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□ L-aubach, 21. Okt. Die erste Eintopf, sammlung hatte in unserer Ortsgruppe einen guten Erfolg zu verzeichnen. Es wurden insgesamt 195 RM. aufgebracht, während bei der gleichen Sammlung im Vorjahre 165 RM. erzielt wurden.
—Laubach, 21. Okt. Das deutfcke Winzerfest wurde hier In schöner Weise begangen. Die hiesige Ortsgruppe der NS.°Gemeinschaft ,L r a f t d u r ch F r e u d e" hatte für gestern abend zu Theater und Tanz in den beiden Sälen des „Schützenhofs" und der „Traube" eingeladen, der als voller Erfolg bezeichnet werden darf. Von der Laubacher Laienspielschar wurde „Das Dorfgericht" von Alexander Drenker aufgeführt, em lustiges Stück aus dem Leben des Bauern. Die Darsteller entledigten sich ihrer Aufgaben mit viel Geschick und ernteten den reichen Beifall der zahlreich erschienenen Zuschauer. Bis zu vorgerückter Stunde vergnügte sich die Äugend alsdann bei Tanz und Gesang in froher Stimmung. Die flott und schneidig gespielte Musik, der Kapellen Schreiner (Gießen) und Ackermann (Nidda) trug bei zu dem Gelingen der Veranstaltung.
0 Laubach, 21. Okt. Eine Werbeveranstaltung des Reichsluftschutzbundes in Form eines Puppenspiels fand im Hotel zum „Solmser Hof" dahier statt. Durch alle Liebenswürdigkeit und allen Humor hindurch klang mit großem Ernst die Mahnung „Luftschutz tut not!" Die Schulkinder Laubachs und eines Teils der Um- gegend lauschten mit großem Änteresse dem Spiel. Mit einem Sieg-Heil auf den Führer, ausgebracht von dem Leiter der Ortsgruppe Laubach des Reichsluftschutzbundes, Pg. Wolter, schloß der Nachmittag. Leider muhte die für den Abend geplante Veranstaltung ausfallen, da sich nicht genügend Besucher eingefunden hatten. Der Grund hierzu lag vielleicht in dem nicht genügenden Be- kanntsein der Veranstaltung, da diese sonst sicherlich größerem Änteresse begegnet wäre.
Kreis Alsfeld.
I Alsfeld, 21. Oktober. Eine wesentliche Der- schönerung des Stadtbildes wurde in diesen Tagen erreicht durch die äußere Wiederherstellung des sog. Neurath-Hauses in der Rittergasse. Das im Jahre 1688 erbaute prächtige Fachwerkhaus ist das Stammhaus der Vorfahren der Familie des Reichsaußenmini st ers Freiherrn von Neurath. Das in privatem Besitz befindliche Haus war in den letzten Jahren in feiner äußeren Fassade stark verfallen. Auf Anregung der Stadtverwaltung wurde unter Mitwirkung des hessischen Denkmalpslegers das Gebäude einer gründlichen Erneuerung im Fachwerk unterzogen, wobei auch Kunstmaler Kienzle (Eber- stadt) mitwirkte. Das Haus bildet jetzt eine der schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Zu der Renovierung hatte Reichsaußenminister Freiherr von Neurath einen Betrag zur Verfügung gestellt.
< Alsfeld, 21. Ott. Ein interessanter Fund wurde bei der Errichtung der Fundamentmauer eines Neubaues an der Ecke des Burg- mauerwegs, dem ältesten Stadtteile, an dem die frühere Wasserburg der Stadt stand, gemacht. In der Tiefe von etwa 2 Meter fanden Arbeiter einen großen Tiegel aus Messingbronze, der auf drei eisernen Füßen stand. Das Fundstück, dessen Zweckbestimmung noch nicht einwandfrei festgestellt werden konnte, wurde dem Museum des hiesigen Geschichts- und Altertumsvereins überwiesen.
co Deckenbach, 22. Okt. Am morgigen Mitt- woch, 23. Oktober, können der Gastwirt Heinrich Müller I. und Ehefrau Elisabeths, geb. Weber, das Fest der Silbernen Hochzeit begehen.
Preusen.
