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Br. 168 zweiter Blatt
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sitz aller Schwung lind Rhythmus des Baus und ütrriefelt weich niedcrgleitend an den sanften Linien
Das Statistische Reichsamt hat kürzlich in einer Untersuchung der Entwicklung des Welthandels im ersten Vierteljahr 1935 darauf aufmerksam gemacht, daß sich der Außenhandel der Ueber-
deutschen Interessen sind in diesem Falle mit denen der südamerikanischen Länder völlig weitlaufend.
darf, es i um den gegenseitigen letzten halben Jahre so günstig entwickelt hat, auszubauen und weiter zu steigern. Auf deutscher Seite wird sicherlich nichts versäumt werden, um den deutsch-südamerikanischen Handelsaustausch zu sör- dern und zu erleichtern. Denn in Deutschland knüpft man an die wirtschaftliche Erholung Südamerikas mit Recht große Hoffnungen sowohl im Hinblick auf eine Steigerung des deutschen Exports wie auf die Sicherung der deutschen Rohstoffversorgung. Die
ihr Rampe, die in ihrem Schweben kaum den Soben zu berühren scheint.
Südamerika überwindet die Krise
Bessere Aussichten für das deutsche Südamerikageschäst.
Bei Herrn Laval zuhause.
Frankreichs neue Minister Präsidentschaft im ehemaligen Palais Talleyrands Ärief unseres pariser Mitarbeii r'.
sehr aufeinander angewiesen, daß man annehmen werde der richtige Weg gefunden werden, gegenseitigen Warenaustausch, der sich im
Rymphenburg.
Von Zlse Schmi t-W sfettdorff, Gießen.
Wie die Sonne brennt! Einer Welle gleich flutet liie Hitze über den weiten Platz vor dem Schloß, läßt die weißen Mauern der Gebäude in südlicher feile aufstrahlen und legt einen bleiernen Glanz Über die vielen Wasseradern, Kanäle und Becken, l e das weite Rund durchschneiden. Aber seltsam, ias tiefe Strahlen von Sonne und Himmel trägt I in Leben in dieses Bild. Es ist mir, als ob in h efcm goldnen Licht die Stille stiller würde, als c5 ein großer Schlaf über das wirkliche Leben von Schloß und Park niedergegangen sei, von der Etunde an, da diejenigen Menschen dahingingen, für die dieser Rahmen geschaffen wurde.
Was müssen das für Menschen gewesen, fein! Hub wie stark der Ausdruck ihres Lebens, denn über dem Schlaf chrer Räume liegt noch immer bis Lächeln ihrer spielerischen Heiterkeit, der Glanz ii rer selbstverständlichen Grazie und die dunkle Träumerei ihrer heimlichen Schwermut.
Wie sie waren, ahnt man schon hier auf diesem Watz vor dem Schloß, der so viel zu erzählen weiß, tnb doch ist er nur eine Einleitung, ein Auftakt, b r wie in einem einzigen Akkord die Vielheit der stimmen gesammelt hält, die sich später zur Melodie verbreitern.
Alles ist hier von einem südlichen Lächeln über« giänzt, ist weit, licht und frei. Die weißen Marmor- g.ittinnen, die ihr Bild im ruhigen Wasser spiegeln, sind Kinder eines selig blauen Himmels. Ihr Ant« liZ ist ganz unbeschwert, in den Winkeln der unpigen Münder liegt Locken und Heiterkeit. Sie Hissen von keiner Sunde.
Das eigentliche Schloß, eine Schöpfung Barel« lis, Viscardis und Effners aus den Iah« nn 1663—1728 :ft nichts als ein Würfel, doch wie
•er wichtigsten Produkte Brasiliens ist. Außerdem jst auch die brasilianische Baumwollernte ttwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Irotz dieser Hemmungen wird es der brasilianischen Regierung allem Anschein nach gelingen, die F i - a n 3 e n des Landes zu ordnen, den staatlichen haushalt ins Gleichgewicht zu bringen und dadurch 7uch die Währung zu stützen die durch die Verminde- nmg der Deviseneingänge aus der Kaffeeausfuhr ebroht ist. Im großen und ganzen geht auch die wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens aufwärts, und s fehlt nicht an Zeichen fortschreitender Erholung lies Landes.
