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Samstag, 23. März 1935

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger sür Oberheffen)

Nr.70 Drittes Blatt

Aus der Provinzialhauptstadt.

Laute und leise Menschen.

Oer Reichsbemfswetikampf in Gießen.

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Links oben: Schuh­macherlehrlinge bei der Arbeit in ihrem altehr­würdigen Handwerk.

Rechts oben: Glaser­lehrlinge müssen auch mit dem Hobel gut umzu­gehen wissen.

Links unten: Mau­rerlehrlinge fügten am Erweiterungsbau der Ka­tholischen Kirche Stein auf Stein zur festen Mauer.

Seitenflügels. Wie man den Worten des auffichts- führenden Berufsgruppenwettkampfleiters entneh­men konnte, wurde diese Arbeit sehr sauber aus- gesührt.

In Mainzlar, im Wohlfahrtsgebäude der Didier-Werke, fand der Reichsberufswettkampf für die Fachgruppe der Steine und Erden statt. Angetreten waren 17 jugendliche Hilfsarbeiter, die bei den dortigen Didier-Werken beschäftigt sind. Die Teilnehmer unterzogen sich der theoretischen und praktischen Prüfung im Werk.

Die Bäcker- und M e tz g e r l e h r l i n g e vermochten in der praktischen Arbeit zum größten Teil sehr gut abzuschneiden, weniger gut im theore­tischen Teil. In theoretischer Hinsicht wurden, wie uns vom Gruppenwettkampfleiter mitgeteilt wird, Lücken festgestellt, die von den jungen Berufs­angehörigen noch beseitigt werden müssen. Die Prüfer der Arbeiten hatten sich in der Bewertung der praktischen und theoretischen Arbeiten aller Sorgfalt befleißigt. Zahlreiche Betriebsfuhrer stellten ihre Arbeitsstätten, das Material und die Werk- zeuge zur Verfügung, darunter die Fa. M ö h l, Bahnhofstraße, für die zu prüfenden 39 Metzger- lehrlinge.

Die Lehrlinge des G l a s e r h a n d w e r k e s, sieben Lehrlinge von Meistern in der Stadt Gießen und ein Lehrling von auswärts, fanden sich in der Werkstatt von ' Glasermeister Bierau in der Dammstraße ein und legten dort den praktischen Teil der Prüfung im Reichsberufswettkampf ab. Die Lehrlinge des 1 Lehrjahres hatten Reuverglasun- gen und Reparaturen oorzunehmen, die Fortgeschrit­tenen hatten ihre Fertigkeit in der Holzbearbeitung unter Beweis zu stellen. Die Arbeiten fielen sehr zufriedenstellend aus. Der theoretischen Prüfung : unterzogen sich die Lehrlinge in der gewerblichen : Berufsschule.

Pfarrer Mahr.

Zu Beginn der kommenden Woche wird der bis­herige Geistliche unserer Matthäusgemeinde, Pfar­rer Gustav Mahr, der seit 20 Jahren die Mat- tbäusqemeinde betreute und wie wir imGie­ßener Anzeiger" Rr. 37 vom 13. Februar bereits mitteilten mit Wirkung vom 1. April ab in den Ruhestand treten und seinen einstweiligen Wohn­sitz von hier verlegen. Er wird zur Wiederher­stellung seiner durch lange Krankheit ^schwächten Gesundheit zunächst auf eine ^he von Monaten nach einer Gebirgsgegend mit entsprechendem> K ma übersiedeln und sich erst spater darüber schlüssig machen, ob er seinen Wohnsitz endgültig von Gießen

Urlaubsfahrt in den Harz vom 18. brs 26. April. Fahrtkosten 39 Mark. Schlußtermin für die An­meldung 29. März. Ostern mit den ersten grünen Wäldern lockt. Der schöne, grünende Harz (Wer- ninqerode, Ilsenburg und Nachbarorte) mit seinen bunten Hängen und alten Städtchen wird unsere Osterurlauber ausnehmen. Reiche Möglichkeiten zum Osterspaziergang" werden hier geboten, sei es durch die Täler mit ihren Bergwassern und Wasserfallen, oder über die grünenden Hügel des Harzer Verg- landes. Eine Taqesfahrt nach Goslar und Harz­burg führt in die alt-historischen Städte, so z. ti. Goslar mit seiner alten Kaiserpfalz.

Verufsgruppenamt.

Achtung!

Beginn der neuen Lehrgänge.

