Bombenangriffe in seinen Landen schweren Schaden zufügt. Es wird deshalb zwangsläufig zu den vorher erwähnten Luftkämpfen von Geschwadergruppen gegeneinander kommen. Hierbei können selbstverständlich auch Bomber durchschlüpfen, die von den Jagdstaffeln nicht mehr erwischt werden. Gegen diese Bomber setzt dann die Erdbodenabwehr ein, die lebenswichtige Objekte unmittelbar schützen soll.
Wir sehen also, daß zu Anfang eines Krieges die Fliegergefahr für die Bevölkerung in offenen Ortschaften nur gering sein wird. Die militärischen Kriegsbelange sind zu groß, um durch Einschüchterung der Bevölkerung durch Angriffe auf ungeschützte Ortschaften irgendeine Wirkung erzielen zu wollen. Erst im weiteren Verlauf der Kampfhandlungen muß mit Fliegerwirkung auf Ortschaften gerechnet werden. Das Vorhandensein von beweglichen Abwehrmitteln wird die Flugzeuge, bei der dauernden Möglichkeit in Abwehrfeuer oder andere Sperren zu geraten, auch nachts zwingen, i n großen Höhen zu fliegen, wodurch trotz verbesserter Zielapparate beim Bombenabwurf die Treffgenauigkeit nicht unerheblich abnimmt. Auch ein Vorteil des Vorhandenseins der aktiven Abwehr. Bei ihrem Fehlen könnten die -Flugzeuge bis dicht über die Ziele herabstoßen.
In welcher Weise der zivile Schutz durchzuführen ist, darüber lehren die örtlichen Organisationen des Luftschutzverbandes. Es ist anzunehmen, daß über die Pflichten der Volksgenossen noch eine gesetzliche Regelung erfolgt. Mit Improvisationen darf man sich künftig nicht begnügen. Kosten, die nicht zu vermeiden sein werden, müssen im Interesse der ganzen Volksgemeinschaft in Kauf genommen werden. Um sie später zu vermeiden, empfiehlt es sich, schon jetzt bei Neubauten auf Fliegerschutz Rücksicht zu nehmen. Die Bevölkerung wird und kann verlangen, daß sie wenigstens gegen Bombenwirkung Schutz findet. Dies wird in der Hauptsache nur durch bombensichere Unter st ände, wozu sich eine Anzahl von Kellern gut eignen, zu erreichen sein.
Wie selbst durch Improvisation ein Schutz für die Einwohner gegen Luftangriffe während des Krieges geschaffen wurde, zeigt uns das lehrreiche Beispiel von D ü n k i r ch e n. Dieser wichtige Hafenplatz der Alliierten mußte ein wichtiges Ziel unserer Angriffe werden. Die Stadt hatte seit Dezember 1914 bis zum Kriegsende dauernd mehr oder weniger unter Angriffen durch Flieger und schweres Feuer von Land und von See gelitten. In den Perioden vermehrter Bombenabwürfe setzte allerdings eine Massenflucht der Bevölkerung ein. Dünkirchen hatte 39 000 Einwohner. April, Mai 1915 waren es nur rund 5500, die Zahl stieg bis Juli 1916 wieder auf 12 000 bis 15 000, um September, Oktober 1917 auf etwa 7000 zurückzugehen.
Die allmähliche Herausbildung des Schutzes bestand in:
1. der Errichtung eines Warn- und Alarmdienstes, 2. der Aufstellung von Scheinwerfern, 3. Ballonsperren,
4. Rauchvorhängen und Vernebelung sowie
5. der Einrichtung zahlreicher Untertrete- und Zufluchtsräume.
Sirenen ließen den Nachteil erkennen, daß sie bei starkem Frost einfroren. Als sicherstes Signalmittel bewährten sich Raketen, die mit lautem Knall dicht über den Häusern zersprangen. Scheinwerfer, Ballonsperren und Vernebelung erwiesen sich als zweckdienlich. Ein schwerer Angriff Ende Januar 1915 gab den Anstoß zum Bau besonderer Schutzräume mit wohnlicher Ausstattung. Sand- sgcke wurden zum pflichtmäßigen Zubehör aller Keller, und die Befolgung des Gebotes peinlicher Abblendung aller Lichter von 8 Uhr abends an wurde durch besondere Kommandos und' die Einwohner selbst überwacht. Schutzkeller wurden nach der Straße zu kenntlich gemacht, so daß die Bürger, die vom Bombardement überrascht wurden, in diesen Zuflucht nehmen konnten. Im Juli 1915 waren schon 146 solcher Keller vorhanden. Von den bald danach auf 215 gestiegenen Zufluchtsstätten wurden nach einer Prüfung durch Jngenieuroffiziere 68 als ungenügend bezeichnet und von einer weiteren Verwendung ausgeschlossen, die übrigen kostenlos mittels Unterzügen, Beton und Sandsäcken verstärkt. Eine Unterstandspolizei wurde geschaffen.
