der Halbbildung hal das LchrersemMar dem Lehrer mit auf den Weg gegeben. Schuldig ist daran derjenige, der diesen Lehrgang zu ver- antworten hat.
Ich habe nun nicht die Absicht, den umgekehrten Weg zu gehen und zu sagen: Dann wollen wir nun einmal alle Lehrer in die Universitäten schicken. Die Universitäten mit ihrem heutigen Bildungsstand sind für den künftigen Lehrer ein Labyrinth, aus dem sich nur wenige her- aussinden können. Wir müssen aber dem künftigen Lehrer die Möglichkeit zur Forschung an der letzten Quelle geben. Diese liegt draußen, und deshalb haben wir den Schwerpunkt der Lehrerbildung in stark landschaftlich gebundene Hochschulen gelegt. Ein zweiter Ansatz für neue Erziehungsformen ist in den nationalpolitischen Erziehungsanstalten entwickelt worden. In diesen ist voller Ernst gemacht mit der Charakterbildung durch Körperschulung und Wettkampf. Aus einer Schülerpension wurde außerdem ein Instrument nationalsozialistischer Gemeinschaftserziehung.
Der Minister sprach dann vom Land fahr und erklärte: Die besten Verteidiger des Landjahres sind die Eltern, die Kinder zurückbekommen, wie sie sie noch nicht kannten: rechtwinkelig an Leib und Seele, wie Nietzsche einmal das Ideal des deutschen Menschen bezeichnete. 22 000 Kinder aus industriellen Notstandsgebieten haben wir im vergangenen Jahr durch diese Erziehung mit Erfolg gehen lassen. Ein besonderer Gewinn war die Auslese von 1600 Landjahrführern, durch die ein ganz neuer Erziehertyp herangebildet worden ist.
Ich gehe bei der Erneuerung der Schule von dem gleichen Grundsatz aus, um dessenwillen wir Nationalsozialisten angetreten sind: Daß es unsere Aufgabe fein muß, über alle jene trennenden Dinge, deren Existenz wir nicht,zu beseitigen vermögen, eine po- lltische Gemeinschaft zu schaffen, in der das Bewußtsein von der schicksalsmähi- gen Einheit aller deutschen Menschen wachgehalten wird. Es wird immer einen Lebenskampf um Brot und Geltung geben. Man kann ihn nicht beseitigen, weil er naturgegeben ist. was ich aber schassen kann und was ich schaffen muh, ist eine Gegenkraft der politischen Solidarität. Diese Gegenkraft ist gegründet im gemeinsamen Blutbe- wuhtsein und im Zwang des Schicksals, sie ist zusammengeballt in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei.
Dieser deutsche Gemeinschastswille ist nicht nur gescheitert als Reichsgedanke gegenüber dem Behauptungswillen und dem Separatismus von Stämmen und Ländern, sondern er ist zergangen vor der weltanschaulichen Entzweiung. Die beiden größten Katastrophen der deutschen Geschichte, der Dreißigjährige Krieg und der Weltkrieg, müssen uns warnen und mahnen, in der Erziehung zum Primat des deutschen Zusammengehörigkeitsbewußtseins einer Wiederkehr solcher Katastrophen vorzubeugen.
Der Minister entwickelte von hier aus zunächst die Stellung der NSDAP, zum Christentum und zu den beiden christlichen Kirchen. Weder die Reformation noch die Gegenreformation hat das ganze Deutschland voll erobert und damit die Möglichkeit einer christlichen Staatsreligion geschaffen. Wenn das nationalsozialistische Programm j i ch zum positiven Christentum bekennt, so könne bei einem in zwei Konfessionen gespalteten deutschen Volk nicht ein Bekenntnis zum christlichen Dogma, sondern nur zum praktischen Christentum ausgesprochen sein. In der christlichen Ethik könnten sich beide Konfessionen finden, im Dogma müsse sich das Volk entzweien. Der Nationalsozialismus habe den Fehler vermieden, auf Unwahrheiten auszubauen. Es fei aber unwahrscheinlich, daß sich an dem Zustand der konfessionellen Spaltung etwas Wesentliches ändere. Wolle man trotzdem ein einiges Volk schaffen, so müsse das Gefühl des Getrenntseins in Konfessionen überwunden werden durch ein alles beherrschendes Bewußtsein, deutscher Volksgenosse zu sein. Eine Erziehung in dieser Richtung sei für die verantwortliche Staatsführung Zwang.
