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Lüpke,

Diens-

werk

tag-Abonnement.

SA.

Wirtschaft

ii und den Sturm

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einer fließenden Quelle trinken darf, was vorher nicht ratsam war, weil sich an Sankt Georgs Ehren-

Es beln, Denn

tag und

aus

bitter Gsorg im Grünen.

Dom Bauernbrauchtum am Georgstag

1933/34.

Lebhafter Oster-Reiseverkehr auf der Reichsbahn.

die Erde öffnet, worauf alle Schlangen, Molche Kröten hervorkommen, um aus der Erde und dem Wasser alles Gift an sich zu ziehen.

(23. April).

Von M. A. von Lütgendorff.

grünt und blüht und alle Vogelstimmen ju- wenn Ritter Georg seinen Ehrentag feiert.

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Mhm MW di »gegen und hielt gprache:

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Der 16. Mr Wermächtnis de< chastigmachung \ i)einer Kaste Mei u und Gesetzespai ö mächtnis, das 1

Nahmen. Gleichze menge ein, die «er schlichten ein MMich um 20 ijta SA. mit d

der Georgstag soll Licht und Sonne bringen und ein echter und rechter Frühlingstag sein. Daß

99,1 v. H. mit einem Betrage von 1,34 Milliarden Mark gleich 75 o. H. auf Kredite im Einzelfall bis zu 20 000 Mark entfallen.

Hierzu kommen die von den Sparkassen überall der örtlichen Wirtschaft gewährten Hypotheken. Die Zahl der Hypothekendarlehen der deutschen Sparkassen beträgt ebenfalls für Ende 1933 1 152 000 mit einem Betrage von 5,76 Milliarden Mark. Von diesen Hypothekenkrediten entfielen 1 112 000 mit einem Betrage von 3,83 Milliarden Mark auf Kredite von im Einzelfall bis zu 20 000 Mart, d. h. der Stückzahl nach 96,5 v. H., dem Betrage nach 66,4 v. H. Nimmt man die Hypo­theken bis zu 50 000 Mark, kommt man auf 1 143 000 Stück mit einem Betrage von 4,73 Mil­liarden Mark oder 99,2 v. H. der Stückzahl und 82,1 v. H. dem Betrage nach.

Die Gesamtleistungen der Sparkas­sen auf dem Gebiete des Mittelstandskredits be­laufen sich demnach für Ende 1933 auf weit über 5 Milliarden Mark. Dies ist auch bei der Würdigung von Ziffern zu berücksichtigen, die vor einiger Zeit das Institut für Konjunkturforschung der Öffentlichkeit mitteilte und worin festgestellt wurde, daß von den gesamten kurzfristigen Ausleihungen auf mittelständische Kreditnehmer bei den Spar­kassen rund 70 v. H., bei den Kreditgenossenschaften über 80 v. H. und bei den Privatbanken 13,3 v. H. entfielen. Die Ziffer für die Sparkassen erhöht sich, wie oben dargelegt, für die kurzfristigen Kredite auf 75 v. H., wozu ihre Leistungen auf dem Ge­biete des Hypothekarkredits kommen.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 23. April. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 524 Rinder (148 Ochsen, 36 Bullen, 234 Kühe und 106 Färsen), 458 Kälber, 6 Schafe, 2585 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 30 bis 42 Mark, Bullen 30 bis 40, Kühe 18 bis 40, Färsen 30 bis 42, Kälber 35 bis 60, Schweine 40 bis 52 Mark. Marktverlauf: Rinder mittelmäßig, Kälber und Schweine mittelmäßig bis langsam, Schafe ruhig.

Vornotizen.

