Ur. 168 Drittes Blatt
Siebener Anzeiger (Srn«al-Amelq« für GderheHen)
Montag. 22.3nlt 1055
Aus der Provinzialhauptstadt
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1. Bei der Neuaufnahme der Studierenden wird I führung kommen. Statt dessen hat die Intendanz die
Noch 3X24 Stunden
2.
bic Wände der Kapelle werden mit einem neuen > Verputz versehen, auf den nach genügendem Trock-
ich bin ja Ihr Gast/
Veiler- Weiterung von ur jun en darf, mmung, mit Legen töe-
Die deutsche Rrbcirofront N.9.-0cmeinftttaftKraft durch frcuöc'
dauert die Mtglieder-Werbeaktion 1935 der NLV. Deutscher Volksgenosse, deutsche Firma! Euer Dank für die Leistungen des Nationalsozialismus ist die pflichtbewußte Mitarbeit am Aufbau unseres Vaterlandes. Und diese Mitarbeit erfordert auch eure Mitgliedfchaft in der
„Bitte — ich bin ja Ihr Gast."
Sie schwieg, schien ein wenig verstimmt. Matthias wußte ebenfalls nicht, den verlorenen Faden lliever aufzunehmen. Sie fuhren eine halbe Stunde,
ein Irrtum, den Sie sofort einsehen werden. Ich wollte mir einen Wagen kaufen. Ich ging darum jeden Tag auf die Landstraße, die an unserem Gut vorüberführt, und hielt jeden Wagen an, der mir gefiel, um darin Probe zu fahren. Finden Sie nicht auch, daß man so den wirklichen Wert eines Autos viel besser kennenlernt, als wenn ihn die Fabrik vorfährt? Und wenn ich Ihnen jetzt gestehe, daß ich mir den gleichen Wagen wie den Ihren gekauft habe, so werden Sie vielleicht die kleine Genugtuung für Ihre Liebenswürdigkeit empfinden, die ich Ihnen damals nicht geben konnte. Denn Probefahrten sind doch umsonst, lieber Freund Matthias, nicht wahr? Und wie ich Ihre Adresse durch Ihre Autonummer erfuhr, so können auch Sie mich durch meine neue Autonummer, IIB 11530, leicht finden, vorausgesetzt, daß Ihnen ein Wiedersehen ebensoviel Freude machen würde wie Ihrem kleinen Autogast Christa."
am Mittwoch, 24. Juli, nicht das vorgesehene Lustspiel „Sonne für Renate" von Cbermayer zur Auf-
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Kätzen am Schützenh-aus; 21 bis 22 Uhr, Reiten, Elschule Schombs, Brandplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die törichte Jungfrau".
Oer Ahnennachweis an Fachschulen.
Wegen des Ersatzes dieser Bilder ergeht noch sondere Verfügung.
Naturschutz während des Schullandheim-Aufenthalts.
heutigen aufgctric urden bc- ■e 22 big l kosteten Mark erblich ein
,11 nb wie alt bist du, Christa?"
„Achtzehn. Sie dürfen also ruhig Sie sagen/ „Verzeihung."
von der Schulleitung der Neuaufzunehmende veranlaßt, den Ahnennachweis der Reichsschaft der Studierenden an den Deutschen Hoch- und Fachschulen auszufüllen und die urkundlichen Belege für seine Angaben vorzulegen. Die urkundlichen Belege sind ihm hierauf wieder zurückzugeben. Der Schulleiter bestätigt die ordnungsgemäße Prüfung derselben und die Richtigkeit der Angaben im Ahnennachweis im Feld „Anmerkungen" in der linken unteren Ecke des Formblattes.
