Römischer Kriegsbrief.
Don unterem römischen E.-Korrespondenien.
Rom Frascati, im Oktober.
In ganz Rom kein Pfund Kohle mehr aufzutreiben!
So schreit das über den Frühstückstisch hin, aus ausländischen Zeitungen heraus, sogar aus österreichischen. Blockschrift. Fettdruck. Und wie ich erschrecken genauer hinsehe, ist es noch dazu ein römischer Kollege, der die Katastrophe aus Rom meldet. Ra, da haben wir ja die Bescherung. Rom ohne Kohle, das will etwas ganz anderes heißen als das „Ostern ohne Kuchen!", das die Klemgeister des zweiten Kriegsjahres damals im belagerten Deutschland piepten. Das bedeutet einen Siebenmonatdauerschnupfen, denn bekanntlich friert man nirgends so arg wie im schönen Süden, wo sich zu dem Mangel an Oefen der prächtige Steinfuß' boden gesellt, der um kein Haar anders beschauen ist als der Gehsteig der Straßen.
Also nichts wie ran ans Steuer und zu meinem Kohlenhändler gerast. Ob er denn nicht doch — öie verstehen, es gibt ja sicher Hintertürchen — doppelten Preis natürlich, gern bereit — lieber, Heber Signor Hannibal, Sie werden mich doch nicht im Stich lassen, was könnte ich also haben?
So viel Sie wollen. Was soll es denn sein? Anthrazit, Eierbriketts, Perlkoks?
Hier wandte sich der Gast mit Grausen. Wenn man sogar in Rom selber einer aus Rom stammenden Kollegenschauermeldung aufsitzt, warum sollen dann die Zeitungsleser nördlich der Alpen nicht an die Einschließung und Zerschmetterung des italienischen Heeres bei Adua glauben?
Bis zum Tage der italienischen Kriegserklärung rollten vor zwanzig Jahren die Kohlenzüge durch die Alpen, verstopften den Gotthard, schürten die Kriegsessen des „Bundesgenossen". Man erinnert sich daran, denn heute sieht es auf den italienischen Eisenbahnen ganz ähnlich aus. Es heißt zwar, daß kein Mensch mehr an den Duce liefern will, weil er kein Geld zum Bezahlen hat oder weil es Gens verbietet oder weil die Kohlenarbeiter m Frankreich streiken, aber jeder Reisende, Der zum Zug hinausschaut, sieht die Eukalyptusbäume bis zum Bauch in Kohlen stehen, jeder Bahnhofsmulde ent- wächst ein schwarzes Gebirge im Dal d'Aosta, vor dem Gotthard, im Kanaltal stauen sich die Kohlen- züqe. Vielleicht dürfen nach einer Geheimklausel die Sanktionen erst dann in Kraft treten, wenn sie nicht mehr schaden können. Auch wollen die Russen und Rumänen den Benzinhahn nicht zudrehen, die Nachbarn ihren Restexport nicht auch noch freiwillig abschnüren, und kein Geschäftsmann möchte, unerhört, auf Geschäfte mit Italien verzichten. Vielleicht übertreiben da nun aber wieder die italienischen Zeitungen. . ...
Einmal unterwegs, in der Kriegshauprstadt, machte ich mich natürlich daran, Den Krieg zu suchen. Auf den öffentlichen Straßen, in den An- näyerungsgräben, auf Schleichwegen und in Sappen, wozu ist man denn seinerzeit Kriegsberichterstatter gewesen? Aber es läßt sich mit bestem Willen nur melden: NichtsNeues imSüden. Der Maueranschläge sind weit weniger als in Wahlzeiten oder vor großen Faschistenparaden. Einer freilich, der nicht durch die Farbe des Krie- ges auffällt, sondern grün ist wie der jetzt aufgehende zweite Frühling, lautet knapp und bestimmt (denn er stammt von Mussolini): „Wir stehen in einem Entscheidungskampf und sind unerschütterlich entschlossen, ihn bis zum Ende durchzufechten!"