Ta g e s k a le n d e r für Dienstag: Stadttheater, 20 bis 22 Uhr:So ein Mädel". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Barcarole". VfB.- Reichsbahn, 20.30 Uhr, im Vereinsheim (Waldsport­platz): Hauptversammlung. Fachgruppe Ober- Hessen der Reichsfachgruppe Imker: Feier zum 75jährigen Bestehen in der Turnhalle am Oswalds- aarten. Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 16 bis 17 Uhr: II. Ausstellung aus Gießener Privatbesitz.

des Geburtstages des Führers als Beitrag zur Be­schaffung des SA.-Kampfgeschwaders den Betrag von 100 Mark. Die Spende wurde der SA.-Stan- barte 116 zur Weiterleitung übermittelt.

** Justizpersonalien. Ernannt wurden: der Kanzlist beim Amtsgericht Gießen Karl Schwalb zum Justizsekretär bei diesem Gericht; der Gerichtsvollzieheraspirant beim Amtsgericht Grünberg, Kanzlist Peter Schubert zum Ge°

Unebenheiten abgesehen) mit viel Verständnis fan­gen. Eine Trio-Sonate von Bach, von Rudolf Meyer (Flöte), August Rein (Violine) und Joh. N e b e l i n g (Orgel) klangschön und mit Wärme vorgetragen, kam der Idee des Tages durch ihre tiefreligiöse Grundstimmung nahe

Es ist zu wünschen, daß diese Feiern in Zukunft im Sinne dieser Karfreitagsandacht noch weiter ausgebaut werden. Eine Vertiefung wäre dadurch zu erreichen, daß das gesungene Wort (vor allem in Form von Chormusik) noch mehr Aur Geltung käme, und daß es unmittelbar auf die Lesungen des Geistlichen abgestimmt ist. Das könnte alsdann ein wahrhaft lutherischer Gottesdienst werden, in dem dieMusica" undTheologie" wetteifernd zum Lob des Höchsten zusammenwirkten.

Das Winterhilfswerk der städtischen Arbeitskameradschast. Von den Arbeitern, Angestellten und Beamten der Stadt Gießen wurden im Winter 1934/35 für das Winterhilfswerk folgende Spenden gegeben: Okto­ber 68,70 Mark, November 1350,72 Mark, Dezem­ber 684,96 Mark, Januar 1021,84 Mark, Februar 910,15 Mark, März 425,83 Mark, insgesamt 4462,20 Mark, gegenüber 3836,67 Mark beim Winterhilfs-

Rüben 8 bis 10, Spinat 18 bis 20, Unterkohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 10 bis 15, Feldsalat 90 Ps. bis 1 Mark, Tomaten 40 bis 50 Pf., Meerrettich 50 bis 60, Schwarzwurzeln 25, Rhabarber 25, Kar­toffeln 4 Pf., der Zentner 3,40 bis 3,50 Mark, Aepfel, das Pfund 35 bis 40 Pf., Honig 40, Blu­menkohl, das Stück 35 bis 55 Pf., Salat 25 bis 30, Salatgurken 60 bis 70, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 45, Rettich, Bündel 20 bis 45, Radieschen 15 Pf.

richtsvollzieher bei diesem Gericht; der Amtsgehilfe auf Probe beim Amtsgericht Grünberg Versor­gungsanwärter Hans Sippe! unter Berufung in das Beamtenverhältnis zum Amtsgehilfen beim Amtsgericht Grünberg.

** Polizeipersonalien. Ernannt wurden: mit Wirkung vom 1. April 1935 der Meister der Schutzpolizei Karl Zimmer in Gießen zum Kommissar der Schutzpolizei; mit Wirkung vom 1. Februar 1935 der Hauptwachtmeister der Schutz­polizei Valentin L ü h r i n g in Gießen zum Kri- minalhauptwachtmeister.

** Schulpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Paul Merkel zu Langenhain (Kreis Friedberg) einen Lehrerstelle an der Volksschule zu Nieder-Weisel (Kreis Friedberg), dem Lehrer Wil­helm Alles zu Ober-Widdersheim (Kreis Tübin­gen) eine Lehrerstelle an ber Volksschule zu Echzell (Kreis Tübingen) mit Wirkung vom 29. April an.