Eine Bewegung, die zweitens angetreten fei zur Ueberroinbung von Klassenhaß und Standesdünkel könne eine andere Auslese der Kinder für den Bildungsgang der höheren Schule als den der geistigen Bejahung und der christlichen Haltung nicht zulassen. Nicht G l e i ch h e i t sei die Losung des Nationalsozialismus, sondern Gerechtigkeit, Auslese nach wichtigen Grundsätzen. In Preußen sei bereits für das nächste Jahr der Umfang von Stipendien für das mittellose, aber entwicklungsfähige Kind von 12,5 v. H. im letzten Jahr auf 20 v H. im nächsten Jahr heraufgesetzt worden.
Beim Aufhören der letzten Klassenmerkmale falle aber auch der Grund weg, den weg zur Reifeprüfung von 12 auf 13 Jahre durch Festhalten an der vierjährigen Grundschule weiter fortzusehen. Eine gesunde Bevölkerungspolitik verlange schärfste Auslese, höchste Anforderung, aber den kürze st möglichen weg zum Beruf. So würde der höheren Schule der Weg zur Leistungssteigerung geöffnet. Gleichzeitig aber müsse derAushöhlung dervolks- fchule ein Ende gemacht werden. In den Hilfsschulklassen sei der Ansatz gegeben zu einer Schule derjenigen, bei der eine Erziehung zum bewußten Staatsbürger aussichtslos erscheinen müsse. Gleichzeitig würde von oben der Zustrom derjenigen wieder einsehen, die lediglich durch ein falsches Berechtl- gungswesen auf eine falsche Bahn gedrängt worden waren. Grundsätzlich müsse für alle deutschen Kinder ein gleicher Start gegeben fein, und nur nach Maßgabe ihrer Entwicklung würden ihnen die Plätze verschiedener Bildungsgrade angewiesen. Der Minister kündigte für die nächsten Tage einen Erlaß über ein neues Ausleseverfahren an. „Die Bildung einer politischen Führerschaft, bei der die Tugenden der Willenskraft und der Entschlußfreudigkeit zuhöchst gewertet werden, entbindet uns nicht von der Pflicht, gleichzeitig unser Augenmerk einer besonderen Auslese fachlicher Eignung zuzuwenden. Die besondere Lage Deutschlands verlange die Ausbildung des hochqualifizierten Facharbeiters ebenso wie eine Höchstleistung wissenschaftlicher Forschung. Auch hier ist die
Englische Wünsche für die Berliner Zusammenkunft
London, 23. März. (DNB. Funkspruch.) Die Berliner Besprechungen waren der Gegenstand politischer Reden, die am Freitagabend vom englischen Außenminister Sir John Simon, vom Lanbwirt- schaftsminister Elliot und von Sir Austen Chamberlain an verschiedenen Orten gehalten wurden. Sir John Simon erklärte u. a.: Mr können uns nicht jeder Art von außenpolitischen Abenteuern in allen Teilen der Welt hingeden, oder uns bei jedermanns Streitigkeiten zur Mitwirkung verpflichten. Dies wäre kein Beitrag zum Frieden. Vielmehr stände es im Gegensatz zu dem gesunden Sinn des englischen Volkes. Welches auch das Ergebnis des Berliner Besuches sein möge, es werde nichtirgend- ein plötzliches und überraschendes Ergebnis sein. Dies sei der Beginn eines Verfahrens, dessen Verlauf in sehr großem Maße von der Einsicht und Beständigkeit abhänge, mit der England die Angelegenheit behandele.
Landwirtschaftsminister Elliot erklärte u. a., daß England nicht mehr die Stellung einer Großmacht einnehmen könnte, wenn es nicht auch gewillt wäre, die Verantwortung einer Großmacht zu übernehmen. Es bestehe keinerlei Grund zur Panik oder zur Verzweiflung. „Nicht Laue und Feiglinge sind es, an die wir daheim und im Auslande appellieren. Wir entsenden Simon und Eden nach den Hauptstädten Europas, um festzustellen, ob sie als freie Männer mit anderen Nationen freier Männer zu einem dauernden Frieden kommen können."
