Aellorgamsatwn der Pferdezucht in Oberheffeu.
Unter dem Vorsitz des Landesfachwartes der Abteilung Pferdezucht der Landesbauernschaft Hessen- Nassau und in Gegenwart des Hauptstabsleiters der Landesbauernschaft, Dr. Otto Finger, fand aestern in Gießen eine Vorstandssitzung des Hessischen Landes-Pferdezuchtoereins statt, in der über die Fragen der Umorganisation gesprochen wurde. Der Hessische Landespferdezuchtverein als solcher bleibt bestehen und wird der Landesbauernschaft angegliedert. Der langjährige Präsident des Vereins, Oekonomierat Fritsch (Dillshofen), und der verdiente Landesstallmeister a. D. Schärte (Darmstadt) wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt. Vereinsführer wurde der Landesfachwart für Pferdezucht der Landesbauernschaft, Oekonomierat Dett- weiter (Wintersheim - Rheinhessen), Geschäftsführer Landesstallmeister Dr. Dender.
Nach anschließenden Kommissionsberatungen fand am Nachmittag eine Versammlung der organisierten Pferdezüchter und der oberhessischen Pferdezüchtervereinigungen zwecks
Gründung einer Pferdezüchter-Vereinigung Oberhessen
statt. Der Landesfachwart für Pferdezucht bei der Landesbauernschaft, Oekonomierat D e t t w e i l e r (Wintersheim), leitete die zahlreich besuchte Versammlung und gab zunächst den Beschluß der Sitzung des Hessischen Landes - Pferdezuchtvereins bekannt. Hierauf widmete er dem verunglückten Kreisbauernführer D ö r r f ch u ck (Friedelhausen) einen herzlichen Nachruf. Die Versammlung ehrte sein Andenken durch ein stilles Gedenken.
Hierauf sprach Landesstallmeister Dr. Sender über „Zukunftsaufgaben und Organisation der Landespserdezucht in Hessen-Nassau". Dor zehn Jahren gab es Bauern, so führte er u. a. aus, die glaubten, daß die Motorisierung und Technisierung das Pferd verdrängen werde. Es hat sich aber erwiesen, daß das Pferd nicht nur in landwirtschaftlichen, sondern auch gewerblichen Betrieben nicht zu entbehren und sogar rentabler als der Motor ist. Darum muß die Pferdezucht in den Rahmen der Erzeugungsschlacht gestellt werden. Hessen hat einen jährlichen Verschleiß von über 4500 Pferden. Am 1. Januar 1935 war nur ein Bestand von 1550 Fohlen zu verzeichnen, während bei gesunden Verhältnissen mindestens 2000 Stück vorhanden sein müßten. Wir müssen dahin kommen, daß die Landwirtschaft ihren Eigenbedarf an Pferden wieder selbst deckt. Für die Zucht sind zwei Arten anzustreben: das rheinisch - deutsche Kaltblutpferd, mittelschwer mit gutem Gang, und das schwere deutsche Wirtschafts - Warmblutpferd auf okdenbur- gisch-ostfriesischer Grundlage.
Die Pferdezüchter werden eingefeilt in organisierte als Stammbuchstutenbesiher, die dem Perdestammbuch Hessen-Nassau angehören (a Kaltblut b Warmblut) und Nichtorganisierte, die ihm nicht angehören. Das Pferdestamm- buch wird zentral in Frankfurt a. 2tt. für das ganze Gebiet geführt.
Landesleiter für das Pferdestammbuch ist Oekonomierat D e 11 w e i l e r. Das Pferdestammbuch bil
det in den verschiedenen Gebieten Pferdezüchtervereinigungen, die dann die Kleinarbeit für die Herdbucharbeiten ausführen (wie z. B. das Fohlenbrennen, Zugangsmeldungen ufw.). In Hessen gibt es drei Vereinigungen: in Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen. Während Starkenburg 1200 und Rheinhessen 400 Stuten aufweisen, hat Oberhessen 1700. Vorbehaltlich der Genehmigung des Landesbauernführers wurden vorgeschlagen: zum Obmann der Vereinigung Oberhessen: Ludwig Walther, Reichelsheim i." W., zum Stellvertreter: LOF. H a u b - Nieder - Weisel. Geschäftsführer ist Tierzuchtdirektor Oberlandwirtschaftsrat Dr. Wagner vom Tierzuchtamt Gießen. Beisitzer sind Heinrich Fenchel, Griedel; Gg. Herbst, Altenburg; H. W. Wolf, Düdelsheim.
Die Vereinigung Oberhessen wurde in sieben Bezirksgruppen eingeteilt. Bezirksgruppe G i e- ß e n : Vertrauensmann Phil. Schudt, Londorf; Stellvertreter Rühl, Langsdorf. Geschäftsführung durch das Tierzuchtamt Gießen. Bezirks- gruppe We11ertal: Vertrauensmann Fr. Häuser III., Nieder-Weisel; Stellvertreter Hch. Fenchel, Griedel; Geschäftsführer LOF. Haub, Nieder- Weisel. Bezirksgruppe Wette rau: Vertrauensmann A. Bausch, Nieder-Wöllstadt; Stellvertreter K. Völbel, Berstadt; Geschäftsführer W. Marloff, Reichelsheim-W. Bezirksgruppe Alsfeld: Vertrauensmann G. Herbst, Altenburg; Stellvertreter Freiherr Schenk zu Schweinsberg, Kirtorf; Geschäftsführer Hengsthalter Becker, Ober-Ofleiden. Bezirks gruppe Lauterbach: Vertrauensmann Wilh. Euler I., Maar; Stellvertreter Altbürgermeister Hofmann, Queck; Geschäftsführung Tierzuchtamt Gießen. Bezirksgruppe Schotten: Vertrauensmann Bürger
meister Hofmann, Ulfa; Stellvertreter Hengsthalter Müller in Gießen; Geschäftsführung Tierzuchtamt Gießen. Bezirksgruppe Büdinge n-Land: Vertrauensmann W. Los, Finndorfer Hof; Stellvertreter Ditzel jun., Herrenhaag; Geschäftsführer Hch. Wilh. Wolf, Düdelsheim.
Nachdem die bisherigen Züchtervereinigungen auf« gefordert wurden, ihr Vermögen an die neue Organisation abzuführen, das aber den Zuchtzwecken innerhalb der früheren Vereinigungen zur Verfügung bleibt, nahm Landesfachwart De11weiler die Gründung der Pferdezüchtervereinigung Ober» Hessen vor.
Landesstallmeister Dr. Sender sprach bann noch über die Aufgaben der Bezirksobmänner und gab einen zahlenmäßigen Ueberblick über die Erfolge der Befruchtungen, die erschreckend niedrig sind.
In einem lehrreichen Vortrag behandelte Univer- sitätsprofessor Dr. K ü st-Gießen das Gebiet der „Zuchtausfallschäden in der Pferdezucht". Der Redner betonte die Wichtigkeit geeigneter Maßnahmen zur Sicherung einer gesunden und zahlreichen Pferde- zücht. Da eine Zentralstelle zur Bekämpfung der Ausfallschäden, die nicht nur den einzelnen Bauern treffen, sondern sich auch fühlbar in der Volkswirtschaft auswirken, noch nicht geschaffen werden kann, steht der Vortragende in seinem Institut in allen solchen Fragen zur Verfügung. An den Vortrag schloß sich eine längere Aussprache.
Der Obmann der neuen Vereinigung, Walther (Reichelsheim), schloß die Tagung mit Dankes- warten an den Führer und Reichskanzler und den Reichsbauernführer.
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Freiburg/Br., den 22. März 1935.
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