♦♦ Unfälle. Die 66 Jahre alte Frau Auguste Zimmermann, Seltersweg 31 wohnhaft, tarn auf ber Treppe so unglücklich ju Fall, baß sie einen schweren Oberarmbruch erlitt und dem Kranken- Haus zugeführt werden mußte. In der Nacht zum zweiten Feiertag kam der 20 Jahre alte Tabak- arbeiter Albert Stamm aus Waldgirmes auf der Rückfahrt von Krofdorf nach seinem Heimatorte an einer steilen Stelle der Straße nach Heuchelheim infolge Gabelbruchs an seinem Fahrrad zu Fall. Der junge Mann erlitt schwere Kopf- und Gesichts- Verletzungen und mußte nach Gießen in ärztliche Tehandlung gebracht werden.

* Zur Aussührungdes Reichs-Jagd­gesetzes in Hessen. Der Reichsstatthalter in Hessen Landesregierung hat durch Verord­nung vom 16. April 1935 auf Grund des § 53 Ab­satz 8 ber Verorbnung zur Ausführung bes Reicks- Jagdgesetzes vom 27. März 1935 angeorbnet:un­tere Verwaltungsbehörden im Sinne des Reichs- Jagbgesetzes unb ber bazu erlassenen Ausführungs­bestimmungen sind die Kreisämter."

Oie (Sparkassen als Kreditgeber des Mittelstandes.

Nicht zuletzt bienen bekanntlich bis umfassenden Arbeitsbeschaffungsmahnahmen ber Reichsregierung bem Ziel, ben Mittelstand in Stabt unb Lanb zu heben unb sei.e Stellung im beutschen Wirtschafts­leben zu festigen. Daß btes neben ber erfolgreichen Tekämpfung Der Arbeitslosigkeit bis jetzt schon zu einem guten Stück verwirklicht werben konnte, geht u. a. baraus hervor, baß bie ©parinftitute, bie mit bem Mittelstanb besonbers eng arbeiten, wie z. B. bie öffentlichen Sparkassen, gerabe seit bem Einsetzen ber Arbeitsbeschaffungsaktionen einen ftänblaen erheblichen Zuwachs an Spareinlagen verzeichnen konnten. Von be- fonberer Tebeutung ist hierbei natürlich eine aus- reichenbe Kreditversorgung bes Mittelstanbes.

Aufschlußreich ist ber Anteil ber einzelnen Grup­pen bes Krebitwesens an biefer wichtigen Aufgabe. Es ist selbstverständlich falsch, wenn man, wie es hier und da geschehen ist, lediglich eine Kredit­form, also z. T. ben kurzfristigen Krebit, ber ein= {einen Gruppen von Kreditinstituten herausgreift. Die Tebeutung ber einzelnen Institute, b. h. ber Banken, Sparkassen unb Genossenschaften für ben Mittelstanb, wirb vielmehr erst zutressenb gekenn­zeichnet, wenn man sämtliche von ihnen gewährten Mittelstanbskrebite, also einlchl. bes langfristigen Krebits, berücksichtigt. Zn biefer Hinsicht finb einige Ziffern sehr aufschlußreich, bie für Das Gebiet ber öffentlichen Sparkassen auf Grunb einer neuen Er­hebung bekannt werben. Hieraus ergibt sich, baß bie Sparkassen (einschl. bes sächsischen Giro­netzes) Enbe 1933 bem Mittelstanb an kurz­fristigen Krebiten rb. 1 230 000 Stück mit einem Betrag von 2,01 Milliarben Mark zur Terfüaung gestellt hatten. Bei biefer Aufglleberung ber Krebste ergibt sich, baß von allen kurzfristigen Krediten der Sparkassen allein (für die Kredite des sächsischen Gironetzes liegt eine Größen­klassengliederung nicht vor) 1093 000 Stück gleich

Stengeln. In üppigen Laubhügeln schäumen Phlox und Rittersporn hoch, aber ehe sie Fackeln und Flammenschäfte tragen, werden Pfingstrosen, Frau- enherz und Glockenblumen mit rascheren Blüten- schößstngen sie überflügelt haben.

