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scheu Ländern zur Rechtfertigung der Vorkommnisse im Memelland heranzieht.

Wir haben von der internationalen Si­tuation gesprochen, die der litauischen Regierung für ihr Vorgehen günstig erschien. Vor einem Jahr war es, daß Frankreich sich von seinen Ab­rüstungsoerpflichtungen förmlich lossagte, eine Poli­tik einleitete, die zu einer völligen Isolierung Deutschlands führen sollte und die die Span­nungen erzeugte, die monatelang das Gespenst eines neuen europäischen Krieges umgehen ließen. Die Lage Deutschlands erschien in dieser Zeit vielen oder den meisten Beurteilern düster und hoffnungs­los, düsterer, als ihm selbst, weil man draußen die innere Erstarkung Deutschlands und ihre positive Bedeutung für die Erhaltung des Frie­dens nicht kannte oder nicht kennen wollte. Es ist kein Zweifel, daß auch die litauischen Staatsmänner in Bezug auf Deutschland ä la Baisse speku­lierten und in der Vorstellung lebten, auf ein ohnehin verlorenes Deutschland keine Rücksicht neh­men zu müssen. So war das, was in dem kleinen tzsteuropäifchen Winkel vor sich ging, lediglich ein Ausdruck falsch gesehener und auf irrigen Geleisen geführter europäischer Politik, für die andere ver­antwortlich sind, als die Lenker des kleinen litau­ischen Staates. Wenn diese Politik nun, was all­gemein versichert, aber noch nicht bewiesen wird, eine andere Wendung nehmen soll, so werden sich ihr zwangsläufig auch die kleinen Gewaltherrscher in Kowno anpassen müssen.

Drei Verhaftungen im Memelländer- prozeß.

Kowno, 22. Ian. (DNB.) Im Prozeß gegen die Memelländer wurden die bisher auf freiem Fuß befindlichen Angeklagten Dr. Herbert Boettcher, Gronenberg und Ey'cke in Haft genommen. Der Angeklagte K u b b u t a t, der neben dem li­tauischen Spitzel Molinnus einer der sog.G e - st ä n d i g e n" ist, hatte ausgesagt, er sei beauftragt gewesen, unter der Jugend eine sog.Schwere Gruppe" bzw. Sturmabteilungen in der Neu­mann-Partei zu bilden. Heute erklärte Kubbutat, daß er wegen dieser Aussagen von drei Angeklagten bedroht worden sei. Diese unbewiesenen Behaup­tungen gaben Anlaß zu einem lebhaften Wortgefecht. Das Gericht beschloß gegen den Widerspruch der Verteidiger die Inhaftnahme der von Kubbutat Be­schuldigten. Der Angeklagte B r o k o p h gab eine Erklärung ab, wonach Kubbutat einem gewissen Saukeit in Heydekrug erklärt habe, daß er von dem Beamten der litauischen Geheim­polizei, Andrischunas, unter verschiedenen Ver­sprechungen für Spitzeldienste in der Ge­heimpolizei angeworben worden sei und nicht recht wisse, was er da zu leisten habe.

Boykott schädigt bas eigene Land Richtigstellungenderdeutsch-amerikanischen Handelskammer.

Neuyork, 22. Jan. (DNB.) Die deutsch­amerikanische Handelskammer weist in einer scharfen Richtigstellung eine groß aufgemachte Veröffentlichung derAntinationalistischen Liga" zurück, die in ihrer Eigenschaft als deutsch­feindliche Weltzentrale an Hand von Handelsstatistiken der Jahre 1932, 1933 und 1934 den Erfolg des Boykotts Deutschlands und den hieraus sich ergebenden katastrophalen Niedergang zahlreicher deutscher Exportindustrien nachzuweisen versucht.

Die Handelskammer unterstreicht demgegenüber die vom Bundeshandelsamt bekanntgegebenen Han­delsziffern für das zweite Halbjahr 1934 und hebt besonders die Novemberziffern hervor, die zum ersten Male seit vielen Jahren eine passive Handelsbilanz der Vereinigten Staa­ten Deutschland gegenüber ausweisen. Nach den Nooemberzahlen betrugen die amerika­nische Einfuhr aus Deutschland 5 544 457 gegenüber 6 603 772 im vorigen Jahre und die Ausfuhr nach Deutschland 5 063 043 gegenüber 16 873 201 im Vorjahre.