Bei Semesterbeginn übergibt der Schulleiter dem Fachschulschaftsführer die gesamten Ahnennachweise der Neueingetretenen zur Verwahrung und zum Verbleib. Ich verpflichte jedoch die örtlichen Fachschulschaftsführer, dem Schulleiter jederzeit Einsicht in die Ahnennachweise zu gewähren. Eine Prüfung der ordnungsgemäßen Aufbewahrung durch die Fachschul- schaften behalte ich mir vor.
Bilder in der Schule.
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mmungen, es für d'i Ansicht >» chassen.
Sie sagte mit tiefem Ernst:
„Ein Fahrer soll während der Fahrt auf seinen Wagen aufpassen und sich nicht mit jungen Damen unterhalten."'
„Auch dann nicht, wenn die junge Dame sehr schön ist?"
„Dann erst recht nicht. Denn die junge Dame legt Wert darauf, schön zu bleiben und nicht mit zerschnittenem Gesicht oder einer Beule in ihrem hübschen Kopf den Weg fortzusetzen."
„Aber wenn er ein sehr guter Fahrer ist und die Dame ihm sehr gut gefällt?"
„Es geschieht schnell ein Unglück." Matthias verlangsamte die Fahrt.
„Fahren wir noch immer zu schnell dazu?" „Ja."
„Und wenn ich halte?"
„Dann dürfen Sie mir sagen, was Sie wollen." Er brachte den Wagen sofort zum Stehen.
„Jetzt darf ich Ihnen sagen, was ich will, Christa?"
„Ja. Jetzt dürfen Sie alles sagen, was man so einem kleinen Mädel sagt, das man ein Stück in seinem Wagen mitnimmt. Denn jetzt steige ich aus."
Ehe Matthias noch recht verstand, hatte sie die Tür geöffnet und lief davon. Er sah ihr lange nach.
„Schade", dachte er, „wirklich schade!"
Und man wußte nicht, ob er damit ihr oder sein Benehmen meinte.
♦
Eines Tages sah Matthias seinen kleinen Autogast wieder. Christa saß in einem weißen Kabriolett neben dem Fahrer. Und wieder trug sie ihr zerdrücktes rotes Kleid und wieder hatte sie einen Strauß Wiesenblumen im Arm, und wieder sah man auf dem Gesicht des Fahrers eine kleine Hoffnung. Matthias winkte beim Dorbeifahren hinüber und verspürte wenig von der Kollegialität der Männer. Aber als hätte es nur der zweiten Begegnung bedurft, um an Christa erinnert zu werden, wie ein hartnäckiger Gläubiger kreuzte Matthias jeden Tag die Straße um jene Stelle, wo er vor Wochen Christa, das arme Mädel in dem roten Kleid, in seinem Wagen aufnahm. Er sah sie nicht wieder.
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3) ab.
Zwei Wochen nach der letzten Begegnung fand Matthias einen schmalen Brief unter seiner Post. Er las:
„Lieber Freund Matthias — (da Sie mich Christa nannten, darf ich wohl auch Matthias sagen) — ich möchte Ihre kleine Enttäuschung des Abschieds gern mildern. Sie gingen von einem verzeihlichen Irrtum aus, ein kleines Mädchen mit kleinen Grundsätzen in Ihrem großen Auto zu fahren. Es war
Sonderzug nach dem Nürburgring.
Wie unsere Gaudienststelle uns heute mitteilt, ist es aus technischen Gründen nicht möglich, diesen Sonderzug fahren zu lassen.
Urlaubszug nach Danzig (Ostpreußen).
Dieser Zug muß wegen technischer Schwierigkeiten leider ausfallen. Wir bitten die Teilnehmer, die sich für diesen Zug schon vorangemeldet haben, sich eine andere Ferienfahrt auszusuchen.
Sportkurse „Kraft durch Freude-'.
Achtung!
Verlegung von Sporlkursen!