Giä, maulen die Zweifler, aber wie wird dieses Ende aussehen? Es wird der Sieg des Lichts über die Finsternis sein, antwortet der Rundfunk, lieber- Haupt, wer Pathos und Rhetorik liebt oder lernen will, tut gut, nach Rom zu fahren. Er wird dann auch den Flaggenrausch erleben, das Heulen der Sirenen und den Geschützdonner. Nur, um Verwechslungen zu vermeiden, bitte zu beachten: Die Fahnen werden auch bei Hoffeierlichkeiten, Geburtstagen und dergleichen, nicht zu vergessen den Tag der Entdeckung Amerikas, herausgehängt. Die Kanone, die beim schönsten Sonnenschein lospum- pert, zeigt nur die Mittagsstunde an, wobei ihr die Sirenen helfen.
Die Stimmung in Rom, wie sie in Wirklichkeit ist? Auf die kürzeste Formel gebracht: Wer dem Faschismus nicht grün ist und den Nationalsozialismus zusammenbrechen sehen möchte, hofft auf die Wirksamkeit der Sanktionen Denn diese erstaunliche Kalkulation, daß eine italienische Niederlage das Ende des autoritären Regime in ganz Europa bedeuten würde, findet man merkwürdigerweise diesseits wie jenseits 'der Alpen verbreitet. Es wird dabei vergessen, daß hinter der Schöpfung Mussolinis, wie dem Staate Hitlers, etwas weit Zäheres . steht, als eine zufällige Machtverschiebung: nämlich eine Idee. Für den Römer, dem der Dater- landsbegriff keine bloße Etikette ist, gibt es selbstverständlich nur eines: mit dem Duce durch dick und dünn! Dabei braucht nicht verschwiegen zu werden, daß ganz allgemein die Sorge umgeht, was der nächste Tag bringen werde. Leute, die über eine etwaige englische Blockade lächeln würden, mühte man mit der Laterne suchen.
Noch ist es n i ch t s o w e i t, warum also darüber reden? Die Stunde gehört den Dttobrate, den Traubenkuren und bacchusfröhlichen Ausflügen in die Castelli Romani, wo der Oktober der schönste aller Sommermonate ist. Tag für Tag diese auf Mimosengelb heraufschwimmende, in Indigo untertauchende Sonne, ein Blau dazwischen, wie es olympischer Heiterkeit geziemt, und bernsteingelbe und rotgoldene Trauben ringsum. Wenn am Svätnach- mittag die Glut nachläßt und die mollige Pergola die richtige Weinemperatur hat, wer möchte da an den schwarzen Erdteil denken?
Dem Fremden freilich werden nicht selten die schönsten Stunden durch eine Knallerei vergällt, die hier als Sport gilt: die Singvogeljagb. Kaum wagt sich, vor der Morgenröte, im ersten verheißungsvollen Dämmer ein schüchternes Piepsen hervor, da legen die Schrotspritzen schon los. Keine Amsel kommt über den Anfang ihres Preisliedes hinaus, sie wird mit Lockpfeifen herangeholt und er- barmungslos abgeknallt. Wie die Gipspfeifen in den Schießbuden. Wozu, denkt man oft verzweifelt, wozu hüten und hegen wir unsere gefieberten Sänger, wenn sie dann doch in den Suppentopf wandern? Das mit der Befreiung Capris ist leider ein schöner Anfang geblieben, die Waffenindustrie hat über die Tierfreunde gesiegt. Ja, das Schießpatent wurde ausdrücklich „zwecks Unterstützung der Waffenindustrie" erheblich im Preise herabgesetzt, unter Begünstigung der Jugendlichen, und so kann jetzt jeder für ein paar Lire im ganzen Land herumziehen, in fremde Gärten steigen, sofern sie nicht mindestens 180 Zentimeter hoch eingefriedigt sind, und wegputzen, was da kreucht und fleucht. Industrie gegen Singvögel — es scheint ein noch ungleicherer Kampf als der in Abessinien.