Die Handelskammer führt dazu ergänzend aus: Der Boykott richtet im Exportgeschäft der Vereinigten Staaten langsam Verheerungen an, insbesondere unter den Baumwollpflanzern, Fleischexporteuren, Frucht­pflanzern usw. und bedeutet eine unmit­telbare Schädigung der amerikani­schen Arbeiter. Der Boykott arbeitet daher nicht gegen Deutschland, sondern ge­gen das eigene Land. Der Plan Schachts vom 24. September 1934 beschränke keineswegs, sondern reguliere lediglich Deutschlands Ein­fuhr und begünstige Einkäufe in solchen Ländern, die ihrerseits deutsche Wa­ren kaufen und gegenseitigen Handelsbeziehun­gen keine Hindernisse in den Weg legen. Die Han­delskammer erklärt zum Schluß erneut, daß die Boykottbewegung den amerikanischen Geschäfts­interessen entschieden abträglich und geeignet sei, die freundlichen Beziehungen zwischen den Ver­einigten Staaten und Deutschland zu trüben.

Englands Ostafrika-Mandat.

In einAmt für ostafrikanische Verkehrs- Politik" einbezogen.

London, 23. Jan. (DNB.) Die Gouverneure von Kenya, Uganda, Nyassa-Land, Nord-Rhodesien und Tanganjika (dem früheren Deutsch-Ost- asrika und jetzigen Völkerbundsmandat untfcr englischer Verwaltung) hielten in Entebbe in Uganda am Viktoria-See eine Konferenz ab. Es »wurde beschlossen, sofort einAmt für ostafrika­nische Verkehrspolitik" ins Leben zu rufen. Die Konferenz ist für die britische Politik in Ostafrika insofern besonders bedeutsam, als dadurch zum ersten Male das frühere Deutsch-Ost­afrika in einen politischen Plan der britischen Besitzungen in Ostafrika einbezogen worden ist. DasAmt für ostafrikanische Derkehrs- politik" wird die Aufgabe haben, das englische Ko­lonialministerium in allen Fragen des Straßen-, Eisenbahn-, Luft- und Wasserverkehrs zu beraten. Dadurch soll die Leistungsfähigkeit, Zusammenarbeit und Wirtschaftlichkeit Ostafrikas gefördert werden. In Nairobi (Kenya) wird noch im Laufe dieser Woche eine Konferenz zwischen dem Eisenbahn­direktor der Kolonie Kenya und dem Leiter der Eisenbahn des MandatsgebietesTan- g a n j i k a stattfinden. Die Konferenz der Gouver­neure in Entebbe behandelte auch die Frage der Verteidigung Ostafrikas und die Entwick­lung des Luftverkehrs.

Regierungswechsel in Bulgarien.

Ltnter -er Last der Auslandsverschuldung. Verstärkter Einfluß der Wehrmacht. Fortführung des autoritären Kurses.

Das Kabinett Slaieff.

Sofia, 22. Jan. (DNB.) Ministerpräsident G e o r g i e f f hat nach einer kurzen Sitzung des Ministerrates dem König den Rücktritt des gesamten Kabinetts überreicht, der ange­nommen wurde. Der Rücktritt ist auf Bestre­bungen militärischer Kreise zurückzu­führen, die schon seit einiger Zeit auf eine Um­bildung des Kabinetts drängten. Der un­mittelbare Anlaß, der schließlich zum Sturz des

Kimon Georgieff.

Kabinetts geführt hat, ist in grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten zu suchen, die zwischen den Mitgliedern der Regierung hinsichtlich der Auslandsschulden frage bestanden haben.

Der bisherige Kriegsminister General Slate ff hat die neue Regierung gebildet, die sich wie folgt zusammensetzt:

iNlnisterpräsidium und kriegsmlnlsterium: Ge­neral Slate ff.