Die Lehrgänge in Kurzschrift und Maschinen­schreiben beginnen im Laufe dieser Woche. Dienstag 26. März, abends 8.15 Uhr, findet zu die­sem Zwecke im Ortsgruppenheim des Berufs- gruppenamtes, Gießen, Lonystraße 18, eine Bespre­chung statt. Wir bitten alle Interessenten, hieran teilzunehmen. Anmeldungen werden an diesem Abend noch entgegengenommen.

Oer Stellvertreter des Heichsjugend-

Eintopfgerichtsammlung im Monat Februar er­brachte 7527,36 Mark.

Oer Wechsel auf dem Lehrstuhl für Augenheilkunde

Wie wir gestern bereits meldeten, hat der In- Haber des Lehrstuhls für Augenheilkunde an unte­rer Universität und Direktor der Universitäts-Augen- klinik Professor Dr. I e ß von dem Reichserziehungs- minifter, im Einverständnis mit der sächsischen und der hessischen Regierung, einen Ruf auf den Lehr- stuhl für Augenheilkunde an der Universität Leip­zig und zugleich als Direktor der dortigen Universi­täts-Augenklinik erhalten. Professor Dr. Jeß hat diesen Ruf angenommen und wird bereits am , 1 April sein Amt in Leipzig antreten.

Nachfolger von Professor Dr. I e ß auf dem Gie­ßener Lehrstuhl und in der Leitung der hiesigen Universitäts-Augenklinik wird Prof. Dr. Riehm von Würzburg, der sein Gießener Amt ebenfalls am 1. April übernehmen wird.

Bund heimattreuer Schlesier.

Gemeinsam mit dem Reichsbund der Deutschen Beamten e. 23., Kreis Gießen, veranstalten wir am Freitag, 29. März, im Cafe Leib einen Filmoor- tragsabendOstpreußen ruft!" Es spricht Lothar Buchholz- Marienburg.

Alle Volksgenossen sind hierzu eingeladen. Eintritt 30 Pfg. Karten im Vorverkauf bei den Fachschafts­leitern und bei Landsmann Kosub in Fa. Vogt & Co., Gießen, Seltersweg.

Volksdeutscher Abend in der Goetheschule.

Von der Leitung der Goekheschule wird uns be­richtet:

Am 15. und 19. März veranstaltete Die Goethe- schule einen volksdeutschen Abend, der unter dem Leitgedanken stand: Gemeinschaft aller Deutschen inner- und außerhalb der Reichsgrenzen. Schon die kleinste Zelle der Volksgemeinschaft, wie wir sie in der Schule finden/ist wertvoll.

Da hatte sich eine kleine Gruppe frischer, froher Jungen zusammengefunden, die auf der Bühne um das Lagerfeuer saßen und einem jungen Aus­ländsdeutschen, dermit heißem Herzen nach der Heimat schaute", das neue Deutschland geigten. Schon im Hinblick auf die Pfingstsahrt des VDA. nach Königsberg erklangen das alte und das neue Ostfahrerlied, von Lehrer Dietrich neu gesetzt. Frl. Kalbfleisch hatte mit größeren Schülern und Schülerinnen schöne ostpreußische Fischertanze ein- geübt, und die Kleinen erfreuten die Zuschauer mit zwei neckischen Singspielen. Herr D l e t r t ch sang mit schöner klangvoller Stimme dasHeum weh" undDeutschland, du darfst nicht untergehn.

Seiner Ansprache legte der stellvertretende Leiter der Schule, Lehrer K rausch, folgendes Therna zugrunde:Gemeinschaft als deutsche Schicksals- und Geschichtsidee." Das 20. Jahrhundert bricht tn den Herzen seiner Menschen mit dem Fronterleb- nis an als das Jahrhundert der Gemeinschaft Wir, als Künder dieser Zeit, müssen deshalb alles Leben ;ach der Idee der Gemeinschaft prägen. Nur aut i diesem Wege gelangen wir zu den Wurzeln un ercr Kraft und unseres Wesens, zu der Idee deutschen : Schicksals und deutscher Geschichte. Gemeinschaft

Hilfeleistung galt dabei in besonderem Maße sein Augenmerk, wobei er den Ausbau der Schwestern- ftation, in Gemeinschaft mit der Markusgemeinde, als eines der wirksamsten Mittel erkannte und ihn mit großer Tatkraft und mit vollem Erfolg betrieb.