Der Weinbau als Aahrungsquelle
Schon seit den Römerzeiten ist der Anbau der Weinrebe ein wichtiger Teil der deutschen Agrarwirtschaft. Es ist bekannt, daß vor noch gar nid) langer Zeit auch in Nord- und Ostdeutschland viel Wem angebaut wurde. Im Laufe der wirtschaftlichen Entwicklung wurden aber die Weinkulturen im wesentlichen auf diejenigen Teile Deutschlands beschränkt, die v 0 n derNatur zuWeinbau- gebieten bestimmt sind. Dort aber wurde der Weinbau zu einer Hauptnahrungsquelle der landwirtschaftlichen Bevölkerung. Er erfordert eine besonders intensive Bewirtschaftung des Bodens, bringt bann aber der kleinbäuerlichen Bevölkerung eine höhere Rente als die meisten anderen Zweige der Landwirtschaft auf ihrem verhältnismäßig sehr kleinem Bodenbesitz. In den letzten Jahrzehnten haben freilich die deutschen Winzer unter der zu- nehmenden Konkurrenz ausländischer Weine, aber auch unter der Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten des Weins schwer gelitten. Aber ein starker Wille zu wirtschaftlicher Behauptung hat es ihnen ermöglicht, auch über die schwersten Zeiten Hinwegzukommen. Freilich ge- währt ihm auch heute nur schwerste Arbeit eine mühevolle und meist sehr bescheidene Existenz. Darum erfordert es eine wahre Volksgemeinschaft, daß die Gesamtbevölkerung dem hart um das Dasein ringenden bodenständigen Winzerstandes nach Möglichkeit zu Hilfe kommt.
Wirksame und dauernde Hilfe kann ihm jedoch nur eine Ausweitung des Weinabsatzes bringen. Hier kann daher auch nur die Masse der Verbraucher durch entsprechende Einstellung ihrer Konsumgewohnheiten Wanoel schaffen. Don dkm Wein, der gelegentlich bei Festen ober besonderen Anlässen verbraucht wirb, kann der deutsche Winzer nicht leben, denn dieser Konsum sichert ihm keinen genügenden Absatz. Das agrarwirtschaftliche Pro- blem, das gelöst werden muß, besteht darin, Deutschlands Weinerzeugung mit dem deutschen Weinverbrauch auf die gleiche Linie zu bringen. Das be- deutet, daß entweder der Weinbau in Deutschland noch weiter eingeschränkt wird, — das würde für große Teile der bäuerlichen Bevölkerung in den Weinbaugebieten wirtschaftliche Der- e I e n b u n g bedeuten, da ihnen andere landwirtschaftliche Kulturen auf ihrem zu kleinen und wenig fruchtbaren Boden in der Regel keine ausreichende Existenz gewährleisten könnten — oder aber, daß der deutsche Weinverbrauch vergrößert werden muß. Voraussetzung hierfür ist, da für beträchtliche Steigerung des Exports deutscher Weine kaum Aussichten vorhanden sind, eine Anpassung des inländischen Weinkonsums an das heutige Erzeugungsvolumen. Dazu ist ober eine Umstellung der Verbrauchergewohnheiten erforderlich.
Namentlich auch eine Abkehr von der Bevor- R ausländischer, alkoholreicherer Weine und Kenntnis, daß Wein ein Dolksgetränk ist, daß sich auch der Minderbemittelte in seinen Einkommensverhältnissen entsprechenden Güten regelmäßig gestatten kann.
Um diese Konsequenz des Dolksgemeinschaftsge- dankens der Gesamtheit der Verbraucher vor Augen zu führen, wird ja das „Fest der deutschen Traube und des Weins" begangen. Der Gedanke, der
diesem Feste zugrunde liegt, ist eine einfache volkswirtschaftliche Wahrheit, einem gefährdeten deut- schen Stande, dem Winzer, seine Nahrungsquelle zu erhalten. Wenn heute der eine Stand um sein Dasein ringt, so kann es morgen vielleicht irgendeinem anderen ähnlich gehen. Immer wird bann bie einzige Rettung in einem Appell an bas Gemeinschaftsgefühl der Nation bestehen. Die deutschen Städte haben durch die Weinpatenschaften diesem Gedanken der gegenseitigen Hilfe sichtbaren Ausdruck gegeben. Das Ziel dieser Werbeaktion ist eine Ausweitung des deutschen Weinverbrauchs bis zu den Grenzen, bie bem Win- zerstäube roieber eine auskömmliche Existenz gewährleisten. Davon aber, baß bieses Zlel erreicht wirb, hängt noch weit mehr ab als nur bas künftige Ergehen des Winzerstandes. Denn mit diesem ist das Schicksal der deutschen W e ft m a r f e n untrennbar verbunden. Hier ist der Weinbau einer der wichtigsten Quellen der Ernährung für die landwirtschaftliche Bevölkerung. Der Tag der deutschen Traube soll nicht dazu dienen, eine Steigerung der Weinerzeugung durch Werbung für den Weinverbrauch einzuleiten. Er soll den deutschen Wein zum Gemeingut des deutschen Volkes machen, damit der naturgegebenen Erntemenge ein genügend breites Absatzfeld entspricht. Gleichgewicht zwischen Ernte und Verbrauch ist herzustellen. Dies allein hilft dem Winzer. Das Fest der deutschen Traube und des deutschen Weines wird nicht nur dem Wein, also dem vergorenen Traubenerzeugnis dienen. Es ist als Fest der deutschen Traube auch das Fest des alkohollosen Traubensaftes. Die Herstellung reinen Traubensaftes ist jetzt so ver- vollkommnet, daß der alkoholfreie Traubensaft alle Nährwerte und Geschmackswerte der frischen, reifen Taube ohne jede Einbuße bewahrt. Er ist dadurch zu einem Nahrungs- und Genuhmittel ersten Ranges geworden, bas gerabe im Kampf gegen Alko- holmißbrauch hervorragenbe Dienste leistet.