Auch in einer Reihe anderer südamerikanischer Länder hat sich die wirtschaftliche Lage offensichtlich «bessert. So konnte z. B. Chile seine Außenhan« !«lsbilanz aus einem höheren Niveau aktivieren. Bute Aussichten bietet insbesondere die Kupfer- t uSfuhr Chiles, die erheblich zugenommen hat imd infolge der Besserung der Weltmarktpreise l«s Kupfers steigende Erlöse zu bringen verspricht. Ebenso hat sich die S a l p e t e r a u s f u h r Chiles auf Grund der abgeschlossenen Vereinbarungen etwas belebt. Aus Peru wird berichtet, daß die Kilberhausse anregend auf die Bergwerks- mbustrie eingewirkt habe, und daß auch eine bessere Baumwollernte in Aussicht stehe. B o l i« i i e n hat seine Zinnausfuhr trotz des lang« lauernden Krieges mit Paraguay im letzten Jahre p verdoppeln vermocht. Auch für dieses Land wird Ille Wiedererhöhung der internationalen Metall- greise große Bedeutung gewinnen, da die Zinn- msfuhr mit 80 Prozent an der Gesamtausfuhr Boliviens beteiligt ist.
schwung, den der deutsch-brasilianische Handel im letzten Jahr genommen hat, zu einem Dauerzustand zu machen.
Aehnliche Schwierigkeiten wie in Brasilien hat der deutsche Export auch in Argentinien zu überwinden. Sie sind im Verkehr mit diesem Lande dadurch hervorgerufen worden, daß die argentinische Ausfuhr nach Deutschland stärker als die deutsche Ausfuhr nach Argentinien gestiegen ist, und daß Deutschland nicht in der Lage war, den Einfuhrüberschuß mit Devisen zu bezahlen. Ein Ausweg aus dieser Schwierigkeit sollte aber nicht in einer Einschränkung der argentinischen Ausfuhr nach Deutschland, sondern vielmehr in einer Steigerung der argentinischen Bezüge deutscher industrieller Fertigwaren gefunden werden. Das allein entspricht den Interessen beider Länder. Deutschland und Südamerika sind so
Der französische Ministerpräsident ober, um ihn mit feinem richtigen Titel zu nennen, der President du Conseil, hat vor einigen Wochen fein Amtshaus, bas Hotel Matignon, bezogen. Für bie Ar- beitsmethobe ber französischen Regierung ist das ein Ereignis von nicht geringer Bedeutung, denn bisher hatte der Ministerpräsident der französischen Republik weder einen Beamten st ad, noch eine Amts- und Arbeitswohnung gehabt, wenn er nicht zufällig neben der Präsidentschaft noch irgendein Portefeuille innehatte. Er „hospitierte" in den anderen Ministerien, die ihm auch Beamte zur Verfügung stellten, wenn er welche brauchte. Aus dieser Arbeitsweise ergaben sich naturgemäß nicht nur erhebliche äußere Schwierigkeiten, sondern der Ministerpräsident war auch mehr ober weniger von seinen Ministern abhängig.
Diese Schwäche in der Stellung des Präsidenten hatte bereits Doumergue zu denken gegeben, und daher stand auch in dessen „Autoritätsprogramm" an einer ber ersten Stellen die Schaffung einer richtigen Ministerpräsidentschaft mit eigenem Haus und eigenem Beamtenstab. Dieser Programmpunkt war der einzige, den Doumergue durchsetzen konnte. Er selbst kam allerdings nicht mehr in den Genuß der größeren persönlichen Autorität, denn während im Hotel Matignon noch die Maler und Tischler und Architekten wirtschafteten, mußte er von der politischen Bühne abtreten. Flandin war also der er sie französische Premier, der ein eigenes Ärbeitszentrum hatte, wie es etwa der Wilhelmstraße in Berlin oder ber Doroningftreet in London entspricht.
