Ausgabe 
23.3.1935
 
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Unfere Frühlingsblumen

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Schattensplele bei Frühjahrsbeginn

Oben, von links noch rechts: Anemone, Veilchen, G°n,°blnmchen Küchenschelle Großes ~ UnU"

rechts: Feigwurz, Szilla, Kleines Schneeglöckchen (Schneetropfchen), Schlüsselblume, Lebervlumcyen.

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Während die Fenstermaler bei der Arbeit sind, malt die Lenzsonne auf die Häuserwand die schönsten Schattenfiguren.

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Da. Prag.

Ganz unerwartet wurden bei der Bezirksbehörde in H. mehrere Personalveränderungen vorgenom­men, die die betreffenden Herren in jähes Er­schrecken versetzte. Und zwar hatte der Landespräsi­dent von Mähren Dr. Gerny die Sache persönlich in die Hand genommen. Dr. Gerny war es bsi- gekommen, einmal selber nach dem Rechten zu sehen bei der Bezirksbehövde.

Er hatte anscheinend schon seine Erfahrungen ge­macht'. denn er dachte nicht daran, sich vorher in H. anzumelden, sondern erschien als ein einfacher Mann aus dem Volke", der ein Gesuch an die Be- Airksbehörde richten wollte. Still und bescheiden wartete er zu Beginn der Amtsstunden im Vor­zimmer. Er mußte sehr lange warten, weil die Be­amten sehr unpünktlich mit ihrer Arbeit begannen. Sie ließen sich auch Zeit, während sie die einzelnen Leute abfertigten, und behandelten sie sehr von oben herab. Der eine Beamte las sogar erst in aller Gemütsruhe seine MorZenzeitung zu Ende, ehe er sich um die Wartenden kümmerte. Dies alles be­obachtete der Landespräsident, der unerkannt in einer Ecke saß und sich eifrig Notizen machte. Schließlich wandte er sich an einen höheren Beam­ten, der eben erst das Haus betrat, und fragte ihn geradezu, warum er seinen Dienst so spät beginne. Der Beamte musterte den Fremden von oben bis unten und sagte:Das geht Sie einen Dreck an!

Der Herr Landespräsident verlor nicht die Fas­sung. Er verbeugte sich lediglich mit verbindlichem Lächeln und stellte sich vor. Der Beamte war wem- ger gefaßt. Ehe er aber noch seine Bitte um Entschul­digung stammeln konnte, war der Landesprastdent entschwunden, und am nächsten Tag erfolgten dann die bereits erwähnten Personalveränderungen.

im Oberwald und an einigen anderen Stellen des 1 Vogelsbergs die Frühlingsknotenblume, auch Großes Schneeglöckchen genannt. Es ist ein Erlebnis für den Naturfreund, wenn er in dem sonst noch schlafenden Frühlingswald auf die durch ihre edlen weißen Blüten den Frühling im Berg­wald verkündenden Schneeglöckchen stößt. Die Blüte ist derjenigen unseres Gartenschneeglöckchens ähn­lich, jedoch haben die Blütenblätter an Stelle des grünen Randes nur einen grünen oder gelblichen Fleck an ihrem unteren Ende. Das Große Schnee­glöckchen gehört zu den geschützten Pflanzen.

An feuchten Stellen auf Wiesen, Waldwegen und an Grabenrändern blüht im Mai-Juni mit großer, schlüsselförmiger, goldgelber, innen braundrusiger Blumenkrone das Pfennigkraut. Die bis 40 cm langen kriechenden Stengel tragen gegen­ständige runde (pfennigähnliche!) Blätter. An frisch hergestellten Grabenböschungen ist das Pfennigkraut sehr oft eine der ersten sich hier ansiedelnden Pflan­zen.