Ein ganzes Warenlager zusammenaesioblen
LPD. Wetzlar, 21. Okt. Ein Wetzlarer Geschäftsmann mußte in letzter Zeit wiederholt die Feststellung machen, daß Waren aus seinem Lager verschwanden. Nach längeren Ermittlungen gelang es jetzt, die Diebstähle aufzu- klären. Bei der Durchsuchung der Wohnungen von
zwei jungen Angestellten konnte man Waren im Werte von rund 3300 Mark sicherstellen.
krels Dehlar.
<£ Rodheim a. Bieber, 21. Okt. Gestern ver- anstaltete die Gaufilmstelle Hessen-Nassau der NSDAP, hier im Benderschen Saale einen Film- abend, der sich einer außergewöhnlich guten Besucherzahl erfreute. Gezeigt wurden zunächst einige Kulturbildstreifen, die Natur und Volksleben im Thüringerland mit seinen geschichtlichen Denkwürdig- teilen und der Glasindustrie, dann das Alpenvolk bei Werktagsarbeit und Sonntagstanz brachte. Im zweiten Teil wurden Bilder vom Dauerntag 1934 auf dem Bückeberg gezeigt, mit Ausschnitten aus den Reden des Reichsbauernführers und des Führers Adolf Hitler. Den dritten Teil des Abends füllte die Wiedergabe des Filmwerkes „Der schwarze Jäger Johanna" nach dem gleichnamigen Roman von Georg v. d. Wring. Ortsgruppenleiter Karl Keller führte in kurzen Worten die Zuhörer zu- rück in die Zeit von Deutschlands tiefster Schmach und zog eine Parallele zu der Zeit tiefster Zerrissenheit unseres Volkes, die kurz hinter uns liegt, und der der Führer ein für allemal ein Ende bereitete, indem er den Parteienstaat zerschlug und den Einheitsstaat unter nationalsozialistischer Führung aufrichtete. Der Film nahm die Zuhörer vom ersten bis zum letzten Augenblick gefangen und hinterließ einen tiefen Eindruck. Ein Heilgruß an den Führer bildete den Ausklang des Abends, der als durchaus gelungen bezeichnet werden muß. Der Abendveranstaltung voraus ging am Sonntagnachmittag ejne Vorführung für die Jugend, zu der Jungvolk und Jungmädel in großer Zahl angetreten und sehr begeistert von der Vorführung waren. Als nächste Veranstaltung findet am 3. November am selben Orte ein humoristischer Abend von der NS.-Gernein- schaft „Kraft durch Freude" statt.
Dramatischer Iußball-Kampf in Watzenborn-Steinberg.
Der Tabellenführer Naunheim wird von den Teutonen klar geschlagen.
Dor einer sehr großen Zuschauermenge traten sich in Watzenborn-Steinberg der Tabellenführer Naunheim und der derzeitige Tabellenletzte zum fünften Verbandsspiel gegenüber. Wohl der überwiegend größte Teil dieser Zuschauer wollten Naunheim als sicheren Sieger sehen, zumal bid* Teutonen bis bah in noch zu keinem Punkt gelangen konnten. Im Lager ber Einheimischen setzte man eine letzte Hoffnung auf bie für biefes Spiel etwas umgruppierte Mannschaft, bie sich benn auch vollauf bewährte.
Naunheim hatte Platzwahl unb wählte ben starken Wind als Bundesgenossen. Schon der Anstoß der einheimischen Elf war für die Gäste gefährlich, doch konnte im letzten Moment noch geklärt werben. Der zweite Angriff der Einheimischen rollte des Gegners Tor zu unb wurde von Lang mit dem ersten Erfolg abgeschlossen. Zweite Spielminute! Bereits in der vierten Minute zog Naunheim gleich. Der Kampf wurde spannender und die Teutonen erkämpften sich durch ihren ungeheuren Einsatz eine leichte Feldüberlegenheit. Beiderseits gab es einige Eckbälle, die nichts einbrachten, bis bann ber Linksaußen Fett der Platzmannschaft in der 32. Minute eine günstige Situation blitzschnell erfaßte unb das Leber an dem sich ihm entgegenstürzenden Torhüter der Naunheimer zum zweiten vielbejubelten Tor ein» sandte. Halbzeit!