Während der Schulferien werden folgende Kurse m die Turnhalle der Schillerschule, Schillerstraße, verlegt:
Donnerstags von 20 bis 21, Donnerstags von 21 bis 22 Uhr, Fröhliche Gymnastik und Spiele nur I
Den nachstehenden Erlaß des Reichs- und Preu- ßlschen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung, Abteilung II — den Direktionen der gewerblichen und technischen Unterrichtsanstalten, des Rheinischen Technikums in Bingen und des Adolf-Hitler-Politechnikums in Friedberg zur Kenntnisnahme und Beachtung mitgeteilt.
Die Deutsche Fachschulschaft hat für die Studierenden der in das Reichsfachschulschaftsverzeichnis eingetragenen Fachschulen den Ahnennachweis ein- gefuhrt. Ich begrüße diese Einrichtung. Auch die Schulleitung benötigt die Ahnenachweise bei der Aufnahme der Studierenden. Um unnötige Doppelarbeit zu vermeiden, ordne ich daher im Einvernehmen mit dem Herrn Reichsführer der Deutschen Fachschulschaft folgendes an:
Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt!
Darum, — soweit ihr noch fehlt, meldet euch beim nächsten NZV.RUtglied, das eure Anmeldung gerne weilergibl an die
Kreisamtsleitung der NSV.
Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung Abteilung II — hat an die Direktionen der höheren Schulen folgende Verfügung gerichtet:
Der Aufenthalt von Klassen in Jugendherbergen oder Schullandheimen während mehrerer Wochen bringt eine gewisse Bedrohung der Flora mit sich. Ich ersuche Sie daher, allen Führern von Klassen das vorherige Studium der Naturschutzgesetze aufzugeben und die Jugend durch den Biologen über die Pflanzen belehren zu lassen, die in dem betreffenden Gebiet, unter Schutz stehen. Auf die Verwendung von Warnungstafeln und farbigen Pflanzenbildern in dem Heimen wird hierbei ebenfalls hingewiesen.
Spie'ptancinderung im Stadttheater.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Infolge Erkrankung von Frl. W i e l a n d e r kann
Oie Steife mit der Bahnsteigkarte.
Eine fünfzigjährige Frau in London, die kürzlich Anverwandte an den Zug nach Glasgow brachte, kam gar nicht mehr dazu, das bereitgehaltene Taschentuch zum Tränentrocknen und Abschiedswinken zu benutzen: sie war behilflich gewesen, die Koffer in den Zug zu tragen, und ehe sie es sich versah, ertönte das Abschiedssignal. Mit Entsetzen bemerkte sie, daß sie im Begriff war, mit einer Bahnsteigkarte eine unfreiwillige Reise anzutreten. An der nächsten Station wollte sie aussteigen und zitternd fragte sie den Schaffner, wann der Zug wieder halte. „In Glasgow", entgegnete der Beamte gelassen. Ja, die arme Frau hatte sich gerade den „Königlichen Schotten" für ihre Reise als blinder Passagier ausgesucht: erst seit kurzer Zeit fährt die ganze Strecke von über sechshundert Kilometer ohne anzuhalten. Die Frau schwamm in Tränen, und ihre Verwandten waren nicht minder bestürzt, daß der Abschied im Zug solange ausgedehnt werden sollte. Und was wird die Reise kosten? Voll Bangen zählte die Frau ihre kleine Barschaft, und die Mitreisenden beteiligten sich an diesem vergeblichen Versuch, einen Ausweg zu erklügeln. Der Schaffner nahm die Frau schließlich in seine wohlwollende Obhut und geleitete sie in Glasgow zu dem Dahnhofsvorstand. Nun wurde lange Rat gepflogen, was zu tun sei. Die Frau hatte wirklich keine Freude an dieser unfreiwilligen Reise gehabt und war so bekümmert, daß sie das Herz des strengen Beamten rührte. Der Bahnhofsvorstand machte einen Vorschlag zur Güte. Er wollte selbst die Verhandlungen mit der Eisellbahndirektion führen und
