war immer da, wo Menschen gleiches Schicksal wählten und gleiches Schicksal gemeinsam zu meistern suchten. Der Weltkrieg brachte uns zwei Gemeinschaftserlebnisse besonderer Prägung und Bedeutung: das Fronterlebnis der Schicksalsgemeinschaft über alles Trennende hinweg und das Erlebnis der auch durch Länder und Meere und Jahrhunderte nicht zu trennenden Gemeinschaft deutschen Blutes. Seit dem Kriege sind wir den Ausländsdeutschen verbunden als lebendigen, unlösbaren Gliedern unseres Volkskörpers. „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" ist heute die Losung. Gemeinschaft heißt Bindung in freiwilligem Dienst. Gemeinschaft kennt nur den Führer als ersten unter gleichen, der nach eigener Verantwortlichkeit entscheidet und führt und der, nur auf das Vertrauen der Gefolgschaft gegründet, führen kann. Dann ist es eine ganz natürliche Folge des Gemeinschaftslebens, daß das Gute Gesetz werden muß. Die Gemeinschaft lobt nur den, von dessen Selbstlosigkeit sie überzeugt ist. Wir sehen im Volk nicht die zufällige Summe der Bewohner des Staatsgebietes, sondern eine geschlossene Einheit, ein geschlossenes, in seiner Art einmaliges, aus Blut und Boden erwachsenes Leben und Weben. Wir fühlen ein festes Verbundensein durch unser Blut mit den Ausländsdeutschen. Am Tannenbergdenkmal wird an Pfingsten der VDA. Abschied nehmen von Hindenburg, der dort mit vielen Helden ruht, die auf dem Anmarsch zur Schlacht oder bei den entscheidenden Stürmen auf die letzten Stellungen des Feindes fielen, und die uns still mahnen: „Was du auch tust, das tue im Namen der großen Idee, die dein Leben bestimmt: Gemeinschaft aller Deutschen."
Eine auslandsdeutsche Schülerin sprach ein Gedicht, das anläßlich des Besuches des deutschen Vermessungsschiffes „Meteor" 1926 an einem Festabend in Swakopkstund vorgetragen wurde. Ferner wurde der Abend durch die Gedichte „Deutsche Heimat" und „Ostmark" verschönt. Mit dem „Abendlied" von Claudius, dem Deutschlandlied und dem Horst- Wessel-Lied und einem Sieg-Heil auf Führer und Vaterland schloß die Feier.
(Sier, die einen anlachen!
Von der Bezirks-Eierverwertungs-Genossenschast Gießen wird uns geschrieben:
Welche Hausfrau hätte sich nicht schon über die blitzsauberen Eier mit dem Deutschstempel gefreut. (Ladenschild „G 1, Vollfrische Eier".) Es ist ein großer Irrtum zu glauben, daß Schmutz an den Eiern etwa ein Zeichen besonderer Frische wäre. Er haftet auch nach sechs Wochen noch daran. Würden Sie, liebe Hausfrau, auch eine andere, mit Kot beschmutzte Ware kaufen, etwa eine Banane oder Apfelsine, von der ja auch nicht die Schale mitgegessen wird? Auch das Innere des Eies wird von dem Schmutz beeinflußt, denn die Schale hat viele tausend Poren, durch die Fäulniskeime und Kot eindringen können. Deswegen wird in den Kennzeichnungsstellen darauf geachtet, daß nur blitzsaubere Eier den Deutschstempel bekommen. Außerdem dürfen die Eier auch nicht gewaschen werden, weil dadurch das Ei rascher verdirbt. Durch diese Maßnahmen werden die Erzeuger gezwungen, saubere Eier abzuliefern und somit ihren Hühnern saubere Ställe und Nester zu geben. Das deutschgestempelte Ei hat nicht nur sein ehrliches Gewicht auf der Schale, seine Güteangabe auf dem Schild im Laden, sondern es ist auch sauber und enthält keine Fäulnis- und Krankheitskeime. Darum, liebe Hausfrau, nur Eier aus dem Laden mit Schild „G 1, Vollfrische Eier".
Daten für den 23. März.
1868: der Dichter Dietrich Eckart, Freund Adolf Hitlers, in Neumarkt (Oberpfalz) geboren (1923 ge- storben); — 1918: Litauen erklärt sich als seLstän- ger Staat. — 1933: Regierungserklärung Hitlers im Reichstag, Annahme des Ermächtigungsgesetzes.
Gießener Dochenmarktpreife.
