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Nr. 273 Erstes Blatt

Keltag, 22. November 1935

185. Jahrgang

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Paris, 22. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die er - eute Erhöhung des Diskontsatzes der

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blutige Kampf der Armeen werden auch hin nebeneinander hergehen weitgehend beeinflussen.

Betrachtet man an diesem kritischen

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Laval und die Kammer.

Die finanziellen Verhandlungen mit der Linken gescheitert.

meint, daß die Autonomiebewegung in Nordchina ein japanisches Unternehmen sei. Der Fehlschlag der Pläne der japanischen Militaristen sei nur vorübergehender Art. Auf die Dauer lasse sich die Verwirklichung des Zieles des japanischen Heeres, eine Art militarisierten Staates zwischen Mandschukuo und der chinesischen Republik zu schaffen, nicht verhindern. Die Gründe, die im Falle der Mandschurei gegen ein Eingreifen des Völkerbundes gesprochen hätten, paßten

London, 21. Nov. (DNB.) Während in Kairo die Polizei alle Hände voll zu tun hatte, um den unruhigen Elementen der Wafdpartei Schach zu bieten, veranstaltete die britische Flotte auf der Höhe von Alexandrien das größte Manöver, das je im östlichen Mittelmeer stattgefunden hat. Als Prinz Mahomed Ali in Begleitung des Ministerpräsidenten und anderen Mitglie­dern des Kabinetts sowie des britischen Ober- k o m m i s s a r s Miles Lampson an Bord des KreuzersBerwick" ging, würbe ein Salut von 21 Schuß abgefeuert. Den Zuschauern, unter denen sich auch noch zahlreiche andere hervorragende ägyptische und britische Persönlichkeiten befanden, bot sich ein eindrucksvolles Schauspiel, als die brittfche Flotte vorüberzog und die fünf Einheiten

Dies sei besonders wichtig, da in Mandschukuo der Grundsatz der offnen Tür zwar anerkannt sei. Aber die Türe stehe anscheinend offen, um den britischen Handel zum Verlassen des Lan­des aufzufordern und nicht um zum Eintritt

Bank von Frankreich um 1 auf 5 v. H. und die Wochenbilanz, die einen Goldabzug von ast einer Milliarde Franken aufweist, inden in der Presse starke Beachtung.Echo de Saris" schreibt u. a., seit vierzehn Tagen befinde ch der Dollar im Steigen. Der kritische Goldpunkt liege augenblicklich so, daß es viel vorteilhafter sei, von Paris Gold nach Neuyork zu verfrachten, als Dollar mit Franken zu kaufen. In den Banken der Wallstreet mache sich ein starkes Steigen fast sämt­licher Werte bemerkbar, die Kapitalbesitzer, die nach dem großen Bankkrach von 1930/31 ihre Werte in Europa und besonders in Paris angelegt hatten,

Genf 21. Nov. (DNB.) Der Vorsitzende der Sanktionskonferenz, de Dasconcellos, hat den Ar­beitsausschuß der Konferenz auf den 29. No­vember einberufen. Hauptberatungsgegenstand wird die Inkraftsetzung der - r w - i t - r t e n V ° r- botsliste für R ° h st ° f f l i e f e r u n g e n nach Italien bilden. Die Einbeziehung von Petro-

Sobald es aber klar geworden sei, daß von einer solchen Unterstützung nicht die Rede sei, habe sich die Lage verschlechtert und die Flucht des Kapitals habe begonnen. Es sei kaum anzunehmen, daß eine Erhöhung des Bankdiskonts eine weitere Abwanderung von Gold verhindern könne. Möglicherweise werde sie gerade diese Bewegung verstärken, da sie die allgemeine Aufmerksamkeit auf die wirtschaftlichen und geld­lichen Nöte lenke.

Auch die Möglichkett einer Abwertung des Franken, wird erörtert.Financial Times" be­merkt dazu, falls Frankreich einen solchen Schritt täte, würden die kleineren Mächte nicht mehr beim Goldstandard bleiben können. Die schwankenden französischen Parteien hätten nicht nur eine natio­nale, sondern auch eine internationale Verantwortung.Financial News" hält aber die Aussichten für eine Ueberwindung dieser Krise für günstig, da die französischen Linksparteien in einer steten Angst vor einem faschistischen Staats­streich lebten und daher bereit feien, alles zu tun, um eine Kabinettskrise z u ver­meiden, die dem Obersten de la Roque einen Vorwand zum Losschlagen geben würde.