So mehren sich von Tag zu Tag die Gaststätten für Bienen und Hummeln. Ununterbrochen be­gegnen sich die kleinen und großen Summer auf heimlicken Duftstraßen durch Sonne und Himmels­blau. Auch Falter und Fliegen surren wie von Magneten angezogen herbei und taumeln als schwelgende Zecher von Blüte zu Blüte. Wer zum Honigfeste geladen ist, dem leisten die seidenzarten Zelte und Hallen in bewundernswerter Weise Lan­dungshilfe, während unerwünschten Besuchern der Zutritt erschwert und verwehrt wird. Es bleibt in­des niemand von der Blütenfeier ausgeschlossen. Es gibt nur vornehmere und geringere Gaststätten, deren Besuch die Natur in weiser Anordnung regelt. Den Vorzug haben fast überall bie Flieger. Es fehlen aber auch nirgenbsroo bie kleinen Räuber und Vampyre, bie sich ungelaben einschmuggeln und große Verheerungen anrichten, wenn sie nicht rechtzeitig von emsiger Polizei aufgespürt und kurzerhand am Tatort erledigt werden. Kaum hat sich das erste Rosengrün aufgeblättert, das in seinen Herzen schon die Knospentriebe trägt, wimmelt es auch schon von den winzigen Blutsaugern der Blattläuse, denMilchkühen" der Ameisen, die in langen Prozessionen die Stämmchen hinauf- und hinabklettern. Es können gar nicht genug Marien- käferchen ankommen, die mit unermüdlichem Eifer unter den feisten Vampyren aufräumen, es muß­ten schon ganze Fluggeschwader landen, wenn die Säuberung eine vollständige werden sollte. Da sind auch kleine Räupchen, die Das zarte Laub zernagen und bei der geringsten Gefahr sich spinnenartig alt dünnen Fäden zur Erde lassen. Hier können sie dem Goldschmied und Puppenräuber nicht en^ wischen, wenn sie seinen Jagdpfad kreuzen. Daß aber auch er auf der Hut sein muß, bezeugt jein grünblau schillerndes Kleid, das ihn rasch unrer einem Blätter- oder Halmbusch unsichtbar i wenn er diese Zuflucht vor einem hungrigen AMse8 schnabel sucht. h

Der Tisch ber gastlichen Gärten ist für ff^uno wie für Feinde, für Ritter wie für Räuber geoecr. Dielen wird er zur Todesfälle. Die Natur kennt keine Sentimentalitäten. Der Wilderer kann un nächsten Augenblicke das Wild fein, ber Derfoig das Opfer. Aber die Blüten prangen und ou ten und hüllen alle Grausamkeiten in ihren paraD 1 schen Zauber»

scheu Roßkult hervorgegangen unb mürbe verchrist- licht wie alles Brauchtum aus biefer fernen Zelt. Denn es flnbet sich in ben Bräuchen bes großen Pferbetages" manches, was noch sehr an bie ge­waltige unb unerschütterliche Naturverehrung bes Germanentums mahnt. So etwa, wenn man, wie es im grenznahen bayerischen Jnntal üblich ist, bie Pferbe am Georgstag von Sonnenaufgang aufs Felb führte, baß sie vom Frühtau benäht werben, well an diesem Tag jeder Tautropfen dem Pferd Kraft spendet. Oder wenn man den Hafer, ehe man ihn an die Pferde verfüttert, von den ersten Strahlen der Sonne bescheinen läßt, weil am Georgstag auch bie Sonne mehr Lebenskraft aus- strahlt als sonst im Jahr.