Der einstige Außenminister und Mitschöpfer des Locarnovertrages, Sir Austen Chamberlain, sprach in einer konservativen Versammlung in Birmingham. Seine Rede enthielt lediglich Angriffe auf Deutschland. England diene dem Frieden am besten, so schloß Chamberlain seine Hetzrede, wenn es klarmache, daß es einige Dinge nicht dulden könne und ihnen Widerstand entgegensetzen werde. Je stärker der Frieden bedroht werde, um so enger müßten sich diejenigen Staaten, „die sich für den Frieden einfetzten", zusammenschließen.
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„Ein neuer und entscheidender Abschnitt in den gegenwärtigen europäischen Verhandlungen beginnt während dieses Wochenendes", schreibt „Mor- nin g P>o st" und gibt damit die Ansicht der gesamten englischen Presse wieder. Unter der Ueber- schrift „Eine schicksalsschwere Mission" erklärt „News Chronicle": „Sir John Simon beginnt seine Sendung in Berlin mit den ernsten guten Wünschen aller Männer und Frauen von gutem Willen." „Daily Mail" meldet, daß die englische Regierung die Einberufung einer europäischen Mächtekonferenz einschließlich Deutschlands nach London plane, falls die Berliner Besprechungen erfolgreich ausfallen. Man fei der Ansicht, daß ein direkter und offener Meinungsaustausch zwischen dem Führer und dem englischen Außenminister viele Fragen lösen könne. Auch wenn Deutschland weitere Forderungen für die deutsche Rüstungsgleichberechtigung stellen sollte, werde dies Sir John 'Simon wahrscheinlich nicht abhalten, die deutsche Regierung zur Teilnahme an einer „round - tadle" - Konferenz einzula- den, auf der die Zukunft Europas ruhig erwogen werden solle. Der englische Vorschlag für die baldige Einberufung dieser Konferenz werde voraussichtlich auf der geplantem Dreierzusammenkunft zwischen England, Frankreich und Italien nach dem Berliner Besuch erfolgen.
Der Berliner Berichterstatter der „Time s" meldet, Deutschland sei entschlossen, sich durch keine juristische Formalität in Genf ober irgenb etwas anderes die „militärische Souveränität" wieder wegnehmen zu lassen, die es durch sein Wehrpflichtgesetz wieder errungen habe. Unter Bezugnahme auf den französischen Appell an den Völkerbund sagt der Berichterstatter: „Der Völkerbund wird nicht anziehender für Deutschland gemacht durch den Gedanken, daß Deutschland bei
Auslese dle Losung. Denn es entscheidet nun einmal für die Lebensleistung nicht nur die
Neigung, sondern auch die Eignung.
Der Erziehungsminister schloß: „Unsere Juaend soll das vierte Gebot sich vor Augen halten: Ehre Vater und Mutter. Es ist aber auch notwendig, daß diejenigen, die dieses Gebot heilig halten, nicht vergessen, daß unser deutsches Volk Ahnen hat. Ich möchte darum das vierte Gebot beileibe nicht schmälern, wohl aber erweitern: Ehre nicht nur Vater und Mutter, sondern ehre auch deine Ahnen. Beuge dich vor dem, was sie einst waren. Wir können es in einem Zeitalter, wo d i e Ehre der Mittelpunkt unseres Lebens geworden ist, nicht ertragen, wenn unsere Vorväter als Menschen hingestellt werden, die den sittlichen Fonds und die geistige Schöpferkraft aus fremder Hand empfangen haben. Es ist die Aufgabe, den Blick dieser Jugend in die Vergangenheit zu lenken und ihr zu zeigen, daß sie, was sie ist, empfangen hat, um es neu zu schaffen.
Kundgebung
der französischen Faschisten.
Führer-Prinzip, ständischer Aufbau, soziales Ethos."
Paris, 23. März. (DNB. Funkspruch.) Die französische Faschistenbewegung, der von Marcel Bucard gegründete „F r a n c i s m e", veranstaltete eine von etwa 3000 bis 4000 Personen besuchte Kundgebung. Den Ordnungsdienst hatten meh- rere hundert Francismen in blauen Hemden übernommen, die auch vor der Rednertribüne eine Ehrenwache stellten. Ein junger Rechtsanwalt bejahte den Faschismus als die Bewegung der Jugend gegen die selbstsüchtige konservative Rechte und gegen die den Haß predigende Linke als Sammlung der freien Franzosen.