Industrielle Mobilmachung in Amerika.
Während die Räume tagsüber mir bei Alarm benutzt werden durften, konnten Einwohner, die es wünschten, gegen Lösen von Karten auch nachts sich in einem der Schutzräume aufhalten, wo sie alles zum Schlafen nötige erhielten. Gruppen von Schutzräumen und benachbarte Häuser wurden sogar durch unterirdische Gänge verbunden. In allen Unterständen befanden sich Verbandpäckchen. In. den größten, der im Lause der Zeit geschaffenen Unterstände brachte man nach und nach das Staatsarchiv und die städtischen Kunstgegenstände, die Filiale der Banque de France, die englische Fernsprechzentrale, eine Apotheke, das Asyl für Kinderhilfe usw. unter. Im August 1918 hatte man Schutzräume für rund 8000 Personen, welche Zahl etwa der der Zivileinwohner entsprach.
Als Endergebnis der passiven Schutzmaßnahmen in Dünkirchen kann man also feststellen: Schaffung schußsicherer Zufluchtsstätten für die Gesamtheit der in der Stadt verbliebenen Einwohner. Eine anerkennenswerte Leistung der verantwortlichen Stellen, Kommandantur und Bürgermeisteramt* *. Man nehme sich die tapfere französische Hafenstadt als Vorbild!
Wie schon gesagt, werden selbst die stärksten Luftstreitkräfte und Erdabwehrwaffen keine vollkommene Sicherheit von Land und Volk gewährleisten. Demnach verliert der passive Luftschutz nicht seine Wichtigkeit. Wir wollen hoffen und wünschen, daß er nicht so bald in Tätigkeit zu treten braucht. Wir wollen den Frieden. Wir wollen aber auch für einen uns aufgezwungenen Waffengang zu Lande, zu Wasser und in der Luft auf das beste gerüstet sein.
* Die Angaben über Dünkirchen sind der Schrift: „Luftgefahr und Luftschutzmöglichkeiten in Deutschland" von Minister a. D. Kröhne entnommen.
U-Boote in aller Welt.
Angesichts der Ankündigung der deutschen Regierung, eine kleine Anzahl von U-Booten zu bauen, verdient die nachstehende Uebersicht besonderes Interesse. Sie zeigt, daß nicht nur die Seestreitkräfte der Großmächte U-Boote besitzen, sondern, daß auch eine sehr große Anzahl der übrigen Länder in aller Welt über U-Boote verfügt.
Von den vertraglich begrenzten Flotten hat England 52 U-Boote mit 51259 Tonnen, im Bau sind 12 U-Boote mit 12 830 Tonnen, zusammen 64 U-Boote mit 64089 Tonnen. Die Vereinigten Staaten verfügen über 83 U-Boote mit 69 260 Tonnen. Im Bau begriffen sind 10 U-Boote mit 13 020 Tonnen, insgesamt 93 U-Boote mit 82 280 Tonnen. Japan verfügt über 60 U-Boote mit 70 554 Tonnen, im Bau begriffen sind 10 U-Boote mit 12 800 Tonnen, zusammen 70 U-Boote mit 83 354 Tonnen. Außerdem sind nach dem zweiten Ergänzungsplan noch vorgesehen 4 U-Boote. Italien verfügt über 43 U-Boote mit 31 632 Tonnen, die italienische Bautätigkeit ist sehr stark. Im Bau begriffen find 22 U-Boote mit 17 679 Tonnen, insgesamt also 65 U-Boote mit 49 311 Tonnen. Dazu kommen noch 6 überaltete Küsten-U-Boote mit zusammen 1512 Tonnen. Die stärkste U-Boot-Macht ist Frankreich mit 96 U-Booten und 81801 Tonnen. Im Bau begriffen sind 15 U-Boote mit 16 645 Tonnen, insgesamt verfügt also Frankreich über 111 U-Boote mit einem Inhalt von 98 446 Tonnen.