Fast überall verbreitet und an ihr zusagenden Stellen ganze Blattmosaiken bildend, vielfach im März schon blühend, ist die Feigwurz, auch Scharbockskraut genannt, anzutreffen. Scharbocks­kraut heißt die Pflanze deshalb, weil das Kraut früher als Mittel gegen Scharbock (Skorbut) galt. Die aus dem aus keulenförmigen Wurzeln bestehen­den Wurzelstock aufsteigenden, bis 20 cm langen Blütensprosse tragen die gelbe, in der Sonne sich sternförmig ausbreitende, nachts geschlossene Blüte. Zu ihrer Vermehrung bildet die Pflanze in den Achseln der unteren Blätter Brutknöllchen, die nach ihrem Abfallen oft durch den Regen zusammen- geschwemmt werden und alsErdgerste oder Himmelsbrot" Veranlassung für die Sage vom Getreideregen" gegeben haben sollen.

Schöne Frühlingsblüher sind die bei uns in den Gärten gezogenen S z i l l a - oder Blausternarten. In Deutschland findet sich stellenweise der Zwei­blätterige Blaustern, der aber in unserer näheren Umgebung fehlt. Die in den Gärten gezogenen, schön tiefblau blühenden Blausterne stammen aus der Mittelmeergegend, aus Südrußland und Kleinasien.

Einrichtung dazu. Aber die Zeit machte den be­kannten Strich durch die Rechnung: Das Pracht- oebäude wurde nie fertig!

Für den öden Rohbau aber suchte man krampf­haft einen Käufer, der damit etwas anfangen könnte. Einer fand sich schließlich in Gestalt eines Geflügelhändlers, der eine Zucht anlegen wollte.

Die großen Räume sind nun in unzählige Käfige aufqeteilt die von piepsenden und krähenden Tieren angefüllt sind. Und damit es auch echt amerikanisch schließe, nennen wir nur kurz und kommentarlos die Zahlen dessen, was man hier unterbrachte: 60 000 Hühner, 50 000 Küken, 40 000 Tauben. Sie gedeihen prächtig in dem Luxushotel, das bestimmt nicht für Hühner und Tauben gedacht war...

Nellie soll gebadet werden.

() London.

Die Stadt Wolverhampton hat ihre Sensation: Nellie Cook soll gebadet werden. Das ist viel weni­ger einfach, als es sich anhört, Frau Cook wird nämlich zwangsweise und auf Anordnung des Ge­richtes g-esäubert. Sollte es nötig sein, so werden zwei kräftige Polizisten sie aus ihrer Wohnung ab­holen und der Vorsteherin des öffentlichen Bades überantworten. Und dort wird sich dann Nellies weiteres Schicksal erfüllen, indem man sie in eine Wanne mit warmem Wasser steckt, gründlich ein­seift und mit Bürsten bearbeitet, bis sie sauber ist.

Das Bad wurde durch Beschluß des Gerichtshofes von Wolverhampton angeordnet und wird aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Dieser Entscheidung liegt ein Gesetz zugrunde, dessen Anwendung ein Stadtverordneter verlangte. Es war nämlich fest­gestellt worden, daß Nellie Cooksich in dreckigem, verfilztem Zustand befindet und eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit bildet". Diesesappetit­liche" Wesen weigerte sich zweimal, vor Gericht zu erscheinen und eine Begründung darüber zu geben, weshalb sie nicht dazu zu bewegen war, ein Bad zu nehmen oder sich sonst in menschenwürdigem Zustande zu erhalten.

Während Nellie selbst zwangsweise gebadet wird, läuft noch eine andere Reinigungsprozedur neben­her. Eine Scheuerfrau soll derweil auf Kosten der Nachbarn Nellie Cooks Wohnung, in der sie allein lebt, und die nicht sauberer aussieht als ihre Herrin, gründlich den Besen schwingen...

Der schwarze Faden.

(a. d.) Rom.

Mit einem blauen Auge kam Luisa Moretti da­von, die das Opfer eines eigenartigen Unfalls wurde: vor einigen Tagen fand sie auf der Straße ein Knäuel dunklen und festen Bindfadens.Den kann ich gerade brauchen", meinte Signora Luisa im Selbstgespräch,um daran meinen Marktkorb anzubinden. Wenn morgens der Gemüsehändler mit seinem Karren an unserem Hause vorüberzieht, brauche ich die Treppen nicht erst hinunterzulaufen. Ich lasse einfach den Korb am Bindfaden aus dem Fenster auf die Straße hinab, und der Händler tut mir Artischocken, Fenchel und Schnittlauch hinein. Dann ziehe ich den Korb wieder nach oben, besehe das Gemüse, tue die verlangten Soldi hinein und lasse den Korb wieder hinab ..Gedacht getan. Und mehrere Tage lang ging alles gut, denn der Bindfaden war widerstandsfähig genug.