Wenn nunmehr der Abschied dieses Seelsorgers von seiner Gemeinde gekommen ist, nachdem vor etwa drei Wochen die Verabschiedung von der Kanzel aus in einem Abendgottesdienst bereits er­folgt war, so können der Pfarrer und seine Ge- membeqlieber mit bantbarer Freube auf ein in zwei Jahrzehnten im Geiste des Gotteswortes aufgebautes segensreiches Werk zurückblicken. In seiner Matthaus- qemeinde wird Pfarrer Mahr allezeit eine dankbare Gesinnung und ein liebevolles ^Aenken bewahrt bleiben, fein Werk wird in der Geschichte der Mat- thäusqemeinde und auch in der evangelischen Ge­samtgemeinde stets an hervorragender Stelle ver­merkt stehen.

Kreisbauernführer Oörrschrrck f.

Mit Pfarrer Mahr verliert die Matthausgemelnde einen Seelsorger, der ihr in den rund öwei Jahr- zehnten seines Wirkens allezeit em guter Hirte g ° wesen ist. Mit seiner Gemeinde aber auch w t der Gesamtheit der Gießener Bevölkerung war Psarr Mahr durch sein vielseitiges Wirken und seine au gezeichneten menschlichen Qualitäten im Laufe vielen Jahre immer mehrverwachsen, da er allem kirchlichen und persönlichen Geschehen m seinem Pfarrbezirk, in gleicher Weise aber auch a den Vorgängen m der evangelischen Gesamt gemeinde unserer Stadt herzlichen Anteil nahm und stets gerne mit gutem Rat und tatkräftiger Förderung Beistand leistete. Weit über unsere Stadt hinaus baute er im Rahmen der Dorfkirchen- Bewegung eifrig mit an dem Werke der evange­lischen Kirche und an der geistigen und sittlichen Erneuerung des ganzen deutschen Volkes Seme unermüdliche Schaffensfreudigkeit veranlaßte ihn, nicht nur als Kanzelredner und als Vortragender bei zahlreichen Tagungen, sondern auch als ^)Nsl- siever seine Gedanken und Forderungen zum Vesten der Kirche und des Volkes in der Presse zu ver­künden, um auch auf diesem Wege alle guten Kräfte für den Dienst an der Volksgesamtheit bereitwillig zu machen.

In seiner Matthäusgemeinde erwies sich Pfarrer Mahr auch außerhalb des Gotteshauses als uner­müdlicher geistiger Führer und Berater feiner Ge- tneinbeglieber, sowohl durch Besuche in den Familien bei vielerlei Gelegenheiten, als auch im Rahmen des Aufgabengebietes der Männer- und Frauen­vereinigung der Matthäusgemeinde. Der sozialen

Es gibt viele Dinge im Leben, die fo selbstver­ständlich erscheinen, daß man wenig davon spricht. Man nimmt sie hin, weil sie da sind, und versucht nicht hinter ihr Gesicht zu sehen. Und doch sind sie wichtig und von solcher Bedeutung, daß es gut ist, darüber nachzudenken. Dazu gehört auch das Wis­sen um die lauten und die leisen Menschen.

Die lauten Menschen gehen mit harten Schritten durch den Tag. Sie fassen mit festem Griff auf die Türklinken, und sie werfen die Türen mit lautem Knall ins Schloß. Dabei fällt wohl hier und da ein Stückchen Kalk von der Wand. Der Schaden ist da. Das sind aber nicht etwa nur Männer, die da laut sind, die die Schuhe am Abend hart aus den Boden stellen und die Stühle mit vernehmlichem Ruck über den Fußboden ziehen. Es gibt auch Frauen, die man immer hört. Sie gehen einen lauten Schritt und sprechen mit erhobener Stimme. In der Küche, beim Aufwaschen, klappert das Geschirr, auf dem Herde stoßen die Töpfe unter ihrem harten Zugriff aneinander. Dabei stößt hie und da eine Ecke ab, eine Tasse zerbricht, ein Teller geht in Scherben. Und zu der Unruhe kommt der Schaden und der Aerger. Das Lautsein wirkt sich auch auf die Fa­milienglieder aus. Laute Hausfrauen sind nicht be* hutsam, nicht mit den Händen, nicht mit den Wor­ten, nicht mit der Seele. Da ist dann manche scharfe Kante, an der man sich stößt, und manche Ecke, die wehtut. Das Beispiel der Erwachsenen wirkt natür- lich schädigend auf die Kinder, sie tun so wie die Großen es ihnen vortun, sie werfen auch die Türen zu und schreien unbekümmert in den Tag hinein. Und wieviel Leid und Qual man seiner Umgebung

Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau widmet dem verunglückten Kreisbauernfuhrer Adam Dorr­schuck folgenden Nachruf:

Am Freitagvormittag, 22. März, fiel der Kreis- bauernfubrer 2Ii>am D ö r r f d) U <f einem Unglücks, fall zum Opfer. Der T°d dieses Mannes bedeutet nickt nur einen schweren Verlust ur die Kreis- bat ern fchaf t O b e r h e,, e n . W e st deren Mhrer er war. fonbern mit Adam Darrschuck ver­liert der Nationalsozialismus einen aufrechten Kämpfer fürs Dritte Reich und das gesamte Bauerntum Hessen-Nassaus einen Führer, der mit stinem innersten Wesen sich als Bauer dem Bauern­tum verbunden fühlte und der einer seiner Vor­kämpfer auf dem Wege zu Adolf Hitler wa .