Die Pferbe-Umritte am Georgstag, bei benen bie Pferbe gesegnet, vor allem aber in schönstem Schmuck zur Schau gestellt werben, haben sich eben­falls nur mehr in ©üddeutschland, unb zwar beson­bers im bayerischen Chiemgau unb Salzachgau er­halten. In feierlichem Zug ziehen Hunderte der prächtigsten Bauernpferde, geritten von ihren Be­sitzern, zu einer Kirche oderRoßkapelle", wo ihnen derGeorgssegen" erteilt wird. Dazwischen fahren auch bunte Zierwagen im Zug mit unb brängen sich Menschen, beim jeber will teilhaben an bem Segen. Die Georgi-Umritte haben auch ihre prak­tische Seite. Es gibt nämlich im ganzen Jahr keine so günstige Gelegenheit mehr, bie schönsten Pferbe ber ganzen Umgegenb zu sehen wie bei ben großen Umritten am Georgstag. Wer also ein Pferd kaufen will, schaut sich einen ©eorgiritt an, und auf biefe Weise kommt oft ein Kauf zustanbe.

Auch bas Gebelhen ber Frucht hat ber alte Tauernglaube mit bem Georgstag in Verbindung gebracht. Wenn zu Sankt Georg das Korn schon so hoch ist, daß sich ein Rabe darin verstecken kann, soll eine gute Ernte zu erwarten sein. Soll es eine reiche Obsternte geben, so müssen die Obstbäume bis zum Georgstag schon viel Laub tragen. Zugleich sollen sie aber auch blühen, denn:Auf Sankt Georgs Güte stehen alle Täum in Blüte", sagt ber alte Volksspruch. Weil Sankt Georg aber auch die Erdfrucht segnet, so sollen an seinem Ehrentag auch die Kartoffeln gesteckt werden. Nur die Reden sollen um Georgi nochblind" sein, denn ihnen könnte das zu zestige Aufschlagen ihrerAugen" Gefahr bringen.

Die Kinder erwarten den Georgstag mit beson­derer Freude, beschert er ihnen doch endlich wieder diegrünen Schuh'"! Dor dem Georgstag darf man nämlich nicht barfuß gehen, erst Sankt Georg erlaubt es wieder, wie man jetzt auch wieder aus

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sich der alte germanische Lichtglaube gerade an die Gestalt des aus Kleinasien stammenden Heiligen geheftet hat, mutet freilich wunderlich an, aber es läßt fick erklären. Alles deutet darauf hin, daß Georg Der christliche Nachfolger des vorderasiati­schen altariscyen Lichtgottes Mithras wurde und daß man deshalb die seltsamen Kultbräuche, die wohl durch die indogermanisch-arischen Völker er­halten und verbreitet wurden, schließlich auf Georg bezog. So wurde er zum Bauernpatron und zum Schützer des Viehes und der Pferde.

Schon im Schwabenspiegel, dem alten deutschen Gesetzbuch, dessen Entstehung bis ins dreizehnte Jahrhundert zurückreicht, steht, daß der Bauer am Georgstag fein Vieh zum erstenmal nach der lan­gen Winterruhe wieder auf Die Weide treibe, unb Daß bie Sommerarbeit beginne. Schon bamals galt es als Brauch, mit bem Georgstag ben Win­ter enbgültig abzuschließen. Freilich war gerabe an biefem Tag noch allerhanb Geistertreiben £u be­fürchten, vor bem man sich aber burch Peitschen­knallen schützen konnte. Später begnügte man sich mit bemGrasausläuten", zog über bie junggrü­nen Felber und schwang Kuhglocken, deren Lärm die Geister ebenso sicher vertrieb und gleichzeitig auch dem Wachstum der Saat Segen brachte. Außerdem verlangte in früherer Zeit Das Bauern­gesetz, daß nach dem Georgstag alle Wiesen, die im Sommer Heu liefern sollten, nicht mehr begangen werden durften.