Von den vertraglich nicht begrenzten Marinen besitzt Argentinien 3 U-Boote, Brasilien 6 bis 8 U-Boote, die auch als Minenleger Verwendung finden. Chile verfügt über 9 U-Boote, davon auch 3 moderne U-Boote. Dänemark besitzt 8 U-Boote. Estland hat vor kurzem erst einer großen Rüstungsfirma in England einen Auftrag auf den Bau von 2 U-Booten gegeben. Griechenland besitzt 6 neuere U-Boote, Iu- g o s l a w i e n deren 4, auch Lettland hat 2 U-Boote. Die Niederlande verfügen über 30 U-Boote mit 14 077 Tonnen. Norwegen besitzt 9 U-Boote, Peru deren 4. Die polnische Flotte verfügt über 3 U-Boote. Sogar Portugal besitzt 2 U-Boote. Schweden verfügt über 15 U-Boote, davon find 5 überaltert, die aber inzwischen ersetzt werden. Auch Spanien besitzt 13 U-Boote. Die Türkei verfügt ebenfalls über
„Armee und Marine sind nur die Speerspitze unserer Landesverteidigung. Die Kraft, die diese Spitze weitertreibt, so daß sie das Ziel durchstößt, ist die durch die industrielle Mobilmachung zur Geltung gebrachte wirtschaftliche Macht", so umreißt Hauptmann B u r d i ck in der amerikanischen Zeitschrift „The Military Engineer" die Aufgaben der Kriegsindustrie und gibt uns gleichzeitig ein Bild, wie man sie in seinem Heimatlande, den Vereinigten Staaten, für ihre Lösung im Frieden schon vorzubereiten gedenkt. Auf Kongreßbeschluß ist ein Kriegsmaterialamt geschaffen, das — unabhängig von den schon bestehenden Ministerien — sich in Abteilungen für Industrie, Handel, Propaganda, Verteilung der Dienstpflichten auf Heer und Rüstungsindustrie gliedert. Sein Leiter, der stellvertretende Kriegsfekretär, hat außerdem alle Gesetze vorzubereiten, die mit Kriegsbeginn zur E r- leichterung von Erzeugung und Beschaffung in Kraft treten sollen. Sie behandeln u. a.: Vorkehrungen gegen unlauteren Wettbewerb, Beseitigung des Acht-Stunden-Tages, Bereitstellung von Geldmitteln zum Ankauf von Rohstoffen, Schaffung einer Nahrungsmittelverwaltung, Richtlinien für Lohnbeschränkung und Preisfestsetzung, Regelung des Transportwesens.
Das Land ist in 14 Bejchafsungsbezirke eingeteilt, an deren Spitze Industrielle aus den betreffenden Distrikten stehen, die sich hierzu freiwillig zur Verfügung gestellt haben. Unter ihnen arbeiten aktive Offiziere und Vertreter der Industrie. Sie erfassen die für die Kriegsarbeit in Frage
4 U-Boote und schließlich ist es immerhin nicht unwichtig, daß auch die Sowjet-Union über eine größere Anzahl U-Boote verfügt. Im Fernen Osten befinden sich 16 U-Boote, im Schwarzen Meer 8 U-Boote und in der Ostsee wiederum 16 U-Boote.
Neuzeitliche Schußweiten.
In den „Wehrtechnischen Monatsheften" macht Generalleutnant a. D. Freiherr von Botz- h e i m Mitteilungen über die Schußweiten der Geschähe der schwer st en Artillerie. Diese Geschütze umfafsen die Kaliber von 20 cm bis zum derzeitig größten von 52 cm (französische 520-mm-Haubitze). Ihre Aufgabe ist eine doppelte. Hauptaufgabe ist die Z e r st ö r u n g von Befestigungsanlagen aller Art, hierzu möglichste Steigerung des Kalibers bis 52 cm, um besonders wirkungsvolle Granaten verschießen zu können. Die verwertbare Schußweite diejer Geschütze ist dadurch nach oben begrenzt, daß d i e Treffähigkeit noch ausreichen muß, um die meist kleinen Ziele, wie Panzertürme, betonierte Unterstände, mit Aussicht auf Volltreffer beschießen zu können. Nachdem erfahrungsgemäß die Streuungen mit zunehmender Querschnittsbelastung der Geschosse immer günstiger werden, so verschiebt sich mit Zunahme des Kalibers die verwertbare Schußweitengrenze nach oben.