Ein früherer kommunistischer Parteifunktionär, der zu den Francismen übergetreten ist, erwähnte das Beispiel des deutschen Volkes, das sich von seinen marxistischen Parteien fteigemacht und hinter einem Führer und einem Ideal gesammelt habe.
Marcel Bucard schilderte dann mit großer Leidenschaft das Aktionsprogramm der Bewegung, die keine Verfassungsreform wolle, sondern den Aufbau auf ganz neuen Grundlagen, nämlich auf korporativer, den Klassenkampf ausschließender Grundlage aus der Bejahung des Fuhrerpyinzips und der ständischen Vertretung. Das
seiner Rückkehr nach Genf sogleich in die Lage eines Angeklagten treten würde, der sich gegen eine Beschuldigung zu verantworten hat."
phantastische Behauptungen über den Aufbau der deutschen Wehrmacht.
Paris, 22. März. (DNB.) Vor dem Heeres- ausschuh der Kammer soll Kriegsminister General Maurin angekündigt haben, daß die Stärke einer deutschen Division binnen kurzem 20 000 Mann betragen werde, so daß das aktive Heer sich auf 720 000 Mann beziffern würde. Gegenwärtig arbeiteten 70 v. H. der deutschen Kriegsmaterialfabriken. Die Herstellung von Maschinengewehren erfolge Tag und Nacht in vier Schichten zu je sechs Stunden unter strenger Geheimhaltung des Herstellungsverfahrens. Große Mengen von Konserven seien aufgekauft wor
den, besonders Oelsardinen aus Portugal. Die Flugzeugfabriken stellten täglich 15 Apparate her, so daß Deutschland in drei Monaten über 1500 neue Flugzeuge verfügen könne. Die große Zahl der ausgebildeten Zivilpiloten erlaube die sofortige Ingebrauchnahme dieser Militärflug, zeuge. Der Kriegsminister soll ferner auf die um« fassende militärische Ausbildung der deutschen Jugend hkngewiesen und behauptet haben, daß d e r A r b e i t s d i e n st eigentlich einem Dienstjahr gleichkomme. Die Vollendung des deut- scheu Heeresaufbauplanes könne im Frühjahr 1936 erwartet werden. Zum Schluß habe der Kriegs» minifter noch mitgeteilt, er beabsichtige, die Rü - ftungsfabrifation z u beschleunigen und auszubauen und neue Kredite für das Jahr 1935 und für die folgenden Jahre zu bean» tragen.
Sie Pariser Mlu'ngnahine.
Ruhigere Haltung der französischen Presse. — Eden in Paris.
Paris, 23. März. (DNB.-Funkspruch.) Eine wesentlich ruhigere Beurteilung der Lage hat am Samstag in der Pariser Morgenpresse der bisherigen Nervosität Platz gemacht. Die Blätter legen besonderen Nachdruck auf eine Londoner Information, die die erste Auslegung der Erklärung Sir John Simons dementiert und wonach nicht die Rede davon sei, Deutschland zu den Besprechungen in Como hinzuzuziehen, sondern nur d i e Möglichkeit in Erwägung gezogen sei, nach der Dreierkonferenz eine neue Konferenz einzuberufen, an der auch Deutschland teilnehmen solle, falls die Berliner Besprechungen günstige Ergebnisse zeitigten. Man nimmt allerdings von französischer Seite auch gegen diese Absicht Stellung und erklärt, daß keinerlei Verhandlungen mit Deutschland möglich seien, solange der Völkerbund sich nicht über die Wiedereinführung der Wehrpflicht geäußert habe. Frankreich würde sonst, so betont man, gegenüber Deutschland in eine geradezu lächerliche Lage kommen.
„Echo de Paris" will wissen, daß der französische Botschafter in London nach den Erklärungen Sir John Simons im Unterhaus beim Foreign Office vorstellig geworden sei und um eine genaue Auslegung gebeten habe. Hierauf fei die Erklärung erfolgt, daß der englische Außenminister an dem Charakter einer Dreierbesprechung in Como festhalte. Das Blatt erklärt aber gleichzeitig, daß z u einer späteren Konferenz, an der auch Deutschland beteiligt sein würde, und die erst nach dem Spruch des Völkerbundes statt- finden würde, alle anderen interessierten Staaten hinzugezogen werden müßten.