Vor allem ist der Georgstag aber berFeiertag ber Pf erbe", benn Sankt Georg ist ihr besonderer Schützer. Auf den ältesten bildlichen Darstellungen sitzt der Heilige zu Pferd alsSchimmelreiter", wie ihn der Volksmund späterhin auch nannte. Don einem schneeweißen Pferd aus tötete er den Dra­chen unb ist bamit zum Sinnbilb bes Sieges über das Dunkle unb Böse unb zum tapferen Ritter geworden, zugleich aber auch zum Reiterheiligen, und deshalb ist ber Georgstag Denn auch ber Tag, an bem bie Pferbe gesegnet werben. Auch biefer Brauch ist zweifellos aus bem heibnisch-germani»

Oie gastlichen Gärten.

Von Peter Dauer.

Emsig weben bie erwachten Stauden unb Sträu­cher an ihrem grünen Blätterkleib. Wenn bie Sonne ihnen bie leuchtenben Blütenkronen aufsetzt, müssen sie festlich dastehen. Mutter Erde hat alle ihre Kammern geöffnet und in liebevoller Fürsorge bie Kleinsten zuerst hinausgeschickt, bamit sie später unter bem wuchernden Gedränge der Großen nicht zu kurz kommen oder gar übersehen werden. Der tiefblau aufgebrochene Himmel neigt sich mit heite­rem Behagen über das wetteifernde Gewimmel des Aufsprossens und Gestaltwerdens. Sein lächelndes Wohlgefallen macht selbst den Lattenzäunen und Mauersteinen warm. Aus Fugen und Spalten kriechen" die kleinen Siebenschläfer der überwintern­den Jnsektenwelt und dehnen und recken im wohli­gen Sonnenbad die verstaubten und matten Glie­der. Für bie hungrigen Rüssel und Kiefer gibt es auch schon zu schlecken und zu knabbern. Sie brau­chen sich nur von den lockenden Düften gängeln zu lassen, die der Wind ihnen in zarten Brisen zuwirft.

Da prangen handhoch über ber braunen Erbe bie bunten Kugelsträuße der Primeln. In Weiß, Weinrot, Karmin und Fliederblau brüsten sie sich als die vornehmeren Schwestern der schwefelgelben Wald- und Wiesenschlüsselblumen. Mit ihnen sind auch die bäuerlichen Aurikeln verwandt, die den Samt lieben und die gedämpften Farben Ocker und Rotbraun. Vieltonig wiegen sich die altklugen Ge­sichter der Stiefmütterchen einander zu, als tuschel­ten sie gesprächig in Erwartung und Neugier. Wie stolze Eoelbamen aus Zeiten mittelalterlicher Ritter- Herrlichkeit von Pagen unb Knappen umgeben, lassen sich bie hellblauen und dunkelvioletten Iris von Leibwachen langen- und schwertförmiger Blät­ter betreuen. Während die kleinen Veilchen in ver­schütteten Winkeln schon die müden Augen schließen, bauen die Maiblumen mit behendem Fleiß an ihren Glöckchenstäben, um sie bald in voller Be­setzung zu leisem Freudengeläute schwingen zu ton­nen. Vereinzelt schaukeln bereits schon gespornte Akeleiölüten wie schwebende Falter auf schwanken

Der diesjährige Osterverkehr war, wie wir auf Anfrage bei der hiesigen Reichsbahn erfahren, weit­aus stärker als im vergangenen Jahr. Es ist erfreu« lich, daß sich die allgemeine Wirtschaftsbelebung auch in einer lebhafteren Reiselust auswirkt. Der Fernverkehr setzte bereits am Donnerstag vor den Feiertagen sehr lebhaft ein, so daß zahlreiche Züge verstärkt gefahren werden mußten. Auch einige Vorzüge mußten zur Bewältigung des Verkehrs eingesetzt werden. Am Freitag und am Samstag ließ der Andrang der Reisenden über größere Strecken allmählich nach. Der Ostersonntag brachte dann einen regen Ausflugsverkehr, der am zweiten Dfterfeiertag eine wesentliche Steigerung erfuhr. Nach den Mittagsstunden des gestrigen Ostermon­tags setzte dann bereits ber Rückreiseverkehr roieber ein, ber in ber vergangenen Nacht sehr stark war unb auch noch währenb bes heutigen Tages lebhaft anhielt.