Es ist ein Verdienst der nationalsozialistischen Reichsregierung, daß sie schon kurze Zeit, nachdem sie zur Macht gelangt war, durch Aufhebung der Schaumweinsteuer und durch andere Hilfsmaßnahmen dem Weinbau Rettung vor dem ihm damals drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch gebracht hat. Aber eine grundlegende Wendung des wirtschaftlichen Schicksals der weinbauenden Teils Deutschlands hängt in erster Linie von der Gesamtheit der Verbraucher ab. Darum muß der Appell an das Gemeinschaftsgefühl der Konsumenten mit eindringlichen und handgreiflichen Werbemitteln an die Massen herangetragen werden. Der deutsche Winzer braucht nichts anderes und will nichts anderes, als daß die Frucht seiner mühereichen Arbeit künftig ausreicht, um ihm feine bescheidene Nahrung zu sichern. Das ganze deusche Volk soll und wird, nach- dem es einmal in wirksamer Weise aufgerufen worden ist, nicht nur in dieser einen Woche, sondern dauernd dazu mithelfen, daß die aus nationalwirt- schaftlichen Gründen so bedeutungsvolle und unentbehrliche Nahrungsquelle, die der Weinbau für große Teile Deutschlands bildet, wieder in ausrei- cheiÄem Maße zum Fließen gebracht wird.
Schutz der Erbgesundheit.
Der Ministerialdirektor im Reichsministerium des Innern Dr. Gütt hat der Presse das neue vom Reichskabinett beschlossene Gesetz zum Schutz der Erbgesundheit des deutschen Volke 5 eingehend erläutert.
Das Gesetz stellt die folgerichtige Ergänzung des Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses dar. Die Eheverbote sind in weiser Beschränkung scharf umgrenzt und treffen nur solche Fälle, in denen ein verantwortungsbewußter Mensch schon von sich aus eine Ehe nicht ein« gehen würde. Wir wissen heute, welche Gefahren z. B. die Geschlechtskrankheiten mit sich bringen, und zwar nicht nur für die Gesundheit der einzelnen Ehepartner, sondern auch für die Nachkommenschaft. Auch die anfteefungs- ähige Tuberkulose ist eine ungeheure Ge- ahr für die junge Ehe, da sie durch ihren chroni- chen Verlauf im günstigsten Falle zu langer Ar- beitslosigkeit, oft aber zu frühzeitigem Tob und Elend fuhrt. Auch wenn die Eheleute selbst baran nicht zugrundegehen, so müssen sie bann vielfach erleben, wie ein Kind nach bem anderen von dieser Krankheit dahingerafft wird.
Das bisherige Recht ließ es zu, daß Personen, die wegen Geistesschwäche, Verschwendung oder Trunksucht entmündigt sind, mit Einwilligung ihres gesetzlichen Vertreters heiraten. Eine Eheschließung solcher Personen liegt aber nicht im Interesse der Volksgemeinschaft. Es gibt nun ferner Personen, die an geistigen Störungen leiden, bei denen es aber bisher aus irgendwelchen Gründen nicht zur Entmündigung gekommen ist ober bie infolge krankhafter Erbanlage z u 23 erbte ch e r n geworden sind. Es ist selbstver- ständlich, daß der Staat auch ihnen die Verantwortung für die Gründung einer Familie nicht überlassen kann.