Inneres: der bisherige Kommandant der Sofio­ter Kriegsschule K o l e f f,

Aeuheres: der bisherige Außenminister Va- toloff,

Wirtschaft: der bisherige Kultusminister 2Rol- loff,

Kultus: General Ra de ff, bisheriger Gar­nisonkommandant von Philippopel,

Justiz: der frühere radikaldemokratische Abge­ordnete Kalonderoff,

Verkehr: der bisherige Verkehrsminister Za- sharieff,

Finanzen, der Präsident der Philippopeler Industrie- und Handelskammer O b r e i k o f f.

Das neue Kabinett weist durchweg Offiziere und Politiker auf, die, wie betont wird, das volle Vertrauen des Königs genießen. Vier Minister des neuen Kabinetts, Ministerpräsident General Slateff, Außenminister Batoloff, Wirt­schaftsminister Molloff und Verkehrsminister Zasha- riefs gehörten bereits dem zurückge­tretenen Kabinett Georgieff an. Der neue Ministerpräsident wurde 1881 in Elena geboren und besuchte die Militärakademie in Petrograd. Er hatte im Heer bedeutende Stellun­gen inne. Am 19. Mai 1934 trat er als Kriegs­minister in das Kabinett Georgieff ein. Der neue Ministerpräsident empfing am Dienstag in den späten Abendstunden die Press e. Er erklärte, innenpolitisch werde die Durchführung des von der bisherigen Regierung Georgieff erfolgreich begon­nenen Erneuerungswerkes fortgesetzt. Die Re-gierung werde vor allem bestrebt sein, die volle Autorität des Staates in jeder Hinsicht aufrechtzuerhalten und zu verankern, wobei sie der Unterstützung aller nationalen Kräfte des Landes sicher sei. Die außenpolitischen Richtlinien des neuen Kabinetts, nämlich Frieden und Freundschaft mit allen Staaten und vor allem mit den Nachbarländern unter­schieden sich in nichts von denen seines Vorgängers.

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Daß die Völkerbundsbureaukratie oft eine recht einseitige Auffassung von der kulturellen und wirt­schaftlichen Notlage fremder Staaten hat, zumal wenn diese nicht im nächsten Blickfeld der Genfer Friedensorganisation liegen, das hat jetzt auch wie­der Bulgarien erfahren. Die Sofioter Regie­rung hatte vor längerer Zeit den Wunsch auf Kon­version verschiedener Auslandan­leihen ausgesprochen, da das durch das Friedens­diktat wirtschaftlich geschwächte Land die Ver­zinsung und Amortisation der Anleihen trotz Anspannung aller Kräfte nicht mehr durchhalten konnte. Daraufhin hatte der Fi­nanzausschuß des Völkerbundsrates eine Unter- sucyungskommission nach Bulgarien ge­schickt, um die Wirtschafts- und Finanzlage des Schuldners zu prüfen. In feiner letzten Sitzung hat nun der Rat den auf ©runb der Untersuchungen hergestellten Bericht des Finanzausschus­ses gebilligt und angenommen, aber der bub aarische Ministerpräsident Georgieff hat seiner­seits sofort erklärt, daß seine Regierung s i ch weder mit dem Bericht noch mit dem Ratsbeschluß einverstanden erklären könne. Die nach Bulgarien entsandte Kommission hat die dortiae Wirtschaftslage trotz ihres trostlosen Zustandes offenbar so günstig dargestellt, daß man in Sofia mit Recht befürchtet, der Völkerbund werde das Konversionsbegehren der Regierung in Bausch und Bogen a b l e h n e n.

Der Beschluß des Völkerbundsrats hat inner­politische Folgen gehabt. Meinungsverschiedenheiten über die Behandlung der Auslandschulden haben das Kabinett Georgieff zur Demis­sion veranlaßt. Die neue Regierung scheint unter dem wachsenden Einfluß der Wehrmacht einen noch schärferen Kurs der Selbsthilfe an­steuern zu wollen.