Nach Wiederanstoß zeigte sich das gleiche Bild. Die Teutonen waren durch ihren ungeheuren Siegeswillen stets leicht überlegen. Doch wurde vorerst außer einigen Eckbällen nichts zählbares erreicht, bis bann in der 74 Minute eine Kombination durch Fett zum dritten Tor verwandelt wurde. Als der gleiche Spieler, der heute vorschriftsmäßig freigespielt und stets richtig eingesetzt wurde, in der 85. Minute gar einen vierten Treffer erzielte, wollte der Beifall der Anhänger der Platzmannschaft nicht enden.
Bei der Elf der Teutonen war die Umgruppierung von wesentlichem Vorteil. Es war kein schwa-
Ärde Biebenfopf.
§ Gladenbach, 21. Okt. In ber jüngsten Sitzung bes Gemeinberats wurde die Bürgersteuer, die im vergangenen Jahre 500 v. H. betrug, auch für 1936 bei diesem Prozentsatz belassen. Man beschloß ferner, die andere Hälfte der Bornsbachregulierung, die von ber Gemeinde finanziert wird, auszuführen, um dadurch auch wieder vielen Arbeitern auf Wochen Beschäftigung zu geben. — Dieser Tage wurde die durch das Umlegungsver- fahren notwendig gewordene Neuverpachtung der Ländereien der Domänenverwaltung, Forftverwaltung und Pfarrei vorgenommen. Bei der großen Nachfrage nach Ackerland wurden gute Preise erzielt. So wurden für Ackerland je Ar 0,75 bis 1 Mark, für Gartenland je Ar 1,20, 1,50 unb 2 Mark, für Wiesen mit Grasnutzung je Ar 2,50 bis 4,50 Mark Jahrespacht geboten.
m. Gladenbach, 21. Okt. Die Firma Gustav Zimmermann, Gladenbach, lieferte aus ihrem Steinbruch bei Wommelshausen die Diabas st eins für den Bau bes Hinden - burgturms im Tannenberg-National- benfmal. Es wurden Blöcke im Gewicht von 400 bis 500 Zentner mit ber Bahn nach bort verschickt.
Dillkreis.
LPD. Herborn, 21. Okt. Zwei junge Mädchen aus Mudersbach wurden zu später Abendstunde auf der Landstraße nach Nieder- w e i d b a ch von jungen Burschen aus Niederweib- dach ange fallen. Während es dem einen Mädchen gelang, zu entfliehen, wurde das andere in ben Straßengraben geworfen unb vergewaltigt. Die Täter konnten ermittelt • unb verhaftet werben.
eher Punkt in ber Mannschaft. Jeder kämpfte mit letztem Einsatz bis zum Schlußpfiff. So konnten (Erfolge nicht versagt bleiben.
Naunheim hatte ebenfalls eine sehr gute Mannschaft zur Stelle. Dor einer sicheren Hintermannschaft ftanb eine minder gute Läuferreihe. Die Mannschaft kämpfte ebenfalls bis zum Aeußersten unb überbies ruhig unb fair, aber sie mußte sich einem besseren Gegner — wenn auch zur Zeit bem Tabellenletzten — beugen. Beiden Mannschaften gebührt ihrer fairen Spielweife wegen, ein Lob.
Schiedsrichter H. R ü f p e I e r, Gießen, leitete überaus sicher.
Ctpieloereinigung 1900 Gießen.
1900 II — Leihgestern I 3:1.
Der erste Sieg ber Ligareserve. Enders war ber Schütze ber drei Tore.
1900 III — Steinbach I 0:2.
Mit nur acht Mann läßt sich gegen einen so starken Gegner wie Steinbach kein Spiel gewinnen.
1900 Schüler — fUein-Cinben Schüler 2:0.
Die Kleinsten ber Blauweißen kehrten mit dem erwarteten Sieg aus Klein-Linden zurück.
Fuhballabteilung des Tv.4846 Gießen.