* Gießen, 23. März. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Matte 25 Pf.,
Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 8 bis 9, Wirsing, das Pfund 25 bis 30, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 18 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Unterkohlrabi 10 bis 12, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 70 bis 80, Tomaten 40, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 30 bis 60, Schwarz- wurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,40 bis 3,50 Mark, Aepfel, das Pfund 20 bis 25 Pf., Honig 40 Pf. bis 1,20 Mark, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 75 bis 90 Pf., Tauben, das Stück 60 bis 70, Blumenkohl 30 bis- 60, Salat 25 bis 30, Endivien 10 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40, Radieschen, das Bündel 20 Pf.
vornottzen.
— Tageskalender für Samstag: Ortsgruppe Gießen-Süd, Zelle 2: Versammlung im „Graf Zeppelin". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Peer Gynt". — Astoria-Lichtspielhaus, Seltersweg: „Die Sporckschen Jäger".
— Tageskalender für Sonntag: Stadttheater: 15 bis 17.30 Uhr: „Frischer Wind aus Kanada". 19 bis 21.30 Uhr: „Alt-Wien". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Peer Gynt". — Astoria-Lichtspielhaus, Seltersweg: „Die Sporckschen Jäger". Turnverein 1846 Gießen, 15 Uhr in der Turnhalle: Werbeturnen. — Spielvereinigung 1900, 20.30 Uhr, Familienabend in der Stadt Wetzlar. — Bergschenke, 15.30 Uhr: Künstler-Konzert. — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 11 bis 13 Uhr: 3. Jahresausstellung. —
— Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Sonntag, 24. März, 19 Uhr, außer Abonnement, die Josef-Lanner-Operette „Alt-Wien"; Leitung haben Wrede - Cujö. — Dienstag, 26. März, Erstaufführung der Märchendichtung Carl Hauptmanns „Die armseligen Besenbinder"; Spielleitung hat Anton Neuhaus. Spieldauer von 20 bis 22.30 Uhr. — Mittwoch, 27. März, Wiederholung „Die armseligen Besenbinder". — Donnerstag, 28. März, geschlossene Vorstellung für die NS.-Kulturgemeinde, Ring Deutsche Bühne, die dramatische Dichtung Grillparzers „Der Traum ein Leben"; Spielleitung Karl Löser. — Freitag, 29. März, Wiederholung von Hauptmanns „Die armseligen Besenbinder". — Samstag, 30. März, geschlossene Vorstellung für die NS.-Kulturgemeinde, Ring Deutsche Bühne: „Der Traum ein Leben" von Grillparzer.
— Vom Konzert-Verein wird uns geschrieben: Das diesjährige Chorkonzert findet als Bach-Händel-Feier am 28. März unter Leitung von Professor Dr. Temesvary statt. Die VerpfliH- tung hervorragender Solisten bietet Gewähr für eine würdige Aufführung. Die Altpartie wird Frl. Lore Fischer aus Stuttgart singen, die den Gießenern vom Vorjahre her noch in bester Erinnerung sein wird. Die Künstlerin ist inzwischen mit stets wachsendem Erfolge tätig gewesen und wird u. a. demnächst im Auftrage des Propagandaministeriums bei einem deutschen Bachfest in Athen an hervorragender Stelle mitwirken. Die Sopranpartie liegt in den Händen von Frl. Leni Gehrig, die kürzlich als Aennchen im „Freischütz" mit sehr schönem Erfolg gastierte. Der oft in ähnlichen Partien bewährte Erich Meyer-Stephan wird die Baritonpartie ausführen. Näheres bringen die Anzeigen.
— Der Oberhessische Kun st verein macht im heutigen Anzeigenteil darauf aufmerksam, daß die Ausstellung von Professor Richard Kaiser (München) im Turmhaus am Brandplatz am morgigen Sonntag zum letzten Male geöffnet ist.
— Der Gustav-Adolf-Frauenverein in Gießen veranstaltet am nächsten Montag, 25. März, 20 Uhr, in der Stadtkirche einen Lichtbilder-Dor- tragsabend, bei dem Pfarrer F l i e d n e r - Madrid über das Thema „Evangelium und Volkstum in Spanien" sprechen wird. Musikalische Darbietungen sind außerdem vorgesehen. Auf die heutige Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht.
— D i e Oberhessische Viehversiche- rungs-Anstalt hält am Sonntag, 31. März,
im Hotel Hopfeld ihre Hauptversammlung ab. Interessenten seien besonders auf die heutige Anzeige hingewiesen, in der alles Nähere enthalten ist.