Diese Vorgänge werfen ein Helles Licht auf den Leidensweg des bulgarischen Volkes und auf die Zwangslage, unter der sich infolge des Diktatfrie­dens von Neuilly die bulgarische Politik seit dem Weltkriege bewegen muß. Einst vor dem großen Weltenbrande war Bulgarien die Seele des Befreiungskampfes der Balkanvöl­ker gegen das zerfallende osmanische Reich. Im -Balkankrieg von 1912 errang das bulgarische Volk

Sieg auf Sieg. Der Lohn blieb nicht aus. Im Lon­doner Frieden vom 30. Mai 1913 gewann e s Mazedonien und Ostthrazien mit Adria- nopel, aber schon wenige Monate später mußte es einen Teil seiner Siegesfrüchte an die ehemali­gen Bundesgenossen wieder abgeben. Im Bukarester Vertrag vom 10. August 1913 gab es Mazedonien und die Dobrudscha an die Verbün- beten und wenig später Adrianopel an die Türken zurück.

Dann kam der Weltkrieg. An der Seite der Zentralmächte glaubte Bulgarien noch einmal den Traum eines mächtigen großen Zarenreiches ver­wirklichten zu können. Das kleine heroische Bauern­volk erfocht Sieg auf Sieg, bis dann der Zusam­menbruch auch den tapferen Bundesgenossen der Mittelmächte in den Strudel hinabriß. Es kam der W a f f e n st i l l st a n d von P r i l e p, die Räu­mung der besetzten Gebiete, die vollständige Ent­waffnung, die Besetzung des Landes durch franzö­

sische Truppen und schließlich das Diktat von Neuilly, das ein an sich kraftvolles Land in jenem verstümmelten Zustande zurückließ, der den tonangebenden Mächten im Völkerbund vielleicht angemessen erscheint, der aber der nationalen Sehn­sucht und den Lebensbedürfnissen des bulgarischen Volkes niemals genügen kann.

Bulgarien ist ein armes Land geworden, aber es wurde auch klug. Es verblutet sich nicht mehr in nutzlosen Kriegen, sondern sucht mit friedlichen Mit­teln aber mit großer Festigkeit eine friedliche Revision des ihm auferlegten Diktates zu er­reichen. Im Völkerbund wird man sich hüten müs­sen, die Geduld und die Leistungsfähigkeit des bul­garischen Volkes auf eine allzu harte Probe zu stellen. Bulgariens Weg, der schon zur Versöh­nung mit dem südslawischen Bruder­volk führte, hat der friedlichen Neuordnung der Verhältnisse im Donauraum große Dienste geleistet

Amerika bleibt mißtrauisch

Das Echo der japanischen Friedensbeteurungen.

Was wird aus den Südsee­mandaten?

Washington, 22. Jan. (DNB.) Die Rede Hirotas vor dem japanischen Parlament wird in Washington begrüßt, soweit sie der Zuversicht über eine Vermeidung des Wettrüstens zwischen den Seemächten Ausdruck gibt. Im übrigen aber werden die Aeuherungen Hirotas nicht als geeignet angesehen, die Befürchtungen Washingtons über Unruhen im Fernen Osten zu zerstören. Japansväterliche Fürsorge" für Mandschukuo und Hirotas Forderung, daß die Sowjetunion ihre Grenze gegen den japanischen Vasallenstatt nicht befestige, deute auf weit­gehende Pläne Japans hin, die in der Einbeziehung auch der Mongolei in die japanische Inter­essensphäre gipfeln dürften. Ein Konflikt mit den sowjetrussischen Interessen in Ostasien erscheine da­her unvermeidlich, besonders da Japan sich berufen fühle, bald diese, bald jene chinesischen Be­zirke gegenBanditenüberfälle" zu schützen, aber nach Vertreibung dieser angeblichen Banditen meistens vergesse, seine Truppen wieder zurückzuziehen.

Im Repräsentantenhaus hielt der Vertreter der Philippinen, Guevara, eine scharfe Rede gegen eine gewisse ostasiatische Macht, die entgegen

feierlichen Versprechungen in der Mandschurei und in Schanghai Truppen gelandet habe und auch die Philippinen besetzen werde, sobald die Vereinigten Staaten ihre schützende Hand weg­nehmen. Die Philippinen seien, da Japan d i 6 Deutschland fortgenommenen Kolo­nien einfach behalte,der letzte Deich" gegen die ostasiatische Flutwelle.