Im Innern der Kapelle auf dem Neuen Friedhof sind gegenwärtig umfangreiche Herrichtungsarbeiten im Gange. Daß diese Instandsetzung eine dringende Notwendigkeit ist, geht schon daraus hervor,' daß wiederholt, zum Teil im Verlaufe von Trauerfeiern, Teile des Verputzes von der Decke oder von der Wand herabfielen, wodurch nicht nur die Feiern beeinträchtigt, sondern auch Personen gefährdet wurden. Das Stadtbauamt hat nunmehr nach Entfernung des Gestühls aus der Kapelle den gefamten alten Verputz abschlagen lassen, da er durchweg mcht mehr die erforderliche feste Form und Verbundenheit mit dem Mauerwerk besaß. Die Decke und
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Aufführung des entzückenden Lustspiels „Hilde und 4 PS" von Kurt Sellnick angesetzt, dessen Spielleitung bei Wolfgang Kühne liegt. Dies Lustspiel wird erstmalig in Gießen zur Aufführung kommen. Ausgangs der Winterspielzeit wurde „Hilde und 4 PS" mit einem außergewöhnlichen Publikumserfolg in Hannover uraufgeführt. Das Äadttheater nimmt dieses erfolgreiche Lustspiel in seinen Sommerspielplan auf und ist nach Hannover die erste Bühne, an der die Geschichte um das neue Dolksauto zur Aufführung kommt. Schon wenige Tage nach feiner stürmisch gefeierten Uraufführung in Hannover wurde Kurt Sellnicks jüngstes Werk von einer großen Zahl Bühnen für die kommende Spielzeit vorgesehen. Spieldauer 20 bis 22 Uhr.
für Frauen; Freitags von 20 bis 21 Uhr, Allgemeine Körperschule für Frauen und Man«er.
Das neue Vieneljahrcssportprogramm ist einge« troffen und kann auf dem epoifamt, Schanzenstraße 18, abgeholt werden. Der Sportamts-Stütz- punlt Gießen hat bisher folgende Kurse ausgestellt:
Fröhliche Gymnastik und Spiele.
Nur für Frauen.
Donnerstag von 20 bis 21 Uhr, Schillerschule, für Jüngere; Donnerstag von 21 bis 22 Uhr, Schillerschule, für Asliere: Freilags von 20.30 bis 21.30 Uhr, Lollar, Kantinengebäude der Firma Buderus.
Leichtathletik.
Für Frauen und Männer gemeinsam.
Samstags von 17 bis 19 Uhr. Universitätssport» platz am Kugelberg. Obige Kurse sind ossene Kurse. Eintritt ist jederzeit möglich. Für folgende geschlossene Kurse ist vorherige Anmeldung aus dem Sportamt erforderlich.
Allgemeine Körperschule.
Für Frauen und Männer gemeinsam.
Dienstags von 19 bis 21 Uhr Donnerstag von 16 bis 18 Uhr, Univerfitätssportplatz am Kugelberg; Freitags von 20 bis 21 Uhr, Schillerschule.
Reichssporkabzeichen.
Für Frauen und Männer gemeinsam.
Donnerstag von 18.30 bis 20.30 Uhr, Universi- tätssportplatz am Kugelberg.
Tennis.
Für Frauen und Männer gemeinsam.
Montags von 18 bis 19 Uhr, Montags von 19 bis 20 Uhr, Dienstags von 6.15 bis 7.15 Uhr, Städtische Plätze am Schützenhaus. Für die Anfängerkurse werden Bälle und Schläger vom Sportamt gestellt.
Reiten.
Für Frauen und Männer gemeinsam.