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*♦ Liebigmuseum. Am morgigen Sonntag von 11 bis 12 Uhr geöffnet. Eintritt frei.
** Das Museum im Alten und im Neuen Schloß ist am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet.
*♦ EineAbfallholzversteigerung veranstaltet die Bürgermeisterei am kommenden Montag. Näheres ist aus der heutigen Bekanntmachung ersichtlich.
** Abschlußprüfung en an der O e f f en t- lichen Handelslehranstalt. Man berichtet uns: Nachdem in der Vorwoche die schriftlichen Arbeiten erledigt worden waren, fanden in dieser Woche die mündlichen Prüfungen statt. Die Prüfung an der Höheren Handelsschule wurde unter dem Vorsitz des Leiters der Anstalt abgenommen. Sämtliche Schüler und Schülerinnen haben die Prüfung bestanden. Als Prüfungskommissar zur Zweijährigen Handelsschule hatte das Ministerium den Refe- renten für das Handelsschulwesen in Hessen, Lauer, entsandt. Vom Amt für Berufserziehung der Deutschen Arbeitsfront waren Herr M e r t e s und Herr Meier in die Prüfungskommission entsandt. Es wurde in 2 Abteilungen geprüft. Auch in diesen beiden Abteilungen haben sämtliche Schüler und Schülerinnen die Prüfung bestanden und damit die Mittlere Reife erhalten. Am Schluß der Prüfung teilte der Prüfungskommissar das Ergebnis mit und schloß mit einem Sieg-Heil auf den Führer. In der anschließenden Besprechung mit dem Lehrerkollegium drückte der Regierungsvertreter seine besondere Anerkennung aus, wobei er feststellte, daß -von den Lehrkräften, wie immer, ln vorbildlichster Weise gearbeitet worden sei.
** Ausstellungs-Sonntagsfahrkar- ten nach Saarbrücken. In der Zeit vom 24. bis 31. März findet in Saarbrücken im Rahmen einer Werbewoche für saarländische • Jndustrie- erzeugnisse eine Ausstellung statt. Zum Besuche dieser Ausstellung werden von der Reichsbahn
Sonntagskarten ausgegeben, die für die Hinfahrt Gültigkeit haben vom 22. März 0 Uhr bis 31. Marz 24 Uhr. Zur Rückfahrt find die Karten zuaelassen vom 24. März 12 Uhr bis 1. Avril 24 Uhr. Di? Karten müssen zur Rückfahrt mit dem Stempel der Ausstellungsleitung versehen sein.
Oie Winterhilfs-Abschlußplakette.
I
Als Abschlußplakette für das diesjährige Winter- Hilfswerk kommt diese Anstecknadel zum Verkauf, die als Mittelstück einen kleinen Halbedelstein zeigt. Der Taxwert dieses Halbedelsteins, der in den Schleifwerkstätten von Idar, dem Zentrum der deutschen Edelsteinbearbeitung angefertigt wurde, ist höher als der Verkaufspreis von 0,20 RM., zu dem die Plakette abgegeben wird. Dieser günstige Preis ist nur durch ein besonderes Ueberoinkommen der Arbeiter und Betriebsführer ermöglicht worden.
SJL-'SibotI
Pokalkämpfe der heimischen Mnnschasten.
Fußball-Pokalspiel -19001.—Wehlari.
Das Los führt morgen auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe die beiden größten Widersacher im Kampf um die Bezirksklassenmeisterschaft zusammen. Im Spiel um den Vereinspokal des Deutschen Fußballbundes kreuzen die beiden Tabellenersten erneut die Klingen und es kann mit ziemlicher Sicherheit eine anregende Begegnung erwartet werden. Gemessen an den letzten Treffen dürften beide Gegner gleichwertig sein, so daß nur die jeweilige Tagesform entscheidend auf den Ausgang des Spieles sein dürft«. Es wird ein Wettstreit des besseren Wetzlarer Angriffs gegen 1900’s überragende Abwehr werden. Bei den Blauweißen kann Birkenbiel leider nicht Mitwirken, da er für Meisterschaftsspiele noch keine Spielberechtigung besitzt. 1900 wird auf einigen Posten andere Kräfte einsetzen, ohne befürchten zu müssen, daß die Spielstärke darunter leidet. Tritt Wetzlar in seiner bekannt guten Aufstellung an, so ist der Ausgang des Spieles nicht vorauszusagen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Gegner diesmal den Spieß umdreht und damit die weitere Teilnahme an den Pokalspielen nach Wetzlar entführt. Der Unterlegene scheidet aus. Schiedsrichter ist Krug (Friedberg). 1900’5 untere Mannschaften sind spielfrei.