Jede Provinz, die sich von der Zentralregierung lossage, müsse einen angemessenen T eil der chinesischen Auslandsschulden übernehmen;

b i e wirtschaftliche Gleichberechti­gung Englands in Nordchina müsse anerkannt bleiben.

Garung unter den Arabern Palästinas.

Kampf mit einer politischen Terrorgruppe.

Jerusalem, 22. Nov. (DNB.) Bei der Ver­folgung einer arabischen Räuber­bande im Gebiet von Nablus wurden fünf Ban­diten erschossen, ein englischer Polizist getötet, ein anderer schwer verletzt, fünf Banditen gefangenge­nommen. Unter den Toten befindet sich auch der Vorsitzende des mohamedanischen Jugendverbandes Scheikh Amed el Said. Die arabische Presse be­hauptet, daß es sich um eine politische Ter­ror! st engruppe handele. Die arabischen Blät­ter feiern die Toten als Opfer des Man- datssysterns, das die Araber zwinge, als Räu­ber politisch zu kämpfen. Ein Schwerverwundetec erklärte, daß die Gruppe nur Moslem als Mitglieder ausgenommen und die Absicht ge­habt habe, planmäßig führende Juden und Engländer im Interesse des Vaterlandes zu ermorden. Die Beisetzung der Opfer des Kamp­fes gestaltete sich in Haifa zu einer großen na- HonaUtt Lrgbrjchsn KunLgsbung. Diö

grundsätzlich beschlossen worden und dürfte nach der Haltung der Vereinigten Staaten keine Schwierig­keiten mehr bieten.

Die amerikanische OelauSsuhr nach Italien gestiegen.

Washington, 22. Nov. (DNB.) Innenminister Ickes richtete an die amerikanische Oelindustrie die Mahnung, freiwillig die Oelsendungen nach Italien einzustellen und sich damit hinter die Bemü­hungen der Regierung zu stellen, weder Italien noch Abessinien mit Kriegsmaterial zu beliefern. Aus einem Bericht des Bergwerksbüros geht her-

roirfun-ßen fürchteten. Daß diese finan­ziellen Rückwirkungen sich bereits heute zeigen, wird von manchen Blättern mit Besorgnis hervor- gehoben. DasJournal" rechnet aus, daß die Bank von Frankreich in den letzten vier Wochen 2,5 Milliarden Franken Gold ver­loren habe. Die einzige Gefahr für eine finan­zielle und wirtschaftliche Gesundung läge in den politischen Machenschaften. Die Gefahr einer Regierungskrise und deren Folgen lähme alles. Sie zerstöre das Gleichgewicht der Währung und verhindere damit das finanzielle Gleichgewicht.

Die Auffassung in London.

London, 22. Nov. (DNB. Funspruch.) Die heikle Lage der französischen Währung wird auch in der englischen Presse eifrig erörtert. Man ist der Ansicht,' daß die Hauptursachen der französischen Schwierigkeiten weniger geldlicher Art, sondern vielmehr eine Folge des Parteienhaders sei. Der PariserTimes"-Vertreter sagt, die zahl­reichen Verordnungen Lavals hätten dem Vertrauen einen harten Stoß versetzt. Die Erschütterung hätte bei einer vollen Unterstützung durch eine starke Mehrheit des Landes überstanden werden können.

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vor, daß der Oelversand im September den August überstiegen hatte.

Britische Flotten-Mnöver vor Alexandrien.

Frankreichs Kampf um die Stabilität des Kranken

Starke Goldabflüffe bei der Bank von Frankreich.Diskonterhöhung auf 5 Prozent. Oie innerpolitische Lage beunruhigt hen Geldmarkt.

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hätten ihr Auge wieder nach der anderen Seite des Atlantik gewandt. Die Bank von Frankreich habe dies gehörig zu fühlen bekommen. Trotzdem fei der Ausgleich des französischen Handels nicht irgendwie der französischen

auch auf die neueste Entwicklung. Sowjetrußland, das dem Völkerbund doch angehöre, handele ebenso wie Japan. Es schlucke Chinesisch- Turkestan, zwar mit weniger Aufsehen, aber mit gleicher Geschicklichkeit.