Das Hotel Matignon, in dem immer noch der Geruch von frischer Farbe und neuen Tapeten zu spüren ist, hat eine interessante Vorgeschichte. Sein letzter Besitzer war Oesterreich, das hier seine Botschaft untergebracht hatte, bis bei Ausbruch des Krieges bie französische Regierung das Haus in Besitz nahm. Im vorigen Jahrhundert residierten hier der Graf von Paris und vor ihm die Herzogin von Orleans, deren Vorgänger aher wohl der interessanteste Bewohner
tn Filigran wir*t die Faliade und löst die (Erben- (drroere des Vierecks in em wundersames Leicht- |e n. Fenster reiht sich hier an Fenster Klein und Iiisstig w»e blinzelnde Lugen sind sie in der obersten N-jhe, vergrößern sich mit jedem tieferen Stockwerk, fingen reicheren Schmuck, wölben sich in den drei D ittcl;eiib(rn ber betben untersten Etagen zu eb- Icm Rundbogen, ber wie eine geschwungene Braue iit er den verträumten Blicken liegt. Hier sammelt
Wie weit ausholende Arme strecken sich nun rechts und links die von Torbogen durchbrochenen Flügel. Immer weiter ziehen sie sich hin, verzweigen sich zu einem Komplex von Kavalierhäusern, Pavillons und Stallungen, umschließen eine ganze Welt, bie sich zu Füßen bes Schlosses schmiegt. Welch ein Leben war in diesen Räumen beschlossen, wie viele Lichtlein brannten hier, die Wärme und Atem empfingen von der einen Sonne.
Schloß und Park aber bildeten wiederum eine Welt für sich, die sich jeden Augenblick von der übrigen Welt abschliehen konnte. Die Torbogen, die sich nach dem Park öffneten, konnten durch niederzulassende Gitter verschlossen werden. Der Park wurde nun zum Raum, und über feine vielverschlungenen Wege huscht und geistert ein buntes, reiches Leden. Es gab Damenkarussells, bei denen die schönen Amazonen hoch zu Roß erschienen und ihre Künste vorführten, Jagdturniere, in denen ein verfolgter Hirsch zu erlegen war, ganze Bauernhochzeiten, bei denen der Kurfürst den Wirt in Kostüm und Maske gab, Illuminationen, wo sich glühende Girlanden gleich funkelnden Edelsteinen von Zweig zu Zweig schlangen und ihr Sprühen in den ruhigen Wassern widerspiegelten. Venedig wurde hervorgezaubert, und in geschmückten Gondeln glitten die karnevalsfrohen Menschen über die Kanäle...
Ich möchte wohl wissen, wie dieser Park ausgesehen haben mag, ehe er zu Anfang des vorigen Jahrhunderts in englischem Geschmack umgestaltet wurde. Ursprünglich war er nach den Plänen des Schloßekbauers Effner angelegt und muß ein großes Wunder gewesen sein. Uns ist nämlich ein zeitgenössischer Bericht des Herrn von Roten- st e i n erhalten geblieben. Was er uns erzählt, klingt märchenhaft genug:
„Der Garten hat 19 Springbrunnen, welche 285 Wasserstrahlen geben. Das große Blumenparterre ist 138 Klafter lang und hat viele kleine und eine sechsfache Fontäne. Das Parterre ist mit Vasen uith Duchsbaum angelegt und auf Beeten da- zwifchen stehen Blumen, welche alle Monat ge- wechselt werden. Gleich vorn stehen sechs hohe ver- gofbete Urnen, bazwischen Drachenfontänen. In den Parterren stehen 28 vergolbete Statuen, Vasen unb Urnen, an ben Spalieren 17 Statuen von weißem Marmor. Nach den Drachenfontänen folgen zwei Äinberfontänen. In der Mitte die große Florafontäne, sie ist achteckig, in weißem Marmor gefaßt. In der Mitte ist ein großer Kord mit Blumen, woraus ein mannshoher Strahl springt. Auf dem Berge stehen ein Löwe, ein zottiger Hund,
des „Hotels" gewesen ist — der Herzog von Bene- vent, Talleyranb. In einem ber Schlafzimmer, ein Stockwerk über ben Wohnzimmern Lavals, hielt ber große Intrigant feine „petit levers“ ab. Höflinge, Abenteurer, Bittsteller pflegten zuzu- fchauen, wie die Diener Talleyrands Füße wuschen, der Friseur sein Haar kräuselte, der Page ihm das Hemd reichte ...