Vfv. Friedberg 1. Jgd. — 1900 1. Jgd.
Die erste Jugend weilt zum Gesellschaftsspiel in Friedberg. Der Sieger ist nicht vorauszusagen.
Iü; Allen Vuseck 1. Jgd. — 1900 2. Jgd.
Einen schweren Stand wird auch 1900’5 zahlte Jugend bei den Turnern in Alten-Buseck haben, die zu Hause einen sehr gefährlichen Gegner abgeben.
1900 Schüler — Tv. Treis a. d. Lda. Schüler.
Vor dem Ligaspiel spielen in Gießen die Kleinsten beider Vereine. Man erwartet einen sicheren Sieg der Einheimischen.
VfL.-R. in Naunheim.
Durch Auelosung wurde der Sportverein Naunheim als Pokalspielgegner der Hiesigen ermittelt. Die Spielstärke der Naunheimer ist in Gießen gut bekannt, und die Hiesigen wissen, daß sie einem Gegner gegenüberstehen, der durchaus in der Lage ist, sie au schlagen. Trotzdem kann die Mannschaft, die in der augenblicklich stärksten Aufstellung mit: Janz; Schwarz, Leutheuser; Feuster, Knauß, Hauptfeld; Ranft, Schmidt, Heß, Lehrmund, Fehling das Spiel bestreitet, mit Selbstvertrauen in den Kampf gehen, da alle Spieler zu kämpfen wissen. Erst der Schlußpfiff wird in diesem Spiel den Sieger feststellen.
vfV.-Relchsbahn II — Reichsbahn Dillenburg IL
Die Dillenburger sind als eine spielstarke Mannschaft bekannt und werden den Gießenern einen fairen aber harten Kampf liefern. Man erwartet, daß der Platzverein den Sieger stellt.
Die Ifflaudsiöchier und ihre Freier.
Vornan von 3- Schneider Foerstl.
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
12 Fortsetzung Nachdruck verboten!
Als der Clown Hasso eine Viertelstunde später die Holztreppe seines Wagens hinaufstieg, hatte sein Gedächtnis das letzte ausgegeben. Da bin ich aber neugierig, dachte er, während er sich abschminkte, wer dieser James sein wird.
Zwölf Uhr sechsundzwanzig wollte er ankommen. Da hatte man also noch eine halbe Stunde Zeit. Aus dem großen Zelt drangen jetzt helle, nadelspitze Schreie. Die Luftakrobaten absolvierten ihre Nummer.
Die „Teepuppen", so nannte man bei der Truppe das halbe Hundert Girls, hatten noch Licht in ihrem Wagen. Hasso lief hinüber und lächelte, als eine Hand sich aus einem der offenen Fenster stahl. Die Wange daranlegend, drückte er einen Kuß darauf.
Im Dorübergehen warf er einen Blick zu den Raubtieren hinein. Der Dompteur, der eben eine Schramme verband, die ihm ein störrisches Tigerweibchen geschlagen hatte, nickte ihm zu.
„Diese Biester ftessen dich schon noch einmal!" warnte Hasso und half ihm, die Mullbinde fünft- gerecht um die verletzte Hand wickeln. „Ist dir ein gewisser James erinnerlich?"
„Nee", kam es verärgert zurück. „Ich habe Wich- tigeres zu denken, als an einen James. — Mit der Löwin ift es wieder einmal nichts."
Hassos Gedanken wurden einen Augenblick ab- gelenkt. „Sie ist zu nervös", meinte er. „Genau wie die Frau unseres Direktors. Da bleiben dann die Kinder aus."
Das Lachen des Dompteurs klang ihm noch nach, als er schon ein großes Stück durch die Zeltstadt gegangen war.
Fernzug Köln.
Ankunft: 12.26.
Niemand hätte in dem eleganten Herrn, der in dunklem Mantel und weichem Hut an der Sperre stand, den Clown Hasso aus dem Zirkus Murray vermutet. Den einen Handschuh abgestreift, steckte er sich eben eine Zigarette in Brand, als die Schnell- zugsmaschine in die Halle stampfte.
„Sss" machte Hasso und griff zärtlich in das Fell der jungen Wölfin, die er sich zum Begleithund erzogen hatte, und die unruhig geworden war. „Nun Bin ich neugierig, wer ihn zuerst erkennt!"
