorischen Wirtshaus an der Lahn", wo dieses Lied entstanden fein soll, kann keine Rede sein. Dann kam er auf diePistoriade" zu spre­chen, jenes komische Epos, das bewußt der Kortum- schen Jobsiade nachgebildet ist und das Fakultats- examen des Studenten Ludwig P i st o r aus Darm­stadt schildert, der 1825 in Gießen studierte und tn jenem Jahr glänzend durchfiel. Der Verfasser des Gedichtes ist niemand anders als der nachmalige »e Minister v o n D a l w i g k, der Erzreaktio- em man eine solch lustige und witzige Dich­tung gar nicht zutraut. Prof. Fabricius las das Gedicht nach einer Handschrift aus dem Besitz der Familie von Dalwigk vor und erntete sturnn-

Die Deutschen Studenten-Historiker hielten wäh­rend der Dftertage ihre sehr gut besuchte Tagung für das Jahr 1935 in Gießen ab. Der Ortsaus­schuß Gießen hatte der Zusammenkunft einen glat­ten Verlauf gesichert. Die Tagung wurde am Sams­tag mit einem

VegNlßlNlgSabend

im Haufe der Burschenschaft Germania am Wetz- larer Weg eröffnet.

Oberkriegsgerichtsrat i. R. Koch (Hassia) hieß die Tagungsteilnehmer im Namen des Ortsaus­schusses willkommen und gab seiner Freude dar- über Ausdruck, daß Gießen als Tagungsort ge­wählt wurde. Die Tagung beginne unter einem günstigen Vorzeichen: am Tage des Geburtstages des Führers, den alle Korporationsstudenten als ihren Schirmherrn betrachten und ihm dafür Dank wissen. Die Korporations-Studenten stünden stets in Treue zu ihm. Das erneute Gelöbnis der Treue möge dem Führer Geburtstagsgeschenk sein. Mit dem Wunsche, daß Gott uns den Führer recht lange erhalten möge, schloß der Redner seine An­sprache.

Anschließend begrüßte Landgerichtsrat Dr. Schneider (Mainz) in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Altherren-Vereinigung der Bur­schenschaft Germania die Gäste im Hause der Bur-

Rach 1750 tauchen in den Studenten-Stamm- büchern Buchstaben-Zusammenstellungen auf, die, ähnlich denSymbolen" der früheren Zeit, Wahl­sprüche oder derartiges durch die Anfangsbuch­staben der Worte andeuten. Seit 1760 etwa neh­men diese Zusammenstellungen mehr und mehr die Form von Monogrammen an, sie wurden zu dem, was der Student heute Zirkel nennt, bleiben aber auch wohl neben diesen als Symbol oder Le­ge n d e n bestehen. Für die Geschichte der Stu­dentenorden, mit denen die Entwicklung zum nro* bernen Verbindungswesen beginnt, sind solche Stammbücher, besonders wenn mehrere etwa gleichzeitig benutzen kann, von hohem Wen, noch dazu, da zuweilen auch Mitgliederverzeichmye in ihnen enthalten sind. Wirklich nutzbar für bi, enliches aus ihnen heraus-1 Stubentengeschichte können sie aber nur bei Ver- Ou.,.c .......1 Lause des 18. Jahrhunderts arbeitung durch Leute gemacht werdem dl- mA

werden di« Stammbücher wichtiger für die finden- l unerfahren in der Studentengefchicht« her Zeit V»