Neben der Reichsbahn wurden von vielen Volks­genossen auch andere Verkehrsmittel in Anspruch genommen, um bei dem verhältnismäßig guten 'sterwetter nach langer Zeit wieder einmal aus der Stadt heraus der Natur näher zu kommen.

Eine Auerhenne gefangen.

Dieser Tage hatte sich eine Auerhenne nach Steinbach (Kreis Gießen) verflogen. Sie flog auf den Dächern herum und hielt sich auch gelegent­lich in einigen Höfen auf, obwohl sie von ber Jugend gejagt wurde. Schließlich wurde sie nach zwei Tagen eingefangen unb in die Wohnung des Dortigen Försters gebracht, wo sie in gute Pflege genommen wurde. Wie wir hören, soll sich die Henne schon fast ein Jahr in den venachbarten Waldungen aufgehalten haben, zuletzt in der Nähe von Hattenrod. Das Auerwild, das sonst hier nicht vorkommt, steht zur Zeit in der Balz. Damit dürste sich auch das merkwürdige Verhalten dieser Henne erklären. Daß Auerwild in der Balzzeit jeg­liche Scheu vor den Menschen verliert, kommt immer wieder einmal vor. So erinnern wir uns, daß vor einigen Jahren ein Auerhahn auf den'Dächern von Hirschhorn balzte und dann leider von einem Dachfenster aus geschossen wurde. Das nächste Vor­kommen von Auerwild ist in der Gegend von Als­feld und Grebenau. Daher wurde die Henne, nachdem sie mit einem Ring der Vogelwarte Helgo­land versehen worden war, auf Anordnung des Gaujägermeisters für die Provinz Oberhessen nach dem Forstamt Grebenau geschickt, wo sie auf einem dortigen Balzplatz wieder ausgesetzt wird.

Gießener Dochenmarkkpreise.

* Gießen, 23. April. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Matte 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 9V2, Wirsing, bas Pfunb 15 bis 20, Weißkraut 12 bis 15, Rot­kraut 28 bis 35, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote

die saftig grünen Wiesen, dahinter der dunkle Wald, und über dem Ganzen der tiefblaue Him­mel! Und wie schön sind erst die Dörfchen einge­rahmt! Ringsum zieht sich der breite Gürtel der Obstbäume, die nun ihr Frühlingskleid angelegt haben. Gar freundlich unb hell erglänzen dahin- ter bie roten Dächer der Häuser und Scheuern. Es blüht das fernste, tiefste Tal!

Am stärksten aber wirkt der Zauber der Baum­blüte auf uns ein, wenn wir dicht bei der blühen­den Krone stehen und ben süßen Duft einatmen. Aus bem jungen Grün, bas nun überall hervor- brängt, treten bie schneeweißen unb rosaroten Blü­ten lieblich hervor.

Welche Freube, wenn wir in einem Vorgarten ober an einer geschützten Stelle plötzlich einen dlühenben Pfirsichbaum sehen! Unb weiter oben an den Abhängen leuchtet der duftige Schnee der Kirschblüten. Zwetschen unb Birnen folgen. Zu­letzt, aber nicht minber schön, erscheinen bie rosa­farbenen Blüten ber Apfelbäume.

Wir stehen unter ben blühenben Bäumen unb schauen bie Wunder, die der Frühling jedes Jahr von neuem über die Erde ausstreut. Wir hören bas melobische Summen ber Bienchen unb sehen, wie sie sich behutsam auf bie Blüten setzen, ihre Köpfchen in bie Honigtöpchen stecken unb ben süßen Saft aussaugen. Im Vorbeigehen nehmen sie noch ben Blütenstaub mit ihren rauhen Hinterbeinchen mit. Schwer beloben fliegen sie nach bem Bienen­stock, leeren ihre Vorräte in bie Zellen aus, streifen ben Blütenstaub ab, unb schon sind sie wieder droben auf dem blühenden Kirschbaum...