Der Petit Parisien begrüßt es, daß der angebliche Versuchsballon Sir John Simons so rasch aufgefangen worden sei, denn der Vorschlag des englischen Außenministers sei für Frankreich unannehmbar gewesen. — Die Ankunft des Großsiegelbewahrers Eden am Freitagabend hat die Presse ebenfalls günstiger gegenüber England gestimmt. Diese vorzeitige Ankunft, die ursprünglich erst für Samstagvormittag erwartet wurde, wird hier dahin ausgelegt, daß die englische Regierung einen Beweis ihres Zusammen- Sehörigkeitsgefühls mit Frankreich und talien habe abgeben wollen.
„Journal" bringt das frühe Eintreffen Edens in engem Zusammenhang mit der Mißstimmung, die die Erklärung Simons in Frankreich ausgelöst hätten, und glaubt darin einen Wiederversöhnungsversuch zu erblicken. Der heutigen Besprechung zwischen Eden, Suvich und Laval mißt man jedoch nach wie vor keine überragende Bedeutung bei. Man ist sich klar darüber, daß praktische Beschlüsse erst nach den Berliner Verhandlungen gefaßt werden könnten. Die Pariser Besprechungen,
so schreibt der „Matin", würden einen ziemlich allgemeinen Charakter haben und eine nützliche Grundlage für die kommende Konferenz in Como bilden. Es sei aber nicht beabsichtigt, irgendwelche genauen Richtlinien aufzustellen.
Laval und feine Kritiker.
Paris, 22. März. (DNB.) In der der Ratifizierung der römischen Abkommen voraufgehenden Aussprache der Kammer hat Franklin- Bouillon mit der bei ihm gewohnten Leidenschaft wieder einmal eine wilde Hetzrede gehalten. Außenminister Laval antwortete auf die Angriffe Franklin-Bouillons, er innerte an die Regelung der Saarfrage und die Beilegung des ungarisch-südslawischen Streitfalles in Genf. In einem unruhigen Mitteleuropa, so fuhr der Außenminister fort, könne nichts Dauerhaftes entstehen ohne vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Italien und Südslawien. Deutschland werde durch seine Geste hoffentlich die Organisierung des Friedens nur verlangsamt haben. Frankreich wolle niemand von der Zusammenarbeit ausschließen. Laval betonte, daß er auf die Entwicklung der internationalen Aktion vertraue und wies auf die Zusammenkunft am Samstag zwischen den Vertretern Frankreichs, Italiens und Englands hin sowie auf die in Como vorgesehenen Besprechungen. Er habe nur ein Bestreben, und dieses Bestreben werde von der Kammer und ganz Frankreich geteilt: die Organisierung des Friedens in einem starken Frankreich, das von seiner Sicherheit überzeugt sei, unter Führung des Völkerbundes. Eine Reihe von Pakten sei in Vorbereitung, die auch denjenigen offen blieben, die sie nicht gleich unterzeichnen sollten. Die Politik Frankreichs sei gegen kein Land gerichtet. Die Welt wüßte das bereits, er lege aber Wert darauf, es noch einmal mit lauter Stimme zu wiederholen. Er sei optimistisch, weil er glaube und weil er handele. Er verzichte nicht auf die Friedensarbeit.
Franklin-Bouillon bemängelte, daß der Minister kein offenes Wort *ü b e r bie deutsche Aufrüstung gesagt habe, in dem Sinne, daß mit einem nationalsozialistischen Deutschland, das die Verträge verletzt habe, keine Zusammenarbeit möglich sei. Er behauptete, die leitenden französischen Außenpvlitiker hätten nicht den Mut, die Wahrheit zu sagen und wären nie darauf bedacht, die französische Karte in erster Linie zu spielen.
Laval erwiderte, daß er die französische Karte doch ausspiele, aber diese Karte allein bilde kein vollständiges Spiel. Man müsse das System der Freundschaften und Bündnisse aufrechterhalten.