Die Turner verloren am Sonntag (mit 10 Mann antretend) gegen Launsbach mit 5:2 Toren. Zwar führten sie bereits nach 5 Minuten mit 1:0, mußten sich aber anschließend den Ausgleich gefallen lassen. In der 15. Minute fiel durch einen Fehler bes Launsbacher Tormanns bas 2. Tor für die Turner, die Gäste schossen aber anschließend mit einem Elfmeterball wiederum den Ausgleich, ja, sie erhöhten bis zur Pause sogar auf 4:2. In ber Mitte ber zweiten Hälfte fiel noch ein 5. Tor für bie Gäste. Alle Anstrengungen bes Tv. 1846 nützten nichts mehr. Durch bas Fehlen bes 11. Mannes unb burch zu eigennützige Arbeit einzelner Spieler konnten bie Turner nichts mehr erreichen. Die Gäste haben oerbient gewonnen. Der Schiebsrichter Keller leitete sehr gut.
Fußball der Gauligamannschasteu.
Gau Norbhessen: 1. FC. Hanau 93 — SD. Bab-Nauheim 4:0; Borussia Fulba — Kur- Hessen Marburg 6:2; Kurhessen Kassel — Hessen Hersselb 1:1; VfB. Friebberg — Kassel 03 1:1.
Gau Sübwest: Wormatia Worms — FSV. Frankfurt 4:0; Borussia Neunkirchen — FD. Saar» brücken 4:0; FK. 03 Pirmasens — Phönix Lud» wigshafen 1:0; Kickers Offenbach — Opel Rüsselsheim 1:1.
Gau Bayern: Spvgg. Fürth — FC. München 3:0; FC. Bayreuth — ASD. Nürnberg 2:0; FC. 05 Schweinfurt — 1. FC. Nürnberg 1:2; BC. Augsburg — 1860 München 5:2.
Watzenborn-Steinberg gelang die Senfatton des Sonntages, sie schlugen den Tabellenersten verdient mit 4:1 Toren. — Die Bissenberger errangen einen zahlenmäßig sehr hohen Sieg gegen die enttäuschenden Frohnhäuser. — 05 Wetzlar mußte alles aufbieten. um gegen Sinn knapp zu gewinnen. — Dillenburg siegte erwartungsgemäß zu Hause über Niedergirmes. Ueberraschenb ist nur bie Höhe bes Resultates, ba man nicht angenommen hatte, baß bie als Kampfmannschaft bekannten NieberHrmeser so einbeutig verlieren würben.
Norohessens Handballer geschlagen.
Gau Niedersachsen siegt 12:6 (5:3).
In Hannover kam am Sonntag vor etwa 2000 Zuschauern ein Handballkampf ber Gaumannschaften von Niebersachsen unb Norbhessen zum Austrag, den beibe Gaue als Vorprobe für bie am nächsten Sonntag ftattfinbenbe Pokalvorrunde benutzten. Die fast durchweg aus Hannoveraner Spielern bestehende Elf von Niedersachsen war von Anfang an stark überlegen, nur im Sturm wollte es nicht klappen und auch bas Zusammenspiel ließ zu wünschen übrig. Die Hesien spielten recht eifrig und waren auch sehr schnell, jedoch spielte ber Angriff viel zu eng, so baß bie Abwehr ber Norbbeutschen immer roieber dazwischenfahren konnte. Dagegen wußte die nordhessische Hintermannschaft nicht viel mit den Angriffen ber Gastgeber anzufangen. Der Gesamteindruck der aus Kasseler Spielern gebildeten Gauelf war nicht ganz befriedigend.
Handball der 6>p.-Dg. 4900.
Jugend — Tv. Lang-Göns Jugend 2:7 (0:4).
Die seit Jahren eingespielte Gastmannschaft fand in ben eifrigen Platzbesitzern einen zähen Gegner. Mit bem Winbe spielte jebe Mannschaft eine Halbzeit überlegen, wobei bie Turner bie erste Hälfte mit vier Toren gut ausnutzten. Gute Kombinationen mürben mit entschlossenen Torwürfen beendet. Demgegenüber wirkte bas Spiel ber Hiesigen noch sehr zerfahren. Der Aufbau aus ber Läuferreihe fehlte ganz, unb bie Stürmer warfen selten. Bei mehr Spielerfahrung kann bie Mannschaft aber einen guten Gegner abgeben.
Olympia-Lichtbildwerbeabend in Gießen.
Wie uns mitgeteilt wird, findet der Olympia-Licht* bilberroerbeabenb am 2. November im Saale des Caf6 Leib statt.