Amerika werde schwerlich über die Verteidi­gung der Handelsbelange seiner Staatsangehörigen in den nordchinesischen Provinzen hinausgehen. Jn- olgedessen bleibe England nichts weiter übrig als ich auf zwei wesentliche Forderungen zu be« chränken:

gestört. Die Golddeckung

Währung bleibe auch mit 73,82 v. H. eine der am

Roß, nach Nanking sei ein schwerer Fehler gewe­sen. Seine Sendung sei von dem japanischen Mili­tär vielleicht absichtlich falsch ausgelegt worden. Diese falsche Auslegung aber habe man voraussehen können.

Der neue Kurs Japans.

Zusammenarbeit mit Dschiangkaischeck?

Tokio, 22. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der Sprecher des japanischen Außenministeriums be­zeichnete die in Nordchina eingetretene Entwickln als Erfolg der politischen Maßnah­men der Nanking-Regierung. Dschiang­kaischeck sei es gelungen, die Führergruppe der A>u t o n o m i ft e n zeitweilig zu spalten. Der Sprecher erklärte, daß er von den Einzelheiten der Pläne Nankings zur Bereinigung der Lage in Nordchina keine Kenntnis habe. Er erwarte die Er­nennung hervorragender chinesischer Persönlichkeiten für die in Aussicht genommenen Verhandlungen zwischen Japan und der Nanking-Regierung. Ja­panische Blätter warnen Nanking. Sie erklären den Plan Dschiangkaischecks, in Nordchina unter der Kontrolle der Nanking-Regierung autonome Ausschüsse zu bilden, für ein gefährliches Ma- növer und erblicken darin die Gefahr neuer Verwicklungen. Die Zeitung Kokumin Schim- bun wendet sich in scharfer Sprache gegen Eng­land und bezichtigt es, in China die antijapanische Stimmung zu fördern. Das Blatt warnt die eng­lische Diplomatie vor der Störung des Friedens in Oftasien.

Wie findet sich England mit der neuen Entwicklung in Ehina ab?

London fordert Schuldenzahlung und wirtschaftliche Gleichberechtigung.

lözölligen Geschützen die Zielscheiben beschossen. Ebenso eindrucksvoll war ein unter Nebelschutz durchgeführter Zer st örerangriff. Anschließend kamen 6 0 Flugzeuge im Sturzflug aus großer Höhe hernieder und ließen ihre Bomben fallen. Außer den Schlachtschiffen nahmen an der Hebung 6 Kreuzer, 18 Zerstörer und zwei Flugzeugmutter­schiffe teil. In einem englischen Bericht aus Alexan­drien wird auf den großen Eindruck hingewiesen, den das Manöver besonders auf d i e hohen ägyptischen Beamten gemacht habe.

^2^ vorderste italienische Front in Tigre stand zuletzt auf der Linie DessaDoloMakalle wurde dann unterbrochen durch das noch von Abessiniern besetzte Hochplateau von Tembien und fand west lich dieses Bergmassivs ihre.Fortsetzung durch den Takazzesluß, bis zu dessen Ufern das am rechten Flügel operierende zweite Armeekorps Maravlgms vorgedrungen ist. Wollte man die weiteren Aus^ sichten dieses schrittweisen Vorgehens im $)od)IanD von Tigre beurteilen und wollte man als Ziel des italienischen Vormarsches die Eroberung von M g- dala oder Dessye oder sogar von Addis Abeba an nehmen, so müßte man in der Tat nut einer jähre langen Dauer des Krieges rechnen. Denn ie wett die italienischen Armeen ins 3nne« «into fl würden, desto geringer müßte der Bestand kämpfenden Fronttruppe, desto großer die Zahl im ermüdenden Etappendienst beschäftigten Sol- taten werten. Die 200 000 Mann. t>e bisher nach Abessinien gesandt wurden, wurden aber and) nicht im entferntesten für tiefe Aufgabe auEchem

Ueberblirft man alle liefe Schwierigkeiten ter italienischen Kriegführung, J2!nml[,noffoor= Betracht, laß lie triegsno menligen Rahstoffvar rate Italiens nach Inkrafttreten vielleicht

nahmen nur für eine begrenzte Seit non meue^r bis 1 Jahr ansreichen konnten, fo wirt verstaut.

besten gedeckten in der Welt.