Nach unten sind die Schußweiten dieser Geschütze dadurch begrenzt, daß sie vonder feindlichen Artillerie nicht mehr wirksam gefaßt werden sollen und daß sie als Eisenbahngeschütze noch mit der Eisenbahn genügend weit nach vorne gebracht werden können. Im Weltkriege besaßen die schweren und schwersten Mörser und Haubitzen im allgemeinen Schußweiten von 9000 bis 14 000 m (deutsche und österreichische 42-crn-Haubitzen). Bei neuzeitlichen Geschützen dieser Art sind' meist Schußweiten von 15 000 bis 18 000 m (französische 52-crn-Haubitze) vorgesehen.
Die andere Hauptaufgabe der schwersten Artillerie besteht darin, mit besonders weittragenden großkalibrigen Kanonen wichtigere Ziele von größerer Ausdehnung weit hinter der feindlichen Front zu beschießen. Ihre Heranziehung zur Artilleriebekämpfung wird sich im Hinblick auf deren begrenzte Lebensdauer und geringe Feuer- geschwinmakeit meist darauf beschränken, einzelne weiter abstehende feuernde schwere Batterien mit
kommenden Fabriken, bereiten sie durch Zuweisung der nötigen Zeichnungen und Abnahmevorschriften, hin und wieder auch durch Versuchsaufträge für ihre Aufgaben vor, entwerfen Lieferungsverträge sowie Pläne zur Verteilung von Rohstoffen.
lieber 20 000 Firmen sind bereits in den Kreis der Vorbereitungen gezogen, mehr als 50 000 Männer beschäftigen sich mit Beschaffungsfragen. Man hat ein eigenes Rüstungsoffzierskorps geschaffen. Geeignete aktive Offiziere werden auf technischen und Handelshochschulen ausgebildet und zu längeren Dienstleistungen bei der Beschaffungsabteilung des Kriegsministeriums einberufen. Re- ferve-Offiziere aus Technik und Wirtschaft werden während ihrer militärischen Hebungen über Herstellung und Beschaffung von Kriegsmaterial unterliefen. Besonders bemüht man sich, die Studenten der technischen Hochschulen während ihres Studiums planmäßig auf ihre Tätigkeit als Beschaffungs-Offiziere vorzubereiten.
So bricht sich der Gedanke der industriellen Mo- bilmachung in den Vereinigten Staaten immer mehr Bahn. Man ist überzeugt, daß der Grundsatz der Aushebung auf das Material, den Dollar ebenso angewandt werden muß, wie auf die Menschen. „Es genügt nicht", schreibt der Leiter des Rüstungsbezirkes San Franzisko, „daß unser Land über eine große Mensche nrejerve, eine große Summe von Intelligenz verfügt, wenn wir ihnen nicht d i e nötigen Waffen sichern. Unsere Aufgabe '.st es, unserem Verstände etwas Schießpulver hinzu- zufügen." By.
Fliegerbeobachtung zu bekämpfen oder wenigstens niederzuhalten. Im Kriege wurden hierzu vorzugsweise die schweren Kaliber der Sch i f f s • artillerie auf Landlafetten oder als Eisenbahngeschütze verwendet mit Schußweiten von 20 bis 35 km, in einzelnen Fällen bis 60 km und beim deutschen Parisgefchütz sogar mit 130 km Schußweite. Nachdem die Streuungen mit zunehmender Entfernung außergewöhnlich groß werden, so dürste der Wert Derartiger Geschütze mehr auf der moralischen Seite liegen als Störungsfeuer. Im übrigen erreichen Bombenflugzeuge die gleiche Mr- Fung mit wesentlich größerer Treffsicherheit. Die weitere Entwicklung der Raketengefchosse weist unter Umständen neue Wege.
Thorney, die neue englische Festung.