Der Gedanke war kaum zu Ende gedacht, als das Tier einen mächtigen Satz nach vorn machte und einem Herrn, der eben durch die Sperre schritt, mit lautern Geheul an die Schulter sprang. Dazwischen gellte der helle Schrei einer Frau. Darauf folgten beschwichtigende Worte ihres Begleiters an den Hund: „Wo ist sie denn, meine brave, kleine Wu? Nach so langer Zeit kennst du mich noch? Liebe, liebe kleine Wu! Hasso, wie nett von dir, daß du gekommen bist!"
„Also das nennt sich James!" lachte dieser, ließ die Zigarette zu Boden fallen, um beide Hände frei zu bekommen und schüttelte dem Freund herzlich die Rechte. „Menschenskind, mein Gehirn ist beinahe in die Brüche gegangen!" Er gewahrte jetzt erst James Begleiterin, die sich, wahrscheinlich aus Furcht vor der Wölfin, furchtsam hinter dem Rücken des Freundes verschanzt hielt, und machte eine tiefe Verneigung.
„Gestatte, Margot! Das ist mein Freund Hasso", stellte James Pick vor und sah abbittend in ihre, noch immer erschrockenen Augen. „Die Wu tut bestimmt nichts", sagte er beruhigend und streichelte dabei den Kopf des Tieres. „Kann man hier in einem Hotel noch etwas zu essen bekommen? Wir haben nämlich schrecklichen Hunger."
Bei einem Speisewagen im Fernzug? wunderte sich Hasso, sagte aber nichts und bejahte nur.
Das also sind Zirkusleute, dachte Margot während der Fahrt in die Stadt. An diesem Manne war nichts auszusetzen, weder an der Kleidung, noch an seinen Umgangsformen, noch an der Art der Unterhaltung. Wenn er ihr zufällig begegnet wäre, hätte sie in ihm alles eher als einen Clown vermutet.
James bestellte im Hotel zwei Zimmer und ein kleines Abendessen. Während Margot sich auf ihrem Zimmer den Reisestaub abwusch, gab Pick seinem Freunde über alles Nötige Auskunft.
„Die Sache ist faul", meinte Hasso. „Ich nehme an, daß du das Mädchen wirklich liebst."
„Ueber alles!"
„Warum bringst du es denn in diese schiefe Lage? — Ich bitte dich, sei jetzt nicht empfindlich, Jakob — ich kann mich nun einmal an bas „James" nicht gewöhnen —" lächelte er entschuldigend. „Du sagst, die Amerikanerin würde dir das Genick brechen. Gut. Nach meiner Meinung kommt es ober auf bas gleiche hinaus, wenn bu bas selber tust."
„Du meinst also, baß die Sache fein gutes Ende nimmt?" B
„Sie wird ein schlechtes nehmen, ja. Du kannst doch nicht ewig auf der Flucht sein."
James Pick bekam einen bitteren Geschmack auf der Zunge. ,Jch dachte, bei euch zu bleiben."
„Aahk — Als was denn?" Und als James schwieg, strich er ihm mitleidig über den Arm. „Siehst du — bei uns bleiben — wenn du allein
gekommen wärst — meinetwegen. Das wäre möglicherweise gegangen. Wahrscheinlich hättest du auch den Wagen mit mir teilen können. Ein Jahr und länger. Auch hungern hättest du nicht zu brauchen. Es würde schon für zwei gereicht haben. Aber mit einem Mädchen als Zugabe? — Nee! — Meine Wölfin würde sie nicht zerreißen. Aber die Kollegen würden es tun."
„Wir wollen heiraten, sobald es geht."
„Und dann?"
„Das Eintreten Margots unterbrach die Unterredung. —
*
Es wurde eine unruhige Nacht. Margot hatte Gewissensbisse, und James zerquälte sich das Gehirn über die Zukunft. Man nahm nicht einfach eine Tochter aus erstem Hause aus dem sicheren Schoß ihrer Familie und verpflanzte sie in eine beliebig andere Umwelt, gar in die eines Zirkusses. Die Gefahr, die dieses Experiment in sich barg, erschien ihm plötzlich ungeheuer. —
Als man sich beim Frühstück wieder traf, las man sich gegenseitig die Gedanken aus den Augen. James war sich nur zu klar darüber, daß er als Mann die ganze Verantwortung trug. Es mußte sich etwas für ihn finden. Durch Hasso hatte er sich beim Direktor melden lassen.