Montags 21 bis 22 Uhr, Dienstags 21 bis 22 Uhr, Mittwochs 20 bis 21 Uhr, Freitags 20 bis 21 Uhr, Freitags 21 bis 22 Uhr, Reitschule, Brandplatz. Für den Montag-Kursus ist noch ein Platz frei, für den Mittwoch-Kursus sind noch sechs Plätze frei. Interessenten wollen sich umgehend an das Sportamt, Schanzenstraße 18, Sprechstunden von 8 bis 13 Uhr, oder Telephon 2919, wenden. Die Kosten betragen für Mitglieder der DAF. acht Sportmarken ä 1 Mark = 8 Mark, bzw. für Nichtmitglieder 8 Sportmarken ä 1,50 Mark = 12 Mark.
Schwimmen.
Für Frauen und Männer gemeinsam. Montags von 18 bis 19,15 Uhr Badeanstalt des Männerbadevereins: Mittwochs von 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr Volksbad: Samstags von 16 bis 17.15 Uhr Lollar, Lahnbad.
Wegen Hochverrats verurteilt.
(LPD.) Der Strafsenat des Oberlandesgerichts Darmstadt verurteilte den 37jährigen Karl Hofmann aus W i e f e ck und die 28jährige Maria Baitz aus G i e ß e n zu 3 bzw. 2% Jahren Zuchthaus und zu fünf Jahren Ehrverlust. Beide werden unter Polizeiaufsicht gestellt. Da sie leugneten, wurde ihnen die Untersuchungshaft nicht angerechnet. Sie hatten beide enge Beziehungen zu Kommunisten unterhalten und illegal für die KPD. gearbeitet.
Herrichtung der Friedhofskapelle.
Wir räumen auf...
Jeder von uns hat eine Rumpelkammer. Bei dem einen ist es die Schreibtifchschieblade, bei dem andern eine Vorkammer der Werkstatt, bei dem dritten eine Ecke neben dem Kaninchenstall. Kurzum: wir alle haben irgendwo lzinsichtlich unserer Ordnungshafttgkeit ein schlechtes Gewissen. Aber mir haben so viel zu tun im Beruf, im Dienst im Geschäft, daß wir froh sind, wenn alles einigermaßen am Schnürchen geht, und wir beruhigen uns und unser Gewissen mit dem Gedanken: wenn der Urlaub oder die Ferien da sind, dann werden wir mal „reinen Tisch" machen!
kommt der Urlaub, dann kommen die e glücklichen Tage, wo des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr, wenn auch nur für eine kurze Spanne Seit, stillsteht. Wenn wir nicht gerade verreisen oder sonst eine Liebhaberei uns abhält, etwa der Angelsport ober das Briefmarkensammeln ... aber auch beim Briefmarkensammeln gibt es eine Rumpelkammer. Sie hat die Form eines mehr oder weniger großen Briefumschlags, in den wir „erstmal alle Marken hineingestopst haben, um sie zu gegebener Zeit, etwa im Urlaub (siehe oben!) zu ordnen.
Eines schönes Tages aber, wenn das Gewissen doch zu stark schlägt, geht's mit der Ordnerei wirk- ilch los. Da wird ein Feldzugsplan entworfen: heute wird dies, morgen wird jenes durchgesehen iinb gesichtet und gelichtet. O, es soll ein furchter- lidjes Gericht gehalten werden!
Indessen: der Mensch denkt — und ine Rumpelkammer lenkt! Wenn ich so an meine eigene Rumpelkammer denke, d. h. an den Hinteren Teil meiner v.roßen Schreibtifchschieblade (der vordere Teil ist tipptopp in Ordnung), und wenn ich mich der vielen, vergeblichen Versuche erinnere, diesen Teil ber Schieblade in Ordnung zu bringen, dann weiß cd) eigentlich schon im voraus, daß aus dem Ordnen tticht sehr viel werden wird. Denn mal ist es ein Bild, das mich beim Ordnen aufhält, indem ich mich in feinen Anblick zu sehr verttefe; mal ist es ein alter, etwas wackliger Kasten, der mir in meiner Knabenzeit der Inbegriff aller Seligkeit war, und l>en ich bisher noch nicht auf Hen Schutthaufen »abe werfen können, weil er doch „vielleicht" irgendwie einmal „noch zu gebrauchen" ist! Tat- !achlich ist er überhaupt nicht mehr zu gebrauchen «nd der Grund, weswegen ich ihn behalte, ist die Lmderzeit, an die mich dieser Kasten knüpft. Und wie man seine Kinderzeit nicht wegwirft, so werfe ch auch diesen Kasten nicht weg. Oder da liegt ein iJundehalsband. Ach, wie lange schon haben wir leinen Hund mehr! Aber vielleicht werden wir mal lieber einen haben! In Wirklichkeit ist es die Er- nnerung an den possierlichen „Buschibu" (so hieß !-r Liebling der Familie!), die mich hindert, das mmoberne, halb zerrissene Halsband fortzuwerfen.