Adam Dörrschuck wurde am 21. Januar 1891 in Ober-Saulheim als Sohn einer rhemhesslschen Bauernfamilie geboren. Wie seine Vater, so war auch er Bauer und bewirtschaftete als erfolgreicher Landwirt seinen Hof. Darüber hinaus aber sah er d^e großen Aufgaben des deutschen Bauerntums, und war zu allen Zeiten ein Kämpfer für dieses Ziel Zu Beginn des Jahres 1931 trat Adam Dorn [d)UCf in die NSDAP, ein und wurde Mitglied des agrarpolitischen Apparats, dem von nun an ferne aanze Arbeit in unermüdlichem Kampfe gewidmet man Als landwirtschaftlicher Fachberater des Krei­ses Gießen leistete er ebenso Vorbildliches im Dienste d-'s Führers, wie auch nach der Machtübernahme als Kreisbauernführer des Reichsnährstandes.

So bat der Tod dieses Mannes eine Lucke geris­sen die in Partei und Reichsnährstand im Kreise seiner Kameraden und im gesamten Bauerntum mit tiefstem Schmerz empfunden wird.

Deutsche Arbeitsfront

N^.-GemeinschaftKraft durch Freude".

Die VorstellungFrischer Wind aus Kanada am Sonntag, 24" März, im Stadttheater Gießen, fällt aus. Bereits geholte Karten tonnen auf un­serer Dienststelle, Schanzenstraße 18, zuruckgegeben "Äm"S°nnt°g. 24. Mürz, morgens 10 Uhr. im fiotcl Hindenburg findet eine große Wägung der Sport- und Wanderwarte der NS-Gerneinschaft ,Kraft durch Freude" statt. Erscheinen aller Warte ist unbedingte Pflicht.

sichrerer kommt nach Gießen.

Arn Sonntag, 24. März, besichtigen der Stabs­führer der Reichsjugendführung, Hartmann- Lauterbacher, und der neue Gebietsfuhrer des Gebiets Hessen - Nassau, Oberbannführer Pott- h o f f, den Standort Gießen der Hitlerjugend.

Bund Nationalsozialistischer

Deutscher Juristen.

Bezirk Oberheffen.

Am nächsten Dienstag, 26. März, abends 8 Uhr, findet im unteren Saale im Cafö Ebel w Gießen, Burqgraben, eine Bezirksversammlung des BNSDJ. statt in welcher der Landesbauernführer Pg. Dr. Wagner über das Thema:Blut und Boden sprechen wird. Die Teilnahme an dieser Versamm­lung ist sämtlichen Mitgliedern des Bezirks Ober­hessen des BNSDJ. zur unbedingten Pflicht gemacht.

NS. Lehrerbund, Gießen.

Fachschaft höhere Schule.

Fachgruppe Mathematik und Naturwissenschaften.

Dienstag, 26. März, um 16 Uhr, spricht Stu­dienrat Dr. Boeck im Physiksaal des Realgymna­siums über:Schallmeßtrupp und die Schallmetz- aufgabe im Unterricht'.

AuöparteiamtlichenBekanntmachunoen

Die Ortsgruppe Gießen-Nord der NSDAP, veranstaltet am kommenden Montag, 20.15 Uhr, im Aquarium", eine geschlossene Mitgliederversamm­lung, zu der sämtliche Parteigenossen und -genos- sinne'n erscheinen müssen.