DerPetit Parisien" ist der Meinung, daß die tarken Goldabzüge lediglich auf die politischen Unstimmigkeiten und besonders auf die Hal­tung des Finanzausschusses der Kammer in der Frage der Aufrechterhaltung des Haushaltsausglei­ches zurückzuführen feien.Le Jour" fagt, der Goldabzug von fast einer Milliarde fei lediglich auf die Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Finanz­ausschuß und der Regierung zurückzuführen. Wenn ich in den ersten Tagen der neuen Woche dieser Abzug verlangsamt habe, so sei die Haltung der kommunistischen Front nicht gerade geeignet, das Vertrauen des Kapitals zu erwecken. Aus diesem Grunde habe sich die Bank von Frankreich genötigt gesehen, durch eine neue Heraufsetzung des Dis- jontsatzes eine vorbeugende Maßnahme zu treffen, sicherlich nicht leichten Herzens; aber die Verteidigung des Frankens stelle heute alle Übri-

Fragen in die zweite Linie.

lich, wenn Generalstabschef Badoglio eine ganz neue Form des Ueberseekrieges in Abessinien finden wird. Niemand kennt den strategischen Plan, der im Kopfe des neuen Oberkommandierenden ge­reift ist. Aber es läßt sich wohl vermuten, daß die­ser Plan darauf hinzielt, noch vor Beginnder jeweils im Frühjahr wiederkehren­den Regenzeit einen entscheidenden militärischen Erfolg zu erringen, der es der römischen Regierung auch in einer kritischen wirtschaftlichen Lage gestatten würde, den Genfer Sanktionsmächten gegenüber die Trumpfkarte eines Kolonialsieges auszuspielen, und den bis dahm er­kämpften Gewinn in Abessinien auch sicherzustellen, wie es etwa eine Verbindung der beiden italieni­schen Kolonien Eritrea und Somaliland ein würde. Es ist also leicht möglich, daß die bei­den nördlichen Armeekorps nicht weiter in das un­wegsame und gefährliche Hochgebirge m Richtung auf Gondar und Magdala eindringen werden son­dern vielmehr a m R a n d e der abessinischen Berg- fettuna durch die Danakilwüste marschieren, um ckttieklich in gemeinsamer Operation mit der ver­stärkten dritten Front am Mussa Ali eine Ver- ainimma mit der von Süden kommenden Armee Omianis zu erzwingen. Die geographische Beschaf­fenheit des östlichen Abessiniens würde einen solchen Plan begünstigen.

Oie Ausdehnung der Aohstoffsperre.

Paris, 22. Nov. (DNB. Funkspr.) Hatte am Mittwoch den Anschein, als sei bei den starken innerpolitischen Spannungen und bei den Gegen­ätzen zwischen der Regierung und der Linken we­nigstens auf finanziellem Gebiet eine Einigung zu erreichen, so haben die Verhandlungen am Donners­tag diese Erwartung getäuscht. Zwar hat sich der Finanzausschuß auf Drängen der Regierung hin und unter dem Einfluß Herriots be­reit gefunden, von seinen Forderungen auf Linde­rung der Notverordnungen beträchtliche Abstriche zu machen. Der Gegensatz in der Frage der Sank- tionsbebatte besteht unverändert fort. Ein großer Teil der Ausschußmitglieder hält sogar an den ursprüng­lichen Mildernngsforderungen des Ausschusses fest.

Das rechtsstehendeL'Ordre" gibt folgende be­zeichnende Erklärung eines radikalsozialifttschen Ab­geordneten wieder:Wir wollen gegen d i e R e - gi e r u n g stimmen, si e aber nicht stürzen und das ist schwer". Das Blatt fügt hinzu, daß die Kommunisten und die Marxisten die gleiche Einstellung hätten. Sie wollten,daß irgend etwas geschähe", aber sie wollten nicht an die Regierung, da sie nicht nur die politi­schen, sondern auch die finanziellen Aus-

Sie Kriegslage in sstasrika.