Unter den neuen befestigten Plätzen, die England im Rahmen des Ausbaues seiner Landesverteidigung an feiner Südküste errichten wird, nimmt Thorney einen besonderen Platz ein. Die kleinen Festungen werden offiziell als Flughäfen aufgezogen, gleichen jedoch mehr oder minder großen S p e r r f or t s. Denn alle Flugplätze erhalten moderne Verteidigungseinrichtungen, die natürlich gegen jeden Gegner, gleichgültig ob er aus der Luft ober vom Lande her angreift, eingesetzt werden können. Der Hauptzweck dieser befestigten Stützpunkte besteht darin, zahlreichen Kampf- und Bombenflugzeugen eine sichere Unterkunft und Versorgungsba- fis zu geben, von der aus sie zur Verteidigung ebenso wie zum Angriff aufsteigen können.
Der stärkste Punkt dieser Art wird jedoch d i e I n- fei Thorney bei Portsmouth. Aus der Insel wird ein Militärlager gemacht, das sich um einen geräumigen Flugplatz mit Großbombern gruppiert. Selbstverständlich fehlt es nicht an allen leichten und schweren Waffen, über befestigte Punkte verfügen müssen, besonders wenn es gilt, die Flug- zeuggeschwader, die sie beherbergen, fo zu schützen, daß sie stets aktionsfähig und einsatzbereit bleiben. Infolgedessen wird man auch bombensichere Flugzeugschuppen, die unter der Erdoberfläche liegen und gut getarnt sind, schaffen. Es ist auch bekannt, daß auf der Insel Thorney gewaltige Mengen Kriegs- und Ausrüstungsmaterial aufgehäuft werden sollen, ein Beweis dafür, daß Thorney in der britischen Landesverteidigung eine sehr wichtige Rolle zugewiefen erhalten hat.
Pferde, die ich liebgewann.
Von Wolf Aeurneister.
„Ich habe manche Maid geküßt, im welschen, wie im deutschen Land, auf manches Pferdes Widerrist lag zügelhaltend meine Hand ..
schreibt der Herr von Münchhausen in feinen „Ritterlichen Liedern". Wieviel „Maiden" ich geküßt habe, das gehört nicht hierher, ich spreche nicht über solche Sachen, — aber das kann ich wohl behaupten, daß ich eine Menge Gäule unter den Händen gehabt habe, — ober vielmehr zwischen den Schenkeln!
*
Der erste richtige „eigene" Gaul, den ich bekam, war „Delila", ein turmhohes Biest, dessen Widerrist meine Hand gerade eben noch erreichen konnte. Ich war damals 1,64 groß, 17 Jahre alt und erschien im Spätherbst 1914 in riesig langen Reiterstiefeln bei einer Feldbatterie, nachdem ich in der Garnison auf den unmöglichsten Kutsch-, Milchwagen, Zirkus- und Tscherkessenpferden meine Reitkünste vervollkommnet hatte. Das waren wilde Tiere gewesen, die dem Reiter nach dem Leben trachteten, — meine Delila tat das nicht, sie war nur kitzelig am Widerrist, und wenn ich mich beim Aufsitzen da festhielt, ging sie ab. Der Futtermeister lachte sich tot dabei, aber ich kam doch immer in den Sattel, und das gefiel ihm dann wieder. Von ihm habe ich richtig reiten gelernt, auf „Delila" und einer Menge anderer Pferde der Batterie.
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Reiterlich für voll genommen wurde ich nach einem tollen Ritt auf der Remonte „Fafner", die als das hinterhältigste Vieh in der Batterie galt. Ich hatte mit ein paar Unteroffizieren gewettet, daß ich mit Fafner fertig würde, und die Bande hatte ihn irgendwie mit gestoßenem Pfeffer behandelt. Jedenfalls schoß er los, wie von der Tarantel gestochen, raste durch das Dorf, dann einen Bahndamm hinauf und die Strecke entlang, daß die Schottersteine flogen. Dann wurde es aber mulmig, denn die Strecke lief eingleisig auf einer achtzehn Meter hohen Behelfsbrücke über die Aisne. Zwischen den Schienen lag — für die Bahnpatrouil- len — nur ein schmales Laufbrett auf den Schwellen Fafner donnerte in voller Karriere über diese losen Bretter hinweg, daß mir Hören und Sehen verging. Aber drüben am anderen Ufer war er dann zufrieden, und ich ritt ihn mit arrogantem Grinsen zu den entsetzten Kameraden zurück. Trotz
dem behielt ich gegen Fafner ein gewisses Mißtrauen.