7833.41 Mark letzte Eintopfgericht- sammlung 1934/35.

Die letzte Eintopfgerichtsammlung des Winterhilfs­werkes 1934/35 brachte am vorigen Srnintaa un Kreise Gießen insgesamt 7833,41 Mark Aus die Stadt Gießen entfielen davon 3741,49 Mark. Die

Der Reichsberufswettkampf fand am gestrigen Freitag in verschiedenen weiteren Fachgruppen seine Fortsetzung. , e

Die Lehrlinge des S ch u m a ch e r h a n d w e r k s, sieben an der Zahl, fanden sich zur praktischen Arbeit in der Werkstätte des Schuhmachermeisters Krauß, Seltersweg, ein. Die Jungens hatten ein paar Sohlen kurz zu doppeln bzw. ein Paar Sohlen zu rangieren. Die Lehrlinge wurden ihrer Aufgabe gut gerecht und arbeiteten zur Zufrieden­heit des Berufsgruppenwettkampfleiters. Im An­schluß daran legten die Lehrlinge im Krausmull^- Saal des Ortsgewerbevereins noch die theoretische Prüfung ab.

Ein Gerberlehrling aus Nordeck, der ein­zige feines Faches im Reichsberufswettkampf unseres Bezirkes, erledigte seine praktische Arbeit bei der Firma Beeter in der Mühlstraße. Seine Aufgabe bestand darin, den Arbeitsgang der Vorberettung einer Haut zum Gerben und die Fertigmachung nach dem Gerben vollständig zu erledigen. Er schloß sich zur theoretischen Prüfung bet den Schuhmachern

Die Maurerlehrlinge unterzogen sich gestern ebenfalls der beruflichen Prüfung. Zur prak­tischen Arbeit kamen sie auf die Baustelle des Er­weiterungsbaues der katholischen Kirche und mau­erten dort gemeinsam an einem Mauerstuck des

mit lautem Wesen und Gebaren antun kann, da­ran denkt man gar nicht. Da wohnt vielleicht ein« alte Frau mit im Haus. Sie kann am Abend nicht einschlafen, weil im Haus« di« Türen schlagen, weil durch das Haus gerufen wird. Und weil sie alt ist und die Nerven fein und empfindlich geworden sind, wartet sie bei jeder Unruhe auf die nächste und wird krank und elend dabei. Und am Mittag lassen ine lauten Kinderstimmen sie nicht zur Ruhe kommen. Soviel Leid kann Lautsein schaffen.

Neben den lauten Menschen schreiten die leiien Menschen, deren Hände die Türen leise schließen, deren Füße sacht auftreten. Sie brauchen dabei Nicht zu schleichen. Auch ein fester Schritt kann leise sein. Die Männer ziehen sorgfältig die Schuhe aus. Die Frauen gehen behutsam um mit Geschirr und Dop:, fen Sie sparen Zeit und Dinge dabei. Alles behalt «in ordentliches Aussehen. Ihre Wort« gehen leis« hinüber zu den anderen Menschen. Und ist man krank, so ist es eine Wohltat, sich von ihnen gesund pflegen zu lassen. Die Kinder wachsen unter ihrer Führung genau so frisch, genau so froh, aber acht­samer aus die Dinge ihrer Umgebung, rucksichts-

" gegen die Menschen heran. Die Mitbewohner eines Hauses, in dem man sich behutsam bewegt, habe frohere und zufriedenere Gesichter und klagen nicht so viel über mißhandelte Nerven und gestorien Schlaf. So bringt das Leis«sein Freude und schasst Zufriedensein statt Leid und Aerger .

Leise sein ist oft angeboren. Das ist das einfachste. Aber es kann auch anerzoaen werden. Kinder kön­nen mit viel Geduld und Liebe zu leisen Menschen werden, man darf nicht nachlassen, es ihnen vorzu- tun und ihnen den inneren Wert zum Bewußtsein zu bringen. Aber auch die großen Menschen ton­nen es noch lernen, mit eiserner Energie und Selbst­zucht. Mütter lernen es fast immer. Bei ihrem ersten Kinde wird ihnen das Leisesein als Rimmels* aeschenk mitgegeben, aus der Liebe zu ihrem Kinoe blüht es empor. Liebe macht leise und behutsam, Frauenliebe und Mutterliebe. Es ist etwas Köst­liches um das Leisesein. Es gibt Schuhe, die schwer und klobig sind, aber der leis« Mensch geht dann wie wm "Tanz. Es gibt Hände, die rauh und nssig on L7Arbeit finb, aber her kife Mensch streichelt damit wann und weich das Leid aus dem teüen seiner Nächsten. Es gibt Frauen, deren Stimme ist wie eine tiefe Glocke, deren Seele ist wie em stiller See, man wird gut in ihrer Nahe und versenkt fein Leid in die Tiefen ihrer gütiaen Frauenseele. Ja, es ist etwas Groß.s um das Leisesein-Konnen. Und manches Geheimnis eines häuslichen Gluss und eines reichen Lebens hat seinen Schlussel tn der stillen, leisen Seele einer mütterlichen Frau 1 Schu.