Was aus den deutschen Kolonien im Stillen Ozean wird, wenn Japan im März endgültig den Völkerbund verläßt und damit das Mandatsverhältnis erlischt, ist hier Gegenstand eifriger Erörterungen. Unter ihrem früheren Präsi­denten hat die amerikanische Regierung wiederholt betont, daß sie bei einer endgültigen Verfügung über diese Mandatsgebiete vorher befragt fein wolle. Bei der Einstellung Roosevelts, außen­politische Verwicklungen nach Möglichkeit zu ver­meiden, dürfte die amerikanische Regierung keinen Einspruch dagegen erheben, daß Ja­pan die Mandatsinseln behält, vorausgesetzt, daß es sie nicht befestigt. Sowohl Japan wie die Vereinigten Staaten scheinen jedoch alle irgend­wie dafür geeigneten Besitzungen im Stillen Ozean allmählich zu Stützpunkten für Wasser­flugzeuge und Unterseeboote auszu­bauen, wenn auch von beiden Seiten behauptet wird, dies geschehe im Interesse der Ver­kehrslustfahrt.

Oie finanzielle Rückgliederung.

Besprechungen bei der Bank für internationale Zahlungen.

Basel, 22. Januar. (DNB.) Bereits in seiner Dezembertagung hatte der Verwaltungsrat der BIZ. die Leitung der Bank ermächtigt, aI s Mittlerin bei der Liquidierung der Saarfinanzfragen tätig zu fein. Bespre­chungen wurden zwischen dem Vertreter der Bank von Frankreich, Lacourd-Gayet, und dem Vertreter der Reichsbank, Dr. Bocke, durchgeführt. Weitere Besprechungen über die technischen Einzel­heiten der Ueberleitung der saarländi­schen Finanzverwaltung auf das Reich haben zwischen Ministerialdirektor Berger (Berlin) und dem Vertreter der Regierungskommission, Reliefs, stattgefunden.

Im ganzen Saargebiet sollen sämtliche aus­ländischen Zahlungsmittel, vor allem natürlich das französische Notengeld, e i n g e s a m - melt und gegen Reichsmark umge­tauscht werden. Es ist vorgesehen, an die 350 Umtausch st ellen, und zwar bei den Banken, Sparkassen, Postbüros usw. einzurichten. Das aus­getauschte Geld wird in einer großen Saarbrücker Bank zur Verfügung der BIZ. gehalten. Es ist au erwähnen, daß bereits erhebliche Mengen französische Noten vor der Abstimmung nach Frankreich a b g e f l o s s e n sind. Der zum Austausch gelan­gende Betrag ist als erste Teilsumme für die 900 Millionen französische Franken, die das Reich an Frankreich für die Ueberlassung der Domanialgruben zu zahlen hat,zu betrachten.

Wie das DNB. ergänzend hierzu von zuständiger Seite erfährt, beginnt nach den getroffenen Ver­einbarungen die U m t a u s ch f r i st der Zahlungs­mittel acht Tage vor dem Rückgliede- rungstermin,d. h. acht Tage vor dem 1. März 1935. A m 2 4. d. M. beginnen in Basel inter­nationale Besprechungen, in denen vor allem die finanziellen, mit der Ausführung des Abkommens von Rom vom 3. Dez. 1934 zusammenhängenden Fragen zur Erörterung gelangen. Hierzu ge­hört auch der Umtausch der Zahlungs­mittel im Saarland. Vereinbarungen können daher erst auf Grund dieser Besprechun­gen getroffen werden.

In her Notwehr erschossen.

Bei bewaffnetem Widerstand gegen richter- licheFestnahme. >4erBeamte festgenommen

Saarbrücken, 22. Jan. (DNB.) Der Schrott- Händler Meyer gegen den in Schaffhausen gestern ein Haftbefehl wegen Unterschlagungen bei einer Holzfirma von etwa 360 000 Franken durchgeführt werden sollte, widersetzte sich der Verhaftung mit der Pi st ole in der Hand, die er auf den Polizeiinspektor T i l k von der Saarbrücker Kriminalpolizei richtete. Der Po­lizeiinspektor kam ihm zuvor und schoß ihn in der Notwehr nieder.