*
Ein besonders freundliches Andenken bewahre ich dagegen einem dicken, gemütlichen Pferd, mit dem ich als Meldereiter einmal in einen tiefen Laufgraben krachte, den ich zu kurz übersprang. In diesem engen Graben saß der gute Kerl trotz schweren feindlichen Feuers anderthalb Stunden geduldig auf den Hinterbacken wie ein braver Hund, bis ich ihn mit Hilfe einiger Infanteristen herausgraben konnte.
Er hieß „Daniel", wie denn überhaupt unter den Armeepferden eine unverhältnismäßig große Anzahl altteftamentlicher Namen vertreten war: Saul, Samuel, Äffer, Rebekka usw. Aber unsere Fahrer nannten ihre Gäule privatim ja doch wie zu Haus: Hans ober Liese. Einer rief feinen „Artaxerxes" meistens „Pflaumenmus" und feinen „Cyrill" — „Käseberg". Es war sehr komisch, wie diese dicken Burschen sofort bereitwillig herantrotteten, wenn die rauhe Stimme ihres Meisters melodisch lockte: „Komm, mei Pflaummus!"
*
Später lernte ich eine sehr kapriziöse junge Dame kennen, die auf den Namen „Salome" hörte, — oder vielmehr nicht hörte, denn sie war ein Mistvieh von reinstem Wasser. Ein schlankes, rassiges Halbblut mit kleinem Araberköpfchen, an dem ihre feinen Oehrchen fast immer bösartig anlagen, während sie aus ihren braungeäderten Augen schielte, wie sie wohl wieder jemandem eins auswischen könnte. Sie wurde mir zugeteilt, als ich als junger Leutnant zur ersten Batterie kam. Daß etwas mit
ihr los war, sah ich an der grinsenden Korona, die Herumstand, als ich sie das erste Mal bestieg. Da habe ich dann mit diesem Herzchen eine geschlagene Stunde am Ortsausgang gestanden, — denn sie hatte die Marotte, nicht aus Ortschaften herauszugehen, seit sie dabei einmal ein feindlicher Granat- fplitter erwischt hatte. Eine Stunde haben wir dort gekämpft, wer der Stärkere fei; zweimal hat sie sich mit mir rückwärts überschlagen, mich mit den Knien gegen die Hausmauern gerammelt, — aber dann zwang ich sie doch, schweißgebadet, — und seitdem ging es. Ein Jahr später hat sie sich dann in Brest- Litowsk dafür gerächt, indem sie sich mitten zwischen dichten Marschkolonnen ganz plötzlich überschlug und mich unter sich begrub. Während ich auf dem Pflaster meine Knochen zusammensuchte, stand sie ganz unverhohlen grinsend dabei, und ihre Augen sagten: „Siehst du, mein Junge, das war für damals in Berrieux!"
Ich habe sie zwei lange Kriegsjahre geritten, im
mer auf der Hut, und habe manchen Strauß mit ihr ausgefochten. Aber sie war ein wackeres, immer eifriges Tier, und dann hatte sie eine gute Eigenschaft, diese junge Dame: sie war keusch! Das heißt: sie ließ keinen anderen Reiter an sich heran, sie stieg und schmiß um sich, daß die Funken stoben, und wenn in meiner Abwesenheit doch wirklich einmal irgendein Meldereiter raufkam, da war er im nächsten Moment mit absoluter Sicherheit auf der anderen Seite wieder unten.
*
Doch gegen eine Kugel schützt weder Temperament noch Keuschheit; eines Tages haben mir die Russen meine schneidige kleine „Salome" weggeknallt und ich ritt von da an eine Stute, die „Prinzessin" hieß, — und sich auch so benahm. Es war ein bildfchones, zierliches Vollblut, tänzelte elegant nach der Musik, lief wie ein Hirsch, nahm jedes Hindernis, wenn es ihm gerade Spaß machte; — aber es war alles andere als ein Gebrauchspferd, wie es ein Ordonnanzoffizier im Bewegungskrieg braucht, war nervös, bodenscheu, und man konnte es keinen Augenblick allein stehen lassen. Und bann hatte es die neckische Eigenschaft, zu beißen; wenn man auf- sitzen wollte, da fuhr dieses Biest blitzschnell mit dem Kopf herum und schnappte dem Reiter nach dem — na sagen wir: nach dem „Reitbesatz". Ich hatte das ja bald heraus und nahm die Zügel kurz, aber mancher hat da fatale Quetschungen davongetragen.