Das nächste Jahr 1936 wird im Zeichen ber Olympischen Spiele stehen, aus 40 Nationen kommt beste Jugend voll Festesfreude und Erwartung zu uns, Deutschland ist Gastgeber der Welt! Das ist eine einzigartige Gelegenheit, ber Welt ben Aufbau der deutschen Volksgemeinschaft zu zeigen, die in harter Notzeit geboren wurde und zeugen wird von deutschem Arbeits- und Friedenswillen. Deutscher Geist und deutsches Wesen werden sich der Welt offenbaren. Deutschland hat sich eine hohe, herrliche Aufgabe gestellt, Deutschland will den Olympischen Gedanken in feiner reinsten Form zur Gestaltung bringen.
Tagung des Deutschen Radfahrer- Verbandes.
Vorbereitung für Olympia 1936.
Der Deutsche Radfahrer-Derband hiett am Samstag in Berlin eine Tagung ab, auf der bie Aus-
Treiben Sie Sport? —Dann: ..auf Kaffee Hag umstellenI
ZUiWMMl.
Roman von Anny von panhuys
Urheberrechtsschutz Aufwärts-Derlag G. m. b. H., Berlin SW 68.
24 Fortsetzung Nachdruck oerboren!
Unglaublich war das, was ihm Bettina mitge- teilt. Nicht auszudenken, wie jetzt alles für Gerhard Dienborf stände, wenn Bettina nicht so geistesgegenwärtig gewesen, und die Tat vereitelt hätte.
Er schüttelte sich und dachte: Einen Mord hatte Bettina vereitelt. Nichts weniger als einen Mord.
Er reichte Bettina über bas kleine Tischchen hinweg, bas zwischen ihnen ftanb, bie Hanb.
„Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn Sie sich nicht so besonnen eingemischt hätten. Herrgott, meine arme Kusine! — Die hängt ja mit allen Fasern an ihrem Jungen."
Er unterbrach sich. „Das ist natürlich nichts Be- fonberes, Mütter lieben ihre Kinber — aber —." «Er schluckte. „Was kann man weiter barüber sagen, «als bah Sie ein Prachtmäbel sind"
Konrab Wilberling fiel plötzlich bie alte Sage Äer Hochwalds ein unb bas Gedicht, bas er bar» über gemacht und vertont. Er sann, die alte Sage hatte sich wirklich schon zum Teil erfüllt, denn daß Bettina den Grafen liebte, stand wohl außer Frage unb nun hatte sie „einen Herzmann vor Tob bewahrt".
Damit sollte ber Fluch ber unschulbig zu schimpflichem Henkerstob Verurteilten ja auslöschen. Unb löschte er aus, wäre Bettina nach langer Zeit bie 8>rfte junge Hochwalbtochter, bie über zwanzig Jahre alt werben bürste.
Er hatte niemals an bie Erfüllung bes Fluches geglaubt, hatte nur ein seltsames Spiel bes Zufalls darin gesehen, baß bie Töchter ber Hochwalbs alle schon vor bem zwanzigsten Geburtstag ins Lanb der Ewigkeit hinüber gemußt, aber jetzt bachte er mit einem Male etwas anbers. Die Sage schien ihm doch ber Beachtung wert unb er grübelte, wie feit- am es war, baß sie sich teilweise so eigen erfüllt hatte. Im Frühling hatte Bettina Geburtstag —
Konrab Wilberling lenkte feine Gebauten ab, sagte, als beantworte er eine Frage: „Natürlich müssen Sie noch hier in Berlin bleiben, um zu machen, baß alles im Dienborfschen Hause gut geht. Äch werbe morgen abreisen, es warten ja Schüler Daheim auf mich. Vin jetzt zwar rasch ein leidlich k erwägender Mann geworden — aber ich möchte
mein altes Leben trotzdem nicht besonders ändern. Und bann habe ich rasende Sehnsucht nach daheim. Ich muh den Rhein wieder sehen. Daheim ist doch daheim."
Bettina nickte: „Ich wäre auch gern heimgefahren, aber ich habe solche Angst wegen Gretel unb Dr. Dienborf unb —"
Sie brach ab unb lächelte erzwungen.
Konrab Wilberling wußte, sie hatte es auf ber Zunge gehabt, zu sagen: Ich habe solche Angst wegen Gretel unb Dr Dienborf unb Hans Syben!