Es ist kein Zufall, daß mit dem Beginn der Wirt­schaftssanktionen gegen Italien die Ernennung B a- v o g11 i o s zum Oberkommandierenden in Ostafrika zeitlich zusammenfällt. Etwa anderthalb Monate gebrauchten die Völkerbundsstaaten, um ihren po­litischen und wirtschaftlichen Aufmarsch gegen Ita­lien einigermaßen zum Abschluß zu bringen, und ebenso lange dauerte es, bis de Bono die erste Phase des italienischen Feldzuges vollenden konnte. Mit dem 18. November begann ein neuer Kriegsabschnitt, sowohl in militärischer Hin­sicht als auch in dem Verhältnis der europäischen Großmächte zu einander. Der Papierkrieg der Di- vlomaten, der Handelskrieg der Wirtschaftsführer, oer Meinungsstreit der Weltanschauung und der

L o n d o n , 22. Nov. (DNB. Funkspruch.)Times" I einzuladen. Die Entsendung des Sachverständigen mdes britischen Schatzamtes, Sir Frederic Le ith»

da der Völkerbund mit seinem großen Experiment der finanziellen, wirtschaftlichen und moralischen Abschnürung Italiens beginnt, die militärische Lage in Ostafrika, so wird schon nach einem kurzen Blick auf die Karte von Abessinien klar, wie winzig das bisher von den italienischen Truppen eroberte Ge­biet im Vergleich zu der Riesengroße des schwarzen Kaiserreiches ist. Selbst wenn man die Lage nur unter dem Gesichtswinkel einer möglichen Verbin­dung der in Tigre operierenden Nord armes mit der in Ogaden vorrückenden Südarmee an­sieht, muß man feststellen, wie ungeheuer weit die italienische Kriegführung auch von der Erreichung dieses Zieles noch entfernt ist. Sowohl die Somali- Grenze als auch die Erythräa-Grenze haben ge­wissermaßen nur kleine Ausbuchtungen nach der abessinischen Seite hin erfahren, die Orte, von denen die Frontberichte bei den italienischen Vorstößen sprachen, liegen einsam und verlassen in der Unendlichkeit des abessinischen Raumes. Nur i m Norden, wo der Geländegewinn am geringsten ist (120 Kilometer in sechs Wochen!) hat de Bono versucht, so etwas wie eine geschlossene Front herzustellen.

General Graziani dagegen mußte von vorn­herein eine andere Methode einschlagen, wenn er überhaupt die wüstenweite Landschaft des Ogaden in absehbarer Zeit durchdringen wollte. Dement­sprechend sind denn auch die Divisionen Grazianis am weitesten vorgedrungen. Sie stehen mit ihrem rechten Flügel im Tale des Fafd-Flusses, etwa auf dem halben Wege zwischen Gorrahai und Sassa- baneh. Die Truppen des linken Flügels halten in getrennten Abteilungen die Flankendeckung am Webi- Dschebeli und bei Dolo an der westlichen Dreiländer- Ecke Die Taktik der italienischen Südarmee geht unzweifelhaft in der Richtung, unter notdürftigster Sicherung der Etappenstraßen in möglichst schnel­lem Vorstoß die befestigten Städte Dschidschiga und Harrar zu erreichen, um von dort aus den Abessiniern ihre wichtigste Lebensader, die Dschibuti-Bahn, abzuschnei- be<3m Gegensatz zu dieser Taktik, die mit schnellen, entscheidenden Schlägen und mit dem Einsatz über­legener technischer Kriegsmittel den Feind zu er­schüttern versucht, stand die Kriegführung der bei­den nördlichen Armeen unter General Santini und General M a r ao i g n i. Da der bisherige Ober­kommandierende de Bono es von vornherein bar au angelegt hatte, auf den alten Karawanenwegen durch das unübersichtliche Berggelande auf das Kernland des amharischen Reiches vorzustoßen, mußte er au schnelle Entscheidungen notgedrungen verzichten und vielmehr alle Kräfte darauf verwenden sich im Rücken und in den Flanken gegen Umfaffungsner» suche verborgen gebliebener abessinischer ©treittrafte \u sichern. Das geschah durch den Bau von Auto­straßen, durch die Einrichtung von zahlreichen Etappenstationen, durch Entsendung von Spezial­abteilungen zur Säuberung des erobertenl Gela^ durch Herstellung von neuen Flugplätzen, Munttions depots, Waffenlagern, Lazaretten und ® offer- reftrvoiren. Trotz aller dieser Vorsichtsmaßnahmen geschah es, daß im Rücken der ltattemschen Limen tarte Eingeborenentrupps auftauchten, die Zwar chnell vertrieben werden konnten und den ttallem chen Aufmarschplan daher auch nicht ernstlich 9 ährdeten, die aber doch Kampfkraft genug besaßen um die talienische Nachschublinie zu beunruhig und eine Zersplitterung der italienischen Streitkraft

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