Recht auf Eigentum müsse von der sozialen Pflichterfüllung abhängig gemacht werden. Bucard sprach unter dem Beifall der Zuhörer die Hoffnung aus eine deutsch-französische Verstän- bigung aus, die den Frieden verankern würde. Die ehemaligen Frontkämpfer seien die besten Mittler, denn niemand könne ihre Vaterlandsliebe verdächtigen, aber sie hätten vielleicht schon ihre Zeit verpaßt und durch Begünsti
gung des Separatismus im Rheinland hätten die französischen „Politikaster" die erste Hand an den Versailler Vertrag gelegt. Jetzt, nachdem Deutschland wieder selbstbewußt geworden sei, hingen sich diese Politikaster an die Rockschöße Englands. Frankreich sei auf diese Weise so auf den Hund gekommen, daß es mit Sowjetrußland Zusammengehen wolle.
Die alten Soldaten begrüßen die Wehrfreiheit.
Oie Bundesführer des NGOFB. (Stahlhelm) und des Kyffhöuserbundes zur Einführung der Wehrpflicht.
Berlin, 22. März. (Fkp.) Der Bundesführer des NSDFB. (Stahlhelm), Reichsarbeitsminifter Franz Seldte, schreibt in der Bundeszeitung „Der Stahlhelm" zur Einführung der Wehrpflicht u. a. folgendes:
Durch die Herzen der alten Frontsoldaten und der Kämpfer des Weltkrieges zieht ein starker Blutftrom des Dankes und der Freude, des Stolzes und des Aufreckens des echten Frontsoldatentums. Nun ist endlich für den Soldaten bie Schmach des 9. November, die Schmach von Compiegne und die Schmach und Scham über den schmählichen Willensmangel der Nationalversammlung von 1919 getilgt. Als uns alte Frontsoldaten die Kunde und das Geschehen des Zusammenbruches am 9. November 1918 erreichte, da war es uns, als ob das Herz in einem rasenden Schmerz zerriß. Und mit diesem Schmerz, mit dieser unerhörten Enttäuschung, mit der Unmöglichkeit soldatischen Der- stehenkönnens mischte sich für uns das Gefühl, wie wenn uns der liebste Mensch verlassen hätte und verstorben wäre. Wir alten Kämpfer aber waren in den Jahren da draußen doch zu hart und zu zäh geworden, um uns widerspruchslos mit diesem Zusammenbruch abfinden zu können. Aus den Schmerzen der ersten Tage des Zusammenbruches wurde am 13. November 1918 der Gedanke des Widerstandes, der Gedanke der Gründung des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, geboren. Wenn alles wankte, dann mußte es eines geben, was stand — das Frontsoldatentum. Wenn wir alten Frontsoldaten im unzerstörbaren Glauben an unser Volk glaubt en und glauben wollten, bann dachten wir immer an die beiden
großen Eigenschaften, die dem Deutschen doch nun einmal im Blute liegen, an das Soldatsein und an das Arbeitenkönnen. Vor unseren Augen stand mahnend das Bild der gefallenen zwei Millionen toten Kameraden. In unseren Herzen stand das Bild der Kameradschaft da draußen, treu bis in den Tod. Und auf ewig eingebrannt in unser Fühlen, Handeln und Denken war mit stählernem Stempel das Fronterlebnis, war eingebrannt die Erkenntnis, daß der Feldherr ewig recht hat, der sagt, daß nur auf den Opfern und auf den Waffen der Sieg beruht.
Trotz aller Not und Bedrängnis hat man unseren Glauben an das Erringen der deutschen Hoheitsziele niemals töten können. Wenn nur auf den Opfern und auf den Waffen der Sieg der Freiheit beruhen sollte und konnte, dann waren wir bereit, schweigend zu opfern, um schweigend mitzuhelfen, an den Waffen zu schmieden. Und wir haben geopfert! 221 tote Kameraden hat der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, und über 3000 verwundete Kameraden und damit der NSDFB. (Stahlhelm) zu verzeichnen. Gefängnis, hohe Geldstrafen, Verbote, Schädigungen <rn Gesundheit und an Beruf haben wir auf uns genommen. Unermüdlich sind wir den schweren, grau verhangenen Weg durch die Jahre Dorroärtsgegangen, an Dem uns fern, fern am Horizont nur die Hoffnung einen grüßenden Stern sehen ließ. Wir sind diesen Weg der Pflicht gegangen mit dem Blick auf bas Leib aller Frontsoldaten und mit dem Blick auf bas Pflichtbeispiel eines Hindenburg. Und wir haben diesem Weg eine neue Richtung gegeben, als ein Frontsol * bat aus ben Reihen hervorschritt, Abolf S) IN