Ja, ja, baran gab es nichts herumzurätseln. ^Bettina Hochwalb liebte ben Grafen Syben, ber Ger- Harb Dienborf dicht vor der Hochzeit die Vraut weggenommen hatte
Am nächsten Morgen reifte der alte Musiker ab, nachdem er sich nur telephonisch von seiner Kusine Diendorf verabschiedet hatte. Er entschuldigte sich, weil er es nicht persönlich getan, aber mit Rücksicht auf die kranke Komtesse unterließe er den Besuch lieber.
Aber Bettina machte Besuch, heute und morgen und übermorgen, fragte jeden Tag nach bem Ve- finben ber Freunbin unb freute sich, als es bann hieß, es ginge besser unb sie bürste Gretel begrüßen.
Bettina erschrak vor ber Blässe Gretels, aber bas Fieber hatte sie sehr mitgenommen.
Die Freunbinnen befanben sich allein unb Gretel lobte: „Dr. Dienborf ist herzensgut. Jetzt weiß ich erst richtig, wie abscheulich sich Frau von Voßharbt gcg'en Großchen benommen hat. Doppelt anftänbig unb menschenfreundlich hat dagegen Dr. Dienborf gehanbelt. Seine Mutter natürlich auch. Unb er hat sich solche Mühe mit mir gegeben! Großchen sagt, eine ganze Nacht hätte er mit ber Schwester bei mir gewacht, es war eine böse Fiebernacht. Unb benf nur, feine Mutter hat mir erzählt, in bem hübschen Zimmer, bas ich bewohne, hat ihre Pflegetochter gewohnt, bie wäre mit ihrem Sohn verlobt gewesen unb mußte bicht vor ber Hochzeit sterben. Sie ist durch einen Autounfall getötet worden."
Sie seufzte. „Er tut mir schrecklich leid, sie soll wunderschön gewesen sein."
Ach, wenn du wüßtest! dachte Bettina und strich zärtlich über das goldene Haargespinst der Freundin.
Drei Tage danach durfte Gretel zum erstenmal wieder aufstehen und an Dr. Diendorfs Arm erschien sie am Mittagstisch. Wie ein Elfenprinzeßchen so zart und unirdisch sah sie aus nach der Krank- beit, aber sie war sehr vergnügt unb aß mit gutem Appetit.
Sie strahlte Dr. Dienborf an. „Das Dasein erscheint mir jetzt hunbertmal schöner als früher. Wie spukhaft bumpf war mir zumute, als ich krank war.
Mir ift’s, als wenn von jetzt an bas Leben erst richtig anfängt. Ich freue mich ganz unbänbig, roieber gesund zu sein."
Die Gräfin war zufrieben, bie Enkelin so vergnügt zu sehen.
Sie fragte: „Wann werben wir reifen können, Herr Doktor?"
Er gab zurück: ,Hn ungefähr acht Tagen, aber bis bahin soll sich bie Rekonvaleszentin gut pflegen. Don morgen an auch kurze Spaziergänge machen."
Gretel nickte eifrig.
„Großchen unb Bettina werben mich begleiten, bann bin ich in guter Hut." Sie lächelte ben Arzt an. „Wenn es Frühling wirb, besuchen Sie uns boch, bitte, einmal. Wir wohnen so wunderhübsch im Waldschlößchen."
Die Gräfin, bie von Frau Dienborf wußte, daß sie kein Gelb für ben Aufenthalt ber Enkelin unb ben ihren annehmen würbe, bat lebhaft: „Es wäre sehr lieb von Ihnen, Herr Doktor, wenn Ihre Frau Mutter unb Sie uns im Frühling besuchen würben. Wir würden uns sehr freuen."
Frau Diendorf gefiel der Vorschlag und sie nickte dem Sohn zu.
„Die Einladung könnten wir annehmen, Gerhard, nicht wahr? Sie lockt mich ungemein." Und sie nahmen beide an.
Vettina aber kam Tag für Tag unb war glücklich, baß alles fo zu gehen schien, wie sie es wünschte, benn noch hatte Dr. Dienborf keine Ahnung, wen er beherbergte.