Aber eines Morgens stellte Signora Luisa den Korb mit dem Bindfaden auf den Herd in die Nähe der Flamme. Was dann geschah? Der Bind­faden fing Feuer und verbrannte mit einer riesigen Flamme unter explosionsartiger Erschütterung! Der Rauchfang des Herdes und eine Zwischenwand der Küche stürzten ein, wodurch ein Schaden von über 1000 Lire verursacht wurde. Die entsetzten Nach­barn stürzten herbei und fanden die arme Signora Luisa halb betäubt vom Schreck mit nicht unerheb­lichen Brandwunden an den Beinen und am Kopfe auf dem Boden liegen. So mußte sie ins Kranken­haus gebracht werden. Und das alles, weil sie nicht rechtzeitig. Lunte gerochen hatte! Denn dies ^und nichts anderes war der von der ahnungslosen Sig­nora gebrauchte Bindfaden ...

Die Visitation.

Ebenfalls bei uns in Gärten und daraus manch­mal verwildernd wird das Kleine Schnee­glöckchen, auch Schneetröpfchen genannt, ge­zogen. Es ist einer unserer ersten Frühlingsboten und galt bei den Germanen als Sinnbild reiner Jugendliebe. Einheimisch ist das Schneeglöckchen am Südfuß der Alpen, im Jura usw., es kommt aber auch zerstreut in Deutschland vor. Bekannt ist die von Bismarck in seinenGedanken und Erinne­rungen" erzählte reizende Geschichte von einem Schneeglöckchen in St. Petersburg. Dort hatte die Kaiserin Katharina II., um das Schneeglöckchen vor dem Abgepflücktwerden zu schützen, einen Posten aufstellen lassen. Nach mehr als hundert Jahren wurde der Posten an dieser Stelle immer noch auf­geführt, ohne daß man sich seines einstigen Zweckes bewußt war.

Von den Himmelsschlüsseln sind Gebräuch­liche Schlüsselblume und Hohe Schlüs­selblume fast überall verbreitet. Erstere, mit wohlriechenden hochgelben Blüten, welche in der Heilkunde Verwendung finden, ist fast nur auf Wie­sen, vereinzelt auch in lichten Wäldern anzutreffen. Die Hohe Schlüsselblume mit schwefelgelben geruch­losen Blüten ist mehr eine Bewohnerin des Waldes, aber auch auf Wiesen stellenweise verbreitet. Der NameSchlüsselblume" oderHimmelsschlüssel" rührt von dem frühen Erblühen her:Der Himmel der Flora wird durch das Aufblühen erschlossen".

Das Leberblümchen, früher auch bei uns verbreitet, ist aus unserer Umgebung verschwunden,

oder tritt nur noch ganz vereinzelt an versteckten Stellen auf. In Süddeutschland findet man im Frühjahr die bezeichnenden dreilappigen Blätter und die blauen Blütensterne an zusagenden Stand­orten nicht selten. Bei uns sieht man das Leber­blümchen häufig in Gärten. Wie unbekannt das Leberblümchen unfern Volksgenossen geworden ist, kam mir so recht zum Bewußtsein, als man mich auf einem Dorffriedhof an das Grab eines in Frankreich gefallenen und in der Heimat beerdigten Kameraden führte und mich nach der Art des den Grabhügel ganz bedeckenden Pflänzchens fragte. Mit dem Toten hatten seine überlebenden Kame­raden einige Pflanzen gesandt, die auf den Grab­hügel gepflanzt, ihn im Frühjahr mit ihren grünen, unten rötlichen Blättern und ihren blauen Blüten bedeckten. Es war das in Frankreich verbreitete Leberblümchen, das nun auf einem hessischen Fried­hof das Grab eines in Frankreich gefallenen deut­schen Soldaten schmückt. V.

Aufmerksamkeit der Menschen.