Heute macht das Hotel Matignon einen nüchterneren Eindruck als zu den Zeiten Talleyrands. Die meisten Zimmer sind in Arbeitsräume für den Stab des Ministerpräsidenten umgeroanbelt worden, ber große Speisesaal ist heute Beratungszimmer für Kabinettssitzungen, und nur vier Räume haben noch die gemalten Decken und Holztäfelungen mit dem schönen goldenen Maßwerk aus der Zeit, in der das Palais erbaut wurde (um 1720).
Talleyrand ließ sich bei seinem „Lever" die neuesten Tagesnachrichten und den letzten Gesellschaftsklatsch (ber vor hundert Jahren in Paris noch ein wichtiges Mittel der Politik war) erzählen. L a - oals Lever ist, in die Zeit von 1935 übersetzt, nicht viel anders; wenn er sich anzieht und rasiert, stellt er den Radioapparat an, der um 7.15 Uhr Tagesnachrichten und Auszüge aus ben wichtigsten Zeitungsartikeln roiebergibt. Diese Mor- genftunbe ist übrigens der einzige feste Punkt im Tagesprogramm eines französischen Premiers, wenigstens solange die Kammer tagt. Oft beginnen die Parlamentssitzungen nämlich schon um 9 Uhr und dauern, namentlich in „kritischen" Zeiten, bis tief in die Nacht. Der Premier kann dann noch froh sein, wenn er seine ersten Radioinformationen durch Zeitungsausschnitte ergänzen kann, die ihm in einer grünen Mappe jeden Morgen auf ben Arbeitstisch gelegt werben. Nicht selten kommt es jedoch vor, daß sich der Ministerpräsident erst in den Wandelgängen ber Kammer genauer über die politische Situation unterrichten kann ober sogar ziemlich ahnungslos im Sitzungssaal erscheint. Der größte Teil ber Arbeitszeit geht dann, wie Laval selbst einmal zugegeben hat, da
Die allgemeine wirtschaftliche Erholung Südamerikas wirb in D eutschland aus guten Grünben sehr beachtet. Die sübamerikanischen Länber exportieren neben Lebenmitteln vor allem inbu- ftrielle Rohstoffe, für die in Deutschland ein großer Bedarf vorhanden ist, wenn sie i m Austausch gegen deutsche industrielle Fertigwaren, also ohne Aufwendung von Devisen erworben werben können. Wenn sich aber Sübamerika wirtschaftlich erholt, so erhöht sich damit auch feine Aufnahmefähigkeit für deutsche Jndustriewaren, bie bisher nur durch bie ungenügenbe, infolge ber Weltmarktkrise geschwächte Kaufkraft der Bevölkerung Südamerikas beschränkt wurde. Ein Austausch sübamerika- nischer Rohstoffe geaen deutsche industrielle Fertigerzeugnisse bietet also beiden Teilen die größten Vorteile. Er könnte mit der wachsenden Kaufkraft Südamerikas bedeutend ausgedehnt werden, da ber Warenbedarf unb bie Erzeugungsüberfchüffe Deutschlands unb ber sübamerikanischen Länber ein« anber ausgezeichnet ergänzen. Leiber haben bie Devisenschwierigkeiten einger amerikanischer Länder neuerdings bie Steigerung bes gegenseitigen Handelsverkehrs behindert und Stockungen im deutsch - südamerikanischen Warenaustausch verursacht. Das war insbesondere in Brasilien der Fall. Doch scheint es, daß die Hemmungen jetzt beseitigt sind und daß es gelingen wird, den Auf-
drei große Schwäne, zwei Störche und viel Seeblumenkraut. Dann sind acht kleine vergoldete Berge, auf vieren davon sitzen Liebesgötter, auf den vier anderen Tritonen, welche Korallen, Perlen und dergleichen in den Händen halten. Sie sitzen auf Walfischen. Auf dem Rand des Bassins sind in der Rundung herum acht vergoldete Frösche, welche das Wasser im Bogen ausfpeien. Zu dieser prächtigen Fontäne waren 52 Zentner Blei erforderlich. Sodann kommt man wieder zu einem großen Baffin, welches sechs schuhhohe Wassersprünge in einer Reihe hat/
Bewegter und bunter war dieses Bild jedenfalls als das fjeuhae, voll schillernder Lebendigkeit, wie jene ganze Zeit mit ihrem weltseligen lieber« schäumen.