Murray war nicht in bester Laune. Die Geschäfte gingen nicht so, wie er gehofft hatte. „Was können Sie denn?" fragte er James Pick und putzte sich dabei ungeniert seine Fingernägel. „Einen guten Clown könnte ich allenfalls noch brauchen."
James taugte nicht zum Clown.
„Was sonst? — Für ßuftafrobatif sind Sie zu massiv." An den Fingernägeln war nichts mehr zu putzen, weshalb jetzt Murrays Augen durchdringend an James Gesicht haften blieben. „Vielleicht eignet sich Ihre Frau zu einem Girl?"
„Meine Frau kommt nicht in Frage", versetzte James fast heftig. „Ich suche nur für mich allein ein Engagement."
„So. Was haben Sie denn bis jetzt getrieben?"
„Ich bin geschwommen. Rekord. — — Sieger gegen Niehling."
„Also das sind Sie", sagte Murray, das eine Augenlid herabklappend. „Clown wäre mir lieber gewesen! — Ja, was machen wir nun da? Und wenn Sie Weltmeister wären, ich kann Sie nicht brauchen! Allenfalls, wie ich schon sagte: Ihre Frau. Aber das wollen Sie ja nicht."
„Nein!"
Die erledigende Handbewegung Murrays sagte alles. —
Hasso räumte eben einen Bajazzoanzug vom Stuhl, als James zu ihm in den Wagen geklettert kam. „Verschnauf dich erst einmal", sagte er, nach einem Blick in das erregte Gesicht des Freundes, und setzt» ihm das Glas Kognak vor. „Trink das
jetzt! Das macht ruhiger. — Nichts ausgerichtet beim Chef?"
Auf James Kopfschütteln setzte er sich zu ihm auf den schmalen Divan. „Ich habe einen Vorschlag." Und als Pick nicht aufsah, tippte er ihn leicht auf das Knie. „Du heiratest — und läßt deine Frau bei mir."
James starrte Hasso verständnislos an. „Und ich--?"
„Du fährst nach Köln zu deiner Amerikanerin!"
„Nein!"
„Gemach, mein Lieber! Man sucht dich nämlich schon. Du kannst es selber Nachlesen." Dabei schob er ihm einen Stapel Zeitungen, die auf dem Tisch lagen, hin. „Nimm eine Ausrede! Spiel' den Reuigen! Schütze Sinnesverwirrung vor oder was du willst! Trage in Amerika deine Weltmeisterschaft aus und mache dich zugleich bei deiner Verlobten so unbeliebt als möglich — bann läßt sie dich von selber laufen."
„Du kennst sie nicht", entgegnete James. „Außerdem wird Margot dazu niemals ihre Einwilligung geben."
„Wissen ihre Angehörigen, daß sie bei dir ist?"
„Sie hat ihrer Tante und ihren Schwestern geschrieben."
„Wenigstens etwas Vernünftiges bei der ganzen unvernünftigen Sache. Trink' noch einen!" Ich bin nervös, dachte Hasso, als seine Hand, die das massive Schnapsglas hielt, leicht zu zittern begann. „Also kurz und bündig: Du hast zwei Wege, die dir offenstehen: Erledigsein — ober ber Amerikanerin ein bißchen blauen Dunst vormachen, und trachten, baß sie bich halb losläßt."
„Was würbest bu tun?" fragte James kleinmütig.
„Das letztere."
*
Maria Jffland las ben Brief ihrer Nichte zum sechsten Male unb legte ihn bann samt ber etwas zerknitterten Hülle in das Geheimfach ihres Schreibtisches. Sie wußte ihn auswendig.
„Verehrte Tante!
Verzeih' mir und suche mich nicht. Ich bin dem Mann meiner Liebe gefolgt. Margot." Blieb nur die Frage offen, wer der Mann ihrer
Liebe war.
Sie hatte sich sofort mit Haslbach in Verbindung gesetzt. Dort war eine ähnliche Nachricht eingelaufen. Luzie wußte um Margots Neigung. Die Bitte der Schwester, nicht nach ihr zu sucyen, mochte schwerwiegende Gründe haben. Also respektierte man sie unb schwieg. Nicht einmal Henriette fand ein rügendes Wort.
Nur Klaudine meinte des Nachts in die Kiffen. So hätte Margot nicht fortgehen dürfen! So nicht: Ein Glück, daß der Vater das nicht mehr erlebt hatte. t
(Fortsetzung folgt!)