Eine der ersten Waldblumen, die ihre Blüten- 1 sterne öffnet; ist die Anemone, auch Weißes Windröschen oder Osterblume genannt. Sie findet sich in Laubwäldern, auf Waldwiesen und in Hecken 1 fast überall häufig und gesellig. Auf einen 15 bis 25 Zentimeter hohen Blütenstengel, der einige Zenti- Meter unter der endständigen weißen, oft rosa über- \ laufenen Blüte drei eingeschnittene, gesägte Laub­blätter trägt, schaukelt sich im Winde die bis zwei Zentimeter große Blüte. In der Sonne stehen die Blüten aufrecht, sternförmig ausgebreitet, bei Re­genwetter und nachts schließen sie sich und hängen abwärts am gebogenen Stiel. Die Pflanze enthält ein narkotisches Gift (Anemonin). Aus diesem Grunde und weil die Pflanzen sehr zart sind und leicht welken, sollte man das Pflücken unterlassen. Stellenweise, aber viel seltener als die vorige, findet sich auch die gelbe Anemone mit, wie schon der Name sagt, gelben Blüten.

Eine von den Kindern im zeitigen Frühjahr zu­erst gesuchte und von jedermann geschätzte Blume ist das V e i l ch e n. Von den bei uns vorkommenden 20 Veilchenarten ist das Wohlriechende Veilchen die Frühjahrsblume des deutschen Volkes. Die fattoio- lette, wohlriechende Blume wird im Frühlina über­all gepflückt und in Sträußchen feilgeboten. An der Mittelmeerküste (Riviera) werden die Veilchen gärt­nerisch angebaut. Einesteils gelangen diese Veilchen schon im Winter in den Blumenhandel, andernteils werden die Blüten zur Herstellung von Veilchen­parfüm verwandt. Schon im Altertum stand das Veilchen bei Griechen und Persern in hohem An­sehen Aber auch bei den Germanen wurde das Auffinden des ersten Veilchens im Frühjahr noch bis ins 13. Jahrhundert hinein festlich begangen.

Das Gänseblümchen, auch Maßliebchen oder Tausendschön genannt, hört in milden Win­tern, wie der vergangene einer war, gar nicht auf zu blühen. Es ist das Blümchen unserer kleinsten Sprößlinge, die durch das Abpflücken der auf Grasplätzen, an Wegen und auf Wiesen überall verbreiteten weißen Korbblüten, mit ihren kleinen Händchen, erstmalig ihreVerbundenheit" mit der Natur bekunden. #ei der Häufigkeit des Gänse­blümchens tut ihm das Gepflücktwerden keinen Ab­bruch. Abends schließen sich die tagsüber geöffneten Blüten. Im Garten wird das Maßliebchen mit ge­füllten Blüten vielfach angepflanzt.

Wie ein Fremdling in unserer Flora muten die mit großen violetten Blütenglocken geschmückten Küchenschellen an. So wollte vor Jahren eine Frau nicht glauben, daß der Verfasser, der in der Nähe des Heimatdorfes der Frau einige Küchenschellen gepflückt hatte, diese wildwachsend vorqefunden und nicht einem Garten entnommen habe. Die Heimat der Küchenschelle ist m der Tat in den russischen und ungarischen Steppengebieten zu suchen. Von dort aus ist sie nach der Eiszeit, wo in Deutschland einzelne Gebiete Zu Steppen geworden waren, eingewandert. Die Küchenschelle findet sich heute noch in diesen Gebieten vor, z. B. in der Wetterau, im Oberrheingebiet, an den Ur­stromtälern Norddeutschlands, soweit ihr zusagende Standorte zur Verfügung stehen. So entfaltet sie im März auf den sonnigen Hangen der Basalt­bügel der Wetterau stellenweise ihre auffallenden Blüten. Die Küchenschelle genießt gesetzlichen Schutz

Im April, stellenweise gesellig auftretend, blüht

Jedes Frühjahr wiederholt sich dos ewige Wun­der des Aufblühens der Blumen. Erst vereinzelt, dann allmählich in immer größerer Zahl schreiten die Kinder Floras zur Blüte, bis dann im Sommer die Höhe der Blütezeit erreicht ist. Die Frühjahrs­blumen, als erste Verkünder wärmerer Tage nach kalter Winterszeit, erregen natürlich am meisten die

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