Schließlich enthält bas vorliegende Gesetz die aus den Bestimmungen zur Verhütung erbkranken Nach- Wuchses sich ergebende Folgerung. Da ja der Sinn der Ehe in der Erzeugung gesunder Kinder liegt, erscheint es sittlich gerechtfertigt, eine gesunde fortpflanzungsfähige Person nicht an einen unfruchtbar gemachten Partner zu binden. Andererseits ist es unbedenklich, wenn zwei unfruchtbare Personen eine Lebensgemeinschaft eingehen.
Die Tatsache, ob ein Ehehindernis der genannten Art vorliegt, soll von einem vom Reichsminister des Innern noch näher zu bestimmenden Zeitpunkt ab durch einZeugnis des Gesundheitsamts (Ehetauglichkeitszeugnis) nachgewiesen »erben. Diese Aufgaben ber Eheberatung werben im Rahmen bes Gesundheitsamtes Beratungsstellen für Erb - u n b Rassenpflege über- nehmen. Bis zum Inkrafttreten dieser Bestimmung sollen die Standesbeamten einen Nachweis jedoch nur in Zweifelsfällen verlangen, wenn ein begründeter Verdacht eines Ehe Hindernisses im Sinne des § 1 vorliegt. Im übrigen werden die Standesbeamten durch einen besonderen Erlaß verpflichtet werden, wohl- wollend zu verfahren und die ordnungsgemäße Eheschließung in keiner Weise zu verzögern. In den Ausführungsbestimmungen wird ferner fest- gelegt werden, daß im Falle der Versagung eines Ehetauglichkeitszeugnisses die Beschwerde bei dem zuständigen Erbgesundheitsgericht bzw. Erb- gesundheitsobergericht zulässig sein soll. In allen diesen Fällen muß fiir eine beschleunigte und wohl
wollende Prüfung Sorae getragen werden, wie überhaupt bei der Durchführung des Gesetzes der Hauptwert nicht auf ein etwaiges Verbot, sondern auf die ärztliche Beratung der zur Ehe entschlossenen Personen zu legen ist. Die Vorschriften dieses Gesetzes finden keine Anwendung, wenn beide Verlobten ober der männliche Verlobte eine fremde Staatsangehörigkeit besitzen, auch kann ber Reichsminifter des Innern Härten ausaleichen. So wird ein Verbot ja nur in verhältnismäßig wenigen Fällen notwendig fein, in denen jeder vernünftige und verantwortungsbewußte Mensch von einer Ehe- ckließung ab seh en würde. Die Freiheit des Ent- chlusses gesunder Menschen wird nicht angetastet, andern bie Eheberatung soll im Laufe der Zeit zu einer Erziehungsmaßnahme des ganzen Volkes werden. Ferner ist es selbstverständlich, daß die Beratung nur von Aerzten ausgeübt werden darf, bie über eine ausreichende ärztliche Erfahrung verfügen und fest auf dem Boden der nationalsozialistischen Bewegung stehen.
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Mit dem Gesetz zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes hat der nationalsozialistische Staat einen weiteren Schritt auf bem Wege einer aktiven Bevölkerungspolitik getan. Er hat bie Familie als die Keimzelle des Volkes unter einen besonderen Schutz gestellt, indem er es verhindert, daß Ehen geschlossen werden, die einen erbkranken Nachwuchs erwarten lassen. Man hat sich dabei aber auf besonders krasse Fälle beschränkt, so daß auf den Schultern des einzelnen auch weiterhin die schicksalsschwere Frage lastet, ob er es vor sich und der Allgemeinheit verantworten kann, einen Ehebund zu schließen. Auch dieses Gesetz bedeutet einen weiteren Ausbau des Schutzes, der dem Volke und seiner Gesundheit gegeben wird. Denn die Stärke des Volkstums beruht in der Zahl seiner Kinder und zwar seiner gesunden Kinder. Ueberraschenb schnell ist es gelungen, die Geburtenzahl und auch bie Zahl ber Eheschließungen zu steigern. Im Jahre 1933 hatten wir eine Geburtenziffer von 14,7. 1934 gelang es, biefe Zahl auf 18 zu steigern. Im Laufe eines Jahres hat also tatsächlich bie Geburtenziffer um 25 v. H. zugenommen. Das will um so mehr bedeuten, als Deutschland damit beinahe das einzige Land ist, das den Geburtenrückgang von 1933 auszugleichen vermochte. Diesen Erfolg darf man, trotz aller Würdigung, aber nicht überschätzen. Auf 1000 Einwohner hat Deutschland 18 Geburten. Berücksichtigt man, daß Italien 23,2 hat, Spanien 26,2, Rumänien sogar 32,4, so erhellt daraus, daß Deutschland auf dem Gebiete aktiver Bevölkerungs- Politik noch viel zu tun hat, um zu einer wirk- lieh ausgeglichenen Bevölkerungsbilanz zu kommen. Die Tatsache, daß die Sterbeziffer in ständigem Abnehmen begriffen ist, darf nicht Darüber hinweg- täuschen, daß für die Lebenskraft eines Volkes Die Geburtenziffer das ausschlaggebende ist. Um so mehr, als Deutschland an ber Grenze Westeuropas liegt, wo geburtenfreudige Völker von Osten nach Westen vorzurücken drohen, wenn es Deutschland nicht gelingt, dem einen Wall von Menschen ent- gegenzustellen.