Es paßte so gut, baß Hans Syben jetzt für seinen Chef in Hollanb zu tun hatte, wie ihr bie Gräfin erzählt. Sie hatte hinzugefügt: ,Lch erwähnte Gretels Krankheit gar nicht in meinem letzten Brief an Hans, um ihm Angst zu ersparen unb bie Reise hierher, -benn wenn er von Gretels Krankheit gewußt hätte, wäre er sofort gekommen. Ich werbe ihm erst beim nächsten Wieberfehen alles erzählen. Ich habe ihm nicht einmal unsere ver- änberte Berliner Abresse angegeben, bie Post schickt hierher, was für uns unter ber Anschrift ber Pension Voßharbt eingeht."
Bettina bankte bem Himmel, baß wenigstens zunächst alles glatt gegangen unb hoffentlich weiter glatt gehen würbe, bis Gretel bas Haus hier verlassen.
lieber alles weitere brauchte sie jetzt noch nicht nachzubenken.
25. Kapitel.
Ty r a s!
Es war am Tage vor ber Abreise ber Syben- schen Damen. Die Gräfin unb Frau Dienborf, bie sich sehr angefreunbet, waren zusammen mit Bet
tina ausgegangen, weil bie Gräfin noch allerlei einkaufen wollte zum Mitnehmen.
Die Sprechstunbe war schon lange zu Enbe und Gretel saß in dem hübschen behaglichen Wohnzimmer und wartete auf Gerhard Dienborf. Er schien ausgegangen zu sein. Schabe, baß er sich gerabe heute am letzten Tage so rar machte — aber er war vielleicht zu einem Kranken gerufen worben. Schabe, gerabe heute! flüsterte sie unb ber Gebaute, ihn vorläufig lange Zeit nicht mehr zu sehen, tat ihr leib. Sie war so gern in seiner Gesellschaft und empfand immer ein starkes Freudegefühl, wenn er zur Tür hereintrat.
Sie grübelte: Wie mochte die andere ausgesehen haben, bie Pflegeschwester, bie er geliebt? Sie hätte es gern gewußt, aber sie wagte es nicht, Frau Dienborf nach einem Bild zu fragen.
Eben öffnete sich leise die Tür, und als sie aufschaute, stand Dr. Dienborf auf ber Zimmerschwelle unb neben ihm ein beutscher Schäferhunb, ber nur barauf zu warten schien, baß sie ihn rief.
Tyras?! sagte sie halblaut wie fragenb. Er war ja ihrem toten Tyras fo verblüffend ähnlich, der schone starke Hund, der sie ansah und langsam auf sie zugeschritten kam. Sie war aufgestanden unb ber Hunb machte vor ihr halt, hob bie rechte Pfote wie zur Begrüßung. Das hatte Tyras auch gekonnt und bie zierliche Gretel Syben kniete nieder und drückte ihren Kopf gegen den des Hundes, schluchzte leise. „Tyras, liebster Kamerad, du lebst ja!"
Ein paar Tränen fielen in das glänzende, gepflegte Fell des Tieres, als sie sich aufrichtete und verlegen sagte: „Lachen Sie mich, bitte, nur aus, Herr Doktor, aber ber frembe Hunb sieht Tyras sehr ähnlich. — Wem gehört er? Hat ihn ein Patient mitgebracht?"
Er sah ihre tränenschimmemden Augen unb dachte: „Kleines, weichherziges Mädel!, antwortete lächelnd: „Der Hund heißt Tyras und gehört- der Komtesse Gretel von Syben."
Sie fuhr sich ganz einfach mit dem Handrücken über bie noch tränenben Augen unb bann ben Kopf bes Hunbes streichelnb, stieß sie leise hervor: „Ich verstehe Sie nicht, Herr Doktor."
Er lächelte noch immer. „Wisien Sie, Komtesie, es gibt Länber, ba ist es Sitte, baß man feinen Gästen, bevor sie fortgehen, ein Gastgeschenk macht. Tyras ist bas Gastgeschenk, bas ich Ihnen mitgeben mochte. Allerbings wollte ich ihn heute nur mit Ihnen bekannt machen. Uebermorgen wird er Ihnen gut und sicher nachgereist kommen. Der Hundezwinger, aus dem er stammt, besorgt bas alles fachgemäß."
(Fortsetzung folgt 1)