Jetzt geht der Atem einer großen träumerischen Ruhe über das langgestreckte Parterre. Auch hier wieder Wasserarme, aber gerade geführt, tief in die Landschaft hineinweifend bis dorthin, wo die Grenzen dieser Welt liegen. Derschnittene Taxushecken säumen die schnurgeraden Wege. Im strengen Rund der Strahl des Springbrunnens ist fast zu lebendig für die tiefe Stille. Wohl leuchten Blumen in verschwenderischer Fülle die Rasenflächen umsäumend, bilden Teppiche zu Füßen der zahlreichen Skulpturen und reichgezierten Vasen, wohl gaukeln Falter über diesen Blüten, aber alles scheint noch wie vom Schlaf umfangen, gerade aus gewacht für eines Augenblickes Länge, bereit, wieder in tiefen Traum zurückzusinken ...
Mein Schritt verliert sich dorthin, wo im Dämmern herrlicher alter Bäume kühler Schatten winkt. Im grünen Dickicht am Rande eines Seitenweges spielt der große Pan auf seiner Flöte. Ein silberquellendes Wasser sprudelt aus ben Felsen, die das Bildwerk tragen, rinnt eilig dahin, verschwindet unter den tiefhängenden Zweigen der Bäume. Versponnen in Zauber scheint ber Winkel von dem ewig alten Lied. Weiter schlängelt sich der Weg. Ueberall plätscherfs und murmelt's von Quellen, huschen Eichhörnchen durchs Geäst, äugen neugierig und zutraulich.
Wieder blinkt ein Wasserspiegel durch die Bäume ... ein kleiner See. Verloren schwimmen einige Blätter auf feinem Dunkel, gleiten stille Schwäne dahin, schmiegt sich das herrliche Ebenmaß eines Monopteros in ben Blättersamt. Nun aber ist es wieder wie leises Lachen. Bezaubernb zärtlich bietet sich bie kleine Pagodenburg dem Blick, auch eine Schöpfung Effners. Dargereicht mit einer grazilen Handbewegung, in der bie Kultur von Jahrhunderten liegt. Ein kleiner Teeraum barm.
f e e l ä n b e r im allgemeinen stärker erholt hat als ber Europas. An ber Spitze biefes Aufstiegs marschieren u. a. bie beiden großen fübamerita« Nischen Länber Argentinien und Brasilien. Auch die Dcutsch-Uebersoeische Bank, die sich die Pflege des deutsch - sübamerikanischen Wirtschasts- mustaufd)es zur Ausgabe gemacht hat, hat in ihrer Hetzten Generalversammlung auf die günstige Wendung in der Konjunkturgestattung ber sübamerika- Nischen Länder hngcwjesen. Am deutlichsten ist diese in Argentinien zu erkennen. Sie nahm hier (ebenfo wie in Brasilien) von einer Stärkung des Binnenmarktes ihren Ausgang. Die schwächere Getreideernte des Jahres 1934 hotte zur «Folge, daß Argentinien für feine Agrarerzeugnisse bessere Preise erhielt und feinen großen Ueberschuh an diesen Produkten glatt abzusetzen vermochte. Namentlich bie argentinischen Verschiffungen von Weizen, Hafer unb Leinsaat nahmen bebeutenb zu. Da auf diese Weise bie Kaufkraft bes ßanbes erheblich gestärkt würbe, konnte Argentinien auch mehr Waren einführen. Außerbem konnten bie in der Krifenzeit in Unordnung geratenen staatlichen Finanzen bes Landes durch Aufnahme neuer Anleihen, insbesondere auch durch eine langfristige englische Anleihe, wesentlich verbessert werden. Das Ergebnis war, 2aß Währung unb Wirtschaft schnell gesundeten. Die Umsätze auf dem argentinischen Binnenmarkt haben sich um etwa 25 Prozent erhöht. Die Aus- uhr argentinischer Waren war in ben ersten vier Monaten des Jahres 1935 um 11 Prozent höher als in dem gleichen Zeitabschnitt bes Vorjahres.