So eines Tages der Landwehrmann Griesbach, der für meinen erkrankten Burjchen eine zeitlang mich itftb meine Prinzeffin betreute. Der kam eines Tages empört zu mir und erklärte, er könne bas nicht mehr machen; er zeigte als Korpus belikti Die Kehrseite seines Lebens, aus der Prinzessin tatsächlich ben ganzen Hosenboden herausgerissen hatte. — Immer beim Putzen beiße sie ihn in diese Stelle, erklärte Vater Griesbach mit zitternder Stimme, er sei Familienvater, und dieses Vieh würbe ihm eines Tages... „Unb hinten, wo sie einem mit dem Maule nicht erreicht, da tritt sie einen!" sagte er ergrimmt. — Aber Prinzessin machte bas eigentlich sehr originell, sie feuerte nicht aus unb zerschmetterte einem die Knochen, sondern sie hob langsam ben Fuß, setzte ihn bem „Gegner" auf ben Schenkel ober ben Bauch und warf ihn in hohem Bogen auf die Stallgaffe hinaus. Aber fo feine Unterschiede ließ Kamerad Griesbach nicht gelten.
Nun, dieses verwöhnte Tier fiel der Räude zum Opfer, die unseren Pferbebestand berartig lichtete, bah mir schließlich alle klein uno häßlich zu Fuß laufen muhten. — Zum Glück gelang es mir dann.
bei einer ungarischen Kolonne ein nettes Panje- pfevbchen zu flauen — Krieg ist Krieg! —, und dieser fidele kleine Pfroppen hat mir nur eitel Freude gemacht (bis auf (einen kurzen, stoßenden Trab). Genügsam und zufrieden find diese Tierchen! Wenn fein Futter da war, gab man ihm eine alte Zeitung oder eine Handvoll Sägespäne, bas fraß es vergnügt und wurde dick und rund dabei; und wenn man es unangebunden irgendwo im Gelände stehenließ und sagte: „So, hier bleib stehen!" dann stand es noch nach 14 Tagen, wartete eisern, bis das Herrchen mieberfam und grinste noch wie ein Primelpott. — Ich nannte es „Marinko" und Marinka war beliebt in der ganzen Batterie, die ich damals führte.
Als sie im Juli 1918 vor Soifsons von einer Granate getroffen wurde, habe ich um sie getrauert wie um einen guten Kameraden. — Meine Kanoniere rösteten sich Schnitten von Marinkas rundlichen Lenden am Holzfeuer unserer elenden Kalf- steinhöhle und brachten auch mir ein duftendes Brotenstück. Aber obwohl mir der Magen vor Hunger knurrte wie ein Steppenwolf — ich mochte davon nichts essen. Und der Gefreite Eilser nickte mir zu und sagte tieffinnig: „Das kann ich verstehen, Herr Leutnant! Ich glaube, die .Marinko' hätte von Ihnen voch nischt gefressen — und die fraß doch sonst alles!"
Wie entsteht ein Sippenarchiv?
Die Frage nach dem „Woher" hat mit einem Schlage das Interesse nach den Vorfahren geweckt. Zerlesene Kirchenbücher, alte Stammrollen und Familienandenfen werden lebendig unb tünben von vergangenen Geschlechtern, bie vor uns waren, und ohne bie wir nicht wären. Eine mächtige heimliche Stimme sogt uns, baß wir nur ein (Blieb in ber Kette ber Ahnen finb, ein Tröpflein im Blutstrom unseres Volles. Ein Bilbbericht in ber Zeitschrift „Neues Volf" über „Das erste Sippenarchio Deutfchlanbs", bas in Dithmarschen bereits vor vier Jahren entftanb, zeigt bie Wichtigfeit, zu wissen, woher ber einzelne Deutsche einst gefommen ist. „Neues Dolf" ist bie vom Rassenpolitischen Amt ber NSDAP, herausgegebene bevölferungs- unb raffen- politische Zeitschrift, bie ftänbig über alle Fragen biefes wichtigen Gebietes Ausfunft gibt. Im Juniheft finb außerbem bemerfensroert bie Aufsätze „Nationalsozialistische Ethif" von Georg Usabel unb eine Reihe anberer wertvoller Beiträge aus bem Leben unserer Zeit. „Neues Volf" ist zu beziehen vom gleichnamigen Verlag in Berlin SW 19, Linben- strahe 44.