Aber der Mensch allein ist es nickt, sondern er muß gesund fein, in ihm müssen sich alle guten Kräfte des Volkstums regen. Und Darum ist jetzt ber weitere Ausbau durch das Gesetz zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes vollzogen, um einen gesundheitsmäßig vollwertigen Nachwuchs
zu erzielen. Wenn durch Ehestandsdarlehen, also mit staatlicher Hilfe die Eheschließung unterstützt und gefördert wird, bann muß der Staat auch das Recht haben, die Eheschließung so zu lenken, wie es den Erfordernissen des Volksaanzen entspricht. Die Familie ist nicht um ihrer selbst willen da, sondern ie ist die Keimzelle des Volkes. Sie kann infolge, leffen einen Schutz des Staates verlangen, sie muß ich auf der anderen Seite aber auch Den Pflichten )em Volk gegenüber unterwerfen.
Oie Wiuterhilfsfpende der deutschen Laqerschast.
.Berlin, 19. Okt. (DNB.) Wie im vergangenen Jahr wird die deutsche Jägerschaft auch in diesem Jahre durch namhafte Spenden zum Gelingen Des Winterhilfswerkes beitragen. In der Zeit v o m 1 November bks 20. Dezember wird nach ber Anorbnung des Reichsiägermeisters a u s jedem Revier eine Wildmenge an Das Winterhilfswerk abgegeben, die mindestens fünf vom Hundert der Nutzwildjahresstrecke des betreffenden Reviers beträgt. Die Abgabe hat nach Möglichkeit in folgenden Wildarten zu erfolgen: Schalenwild, Hafen, Kaninchen und Fasanen. Als Hauptablieferungstage sind bestimmt: der 13. No» oember, der 27. November und der 18. Dezember. Es sollen möglichst große Mengen von Wild so an die Kreis beauftragten des Winter- hilfswerkes abgeliefert werden, daß sie von Den angegebenen Tagen ab zur Verteilung Durch biefe zur Verfügung stehen. (Eine Ablösung durch Geld- spenden darf nicht erfolgen. Wegen der Ablieferung Des Wildes setzen sich bte K r e r s j ä g e r m e i st e r mit den zuständigen Kreisbeauftragten Des Winterhilfswerkes in Verbindung, lieber den Erfolg des Winterhilfswerkes haben die Kreisjägermeister unter möglichst genauer Zahlenangabe, welche Mengen von Wild dem Winterhilfswerk zur Verfügung ge- stellt worden sind, dem Reichsjägermeister bis zum 1 Februar 1936 zu berichten. Diese Anordnung gilt auch für bie Staatsforsten.
Lehrerbedarf in Preußen.
Zweimalige Aufnahme an den Hochschule« i für Lehrerbildung.
Berlin, 21. Okt. (DNB.) Vorn Jahre 1936 an werden bie preußischen Hochschulen für \ Lehrerbildung eine größere Anzahl von Lehrern und Lehrerinnen für Den VolksschulDienst ausbilden als in Den vergangenen Jahren. Schon im «Sommerfemefter 1935 konnten etwa 2000 Studenten und Studentinnen an den bestehenden Hochschulen ausgenommen werben. In Den nächsten Jahren ist mit einem noch größeren Bedarf an Lehrern und Lehrerinnen zu rechnen..Es wird daher bald der Zustand erreicht sein, daß alle geeigneten Sckul- omtsbemerber (innen) kurz nach Abschluß ihres Studiums im Schuldienst beschäftitzt werden können. Die zweijährige Ausbildung für den Volksschuldienst gehört somit zu den aussichtsreichsten Studiengängen unserer Abiturienten. Das gilt vom nächsten Jahre ab auch für den katholischen Studenten und die evangelischen Studentinnen der Hochschulen für Lehrerbildung, von Denen 1935 nur eine verhältnismäßig geringe Zahl aufgenommen werden konnte.