Meyer, übrigens ein ehemaliger Rheinland- separatist und separatistischer Landrat, war nach dem Zusammenbruch der Rheinischen Separatisten­herrschaft ins Saargebiet gekommen und von der Grubenverwaltung mit Holzgeschäften beauftragt. Dabei kam er in Verbindung mit einer Holzfirma A. & B., der gegenüber er sich der Unterschla­gung und Urkundenfälschung schuldig machte. Auf Grund richterlichen Haft­befehls sollte er festgenommen werden. Meyer hatte sich im Keller seiner Wohnung ver­barrikadiert. Die Beamten gaben nach vor­

herigen Warnrufen Schreckschüsse auf die Kellertür ab. Darauf erschien der Gesuchte in der Tür. Als der Polizeiinspektor Tilk im Schein der Taschen­lampe den Lauf einer von Meyer gezo­genen Armeepistole auf sich gerichtet sah, legte er an und traf Meyer tödlich.

Auf Veranlassung des Inspekteurs der saarländi­schen Pollizeitruppen, Hennessy, ist die F e st - nähme des Polizeiinspektors erfolgt, der, da sich Meyer früher auch im Saargebiet poli­tisch betätigt hatte, jetzt vor das Oberste Ab­stimmungsgericht kommen soll. DasSaar­brücker Abendblatt" nimmt an, daß die Festnahme des Polizeiinspektors auf Anweisung des Präsiden­ten Knox oder des Herrn Heimburger er­folgt ist. Meyer habe sich der besonderen Freundschaft des Herrn Heimburger erfreut, der ihm sogar die Erziehung und Dressur seiner Hunde anvertraut hatte.

Der Dreier-Ausschuß wird in Neapel taaen.

Gens, 22. Jan. (DNB.) Das Völkerbundssekre­tariat veröffentlicht folgende Verlautbarung: Der Völkerbundsrat hatte durch feinen Beschluß vom 17. Januar seinen Dreier-Ausschuß beauftragt, z u - sammen mit der deutschen und fran­zösischen Regierung, sowie der Re­gierungskommission des Saargebiets, die im Hinblick auf die Rückgliederung der Saar zu treffenden Maßnahmen und die Aus- führungsbestimmungen der durch Deutsch- land und Frankreich in bezug auf die Volksabstim­mung eingegangenen Verpflichtungen festzusetzen. Der Dreier-Ausschuß ist gestern nachmittag nochmals zusammengetreten, um seinen Arbeitsplan in diesem Sinne festzusetzen und hat dabei beschlos­sen, daß seine näch st e Tagung in Neapel abgehalten wird.

Saarländische Kriegsbeschädigte in Berlin.

Berlin, 23. Jan. (DNB. Funkspruch). Auf dem Anhalter Bahnhof trafen etwa 500 saarländische Kriegsbeschädigte und Kriegerwitwen ein. Sie wur­den vom Reichskriegsopferführer Oberlindober sowie vom stellv. Gauleiter, Staatsrat G ö r l i tz e r, und vom Geschäftsführer der NSKOV., Liebel, begrüßt. Von Heilrufen begleitet marschierten die saarländischen Kameraden an dem langkn Ehren­spalier der Ehrenformationen vorüber zu einer in der Nähe liegenden großen Gaststätte, wo die Saar­länder nach ihrer langen Fahrt ein Frühstück er­wartete. Mittags fand ein Besuch der Kriegsbilder­ausstellung von Professor Dettmann im Zeughaus statt.

Bürckel und Nietman lehnen Ehren« bürgerschaff ab.

Saarbrücken, 22. Jan. (DNB.) Gauleiter Bürckel und der Stellvertretende Landesleiter der Deutschen Front, Nietmann, erlassen folgende Mitteilung:Verschiedene Städte und Gemeinden tragen sich mit der Absicht, führenden Männern von der Deutschen Front und mir die Ehrenbürgerschaft zu verleihen bzw. ist dies in einzelnen Fällen schon geschehen. Ich bringe in voller Uebereinstimmung mit dem Führer der Deutschen Front zur Kenntnis, daß wir die Annahme des Ehrenbürgerrechts g e - meinsam mit dem Hi nweis ab leh ne n^