Nicht so schnell unb grablinig vollzog sich der wirtschaftliche Aufschwung in Brasilien. Auch hier ist zwar eine starke Belebung des Binnenmarktes eingetreten, unb die Kaufkraft der Bevölkerung hat sich offensichtlich erhöht. Aber die Ausfuhr brasilianischer Agrar- d r o b u 11 e konnte nicht in gleichem Maße wie in Argentinien gesteigert werden. Das liegt vor allem im ber geringen Aufnahmefähigkeit • es Weltmarktes für Kaffee, ber eines
Montag, 22. Juli 1935
mit hin, den Steinen auszuweichen, die die Kam- mer bei ben nichtigsten Anlassen einem Ministerpräsidenten in den Weg zu werfen pflegt. Der Segen ber Demokratie . . .
Bemerkenswert unb ebenfalls neu in ber Arbeitsweise bes französischen Kabinetts ist ein riesiges Telephon mit vielen Knöpfen, das auf bem Schreibtisch des Premiers steht. Früher begnügte sich ber Ministerpräsident wie auch jedes Ministerium mit bem gewöhnlichen Amtsanschluß. 21ber fein Minister war sicher, daß seine Gespräche von seinen Beamten ober von Angestellten ber Telephonämter abgehört wurden. In ber Affäre Staviski wurden zum Beispiel systematisch Minifter- gespräche von einem Telephonfräulein belauscht, bas deren Inhalt dann gegen klingende Münze an dunkle Elemente weitergab. In aller (Erinnerung ist auch noch die Befreiung Leon Daudets, des Royalistenhäuptlings, aus dem Gefängnis, bie nur durch ein fingiertes Ministergefpräch ermöglicht wurde. Jetzt hat man endlich für direkte Leitungen zwischen den einzelnen Ministerien und zwischen den Ministerien und dem „President du Conseil“ gesorgt, so daß man vor unberufenen Lauscher»- sicher ist.
Hunbfunfproflramm.
Dienstag, 23. Juli.
6 Uhr: Choral — Moraenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In ber Pause, 7: Zeitangabe, Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Frühkonzert. 10.45: Prak- tische Ratschläge für Küche und Haus. 11.30: Sozial- dienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Nachrichten aus bem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.15: Wirtfchaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Für die Frau. 16: Kleines Konzert. 16.30: Wie sind unsere Gebirge entstanden? Eine geologische Betrachtung. 16.45: Menschen, die nicht bis drei zählen können. Ein interessantes Kapitel aus der Psychologie. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Jst Europa zum Aus- sterben verurteilt? Die wahren Ursachen des Geburtenrückganges. Eine bevölkerungspolitische Untersuchung von Dr. V. Siebrecht, Darmstadt. 18.45: Zeitgenossen gibt's ... 19: Unterhaltungskonzert. 19.40: Ferien zu Haus. Plauderei von Anni Na- dolni. 19.50: Der Tagesspiegel bes Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Schloßkonzert in Wilhelmshöhe. 21: Orchesterkonzert des Rundfunkorchesters. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk, Sportbericht. 22.20: OHL.: Berichte und Gespräche aus der Arbeit des Großen Hauptquartiers. 23: Volksmusik. 24 bis 2: Nachtmusik.
Mittwoch, 24. Juli.