Und so geht's in der Werkstatt, so geht's auch in der Ecke beim Kaninchenstall zu! Zum richtigen Ordnen, zum wahrhaftigen Sichten all der vielen 1 rimsframereien kommt es nie. Immer fällt uns ttroas anderes ein oder auf, das uns vom Ordnen ibjäü. Wenn wir ganz ehrlich fein wollen, dann nüffen wir zugeben, daß es nach dem Ordnen meist roch unordentlicher in unserer Rumpelkammer aus= seht als vorher!
Inzwischen aber ist der Urlaub, sind die Ferien, snd die freien Tage abgelaufen. Mit der Ruhe eines Philosophen packen wir alsdann alle unsere Siebensachen wieder in die Schieblade oder stellen sie ? in: die Ecke bei dem Kaninchenstall. Mit dem festen fernen Vorsatz allerdings, im nächsten Urlaub, d»nn aber wirklich — in unserer Rumpelkammer oufzuräumen ... Dr. By.
vornokizen.
— Tageskalender für Montag: NSG. Fräst durch Freude": 18 bis 19.15 Uhr: Schwimmen in der Badeanstalt des Männerbadevereins; U bis 20 Uhr Tennis auf den städtischen Tennis-
Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung, Abteilung II — hat den unterstellten Behör- )en den nachstehenden Erlaß des Reichs- und Preu- zischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung zur Kenntnisnahme und Beachtung mitgeteilt:
3n vielen Schulen werden heute noch Bilder unserer germanischen Vorfahren als Wandschmuck verwendet, die dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft und unserer Erkenntnis über das Wesen des Germanentums in keiner Weise mehr entsprechen. Auch das das Germanentum betreffende Anschauungsmaterial ist größtenteils so veraltet, daß es nicht geeignet ist, den Kindern ein wahrheitsgetreues Bild von der germanischen Kultur zu übermitteln. Es wird daher angeordnet, daß un- geeignete Bilder aus den Schulen entfernt werden.
Bitte—nehmen Sie mich mit!
Don 3o Hanns Rös er.
Plötzlich stand em Mädchen mitten auf der Land- (t aße. Sie stand da wie ein kleiner zerzauster fogel im Wind. Ihr rotes Kleid war zerdrückt, die Füße steckten in niederen Sandalen und ein Strauß Sriefenblumen hing ihr am Gürtel. Als der schwere Lagen näher kam, hob sie die Hand.
„Bitte — nehmen Sie mich mit!"
„Wohin wollen Sie denn fahren, kleines Fräulein?"
.Ein wenig geradeaus, wenn ich darf."
^Gern. Steigen Sie ein."
sie kletterte in den Wagen und nahm vorn nejen dem Fahrer Platz.
I »Christa heiße ich", sagte sie, „ich bin sehr froh, iog Sie endlich gekommen sind. Ich bin todmüde, ich warte schon drei volle Stunden."
»Kein Wagen hat Sie mitgenommen?"
»Ich habe keinen darum gebeten."
1 »Warum nicht?"
i »Es waren lauter kleine und schäbige Wagen, Jjttrr."