Aus diesem Grunde erfolgt im Jahre 1936 eine zweimalige Aufnahme: Zu Beginn des Sommer- und des Wintersemesters. Die Auh nahmegesuche für Das Sommersemester sind von jetzt an bis spätestens zum 15. Dezember 19 3 5 bei den Direktoren der Hochschulen für Lehrerbildung in Beuthen (OS.), Bonn, Kottbus, Dortmund, Elbing, Frankfurt a. b. O., Hannover, Hirschberg i. R., Kiel, Lauenburg in Pommern oder Weilburg einzureichen. In Hannover werden evangelische Bewerberinnen, in Beuthen katholische männliche und weibliche Bewerber, in Bonn katholische männliche Bewerber, an allen übrigen Hochschulen männliche Bewerber ausgenommen. Jeder Bewerber Darf sich nur an einer Hochschule für Lehrerbildung anmelden.
Bei der Aufnahme werden in erster ßinie Bewerber und Bewerberinnen berücksichtigt, bie Den | Gliederungen ber nationasozialisti- schen Bewegung angeboren. Der Nachwuchs bes deutschen Lehrerstandes soll sich vor allem aus Studenten und Studentinnen ergänzen, bie sich schon während ihrer Schulzeit in ber H i t- lerjugenb oder im BDM. bewährt haben. Ferner sollen bie Bewerber nach Möglichkeit vor Beginn ihres Studiums ihrer Arbeitsdienst- pflicht genügt haben. Eine Unterbrechung bes Studiums durch Arbeitsdienst oder Dienst in ber Wehrmacht ist möglichst zu vermeiden. Daher ist ber Aufnahmetermin zu Beginn bes Sommersemesters zunäch st für Abiturienten ältefter Jahrgänge bestimmt, die bereits im Ar- beitsbienft, in ber Wehrmacht ober in beiden gedient haben. Zum Wintersemester 1936/37 werden bann in erster Linie bie Bewerber ausgenommen, bie bis dahin aus bem Arbeitsdienst oder ber Wehrmacht entlassen worden sind.
Ferner werden zum Herbst 1936 zum ersten Male Abiturienten ausgenommen, bie beabsichtigen, bas Studium für bas Lehramt an höheren Schulen in Preußen zu beginnen. Vom Sommer- femefter 1936 ab kann sich fein Abiturient mehr an einer Universität ober Technischen Hochschule in ber Absicht einschreiben lassen, später eine Prüfung für das höhere Lehramt abzulegen, ber nicht vorher zwei Semester an einer Hochschule für Lehrerbildung studiert hat. In Zukunst haben die preußischen höheren Lehrer und Lehrerinnen bie beiden ersten Semester ihres mindestens sichssemestrigen Studiums an einer Hochschule für Lehrerbildung zu oerbrinaen.
Anträgen sind ausschließlich an bie Geschäftsstellen der Hochschulen für Lehrerbildung zu richten. Die Bewerber werden nach Bedarf von den Hochschuldirektoren zur Vorstellung und zur Aufnahmeprüfung geladen und auf Grund der vorgelegten Zeugnisse, ihrer musikalischen und technischen Vorbildung sowie ihrer Eignung für den Lehrerberuf aus- gewählt. Die Bewerber haben i h r sportliches und musikalisches Können nachzuweisen. Die Bewerberinnen müssen sich über Fertigkeiten in der Nabelarbeit sowie über einfaches gewerblich- technisches, hauswirtschaftliches, sportliches unb musi- kalifches Können ausweisen.
Der Miltenberger Ning aufgelöst.
Berlin, 21. Okt. (DNB.) Der stellvertretends Führer des Miltenberger Ringes, Dr. Helmuth Grimm (Hamburg), hat am 19. Oktober 1935 im einstimmigen Einvernehmen mit allen Führern bet Verbindungen des Miltenberger Ringes diesen unb bie in ihm vereinigt gewesene« Verbinbungen aufgelöst.
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