6 Uhr: Choral — Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Frühkonzert. 9.15: Musik am Morgen. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.15: Wirtfchaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Der Hohentwiel. Hörfolge aus dem Hegau. Don Prof. Dr. Johannes Künzig. 16: Kleines Konzert. 16.30: Aus Zeit und Leben. Vom deutschen Wein. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Das Leben spricht. 18.45: Saardienst. Auf Stellensuche ... Neue Wege der Arbeitsvermittlung. 19: Unterhaltungskonzert. 19.40: Bauernfunk. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der jungen Nation. „Ewiges Volk". 20.45: Bunte Stunde. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk, Sportbericht. 22.20: Der große Preis von Deutschland auf dem Nürburgring. 22.30: „Nachtmusik und Tanz". 24 bis 2: Nachtmusik.
Daten für den 23. Juli.
1532: Religionsfriede zu Nürnberg. —1562: Ritter Götz von Berlichingen in Homberg geft. (geb. 1480). — 1824: Der Philosophiehistoriker Kuno Fischer in Sandewalde geb. (geft. 1907). 1914: Ultimatum Oesterreich-Ungarns an Serbien. — 1933: Der Admiral Ludwig v. Schroeder, „Der Löwe von Flandern" in Berlin geft (geb. 1854).
Sanftes Blau von Delfter Kacheln, mattes Gold am Mobiliar, gleiches Blau an Stoffen unb Vorhängen. Und darüber ein anderer Raum. Japanische Kunst schmückte die WärDe. Jst Idee ber Blüte selbst, ist tieffte, gefangene Wahrheit im Leuchten eines Lotoskelches. Wie ein Blütentraum überzieht es die Wände. Sonnenflecken liegen warm auf dem Boden... Bilder kommen und gehen... leises Läuten feinsten Porzellans, Funkeln getriebenen Silbers, Lilienduft und Rosenglut. Eine kleine ringgeschmückte Hand reicht die Tasse mit duftendem Getränk und über dem Lächeln blüht die Verheißung werbender Augen...
Auf ber anderen Seite des Parkes spiegelt C u v i l l i 6 in ber von ihm erbauten Amalienburg bie ganze Welt des Rokoko... Prunk unb Verschwendung. Hier herrscht Frankreich. Gespreizt unb unerhört geschmückt funkelt der kleine Spiegelsaal. Hier klappern hohe Stöckelschuhe, schlagen Fächer- schwingen, nicken Sttaußenfedern auf turmhohen Frisuren. Die Klänge eines Menuetts erklingen. Langsam, fast ernsthaft bewegen sich die Tänzer. Kerzen knistern unb verlöschen... noch ein letztes Golbgeftmkel. Draußen wartet die Nacht.
Ein dritter zierlicher Bau. Spielerische Laune müßiger Stunden. Die Badenburg. Hier ist das Bad zum Luxus eines heiteren Genießens geworben. Tändelnd verspritzen Wassertropfen, wölbt sich der Raum über träumerisch im Nacken verschlungenen Armen und dem Lächeln süßer (Erinnerung ober ahnender Hoffnung. Denn alle diese Räume wissen um die Liede. Nur für sie scheinen sie ge- schäften, von ihr sprechen sie noch heute. Die Welt ber Politik, des höfischen Sichgebens war in die Räume des großen Schlosses verbannt. Hier weht andere Luft. Hier herrscht bas Boudoir, hier wurde das Leben zur Miniatur, zur entzückenden kleinen Intimität. Nicht die Zeit unb ihr Geschehen konnte diesen Hauch zerstören. Ein Rosenschleier breitet sich für immer darüber hin. Der Traum ist so stark, daß er zur Wirklichkeit wird. Rur leise und be- hutsam waaon sich die Füße über bas Parkett. Don Jugend unb Schönheit geht ber tiefe Traum ...
Und draußen die Bäume! Sie sind die gleichen geblieben. Nichts konnte ihr Leben wandeln. Herrlich und groß stehen sie da unb breiten sich schirmend über eiliges kleines Menschvnbasein. Die Wurzeln in verborgener Tiefe, die Kr^one in Blau unb Licht, burchströmt vom Leben quellender Säfte. Keine Sprache ber Wett gleicht bem Rauschen der Bäume. Unb über ihnen zittert bie Glut eines Sommertages...