$r lachte amüsiert.
. -Ach, Sie fahren also lieber in einem Acht- Mnder?"
_Wnrum nicht? Wenn man die Auswahl hat!" Sie räkelte sich behaglich zurecht, besann sich auf il)i2 Blumen und sah sich suchend im Wagen um. /Eine Blumenvase hat der Wagen wohl nicht?" .Leider nein, kleines Fräulein."
/Schade. Aber sagen Sie nicht immer kleines friulein zu mir."
.Wie soll ich denn sagen?"
,Jch heiße Christa."
ohre ein Mort zu wechseln. Ruhig lag der Wagen
■uf der Straße, seine neunzig Kilometer waren
■Id)* zu spüren.
.Sie fahren wohl sehr gern Auto?", begann Matthias.
Qljrijta schwieg nach immer. Sie starrte gerade
aus auf die Fahrbahn.
.Haben Sie mich nicht verstanden, Christa?"
„Doch."
„Warum antworten Sie mir nicht?"
darum ersuchen, daß der Frau die Erstattung des Fahrgeldes erlassen werde. Zunächst sollte sie sich bei ihren Verwandten von dem ausgestandenen Schreck erholen, um dann wieder die Rückreise anzutreten, deren Kosten er einstweilen vorstrecken werde. Die Direktion ließ verlauten, man wolle auf die Erhebung des Reisegeldes für Hin- und Rück- fahrt unter diesen besonderen Umständen verzichten. So machte die Frau schließlich eine Serienreife von über zwölshundert Kilometer — mit einer Bahnsteigkarte.
Oie fatale Aehnlickkeit.
Der 1925 verstorbene, berühmte Maler Lovis Corinth war unbestechlich in seiner Kunst und ließ sich durch nichts zu Beschönigungen und anderen Zugeständnissen bewegen. Einst, als er schon auf der Höhe seines Ruhmes stand, erhielt er von einem reichen Kaufmann einen Porträtauftrag. Dieser Mann war nicht gerade eine griechische Schönheit, Corinth aber brachte ihn auf die Leinwand, ohne auch nur etwas an dem Aussehen schmeichlerisch zu ändern. Nach der Ablieferung des Bildes wurde der Meister gefragt, was denn die Familie des Porträtierten zu dem Bilde gesagt habe. Corinth sagte schmunzelnd: gemeint haben sie alle." „Geweint? Man sollte doch meinen, sie hätten sich gefreut?" — „Nee", antwortete Corinth, „jeweint haben sie und jefagt, daß sie ja nich jewußt hätten, daß ihr Vater so aussieht."
Zeitschriften.
— „Handarbeiten aller A r t" (Sticke- reienund Spitzen), Heft 7, 35. Jahrgang, Verlagsanstalt Alexander Koch GmbH., Stuttgart. Einzelheft 1,80 Mark. Jahresbezug 8 Hefte bei vierteljährigem Bezugspreis 3 Mark. In dem Heft wird alte und neue Handarbeitskunst nebeneinandergestellt. Aus dem Wunsche heraus. Wertvolles der Vergangenheit befruchtend auf unsere handwerklich neu erblühende Zeit wirken zu lassen, führt man eine Reihe schönster alter Motive in Kreuzstich- und Gobelinstickerei vor, die dem Schatze deutscher Museen entnommen sind und zum Teil bis ins vierzehnte Jahrhundert zurückreichen. Die Verwertung verschiedenster Wollarten ist dabei ebenso interessant wie Form und Technik. Geschmackvolle neuzeitliche Leistungen In Kreuzstichtechnik werden neben Hand- weberei. Filet- und feinster Häkelarbeit vom Staat lichen Handarbeitsseminar Darmstadt (Eleonoren- schule) gezeigt. Don ganz besonderem Reiz sind die reich gesteppten und bestickten Decken von Ina von Ä«rWrff‘Berlitfc