Ueherwältigend schön ist solch ein Baum in sei­nem Blütenschnee. Und wenn es dem Frühling nicht gelang, mit seinen Veilchen und Weiden­kätzchen die Menschen aus ihren Wohnungen zu locken, jetzt kann niemand widerstehen. Dem Zauber der Obstbaumblüte unter blauem Himmel unb strahlenber Sonne entgeht niemanb.

Oberstaatsanwalt Or. Wodaege -f.

Am Samstag ist ber Oberstaatsanwalt beim Landgericht der Provinz Oberhessen Dr. W o d a e g e nach kurzer Krankheit im Alter von 49 Jahren plötzlich verstorben. Der Verewigte, ber sich sowohl als Mensch, wie auch als Justizbeamter in weiten Bevölkerungskreisen in Stadt und Land größter Wertschätzung erfreute, war feit einer Reihe von Jahren im JusMdienst in Gießen tätig, als Amts­anwalt, Landgerichtsrat und seit etwa einem Jahre als Oberstaatsanwalt. Er war als warmherziger Freund des oberhessischen Volkstums ein eifriger Wanderer, der viel hinauszog, um sich dort an ben Schönheiten ber Heimat immer roieber zu erfreuen, er roar ferner Vorsitzender des Mitteldeutschen Skiverbandes, eifriger Paddler, Vorsitzender des hiesigen Eisvereins usro. Alle Bestrebungen, die auf die seelische und körperliche Wiedererstarkung unse­res Volkes, sowie die Ausbreitung und Vertiefung des nationalen Gedankengutes abzielten, hatten in ihm allezeit einen unermüdlichen Förderer und Wegbereiter. Dem allzufrüh unb jäh aus bem Leben abberufenen Manne wirb überall ein ehrenbes Ge­dächtnis bewahrt werben.

Musikalische Abendfeier.

Zu einem schönen Brauch ist geworben, was in ber Stille unb ganz allmählich entstaub: bie musi­kalischen Abenbanbachten in ber Johanneskirche, bie sich einer stets wachsenben ©emeinbe erfreuen. Jo­hannes Nebeling, bas geistige Haupt biefer musikalischen Feierstunden, hat auch biesmal roie­ber bei der Karfreitagsveranstaltung an der Orgel seines Amtes gewaltet und bie, aus solistischen Ge­sangs- unb Jnstrumentalvorträgen bestehende, burch Schriftlesungen bes Geistlichen unterbrochene Vor­tragsfolge burch zwei Orgelwerke großen Formats umrahmt. Am Anfang erklangen Samuel Scheidts Variationen über das alte PassionsliedDa Jesus an dem Kreuze stund", eine Komposition von einer wundervollen Klarheit der Linienführung und kirch­lichen Schlichtheit in der Gesamtauffassung. Beides hat Nebeling durch die Art seiner Wiedergabe eben­so erstaunlich sicher getroffen, wie bie tiefe Glau­benszuversicht und das leidenschaftliche Bekenner- tum, die in I. S. Bachs zuletzt gespieltem L-Moll- Präludium und Fuge leben. Sinnvoll fügten sich in diesen Rahmen die Passionsgesänge von H. Schütz und Bach ein, die Maria Nebeling (So­pran) und Tilly W e r n e ck e (Alt) (von einigen

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Standartenführer spräche. -

** 19 0°Mark-Spende für das Kampfgeschwader. Eine Skatrunde, die ihr Stammlokal im ,Frokodil" hat, stiftete aus Anlaß

Stadttheater Gießen. Heute, 20 Uhr, Erstaufführung des LustspielsSo ein Mädel! (Das Extemporale)" von Sturm und Färber. Spiellei­tung Karl V o l ck ; Mitwirkende: Damen: Pflug, Stirl, Wielander; Herren: Göbel, Nieren, Volck, kl. Vogl. Die Aufführung ist nur im

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